I N H A L T
• Die Denkmalsanlage
• Der Stein zum 1. Weltkrieg
• Die Ergänzung zum 2. Weltkrieg
• Das Gedicht »Für uns«
• Was sagen uns die Wörter?
• Aus der Geschichte
• Die Symbolik der Ketten
• Die deutsche Eiche
• Der Mythos der Findlinge
• Das Eiserne Kreuz
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Wapelfeld, KREIS Rendsburg-Eckernförde
Kleine, gepflegte Anlage in der Straße »Am Ehrenmal«
Umschlossen ist sie von einer trutzigen Feldsteinmauer mit sechseckigem Grundriss. Auf die niedrige Mauer sind gleichartige Pfeiler gesetzt worden, die mit schweren Eisenketten verbunden sind.
Mehr dazu im Kapitel »Die Symbolik der Ketten«

In der Mitte des Platzes stehen drei Denkmalsteine, die den toten Soldaten beider Weltkriege gewidmet sind. Sie sind umgeben von vier Eichen.
Mehr dazu im Kapitel »Die deutsche Eiche«

Die Denkmalsteine stehen auf einem Podest mit exakt geraden Kanten aus bunten Feldsteinen, das der umgebenden Mauer ähnelt. Das Podest des mittleren Steins springt zurück. Insgesamt stehen die Steine noch auf einer Reihe Quadersteine aus grauem Granit. Auf diesem Foto sieht man deutlich, dass die umgebende Mauer älter ist als das Podest auf dem die Steine stehen. Wie ist das zu erklären?

Alle Steine sind große gespaltene Findlingssteine. Die Inschriften sagen uns: Der mittlere, dunklere Stein ist den toten Soldaten des 1. Weltkriegs gewidmet. Er stand nach Ende des 1. Weltkriegs alleine innerhalb der Mauer mit den Kettenpfeilern. Als nach dem 2. Weltkrieg das Gedenken erweitert werden sollte, wurde dieses neue Podest gemauert und dem ersten Stein wurden zwei weitere Steine zur Seite gestellt, auf denen der toten Soldaten des 2. Weltkriegs gedacht wird. Sie sind die Hälften eines gespaltenen hellgrauen Findlingsteins, der 1954 aus Bargstedt geliefert wurde – so entsteht das symetrische Bild.
Mehr dazu im Kapitel »Der Mythos der Findlinge«
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Der Stein zum 1. Weltkrieg
Links oben ist ein Eisernes Kreuz in Kontur mit den Jahreszahlen des 1. Weltkriegs in den Stein graviert: 1914 - 18. Dieses militärische Ehrenzeichen wurde den toten Soldaten von den Denkmalsstiftern postum und kollektiv verliehen. Was die einzelnen Soldaten vor ihrem Kriegstod getan haben, hat dabei keine Bedeutung.

