TRADITIONEN WERDEN GEPFLEGT

Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein

»Die Auseinandersetzung mit den Denkmälern gehört zu unserer Erinnerungskultur. Dabei wird sichtbar, dass wir auch als Kirche lernen, die eigenen Verstrickungen in die Geschichte von Krieg und Gewalt kritisch zu beleuchten. Die Erinnerung ist notwendig, um in der Gegenwart Versöhnung zu leben und auch in Zukunft dem Frieden zu dienen.

Unter dem Motto: ›Erinnern – Erkennen – Gestalten‹ greift die Evangelische Akademie Hamburg einen Appell der Synode der Nordkirche auf, sich kritisch mit den vielen hundert Ehrenmalen im Lande auseinanderzusetzen.

Gerade die vielen öffentlichen Ehrenmäler zum ersten Weltkrieg zeigen den damals prägenden Einfluss nationalistischer und auch nationalsozialistischer Ideologie. Ehrenmale zum Zweiten Weltkrieg stehen nicht selten noch unter dem Einfluss der Formensprache jener Zeit.«

Gothard Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein


Die in den Dörfern und Städten Schleswig-Holsteins zahlreichen Kriegerdenkmäler sind oft im Zentrum des Ortes aufgebaut oder in eigene Grünanlagen integriert. Die häufig zu findenden Namenstafeln getöteter Soldaten, die der persönlichen Erinnerung dienen sollen, sind gleichwohl mit den verbreiteten Deutungen versehen: Verehrung der Soldaten als Helden, Verklärung ihres Todes als Opfer für König und Vaterland und Legitimation des Krieges bestimmen diese Denkmäler. Aufrufe zum Frieden und gegen Krieg finden sich eher selten. Soweit bekannt, werden diese Kriegerdenkmäler fast überall am Volkstrauertag für die traditionellen Rituale des Gedenkens genutzt. Einige sind weitgehend unbeachtet, zum Beispiel der überlebensgroße »Held« in Eckernförde und selbst Einheimischen nicht immer bekannt.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

Ein Klick auf den schwarzen Balken am Anfang der Denkmaldokumentation von

Ahrensburg   Bünningstedt   Hoisbüttel

öffnet die Berichte über die temporäre Kunstaktion der Evangelischen Akademie in Zusammenarbeit mit dem KunstHaus am Schüberg im Sommer 2014: »Kriegerdenkmäler – Stumme Zeugen ins Gespräch bringen«.

Fotos: Marlise Appel, Evangelische Akademie der Nordkirche, wenn nicht anders angegeben.

 


I N H A L T
Das Denkmal
Die Geschichte
Die Urkunde
Der Vorläufer
Der Bildhauer Missfeldt
Das Denkmal zum 2. Weltkrieg
»Schlussstein gelegt«
Die zweite Urkunde

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Bad Bramstedt, Kreis Segeberg

Am Wäldchen Herrenholz direkt an der B 206

Das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs hat der Berliner Bildhauer Heinrich Missfeldt geschaffen. Über fünf Stufen der zentralen Treppe erreicht man eine Backsteinmauer, die als Fundament eine bunte Natursteinmauer hat. Vor dem Bogen in der Mitte der backsteinmauer kniet in einer flachen Nische auf einem herausragenden Sockel die »Trauernde«, eine Sandsteinskulptur. Missfeldt hat sie dem Erscheinungsbild der Gottesmutter Maria nachempfunden. 1924 war die Grundsteinlegung der Anlage, 1926 ist sie eingeweiht worden. 

 

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Links und rechts von der Figur sind die Backsteine palmblattartig vermauert worden, darunter sind Kranzhalterungen angebracht. Auf jeder Seite schließt sich eine niedrigere Backsteinmauer an mit je drei eingelassenen Granittafeln. Auf jeder Tafel stehen 15 Namen mit Geburts- und Sterbedatum, insgesamt 90 Namen von toten Soldaten aus dem 1. Weltkrieg. Das Denkmal schließt an den Seiten mit je einem Pfeiler ab, der mit einem Zierelement aus Sandstein bedacht wurde.

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In den Sockel der Trauernden ist die Widmungsplatte aus Sandstein eingelassen. Links und rechts ein Eisernes Kreuz mit den Jahreszahlen des 1. Weltkriegs. Unten ein geschwungener Eichenzweig, darüber die Inschrift:

Zum Gedächtnis unserer Gefallenen

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Die Trauernde blickt auf einen lorbeergeschmückten Stahlhelm mit Kinnriemen, der auf einem kurzen oder auch abgebrochenem Schwert liegt.

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Die ursprünglich helle Figur aus Sandstein und die Tafeln haben durch pflanzlichen Belag eine grünliche Färbung angenommen.

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Hinter der Trauernden sieht man ein gemauertes christliches Kreuz, was die Assoziation zur Marienfigur verstärkt.

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An der rechten schmalen Seite der Sockelplatte ist der Name des Bildhauers H.Missfeldt eingemeißelt.
 

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Ebenfalls dokumentiert sind auf dieser Website Missfeldts Kriegerdenkmäler in:

Kappeln
Bad Segeberg


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Die Geschichte

Im Sockel des Denkmals ist 1924 eine Urkunde eingemauert worden. Jan-Uwe Schadendorf, der heutige Chronist von Bad Bramstedt, schreibt:

»Der Text zeigt deutlich, wie sehr der seinerzeitige Ruhrkampf die Stimmung im Lande beeinflußte und wie sehr deutsch-nationale Stimmungen auch hier am Orte festzustellen sind. Nun ist deutsch-national nicht gleich nationalsozialistisch, aber den ein oder anderen Namen finden wir Jahre später an vorderer Stelle am Orte wieder als die  Nationalsozialisten die Macht ergriffen.«

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Die URKUNDE

zum Ehrenmal für die im Weltkriege 1914 – 1918 gefallenen Söhne der Stadt Bad Bramstedt.

Auf Veranlassung des Kriegervereins für Bad Bramstedt und Umgegend wählten im Jahre 1921 die Vereine und Körperschaften Bad Bramstedts einen Ausschuß für die Errichtung eines Ehrenmals für die im Weltkriege 1914 – 1918 gefallenen Söhne der Stadt. Dieser Ausschuß bestand aus folgenden 11 Personen: Lehrer Otto Schnepel als Vorsitzendem, Buchhändler Alfred Warnemünde als Kassierer, Bürgermeister Reimer Jensen, Bürgermeister a.D. Gottlieb Freudenthal, Photograph Julius Struve, Holz- und Kohlenhändler Claus Hein, Maurermeister Johannes Wrage, Photograph Friedrich Hamann, Organist August Kühl, Viehhändler Hermann Langhinrichs und dem während der Ausführung des Denkmals verstorbenen Leutnant zur See a.D. Curt Lorenz. Der erste Entwurf zum Denkmal und die dafür gesammelten Geldmittel wurden ein Opfer der GeIdentwertung.

Erst nach Einführung der Rentenmark konnte der Ausschuß den Bau des Denkmals beginnen. Der Entwurf zum Denkmal ist vom Bildhauer Heinrich Mißfeldt, Berlin, einem geborenem Holsteiner, der auch die 6 Namenstafeln, die Sandsteinfigur, die Pfeilerbedachung und die Widmungstafel in seiner Werkstatt in Berlin anfertigte, während die Maurerarbeiten vom Steinhauer Johannes Wrage und das Bruchsteinmauerwerk vom Steinhauer Wilhelm Kreutz, beide aus Bad Bramstedt, ausgeführt wurden.

Die Grundsteinlegung zum Denkmal erfolgte am 16. September 1924 durch den Ausschuß. Im Sockel des Denkmals sind eingemauert:
1 ) diese Urkunde,
2) deutsches Papier- und Hartgeld sowie Notgeldscheine der Stadt Bad Bramstedt,
3) einige Zeitungen.

Zur Zeit der Grundsteinlegung des Ehrenmals war
Präsident des Deutschen Reiches Ebert,
preußischer Ministerpräsident Braun,
Oberpräsident in Schleswig – Holstein Kürbis,
Landrat des Kreises Segeberg Dr. Ilsemann,
Bürgermeister von Bad Bramstedt Jensen.

Zur Zeit der tiefen Erniedrigung Deutschlands, als Franzosen und Belgier an Rhein, Ruhr und Saar über das Versailler Friedensdiktat hinaus das Recht beugten und Gewalttat auf Gewalttat häuften, als viele Tausende deutscher Männer, Frauen, Greise und Kinder um ihrer Treue zum deutschen Vaterlande willen aus diesen Gebieten von Haus und Hof vertrieben wurden, als Männer wie Leo Schlageter und Willy Dreyer als Märtyrer der Deutschen Sache starben, als das deutsche Vaterland infolge der fortwährenden Bedrückungen der Feinde, vor allem der seine Kräfte übersteigenden Reparationslasten unter vielen inneren Unruhen, ja Bürgerkämpfen litt, ist die Arbeit für dieses Denkmal begonnen und ausgeführt worden, das da sein soll ein Zeichen des Dankes an die Gefallenen und eine Mahnung an das lebende Geschlecht und die Nachkommen, den herrlichen Geist unsrer Gefallenen lebendig zu erhalten und zu beherzigen, daß der Weg zu Deutschlands Freiheit nur durch Deutschlands Einigkeit geht.

»Und stehst du dann, mein Volk, bekränzt vom Glücke
in deiner Vorzeit heilgem Siegerkranz,
vergiß die treuen Toten nicht und schmücke
auch unsre Urne mit dem Eichenkranz!“                 
(Theodor Körner)

Bad Bramstedt , den 6. September 1924.

Der Ausschuß für die Errichtung des Ehrenmals


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Der Vorläufer

Die gleiche Skulptur hatte Heinrich Missfeldt schon für die Kirche »Zum guten Hirten« in Berlin Friedenau gefertigt.

»Nach dem Ersten Weltkrieg errichtete die Gemeinde ein von Heinrich Mißfeldt geschaffenes Denkmal für ihre gefallenen Mitglieder. Wegen der großen Zahl der Gefallenen ließ man den Plan fallen, Namenstafeln an den Wänden der Kirche anzubringen. Das Denkmal besteht aus einer überlebensgroßen trauernden Frauenfigur, die – mit gefalteten Händen kniend – auf einen vor ihr liegenden, lorbeergeschmückten Stahlhelm blickt. In der Mitte des Sockels befindet sich ein Schränkchen zum Aufbewahren des Ehrenbuchs mit den Namen der Gefallenen. Das Ehrenmal sollte ursprünglich in der Eingangshalle aufgestellt werden. Wegen einer Heizungsinstallation wurde dann die der Kanzel gegenüberliegende Nische hergerichtet. Das Denkmal wurde am 16. April 1921 enthüllt. Weil bei den Umbauarbeiten zur Vergrößerung des Altarraums die Nischen später zugemauert wurden, steht das Ehrenmal jetzt im Kirchenschiff direkt beim Eingang links an der Wand.«

• Nach Wikipedia, abgerufen am 9. November 2016

 

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Foto: Bodo Kubrak / Wikimedia Commons


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Der Bildhauer Missfeldt

Heinrich Missfeldt wurde am 20. Dezember 1872 in Suchsdorf bei Kiel geboren und starb am 27. Oktober 1945 in Torgau.

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Seine Eltern waren der Ziegeleibesitzer Detlef Missfeldt und Elsabe Sinn. Nach einer Lehre als Holzbildhauer in Kiel ging er zum Studium nach Berlin. Viele Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein wurden in seinem Berliner Atelier entworfen. Zum Beispiel das in Bad Segeberg, Glückstadt, Bokel (zum Teil abgetragen), Garding, Husum, Kappeln und Kiel.

1936 entwarf er Reliefbilder vom Kopf Hermann Görings und Adolf Hitlers, 1937 wurden sie in der Lehrgießerei des Lautawerks der Vereinigte Aluminium-Werke AG hergestellt – Sandguss, Aluminium, poliert.

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Das Denkmal zum 2. Weltkrieg

Links hinter dem Missfeldt-Denkmal erreicht man über eine sieben- und eine vierstufige Treppe die Denkmalsanlage für die Toten des 2. Weltkriegs. Über einem Sockel aus gelben Backsteinen erheben sich sieben gemauerte Stelen, die am oberen Rand die Jahreszahlen des 2. Weltkriegs mit aufgesetzten Metallziffern tragen. Der Gartenbauarchitekt Gustav Lüttge (1909 - 1968) aus Hamburg hat das Denkmal entworfen, er übernahm auch die Bauleitung. Am Volkstrauertag 1957 wurde es eingeweiht.

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Jan-Uwe Schadendorf schreibt:

»In den Bramstedter Nachrichten vom 15. und 18.11.1957 erschienen folgende Beiträge zur Einweihung des Denkmals der im Kriege 1939-45 Gefallenen. Es fällt auf, dass von 12 Millionen Kriegstoten die Rede ist, was wohl die deutschen meint und nicht die anderer Staaten.«

15.11.1957:
Die Arbeiten beim neuen Ehrenmal im Herrenholz sind soweit vorgeschritten, daß das Mauerwerk – der Säulengang – fertiggestellt ist. Im Augenblick wird der Weg gepflastert. Der Gestalter des Ehrenmals, Gartenarchitekt Lüttge, Hamburg, konnte sich kürzlich von den guten Fortschritten beim Bau des Ehrenmals überzeugen. Herr Lüttge, der auch die Gesamtleitung des Baues inne hat, bedankt sich sehr herzlich bei dem Ehrenmalausschuß für die bisher geleistete Arbeit.

Am kommenden Sonntag, dem 17. November 1957 – am Volkstrauertag – wird mit dem Schlußstein eine Kassette eingemauert, die eine Urkunde, die Protokolle des Ausschusses für Errichtung eines Ehrenmals 1939/45 sowie verschiedene Schriftstücke, Bilder und Zeitungen‚ enthält. Die Einmauerung findet im Anschluß an die Feierstunde anläßlich des Volkstrauertages statt.

Im kommenden Frühjahr werden die gärtnerischen Arbeiten in Angriff genommen. Wenn dann das neue Ehrenmal endgültig seiner Bestimmung übergeben werden kann, dann wird es eine Gedenkstätte sein, die mustergültig und beispielhaft dasteht! Der Beauftragte der Landesregierung Schleswig-Holstein, Regierungsbaurat Rose, hat bereits das Bramstedter Ehrenmal als vorbildlich hingestellt! Darüber hinaus aber wird es eine würdige Gedenkstätte sein, die unserer heutigen Einstellung zum Tode entspricht.


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»Schlußstein gelegt«

18.11.1957:
Gestern vormittag wurde im Anschluß einer Feierstunde zum Volkstrauertag der Schlußstein in das Mauerwerk des Ehrenmals 1939—1945 gesetzt. Die Abordnungen der Bramstedter Verbände, unter ihnen Bürgermeister Gebhardt und Gartenarchitekt Gustav Lüttge, der Gestalter des neuen Ehrenmals, nahmen daran teil. Der Vorsitzende des »Ausschusses für Errichtung eines Ehrenmals 1939—1945«, Otto Kruse, wies in einer kurzen Ansprache auf die Bedeutung dieses Augenblicks hin. Zur Erinnerung an diesen Tag wurde mit dem Schlußstein eine kupferne Kassette für die Nachwelt eingemauert. Die Kassette hat dankenswerter Weise Klempnermeister Heinrich Kiel, Bad Bramstedt, dem Ausschuß zur Verfügung gestellt. In der Kassette befanden sich eine Ausgabe der »Bramstedter Nachrichten« vom 15. 11. 1957 (Nr. 267), die Protokollhefte des Ehrenmalausschusses, 5 Anteilscheine und 30 Sammlerausweise von der Sammlung für das Ehrenmal, eine Zeitschrift »Garten und Landschaft«, in der Regierungsbaurat Rose, Kiel, das Ehrenmal als mustergültig hinstellt, zwei Fotografien vom Arbeitseinsatz beim Ehrenmal sowie eine Urkunde des Ehrenmalausschusses.

Die Urkunde, die Otto Kruse verlas, hatte folgenden Wortlaut.

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Die zweite Urkunde

Am 13. Januar 1954 wurde in Bad Bramstedt von den Vertretern der Vereine, Verbände, Schulen und andere Körperschaften ein Ausschuß gewählt, der den Auftrag erhielt, für die Opfer des 2. Weltkrieges ein Ehrenmal vorzubereiten und zu errichten.

Dieser Ausschuß bestand aus folgenden Personen:
Vorsitzender: Otto Kruse – als Vertreter des »Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge«
Schriftführer: Otto Schnepel – als Vertreter der Bramstedter Gesangvereine
Kassenführer: Fritz Rettke – als Vertreter des »Verbandes deutscher Soldaten«
Beisitzer: Heinrich Papke – als Vertreter des »Bundes vertriebener Deutscher«
Herbert Brauer – als Vertreter des »Reichsbundes der Kriegs- und Zivilbeschädigten, Sozialrentner u. Hinterbliebenen«
Werner Sandow – als Vertreter des Heimkehrerverbandes

Der Entwurf zum Ehrenmal stammt von dem Gartenarchitekten Gustav Lüttge, Hamburg 36, Warburgstraße 33, der auch die Gesamtleitung der Bauarbeiten inne hatte. Die Mittel zur Erstellung dieses Ehrenmals wurden durch freiwillige Spenden aus allen Bevölkerungskreisen der Stadt Bad Bramstedt aufgebracht. Die Erdarbeiten und der größte Teil der notwendigen anderen Arbeiten sind im freiwilligen Arbeitseinsatz von den Bramstedter Vereinen, Verbänden, Schulen und Handwerkern unter Leitung von Otto Kruse getätigt worden.

Die Einmauerung dieser Urkunde erfolgte am Sonntag, dem 17. November 1957 – am Volkstrauertag. Mit dieser Urkunde wurden die Protokolle des Ausschusses, verschiedene Schriftstücke, Bilder u. Zeitungen eingemauert.

Zur Zeit der Erbauung dieses Ehrenmals war
Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland: Theodor Heuß,
Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland: Konrad Adenauer,
Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein: Kay Uwe von Hassel,
Landrat des Kreises Segeberg: Dr. Alnor,
Bürgervorsteher der Stadt Bad Bramstedt: Otto Kruse,
Bürgermeister der Stadt Bad Bramstedt: Heinrich Gebhardt.

Unerbittlich hat das Schicksal im zweiten Weltkrieg 1939 – 1945 zugeschlagen, ohne Ansehen der Person, ob arm oder reich, Nord- oder Süddeutscher, Bürgerlicher oder Sozialist, ob evangelisch oder katholisch – alle sind sie unter der Sense gefallen. Es traf nicht nur die wehrhafte Mannschaft, sondern auch Mütter und Mädchen, Greise und Kinder. Zwölf Millionen fielen in beiden Weltkriegen an den Fronten, im Bombenhagel der Städte, auf der Flucht oder hinter dem Stacheldraht der Gefangenenlager.

Trotz Kriegs- und bitterster Nachkriegsjahre hat das deutsche Volk nicht verlernt, seine Gefallenen zu achten und zu ehren. Ein Volk, das seine Toten nicht mehr ehrt, hat seine Kraft und damit seine Daseinsberechtigung verloren!

Das hier erbaute Ehrenmal soll sein eine Mahnung an das lebende Geschlecht und deren Nachkommen, die Opfer des Krieges nicht zu vergessen! Die Toten mahnen! Sie mahnen zum Frieden! So soll das Ehrenmal auch sein ein Mahnmal für den Frieden!

»Sorgt ihr, die ihr noch im Leben steht,
daß Frieden bleibe,
Frieden zwischen den Menschen,
Frieden zwischen den Völkern!«
(Bundespräsident Prof. Theodor Heuß)

Bad Bramstedt, den 17. November 1957

Der Ausschuß für Errichtung des Ehrenmals 1939—1945

Nach Verlesung dieser Urkunde wurde die Kassette von Herrn Heinrich Kiel zugelötet und dann mit dem Schlußstein eingemauert. Abschließend rief Otto Kruse die Versammelten auf, auch weiterhin dem Ehrenmalausschuß in seiner Arbeit zu unterstützen.

 

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Einer der Anteilsscheine, über die Spenden für das Denkmal eingeworben wurden.


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Wir danken sehr herzlich Jan-Uwe Schadendorf, der uns erlaubte, Zeitungsartikel, Texte der Urkunden und zwei der historischen Fotos zu zeigen, die auf seiner Website verwendet werden. Lesen Sie mehr auf:

www.alt-bramstedt.de


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Kurzfilme zu den Denkmälern

Seit ein paar Jahren existiert die Website www.denk-mal-gegen-krieg.de, auf der die Evangelische Akademie sich kritisch mit der bestehenden Erinnerungskultur auseinandersetzt. Die häufigsten Erinnerungsmale an die vergangenen Kriege sind Kriegerdenkmäler, auf denen der Soldatentod verklärt und die zivilen Opfer verschwiegen werden.

Aktuell produzieren wir kurze Videos und stellen diese in der kommenden Zeit jeweils donnerstags online. Den Film über die Denkmalsanlage in Bad Schwartau können Sie hier sehen: YouTube>Einführung zur Filmreihe bei YouTube> und Bad Schwartau bei Facebook>


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I N H A L T
Die Anlage zum 1. Weltkrieg
Die Anlage zum 2. Weltkrieg
Die EU investiert in die Zukunft
Volkstrauertag 2019
Harry Maasz und Jürgen Maass
Historische Bilder
Die Legende vom Schwert Excalibur

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Bad Schwartau, Kreis Ostholstein

Ehrenhain im Wald Riesebusch am Ortsrand von Bad Schwartau

Er besteht aus zwei Teilen. Zuerst betritt man die Anlage für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs, die vom Gartenarchitekten Harry Maasz 1918 geschaffen wurde. Sie ist streng symmetrisch konzipiert, entlang einer in ost-westlicher Richtung verlaufenden Achse. 

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Bevor man die Anlage betritt, kann man die wichtigsten Informationen einer Tafel des Bad Schwartauer Bürgervereins von 1950 e.V. »Der Gemeinnützige« aus dem Jahr 2006 entnehmen.

 

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Wir betreten die Anlage von Osten. Im Frühjahr 2013 ist sie grundlegend saniert worden, sodass sie sich jetzt dem Ursprungskonzept von Harry Maasz wieder annähert. Zwischenzeitlich war sie zunehmend verwahrlost, das zentrale Wasserbecken war verschlammt und verkrautet, die pflegeintensiven Buchenhecken waren verwildert. Bei unserem Besuch im Frühjahr 2020 sind die streng geometrisch angeordneten Hecken, gerade oder gerundet, als Begrenzung oder als Durchgang konzipiert, noch ohne Laub. Aber auch mit den kahlen Hecken sieht man die Schönheit und die künstlerische Qualität der Anlage. Insgesamt ist sie ca. 120 Meter lang und 50 Meter breit.

 

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Ringsum von den hohen Bäumen des Waldes Riesebusch umstanden, öffnet sich zum Westen hin der sogenannte Gedächtnishof mit den seitlich hufeisenförmig angeordneten Namenssteinen.

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An beiden Seiten sind aussen jeweils 91 hohe und innen 52 niedrigere Gedenksteine aufgestellt worden. Uns erinnert die Anlage an eine Kathedrale, hier kann zweifellos ein Ort für Trauer sein.

 

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Im wahrsten Sinne des Wortes der Höhepunkt der Anlage ist ein ca. sieben Meter hohes Monument, zusammengesetzt aus vielen Einzelteilen. Der Not der Nachkriegszeit gehorchend sind es, genau wie die Namenssteine, einfache Betonkörper. Wir sehen in dem schmalen Bauwerk ein Schwert, das in den Boden gerammt ist. In der Sprache des Militärs ist es das Zeichen der Aufgabe, der Kampf wird beendet. Allerdings wurde nach dem verlorenen Krieg auf der Suche nach einer Symbolik für die zu errichtenden Kriegerdenkmäler auch auf die Siegfriedsage, die germanische Variante eines schwertkämpfenden Helden, zurückgegriffen. So »sollte nach dem Willen von Künstlern und Stiftern ein in den Boden versenktes Schwert die Erwartung versinnbildlichen, es möge alsbald ein neuer Siegfried kommen, der den blanken Stahl zum erneuten Kampf herauszöge.«

Loretana de Libero, Rache und Triumph, De Gruyter 2014, S.109


Oben ist das Schwert wie ein Eisernes Kreuz geformt. In dessen Mitte stehen die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs, 1914-1918, in anmutigen, golden ausgelegten Ziffern. Es gibt keine weitere Inschrift, keinen Sinnspruch, keine Widmung, keinen Hinweis auf die Stifter. Kugeln auf einem seitlich abgerundeten Sockel und ein vierstufiges Fundament komplettieren das Bauwerk.

 

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Die äußeren, hohen Namenssteine sind alle oben in gleicher Weise ausgeformt. Sie stehen einer neben dem anderen in langer Reihe, man schreitet sozusagen die Ehrenkompanie ab. Die rechteckigen, niedrigeren Steine davor machen einen klotzigen, weniger eleganten Eindruck. Ob die Unterscheidung eine Bedeutung hat, wissen wir nicht.

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Auf allen Steinen werden die Vor- und Nachnamen und die Lebensdaten der toten Soldaten genannt – in gleicher zarter Serifenschrift in großen Buchstaben gesetzt.

 

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Jedem Soldaten wird auf einem Stein gedacht. Familienangehörige, wohl meistens Brüder, stehen zusammen auf einem Stein.

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Der Blick zurück nach Osten, zum hinteren Teil der Anlage, der aus dem Wasserbecken, Sandwegen, Buchenhecken und Ruhebänken besteht – alles streng symmetrisch angeordnet.