Die Widmung und die Aufzählung der sieben toten Soldaten von Wapelfeld ziehen sich mit großem Zeilenabstand über den ganzen Stein. Die rechtsbündige Widmung lautet:
Dem grossen Weltkriege
und den gefallenen Helden
aus der Gemeinde zum Gedächtnis
Die Tatsache, dass der »grosse Weltkrieg« verloren wurde, wird hier diskret verschwiegen. Stattdessen wird der »gefallenen Helden« gedacht.
»Der siegreiche Verlauf des Krieges von 1870/71, die Verwirklichung der langersehnten Reichseinigung und die Aufrichtung des Kaisertums ließen den Gefallenentod in diesem Krieg als sinnvoll erscheinen. Das mit jenem Krieg neugewonnene und durch entsprechende Gesinnungsakte immer wieder erneuerte nationale Prestige und das Gefühl, einer aufstrebenden Großmacht anzugehören, waren hinreichender Trost für die Hinterbliebenen.
Nach dem ersten Weltkrieg konnten sich dergleichen hohe und tröstliche Gefühle nicht einstellen. Die Erfahrung des Massensterbens an der Front, die noch lange nachwirkenden Eindrücke des Stellungskrieges im Westen und der neuen Kampfmittel, dann der für die meisten Menschen überraschende und niederschmetternde Kriegsausgang, die unbegreifliche Niederlage, das Bekanntwerden der immensen Zahl an Kriegsopfern und schließlich die trostlose Perspektive, die das ›Versailler Diktat‹ dem Deutschen Reich eröffnete, verlangten geradezu nach einer Sinngebung des Gefallenentodes ...«
• Gerhard Schneider in »erinnern, vergessen, verdrängen«, Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 1998, S.339f
»Diese Denkmäler haben eine doppelte Funktion. In ihrer individuellen Funktion dienen sie der »Kompensierung des Schmerzes der Hinterbliebenen«, sollen Trost spenden und Erinnerung an die verstorbenen Hinterbliebenen wach halten. In ihrer politischen Funktion dienen sie einer Sinngebung für die Gesellschaft: »Kriege, in denen planvoll getötet und grausam gestorben wird, fordern die Sinnstiftungsleistung des Kollektivs der Überlebenden auf ganz besondere Weise heraus.« (Andrea Kaiser, ›Von Helden und Opfern. Eine Geschichte des Volkstrauertages‹, Frankfurt/M. 2010, S.12 2010, 12)
• Zitiert aus dem Vortrag von Stadtarchivar Christian Lopau »Vom Heldendenkmal zum Mahnmal« im Rahmen der Ausstellung »Neue Anfänge nach 1945?« im Ratzeburger Dom
Der gesamte Vortrag
Nun werden – mit teils ungewöhnlichen Abkürzungen – die Namen, die Todestage und wenn bekannt die Todesorte der sieben toten Soldaten genannt. Sie sind nach ihren Todestagen geordnet, die sich gleichmäßig über die Kriegsjahre verteilen. Im ersten Kriegsjahr ist kein Soldat gestorben. Zweimal wird der Todesort genannt: Peter Henningsen ist am 23. August 1917 in Frankreich gefallen, Timm Karstens ist am 15. Oktober 1916 in Russland gestorben. Henning Vorburg wird seit dem 5. September 1918 – zwei Monate vor Kriegsende – vermisst.
Es fällt auf, dass ein Unterschied gemacht wird zwischen gefl. (gefallen) und gest. (gestorben). Als »gefallen« wird ein Soldat bezeichnet, der als Kombattant im Kampf bzw. an der Front gestorben ist. Die Definition bei Wikipedia: »Als Kombattanten werden im Kriegsvölkerrecht die Angehörigen der Streitkräfte einer am Konflikt beteiligten Partei bezeichnet.«
Hartmut Häger schreibt in seinem Buch »Kriegstotengedenken in Hildesheim«, Gerstenberg 2006, auf Seite 61: An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort ›Gefallener‹ (oder ›gefallen‹) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.«
Diese Definition darf ein Soldat, der im Lazarett oder nach Verwundung Zuhause gestorben ist, nicht für sich in Anspruch nehmen.
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Die Ergänzung ZUM 2. WELTKRIEG
Am 28. Dezember 1953 wird der Errichtung eines Denkmals für beide Weltkriege zugestimmt. 1954 wird es eingeweiht. Auf beiden Steinen erscheint wieder zuerst das militärische Ehrenzeichen, ein Eisernes Kreuz in Kontur, hier nun zwischen den Jahreszahlen des 2. Weltkriegs:
1939 (EK) 1945

Auf der linken Tafel folgt die Widmung:
Zum ehrenden Gedenken
an die Opfer des Krieges
Dies ist in zweifacher Hinsicht eine aus heutiger Sicht unbedachte Formulierung. Einmal sind nicht nur Soldaten »die Opfer« des von Nazi-Deutschland entfachten Krieges gewesen. Die zivilen Opfer, die auf der Flucht ums Leben Gekommenen werden vom Gedenken ausgeschlossen – und das sind nur die unmittelbar an den Kriegsfolgen gestorbenen deutschen Opfer. Und dann ist spätestens nach der Wehrmachtsausstellung in den 90er-Jahren bekannt, dass Soldaten auch Täter waren.
Auf diesem Stein ist z.B. Ulrich Roggenbau aufgeführt. Hauptmann Ulrich Roggenau starb mit 31 Jahren am 7. Juli 1944 in Minsk/Weißrussland, er war als Angehöriger der 110. Infanterie-Division im März 1944 am Kriegsverbrechen in Osaritschi beteiligt und war zuvor noch als Oberleutnant mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet worden.
»Während der Zeit des Nationalsozialismus galten die Inhaber des Ritterkreuzes, die ›Ritterkreuzträger‹, als Helden und genossen ein durch die NS-Propaganda verstärktes Höchstmaß an Ansehen und Popularität; nicht selten besaßen sie sogar eigene Autogrammkarten. Sie besuchten Schulen und hielten Vorträge auf Veranstaltungen der Hitlerjugend, ihre öffentlichen Auftritte waren stets von großen Ehrungen begleitet. Neben Fliegerassen und U-Boot-Fahrern sollten Heranwachsenden vor allem ›Ritterkreuzträger‹ als heroische Vorbilder dienen.«
• Wikipedia, abgerufen am 18. August 2025
Mehr zur 110. Infanterie-Division der Wehrmacht auf Wikipedia
Mehr zum Ritterkreuz auf Wikipedia
Exkurs nach Lüneburg
»Muss die Stadt Lüneburg ein Denkmal zu Ehren der deutschen Wehrmacht verhüllen? [...] Der Gedenkstein wurde 1960 errichtet. Mittlerweile ist er beschmiert und wirkt relativ verwahrlost. Die Stadt ließ bereits eine erläuternde Tafel daneben aufstellen. Sie weist darauf hin, dass ein Veteranenverband das Denkmal errichtete, das an die 110. Infanteriedivision erinnert. Diese Einheit sei in den Jahren 1940/41 im Raum Lüneburg für den Überfall auf die Sowjetunion aufgestellt worden, der als Angriffs- und Vernichtungskrieg geführt wurde.
›Erinnerungskultur ist zeit- und kontextgebunden‹, heißt es auf der Tafel. 1960 habe die Stadt Lüneburg versprochen, das Denkmal zu bewahren und zu pflegen. ›Der Gedenkstein ist ein Dokument für den unreflektierten Umgang mit der NS-Vergangenheit, der in den Sechzigerjahren noch in vielen Städten und Einrichtungen präsent war. Heute ist er umstritten und ein Stein des Anstoßes – schmerzhaft in seiner Aussage, verletzend für die Nachfahren der Opfer, unverständlich für die nachfolgenden Generationen‹, heißt es auf der Erläuterungstafel der Stadt.«
• Spiegel online, 12. September 2020
Wir kommen zurück zum linken Stein in Wapelfeld, der insgesamt 14 toten Soldaten gewidmet ist. Es werden die Namen mit dem Sterbedatum genannt, die mit einer Ausnahme nach dem Datum geordnet sind. Wobei z.B. in den ersten drei Kriegjahren zwei Soldaten, 1944 vier Soldaten starben.
Hans Heesch steht am Ende der Liste nur mit dem Sterbejahr 1945. Auf der Website des Volksbunds erfahren wir mehr: Hans Heesch ist am 5. Februar 1945 im Kriegsgefangenenlager in Wolsk an der Wolga in Russland gestorben.