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Den Beginn dieses Teils, der eher der Kontemplation gewidmet ist, markieren passend dazu zwei Zedern mit asiatischer Anmutung. Zwischen ihnen fällt unser Blick auf das Wasserbecken, von Harry Maasz als »Spiegel des Himmels« geplant.

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Niedrige Gehölze umstehen an der äußeren Seite das nierenförmige Wasserbecken mit seiner wulstiger Umrandung.

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Durch ein weiteres Buchentor verlässt man den »Ehrenhain« für den 1. Weltkrieg wieder.

 

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Die Anlage zum 2. Weltkrieg

Im Jahr 1957 folgte eine Erweiterung für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs. Diese Anlage ersteckt sich über einen Hang zum höher gelegenen Waldgebiet des Riesebusch.

 

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Durch die Baumstämme sehen wir schon die liegende Figur »Der sterbende Soldat«, der in seinem steinernen Sarg eher mausetot aussieht.

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Wieder informiert uns eine Tafel des Bad Schwartauer Bürgervereins von 1950 e.V. »Der Gemeinnützige«. Wie die erste Tafel wurde auch diese 2006 aufgestellt, also vor der Sanierung 2013.

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»Der sterbende Soldat«, eine arg stilisierte Figur im Halbrelief. Eine Besucherin meinte, es sei eher die Abbildung eines Taschenmessers, aber diese Bemerkung ist natürlich dem Ernst der Situation nicht angemessen.

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An der Seite des Steinblocks entdecken wir das Signet des Künstlers.

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JÜRGEN 19
MAASS  57

Das Doppel-»S« hebt sich auffällig ab von den anderen Buchstaben. Jürgen Maass war der Sohn vom Gartenarchitekten Harry Maasz, der die Anlage zum 1. Weltkrieg gestaltet hat. Jürgen Maass feierte seine größten Erfolge in der NS-Zeit.

Der Aufstieg zum Soldaten beginnt an der linken Seite der Anlage:

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Der Sandweg ist zur halbrunden Rasenfläche durch eine beschnittene Buchsbaumhecke abgegrenzt. Zum Wald hin sind, wie auch auf der rechten Seite, vor vereinzelten Rododendren Steinkreuze aufgestellt, die jeweils eine Zahl der Kriegsjahre bzw. den Ort einer Schlacht im 2. Weltkrieg benennen. Was sind das für Schlachten? Es sind Schlachten, die von der nationalsozialistischen Propaganda als Beispiele für das heldenhafte deutsche Soldatentum benutzt wurden. Diese Namen standen in Deutschland für tapfere Kämpfe, die entweder siegreich waren oder dem Feind größte Verluste zufügten. Spätestens nach dem Krieg wurde auch einer größeren Öffentlichkeit bekannt, mit welchen Verbrechen der Deutschen Wehrmacht sich diese Schlachten verbinden. Nur die Schlacht um Stalingrad ist als Symbol für eine große Niederlage der Wehrmacht in in das kollektive Gedächtnis eingegangen, über 700.000 Menschen kamen ums Leben, die meisten davon allerdings Soldaten der Roten Armee. Die Schlacht wurde sowohl von der NS- als auch von der Sowjetpropaganda noch während des Krieges instrumentalisiert

 

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Der Weg beginnt mit dem ersten Kriegsjahr: 1939. Es folgt der erste Name einer Schlacht:

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Narvik: Narvik ist eine norwegische Stadt nördlich des Polarkreises. Im Zuge der nationalsozialistischen Unternehmung »Weserübung« Anfang April 1940 besetzte Wehrmachtskommandeur Eduard Dietl, beauftragt durch persönliche Intervention von Hitler, mit seinen Gebirgsjägern die Stadt. Für die deutsche Kriegsindustrie war das Eisenerz der schwedischen Grube Kiruna von strategischer Bedeutung. Von Narvik aus wurde es ins Deutsche Reich verschifft – meistens in den Emder Hafen, der fast während des gesamten 20. Jahrhunderts (!) der Hauptumschlagplatz von Erz für die Eisenhütten u.a. der Waffenindustrie im Ruhrgebiet war.

Im Juni 1940 standen nach erbitterten Kämpfen in der »Schlacht um Narvik« 2.000 Gebirgsjäger und 2.500 Marinesoldaten rund 25.000 alliierten Soldaten gegenüber, bis der Westfeldzug die Alliierten veranlasste, ihre Truppen abzuziehen. Die bevorstehende Niederlage der Deutschen war abgewendet und sie besetzten Narvik erneut. Diesen vermeintlichen Sieg feierte die NS-Propaganda als Beweis des deutschen Kampfeswillens.

Im Juli 1940 beförderte Hitler Dietl, den »Helden von Narvik«, zum General der Gebirgstruppen und verlieh ihm als erstem Offizier der Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritterkreuz. In der deutschen Öffentlichkeit erwarb sich Dietl einen nahezu legendären Ruf.

Dietl 1942 nach der Beförderung zum Generaloberst: »Wir müssen aus innerster Überzeugung an unseren obersten Befehlshaber glauben und mit heiliger Begeisterung die Aufgabe, die der Führer der Wehrmacht gestellt hat – die Erringung des Endsieges – erfüllen.«

Anlässlich des 20. Jahrestages des Hitler-Putsches ließ Dietl am 9. November 1943 verlautbaren: »Der Frontsoldat weiß, daß es sich um den Schicksalskampf des deutschen Volkes handelt, daß sich die Juden der ganzen Welt zusammengeschlossen haben zur Vernichtung Deutschlands und Europas. […] Der Krieg ist der unerbittliche Läuterer der Vorsehung. Ich erkläre feierlich: Ich glaube an den Führer!«

Auf dem Weg zu einer Besprechung mit Hitler auf dem Berghof im Juni 1944 zerschellte sein Flugzeug. Die Trauerfeier mit Hitlers Rede zum »Typ des nationalsozialistischen Offiziers« am Beispiel Dietls wurde im Radio übertragen.

Im Mai 1964 wurde eine Kaserne der Bundeswehr in Füssen nach Dietl benannt. Ein Jahr später wurde sein militärischer Rang »Generaloberst« der Namensgebung hinzugefügt. Pax Christi forderte im Februar 1988 die Umbenennung. Wütende Reaktionen folgten. Der Petitionsausschuss des Bundestages hingegen empfahl, durch Aufklärung der Truppe Verständnis für die Umbenennung der Kaserne zu wecken. Eine Umbenennung wäre zugleich ein Beitrag zur »Aufarbeitung der jüngsten deutschen Vergangenheit«. Der örtliche CSU-Abgeordnete Kurt Rossmanith hielt dagegen: »Generaloberst Dietl war und ist für mich auch heute noch Vorbild in menschlichem und soldatischem Handeln.« Erst im November 1995 erhielt die Kaserne den Namen »Allgäu-Kaserne«.

nach Wikipedia, abgerufen am 29. März 2018

»Hitler persönlich redigierte die Erfolgsmeldung, die das Oberkommando der Wehrmacht am 10. Juni veröffentlichte: ›Der heldenhafte Widerstand, den die Kampfgruppe des Generalleutnants Dietl seit vielen Wochen vereinsamt unter den schwersten Bedingungen in Narvik gegen eine überwältigende feindliche Übermacht geleistet hat, erhielt heute seine Krönung durch den vollen Sieg!‹«

Lesen Sie weiter bei Welt / Geschichte, Johannes Althaus, 31. Mai 2020

 

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Auf der Rasenfläche hinter der Buchsbaumhecke stehen zwei weitere Steinkreuze mit Namen von Orten mit für die Wehrmacht erfolgreich beendeten Schlachten:

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Dünkirchen: Am10. Mai 1940 befahl Adolf Hitler den Überfall auf die Niederlande, Belgien und Luxemburg. Die deutsche Invasion endete am 28. Mai 1940 mit der Kapitulation der belgischen Streitkräfte und der Besetzung der drei Länder durch Deutschland.

Die Schlacht von Dünkirchen fand im Mai und Juni 1940 statt. Während des deutschen Westfeldzugs war die nordfranzösische Stadt Dünkirchen der letzte Evakuierungshafen der British Expeditionary Force, die 1939/1940 in Frankreich als Teil der zunächst defensiven Strategie der Westalliierten eingesetzt war. Es gelang den Briten und Franzosen, den Brückenkopf so lange zu verteidigen, bis sie insgesamt 338.226 von etwa 370.000 alliierte Soldaten bei Dünkirchen nach England übergesetzt hatten, allerdings unter Zurücklassung fast des gesamten Materials.

Auf dem Festland hinterließ die Evakuierung ein Gefühl des »Im-Stich-gelassen-Seins«. Kriegsmüdigkeit, der Wunsch nach baldiger Waffenniederlegung unter der Zivilbevölkerung und bei Militärs waren die Folge. Die Einnahme der Stadt durch die deutsche Wehrmacht erfolgte am 4. Juni.

In England wurde die unerwartet erfolgreiche Aktion wie ein Sieg gefeiert, man sprach vom »Wunder von Dünkirchen«. Winston Churchill betonte allerdings in seiner berühmten Rede vor dem Unterhaus, dass man mit einer Evakuierung keinen Krieg gewinnen könne.

Während der Schlacht um Dünkirchen kam es im umliegenden Gebiet am 27. und 28. Mai 1940 zu drei Massakern, die deutsche Truppen an Kriegsgefangenen und Zivilisten verübten: das Massaker von Le Paradis durch ein Bataillon des 2. SS Totenkopf Regiments unter Fritz Knöchlein, das Massaker von Vinkt der 225. Infanterie-Division an Bewohnern von Teilgemeinden von Deinze, und das Massaker von Wormhout durch ein Bataillon der Leibstandarte SS Adolf Hitler unter Wilhelm Mohnke.

Nach Wikipedia, abgerufen am 26.5.2020


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Tobruk: Im Jahre 1911 gelangte der Ort im Rahmen des Italienisch-Türkischen Krieges an Italien. Die italienischen Truppen bauten die Umgebung der Stadt bis 1940 zu einer starken Festung aus. Tobruk war im 2. Weltkrieg ein kleiner Ort mit nicht einmal 2.000 Einwohnern, verfügte aber über einen Tiefseehafen und die oben erwähnte Festung.

Am 22. Januar 1941 wurde die Stadt durch britische Einheiten erobert und rund 25.000 Italiener gingen in Gefangenschaft. Der deutsche Vormarsch in Nordafrika unter dem Kommando von Erwin Rommel war von Geschwindigkeit geprägt, daher wurde der schwer befestigte Ort zunächst nur eingeschlossen und nicht erobert, um schnell weiter vorstoßen zu können.

Tobruk wurde zu diesem Zeitpunkt von einer australischen Einheit verteidigt, die im April zwei Eroberungsversuche des deutschen Afrikakorps abwehrte. Verteidigungsstellungen aus Panzergräben, Bunkern, MG- und PAK-Nestern machten ein Vordringen nahezu unmöglich. Bis Ende 1941 wurde der Ort belagert und von der deutschen Luftwaffe massiv bombardiert. Durch Verlegung deutscher Luft- und Seestreitkräfte von Südeuropa nach Nordafrika gelang es Erwin Rommel im Januar 1942, die zwei Monate zuvor begonnene britische Offensive Crusader mit einem überraschenden Gegenangriff zu stoppen. Massive Luftangriffe deutscher Sturzkampfbomber (Stukas) begünstigten den deutsch-italienischen Vormarsch nach Tobruk.

Nach zwei Wochen heftiger Kämpfe wurde die Abwehr schließlich durchbrochen. Die Alliierten kapitulierten am 21. Juni 1942. 32.000 alliierte Soldaten gerieten in Gefangenschaft und den Eroberern fielen rund 5.000 Tonnen Versorgungsgüter und 10.000 Tonnen Treibstoff zu. In der Folge wurde Rommel zum Generalfeldmarschall ernannt.

Nach wikiwand.com, abgerufen am 26.5.2020


»Eroberung der Festung Tobruk: Im Verlauf wechselvoller Kämpfe konnten die britischen Streitkräfte das Deutsche Afrikakorps zwar wieder zurückdrängen, doch dank massiver Luftunterstützung gingen die deutsch-italienischen Verbände erneut in die Offensive und eroberten im Juni 1942 die britische Festung Tobruk. Hitler beförderte daraufhin den als ›Wüstenfuchs‹ verehrten Erwin Rommel zum Generalfeldmarschall. In seinem Tagebuch notierte Reichspropagandaminister Joseph Goebbels: ›Rommel strahlt vor Glückseligkeit. Er ist ein nationalsozialistischer Heerführer, so wie wir ihn uns nur wünschen können. Mit Rommel kann man propagandistisch alles machen. Rommel ist der kommende Oberbefehlshaber des Heeres.‹«

Lesen Sie weiter im Beitrag des Deutschlandfunks von Otto Langels

 

SH Bad Schwartau 2WK Denkmal rechts web


Wir gehen jetzt am »sterbenden Soldaten« in seinem Sarkopharg vorbei und beginnen den Abstieg, man könnte auch sagen: den Niedergang, auf der rechten Seite:

 

SH Bad Schwartau 2WK 1942 web


Es geht erstmal weiter mit der Aufzählung der Kriegsjahre.

 

SH Bad Schwartau 2WK 1943 web

SH Bad Schwartau 2WK 1944 web

SH Bad Schwartau 2WK Kurland web


Kurland: Kurland war und ist ein Teil von Lettland. Nach Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges 1941 war das lettische Territorium bis zur schrittweisen Rückeroberung durch die Rote Armee ab Sommer 1944 von deutschen Truppen besetzt. In der Kesselschlacht von Kurland wurden die deutsche Heeresgruppe sowie Luftwaffen- und Marineeinheiten ab Oktober 1944 eingeschlossen.

In den sechs verlustreichen »Kurlandschlachten« von Oktober 1944 bis März 1945 wehrten die eingeschlossenen Wehrmachtverbände, unterstützt von lettischen SS-Einheiten, alle sowjetischen Offensiven ab.

Als am 8. Mai 1945 die Heeresgruppe Kurland im Rahmen der Gesamtkapitulation der deutschen Streitkräfte die Waffen niederlegte, wurden über die Häfen Windau und Libau bis zum 9. Mai 1945 Flüchtlinge, Verwundete und Heereseinheiten evakuiert.

42 Generäle, 8038 Offiziere, 181 032 Unteroffiziere und Soldaten gerieten in sowjetische Gefangenschaft, die etwa 14 000 lettischen SS-Angehörigen, die zu der Zeit schon zwangsrekrutiert worden waren, wurden als »Verräter« bestraft. Einige von ihnen setzten als »Waldbrüder« den bewaffneten Kampf bis 1953 fort.

nach Wikipedia, abgerufen am 28.3.2018

Am 9. Mai 1945 war auch für die deutsche Heeresgruppe Kurland der Krieg endlich zu Ende. Hitler hatte ihren Rückzug verboten. Für einen irrsinnigen Plan, sagt der Historiker und Oberst a.D. Karl-Heinz Frieser in einem Interview mit Welt.de vom 9.5.2015

In Kurland verschliss Hitler seine beste Truppe


Am 5.2.1945 teilte Kommandeur Janischkeit der Ehefrau von Leutnant Christophe seinen Tod bei den Abwehrkämpfen in Kurland mit: »Von dem großen Idealismus der Zeit erfüllt, fand er in treuer Pflichterfüllung für Führer und Volk den Heldentod, damit Deutschland lebe.«

Dieser Brief ist dokumentiert auf www.kurland-kessel.de

 

SH Bad Schwartau 2WK 1945 web


Auf der Rasenfläche stehen Steinkreuze mit weiteren Namen von Schlachtorten:

 

SH Bad Schwartau 2WK Wolchow web

 

Wolchow: Während der Blockade Leningrads war der weitere Vormarsch der deutschen Heeresgruppe Nord nach Leningrad durch die Schlacht um Tichwin im Winter 1941 zum Stehen gekommen.

Die Truppen der Roten Armee hatten zum Jahreswechsel 1941/42 den Fluss Wolchow erreicht. Sie kesselten die deutschen Truppen, die Stellungen u.a. am linken Ufer des Wolchow bezogen hatten, ein und versuchten so die Leningrader Blockade zu beenden.

Anfang Januar 1942 begann die sowjetische Offensive in einem schwierigen – weil teils bewaldeten – tief verschneiten Gelände. Nach erbitterten Kämpfen konnte die Wehrmacht Truppen sammeln und ging Mitte März zur Gegenoffensive über, in der es ihr unter hohen Verlusten gelang, die Einkesselung aufzubrechen. Erst Ende April 1942 gingen die sowjetischen Truppen auf den erreichten Positionen zur Verteidigung über, Ende Mai erhielten sie die Genehmigung zum Rückzug.

Zwischen 22. und 27. Juni 1942 kesselte die Wehrmacht die sowjetischen Truppen ein und begann ihre Zerschlagung. Bei den letzten sowjetischen Versuchen, aus dem Kessel auszubrechen, wurde die Armee fast vollständig aufgerieben. Nur zwischen 6.000 und 16.000 Rotarmisten konnten sich retten, 14.000 bis 20.000 kamen allein bei diesem letzten Ausbruchsversuch ums Leben.

Die Rote Armee hatte zwar Geländegewinne erzielt, jedoch unter unverhältnismäßig hohen Verlusten (95.000 Tote und Gefangene, 213.000 Verwundete). Die Ziele der Operation wurden nicht erreicht. Der sowjetische General Wlassow verbarg sich zunächst hinter den deutschen Linien, geriet aber am 12. Juli in Gefangenschaft, wechselte die Seiten und wurde in Folge Kommandeur der mit Deutschland verbündeten Russischen Befreiungsarmee.

Die Leningrader Blockade dauerte an. Sie gehört zu den größten Kriegsverbrechen der deutschen Wehrmacht im 2.Weltkrieg. In den fast zweieinhalb Jahre verhungerte über eine Million Leningrader Bürger.

Lesen Sie mehr in der Zeitreise des mdr

 

SH Bad Schwartau 2WK Stalingrad web


Stalingrad: Die Vernichtung der deutschen 6. Armee und verbündeter Truppen 1942/1943 in der Schlacht von Stalingrad gilt als psychologischer Wendepunkt des im Juni 1941 von Nazi-Deutschland begonnenen Deutsch-Sowjetischen Krieges.

Der Industriestandort Stalingrad war ein operatives Ziel der deutschen Kriegführung und sollte als Ausgangspunkt für den eigentlichen Vorstoß in den Kaukasus dienen. Nach dem deutschen Angriff auf die Stadt im Spätsommer 1942 wurden in Folge einer sowjetischen Gegenoffensive im November 1942 über 230.000 Soldaten der Wehrmacht und ihrer Verbündeten von der Roten Armee eingekesselt. Obwohl die Lage der nur unzureichend versorgten Soldaten aussichtslos war, bestanden Hitler und die militärische Führung auf einer Fortführung der Kämpfe. Die meisten Soldaten stellten Anfang 1943, zum Teil auf Befehl, zum Teil aus Material- und Nahrungsmangel die Kampfhandlungen ein und gingen in Kriegsgefangenschaft, ohne dass es zu einer offiziellen Kapitulation kam. Rund 10.000 versprengte Soldaten, die sich in Kellern und der Kanalisation versteckt hielten, setzten ihren Widerstand noch bis Anfang März 1943 fort. In den Kämpfen von Stalingrad kamen über 700.000 Menschen ums Leben, die meisten davon Soldaten der Roten Armee.

Die Schlacht wurde sowohl von der NS- als auch von der Sowjetpropaganda noch während des Krieges instrumentalisiert und ist mehr als jede andere Schlacht des 2. Weltkriegs noch heute im kollektiven Gedächtnis verankert.

 

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Monte Cassino: Die Schlacht um Monte Cassino vom 17. Januar bis zum 18. Mai 1944 war eine der längsten und blutigsten Schlachten des 2. Weltkriegs. Der verlustreiche Kampf hielt den Vormarsch der Alliierten für eine Weile auf. Erst am 25. Mai konnten die allierten Truppen den Weg nach Nazi-Deutschland über Rom fortsetzen.

In der Schlacht um die Stadt und den Berg von Cassino, bei der 105.000 alliierte und 80.000 deutsche Soldaten kämpften, starben rund 20 000 deutsche und bis zu 55.000 alliierte Soldaten. Das 1300 Jahre alte Benediktinerkloster in 516 Meter Höhe wurde zerstört.

Nach der Schlacht wurde die Kampfmoral der beteiligten deutschen Fallschirmjäger in der NS-Propaganda glorifiziert; der deutsche Abzug wurde nicht erwähnt.

 

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Die EU investiert in die Zukunft

Wir sind befremdet von der Auswahl der Stichworte auf den Steinkreuzen. Es ging hier, zwölf Jahre nach Ende des Krieges, nicht um Trauer für tote Soldaten, geschweige denn um ein Zurückblicken auf die Gräueltaten des »3. Reichs«. Wir wissen, dass die meisten Menschen in Deutschland lange gebraucht haben, um den Tatsachen ins Auge zu sehen. Das zeigen die Reaktionen auf die Ausstellung »Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944«, die ab 1995 durch Deutschland wanderte. Empörte Menschen begleiteten die Ausstellung mit zahlreichen öffentlichen Protesten, Gegenpropaganda, Anschlägen und Anschlagsversuchen. Eine Parole: »Der deutsche Soldat: Ehrlich, anständig, treu! – Schluss mit der antideutschen Hetze!«.

Lesen Sie mehr auf Wikipedia


Aber dass im Jahr 2013 die EU insgesamt 41.596,64 Euro auch in eine Anlage investiert, in der Schlachten aufgezählt werden, die von der nationalsozialistischen Propaganda als Beispiele für das heldenhafte deutsche Soldatentum benutzt wurden, ohne das zu kommentieren, ist unglaublich. Die Überfälle der Wehrmacht auf die europäischen Nachbarländer, die Massaker an der Zivilbevölkerung im Zusammenhang mit diesen Schlachten werden nicht erwähnt, von aufklärenden Tafeln ist nichts zu sehen. Ergänzend soll gesagt werden, dass die Anlagen zum 1. und zum 2. Weltkrieg als Einheit unter Denkmalsschutz gestellt worden sind.

Gartendenkmalpflegerischen Gutachten

»Gemäß dem Motto ›Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft‹ soll am konkreten Ort ein Geschichtswissen zum 1. und 2. Weltkrieg, aber auch zu den Reformjahren in der Architektur und Gartenkunst der Weimarer Republik vermittelt werden. Die beiden Ehrenhaine gehören zu den qualitätvollsten Anlagen im Lande – die Restaurierung und Intensivierung der Pflege macht dies für alle interessierten Bürger deutlicher. Informationstafeln weisen Besucher auf die Besonderheit des Ortes hin.«

Aus dem Gartendenkmalpflegerischen Gutachten der Landschaftsarchitektin Gudrun Lang, Planung 2010 - 2011, Projekt »Ehrenhain« Bad Schwartau


Wir danken Frau Lang, dass wir das Gutachten hier verlinken dürfen. Leider ist die dort avisierte Vermittlung von Geschichtswissen zum 1. und 2. Weltkrieg ein Totalausfall. Nach unserer Einschätzung werden nur wenige Menschen die perfide Auswahl der Schlachtorte im 2. Weltkrieg einordnen können.

 

SH Bad Schwartau 1WK Europa web


Der Beschluss: »Restaurierung des Ehrenhains in Bad Schwartau

... Ziel der geplanten Maßnahme ist es, den ursprünglich geplanten Charakter der Anlage wieder herzustellen und die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.
Hierfür muss das Wasserbecken entschlammt und saniert werden. Außerdem ist die Restaurierung der Gedenksteine vorgesehen.
Ein Informationssystem (Schautafeln, Flyer) mit Erläuterungen zum 1. Weltkrieg sowie zu den Reformjahren in der Architektur und Gartenbaukunst der Weimarer Republik soll die kulturhistorische Bedeutung der Anlage herausstellen. [...]


SH Bad Schwartau Aktiv Region web

Projektträger: Stadt Bad Schwartau
Gesamtkosten: 90.000,- Euro (Bruttokosten)
Förderfähige Kosten: 75.630,25 Euro (Nettokosten)
Förderquote: 55%
Fördersumme: 41.596,64 Euro

Beschluss des Vorstandes der AktivRegion: 25.09.2012
Bewilligung des LLUR: 08.02.2013
Durchführung der Maßnahme: Frühjahr 2013«

Lesen Sie mehr auf aktivregion-ilb.de

 

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Volkstrauertag 2019

Die Bundeswehr im »Ehrenhain«: zwei Soldaten der Kameradschaft Aufklärungsbataillon 6 Holstein aus Eutin halten Ehrenwache, bewaffnet mit Sturmgewehren.

 

SH Bad Schwartau VTT 2019 web
Fotos: https://kameradschaft-aufklaerer-eutin.de


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Harry Maasz und Jürgen Maass

Harry Maasz, geboren am 5. Januar 1880 in Cloppenburg, gestorben am 24. August 1946 in Lübeck, war von 1912 bis 1922 Leiter des Lübecker Gartenbauamts und bezeichnete sich selbst gerne als Gartenbaukünstler.

SH Harry Maasz web
Schleswig-Holsteinisches Archiv für Architektur und Ingenieurbaukunst, Schleswig. Bestand Harry Maasz


SH Bad Schwartau AAI 618 Pl 06 web
Schleswig-Holsteinisches Archiv für Architektur und Ingenieurbaukunst, Schleswig. Bestand Harry Maasz, AAI-618-Pl-06

Die Skizze von Harry Maasz: wir sehen, dass er sich das zentrale Denkmal als Kreuz vorgestellt hat. Zum Schwert ist es erst später geworden.