Auf der rechten Tafel steht dieser Sinnspruch:
Unsere Toten
unsere Vermissten mahnen.
Wir werden sie nie vergessen!
Die Toten mahnen. Mahnen für Frieden und gegen Gewalt einzutreten? Das scheint in diesem Umfeld zu schön, um wahr zu sein.
»Es ist nicht wahr, dass die Opfer mahnen, bezeugen, Zeugenschaft für etwas ablegen, das ist eine der furchtbarsten und gedankenlosesten, schwächsten Poetisierungen (...) Auf das Opfer darf sich keiner berufen. Es ist Missbrauch. Kein Land und keine Gruppe, keine Idee, darf sich auf ihre Toten berufen.«
• Dieses Zitat von Ingeborg Bachmann in »Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar« steht auf einer Tafel zum Kriegerdenkmal in Neustadt in Holstein.
In der Liste von acht Namen toter Soldaten finden sich zwei, die nicht als vermisst gelten nur mit der Angabe des Todesjahrs: 1945; zwei mit Angabe des Todestags nach Ende des Krieges. Vom Volksbund erfahren wir, dass einer von ihnen, Max Schmidt, am 17. September 1946 in Avignon/Frankreich gestorben ist und sich sein Grab auf der Kriegsgräberstätte in Dagneux befindet und am Ende der Liste schließlich vier Vermisste, davon zwei mit Angabe des Todestags.
Es folgt nun noch die Strophe eines Gedichts aus dem Jahr 1915 (!):
Sie gaben ihr Alles ihr Leben ihr Blut
sie gaben es hin mit heiligem Mut.
FÜR UNS!
FÜR UNS! in Großbuchstaben scheint den Denkmalsstiftern besonders wichtig gewesen zu sein: »Begreift es endlich, vergesst sie nie und seid dankbar!« mögen sie gemeint haben.
Zum Gedicht siehe auch das nächste Kapitel
Fazit: Zusammenfassend kann man sagen, dass es bei der Denkmalsanlage in Wapelfeld ausschließlich um die toten Soldaten der Heimat geht. Es gibt keine kritische Reflektion über die Kriegsursachen und die deutsche Schuld, die Opfer des Nationalsozialismus werden nicht benannt. Es wird nicht sichtbar:
- dass Krieg und Verbrechen vom nationalsozialistischen Deutschland ausgingen
- dass die Verbrechen vor allem von Angehörigen der Wehrmacht, Polizei und SS begangen wurden
- dass die Opfer des Krieges größtenteils Zivilisten waren.
Wir danken Jochen Hilbert für die Fotos der Denkmalsanlage in Wapelfeld. Er ist einer unserer treuesten Leser und kennt fast alle Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein!
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DAs Gedicht »Für uns«
Den Sinnspruch suchen immer die Denkmalsstifter aus. In Wapelfeld entschieden sie sich nach dem 2. Weltkrieg für die Zeilen:

Dieses Zitat aus einem pathetischen, religiös aufgeladenen Gedicht, finden wir nicht selten auf Kriegerdenkmälern zum 1. Weltkrieg. Auf einem Gedenkstein nach dem 2. Weltkrieg ist es selten.
Der Obertertianer Reinhold Samuelsohn hat das Gedicht 1915, circa 16-jährig, verfasst. Schulkinder behandelten es ab dem Kriegsjahr 1916 im Unterricht. Wir zitieren das Gedicht aus »Neue Kriegslieder für den Schulgebrauch«, Breslau 1916, herausgegeben von Kreisschulinspektor Dr. J. Radtke:
»Fern im Osten gähnt ein Grab
Fern, fern im Osten, da gähnt ein Grab
da senkt man zu tausend die Toten hinab
für uns!
Im Westen, da ragt manch Kreuz schlicht und klein
da liegen sie stumm in langen Reih’n
für uns
Und wo im Winde rauschet das Meer
da gaben sie freudig ihr Leben her
für uns
Sie opferten Zukunft und Jugendglück
sie kehren nie wieder zur Heimat zurück
für uns
Sie gaben ihr Alles, ihr Leben, ihr Blut
sie gaben es hin mit heiligem Mut
für uns
Und wir? wir können nur weinen und beten
für sie, die da liegen bleich, blutig, zertreten
für uns
Denn es gibt kein Wort, für das Opfer zu danken
und es gibt keinen Dank für sie, die da sanken
für uns«
• Bei einer Schulfeier für den im Osten gefallenen Lehrer eines Charlottenburger Gymnasiums wurde dieses Gedicht 1915 erstmals vorgetragen.
Die Rechtsrockband »Stahlgewitter« hat das Gedicht 2006 in ihrem Album »Auftrag Deutsches Reich« vertont.
»Stahlgewitter« auf Wikipedia
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Was sagen uns die Wörter?
Gefallene:
Hartmut Häger schreibt zum Begriff »gefallen« in seinem Buch »Kriegstotengedenken in Hildesheim«, Gerstenberg 2006, auf Seite 22: »... verweist auf das Wort ›fallen‹, dem Wörter wie ›hinfallen‹ aber auch ›fällen‹ zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort ›fallen‹ seines Schreckens, im Wort ›fällen‹ verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort. [...]
Helden:
»Prinzipiell existieren keine Helden, sondern sie werden per Zuschreibung von außen dazu gemacht. Dies erkennt man bereits daran, dass heute andere Menschen als Helden gelten, als zur Zeit des 1. und 2. WK. Es handelt sich um eine Konstruktion, die einen bestimmten Zweck erfüllen soll, denn nicht jeder Soldat ist ein Held. Auch werden andere am Krieg direkt oder indirekt Beteiligte (Dichter, Ärzte, Hausfrauen, Invaliden usw.) deutlich seltener als Helden verehrt – von Kriegsgegnern ganz zu schweigen.«
• www.kirchliche-dienste.de/arbeitsfelder/frieden/Gedenkorte-fuer-Verstorbene-der-Weltkriege
»Mit der Bezeichnung ›Held‹ sollte die besondere militärische Leistung des Gefallenen, die letztendlich vor allem in seinem Tod bestand, verbal ausgezeichnet werden. Der Tod der Soldaten belegt nicht ihr militärisches Versagen, sondern zeugt von besonderem Mut und Einsatz. Das soll die Hinterbliebenen stolz machen. [...] Die Soldaten, die lebend aus dem Krieg wieder heimgekehrt sind, werden in den Inschriften nicht als Helden bezeichnet.«
• Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, S. 89
»Jedes Gedenken der Gefallenen, also Ermordeten, ohne die klare Ableugnung der Kriegsidee ist eine sittliche Schande und ein Verbrechen an der nächsten Generation.«
• Kurt Tucholsky
Zum ehrenden Gedenken:
»Ehren kann mehr bedeuten als nur jemanden in guter Erinnerung zu bewahren. [...] Eine solche Form der Ehrung ist im zivilen Bereich mit der Verleihung von Ehrenbezeichnungen, Urkunden, Ehrenringen oder -plaketten oder auch Orden verbunden, im militärischen Bereich vor allem mit Orden [meist dem Eisernen Kreuz]. Das Kriegerdenkmal wird diesen Ordens- und Ehrenzeichen gleichsam zur Seite gestellt und posthum kollektiv verliehen. Grund der Auszeichnung ist die durch den Tod besiegelte besondere Treue oder Tapferkeit, Haltungen, die auch heute noch der Soldateneid einfordert. [...]
Das verehrungswürdige Sujet verträgt keine Beschädigung, keine Beschmutzung. [...] Der deutsche Soldat hat sich sui generis heldenhaft verhalten, so wenig wie er dürfen die Reichswehr oder die Wehrmacht in Zweifel gezogen werden. Die von Hindenburg am 18. November 1919 im parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Reichstags als Erklärung für die Niederlage des Ersten Weltkriegs vorgetragene ›Dolchstoßlegende‹ oder die Proteste gegen die ›Wehrmachtsausstellung‹ über von ihr begangene Verbrechen im Zweiten Weltkrieg sind Ausdruck der Bemühungen, sowohl die militärischen Institutionen wie auch die ihnen angehörenden Personen der geschichtlichen Realität und damit auch der Verantwortung zu entziehen.«
• Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S.33
»3701 Solinger fielen ›auf dem Felde der Ehre‹, wie es damals hieß. Zusammen mit fast zehn Millionen anderen jungen Männern sinnlos geopfert von einer Clique machtverwöhnter Aristokraten und Politiker, denen es – so weiß man heute – völlig egal war, wer da für sie starb.«
• Uli Preuss im Solinger Tageblatt, 9. November 2018
»Als wir etwas sehen konnten und Zeit zum Nachdenken hatten, wurde mir langsam klar, was für ein schreckliches Szenario sich hier abgespielt hatte. Wir dachten an Begriffe wie ›Ehre‹ und ›Ruhm‹, die so viele Menschen in ihrer Unwissenheit mit dem Krieg in Verbindung bringen. Sie hätten die Decks der SMS ›Broke‹ am 1. Juni 1916 um 4 Uhr morgens sehen sollen. Da hätten sie gesehen, wie der ›Ruhm‹ und die ›Ehre‹ tatsächlich aussahen. Achtundvierzig unserer Männer waren gefallen und die meisten waren so zugerichtet, dass sie nicht mehr wiederzuerkennen waren. Weitere vierzig waren sehr schwer verwundet. Ungefähr fünf Stunden lang versuchten wir, alle unsere toten Kameraden zu finden, sie von dem halbzerstörten Mannschaftsdeck zu schleifen und ihre Leichen über Bord zu werfen, damit sie in der tiefen See ihre letzte Ruhe finden konnten. Das waren die ›Ehre‹ und der ›Ruhm‹, die uns zuteil wurden. Es kommt einem vor wie ein Massenmord. Man fragt sich, wie die Menschen diese Kühnheit aufbringen konnten. Hätten wir nur einmal kurz überlegt, auf was wir uns da einlassen, wären wir niemals in den Krieg gezogen.«
• Telegraphist J. Croad, SMS »Broke« in Seeschlacht ohne Sieger, Skagerrak – Jutland 1916. Deutsches Marinemuseum Wilhelmshaven
Heiliger Mut:
Das Wort »heilig« soll den Taten der Soldaten eine religiöse Weihe geben. Fast klingt es so, als ob die toten Soldaten selber zu Heiligen werden, ihr Todesmut, ihre Opferbereitschaft sollen dies begründen.
»Unsere Toten und Vermissten mahnen. Wir werden sie nie vergessen!«:
Die Haltung, die hier gefordert wird, ist unangefochten von Zweifeln an Recht und Notwendigkeit von Krieg. Obwohl beide Weltkriege so viele Soldatenleben forderten und die Kriege verloren wurden, wird der Kriegstod im Nachhinein als sinnvoll interpretiert, man soll ihn schätzen und würdigen.
»Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.« schreibt Ralph Giordano in ›Die zweite Schuld‹.
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Aus der Geschichte
Im Kartenfeld unten rechts sieht man mehr Straße als Denkmalsanlage, aber wir erkennen die Umrandungsmauer der Denkmalsanlage.