SH Bad Schwartau AAI 618 Pl 01 web
Schleswig-Holsteinisches Archiv für Architektur und Ingenieurbaukunst, Schleswig. Bestand Harry Maasz, AAI-618-Pl-01

Der Plan von Harry Maasz zur Krieger-Gedächtnisstätte
                  

»Der Ehrenhain als besondere Form des Gedenkens und der Würdigung der im Krieg gefallenen Soldaten gewann erstmals zu Beginn des Ersten Weltkrieges an Bedeutung. Jedem Kriegstoten wurde das Recht auf ein eigenes Gedächtnismal zugesprochen. Das Preußische Innenministerium sah es als eine nationale Aufgabe an und veröffentlichte einen Erlass zur Förderung der Ehrenhaine. Dem Berufsstand des Landschaftsarchitekten kam die besondere Aufgabe zu, die Planung und Umsetzung von Gedächtnisstätten auszuführen. Harry Maasz (1880-1946) gehörte zu den wichtigsten norddeutschen Vertretern, die sich mit diesem Thema intensiv auseinandergesetzt haben. Insgesamt plante er fast 40 Anlagen zur Kriegerehrung. Neben Ehrenfriedhöfen und Ehrengrabstätten waren dies auch Kriegergedächtnisstätten und Ehrenmale, zum Teil ohne Gräber, da die Gefallenen und Vermissten in fremdem Boden fern der Heimat lagen. Die Anlage Ehrenhain der Gefallenen des Ersten Weltkrieges, Riesebusch in Bad Schwartau, Kreis Ostholstein, ist eine der frühesten dieser Art und bis heute eine der am Besten erhaltenen im Land Schleswig-Holstein.«

Aus dem Gartendenkmalpflegerischen Gutachten der Landschaftsarchitektin Gudrun Lang, Planung 2010 - 2011, Projekt »Ehrenhain« Bad Schwartau

 

»Jürgen Maass wurde als Sohn des Gartenarchitekten und Gartenbauschriftstellers Harry Maasz 1908 in Stuttgart geboren und wuchs in Lübeck auf. Er absolvierte ein Studium an der Preußischen Akademie der Künste in Berlin, wo er Meisterschüler von Ludwig Gies wurde. Schon frühzeitig wurde Maass in den 1930er Jahren durch seine Bildnisbüsten von Gustav Gründgens und Heinrich George sowie die für das Berliner Olympiagelände geschaffenen Sportreliefs als Künstler in Berlin bekannt. Der Zweite Weltkrieg und die Zeit nach Kriegsende sorgten jedoch für eine tiefgreifende Zäsur in seiner Karriere. Erst ab 1950 konnte Maass in Lübeck und Bad Schwartau durch kleinere Aufträge wieder Fuß fassen. In seinem Schwartauer Atelier entstanden plastische Arbeiten in Gips, Kupfer und Bronze sowie Mosaike. Zudem widmete sich der Künstler wie sein Vater dem Entwerfen von Gartenanlagen, u.a. schuf er 1957 die Gedenkstätte Ehrenhain II in Bad Schwartau für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges.«

www.kunst-im-oeffentlichen-raum-lübeck.de

 

»Zum 100. Geburtstag von Jürgen Maass (1908 – 1981)

Bei der Suche nach bedeutenden Künstlern unserer Region nannte uns unser Mitglied Wolfgang Fricke schon vor ein paar Jahren den Bad Schwartauer Bildhauer Jürgen Maass. Dieser vielseitige Künstler lebte und wirkte in seiner zweiten Lebenshälfte in Bad Schwartau. Bekannt ist er uns Schwartauer Bürgern durch die von ihm im Riesebusch 1957 gestaltete Gedenkstätte Ehrenhain II für die im 2.Weltkrieg gefallenen Bad Schwartauer. Sein Vater Harry Maasz hatte 1918 (also 39 Jahre zuvor) im Riesebusch den Ehrenhain I (Gedenkstätte für die Gefallenen im 1. Weltkrieg) errichtet.

Jürgen Maass wurde am 7. Juni 1908 geboren – vierundvierzig Jahre nach Prof. Paul Peterich, erlebte seine Kindheit und Jugend in Lübeck, sein Studium wie Prof. Paul Peterich an der Akademie der Künste in Berlin. Jürgen Maass war Meisterschüler bei Berlins bekanntem Kunstprofessor Gies und wurde durch Künstlerbüsten z.B. von Gustav Gründgens und Heinrich George schlagartig bekannt. Auch bei der Gestaltung des Olympiageländes (Reichssportfeld) machte er 1935 mit wunderbaren Sportreliefs auf sich aufmerksam. Im Gegensatz zu Paul Peterich konnte er sein positives Schaffen nicht fortsetzen. Der 2. Weltkrieg unterbrach seine Karriere und zerstörte alles, was er sich als fähiger junger Künstler in der Berliner Kunstszene aufgebaut hatte. Die ersten Jahre nach Kriegsende galten besonders in den Städten dem Wiederaufbau von Gebäuden, der Verwaltung sowie der Wiederaufnahme des Arbeitslebens. Jürgen Maass litt als Künstler unter der fehlenden Auftragslage. In dieser schweren Zeit lernte er 1948 seine Lebensgefährtin Frau Dr. Ingeborg Schultze-Prodoehl kennen, die ihn unermüdlich unterstützte.

     SH Bad Schwartau Maass neu web


Nach der Währungsreform (1948) keimten Hoffnungen für zukünftige Arbeiten auf. Ab 1950 ergaben sich spärliche Aufträge aus seinem Lübecker und Schwartauer Freundes- bzw. Bekanntenkreis. [...]

Trotz aller Fähigkeiten erhielt Jürgen Maass leider nicht die Aufträge in Anzahl, Qualität und Volumen, die ihn zufrieden gestimmt hätten und die er wirklich verdient hätte. Jürgen Maas starb im 74 Lebensjahr in Lübeck.«

U.K. (Ulrich Kleinstoll) im Bürgerbrief Nr.63, 2008, S.5; »Der Gemeinnützige« Bürgerverein Bad Schwartau von 1950 e.V.

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Historische Bilder

Undatiert, sie zeigen die Anlage im frühen gepflegten Zustand.

SH Bad Schwartau alt web


SH Bad Schwartau von Gudrun Lang web

Dieses Foto hat uns freundlicherweise Gudrun Lang zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

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Die Legende vom Schwert Excalibur

Diese Geschichte hat alles, was man nach dem 1. Weltkrieg für einen »Ehrenhain« brauchte: einen schwertschwingenden, kraftvollen Helden, der für die gerechte Sache kämpfte, einen edlen Ritter, »gefallen« durch eine böse List nach blutigem Gefecht – doch sein Schwert wartet darauf, wieder zum Einsatz zu kommen.

Vom mythischen Zauberer Merlin war das Schwert Caliburn durch einen Stein bzw. Amboss getrieben worden, wird in der Legende erzählt. Es hieß, nur der wahre künftige Herrscher könne es wieder herausziehen. Nachdem zahlreiche Ritter und Adelige an dieser Aufgabe gescheitert waren, gelang es Artus (Arthur), dem Sohn des englischen Königs, das Schwert mühelos zu befreien, was ihn zum rechtmäßigen König machte.

     SH Bad Schwartau London Film Museum Eduardo Otubo Wikimedia Commons web2
       Foto: Eduardo Otubo/Wikimedia Commons

Als Artus das Schwert Caliburn in einer Schlacht zerschlagen hatte, schenkte die »Herrin vom See« dem jungen König als Ersatz Excalibur, damit er sein Königreich schützen könne.

SH Bad Schwartau King Arthur web


Der Legende nach gab Excalibur seinem Besitzer übermenschliche Kräfte, und seine Scheide machte jeden, der sie bei sich trug, unverwundbar. Artus’ Halbschwester Morgan LeFay raubte durch eine List die Scheide, sodass Artus bei Verletzungen wieder gefährdet war. Excalibur blieb ihm erhalten.

Nachdem Artus in einer Schlacht schwer verletzt wurde, brachte man ihn nach Avalon. Ein bis heute sagenumwobener Ort des Interesses, siehe beispielsweise den Fantasy-Roman »Die Nebel von Avalon«. Stirbt er dort oder ruht er nur? In Anspielung auf den christlichen Glauben an Auferstehung wird seine Rückkehr in Aussicht gestellt. Sir Bedivere, einer der zwölf Ritter der Tafelrunde von König Artus, warf Excalibur zurück in den See, wo es die »Herrin vom See« wieder annahm. Dort soll es der Sage nach noch immer ruhen.

Im 12. Jahrhundert machte Richard Löwenherz die Artus-Sage zum Werkzeug seiner Propaganda und behauptete, sein Schwert sei Excalibur.

Nach Wikipedia, abgerufen am 24.5.2020

»Die fantasievolle Erzählung indes macht den Helden zur Projektionsfläche des jeweiligen Zeitgeistes späterer Jahrhunderte. Die vermeintliche Aktualität schuf eine Glaubwürdigkeit, die historische Wahrheit ersetzte.«

Lesen Sie weiter auf www.spiegel.de

 

Ab 1914 wurden in Deutschland zunehmend national gestimmte Gedichte verfasst. Einzelne Verse wurden von der Kriegspropaganda aufgegriffen und erreichten eine enorme Popularität. Eine Zeile aus dem »Haßgesang gegen England« wurde während des Krieges ein Schlachtruf des deutschen Heeres – »Gott strafe England«. Eine eigene Grußformel entstand: »Gott strafe England«, Erwiderung des Grußes: »Er strafe es«.

     SH Bad Schwartau Gott strafe England web


Hier eine Postkarte aus dem Jahr 1915 mit der bekannten Zeile aus dem »Haßgesang«. In dem Bild ist das Schwert in eine Ansicht von England gerammt, während ein christliches Kreuz es von hinten überstrahlt – ein Kreuz, das in diesem Fall natürlich die Unterstützung einzig des Deutschen Reichs durch Gott symbolisiert, entsprechend der Behauptung des deutschen Kaisers und seiner Soldaten: »Gott mit uns«.


     SH Bad Schwartau Soldat am Schwert web
Wir sehen ein Schwert, das im Boden steckt. Es soll der Eindruck erweckt werden, als sei der Hügel Golgatha gemeint, auf dem den neutestamentlichen Evangelien zufolge Jesus von Nazaret gekreuzigt wurde. Das Kreuz steht für den christlichen Glauben, dass im Opfertod Jesu Gott den Menschen heilend nahegekommen ist. Hier wird nun ein Soldat an einem Schwert hängend abgebildet, umgeben von einem göttlichen Strahlenkranz. »Ihr habt für uns euch hingegeben / Ihr seid gestorben, damit wir leben«: Der Opfertod Jesu wird dem Kriegstod der Soldaten gleichgestellt. Diese Analogie findet sich öfters auf Kriegerdenkmälern. Die kleinen Bilder mit verschiedenen Motiven wurden vom Verlag der Wochenzeitung »Hamburger Warte« verkauft. Am 14. Dezember 1918 erschien die erste Ausgabe der »Hamburger Warte«, eine »politische Kampfschrift« gegen Marxismus und Judentum.

Ein weiteres Motiv finden Sie beim Denkmal in Breiholz


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I N H A L T
Das Denkmal
Der frühere Standort
Eine historische Postkarte
Die Geschichte
Die Einweihung
Der Bildhauer Missfeldt

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Bad Segeberg

Neben dem Turmeingang zur Marienkirche und dem Friedhof

Das Kriegerdenkmal aus Muschelkalk steht heute zwischen der Treppe für Fußgänger und Auf- und Abfahrt für Fahrräder und Rollstühle. Der Berliner Bildhauer Heinrich Missfeldt (1872 - 1945) hat es entworfen. Am 26. November 1922 wurde es eingeweiht.


SH Segeberg ganz vorne web

SH Segeberg hinten 2 web

SH Segeberg ganz hinten web

Auf dem vielstufigen Sockel in der Form eines Sarkophags liegt hingesunken ein nackter Soldat mit einem Stahlhelm auf dem Kopf und einem abgebrochenen Schwert in der rechten Hand, den muskulösen Körper notdürftig mit einem Umhang bedeckt. Die ehemals weiße Skulptur ist jetzt grün bemoost. Man sieht keine Verletzung, trotzdem hat die Statue den Namen »Sterbender Krieger« erhalten.

SH Segeberg Aufsicht web

An der Seite des Sarkophags ist heute über einem großen christlichen Kreuz eingraviert:
Den Toten der Kriege

Darunter:
Die Kirchengemeinde Segeberg

Auf einer Stufe unter dem nackten »Helden« läuft als Spruchband rundherum der Bibelvers Johannes 15.13 in der Fassung der Lutherbibel von 1912:
Niemand hat grössere Liebe
denn die
dass er sein Leben lässt
für seine Freunde

Zwischen die Wörter ist jeweils ein achtstrahliger Stern gesetzt, um die kurze Seite mit »denn die« aufzufüllen, sind rechts und links waagerechte Ankersymbole angefügt.

SH Segeberg Seite web


An der gegenüber liegenden kurzen Seite ist über dem Wort »Freunde« die Signatur des Bildhauers Missfeldt eingraviert.

SH Segeberg Signatur web


Vor einigen Jahren war der »Sterbende Krieger« noch nicht von Verkehrswegen umschlossen ...

SH Bad Segeberg Marienkirche Soenke Rahn Wikimedia Commons web
Foto: Sönke Rahn / Wikimedia Commons

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Der frühere Standort

... und errichtet wurde das Denkmal 1922 an der Längsseite der Kirche in einer kleinen Parkanlage, die den 1909 geschlossenen Friedhof vor der Kirche ersetzt hatte und die heute nur Rasenfläche ist. Am 4. Oktober 1916 war dort die Parkanlage als »Ehrenfriedhof« eingeweiht worden: »Geplant ist hier an dieser Stätte für all die Gefallenen unserer Gemeinde ein größeres Denkmal nach Beendigung des Krieges (aus dem Segeberger Kreis- und Tageblatt, 6. Oktober 1916). Die Parkanlage wurde von Carl Ernst Friedrich Stämmler (1839 - 1926), Kunst- und Handelsgärtner und Stadtrat angelegt. Von 1906 bis 1920 gehörte er der Kirchengemeinde Segeberg an.

SH Segeberg Luftbild alt web

 
Auf diesem Luftbild von 1935 ist das Denkmal rechts unten zu sehen.


SH Segeberg alt gesamt web

Dieses Bild hat der Segeberger Fotograf Antonius Dellgrün (1888 - 1973) im Jahr 1932 gemacht. Dellgrün wurde am 12. März 1933 bei den Wahlen zum Segeberger Stadtparlament als NSDAP-Mitglied zum Stadtvertreter gewählt und blieb es bis Kriegsende

 

SH Segeberg Pastorat II Kriegerdenkmal Kirchplatz8

Foto: Jörgen Sontag

Ein Foto aus den 50er-Jahren. Das Kriegerdenkmal steht noch auf der großen Rasenfläche vor der Kirche. Im Hintergrund sieht man das damalige Pastorat am Kirchplatz 7.

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Eine historische Postkarte

SH Segeberg 1927 web


Auf diesem Foto von 1927 kann man erkennen, dass die Frontseite des Denkmals ursprünglich anders gestaltet war. In der Schrifttype Leipzig Fraktur stand dort:

Unseren teuren Gefallenen
die Kirchengemeinde Segeberg

Darunter als Schmuckelement zwei gekreuzte Eichenzweige. Auch der Bibelvers Johannes 15.13 auf dem umlaufenden Spruchband war früher in der alten Schrift graviert und hatte vermutlich zwischen den Wörtern ein anderes Schmuckelement.

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Die Geschichte

Nach dem Ende des 1. Weltkriegs wollten die Segeberger den toten Soldaten ein Denkmal setzen. Von den 14 eingegangenen Entwürfen waren alleine drei von Heinrich Missfeldt: »Sterbender Krieger«, eine trauernde Frauengestalt (siehe Kriegerdenkmal in Bad Bramstedt) und eine Säule gekrönt wahlweise von einem Adler oder einem Eisernen Kreuz (siehe das ehemalige Kriegerdenkmal in Bokel, Kreis Pinneberg). Vom 2. bis 4. Mai 1922 waren die Entwürfe im Gewerbevereinshaus ausgestellt. Ende April 1922 traf sich der Denkmalsausschuss: »Zunächst war die Frage zu prüfen, ob die schlanke Säule, Obelisk oder Pyramide oder ob ein breites wuchtiges Denkmal vorzuziehen sei« (Segeberger Kreis- und Tageblatt). Wichtig war den Ausschussmitgliedern die Wirkung des zukünftigen Denkmals, die es nach allen Seiten entfalten sollte. Das Denkmal des schließlich an Hand eines Tonmodells des Bildhauers Heinrich Missfeldt erwählten »Sterbender Krieger« kostete 80 000 Mark. Um diese Summe aufbringen zu können wurde eifrig die Spendentrommel gerührt. Größere Summen kamen von ehemaligen Segebergern, die mittlerweile in den USA oder Dänemark lebten. Eugen Bornhöft aus Chicago zum Beispiel spendete 15 000 Mark. Auch der Segeberger Bankdirektor Heinrich Harck, Mitglied im Denkmalsausschuss, gab eine größere Summe. Am 14. November 1923 löste sich der Denkmalsausschuss auf.

Am 25. Oktober 1964 wurde das Denkmal dann an einen Platz nahe dem Turmeingang der Marienkirche umgesetzt, wo es auch heute noch steht. Die erste Gedenkfeier am neuen Platz fand anlässlich eines Treffens des Traditionsverbandes der ehemaligen 110 I.D. statt. Der Kommandeur des Panzergrenadierbatallions 182 Oberstleutnant Fahrenkamp übernahm durch Tagesbefehl die Patenschaft für das »Ehrenmal«.

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Die Einweihung

Am frühen Nachmittag des 26. November 1922, am Totensonntag, wurde das Denkmal eingeweiht. Zahlreiche Militärvereine, der Segeberger Kampfgenossenverein von 1870/71, Abordnungen von Sportvereinen und Schulen und die Mitglieder der Segeberger Liedertafel waren auf dem Marktplatz angetreten und marschierten in Reih und Glied unter Trommelwirbel und Glockengeläut von der Marienkirche zum geschmückten Denkmal.

»Nachdem der Sängerclub 1870/71 und die Liedertafel Segeberg das Lied ›Dem Andenken der Gefallenen‹ gesungen hatten, übergab der Vorsitzende des Segeberger Militärvereins und Schriftleiter Rudolph Jacoby das Denkmal der Stadt Segeberg, im Namen des Denkmalsausschußes, allen die zum Bau des Denkmals beigetragen, dem Künstler, Bildhauer Mißfeldt, Berlin, der zur Feier erschienen war, für das Werk den Dank des Ausschußes aussprach und die Jugend ermahnte sich die Gefallenen zum Vorbild zu nehmen, in ihrer Treue und Pflichterfüllung dem Vaterland gegenüber« (Segeberger Kreis- und Tageblatt vom 28. November 1922).

SH Segeberg Einweihung web


Wir danken sehr herzlich Peter Sauer aus Bad Segeberg für die historischen Fotos und seine Recherchearbeit, aus der wir zitieren durften.

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Der Bildhauer Missfeldt

Heinrich Missfeldt wurde am 20. Dezember 1872 in Suchsdorf bei Kiel geboren und starb am 27. Oktober 1945 in Torgau.

               SH Missfeldt 280 web


Seine Eltern waren der Ziegeleibesitzer Detlef Missfeldt und Elsabe Sinn. Nach einer Lehre als Holzbildhauer in Kiel ging er zum Studium nach Berlin. Viele Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein wurden in seinem Berliner Atelier entworfen. Zum Beispiel das in Hörnerkirchen, Glückstadt, Bad Bramstedt, Bokel (zum Teil abgetragen), Garding, Husum, Kappeln und Kiel.

1936 entwarf er Reliefbilder vom Kopf Hermann Görings und Adolf Hitlers, 1937 wurden sie in der Lehrgießerei des Lautawerks der Vereinigte Aluminium-Werke AG hergestellt – Sandguss, Aluminium, poliert.


Ebenfalls dokumentiert sind auf dieser Website Missfeldts Kriegerdenkmäler in:

Schleswig-Holstein Kappeln
Schleswig-Holstein Bad Bramstedt

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I N H A L T
Das Denkmal
Volkstrauertag
»Zur Ehre«
Die Geschichte
Das Eiserne Kreuz
Findlinge
Die Deutsche Eiche

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Bargteheide, Kreis Stormarn

In einem kleinen Park am Marktplatz

Am Volkstrauertag, den 13. November 1955, wurde die durch Bildhauer Harry Egler aus Bad Oldesloe neugestaltete Gedenkanlage eingeweiht.


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Die kleine runde Denkmalsanlage blieb an ihrem früheren Standort. In den Lübecker Nachrichten steht am 16. Juli 1955 über die gewünschten Veränderungen: »Kernpunkt der Gesamtplanung – sowohl der Herrichtung des vorhandenen Steines auf dem Marktplatz als auch der gärtnerischen Gestaltung – war, daß sich das neue Ehrenmal in das Bild des Marktplatzes mit dem Neubau der Schule im Hintergrund anpassen soll.«

 

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Der spitze Findlingsstein vor der großen Eiche in dem mit Feldsteinen gemauerten Rund ist ein Kriegerdenkmal für toten Soldaten, das zeigt das Eiserne Kreuz, das militärische Ehrenzeichen, oben auf dem Stein.

 

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Die runde Ummauerung ist mit Erde für die Bepflanzung aufgefüllt, sie ist umgeben mit zwei Reihen »Katzenköpfe«, bearbeitete Granitsteine.

 

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Auf der geraden Frontseite des Findlings steht unter einem Eisernen Kreuz in Kontur die Widmung:

UNSEREN
TOTEN
ZUR EHRE

Eisernes Kreuz und Buchstaben sind aus Bronze. Das Denkmal sollte 1955 nach dem Willen des Umgestaltungsausschusses zeitlos gestaltet werden und daher keine Jahreszahlen der beiden Weltkriege tragen.

Drei Buchstaben sind in letzter Zeit erneuert worden.

 

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Das Eiserne Kreuz, das auf den Denkmälern toten Soldaten posthum für die durch den Kriegstod bewiesene Tapferkeit und Treue verliehen wird.

 

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Der gewaltige Stein und der Stamm der »Deutschen Eiche« von der Seite.

 

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Volkstrauertag

1959
»Um 10.55 Uhr werden Abordnungen des Reichsbundes, der Militärischen Kameradschaft, der Freiwilligen Feuerwehr, des Schützenvereins, des TSV, des DRK, des Gemischten Chores des LvD, des Doppelquartetts und des Heimkehrerverbandes vom Schützenhof im Schweigemarsch zum Ehrenmal ziehen« (Lübecker Nachrichten, 13.11.1959).

1963
»Seit Jahren wird am Ehrenmal nur ein Kranz niedergelegt und zwar von der Gemeinde im Namen aller Bürger« stellte Bürgermeister Carl Eduard Claußen fest »Auch in Zukunft werde ich es nicht dulden, daß unser Ehrenmal zu parteipolitischer Propaganda mißbraucht wird« (Lübecker Nachrichten, 2.2.1964).

Was war geschehen? Zum Volkstrauertag hatte auch die DFU (Deutsche Friedens-Union) einen Kranz am Denkmal niedergelegt, wahrscheinlich mit entsprechendem Text auf der Schleife. Nachdem er entfernt worden war, verteilte DFU-Vorstandsmitglied Carl Backhaus Protestflugblätter an die Haushalte von Bargteheide. Das nützte nichts, bis heute wird in Bargteheide ein Kranz niedergelegt.

Mehr zur DFU auf Wikipedia


»In stillem Gedenken« steht 2019 auf der Kranzschleife der Stadt Bargteheide.

 

SH Bargteheide VTT 2019 web


»Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. ›Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.‹ [Giordano, Die zweite Schuld, S. 324]«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 29

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»Zur Ehre«

Keiner Ärztin im Krisengebiet, keinem Kriegsreporter, keinem zivilen Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft würde nach ihrem Tod ehrend gedacht. Die »Ehre« scheint dem Soldatentod vorbehalten zu sein. Auf Denkmälern wie diesem wird sie kollektiv erteilt, obwohl wir wissen, dass Soldaten auch Täter gewesen sein können. Hartmut Häger schreibt dazu in seinem Buch »Kriegstotengedenken in Hildesheim« auf Seite 33:

»Das verehrungswürdige Sujet verträgt keine Beschädigung, keine Beschmutzung [...] und ist damit jeder kritischen Betrachtung entzogen. Der deutsche Soldat hat sich sui generis heldenhaft verhalten, so wenig wie er dürfen die Reichswehr oder die Wehrmacht in Zweifel gezogen werden. Die von Hindenburg am 18. November 1919 im parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Reichstags als Erklärung für die Niederlage des Ersten Weltkriegs vorgetragene ›Dolchstoßlegende‹ oder die Proteste gegen die ›Wehrmachtsausstellung‹ über von ihr begangene Verbrechen im Zweiten Weltkrieg sind Ausdruck der Bemühungen, sowohl die militärischen Institutionen wie auch die ihnen angehörenden Personen der geschichtlichen Realität und damit auch der Verantwortung zu entziehen.«


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Die Geschichte

Die runde Denkmalsanlage mit Findling, Eiche und runder Mauer erkennt man wieder, aber die Umgebung ist eine völlig andere.