Am 14. Juli 1979 beschrieb ein Wapelfelder Chronist die Situation der »Kriegsopfer- und Gedenkstätte«:
»Während der Schleswig-Holstein Erhebung 1848 - 1850 ist nur ein Name verzeichnet, Mars [x] Sachau, derselbe hat die Kämpfe mitgemacht und ist gesund wieder heimgekehrt.«
»Nach dem Deutsch-Französischen Kriege von 1870/71 wurde im Dorfteil südlich der Aue ein Friedensgarten angelegt und als Andenken ein Findling mit der Tafel aufgestellt. 4 Friedenseichen flankieren die Gedenktafel. Die Inschrift lautet:
Diese Eichen wurden gepflanzt
zur Erinnerung an den glorreichen Feldzug
von 1870 - 71
2 Dorfbewohner haben den Feldzug mitgemacht: Joachim Münz und Peter Martens, letzterer wurde verwundet und erhielt eine Kriegsrente von 30 Mark monatlich.«
»Ehrenmal
28. Dezember 1953 Errichtung eines Ehrenmals für die Opfer der Kriege 1914 - 1918 und 1939 - 1945 wird zugestimmt. Der Gedenkstein ist ein Findling und kommt aus Bargstedt. 1954 wird das Ehrenmal festlich eingeweiht.
Kriegsteilnehmer 1914 - 1918 [von 40 Soldaten sind sieben gestorben]
Kriegsteilnehmer 1938 [!] - 1945 [von 56 Soldaten sind 24 gestorben]«
Der Bericht im Original
Wir danken Bürgermeister Volker Delfs für die Mühe uns zu antworten – trotz der Arbeit, die ein ehrenamtlicher Bürgermeister neben seinem Beruf leisten muss. Er teilte noch mit, dass am Volkstrauertag keine Zeremonie am Denkmal in Wapelfeld stattfindet.
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Die Symbolik der Ketten
Die Pfeiler um das Denkmal sind mit Ketten verbunden, die an den Denkmalsanlagen nach dem 1. Weltkrieg die Fesselung Deutschlands an den Versailler Friedensvertrag, den »Schmachvertrag« verkörpern sollten.
Die ›Fesseln von Versailles‹ zu sprengen gehörte in den Jahren der Weimarer Republik zum Hauptziel deutscher Außenpolitik. Als 1935 in der Zeit des Nationalsozialismus die Wehrpflicht wieder eingeführt wurde, ließen die Nationalsozialisten an manchen Anlagen die Kette am Eingang in einem symbolischen Akt zerbrechen.
In der Wendtorfer Chronik wird dieser »grüne Stimmzettel« abgebildet. Der Artikel erschien am 12. November 1933 im Ost-Holsteinischen Tageblatt: ... »Mit dem Einzeichnen des Kreuzes unter ›Ja‹ bekennst du dich zur Freiheits- und Friedenspolitik Adolf Hitlers. [...] Er will das deutsche Volk endlich frei machen von den Ketten von Versailles.«

Der Versailler Vertrag auf LeMO
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Die Deutsche Eiche
Wie auf vielen Denkmalsanlagen für die toten Soldaten der Weltkriege wurden auch in Wapelfeld Eichen gepflanzt.

Wir beleuchten die Symbolkraft dieses so typisch deutschen Baumes im Verlauf unserer neueren Geschichte:
Die Eiche zählt schon lange als »deutscher« Baum. Ihr hartes Holz und das charakteristische, spät fallende Laub machten sie seit der Zeit der Germanen zum Symbol für Unsterblichkeit und Standhaftigkeit. In jüngerer Zeit, besonders seit der Romantik, gilt die Eiche zudem als Symbol der Treue.
Das Eichenlaub ist ein politisches und militärisches Symbol sowie eine Figur in der Heraldik, das den gelappten Laubblättern von in Mittel- und Südeuropa heimischen Eichenarten nachempfunden ist. Die Blätter können getrennt oder an einem Zweig angeordnet dargestellt sein.
• Nach Wikipedia, abgerufen am 12. November 2019
Nach dem Sieg im Deutsch-Französischen Krieg forderte die Regierung im Deutschen Kaiserreich dazu auf, »Friedenseichen« zu pflanzen und zu pflegen, damit »dieses Sinnbild deutscher Kraft und deutscher Treue sich in aller Herrlichkeit entwickeln könne und künftigen Geschlechtern Gelegenheit geben würde, sich in seinem Schatten dankbar der Helden von 1870 und 1871 zu erinnern.«
»Mit der Reichsgründung 1871 und dem Gefühl nationaler Einheit zog das Eichenlaub in die deutsche Symbolsprache ein. Auf deutschen Ehrenmalen, Kränzen, Hoheitszeichen, Orden und dergleichen diente es in ähnlicher Form wie Zweige des Lorbeerstrauches. Das Parteiabzeichen bzw. Parteisymbol der NSDAP hatte von 1920 bis 1945 einen Adler als Zeichen, der einen Eichenkranz in seinen Fängen hielt. Unerschütterlich ›wie die deutsche Eiche‹ und ähnliche Sprüche ließ die NS-Propaganda ab 1933 in Zeitungen veröffentlichen und über Lautsprecher verkünden. Da griff dann auch der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler zum Spaten und pflanzte Eichen. [...] Im deutschen Volk wurde Hitler nach seiner Ernennung zum Reichskanzler fast schlagartig mit der deutschen Eiche gleichgesetzt. Denn für ihn pflanzten fast alle Städte und Dörfer, Stadt- und Ortsteile ihre ›Hitler-Eichen‹.«
• Wolf Stegemann, www.rothenburg-unterm-hakenkreuz.de
Diese Geschichte steht in der »Chronik der Landgemeinde Rethwisch« von Doris Moßner und Inga Rogga aus dem Jahr 2001:
»1933 wurde mit einer offiziellen Zeremonie eine Adolf-Hitler-Eiche auf dem Dorfplatz gepflanzt (s. Foto). Auf dem Foto sieht man Heinrich Behnke, [...] sowie Hartwig Gäde. Herbert Hansen, mit weißen Kniestrümpfen, musste damals ein Gedicht aufsagen. Lehrer Kühl hielt eine Rede.