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Ein Bauernhaus, ein Sandweg als Straße – kaum zu glauben!
 

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Das Eiserne Kreuz war damals größer und aufälliger, es war weiß umrandet im runden Medaillon aus dem Stein herausgearbeitet worden. Darunter die Inschrift, leider nicht lesbar.

 

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Am 13. November 1955: die Einweihung der Neugestaltung durch Bildhauer Harry Egler, so wie wir sie heute kennen. Bürgermeister Julius Gerken hält die Gedenkrede, Fahnenabordnungen der örtlichen Verbände und Vereine stehen neben ihm.


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Auf der noch unbepflanzten Erde im Rund werden Kränze niedergelegt. Rechts die Fahne eines Militärvereins mit der Aufschrift: »Gehorsam, Treue, Tapferkeit – des deutschen Kriegers Ehrenkleid«. Im Oval an der Fahnenstange steht noch ein weiteres »Ehrenkleid«: die »Vaterlandsliebe«.

Hinter den Hecken, in einiger Entfernung, beobachtet die Bevölkerung die Einweihung.

 

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Alle historischen Fotos (bearbeitet): Kreisarchiv Stormarn, lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 >internationale Lizenz

 

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden.

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• »Fake News« anno 1914: Das Deutsche Reich hatte gerade das neutrale Belgien überfallen, damit die Truppen sich auf dem schnellsten Weg zum Erzfeind Frankreich begeben konnten.

Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


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• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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Findlinge

»Findlinge wecken Assoziationen zu germanischen und keltischen Hünengräbern und Dolmen. Die Romantik entdeckte sie wieder, nach den Befreiungskriegen verbreiteten sie sich als Denkmalstyp und setzten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts vorwiegend in Norddeutschland gegen den Obelisk durch. [...]

Findlinge sind große (Granit-)Steine aus der heimatlichen Landschaft. Die Denkmalstifter holten sie oft selbst aus der Heide oder aus dem Harz mühevoll herbei. Als Monolith steht der Findling für die Einheit des Landes, fast unbearbeitet, strahlt er Naturwüchsigkeit aus, selbst ein Teil der uralten Überlieferung mahnt er zu ewigem Gedenken.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S.134

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Die deutsche Eiche

Die Eiche zählt schon lange als »deutscher« Baum. Ihr hartes Holz und das charakteristische, spät fallende Laub machten sie seit der Zeit der Germanen zum Symbol für Unsterblichkeit und Standhaftigkeit. In jüngerer Zeit, besonders seit der Romantik, gilt die Eiche zudem als Symbol der Treue.

Mit der Nationalromantik des 19. Jahrhunderts, mit der Deutschen Revolution 1848/1849 und der Reichsgründung 1871, die das Gefühl nationaler Einheit bestärkten, zog das Eichenlaub in die deutsche Symbolsprache ein. Auf deutschen Ehrenmalen, Kränzen, Hoheitszeichen und dergleichen dient Eichenlaub in ähnlicher Form wie Zweige des Lorbeerstrauches bzw. der Lorbeerkranz.

Nach Wikipedia, abgerufen am 12. November 2019

 
»Die Eiche beziehungsweise das Eichenlaub setzen im Denkmal einen deutsch-nationalen Akzent. Die Eiche galt seit dem 18. Jahrhundert als heldisch-deutsches Symbol und assoziiert als ›deutsche Eiche‹ darüber hinaus urwüchsige Stärke und mythologische Vergangenheit.«

Reinhard Alings, Monument und Nation, Berlin 1996, S. 525


»Mit der Reichsgründung 1871 und dem Gefühl nationaler Einheit zog das Eichenlaub in die deutsche Symbolsprache ein. Auf deutschen Ehrenmalen, Kränzen, Hoheitszeichen, Orden und dergleichen diente es in ähnlicher Form wie Zweige des Lorbeerstrauches. Das Parteiabzeichen bzw. Parteisymbol der NSDAP hatte von 1920 bis 1945 einen Adler als Zeichen, der einen Eichenkranz in seinen Fängen hielt. Unerschütterlich ›wie die deutsche Eiche‹ und ähnliche Sprüche ließ die NS-Propaganda ab 1933 in Zeitungen veröffentlichen und über Lautsprecher verkünden. Da griff dann auch der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler zum Spaten und pflanzte Eichen. [...] Im deutschen Volk wurde Hitler nach seiner Ernennung zum Reichskanzler fast schlagartig mit der deutschen Eiche gleichgesetzt. Denn für ihn pflanzten fast alle Städte und Dörfer, Stadt- und Ortsteile ihre ›Hitler-Eichen‹.«

Wolf Stegemann, www.rothenburg-unterm-hakenkreuz.de


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Das Denkmal
Aus der Geschichte

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Bebensee, Kreis Segeberg

Eine gepflegte Anlage in der Dorfmitte

Das Kriegerdenkmal wurde kunstvoll aus Natursteinen gemauert und mit einer Metalltafel versehen. Es liegt an der Hauptstraße in der Nähe des Feuerwehr- und Gemeindehauses.


SH Bebensee gesamt


Inschrift:
Eisernes Kreuz mit Eichenlaub und Lorbeerzweig
1914-18 . 1939-45
Uns rief das Va / terland in seiner / Not. Wir zogen / aus zum frühen / Tod. Wir taten / unsere Pflicht. / Vergesst uns nicht!

SH Bebensee Stein

1955 wurde das Denkmal für die toten Soldaten beider Weltkriege von Propst Jäger aus Bad Segeberg geweiht. Es werden keine Namen genannt.

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Aus der Geschichte


SH Bebensee 1959 web

• Foto aus dem Jahr 1959: Bäume und Büsche sind gewachsen, aber sonst hat sich nichts verändert.

 

... Traurig war die Rückkehr der Armee aus dem Feld. Um den am Weltkrieg teilgenommenen Soldaten den Dank des Dorfes darzubringen, veranstaltete der Lehrer am 11. Oktober 1919 ein »Kriegerfest«. Das ganze Dorf beteiligte sich an dem Fest, an dem Ansprachen gehalten, Lieder gesungen und Gedichte vorgetragen wurden. ... (Seite 116)

... 1933. Es wurde ein Antrag gestellt, zu Ehren der gefallenen Soldaten des ersten Weltkrieges ein Ehrenmal zu errichten, dazu einen Platz herzurichten, auf dem eine Eiche gesetzt werden konnte. Beiden Anträgen wurde entsprochen. Das Ehrenmal und die Eiche wurden auf dem Dreieck vor dem Hause Hugo Möller sen. gesetzt. Doch nach dem 2. Weltkrieg wurde die Gedenkstätte aufgehoben. ... (Seite 124)

... 1955 wurde im Rahmen einer besonderen Feierstunde das Ehrenmal der Gemeinde für die Toten beider Weltkriege von Propst Jäger, Bad Segeberg geweiht. ... (Seite 159)

• Zitiert aus: »Bebensee vor und während der Jahrtausendwende«. Eine Chronik von Horst Schumacher, 2005

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Die Denkmalsanlage
Historische Fotos
Das Danewerk

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Busdorf, Kreis Schleswig-Flensburg

Am Ortseingang neben der Bundesstraße 77

Direkt an einem Kreisverkehr, zwischen Schulstraße und Bundesstraße 77, zwischen Grundschule und Gewerbe liegt das Gelände für unterschiedlichste Kriegerdenkmäler der Gemeinde.

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Auf einer großen Rasenfläche mit Fahnenmasten und verschiedenen gerade angelegten Fußwegen sind an der Spitze fünf Findlingssteine und Namenstafeln aus polierten Stein aufgestellt. Dazwischen ist mittig ein Pflanzenbeet angelegt worden.

 

SH Busdorf ganz web


Der alte Hauptstein (siehe die historischen Fotos weiter unten) und seine religiös angehauchte Aussage wird heute flankiert von rotbraunen Namenstafeln mit geschwungenem Rand. In der Mitte herausragend ein eingesetzter anthrazitfarbener Steinstreifen mit den Jahreszahlen der Weltkriege des 20. Jahrhunderts. Dieses Ensemble steht auf mit kleinen Granitsteinen gepflastertem Untergrund.

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Für den 1. Weltkrieg werden 30 Namen von getöteten Soldaten aufgeführt, geordnet erst nach Jahren, dann noch nach Monaten. Im Tabellensatz an dritter Stelle wird angegeben, ob die Soldaten »GEFALLEN« oder »VERMIßT« sind. Es gibt fünf vermisste Soldaten mit unbekanntem Sterbemonat.

 

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Die Namenstafeln für den 2. Weltkrieg sind genauso gestaltet, hier werden 59 Namen aufgeführt. Elf Soldaten werden vermisst, allerdings ist bei sechsen der Sterbemonat bekannt. Wohingegen bei zwei »Gefallenen« der Sterbemonat unbekannt ist. Hier werden auch Soldaten genannt, die »GESTORB.« sind: Einer 1940, Einer 1944 und drei 1945.

SH Busdorf EinigVolk ohne Kr web


Der teilweise im gepflasterten Boden versenkte Findling trägt die gravierte, schwarz ausgemalte Inschrift:

Ein einig Volk
ein heilig Band
Gott, Freiheit,
Vaterland

Darüber im Relief Eichenlaub, flächig konturiert mit schwarzer Farbe bemalt.

SH Busdorf Deutschland web


An beiden Seiten des Hauptensembles sind verschieden große und geformte Findlinge aufgestellt. Rechts davon dieser stark geäderte Findling mit der schwarz ausgemalten Inschrift:

Du Deutschland wirst bleiben
wenn wir auch vergehn
du wirst dich entfalten
wir werden verweb’n
doch was wir geschaffen
wir schufen’s für dich
was wir geopfert
war Opfer für dich

Deutschland!

SH Busdorf den Toten mit Kranz web.SH Busdorf den Toten ohne Kranz web

Hier unter einem Kreuz die gravierte, schwarz ausgemalte Inschrift:

den Toten der Heimat im Osten
1939 – 1945

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Ein Stahlhelm, herausgearbeitet im Relief.

 

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Auf einem groben rötlichen Granitstein ein Eisernes Kreuz mit Krone, großem »W« für Kaiser Wilhelm II und der Jahreszahl 1914. Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung.

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Historische Fotos

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Hier steht der Hauptstein in seiner vollen Höhe, angelehnt an ein rundes Erdplateau. Viele kleinere Steine – womöglich einzelne Namenssteine – sind ringsherum aufgestellt. Rechts davor kann man noch den Stein mit dem damals weiß umrandeten Eisernen Kreuz erkennen. Links könnte der Stein mit dem Stahlhelm liegen. Ein breiter Sandweg führt auf die Anlage zu und umrundet sie. Am äußeren Wegrand sind Bäume angepflanzt worden.

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Auf diesem späteren Foto aus den 50er Jahren hat man ein großes Holzkreuz auf das Plateau gesetzt. Wo diese frühere Anlage stand, ist uns leider nicht bekannt.

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Das Danewerk

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An der Seite der Denkmalsanlage zur tiefer liegenden Bundesstraße hin, ist eine Informationstafel zum Danewerk aufgestellt, das hier verläuft:

»Vor über 1 000 Jahren, in der Wikingerzeit, trafen hier in der Grenzregion zwischen Skandinavien und Mitteleuropa Dänen, Friesen, Sachsen und Slawen aufeinander. Dänische Könige begannen das Danewerk als Grenzbefestigung auszubauen.

So sicherten sie die Südgrenze ihres Reiches und den Handelsweg zwischen Nord- und Ostsee. Das Danewerk bestand aus Erdwällen, Mauern, Gräben und einem Sperrwerk an der Schlei. Wichtigster Handelsort und Verkehrsknotenpunkt war Haithabu.

Sie stehen hier auf dem Verbindungswall. ... Der Verbindungswall füllte die Lücke zwischen Haithabus Halbkreiswall und dem Hauptwall. Er verläuft von der Wikingersiedlung bis an die feuchte Niederung des Dannewerker Sees. Dabei quert er auch ein sumpfiges Tal. So bezogen die Erbauer die natürlichen Hindernisse geschickt in ihren ›Bauplan‹ ein.

Die Bundesstraße schneidet heute eine Kerbe in den Verbindungswall.«

• Die Wikingersiedlung Haithabu und das heutige Museum sind ca. 600 Meter von der Denkmalsanlage entfernt.

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Das Denkmal
Die Inschriften

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Böklund,
Kreis Schleswig-Flensburg

Auf dem Friedhof der Böklunder Kirche

Vier Steinstufen führen vom Friedhof hinter der Kirche hinunter zum heutigen Denkmalsplatz. Der Findlingsstein für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs stand ursprünglich am Friedhofseingang. Nach 1945 wurde der Stein in den hinteren Friedhofsbereich verlegt und Anfang der 50er Jahre erweiterten die Gemeinden Böklund, Stolk und Süderfahrenstedt den neuen Platz um zwei Denkmäler für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs.

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Auf dem vorne und hinten durch ein Steinmäuerchen bzw. eine Steinreihe abgerundeten Platz steht in der Mitte ein hohes Holzkreuz auf einem Natursteinfundament. Rechts davon wurde ein Findling für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs ebenfalls auf ein gemauertes Natursteinfundament gesetzt. Er erhielt unter einem eingravierten Eisernen Kreuz die Inschrift:
Ihren im Weltkriege 1939-1945 gebliebenen Söhnen
Die dankbare Heimat

Alle, die gefallen in Meer und Land, sind, Herr, gefallen in deine Hand.

SH Boklund Detlef Tauscher web

Der umgesetzte Findling trägt, ebenfalls unter einem Eisernen Kreuz, die Inschrift:
Ihren im Weltkriege 1914-1918 gebliebenen Söhnen
die dankbare Heimat

Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde.

SH Boklund 1WK web

Auch in diesen gemauerten Sockel sind, wie in die beiden anderen, Metallplatten mit den Namen der toten Soldaten eingelassen, geordnet nach den Gemeindeteilen, in denen sie gewohnt hatten. 46 Namen für die Toten des 1., 154 Namen für die Toten des 2. Weltkriegs.

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SH Boklund Fuss web

Wir danken herzlich Herrn Pastor Detlef Tauscher, der diese Fotos nach dem Volkstrauertag 2014 aufgenommen hat.

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Die Inschriften

Die ersten beiden Zeilen dieses Gedichtes von Siegfried Goes sind in Böklund leicht variiert übernommen worden.

All, die gefallen in Meer und Land
sind gefallen in Deine Hand 

alle die kämpften auf weitem Feld
sind auf Deine Gnade gestellt

alle die weinen in dunkler Nacht
sind von Deiner Güte bewacht.

Gib uns Augen dass wir es sehn
wie Deine Hände mit uns gehn

Gib uns Herzen die Deine Gnad
gläubig ergreifen früh und spat

Gib uns das Leben durch Deinen Sohn
uns und den Toten vor Deinem Thron.

Siegfried Goes, der diese Anrufung Gottes erdacht hat, war ebenfalls Soldat im 2. Weltkrieg und ist getötet worden. Das Original ist auf dem Kriegerdenkmal in Grundhof zu lesen.

Denkmal Grundhof

 
Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde.

So spricht Jesus am Ende des Johannes-Evangeliums (15,13). Es ist ein Beispiel für die pseudo-biblische Legitimation des Soldatentods. Christliche Analogien sollen dem Soldatentod eine religiöse Weihe geben und ihn als »Opfertod« verklären. 


Ihren im Weltkriege 1914-1918 (1939-1945) gebliebenen Söhnen die dankbare Heimat

Obwohl der Erste Weltkrieg so ungleich viel mehr Menschenleben forderte und der Krieg verloren wurde, interpretierten die Stifter in den Inschriften fast aller Kriegerdenkmäler den Kriegstod als verdienstvoll. Kriege, in denen planvoll getötet und grausam gestorben wird, forderten die Sinnstiftungsleistung des Kollektivs der Überlebenden auf ganz besondere Weise heraus. Das anonyme Massensterben wurde ignoriert, stattdessen heroisierte man die Soldaten und stilisierte ihr Schicksal.

Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Helden, als Brüder, als Söhne und in der Steigerung als Heldensöhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland oder für die dankbare Heimat. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern gerechtfertigt werden.

Bis 1945 benutzen die Nationalsozialisten die toten Soldaten für eine Verpflichtung an die nachfolgende Generation, ihnen an Kampfesmut und Opferbereitschaft nicht nachzustehen.

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I N H A L T
• 
Das Denkmal kommentiert von Ulf Evers
Die Namenssteine
Die Geschichte
»Die Saat auf Hoffnung!«
Matthäus Evangelium 13, 3-8
»Für uns«
Gefallene
Harry Maasz

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Bordesholm, Kreis Rendsburg-Eckernförde

Der Ehrenhain im Amtsmannpark an der Klosterkirche

Das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs wird beschrieben von unserem ehrenamtlichen Mitarbeiter Ulf Evers:

 

Der Sämann

Nur wenige Schritte entfernt von dem Wanderweg rund um den Bordesholmer See steht  auf dem alten Kirchhof nahe bei der Klosterkirche ein Denkmal, mit dem das Kirchspiel Bordesholm »seine Gefallenen« des 1. Weltkrieges ehrt.

Den sich vom See aus nähernden Besucher_innen wird ...


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Saat auf Hoffnung!  ... zugerufen.

Die Nähe zur Kirche und dieser Zuruf lassen an das Gleichnis vom Sämann aus dem Matthäus-Evangelium [1] denken. Wer jetzt die Augen ein wenig zukneift und sich auf die im Hintergrund zu sehenden Feldsteine konzentriert, erkennt, dass diese beschriftet sind:


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Geordnet nach den zum ehemaligen Kirchspiel Bordesholm gehörenden Orten (Bordesholm, Hoffeld, Sören, Mühbrook, Grevenkrug, Schönbek, Negenharrie, Fiefharrie, Wattenbek und Schmalstede) sind auf den Feldsteinen die Namen der im 1. Weltkrieg ums Leben Gekommenen verzeichnet.

Sind die im Krieg elendig zugrunde gegangenen, von Bomben in Stücke gerissenen, an Giftgas erstickten Soldaten die Saat?

(Bei diesem Gedanken angekommen verwandeln sich die Feldsteine in die am Anfang schnurgerader Saatreihen aufgespießten Saattüten im Schrebergarten meiner Großeltern. Dicke Bohnen, Erbsen, Kopfsalat, Porree, Zwiebeln ...)

 
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Und da dies alles »Für uns!« geschehen ist, haben wir dann der gute, hundertfache Frucht bringende Boden zu sein?

Wer dieses Denkmal so liest kommt zwangsläufig zu der Frage, wer der Sämann war. Die Antwort gibt der Obelisk selbst, denn das in den Himmel ragende Eiserne Kreuz macht gleichzeitig die toten Soldaten zu Helden [2] und verweist auf den Stifter des Kreuzes: Kaiser Wilhelm II., der großzügig in den Samensack griff und mit weit schwingendem Arm die Saat verteilte.


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So verstanden handelt es sich um ein zutiefst antidemokratisches, gegen die Weimarer Republik gerichtetes Denkmal, denn ein demokratischer Staat kann kein hundertfache Frucht bringender Boden für den Sämann Wilhelm II. gewesen sein.


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So wie heute sieht die Anlage erst seit den 1950-er Jahren aus.


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Das Denkmal wurde kurz nach dem 1. Weltkrieg von der Kirchengemeinde in Auftrag gegeben. 1920 gestaltete der Lübecker Gartenarchitekt Harry Maasz den Klosterkirchhof neu [3]. Wie auf dem Foto [4] zu erkennen ist, wurde ursprünglich der Obelisk mit dem Eisernen Kreuz großräumig von einer niedrigen Feldsteinmauer umrandet.

Die Feldsteine mit den Namen der getöteten Soldaten bildeten Zinnen. So gestaltet nimmt die Anlage die Sicht des Deutschen Kaiserreichs auf die Ausgangslage des 1. Weltkriegs auf: Deutschland umgeben von Feinden, das gezwungen ist, sich durch einen Angriffskrieg zu verteidigen. [5] Gleichzeitig wird dieses Narrativ auf die Gegenwart [6] übertragen: der Obelisk mit dem Eisernen Kreuz symbolisiert die »Werte« des Kaiserreichs, die Mauer mit den Zinnen bildet den Schutzwall gegen die Weimarer Republik. Der ursprünglichen Konzeption nach waren die »Gefallenen« also gleichzeitig Schutz vor dem andrängenden Feind und Saat für eine bessere Zukunft. Eine sich gegenseitig verstärkende Aufforderung [7] an die Überlebenden, dem Opfer der »Kameraden« gerecht zu werden.

Durch den Abbruch der Feldsteinmauer in den 1950-er Jahren wurde die Gesamtkonzeption des »Ehrenmals« zwar entschärft, die Kernaussage jedoch beibehalten. Auch Mahnungen zum Frieden an Volkstrauertagen [8] verändern den die Konzeption der Anlage bestimmenden Gedanken nicht. Zumal das Kriegerdenkmal die restliche Zeit des Jahres unkommentiert bleibt.


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Nach dem 2. Weltkrieg bestand die Überlegung, die Anlage um eine Gedächtnishalle zu erweitern. Dieser Plan wurde aus Kostengründen aufgegeben [9]. Statt dessen befindet sich in unmittelbarer Nähe des Obelisken ein mit einem stilisierten Eisernen Kreuz versehener, »Unseren Toten« gewidmeter Quader.

Anmerkungen:
[1] Matthäus Evangelium 13, 3-8, 18-23, https://www.uibk.ac.at/theol/leseraum/bibel/mt13.html
[2] J.D.F. Rumpf, Der preußische Sekretär – Ein Handbuch zur Kenntnis der Preußischen Staatsverfassung und Staatsverwaltung, Berlin 1823, S. 50
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Harry_Maasz
[4] das Foto verdanke ich Nils Claussen, dem Kulturbeauftragten Bordesholms
[5] vgl. die Rede des Reichskanzlers von Bethmann Hollweg vom 4.8.1914 vor dem Reichstag; https://www.geschichtslehrerforum.de/html/kriegsbeginn1914.html
[6] Der Bordesholmer Landrat Adolf von Heintze-Weißenrode gehörte zu den Unterstützern des Kapp-Lüttwitz- Putsches, seinen sozialdemokratischen Nachfolger Zabel drängen örtliche rechtskonservative Kräfte aus dem Amt.
[7] die durch die verwendeten Ausrufungszeichen bei »Saat auf Hoffnung!« und »Für uns!« noch dringlicher gemacht wird
[8] https://www.kn-online.de/Lokales/Rendsburg/50-Gaeste-bei-Gedenkfeier-am-Volkstrauertag-in-Bordesholm
[9] Auskunft Nils Claussen

 

• Wir danken Ulf Evers sehr herzlich für seine ganz persönliche Kommentierung. Er hat die Denkmalsanlage auch fotografiert und uns alle Bilder zur Verfügung gestellt.

Auch das Denkmal in Langwedel hat Ulf Evers kommentiert

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Die Namenssteine

Alle natürlich geformten Steine tragen Vor- und Nachnamen der toten Soldaten des 1. Weltkriegs, mal einen, mal zwei Namen. Dienstgrade oder Lebensdaten werden nicht genannt.

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Die rechteckigen Steine heben sich ab in den Reihen. Sie nennen die Orte im damaligen Kirchspiel Bordesholm jeweils in einer Zeile. Hier ist es, ganz links, Schmalstede.

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In dieser Reihe lehnt der Ortsstein rechts vom dreieckigen Stein, Hoffeld steht darauf. Insgesamt werden in der Anlage 160 Namen von toten Soldaten aufgeführt.

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Die Geschichte

1920 stellte der Kirchenvorstand des Kirchspiels Bordesholm die Pläne für die »Ehrengedächtnisstätte« vor und bat – mit einigem moralischen Druck – um Mitarbeit und Spenden.

 

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»... eines haben sie alle gemeinsam, die lieben Jungen und die tapferen Alten, die ferne von den Ihren im letzten langen Schlafe ausruhen von aller Not des Lebens: das große, stille Händefalten der Hinterbliebenen, das treue Gedenken über Grab und Raum hinaus! Und darum können sie ruhig draußen in der Fremde schlafen – die Heimat vergißt die teuren Toten nicht, mag auch zurzeit noch so viel Sturm und Wirrnis im deutschen Vaterlande sein ... Ein ungeheurer Strom lebendiger Liebe fließt immer noch hinaus in die unbekannte Ferne zu den toten Helden. Und die Not, in der unser armes, zertretenes Deutschland heute sitzt, hat uns erst ganz erkennen lassen, was die feldgrauen Männer für uns in unerhörten Flammenjahren leisteten. Für die fernen Toten aber neigen wir uns tief zur Erde, weil wir keine Worte wissen, mit denen wir uns ihnen nahen könnten ...«

Es wird nun beschrieben, wie die Männer des Kirchspiels Bordesholm, »die sich für die Schaffung einer würdigen Gedächtnisstätte zusammenfanden«, sich über die Möglichkeiten informieren, den Platz beraten und die Spendensammlung beginnen. Der Entwurf eines Kieler Architekten fand keine Zustimmung und so wurde der bekannte Lübecker Gartenarchitekt Harry Maasz um einen Entwurf gebeten.

 

SH Bordesholm Zeichnung web


Harry Maasz kommentierte seinen Entwurf: »... In der Art, wie die Mauer bezüglich ihrer Höhe und ihrer räumlichen Ausdehnung zum Platz angeordnet ist, liegt die ganze Wirkung. Eine Treppe führt mit wenigen Stufen zum tiefer gelegenen Platz, welcher von der Mauer umfasst wird, und die davorliegende sanfte Rasenböschung wird für die Niederlegung von Kränzen und Blumen benutzt. Der Mittelpunkt des Platzes wird zur Aufstellung des Hochkreuzes benutzt. Ein schlichtes, aber wuchtiges Kreuz aus Sandstein oder Granit ...«.

Auf Einladung von Pastor Giese trat der Ausschuss zusammen und nahm den Entwurf einstimmig an. »Das ganze Kirchspiel muß nun nach Kräften helfen, daß die einzig=schöne Gedächtnisstätte für die Gefallenen zustande kommt. In anderen Gemeinden haben sie mit herrlicher Selbstlosigkeit die Fuhren und Steinbeschaffung usw. als Ehrensache unentgeltlich gemacht. Das werden wir in unserem Kirchspiel auch können. Es darf ferner erwartet werden, daß nunmehr auch die Gemeindeglieder, welche sich bisher noch nicht beteiligt haben, willig ihre Ehrengabe geben, und daß einige ihre schon geleisteten Gaben dem jetzigen Geldwerte entsprechend noch erhöhen. Der Ausschuß ruft dazu auf, daß alle Landleute u. Fuhrwerksbesitzer unentgeltlich die Fuhren leisten und die für die niedrige Steinmauer und die Gedenksteine erforderlichen Feldsteine liefern. Es war ein herzerquickendes Wort eines Landmannes, als Maaß diese Forderungen vorbrachte: ›Wenn sick een dorvun torsichtrecken wull, – ick wuß nich, was ick vun so een denken schull!‹.«


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»Die saat auf Hoffnung!«

Deutschland 1918: Der Krieg war verloren, die Niederlage traf die Menschen unvorbereitet. Die Berichterstattung von der Front hatte einen bevorstehenden deutschen Sieg oder doch zumindest einen ehrenvollen Frieden suggeriert. Umso entsetzter waren die Reaktionen auf die als demütigend empfundenen Bestimmungen des Waffenstillstands und des Versailler Friedensvertrags.

Kaum verhohlene Aufforderungen wurden daraufhin auf die Kriegerdenkmäler geschrieben, die »im Felde unbesiegten« deutschen Soldaten zu rächen, sich für die Schmach des »Versailler Schandvertrags« zu revanchieren und erneut in einen neuen, dann siegreichen Krieg zu ziehen. Die Inschrift »Die Saat auf Hoffnung!« will nicht Trauer und Erschütterung unterstützen, sie nimmt die nächsten Generationen in die Pflicht, auch ihr Leben einzusetzen. Die Haltung, die hier weitergegeben wird, ist unangefochten von Zweifeln an Recht und Notwendigkeit von Krieg.


SH Bordesholm Saat web

So werden die Inschrift in Bordesholm und ähnliche Inschriften an anderen Kriegerdenkmälern 1921 auf einem Gutschein interpretiert, der den »Kriegerwitwen und Kriegerwaisen« Spendengeld einbringen sollte:

Hambuger Warte 1a web

Rückseite:

Hambuger Warte 1b web

Diese Gutscheine wurden vom Verlag der Wochenzeitung »Hamburger Warte« verkauft. Am 14. Dezember 1918 erschien die erste Ausgabe der »Hamburger Warte«, eine »politische Kampfschrift« gegen Marxismus und Judentum. Herausgeber war Friedrich Carl Holtz (1882 - 1939), ein deutscher, nationalistischer und antisemitischer politischer Schriftsteller und Verleger.

Holtz war zunächst als Beamter im hamburgischen Staatsdienst tätig, schied aber per 31. Dezember 1913 wegen des Vorwurfs der Unterschlagung aus. Nachdem er als Freiwilliger bereits 1900/1901 in Tientsin am Chinafeldzug teilgenommen hatte und kriegsuntauglich zurückgekehrt war, meldete er sich zu Beginn des 1. Weltkrieges erneut freiwillig an die Front. Ende 1918 kehrte er in seine Heimatstadt Hamburg zurück. In seiner Zeitung »Hamburger Warte« wandte er sich u.a. im März 1919 in einer Sonderausgabe mit einer Anklageschrift gegen den »Diktator Heinrich Laufenberg« als Vorsitzenden des Arbeiter- und Soldatenrates. 1922 erfolgte auf der Grundlage des Republikschutzgesetzes wegen eines Hetzartikels zum Rathenau-Mord das Verbot der Hamburger Warte. Holtz wich daraufhin nach München aus und gab dort den »Fridericus« als neue zentrumsfeindliche, antipazifistische und antisemitische Wochenzeitung heraus. Daneben gründete er in Berlin »Die Fackel« als zweite »vaterländische Wochenschrift«. 1929 war er in Hamburg beteiligt an der Gründung der Gewerkschaft Deutsche Hilfe, »damit den Gewerkschaften der Roten die Spitze geboten werde«. Holtz blieb seiner deutschvölkischen und antisemitischen Tradition verbunden und begrüßte mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten das »neue Deutschland«.

nach Wikipedia, abgerufen am 15. 12. 2017

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Matthäus Evangelium 13, 3-8

Und er [Jesus] sprach lange zu ihnen in Form von Gleichnissen. Er sagte: Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen sie. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.


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»Für uns«

»Fern im Osten gähnt ein Grab

Fern, fern im Osten, da gähnt ein Grab
da senkt man zu tausend die Toten hinab
für uns!

Im Westen, da ragt manch Kreuz schlicht und klein
da liegen sie stumm in langen Reih’n
für uns

Und wo im Winde rauschet das Meer
da gaben sie freudig ihr Leben her
für uns

Sie opferten Zukunft und Jugendglück
sie kehren nie wieder zur Heimat zurück
für uns

Sie gaben ihr Alles, ihr Leben, ihr Blut
sie gaben es hin mit heiligem Mut
für uns

Und wir? wir können nur weinen und beten
für sie, die da liegen bleich, blutig, zertreten
für uns

Denn es gibt kein Wort, für das Opfer zu danken
und es gibt keinen Dank für sie, die da sanken
für uns«

Neue Kriegslieder für den Schulgebrauch, Breslau 1916 , herausgegeben von Kreisschulinspektor Dr. J. Radtke. Bei einer Schulfeier für den im Osten gefallenen Lehrer eines Charlottenburger Gymnasiums wurde dieses Gedicht 1915 erstmals vorgetragen. Der Obertertianer Reinhold Samuelsohn hat es verfasst.


www.volksliederarchiv.de

 

SH Bordesholm Fuer uns web

• Die Inschrift mit Ausrufungszeichen auf dem Bordesholmer Denkmal. Bis 1945 benutzen die Nationalsozialisten die toten Soldaten für eine Verpflichtung an die nachfolgende Generation, ihnen an Kampfesmut und Opferbereitschaft nicht nachzustehen.

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GefallenE

»Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: ›der Gefallenen‹. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung ›Gefallene‹ eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort ›fallen‹ verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der ›fiel‹, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort ›fallen‹, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.«

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S.100

SH Bordesholm Gefallene web

 

»›Gefallenendenkmal‹ verweist auf das Wort ›fallen‹, dem Wörter wie ›hinfallen‹ aber auch ›fällen‹ zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort ›fallen‹ seines Schreckens, im Wort ›fällen‹ verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort. [...] Die deutsche Sprache bevorzugt auch dafür einen schönfärbenden Ausdruck: ›im Felde gefallen‹ oder ›auf dem Felde der Ehre gefallen‹. Nicht auf ein ›Gefallenendenkmal‹ gehörten demnach alle, die beim Beschuss der Unterkunft, im Lazarett, auf dem Transport oder in Gefangenschaft ums Leben kamen.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S.22


»Die Entscheidung für Metaphern deutet darauf hin, dass das Grauen des Kriegstodes vom Denkmal verbannt werden sollte. An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort ›Gefallener‹ (oder ›gefallen‹) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.«

Ebd. S. 60/61

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Harry Maasz

Harry Maasz, geboren am 5. Januar 1880 in Cloppenburg, gestorben am 24. August 1946 in Lübeck, war von 1912 bis 1922 Leiter des Lübecker Gartenbauamts und bezeichnete sich selbst gerne als Gartenbaukünstler.

                   SH Preetz Maazs web


»Der Ehrenhain als besondere Form des Gedenkens und der Würdigung der im Krieg gefallenen Soldaten gewann erstmals zu Beginn des Ersten Weltkrieges an Bedeutung. Jedem Kriegstoten wurde das Recht auf ein eigenes Gedächtnismal zugesprochen. Das Preußische Innenministerium sah es als eine nationale Aufgabe an und veröffentlichte einen Erlass zur Förderung der Ehrenhaine. Dem Berufsstand des Landschaftsarchitekten kam die besondere Aufgabe zu, die Planung und Umsetzung von Gedächtnisstätten auszuführen. Harry Maasz (1880-1946) gehörte zu den wichtigsten norddeutschen Vertretern, die sich mit diesem Thema intensiv auseinandergesetzt haben. Insgesamt plante er fast 40 Anlagen zur Kriegerehrung. Neben Ehrenfriedhöfen und Ehrengrabstätten waren dies auch Kriegergedächtnisstätten und Ehrenmale, zum Teil ohne Gräber, da die Gefallenen und Vermissten in fremdem Boden fern der Heimat lagen.«

Aus dem Gartendenkmalpflegerischen Gutachten der Landschaftsarchitektin Gudrun Lang, Planung 2010 - 2011, Projekt »Ehrenhain« Bad Schwartau


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Kurzfilme zu den Denkmälern

Seit ein paar Jahren existiert die Website www.denk-mal-gegen-krieg.de, auf der die Evangelische Akademie sich kritisch mit der bestehenden Erinnerungskultur auseinandersetzt. Die häufigsten Erinnerungsmale an die vergangenen Kriege sind Kriegerdenkmäler, auf denen der Soldatentod verklärt und die zivilen Opfer verschwiegen werden.

Aktuell produzieren wir kurze Videos und stellen diese in der kommenden Zeit jeweils donnerstags online. Den Film über die Denkmalsanlage in Bornhöved können Sie hier sehen: YouTube>Einführung zur Filmreihe bei YouTube> und Bornhöved bei Facebook>


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I N H A L T
Das Denkmal
Konfirmanden-Projekt
Die Geschichte
Historische Postkarten
Das »Schwedendenkmal«
»Der Gott der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte«
Das Eiserne Kreuz
Adler
Schlachten & Gefechte
Der Adolfplatz

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Bornhöved, Kreis Segeberg

Vor der Vicelinkirche St. Jacobi

Das trutzige Kriegerdenkmal für die toten Soldaten beider Weltkriege des Kirchspiels ist in der Form eines Pylonen, einem turmartigen Bau mit rechteckigem Grundriss und abgeschrägten Seitenwänden, errichtet worden.

SH Bornhoeved mit Kirche web


Am 27. November 1922 ist es eingeweiht worden. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Widmungsplatte auf der Frontseite ausgewechselt.

 

     SH Bornhoeved von unten web


Das imposante Denkmal steht am Ende des Hügels, auf gleicher Höhe mit der Kirche, auf dem alten Friedhof.

SH Bornhoeved Denkmal web


Massive, grob behauene Steine sind das Baumaterial. Eine Zwei-Stein-hohe, sechseckige Umrandung läßt Platz für Bepflanzung.

 

SH Bornhoeved hoch web


Gekrönt wird das Denkmal von einem dreidimensionalen Eisernen Kreuz aus Granit. Darunter wurde eine große Bronzeplatte im erhabenem Rahmen, an der oberen Kante als Dach gestaltet, mit dem Relief eines Soldatenprofils im Lorbeerkranz und der Widmung angebracht. Flankiert wird die Platte von zwei stilisierten Adlern im Profil.

SH Bornhoeved EK web


Graviert sind von oben nach unten: die preußische Königskrone, das »W« für Wilhelm II., der das militärische Ehrenzeichen 1914 in 3. Stiftung erneuerte und es durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu dem deutschen Orden machte. Das Eiserne Kreuz auf Kriegerdenkmälern wird den Soldaten posthum und kollektiv für Ihre durch den Kriegstod bewiesene Tapferkeit und Treue verliehen, egal wie sich die Einzelnen tatsächlich verhalten haben.

SH Bornhoeved Kopf web


Der Soldat mit Stahlhelm und Kinnriemen ist mit entschlossenem Blick dargestellt, eher tatbereit und nicht als Kriegsverlierer. Das passt zu der damaligen Auffassung, die Soldaten seien »im Felde unbesiegt«, Feinde an der »Heimatfront« seien dem an sich siegreichen Heer in den Rücken gefallen und hätten die Niederlage herbeigeführt (»Dolchstoßlegende«). Dazu passt der runde Rahmen des Profilreliefs: ein Lorbeerkranz mit Assessoires. Oben Lorbeerfrüchte und unten ein Eisernes Kreuz.

»Der Lorbeerkranz und das Lorbeerlaub [...] war in Rom als kaiserliches Vorrecht zur Ehrung für siegreiche Feldzüge bekannt. Seit der Antike ist das Immergrün Sinnbild des Sieges und Ruhmes und der Unsterblichkeit ...«

Reinhard Alings, Monument und Nation, Berlin 1996, S. 526

 

SH Bornhoeved Platte web


Darunter ist mittig in Frakturschrift die Widmung gesetzt:

Den Opfern
beider
Weltkriege

Bevor die Platte nach dem 2. Weltkrieg ausgewechselt wurde, hieß die Widmung:

160
tapfere Männer
der Kirchengemeinde
Bornhöved
erlitten im Weltkriege
den Heldentod

Ihnen sei Ehre
und inniger Dank

Zum entschlossenen Blick des Soldaten passt der grimmige Wächterblick der Adler.

SH Bornhoeved unten web


Die sechseckige Umrandung an der Rückseite des Denkmals.

SH Bornhoeved hinten web


Auf der Rückseite des Denkmals ist eine helle Steinplatte eingelassen. Für die Botschaft wurden in der tiefergelegten Innenfläche die Buchstaben herausgearbeitet und mit schwarzer Farbe hervorgehoben:

Der Gott der Eisen
wachsen ließ, der
wollte keine Knechte

 

SH Bornhoeved Eisen web


Das ist die erste Zeile eines Liedes von Ernst Moritz Arndt aus dem Jahr 1812 mit dem Titel »Freiheit«. Die Bornhöveder haben die von ihnen empfundene Wichtigkeit der Zeile noch mit einem Ausrufezeichen versehen.


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Das Konfirmanden-Projekt

Heft 63/2018 von »KU Praxis« für die Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden behandelt das Thema »Hass ud Nächstenliebe«. Ein Projekttag fand in Bornhöved statt, als Schlussaktion wurde das »Kriegerehrenmal« temporär in ein »Denk-mal!« verwandelt.

»In letzter Konsequenz ist Hass ein Motor für Kriege und produziert Opfer. In Bornhöved sind wir in der Vorbereitung auf ein Kriegerehrenmal vor der Kirche gestoßen. Darauf steht vorn ›Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte‹ und in logischer Konsequenz auf der Rückseite ›den Opfern beider Weltkriege‹. Wir haben dagegengesetzt ›Der Gott, der Leben schuf, der wollte keine Opfer‹ und die Konfis angeregt, ›Friedensfahnen‹ zu gestalten, auf denen es um die Verwandlung von Hass geht. Mit diesen Fahnen wurde das Kriegerehrenmal (vorübergehend) in ein ›Denk-Mal!‹ verwandelt. Bei mehr Zeit kann an dieser Stelle – z.B. für den Volkstrauertag – vertiefend der historische Hintergrund des Liedes von Ernst Moritz Arndt und seine Wirkungsgeschichte aufgearbeitet werden. [...]

»Auch wenn dieses Ehrenmal nach dem Ersten Weltkrieg errichtet wurde und mit dem Zitat aus dem Vaterlandslied von Ernst Moritz Arndt (1812/13) an die Befreiung von Napoleon anknüpft, muss man heute die Theo-Logik dieses Spruches hinterfragen.«

Rainer Franke, Julika Koch, Projekt: Hassen und den Nächsten lieben

SH Bornhoeved Konfirmanden web
Foto: Rainer Franke


Darstellung des Projekts


Schon 1978 hatte es eine Aktion am Kriegerdenkmal gegeben: Der Direktor der Schule in Bornhöved, Charly Timmermann, war damals auch Leiter der Foto-AG. Er hatte seine Schüler ausgeschickt, ein markantes Motiv im Dorf zu fotografieren. Carsten Hahne hatte sich das Kriegerdenkmal vor der Kirche ausgesucht und um dem Motiv etwas Leben einzuhauchen, kletterte er per »Räuberleiter« seiner Schulkumpels hoch und nahm auf dem »Eisernen Kreuz« Platz. Ergebnis: eine Verwarnung wegen »Entehrung des Ehrenmals«.

        SH Bornhoeved 1978 Carsten Hahne web


Wir danken Carsten Hahne, MB-Trac-Schmiede Kiekbusch, für die Geschichte und das Foto.

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Die Geschichte

Im September 1919 beschlossen die Mitglieder der Kirchengemeinde bei der Kirche ein großes Denkmal für die 160 toten Soldaten des Weltkriegs im Kirchspiel Bornhöved zu errichten. Am 2. Januar 1921 beschloss der Krieger- und Militärverein »nunmehr mit Energie an die Errichtung des längst geplanten Ehrenmals für die gefallenen Krieger heranzugehen.« Auf der öffentlichen Volksversammlung, zwei Wochen später, wurde der Denkmalsausschuss gewählt: Pastor Schlüter als Vorsitzender und Frau Pastor Schlüter als Vorsitzende des Vaterländischen Frauenvereins, des Weiteren u.a.: der Amtsvorsteher, der Vorsitzende des Krieger- und Militärvereins, der Vorsitzende der Vaterlandspartei und der Vorsitzende des Flottenvereins.

Im Mai 1922 wurde das Angebot von Steinhauermeister Johannes Suhr für 56.000 Mark angenommen. In der Zwischenzeit waren schon 44.000 Mark an Spenden (1.000 Mark vom Zigarrenfabrikanten Blunk und eine größere Summe über Oberst von Cederström von den »Schwedischen Deutsch-Freunden«) eingesammelt worden. 1913 hatten die schwedischen Husaren an der Feier zur 100. Wiederkehr des Gefechts bei Bornhöved teilgenommen, im November 2014 schrieben sie nach Bornhöved: »Andere schwere Zeiten sind gekommen. Was wir in Schweden für das zielbewusste Deutschland fühlen, kann und darf jetzt nicht geschrieben werden; dass unsere Gedanken aber mit Teilnahme oft über das Baltische Meer zu Ihnen gehen, davon können Sie [...] überzeugt sein.«

Das Segeberger Kreis- und Tageblatt druckte am 28. einen Bericht über die Einweihung am 27. November 1922:

»Als sich nun alle Teilnehmer beim denkmal aufgestellt hatten – die Fahnen der Kriegervereine unmittelbar am Denkmal – wurde gemeinsam das Lied gesungen: Wir treten zum Beten. Darauf hielt Amtsvorsteher Saggau die Begrüßungsrede, die Gemeinde sang dann: Ich hatt’ einen Kameraden und der gemischte Chor: Es zogen drei Krieger aus blutgem Gefecht. Nun hielt Pastor Schlüter die Weiherede, worauf der Chor sang: Wie sie so sanft ruh’n. [...] Drei Gewehrsalven ertönten [...] und mit dem gemeinsam gesungenen Liede: ›Deutschland, Deutschland über alles‹, endete die eindrucksvolle Feier.«

 

Die 700 Jahrfeier der Schlacht von Bornhöved wurde am 23. und 24. Juli 1927 gefeiert:

SH Bornhoeved 1927 Menschen Fahnen

 

Die Schlacht bei Bornhöved am 22. Juli 1227 war eine militärische Auseinandersetzung zwischen dem Königreich Dänemark unter Waldemar II. und dem Grafen Adolf IV. (Schauenburg und Holstein) mit einer Koalition aus norddeutschen Landesherren und Städten.Die schwere Niederlage Waldemars II. bedeutete das Ende der dänischen Vormachtsstellung im Norden und ein Scheitern der großdänischen Kolonialpläne.

 

SH Bornhoeved Pastor Fahnen web


Der Bischof von Holstein D. Mordhorst und Pastor Schlüter von Bornhöved predigten beim Festgottesdienst.

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Historische Postkarten

Die Fotos aus den verschiedenen Zeiten zeigen: Nie war der Blick auf die Kirche so frei wie heute. Früher umgaben sie viele Bäume und Sträucher. Das Kriegerdenkmal hatte einen grünen Hintergrund, vor sich eine gepflegte kleine Parkanlage mit Sandweg.

 

SH Bornhoeved alt web

SH Bornhoeved www.amt bornhoeved 1927 web

 

     SH Bornhoeved 1940 web

 

SH Bornhoeved Karte 4er web

 

SH Bornhoeved Karte bunt web


Auf dem Foto oben sehen wir das Weltkriegsdenkmal und im Vordergrund das »Schwedendenkmal«. Hier wird der letzten aktiven kriegerischen Auseinandersetzung der Schweden bei Bornhöved gedacht.

 

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Das »Schwedendenkmal«

14 Schwadronen schwedischer Husaren aus Malmö und zwei der preußischen Schillhusaren haben sich am 7. Dezember 1813 in Bornhöved ein Gefecht mit einer auf Seiten Napoleons kämpfenden dänischen Einheit geliefert. Sie gilt als die letzte Schlacht mit schwedischer Beteiligung. Seither herrscht »Schwedischer Friede«.

Am 7. Dezember 1913 wurde das »Schwedendenkmal« am Rand des alten Friedhofs eingeweiht. Der Entwurf stammt vom Kieler Architekten Prinz, Vorstandsmitglied im Verein für Heimatschutz. Steinhauermeister Johannes Suhr realisierte den Entwurf, er hat dann später auch das Weltkriegsdenkmal an der Kirche gebaut.

SH Bornhoeved 1814 weit web


Das Denkmal kann man über zwei gegenüberliegende Treppen von der Kirchstraße aus betreten. Die kleine Anlage ist aus Bruchsteinen gemauert, eine gepflasterte Zwischenebene wird hinten von einer Mauer begrenzt, an den Seiten stehen Pfeiler mit einer je 900 Pfund schweren aufgesetzten Steinkugel.

     SH Bornhoeved 1814 ganz web


Ein hoher 3.500 kg schwerer Granitfindling steht auf einem zweistufigen Sockel in der Mitte des kleinen Denkmalsplatzes. Im August 1912 war Rittmeister C. R. Graf von Essen aus Schweden nach Bornhöved gekommen und hatte den Findling zusammen mit Gemeindevorsteher Hauschildt auf dem früheren Gefechtsfeld ausgesucht. Neben einer Geldspende haben sich die Schweden auch mit der Erstellung der Kupferplatte mit Inschrift am Findling beteiligt.

Am 25. Mai 1913 schrieb Baron Bror von Cederström, Oberst und Kommandeur des Königl. Schwedischen Husaren-Regiments »Kronprinz« (Nr.7), einen Brief »in gemeinsamer historischer Erinnerung« mit einer Geldsendung von 701 Mark, auch der schwedische Kronprinz hatte dazu beigetragen.

 

SH Bornhoeved 1814 Widmung web


Das ist die schwedische Platte: umgeben von einem kunstvollen, offenen Eichenlaubkranz mit verschränktem Schlussband steht dort in erhabenen Buchstaben:

DEN
AM BORNHÖVED
7. DEC. 1213 [die »2« ist spiegelverkehrt gesetzt]
GEFALLENEN
KAMERADEN
ZUM
GEDÄCHTNISS
7.DEC.1913

 

SH Bornhoeved 1814 Front web


An der Straßenseite ist vor dem Findling ein zweiteiliges Monument halb in die Wand eingelassen. Auf der überstehenden Decke liegen drei Metallkugeln – eine größere in der Mitte. Vielleicht echte Kanonenkugeln? Wir wissen es nicht.

 

SH Bornhoeved 1814 Kopf web


Darunter das Profil von Oberst von Cederström in Husarenuniform auf einer kreisrunden Kupferplakette.

 

SH Bornhoeved 1814 Schlacht web


Es folgt eine viereckige Gussplatte mit der Darstellung einer Schlachtszene – die Soldaten zu Pferde.

 

SH Bornhoeved 1814 Inschrift web


Im unteren Teil steht die Inschrift in fünf ausgeblockten Zeilen:

Zur Erinnerung an den Sieg des
schwedischen Husarenregiments
Kronprinz über dänische Truppen
am 7.Dezember 1813 im Gefecht bei
Bornhöved Errichtet am 7.Dez.1913

 

SH Bornhoeved 1814 seitlich web


Hier sieht man den gestalteten Sockel des Findlings: unten viereckige behauende Steine, darüber eine Reihe aufrechter Feldsteine.


Seit 200 Jahren herrscht »Schwedischer Friede«. In Malmö wird an jedem 7. Dezember der »Bornhöft-Tag« gefeiert. Zum 200. Jahrestag aber wird am namensgebenden Ort [Bornhöved] gefeiert. Dafür reisen die Schweden sogar mit Pferden an.