Am 8. Mai 1945, am Tag der deutschen Kapitulation, wurde die Eiche von Ernst Meier mit den Worten umgehauen: ›Du Aas kümmst af!« Hartwig Gäde erzählt dazu: ›As ik ut de Gefangenschaft, ut den Krieg kam, da käm de ole Meier to mi hin un seggt: ›Soll ik di mal wiesen, wo diene Adolf Hitler Eiche is? Denn komm mal mit!‹. Da ist er dann mit mir in seinen Garten gegangen und zeigte auf einen Zaunpfahl. Die Eiche hatte er abgesägt und einen Zaunpfahl daraus zurechtgeschnitten. Der alte Meier war der SPD treu geblieben.«
NDR-Zeitreise: Die Geschichte der »Hitlereichen«
Schleswig-Holstein Magazin vom 14. April 2023
Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1974-160-13A / CC-BY-SA 3.0
Eichenlaub als höchste Zier: SS-Obergruppenführer und General der Waffen SS Theodor Eicke im Jahr 1942.
Bei der Olympiade 1936 in Berlin erhielten die 129 Sieger neben einer Goldmedaille einen Topf mit einer Eiche. Das Organisationskomitee deklarierte sie im amtlichen Bericht als »schönes Sinnbild deutschen Wesens, deutscher Kraft, deutscher Stärke und deutscher Gastfreundschaft«.
»Die Olympia-Eichen«, Bericht auf spiegel.de 2014
»Eichenlaub« war ab 1999 ein rechtsextremes Liedermacher-Duo aus dem Umfeld des Thüringer Heimatschutzes
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Der Mythos der Findlinge
Obwohl die Riesensteine in der Eiszeit von weit her transportiert worden sind, wurden sie im Kaiserreich und besonders im Nationalsozialismus mit »Heimat und Reich« identifiziert.
»Germanisierende Motive finden sich in Gestalt zahlreicher Findlingsdenkmäler. In den Hünengräbern sah man ›Vorbilder für Erinnerungsmale, würdig der Größe des Opfers, das die Söhne unseres Volkes gebracht haben‹.
• Gerhard Schneider, »... nicht umsonst gefallen»?, Hannoversche Geschichtsblätter 1991, S. 203
»Der Findling kann als ›Klassiker‹ unter den Denkmalsformen bezeichnet werden. Denkmalsfindlinge stehen meist unter einer Eiche auf einem größeren Platz. Die große Beliebtheit von Findlingsdenkmälern ist zunächst einmal in rein äußerlichen Faktoren begründet. Granitfindlinge standen in Norddeutschland allerorts zur Verfügung, die Eiszeit hatte sie aus Skandinavien mitgebracht. Das heißt, nach einem Findling musste nicht lange gesucht werden, der Transportaufwand war bei kleinen bis mittelgroßen Findlingen gering und meistens waren die Transportwege kurz. Zudem war es leicht möglich, die Findlinge mit nur wenig Bearbeitung in Denkmäler zu ›verwandeln‹: Bei den meisten Denkmälern wurde sich lediglich darauf beschränkt, die Vorderseite leicht zu glätten und eine Inschrift einzuhauen. Häufig umringte man den Findling mit kleineren Feldsteinen, die, real oder auch nur optisch, seinen Sockel bildeten. Alles in allem war die Errichtung eines Findlingsdenkmals finanziell gesehen eine sehr günstige Angelegenheit [...]
Neben den pragmatischen ›Vorzügen‹ bei der Entscheidung für ein Findlingsdenkmal gab es aber auch ideologische Gründe. Nach völkischer Lehre im 19. Jahrhundert wurden Findlinge als urgermanische Zeugnisse angesehen. Die so genannten ›Hünengräber‹ aus prähistorischer Zeit wurden als germanische ›Heldenhügel‹ gedeutet und ihnen wurde eine spezifische nationale Aura zugesprochen. Aus diesem Grund wurden sie gegen Ende des 19. Jahrhunderts von den Stiftern als besonders geeignet angesehen, identitätsstiftend zu wirken: eine geeinte deutsche Nation, die sich auf ihre germanischen Wurzeln besinnt [...]
Auch in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg wurden [...] neue Findlingsdenkmäler errichtet. Sie folgten in ihrer Bedeutung weiterhin der germanischen Tradition und zeugten von der nationalistischen Haltung der Stifter, für die der deutsche Geist im ersten Weltkrieg unzerstörbar war.«
• Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, S. 45-47, S. 65-66
In den Jahren danach steigerte sich der Kult um die »germanischen Steine« noch beträchtlich.
»Gleich ihren Vorbildern und Ahnen, den Hünengräbern aus der Kultur der germanischen Steinzeit, sind diese gewaltigen Gebilde ein Sinnbild der Urkraft und der feierlich weltentrückten stillen Ehrung. Mehr vielleicht als Worte es tun können, reden diese massigen Urformen zu uns von Ruhe, Erhabenheit, Selbstbewußtsein und stahlharter Kraft. Ihre Unbehauenheit ist wie der Frontsoldat selbst, hart und grobknochig und doch riesengroß, urhaft. Jeder für sich und in sich ruhend, hart und grobknochig, drohend und machtvoll, ein einziger Trotz und Wille.«
• Karl von Seeger, Das Denkmal des Weltkriegs, Stuttgart 1930, S.28
Die Nationalsozialisten vereinnahmten den Germanenmythos dann vollends.
In »Das Schwarze Korps«, einer Wochenzeitschrift der SS, wird das Ulanendenkmal in Demmin 1935 bejubelt, für das eines der Großsteingräber bei Quitzerow 1924 vollständig abgetragen wurde.