Bericht in Lübecker Nachrichten online

 

Mit großem Aufwand wird am 7. Dezember 1913 die Einweihung begangen: die Straßen sind festlich geschmückt, am Denkmal ist eine Holztribüne aufgebaut für die geladenen Gäste, die Kadetten aus Plön, der Jungdeutschlandbund etc. Um 13 Uhr trifft der Sonderzug mit den nicht berittenen schwedischen Offizieren und Mannschaften ein. Die berittenen schwedischen Husarenoffiziere, begleitet von den Wandsbeker Husaren*, kommen um 14.45 Uhr an. Sie waren am 30. November mit dem Schiff in Lübeck angekommen und folgten dann dem Weg von 1813 bis Bornhöved. Dort reiten sie über eine Koppel Attacke und reihen sich danach in den Festzug ein, Oberst Baron von Cederström auf einem Apfelschimmel an der Spitze.

Nach dessen Rede, spricht Pastor Voß, der kurz vorher noch als Kriegsteilnehmer von 1870/71 nach Leipzig zur 100-Jahrfeier der Völkerschlacht gereist war. Es folgen der schwedische Regimentspfarrer und noch viele andere.

Siebeneinhalb Monate später begann der 1. Weltkrieg!

SH Bornhoeved 1814 alt web

 
* Unsere Dokumentation zu den Wandsbeker Husaren

Viele Informationen haben wir Norbert von der Steins Buch: »Kleiner Streifzug durch das alte Bornhöved« entnommen. Vielen Dank!


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»Der Gott der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte«

»So lautet die erste Zeile eines Liedes, das im Verlaufe des 19. Jahrhunderts und bis ins 20. hinein ganze Generationen von Schulkindern auswendig gelernt und auch gesungen haben. In seinen ›Liedern für Teutsche‹ (1813) veröffentlichte Ernst Moritz Arndt (1769–1860) dieses ›Vaterlandslied‹ neben anderen patriotischen und kämpferischen Gesängen. Es war die Zeit der Erhebung progressiver und vaterländischer Kräfte gegen die napoleonische Fremdherrschaft.

Dieses Lied des umtriebigen Publizisten, Historikers und Lyrikers mit einem Hang zum Romantisieren ist aus der Aufbruchsstimmung der damaligen Zeit zu verstehen, da sich durch die vernichtende Niederlage des korsischen Diktators vor Moskau 1812 auch völlig neue Perspektiven für die anderen geknechteten Völker abzeichneten. Es verbindet plebejischen Zorn und Erbitterung gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung mit einem todesverachtenden Glauben und geradezu religiös-verzückten Vertrauen in den Erfolg von Waffengewalt, die sich gegen die Tyrannei der französischen Besatzungsmacht richtet.

So verständlich die Attitüde des Aufbegehrens gegen eine ungerechte Fremdherrschaft in dieser Situation war, so gefährlich waren bestimmte Konsequenzen, die sich in Arndts Lebensgang, vor allem aber in der weiteren Wirkungsgeschichte dieses Liedes ablesen ließen. Auch er selber ist der Gefahr nicht entgangen, die darin lag, den Hass auf den Diktator gleitend in eine Verachtung ›des Franzosen‹ an sich übergehen zu lassen. Daraus konnte ein sich später weiter verfestigender anti-französischer Chauvinismus seinen Honig saugen und die westliche Nachbarnation schließlich zum ›Erbfeind‹ erklären. [...]

Nun konnte der Gott, der Eisen wachsen ließ, eine neue Todessaat in den Fabriken an Rhein und Ruhr heranwachsen sehen, die unvergleichlich größer war als das relativ bescheidene Waffenarsenal einhundert Jahre zuvor. [...]

... das Entstehen unzähliger Kriegerdenkmäler an die umgekommenen Soldaten des ›großen Krieges‹, auf denen das falsche Etikett vom ›Heldentod‹ angebracht wurde. Einer der Sprüche, die sich dafür eigneten, war – wie könnte es anders sein – Ernst Moritz Arndts erste Zeile seines Vaterlandsliedes.

Dass die Arndtsche Tradition auch später in der Nazizeit dankbar aufgegriffen wurde, zeigt eine Kriegerehrung, die sich der Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation AG im Jahre 1934 hat einfallen lassen: ein zwölf Meter hohes Schwert aus Stahl trägt eben diese stolze Inschrift, mit der Ernst Moritz Arndt sein berühmtes Lied beginnen ließ.«

Peter Franz auf www.rotfuchs.net

Den ganzen Beitrag können Sie hier lesen

 

Auch das Banner des »Thüringer Heimatschutz« zitiert Arndt
»Einflussreiche Führungspersonen, heute zumeist mit NPD-Zugehörigkeit, entstammen in Thüringen der freien Kameradschaftsszene und somit zumindest mittelbar dem ›Thüringer Heimatschutz‹. Das NSU-Mörder-Trio und die öffentlich und legal agierenden Personen der thüringischen extrem rechten Szene haben dieselbe neonazistische Sozialisation der 1990er Jahre, gehörten denselben Strukturen an.

Die extrem rechte Szene drückt bis heute gelegentlich ihre Verbundenheit zum ›Thüringer Heimatschutz‹ aus. So wurde das bekannte Banner des THS beispielsweise 2006 anlässlich einer Rudolf-Heß-Gedenkdemonstration mitgeführt. Im Jahr 2012, beim 10. sogenannten ›Rock für Deutschland‹ (RfD), einem seit 2003 in Gera stattfindenden RechtsRock-Open-Air wurde sogar ein neu hergestelltes Transparent als Bühnenhintergrund verwendet.«

Mehr Informationen von studlib

 

SH Bornhoeved Kahla Thueringentag web

SH Bornhoeved Kahla Thueringentag Detail web
Foto: Mobit e.V.

• Hier beim 12. »Thüringentag der nationalen Jugend« 2013 in Kahla

 

»Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte« oder wer liest heute Arndt?

Die Universität Greifswald, die von 1933 - 2018 Ernst Moritz Arndt-Universität hieß, hat nach langem Streit ihren Namen abgelegt. Auf ihrer Website können Sie einen Beitrag des Literaturwissenschaftler Michael Gratz lesen. Seine These: Wo »Arndt« draufsteht, ist heute in den allermeisten Fällen schlimmstes neonazistisches »Gedankengut« drin.

Der komplette Beitrag und andere Fakten zum Namenstreit

Hier die Fakten zum Namensstreit als Broschüre

 

... und das Original: »Freiheit«

Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte,
drum gab er Säbel, Schwert und Spieß dem Mann in seine Rechte;
drum gab er ihm den kühnen Mut, den Zorn der freien Rede,
daß er bestände bis aufs Blut, bis in den Tod die Fehde.

So wollen wir, was Gott gewollt, mit rechten Treuen halten
und nimmer im Tyrannensold die Menschenschädel spalten.
Doch wer für Tand und Schande ficht, den hauen wir zu Scherben.
der soll im deutschen Lande nicht mit deutschen Männern erben.

O Deutschland, heilges Vaterland. O deutsche Lieb und Treue!
Du hohes Land, du schönes Land; dir schwören wir aufs neue:
Dem Buben und dem Knecht die Acht! Der speise Krähn und Raben!
So ziehn wir aus zur Hermannsschlacht und wollen Rache haben.

Laßt brausen, was nur brausen kann, in hellen, lichten Flammen!
Ihr Deutsche alle, Mann für Mann, zum heil’gen Krieg zusammen!
Und hebt die Herzen himmelan, und himmelan die Hände,
und rufet alle, Mann für Mann: »Die Knechtschaft hat ein Ende!«

Laßt wehen, was nur wehen kann, Standarten wehn und Fahnen!
Wir wollen heut uns, Mann für Mann, zum Heldentode mahnen.
Auf, fliege, stolzes Siegspanier, voran dem kühnen Reihen!
Wir siegen oder sterben hier den süßen Tod der Freien.

Ernst Moritz Arndt, 1812

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II. dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


SH Wulfsdorf Hitler EK web

• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008


Soldaten der Wehrmacht kämpfen nicht nur pflichtschuldig  und gehorsam. Ohne die Gefühlswelt aus Stolz, Ehre und Männlichkeit ist nicht zu erklären, warum so viele an die Front streben – und dem Krieg bis zum Untergang verhaftet bleiben. (Frank Werner in ZEITGeschichte 4/2018)

     EK 1940 Die Woche 360px web
     • Begehrenswerte Ordensbrust in »Die Woche«, Januar 1940.

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

Neben dem Thorshammer ist das Eiserne Kreuz das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z. B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle

 

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Adler

»Der Adler ist als ›der mächtigste König im Luftrevier‹ (Anfang des ›Seeräuberlied‹, das zum Marschliederkanon der Wehrmacht gehörte), der König der Lüfte und wehrhafter Beschützer seines Horstes. In der griechischen Mythologie ist er ein Attribut des Gottes Zeus. Als heraldisches Symbol diente er von 1433 bis 1806 den Kaisern des heiligen römischen Reiches deutscher Nationen sowie deutschen Königen, Herzögen und Markgrafen als Wappenbild.«

• Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 137

»Als Hoheitszeichen des Deutschen Reiches und als Symbol für deutsche Macht und Stärke galt der Seeadler. Der Raubvogel konnte nach 1871 wachsam nach Westen spähen, oft aufreizend mit den Flügeln schlagen und/oder den geöffneten Schnabel drohend dem französischen Feind entgegenstrecken. [...]
Unmittelbar vor der Unterzeichnung des Versailler Vertrages stieß die ›Deutsche Tageszeitung‹ vom 26. Juni 1919 den Stoßseufzer aus, es möge ›vielleicht doch in nicht so ferner Zeit [...] – der Tag komm[en], an welchem das Deutsche Volk sich aus seinem tiefen Fall wieder erheben kann und der deutsche Adler von neuem den Flug zur Sonne unternimmt.‹ Dieser sehnsüchtige Wunsch wurde in die Gedenkwelt hineingetragen [Hamburg-Gross Borstel, Oktober 1922: ›Mit kräftigen Krallen steht er trotzig und lauernd auf seinem eisernen Grund, den scharfen Blick nach Westen gerichtet‹. Wasserkuppe/Rhön, 1923, Weiherede des Oberstleutnants a.D. Walter von Eberhardt: ›Und eigene Kraft wird es sein, die alle Fesseln, die Schmach und Schande, die Not und Elend uns angelegt haben, wieder sprengen wird. Nach Westen blickt der Adler. Er weist uns den Weg, den wir gehen müssen.‹ Auch dort die Kranzschleife des ›Bundes der Jagdflieger‹ am Tag der Einweihung: ›Adler, Du, halte die Wacht! Um uns ist Schande und Nacht. / Siehe, dort hinter dem Rhein / Schlummert der Brüder Gebein / Bis einst der Morgen erwacht. Adler, Du, halte die Wacht!‹]«

Loretana de Libero, Rache und Triumph, Krieg Gefühle und Gedenken in der Moderne, De Gruyter Oldenbourg, S.95f

 

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Schlachten & Gefechte

Bei Bornhöved fanden entscheidende Schlachten statt:

798 schlugen die mit Karl dem Großen verbündeten Abodriten die Sachsen auf einem Feld an dem Fluss Schwentine (slawisch: Sventana)

Schlacht auf dem Sventanafeld bei Wikipedia

1227 siegte eine Koalition aus Holsteinern, Lübeckern und Dithmarschern über König Waldemar von Dänemark

Schlacht bei Bornhöved (1227) bei Wikipedia

 

SH Bornhoeved Rehbein Chronik web2

Illustration aus Heinrich Rehbeins Handschrift »Lübecker Chronik«: Die Schlacht bei Bornhöved, 1227

 

1813 Gefecht bei Bornhöved: Kronprinz Bernadotte von Schweden strebte nach der Völkerschlacht danach, die dänischen Besitzungen in Schleswig-Holstein zu erobern. Die Truppen Bernadottes wurden durch russische Soldaten verstärkt. Es bildete sich eine Armee aus Alliierten, welche über Hamburg nach Oldesloe marschierte, wo es zum ersten Gefecht zwischen Alliierten und Dänen kam. Die Dänen zogen sich weiter zurück und es kam am 6. Dezember 1813 zu einem zweiten Gefecht bei Bornhöved, bei welchem beide Parteien herbe Verluste erlitten.

Vorgeschichte zur Schlacht bei Sehestedt

Zusammenfassung bei Wikipedia

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Der Adolfplatz

Von den fünf Denkmälern auf dem Adolfplatz stellen wir zwei vor.


SH Bornhoeved APlatz Schild web


Der Granitfindling mit der Marmorplatte trägt die Widmung:

Zur Erinnerung
an die
ERHEBUNG
SCHLESWIG-HOLSTEINS
am 24. März 1848
Errichtet
am 24. März 1898.

SH Bornhoeved APlatz 1898 web


Ganz oben im geschwungenen Schriftfeld hängt der militärische Orden dieser Zeit: ein Königlicher Kronen-Orden.

     SH Bornhoeved APlatz Doppeleiche web

Der Stein steht vor einer Doppeleiche, sie wurde 1898 als Symbol für die Unteilbarkeit Schleswig-Holsteins gepflanzt.

SH Doppeleichen Anzeige web

Anzeige des Gärtners Beck: »Zur Verherrlichung des Nationalgesanges«

An die Schleswig-Holsteinische Erhebung von 1848 erinnern die so genannten Doppeleichen, die in vielen Dörfern anlässlich des 50. Jahrestages am 24. März 1898 unter besonderen Feierlichkeiten gepflanzt wurden. Sie galten den schleswig-holsteinisch Gesinnten als Sinnbild für Freiheit und Unabhängigkeit von Dänemark sowie für die Einheit von Schleswig und Holstein. Deshalb findet man diese Art von Gedenkbäumen auch nur im nördlichsten Bundesland. Das Privileg von Ripen von 1460 und das Schlagwort »Up ewig ungedeelt« diente dabei den Schleswig-Holsteinern als Grundlage ihres Anspruchs. Die Idee der Doppeleiche kam erstmalig auf dem schleswig-holsteinischen Sängerfest 1844 in Schleswig auf, als das Schleswig-Holstein-Lied erstmalig gesungen wurde; hier heißt es in der 7. Strophe: »Teures Land, du Doppeleiche, unter einer Krone Dach, stehe fest und nimmer weiche, wie der Feind auch dräuen mag! Schleswig-Holstein, stammverwandt, wanke nicht, mein Vaterland!«.

Als Standort dieser Bäume wählte man besonders exponierte Plätze in der Dorfmitte oder in der Nähe von Schulen und Gaststätten. Es gab zwei Möglichkeiten, eine Doppeleiche zu schaffen: Entweder pflanzte man zwei Eichen in einem Pflanzloch so eng zusammen, dass aus einer Wurzel die Stämme wuchsen, oder man ordnete die beiden Eichen so an, dass diese aus zwei Pflanzstellen herauswuchsen und im Stammbereich zusammengeführt wurde.

Telse Stoy, Heimatgemeinschaft Eckernförde e. V., 2014. »Doppeleichen in Schleswig-Holstein«, in: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-261830, abgerufen: 18. Februar 2019



Das zweite Denkmal ist wieder ein Gedenkstein vor einer Eiche: Diesmal ist es eine »Friedenseiche«, gepflanzt 1895, um an das Ende des Deutsch-Französischen Krieges zu erinnern. Der kleine gestaltete Granitstein auf einem gemauerten Bruchsteinsockel trägt die Inschrift:

FRIEDENS=
EICHE
Kampfgenossen
1870 = 71.
1. Sept. 1895

Nach dem Sieg forderte die Regierung im Deutschen Kaiserreich dazu auf, Friedenseichen zu pflanzen und zu pflegen, damit »dieses Sinnbild deutscher Kraft und deutscher Treue sich in aller Herrlichkeit entwickeln könne und künftigen Geschlechtern Gelegenheit geben würde, sich in seinem Schatten dankbar der Helden von 1870 und 1871 zu erinnern.«

Um noch eins draufzusetzen, stifteten die »Kampfgenossen« den Stein zum Sedantag 1895, der jedes Jahr am 2. September gefeiert wurde, um an die Kapitulation der französischen Armee nach der Schlacht bei Sedan zu erinnern. Frieden schaffen sieht anders aus.


SH Bornhoeved APlatz 70 71 web


»Der Deutsch-Französische Krieg von 1870 bis 1871 war eine militärische Auseinandersetzung zwischen Frankreich einerseits und dem Norddeutschen Bund unter der Führung Preußens sowie den mit ihm verbündeten süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden und Hessen-Darmstadt andererseits.

Von den großen Schlachten gingen im gesamten Kriegsverlauf alle für Frankreich verloren oder endeten im Patt. Trotzdem fand sich die französische Regierung erst im Februar 1871, nach dem Fall von Paris, zum Vorfrieden von Versailles bereit. Offiziell endete der Krieg am 10. Mai 1871 mit dem Frieden von Frankfurt, der hohe Reparationen sowie die Abtretung Elsaß-Lothringens durch Frankreich vorsah.

Nach dem Deutsch-Dänischen und dem Deutschen Krieg von 1864 und 1866 gilt der Konflikt mit Frankreich als dritter und letzter der deutschen Einigungskriege. Der preußische König Wilhelm I. nahm den Titel ›Deutscher Kaiser‹ an, Otto von Bismarck wurde erster Reichskanzler. In Frankreich hatte der Krieg nicht nur die endgültige Abschaffung der Monarchie zur Folge. Vor allem der Verlust Elsaß-Lothringens erzeugte einen dauerhaften, gegen Deutschland gerichteten Revanchismus. In Deutschland wiederum verfestigte sich die Vorstellung von der so genannten Erbfeindschaft gegenüber Frankreich. Beides belastete die deutsch-französischen Beziehungen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein.«

nach Wikipedia, abgerufen am 9. 12. 2017


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I N H A L T
Das Denkmal
Der Stein für die Vertriebenen
Die Mauer
Der Bosauer Kriegerverein
Historische Fotos

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Bosau, Kreis Ostholstein

Am Rand des Pastoratsgarten der St.-Petri-Kirche

In einem wunderschönen Staudenbeet stehen drei Gedenksteine. Links daneben sind in eine Natursteinmauer fünf Platten eingelassen: zwei helle Namensplatten und drei dunklere mit Inschriften.

SH Bosau gesamt web

SH Bosau Stein Wir web

Der älteste Stein trägt, umgeben von linearen Girlanden und Mustern, die Inschrift:

1914 1918 (Eisernes Kreuz) Wir für Euch

 

        SH Bosau rechts web

Die Inschrift des Steins für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs lautet:

1939 - 1945 (Eisernes Kreuz) Jesus für uns

Die Inschriften auf den beiden Steinen sind im Aufbau gleich gestaltet, die Formulierungen entsprechen sich. Das ist kein Zufall. Der Kriegstod der Soldaten (Wir für Euch) wird gleichgesetzt mit dem Kreuzestod Christi (Jesus für uns), als Opfertod für die Menschheit. Die Soldaten haben sich ebenfalls »für uns« geopfert, ihr Tod wird mit dieser Analogie gerechtfertigt.

Diesen Gedanken findet man oft auf Kriegerdenkmälern, meistens sind sie von Kirchengemeinden auf Kirchenland oder auf Friedhöfen aufgestellt worden. Dem Kriegstod soll ein Sinn gegeben werden.
Die Gleichsetzung ist als Trost für die Angehörigen der getöteten Soldaten gedacht, ist aber nie mit einer kriegskritischen Haltung verbunden.

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Der Stein für die Vertriebenen

        SH Bosau Heimat web

Dazwischen steht der große, hohe Stein der Heimatvertriebenen:

Heimat
Niemals vergessen
Niemals verzichten
du bleibst deutsch
Die Heimatvertriebenen der Gem. Bosau
1952

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Die Mauer

SH Bosau St Mauer web

Die dunklen Tafeln haben von links nach rechts die Inschriften:

1914 - 1918
Unseren lieben Gefallenen
1939 - 1945

Die hellen Tafeln tragen Name und Sterbetag von 19 toten Soldaten aus dem 1. Weltkrieg.

Im Hintergrund rechts sieht man die eingerüstete St.-Petri-Kirche

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Der Kriegerverein Bosau

(Kampfgenossenverein von 1870/71)

Das sogenannte »Sedanfest« wurde am 7. September 1879 gefeiert. Auf dem Programm standen auch die Übergabe und die Weihe der Fahne. Die von den Damen der Gemeinde Bosau gestiftete Fahne wurde dem am 11 August 1878 gegründeten Kampfgenossenverein übergeben. Leider verbrannte diese Fahne am 22. Mai 1890 bei einem Großfeuer in Hassendorf. Im September 1900 erhielt der Kriegerverein eine völlig gleiche Fahne mit der Aufschrift: »Gehorsam, Treue, Tapferkeit des deutschen Kriegers Ehrenkleid«. Sie wurde in der Bosauer Kirche durch Pastor Piening geweiht.

• Aus der Hutzfelder Chronik von Helmut Schröder

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Historische Fotos

Der Gedenkstein für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs war ursprünglich am Fuß des Turms der St.-Petri-Kirche aufgestellt worden.

SH Bosau Ehrenmal Kirche SW web


Anfang der 50er Jahre wurde der Stein für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs ergänzt. Zusammen mit dem älteren Stein und einem hohen Kreuz in der Mitte erhielt er einen neuen Platz an einer Hecke, vermutlich auf dem Friedhof gegenüber von Turm und Eingang der St.-Petri-Kirche. Die halbrunde, höher gelegte Denkmalsanlage konnte über zwei Stufen erreicht werden. Mit Plattenweg und Mäuerchen aus Feldsteinen sah die Anlage dann so aus:

SH Bosau 50er Jahre web


Später zogen die Steine um an den den Rand des Pastoratgartens. Das Kreuz zwischen den Steinen:

»1914 1918 / Wir für Euch« 
»1939 - 1945 / Jesus für uns«

wurde durch den Stein der Heimatvertriebenen

»Heimat / Niemals vergessen / Niemals verzichten / du bleibst deutsch«

ersetzt. Die Anlage wurde insgesamt umgestaltet, die Mauer an der Seite kam dazu.

Wir danken Helmut Schröder aus Hutzfeld für die Fotos.

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Das Denkmal
Die Widmung
Historisches Foto
Volkstrauertag 2019
Das Eiserne Kreuz
Deutsche Eichen
Findlinge

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Braak, Kreis Stormarn

Auf einem kleinen Platz mit drei Eichen in der Dorfmitte

Eine niedrige achteckige Bruchsteinmauer umgibt das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten beider Weltkriege. Trutzige Pfeiler markieren die Ecken und den Eingang. Die Pfeiler sind mit einer Eisenkette verbunden. 

 

SH Braak Anlage von hinten web


Ausserhalb der Mauer ist ein großer Platz mit kleinen eckigen Granitsteinen gepflastert.

SH Braak Denkmal web


Der hohe Findling auf flachem Sockel ist von einigen mittelgroßen, unterschiedlich geformten Findlingen als Stützen umgeben. Die Fläche drumherum ist mit dunkler Erde ausgefüllt.

 

SH Braak Denkmal EK web


Über der Tafel wurde ein Eisernes Kreuz, das militärische Ehrenzeichen, im kreisrunden Medaillon eingemeißelt.

 

     SH Braak Tafel web


Die hohe Metallplatte mit Widmung und Namenslisten ist nach dem 2. Weltkrieg neu angefertigt worden. Wie sie davor aussah, ist uns nicht bekannt.

 

SH Braak Tafel oben web


Buchstaben und Symbole sind erhaben. Die Widmung lautet:

ZUM GEDENKEN
AN UNSERE GEFALLENEN
1914 – 1918

Es folgen die 16 Namen der toten Soldaten mit dem Initial ihres Vornamens in zwei Spalten. Die Soldaten sind nach Sterbedatum geordnet. Nicht alle sind im Kampf ›gefallen (gef.)‹, zwei sind ›gestorben (gest.)‹ und einer ist vermisst (verm.).

Es folgt zwischen den Spalten ein Eichenblatt im Relief. Dann beginnt die Namensliste der toten Soldaten im 2. Weltkrieg.

1939 – 1945

28 Namen, jetzt auch mit durch 1-3 Buchstaben abgekürzte Vornamen, werden aufgezählt. Die Reihenfolge nach Sterbedatum ist jeweils am Ende der Spalte durcheinander geraten. 20 Soldaten sind ›gef.‹, vier sind ›gest.‹ (zwei davon nach Kriegsende) und vier sind ›verm.‹.

 

SH Braak Tafel unten web


2003 sind zwei Zeilen durch fehlende Buchstaben als nicht mehr lesbar gekennzeichnet worden. Ende 2019 kann man drei erneuerte Zeilen entdecken.

Wo wir vielleicht wieder ein ehrendes Eichenblatt vermuten würden, unterhalb des Spaltenabstands, sieht man nur noch einige Bohrlöcher.

 

SH Braak Rand web


Der Rahmen der Tafel ist kunstvoll mit kleinen Eichenblättern und Eicheln belegt.

 

SH Braak Tafel seitlich web


Die große Tafel ist aufgesetzt und hat, bedingt durch die nicht ganz ebene Frontfläche des Findlings, verschieden weite Abstände vom Stein.

 

SH Braak Kette web


Ein letzter Blick von hinten.

 

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Die Widmung

Zum Gedenken an unsere Gefallenen:

»... verweist auf das Wort ›fallen‹, dem Wörter wie ›hinfallen‹ aber auch ›fällen‹ zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort ›fallen‹ seines Schreckens, im Wort ›fällen‹ verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort. [...]

An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort ›Gefallener‹ (oder ›gefallen‹) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 22 und 61


»Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: ›der Gefallenen‹. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung ›Gefallene‹ eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort ›fallen‹ verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der ›fiel‹, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort ›fallen‹, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.«

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 100

 

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Historisches Foto

Das Denkmal 1966: der Platz um die Denkmalsanlage ist mit Granitsteinen gepflastert worden, ansonsten in gut 50 Jahren keine besonderen Veränderungen.

 

SH Braak 1966 Raimund Marfels StA web
Quelle: Kreisarchiv Stormarn (Ausschnitt), lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 >internationale Lizenz


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Volkstrauertag 2019

»Unseren toten Kameraden in stillem Gedenken« schreibt die Freiwillige Feuerwehr Braak, »Unseren Toten in stillem Gedenken« die Gemeinde Braak.

 

SH Braak Kranz FF web

 

SH Braak Kranz Gem web


»Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. ›Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.‹ [Giordano, Die zweite Schuld, S. 324]«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 29

 

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


SH Wulfsdorf Hitler EK web

• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008


Soldaten der Wehrmacht kämpfen nicht nur pflichtschuldig  und gehorsam. Ohne die Gefühlswelt aus Stolz, Ehre und Männlichkeit ist nicht zu erklären, warum so viele an die Front streben – und dem Krieg bis zum Untergang verhaftet bleiben. (Frank Werner in ZEITGeschichte 4/2018)

     EK 1940 Die Woche 360px web

Geschickte Propaganda: Begehrenswerte Ordensbrust in »Die Woche« Januar 1940.

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

Neben dem Thorshammer ist das Eiserne Kreuz das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z. B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle

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deutsche Eichen

Die Eiche zählt schon lange als »deutscher« Baum. Ihr hartes Holz und das charakteristische, spät fallende Laub machten sie seit der Zeit der Germanen zum Symbol für Unsterblichkeit und Standhaftigkeit. In jüngerer Zeit, besonders seit der Romantik, gilt die Eiche zudem als Symbol der Treue.

Das Eichenlaub ist ein politisches und militärisches Symbol sowie eine Figur in der Heraldik, das den gelappten Laubblättern von in Mittel- und Südeuropa heimischen Eichenarten nachempfunden ist. Die Blätter können getrennt oder an einem Zweig angeordnet dargestellt sein.

Mit der Nationalromantik des 19. Jahrhunderts, mit der Deutschen Revolution 1848/1849 und der Reichsgründung 1871, die das Gefühl nationaler Einheit bestärkten, zog das Eichenlaub in die deutsche Symbolsprache ein. Auf deutschen Ehrenmalen, Kränzen, Hoheitszeichen und dergleichen dient Eichenlaub in ähnlicher Form wie Zweige des Lorbeerstrauches bzw. der Lorbeerkranz.

Aus diesem Grund findet man Eichenlaub oft auf Orden, Symbolen und Münzen, so beispielsweise als Erweiterung des Ordens Pour le Mérite sowie auf dem Eisernen Kreuz. Während des Zweiten Weltkrieges gab es zudem das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub. Seit 1957 ist es Vorschrift, dass Orden aus der Zeit des Nationalsozialismus nur noch ohne das damals – bis auf wenige Ausnahmen – obligatorische Hakenkreuz getragen werden dürfen. Dieses wurde daher beim Eisernen Kreuz sowie dessen Erweiterungsstufen – wie bei den ersten Eisernen Kreuzen aus der Zeit der Befreiungskriege – durch drei Eichenblätter ersetzt.

Nach Wikipedia, abgerufen am 12. November 2019

 

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Das Eiserne Kreuz auf dem Denkmal zur Völkerschlacht bei Leipzig in Sagard auf Rügen.

Den Anlass der Ordensstiftung gaben die beginnenden Befreiungskriege gegen die Vorherrschaft des napoleonischen Frankreich in Mitteleuropa, zu denen Friedrich Wilhelm III. kurz zuvor mit seiner am 17. März 1813 gleichfalls in Breslau erlassenen Proklamation »An mein Volk« aufgerufen hatte. Auf Grundlage einer Zeichnung des Königs wurde Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer entsprechenden Reinzeichnung beauftragt. Wörtlich heißt es dazu:

»Se. Königl. Maj. haben beschlossen, für die Dauer des jetzigen Krieges eine eigenthümliche Auszeichnung des Verdienstes eintreten zu lassen. Sie soll in einem schwarzen in Silber gefaßten Kreuz aus Gußeisen bestehen, und dessen Vorderseite ganz glatt und ohne alle Inschrift bleiben, die Kehrseite aber zu oberst den Namenszug FW mit der Krone, in der Mitte drey Eichenblätter, unter die Jahreszahl 1813 enthalten. Se. Maj. haben allerhöchstselbst die anliegende Zeichnung davon entworfen, und wünschen eine sauber ausgeführte Zeichnung.«

 

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Foto: Wikimedia Commons / Concord

Das Emblem der DDR mit Eichenlaub über dem Eingang zum Opernhaus in Leipzig.

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Findlinge

»Findlinge wecken Assoziationen zu germanischen und keltischen Hünengräbern und Dolmen. Die Romantik entdeckte sie wieder, nach den Befreiungskriegen verbreiteten sie sich als Denkmalstyp und setzten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts vorwiegend in Norddeutschland gegen den Obelisk durch. [...]

Findlinge sind große (Granit-)Steine aus der heimatlichen Landschaft. Die Denkmalstifter holten sie oft selbst aus der Heide oder aus dem Harz mühevoll herbei. Als Monolith steht der Findling für die Einheit des Landes, fast unbearbeitet, strahlt er Naturwüchsigkeit aus, selbst ein Teil der uralten Überlieferung mahnt er zu ewigem Gedenken.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 134

»Germanisierende Motive finden sich in Gestalt zahlreicher Findlingsdenkmäler. In den Hünengräbern sah man ›Vorbilder für Erinnerungsmale, würdig der Größe des Opfers, das die Söhne unseres Volkes gebracht haben‹.

• Gerhard Schneider, »... nicht umsonst gefallen»?, Hannoversche Geschichtsblätter 1991, S. 203

 

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I N H A L T
Das Denkmal
Das Eiserne Kreuz
Hinterm Schilderwald ...

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Brackrade, Kreis Ostholstein

An der T-Kreuzung des Dorfes

Durch ein mit Eisernen Kreuzen verziertes Tor betritt man eine Anlage, die mit behauenden Feldsteinen erbaut wurde. Von vorne und den Seiten führen vier Stufen auf den Denkmalsplatz.

SH Brackrade seitlich web

In eine vierstufige Pyramide mit oben aufgesetztem Eisernen Kreuz sind in der Mitte zwei Steinplatten eingefügt. Die größere trägt über den 18 Namen der im 1. Weltkrieg getöteten Soldaten die Inschrift:
1914   starben   1918
für ihr Vaterland

SH Brackrade gesamt web

Auf der nächsten Stufe darunter steht:
Ehrenvoll für eine gute Sache ist der Tod

 

             SH Brackrade Inschrift web

Vor der Pyramide liegt ein Feldstein mit der sehr verwitterten Aufschrift:
Unseren Toten 1939 – 1945

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


SH Wulfsdorf Hitler EK web

• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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Hinterm Schilderwald ...

... liegt das Kriegerdenkmal.

SH Brackrade Schilder web

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I N H A L T
Das Denkmal
Ehrung der SS
Die Inschrift
Die Geschichte in Bildern
Erhebung Schleswig-Holsteins
Deutsch-Französischer Krieg
Der Soldat im Wald

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Breiholz, Kreis Rendsburg- Eckernförde

An der Hauptstraße

Die große gepflegte Denkmalsanlage ist hauptsächlich den getöteten Soldaten des 1. und 2. Weltkriegs gewidmet.

SH Breiholz weiter web

Eine kunstvolle Mauer aus bunten Feldsteinen mit schmiedeeisernem Schmuck grenzt die Anlage von der Durchgangsstraße ab. Durch eine verzierte Pforte gelangt man auf das großzügige Gelände.

SH Breiholz Anlage web

Auf einem Sandweg geht man auf das Hauptdenkmal zu, vorbei an zwei gemauerten Feldsteinbottichen für Blumen. Der mittlere Teil des Denkmals besteht aus einem zweistufigen Feldsteinsockel mit aufgestelltem Findling. Die Seitenflügel tragen die Namenstafeln, wie wir später sehen werden, sind die Flügel nachträglich angesetzt worden.

SH Breiholz Denkmal web

Die Inschrift auf dem Findling unter einem Eisernen Kreuz in Kontur:

1914 - 18
1939 - 45

SH Breiholz Inschrift web

Auf der eingelassenen schwarzen Steintafel darunter die Inschrift:

Sie kämpften
Sie starben
Sie leben

 

SH Breiholz links 1WK web

Auf dem linken Flügel sind die drei Namenstafeln der 44 getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs eingelassen. Sie werden mit Dienstgrad (abgekürzt), Vor- und Nachnamen und Sterbedatum genannt. Dafür wurden die alten Tafeln des ursprünglichen (siehe weiter unten) Denkmals verwendet. Weil im 2. Weltkrieg doppelt so viele Soldaten getötet oder vermißt wurden und die Tafeln auf beiden Flügeln gleich hoch sein sollten, fügte man kurzerhand je eine Ergänzungstafel mit zwei Namen von Soldaten aus dem 2. Weltkrieg unten an.

SH Breiholz rechts web

Auf den drei Tafeln des rechten Flügels nun also die restlichen 82 getöteten Soldaten des 2. Weltkriegs wieder mit Dienstgrad (abgekürzt), Vor- und Nachnamen und Sterbedatum. Von den 88 Soldaten gelten 31 als vermißt.

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Ehrung der SS

Für die Dienstgradbezeichnung der Mitglieder der SS aus Breiholz wird auf den Tafeln des Denkmals die Siegrune benutzt.

SH Breiholz rechts SS1

SH Breiholz rechts SS2

SH Breiholz links 1WK SS

Ursprünglich ist die Siegrune die Bezeichnung für ein Zeichen der völkischen Bewegung des 19. und 20. Jahrhunderts.

In der Zeit des Nationalsozialismus war die einfache Siegrune das Emblem des Deutschen Jungvolks in der Hitler-Jugend. Die aus der Sturmabteilung ausgegliederte Schutzstaffel (SS) der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei wurde zunächst mit den Anfangsbuchstaben SS bezeichnet, später schrieb und druckte man diese zwei Buchstaben stets in Runenform. Manche Schreibmaschinen jener Zeit hatten eine Sondertype für das gezackte SS. Durch ihre geschickte Proportionierung sollten sie offenbar einen Ausdruck von Dynamik sowie Bedrohlichkeit erwecken. Von der SS wurde die doppelte Siegrune als Symbol auf ihrer so genannten »Hausfahne« sowie auf Kraftwagen-Standern verwendet. Ferner fand man sie auf Kragenspiegeln und Stahlhelmen der Waffen-SS.

Neben dem Hakenkreuz ist die Siegrune das Symbol, das am deutlichsten auf nationalsozialistische Vorstellungen oder Absichten hinweist. Nach § 86a StGB ist die Verwendung dieses Zeichens strafbar. Mit geringfügigen Änderungen der graphischen Ausformung versuchen Gestalter einschlägiger rechtsextremer CD-Cover und Aufnäher das Verbot zu unterlaufen. Außerhalb der Bundesrepublik Deutschland benutzen aktive Neonazis das Zeichen weiterhin sehr offen.

Nach Wikipedia, abgerufen am 9. 12. 2017

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Die Inschrift

So wird sie 1921 auf einem Gutschein interpretiert, der den Kriegswitwen und Kriegswaisen Spendengeld einbringen sollte:

Hambuger Warte 1a web

Rückseite:

Hambuger Warte 1b web

Diese Gutscheine wurden vom Verlag der Wochenzeitung »Hamburger Warte« verkauft. Am 14. Dezember 1918 erschien die erste Ausgabe der »Hamburger Warte«, eine »politische Kampfschrift« gegen Marxismus und Judentum. Herausgeber war Friedrich Carl Holtz (1882 - 1939), ein deutscher, nationalistischer und antisemitischer politischer Schriftsteller und Verleger.

Holtz war zunächst als Beamter im hamburgischen Staatsdienst tätig, schied aber per 31. Dezember 1913 wegen des Vorwurfs der Unterschlagung aus. Nachdem er als Freiwilliger bereits 1900/1901 in Tientsin am Chinafeldzug teilgenommen hatte und kriegsuntauglich zurückgekehrt war, meldete er sich zu Beginn des 1. Weltkrieges erneut freiwillig an die Front. Ende 1918 kehrte er in seine Heimatstadt Hamburg zurück. In seiner Zeitung »Hamburger Warte« wandte er sich u.a. im März 1919 in einer Sonderausgabe mit einer Anklageschrift gegen den »Diktator Heinrich Laufenberg« als Vorsitzenden des Arbeiter- und Soldatenrates. 1922 erfolgte auf der Grundlage des Republikschutzgesetzes wegen eines Hetzartikels zum Rathenau-Mord das Verbot der Hamburger Warte. Holtz wich daraufhin nach München aus und gab dort den »Fridericus« als neue zentrumsfeindliche, antipazifistische und antisemitische Wochenzeitung heraus. Daneben gründete er in Berlin »Die Fackel« als zweite »vaterländische Wochenschrift«. 1929 war er in Hamburg beteiligt an der Gründung der Gewerkschaft Deutsche Hilfe, »damit den Gewerkschaften der Roten die Spitze geboten werde«. Holtz blieb seiner deutschvölkischen und antisemitischen Tradition verbunden und begrüßte mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten das »neue Deutschland«.

nach Wikipedia, abgerufen am 15. 12. 2017

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Die Geschichte in Bildern

Wie so oft, kann man auch in Breiholz von historischen Bildern die Geschichte des Denkmals ablesen. Hier sieht man also das ursprüngliche Denkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs. Es besteht aus dem zweistufigen Sockel und dem Findling, wie wir es als Mittelteil des heutigen Denkmals kennen.

SH Breiholz Bild1 web

Die Inschrift unter dem Eisernen Kreuz auf dem Findling ist eine andere, leider hier nicht zu entziffern. Die drei Namenstafeln sind vorne und an den Seiten in den Sockel eingelassen. Das Denkmal stand auf einem kleinen gepflasterten Platz und hatte die damals beliebte Abgrenzung aus Pfeilern und Ketten.

 

SH Breiholz Ruckseite web

Auf dem Foto kann man auch heute erkennen, dass die Flügel nachträglich angesetzt worden sind.

 

SH Breiholz Karte web

Damals zierte die Pforte auch ein Eisernes Kreuz, das hat man später entfernt. Vor dem Denkmal standen noch weiße Bänke zum Verweilen.

SH Breiholz 1960er Jahre web

Die beiden letzten Postkarten sind aus den 60er Jahren.

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Erhebung Schleswig-Holsteins

Auf dem Denkmalsgelände sind zwei weitere Steine aufgestellt. Ein kleiner Findling zur »Erhebung Schleswig-Holsteins« am 24. März 1848 mit den Jahreszahlen:

1848 – 51
1898

SH Breiholz 1848 web

Das Emblem darüber wurde herausgebrochen, Der Form nach könnte es das damalige Wappen Schleswig-Holsteins gewesen sein:

SH Breiholz Wappen web

Unter der Krone die Hände zum »Up ewig ungedeelt« verschlungen. Darunter die Zeichen: Zwei Löwen für Schleswig-Flensburg, das Nesselblatt für Holstein, der Reiter für Dithmarschen und der Schwan für Stormarn.

Die Schleswig-Holsteinische Erhebung entstand im Zusammenhang mit den revolutionären Bewegungen 1848 als Konflikt zwischen den nationalistischen Strömungen in Dänemark und Deutschland. Die Schleswig-Holsteiner strebten die gemeinsame Loslösung der beiden Herzogtümer aus dem deutsch-dänischen Gesamtstaat und die Eingliederung beider in den Deutschen Bund an. Die dänischen Nationalisten wiederum strebten einen Nationalstaat an, zu dem nur das Herzogtum Schleswig gehören sollte.

Über diesem Konflikt kam es zu einem – mit Unterbrechungen – dreijährigen Krieg (1848 – 1851), bei dem die Schleswig-Holsteiner von den Staaten des Deutschen Bundes unterstützt und nach anfänglichen Erfolgen schlussendlich von der dänischen Seite besiegt wurden.

Dem britischen Premier Lord Palmerston (1784 bis 1865) zufolge war die Schleswig-Holstein-Frage so kompliziert, dass nur drei Menschen sich darin auskennen würden: Albert von Sachsen-Coburg-Gotha, Prinzgemahl von Queen Victoria, der schon tot sei, ein Professor, der verrückt geworden sei, und er selbst, doch habe er alles wieder vergessen, sonst wäre er auch verrückt geworden.

1849 errichteten die »Schleswig-Holsteinischen Kampfgenossen« einen Gedenkstein auf dem Alten Friedhof in Flensburg, er sollte die ewige Verbindung zwischen Schleswig und Holstein symbolisieren. 1851 entfernten ihn die dänischen Behörden. 1898, zur Feier des 50. Jahrestages der Eroberung der dänischen Festungsanlagen, wurde dieser Findling aufgestellt.

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Deutsch-Französischer Krieg

Ein weiterer Findling trägt eine verzierte eiserne Tafel zum Gedenken an die 13 Kriegsteilnehmer von 1870/71, die aufgesetzten Buchstaben sind allerdings weitgehend abhanden gekommen.

Über den Namen mit Dienstgrad die Inschrift:

Zum steten Gedenken
für Diejenigen
aus der Dorfschaft Breiholz,
welche den deutsch-französischen Krieg
im Jahre 1870 und 71 in Frankreich
mit gemacht haben

Der frühere Standort der Tafel war an der Hauptstraße 99.

 

     SH Breiholz 1870 71 web

»Der Deutsch-Französische Krieg von 1870 bis 1871 war eine militärische Auseinandersetzung zwischen Frankreich einerseits und dem Norddeutschen Bund unter der Führung Preußens sowie den mit ihm verbündeten süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden und Hessen-Darmstadt andererseits.

Auslöser war der Streit zwischen Frankreich und Preußen um die Frage der spanischen Thronkandidatur eines Hohenzollernprinzen. Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck ließ die Emser Depesche, mit der er darüber informiert worden war, dass König Wilhelm I. die französischen Forderungen abgelehnt hatte, in provokant verkürzter Form veröffentlichen. Dies erregte auf beiden Seiten nationalistische Empörung und veranlasste den französischen Kaiser Napoléon III. am 19. Juli 1870 zur Kriegserklärung an Preußen.

Von den großen Schlachten gingen im gesamten Kriegsverlauf alle für Frankreich verloren oder endeten im Patt. Trotzdem fand sich die französische Regierung erst im Februar 1871, nach dem Fall von Paris, zum Vorfrieden von Versailles bereit. Offiziell endete der Krieg am 10. Mai 1871 mit dem Frieden von Frankfurt, der hohe Reparationen sowie die Abtretung Elsaß-Lothringens durch Frankreich vorsah.

Nach dem Deutsch-Dänischen und dem Deutschen Krieg von 1864 und 1866 gilt der Konflikt mit Frankreich als dritter und letzter der deutschen Einigungskriege. Noch während seines Verlaufs traten Baden, Bayern, Württemberg und Hessen-Darmstadt dem Norddeutschen Bund bei, der sich mit Wirkung vom 1. Januar 1871 Deutsches Reich nannte. Der preußische König Wilhelm I. nahm den Titel ›Deutscher Kaiser‹ an, Otto von Bismarck wurde erster Reichskanzler. In Frankreich hatte der Krieg nicht nur die endgültige Abschaffung der Monarchie zur Folge. Vor allem der Verlust Elsaß-Lothringens erzeugte einen dauerhaften, gegen Deutschland gerichteten Revanchismus. In Deutschland wiederum verfestigte sich die Vorstellung von der so genannten Erbfeindschaft gegenüber Frankreich. Beides belastete die deutsch-französischen Beziehungen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein.«

nach Wikipedia, abgerufen am 9. 12. 2017

 

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Der Soldat im Wald

Wenige Kilometer hinter Breiholz beginnt ein Wäldchen in dem in einem privaten Garten aufgebahrt ein steinerner Soldat liegt.

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Wie kann man sich das erklären?

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Er lag bis 1967 in der »Ehrenhalle« von St. Marien in Flensburg, der ehemaligen Garnisons- und ältesten Stadtkirche Flensburgs. Das 1920 geschaffene Werk ist typisch für die martialischen Kriegerdenkmäler des 1. Weltkriegs.

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Foto: PicturePress / Stern 1967 / Ulrich Mack

Im Frühjahr 1967 forderten die drei Pastoren von St. Marien, Gerhard Jastram, Dr. Oswald Krause und Wolfgang Friedrichs die Entfernung des Kriegerdenkmals aus der Kirche. Sie stellten damit das nationalprotestantische Verständnis der lutherischen Kirchen in Frage und die Landeskirche vor eine Zerreißprobe. Die knappe Mehrheit der Pastorenschaft und der Propst standen auf ihrer Seite. Traditionsverbände und Bundeswehr, vertreten durch den Prinzen zu Schleswig-Holstein und die Admiralität der Bundesmarine hielten dagegen.

Der damalige Bundesjustizminister Gustav Heinemann freute sich drei Jahre vor seiner Wahl zum Bundespräsidenten über die drei Flensburger Pastorenen und schickte ihnen ein Glückwunschschreiben, in dem er sie ermunterte, fest zu bleiben. Er zeigte so erneut seine demonstrativ strikte Haltung gegen das Militär.

SH Breiholz Soldat2 web
Foto: Archiv Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag (shz)

Nach seiner Entfernung war das Kriegerdenkmal zunächst in der Nähe der Marienkirche vergraben worden. 1972 verschenkte es die Gemeinde an die »Arbeitsgemeinschaft der Kriegsopfer- und Kriegsteilnehmerverbände« (VdK). Darum lag der Soldat jetzt im Wald bei Nord-Tackesdorf auf dem Gelände der VdK-Einrichtung »Karl Kappert«, Erholungsheim Heidkate in der Waldstraße 4. Als das Heim geschlossen wurde, kam er samt Grundstück in Privatbesitz.

Lesen Sie mehr auf dieser Website unter »Veränderung«

Der Flensburger Denkmalstreit


Oder bestellen Sie das Buch »Bruchlinien« von Stephan Linck. Es erschien zum 50. Jahrestag des Flensburger Kirchenstreits, herausgegeben von Broder Schwensen, Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte e.V., Band 83. Für 19,90 Euro.

www.stadtgeschichte-flensburg.de


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I N H A L T
Das Denkmal
Präsentation beim Denkmal 2019
Aus der Geschichte
Der Hindenburgstein
Die Dolchstoßlegende
Reichskriegerbund »Kyffhäuser«

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Breitenfelde,
Kreis Herzogtum Lauenburg

Vor der Kirche

Das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten beider Weltkriege ist ein mächtiger, ca. 6 Meter hoher stumpfer Obelisk aus Natursteinen.

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Auf der Spitze steht ein Kreuz, einem schlichten Grabkreuz aus Baumstämmen mit übergehängtem Eichenlaub-Kranz nachempfunden.

SH Breitenfelde Kreuz web


Der eingelassene Findling mit glatter Frontseite trägt unter einem konturierten Eisernen Kreuz die Widmung:

Unseren Gefallenen und Vermissten
1914 – 1918   1939 – 1945

Darunter ein Zitat aus der Bibel:

Ich lebe und ihr sollt auch leben
Johannes 14, 19

Zitate aus der Bibel sollen auf vielen Kriegerdenkmälern dem Soldatentod eine religiöse Weihe geben.

SH Breitenfelde Widmung web


An allen vier Seiten sind schwarze Namenstafeln eingelassen. Geordnet nach den Orten des Kirchspiels sind die Namen und Sterbe- bzw. Vermisstendaten der Soldaten des 1. und 2. Weltkriegs hintereinander aufgeführt.

SH Breitenfelde Namenstafel web

Vom Hauptweg auf dem Kirchhof geht ein gepflasterter Weg zum Kriegerdenkmal, gegenüber führt der Weg zu einem Findling, der sich im Vergleich zum Kriegerdenkmal sehr klein ausnimmt.

SH Breitenfelde beide web


Unter einem zarten Kreuz steht dort:

Wir gedenken der Opfer des Nationalsozialismus

SH Breitenfelde Stein web

Auch wenn die Intention der Ergänzung vermutlich darauf abzielte, die Botschaft des Kriegerdenkmals zu relativieren, bewirkt sie doch das Gegenteil.

Die Millionen Opfer des Nationalsozialismus werden in Zusammenhang gebracht mit den Soldaten, die am Verbrechen des Zweiten Weltkriegs beteiligt waren.

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Präsentation beim Denkmal 2019

Das Foto der Kirchensanierungs-Projektgruppe mit dem symbolischen Fördervertrag der Deutschen Stiftung Denkmalschutz am 17. Dezember erlaubt uns einen Blick auf die »Ehrenkränze« am Denkmal.

 

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Foto: Steffi Niemann

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Aus der Geschichte

Aus der Ortschronik von Hermann Harms, erschienen 1994 (Seite 156):


32 Breitenfelder starben für Kaiser und Reich. Für die 85 Kriegsgefallenen des Kirchspiels wurde 1921 auf dem alten Kirchhof ein Denkmal errichtet. Am Volkstrauertag gedachte alljährlich im Anschluß an den Gottesdienst die Kirchengemeinde vor dem Kriegerdenkmal ihrer Gefallenen – unter Beteiligung des örtlichen Reichskriegerbundes »Kyffhäuser«. Bei der traditionellen Gedenkfeier erfuhren die stolzen Worte Hindenburgs, die er 1918 sprach, verbal oder in Gedanken eine tröstende und erhebende Neubelebung: »Aufrecht gehen wir aus dem Kampf, den wir über vier Jahre gegen eine Welt von Feinden geführt haben.«


SH Breitenfelde alt web


Eine historische Postkarte ohne Datum: das Denkmal ist von ziemlich großen Büschen gleicher Art umgeben, der Hindenburgstein steht schon unter einer noch zarten Eiche.