»Wie aus dem sagenhaften Dämmerdunkel deutscher Vorzeittiefen führen enge Felsstufen hinauf zu den Hünengräbern der Ahnen. Und stehen wir an diesen Hünenbetten gleichwohl im Banne des Todes, dessen Allmacht schon den Vätern heilig war, ihr Blut und ihre Lebenskraft tragen wir vorwärts bis an das Ende der Erde. [...] Die Schau eines so im nordischen Geiste geformten Denkmals hat dem Besucher nicht nur eine Stimmung vermitteln helfen – sie hat ihn gläubig gemacht, daß er wieder stolz und vertrauend wird zu seiner blutseigenen und rassischen Art.«
Unsere Dokumentation des Ulanendenkmals in Demmin
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Das Eiserne Kreuz
»Das Eiserne Kreuz wurde erstmalig 1813 vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. gestiftet. Es war der erste militärische Orden, der nicht nur an Offiziere, sondern auch an einfache Soldaten für ihre militärischen Verdienste verliehen werden konnte. Kurz darauf führte der König die allgemeine Wehrpflicht ein. Das bisherige Söldnerheer wandelte sich zum Bürgerheer und für die Bürger mussten Anreize geschaffen werden, das eigene Leben im Krieg aufs Spiel zu setzen. Damit begann eine neue Zeit beim preußischen Militär: Soldaten waren nicht mehr nur Befehlsempfänger ohne Stimme und ohne Namen, sondern seit dieser Zeit wurden sie zu Vorbildern gemacht, denen nachgeeifert werden sollte. Der König versprach in der Stiftungsurkunde jedem Soldaten für den eventuellen Kriegstod ein Denkmal, das heißt, die Erwähnung auf einem Denkmal. Zumeist wurde das damals als Tafel in einer Kirche realisiert: Zeugnis der engen Verbindung von Monarchie und Kirche.

• »Fake News« anno 1914: Das Deutsche Reich hatte gerade das neutrale Belgien überfallen, damit die Truppen sich auf dem schnellsten Weg zum Erzfeind Frankreich begeben konnten.
Das Eiserne Kreuz wurde sehr häufig als Relief auf Kriegerdenkmälern verwendet. Es steht hierbei als solches symbolisch für die Anerkennung der besonderen ›Vaterlandstreue‹ der gefallenen Soldaten. Ihr Tod im Krieg wurde dafür als Beweis gedeutet. Durch die Verwendung des Eisernen Kreuzes auf einem Denkmal sollten die Soldaten posthum für ihr Verhalten ausgezeichnet werden und damit als Vorbilder für die Nachwelt gelten. Nach 1813 wurde es 1870 von Kaiser Wilhelm I. und 1914 von Kaiser Wilhelm II. neu gestiftet.
Foto: Deutsches Historisches Museum, Berlin, Inv.-Nr. PK 2005/2
• Die von Adolf Hitler am 8. November 1939 anlässlich des Überfalls auf Polen ausgesprochene Losung
Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde das Eiserne Kreuz am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm König Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.

• ... und heftete sich gleich selbst das Ehrenkreuz an der Brust
»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«
Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl
DIE ZEIT, 5.6.2008
Soldaten der Wehrmacht kämpfen nicht nur pflichtschuldig und gehorsam. Ohne die Gefühlswelt aus Stolz, Ehre und Männlichkeit ist nicht zu erklären, warum so viele an die Front streben – und dem Krieg bis zum Untergang verhaftet bleiben. (Frank Werner in ZEITGeschichte 4/2018)
Geschickte Propaganda: Begehrenswerte Ordensbrust in »Die Woche« Januar 1940.
Das Eiserne Kreuz ist das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Manchmal wird es dort auch als Ersatz für das verbotene Hakenkreuz verwendet. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z.B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle.

... und heutzutage: Die Redaktion des Spiegel illustriert den Titel Nr.50 / 10.12.2022 zur Razzia bei »Reichsbürgern« und »Querdenkern«, denen vorgeworfen wird, einen Staatsstreich geplant zu haben, mit einem Eisernen Kreuz.
»Andreas Gabalier besang in Mein Bergkamerad ›eine Freundschaft, die ein Männerleben prägt, wie ein eisernes Kreuz, das am höchsten Gipfel steht.‹ Michael Fischer vom Zentrum für Populäre Kultur und Musik bezeichnete das als ›gewollte Provokation‹, die kaum ein naiver Zufall sein könne.
Die Agentur für soziale Perspektiven konstatiert: Das Eiserne Kreuz sei neben dem Thorshammer ›das am häufigsten gezeigte Symbol der extremen Rechten‹. Zwar sei es je nach Kontext ›kein explizit rechtes Bekenntnis, doch stets ein Symbol für Militarismus und martialische Männlichkeit.‹
• Wikipedia, abgerufen am 16.3.2023
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