Im Jahr 2008 muss das »Ehrenmal« repariert werden. Die Gemeindevertretung beschließt einstimmig, dass bei den Gesamtkosten von 9.738 Euro, ein Gemeindeanteil von 687 Euro an die Kirchengemeinde zu entrichten ist.

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Der Hindenburgstein

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Der Stein zu Ehren von Hindenburgs 70. Geburtstag neben dem Kriegerdenkmal in Breitenfelde.

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• Foto aus dem Jahr 1914

Paul von Hindenburg (2.10.1847 - 2.8.1934) war ein deutscher Generalfeldmarschall und Politiker. Im 1. Weltkrieg übte die von ihm geführte Oberste Heeresleitung von 1916 bis 1918 quasi diktatorisch die Regierungsgewalt aus. Hindenburg wurde 1925 zum zweiten Reichspräsidenten der Weimarer Republik gewählt. Hindenburg bekam zunächst im Zusammenhang mit seinen Verdiensten im 1. Weltkrieg Ehrenbürgerschaften verliehen. Insbesondere anlässlich seines 70. Geburtstages im Jahr 1917 sprachen mehrere Städte diese Ehrung aus, an vielen Orten wurden »Hindenburgsteine« aufgestellt.

Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 (»Machtergreifung«) gingen erneut zahlreiche Städte des Deutschen Reichs dazu über, ihn, neben führenden Politikern der NSDAP, trotz fehlenden Ortsbezugs zu ihrem Ehrenbürger zu ernennen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden diese Ehrungen von einzelnen Städten wieder aberkannt.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 28. Februar 2017

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Die Dolchstoßlegende

Nach der Niederlage [im 1. Weltkrieg], die im Nachhinein durch die so genannte »Dolchstoßlegende« von vielen Deutschen bereitwillig uminterpretiert wurde, und dem Versailler Vertrag entwickelte sich zu Beginn der 1920er Jahre in vielen Köpfen eine Trotz-Haltung, ein »Jetzt erst recht«-Gedanke, der Kritik an der deutschen Kriegspolitik nicht zuließ.

Die »Dolchstoßlegende« ist eine Verschwörungstheorie der damaligen politisch Rechten, die 1919 von Feldmarschall Paul von Hindenburg, der unfähig war, sich das eigene Versagen bei der Kriegsführung im Ersten Weltkrieg einzugestehen, zusätzlich genährt wurde. Sie besagt, dass das deutsche Heer »im Felde unbesiegt« war, aber die Heimat ihm durch die Agitationen der politischen Linken und die Revolution 1918 in den Rücken gefallen sei. Diese Theorie entbehrt jeder berechtigten historischen Grundlage, sie stieß jedoch bei vielen Deutschen auf offene Ohren und trug, von den Nationalsozialisten bereitwillig aufgegriffen, schließlich auch zum Scheitern der Weimarer Republik bei. (Vgl. Helmut M. Müller, Schlaglichter der deutschen Geschichte. Bonn 2002.)

• Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg


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Reichskriegerbund »Kyffhäuser«

Der »Kyffhäuser-Bund der Deutschen Landes-Krieger-Verbände« führte diesen Namen seit dem 2. Mai 1900. Die Gesamtzahl der Stimmen im »Kyffhäuser-Bund« betrug 61, welche sich auf 27 deutsche Landesverbände mit 30 651 Vereinen und 2 703 772 Mitgliedern verteilten (1913).
Die Zeit des neuen Kyffhäuserbundes bis zum 1. Weltkrieg war, neben der Pflege der Kameradschaft und Wahrung alter Traditionen, geprägt von ideologischen Auseinandersetzungen mit der erstarkenden Sozialdemokratie. »Für Gott, König und Vaterland – Gegen die Sozialisten«. Nach dieser Devise handelten die deutschen Kriegervereine, der Sozialismus wurde als innerer nationaler Feind angesehen. Eine vom Vorstand des Deutschen Kriegerbundes bereits im Jahre 1888 herausgegebene Schrift bezeichnete ehemalige Soldaten, die sich zur Sozialdemokratie bekannten, als ihrem Fahneneid untreu und daher als unwürdig zu betrachten seien, den Kriegervereinen anzugehören. Dieser Kampf, besonders nach den Ergebnissen der Reichstagswahl 1903, rückte immer mehr in den Vordergrund und wurde schließlich von den Kriegervereinen selber als ihre wichtigste Pflicht betrachtet. Erst mit Beginn des 1. Weltkrieges hob der Kyffhäuserbund unter Zustimmung aller Landesverbände im Mai 1915 diese Satzungsbestimmung auf. Ein Zugeständnis auf die parteilose Kameradschaft auf den Schlachtfeldern.
Mit Ende des Krieges, der gleichzeitigen Auflösung der Monarchie und dem Chaos der Nachkriegszeit lebten die ideologischen Differenzen verstärkt wieder auf. Wenn auch viele ehemaligen Soldaten das Ende der Monarchie als Verrat ansahen und darüber enttäuscht und wütend waren, viel schlimmer wurde der »Schandvertrag« von Versailles angesehen.
Am 13./14. September 1919 fand die erste Vertreterversammlung nach dem Krieg statt. Es galt, neue Ziele und Wege zu finden, die dem verlorenen Krieg und der aufgelösten Monarchie Rechnung trugen. Der Präsident des Kyffhäuserbundes, Excellenz von Heeringen, bekräftigte nochmals in seiner Eröffnungsrede die Kyffhäuser-Idee. Es sei die Aufgabe des Kyffhäuserbundes, dem Kaiser und den Fürsten treue Erinnerung zu bewahren und nationales Pflichtbewusstsein zu leben. Deutsch leben und Deutsch denken hieß die Devise. Als äußeres Zeichen diesen Gedankens übertrug der Kyffhäuserbund dem Generalfeldmarschall von Hindenburg die Ehrenpräsidentschaft.

Ab 1922 – Deutscher Reichskriegerbund »Kyffhäuser«

1925 war ein besonderes Jahr für den Kyffhäuserbund. Erstmals fand ein gesamtdeutscher Kriegertag statt. Der Anklang bei den Veteranen war so groß, dass dieser Tag in den darauf folgenden Jahren wiederholt stattfand.
Auf der Kyffhäusertagung vom 7. Mai 1933 in Berlin bekannte sich der damalige Präsident mit dem ganzen Kyffhäuserbund zu Adolf Hitler und besiegelte damit das Ende der bis dato selbständigen Landesverbände. Die parlamentarische Vereinsführung wurde abgeschafft. An die Stelle des Mehrheitsbeschlusses trat die Führeranordnung. Eine Bundestracht mit Kyffhäusermütze und Kyffhäuserarmbinde wurde eingeführt, dazu musste die Hakenkreuz-Armbinde getragen werden.
Der Abschluss der inneren Organisation erfolgte am 1. April 1937 mit der Neugliederung des Kyffhäuserbundes, der in 13 Landesgebiete (nicht mehr Landesverbände) eingeteilt wurde. Diese entsprachen jetzt den Oberabschnitten der SS.

Ab 1938 – NS-Reichskriegerbund (»Kyffhäuserbund«) e.V.

Mit der Verordnung vom 4. März 1938 wurden alle anderen Soldatenbünde in den NS-Reichskriegerbund eingegliedert. Am 3. März 1943 löste Adolf Hitler den Kyffhäuserbund auf Reichsebene auf. Anlass war die verlorene Schlacht von Stalingrad. Das Vermögen wurde der NSDAP übertragen und die weiter bestehenden lokalen Vereine, die in der Endphase des 2. Weltkriegs den Grundstock für die Volkssturm-Einheiten bildeten, der Partei unterstellt.

Nach 1945

Durch das Kontrollratsgesetz Nr. 2 (Auflösung und Liquidierung der Naziorganisationen) vom 10. Oktober 1945 werden alle Organisationen und Einrichtungen, die der nationalsozialistischen Herrschaft gedient haben, »abgeschafft und für ungesetzlich erklärt«, so unter anderem auch der NS-Reichskriegerbund.
1952 begann die Wiedergründung des Verbandes mit allen Landesverbänden. Heute betont er seine Rolle als Reservisten- und Schießsportverband. Dass er sich dabei eher am rechten Rand des politischen Spektrums bewegt, macht ein Spiegel-Artikel von 1990 ansatzweise deutlich.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 28. Februar 2017


DER SPIEGEL, Nr. 44, 1990, S. 85 - 89


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I N H A L T

Das Denkmal
Begriffsklärung
Das Steinfeld
Der Bau
Die Geschichte

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Brekendorf, Kreis Rendsburg-Eckernförde

Auf dem kirchlichen Friedhof, Alter Bahndamm

Das monumentale Denkmal für die toten Soldaten beider Weltkriege steht auf einem Sandplatz, umgeben von einer gebogenen gestutzten Hecke. Es ist eine ca. 7 Meter hoher Turm mit stumpfer Spitze, die auf einer Grundfläche von 4 Meter x 4 Meter steht. Eingeweiht wurde das Denkmal am 11. September 1932, 14 Jahre nach dem 1., 7 Jahre vor dem 2. Weltkrieg.

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Es wurde von der Gemeinde in Auftrag gegeben, gemeinsam mit dem »Ehrenfriedhof« befindet es sich auf gemeindeeigenem Grund, umgeben vom kirchlichen Friedhof, der 1930 eingeweiht worden war und in Nachbarschaft zu der Friedhofskapelle von 1949.

SH Brekendorf gesamt web

Die Firma Obitz hat das Monument aufgebaut, es wurden ausschließlich einheimische, bräunliche Steine verwendet. Die Steine sind einseitig behauen, nur an den Ecken zweiseitig, sie haben völlig unterschiedliche Formen.

SH Brekendorf Stumpf web

Auf der Frontseite ist die Widmungstafel eingesetzt. Nach dem 2. Weltkrieg wurde in der Mitte der Fläche eine neue graue Granittafel eingepasst. Am 29. März 1950 wurde sie eingeweiht. 

SH Brekendorf Tafel vorne web

Alte und neue Buchstaben und Zahlen sind aus dem Stein herausgearbeitet, auf Mittelachse gesetzt. Der Text lautet zum 1. Weltkrieg, über und unter der neuen Tafel:

Wanderer verweile in Andacht
und künde zu Hause
wie wir als Männer gefallen
in Treue zur Heimat

Auf der gerahmten Tafel zum 2. Weltkrieg steht unter einem Eisernen Kreuz:

Unseren Gefallenen
und Vermissten
zum ehrenden Gedenken
1914-1918    1939-1945

Das Geld für die Tafel war 1950 in der Einwohnerschaft von Brekendorf gesammelt worden.

SH Brekendorf links web

Auf der linken Seite des Monuments ist ein abgeflachter Stein eingelassen. Unter einem Eisernen Kreuz steht:

Es starben fürs Vaterland
27 Kriegsteilnehmer der Gemeinde

 

SH Brekendorf rechts web


Auf der rechten Seite steht unter einem Stahlhelm im Relief:

Wir gedenken Eurer in Dankbarkeit
Spender der Gemeinde Brekendorf

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Begriffsklärung

Treue: »Trauer, Trost, Treue – das sei die deutsche Totenfeier!« So fasste Pastor Maulhardt seine Predigt zum Volkstrauertag 1926 zusammen. Die Treue der Gefallenen wird auf Denkmälern oft beschworen. [...] Sie verspricht den Toten damit »ewiges Gedenken«, ein Gedenken, das – wie die Liebe – den Tod transzendiert. Der Mythos der Treue, der Führer und Gefolgschaft zusammenschweißt und deshalb oft mit dem Attribut »heilig« in Verbindung gebracht wird, verpflichtet nun die Mit- und Nachwelt. Die Treue sei das Maß, an dem wir gemessen werden, meinte der Präsident des Deutschen Jagdbundes anlässlich der Gedenkveranstaltung des 8. Bundestreffens auf dem Hildesheimer Ehrenfriedhof. Treue sei aber nicht denkbar ohne Disziplin und ohne den Glauben an Gott. Kaum ein Begriff ist so anfällig gegen Missbrauch wie dieser.

zitiert aus Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 53. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006

Gefallene: »Gefallenendenkmal« verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort. Ralph Giordano rät deshalb, »gefallen« durch »umgebracht« zu ersetzen.
Neben diesem offenkundigen Euphemismus schränkt der Begriff »Gefallener« den Inhalt auf den Bedeutungsbereich ein, der im Englischen mit »killed in action« bezeichnet wird. Die deutsche Sprache bevorzugt auch dafür einen schönfärbenden Ausdruck: »im Felde gefallen« oder »auf dem Felde der Ehre gefallen«. Nicht auf ein »Gefallenendenkmal« gehörten demnach alle, die beim Beschuss der Unterkunft, im Lazarett, auf dem Transport oder in Gefangenschaft ums Leben kamen.

Ebd. S.22

Vaterland: Kriegerdenkmäler für den »gemeinen Mann« stehen in einer eigenen Tradition, die begann, als im 18. Jahrhundert das stehende Heer das Söldnerheer verdrängte und das stehende Heer sich durch die allgemeine Wehrpflicht – in Preußen 1814 eingeführt – zum Volksheer wandelte. Das Söldnerheer verrichtete ein riskantes aber Profit versprechendes Handwerk. Das Freiwilligen- oder Volksheer griff nicht des Geldes wegen zu den Waffen. Die Vorstellung, das Vaterland von feindlicher Besetzung zu befreien oder vor feindlichem Zugriff zu schützen, wurde auch in den Kriegen aufrechterhalten und propagiert, wo die Führung den Angriff befahl. Denkmäler tradieren seit ihrem ersten Auftreten die Überzeugung, im Krieg für drei traditionsreiche Werte gekämpft zu haben: »für das Vaterland als höchstem Gut, dem der Einzelne unter Aufbietung aller Kräfte diente, zweitens der Monarchie, der er sich bereitwillig unterordnete und drittens seinem überzeugtem Christentum.« (zitiert nach Lurz, Kriegerdenkmäler in Deutschland, Band 1, S. 260) Ein solches Bewusstsein lässt nicht daran zweifeln, auf der richtigen Seite und für die gute Sache gekämpft zu haben.

Ebd. S.78

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Das Steinfeld

Gegenüber dem Denkmal liegt der »Ehrenfriedhof«. Dort sind unter einer Blutbuche in symetrischer Form die Gedenksteine für die toten Soldaten beider Weltkriege aufgestellt.

SH Brekendorf Blutbuche web

Jeweils die beiden äusseren Reihen und die drei in der Mitte sind die größeren, oft kantigen Findlingssteine für die Soldaten des 1. Weltkriegs.

     SH Brekendorf Steinfeld1 web


Es werden Vor- und Zunamen genannt, wenn bekannt: Dienstgrad und Truppenzugehörigkeit, Geburts- und Todesdatum und Sterbeort.

     SH Brekendorf Steinfeld2 web


Eher abgerundete, kleinere Steine sind für die Soldaten des 2. Weltkriegs aufgestellt worden, in jeweils zwei inneren Reihen und im Bogen am hinteren Ende.

     SH Brekendorf Steinfeld3 web


Auf ihnen werden Vor- und Nachnamen, Geburts- und Todesdatum und Sterbeort genannt. Den Dienstgrad hat man hier weggelassen.

      SH Brekendorf Steinfeld4 web

Der rechte äußere Rand ist wieder den Soldaten des 1. Weltkriegs gewidmet.

SH Brekendorf Kapelle Steinfeld web

Die Friedhofskapelle St. Michaelis steht direkt neben dem Steinfeld. Sie wurde am 25. September 1949 – dem Michaelis-Tag – von Bischof Wester eingeweiht.

SH Brekendorf Kapelle web


Das Mauerwerk aus ungleichmäßigen, behauenen Feldsteinen ist zwar glatter als das des Kriegerdenkmals, aber das Gebäude scheint doch dem Kriegerdenkmal angeglichen worden zu sein, schon wegen der ungewöhnlichen schrägen Seitenwände hat man diesen Eindruck.

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Der Bau

Die Arbeiter der Firma Obitz mit einfachem Gerät am Werk. Die Tafeln vorne und an den Seiten sind schon eingesetzt.

SH Brekendorf Chronik Bau web

 

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Die Geschichte

Zwei Jahre nach Gründung des kirchlichen Friedhofs wurde das Kriegerdenkmal 1932 eingeweiht.

SH Brekendorf Chronik 1933 web

1933: Das »Ehrenmal« in der neu angepflanzten Anlage. Das ca. 7 Meter hohe Monument überragt noch die kleinen Bäumchen.

SH Brekendorf Chronik Weihe 1950 web

29. März 1950: Die Einweihung der ergänzenden Tafel am Denkmal zum 2. Weltkrieg. Pastor Lucht aus Hütten und Bürgermeister Hensen hielten Ansprachen. Die neuen Namenssteine der toten Soldaten des 2. Weltkriegs auf dem Steinfeld sind frisch gesetzt und von Pflanzen umgeben, die Blutbuche ist noch nicht gepflanzt.


SH Brekendorf 1950 web


Auf der rechten Seite des Denkmals: Vertreter der Feuerwehr, des Brekendorfer Turn- und Sportvereins von 1947 e.V. und der Schulchor mit Lehrer Hinze während der Einweihungsfeier. Ausserdem nahmen der Gemeinderat, Abgeordnete weiterer Vereine und viele Dorfbewohner teil.

Auf seiner Website hat der Brekendorfer TSV die Geschichte der Vereinsgründung 1947 dokumentiert.

Chronik des Brekendorfer TSV

 

SH Brekendorf Chronik VTT web


»Ehrenwache« am Volkstrauertag in einem späteren Jahr: es gibt ein Blumenbeet vor dem Denkmal, aber noch keine hohe Hecke drumherum.


• Die historischen Fotos und Informationen haben wir dem Buch »Hüttener Chroniken«, 1996 herausgegeben von der Gemeinde Brekendorf, bearbeitet von Claus Voigt entnommen. Wir durften das Buch in der Präsenzbibliothek der Heimatgemeinschaft Eckernförde e.V. einsehen. Herzlichen Dank!

Hier können Sie die »Hüttener Chroniken« bestellen: Amt Hüttener Berge, Telefon 043 56 / 99 49 0


Am 8. April 2014 wird dann auf der Sitzung der Gemeindevertretung die fällige Sanierung des gemeindlichen »Ehrenmals« behandelt:

»BGM Guthardt informiert, dass das Ehrenmal dringend saniert werden müsste. Das Regenwasser hat den oberen Teil stark angegriffen und den Mörtel teils zersetzt. Es liegt hierzu ein Kostenvoranschlag i.H.v. 3.560,48 Euro brutto vor. [...] GV Kraft schlägt vor, auf dem Ehrenmal evt. eine Haube anzubringen oder eine Dichtungsmasse aufzutragen.«

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I N H A L T
Das Denkmal
Aus der Geschichte
Eine historische Postkarte
Antikisierte Kämpfer
Die Zwangsarbeiter
Der »Ehrenhain« in Fockbek

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Büdelsdorf,
Kreis Rendsburg-Eckernförde

Vier kniende Krieger in einer Grünanlage an der Hollerstraße / Ecke Parkallee

Das Kriegerdenkmal ist 1930 errichtet worden. Auf einem runden Natursteinsockel wird eine große Opferschale von vier knienden, halbnackten Kriegern mit Stahlhelm und Schwert getragen. Auf die Unterseite der Schale sind in acht Spalten die 206 Namen der getöteten Soldaten des 1.Weltkriegs graviert. Der Berliner Bildhauer Alfred Ehlers (31. Juli 1885 Wechselburg - 1956 Neweton Abbey/Devon GB) hat das Denkmal nach den Vorstellungen von Julius Ahlmann, dem Direktor der Eisengießerei Ahlmann-Carlshütte, entworfen. 

Das Denkmal ist am 10. Dezember 1930 nach der Weiherede von Prof. Baumgarten aus Kiel enthüllt worden.

SH Budelsdorf Ganz

Inschriften
Außen umlaufend:
Unseren gefallenen Brüdern aus dem Weltkrieg 1914 – 1918 zum treuen Gedenken

Zwischen den Namen:
Die Treue steht zuerst, zuletzt im Himmel und auf Erden. Wer ganz die Seele dreingesetzt, dem muss die Krone werden
(E. M. Arndt)


Ein Held ist, wer sein Leben Grossem opfert (Grillparzer)

Wir sanken hin für Deutschlands Glanz, blüh, Deutschland, uns als Totenkranz! Blüh, Deutschland überm Grabe mein, jung, stark und schön als Heldenhain (Walter Flex)

Lasst uns Vertrauen zueinander fassen und unsere Pflicht tun (Hindenburg)

Seele, vergiss sie nicht, Seele, vergiss nicht die Toten
(Fr. Hebbel)


Nur in der eigenen Kraft ruht das Schicksal jeder Nation (Moltke)

Nun seid Ihr längst versunken in Schlaf und tiefen Traum und schwingt Euch ahnungstrunken hoch über Zeit und Raum (Fr.Hebbel)

Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen
(Heinr. Lersch)


Unter der Schale ein umlaufendes Band mit eingravierten Zeichnungen.

SH Budelsdorf Bild


Eine liegende Gedenktafel mit den Namen von 72 getöteten Soldaten des 1.Weltkriegs.
Inschrift: 1914 (Eisernes Kreuz) 1918 
Unseren Gefallenen zum Gedächtnis


Acht Gedenktafeln mit 309 Namen von getöteten Soldaten des 2.Weltkriegs.
Inschriften: In Trauer und Ehrfurcht gedenken die Einwohner der Gemeinde Büdelsdorf ihrer in den Kampfhandlungen und bei der Vertreibung Gefallenen und Verschollenen
Allen Ungenannten zum Gedenken

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Aus der Geschichte

... Eisenguss der Carlshütte nach Entwurf von Alfred [?] Ehlers, Berlin, für die Gefallenen der Fabrik im Ersten Weltkrieg, in einer Einweihungszeremonie am 10.12.1930 der Gemeinde Büdelsdorf übergeben. Das Werk geprägt vom Motiv der antiken Opferschale, das auf den damaligen Firmenchef Julius Ahlmann zurückgeht. Auf rundem Sockel aus Feldsteinen vier kniende nackte Soldaten, jeweils mit nach unten zeigendem Schwert vor dem Unterleib, die eine flache Schale mit Inschriften (Zitaten), Namen der Kriegstoten sowie astrologische bzw. astronomische Zeichen tragen.

Auf deren unterem Rand umlaufend flach reliefierte Figuren tanzender Mädchen, in den Krieg ziehender Soldaten und Abschied nehmender Zivilisten. Vier Gedenkplatten für Gefallene des Zweiten Weltkrieges, auf leicht geneigten Sockeln aus Granitquadern zu beiden Seiten des umlaufenden Weges nachträglich aufgestellt. ...

• Zitiert aus »Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein / Kreis Rendburg-Eckernförde, Band 4.1, Seite 348/350

Der Wunsch, ein Gefallenendenkmal in Büdelsdorf zu schaffen, wird von Julius Ahlmann nach manchen Beratungen mit dem Bildhauer Ehlers, Berlin, in die Tat umgesetzt. Die Arbeitskameraden der 72 Gefallenen der Carlshütte gießen nach der von Ahlmann gewählten antiken Opferschale, die von vier knienden Kriegern getragen wird, das Denkmal. Die Namen aller Kriegsopfer der Gemeinde Büdelsdorf sind auf der Schale von dem Künstler für die Nachfahren angebracht. Am 10.12.1930 wird das Denkmal nach der Weiherede Professor Baumgartens, Kiel, unter großer Anteilnahme der Gemeinde enthüllt und von Julius Ahlmann dem Schutz der Gemeinde übergeben.

SH Buedelsdorf Chronik 1952 web

• Aus »125 Jahre Carlshütte«, 1952, herausgegeben von der Ahlmann-Carlshütte K.G., Rendsburg

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Eine historische Postkarte

SH Buedelsdorf Hollersche Carlshutte 1930 web

• aus dem Jahr 1930

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Antikisierte Kämpfer

Wenn Bildhauer sich für figürliche Motive entschieden, waren das meist Krieger bzw. Kämpfer. Das heißt, es wurde entweder der zeitgenössische Soldat in Uniform oder ein nackter antikisierter Kämpfer dargestellt.

Mit dem Motiv des nackten Kämpfers demonstrierten die Denkmalsstifter ihre revanchistischen und kriegsverherrlichenden Ansichten. Völlig ungeachtet, nachgerade in bewusster Ignoranz der Realität der Schlachten des Ersten Weltkriegs mit Panzern, Maschinengewehren und Giftgas wurde mit dem antiken Kämpfer eine zeitlose Form von Heldentum propagiert, bei der der Einzelne im Kampf Mann gegen Mann höchste Mannestugend verwirklichen kann. Dieses Bild des starken jungen Mannes sollte zum neuen Kampf anspornen und war, gerade wenn die nackten Krieger mit Waffen dargestellt wurden, ebenso gegen den Versailler Vertrag gerichtet. Trägt der nackte Krieger einen Stahlhelm, wurde hier bildlich die Brücke zur damaligen Gegenwart geschlagen.

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

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Die Zwangsarbeiter

In Büdelsdorf waren während des 2. Weltkriegs etwa 2 200 Zwangsarbeiter verschiedener Nationalitäten untergebracht, darunter über 1 200 sowjetische Staatsbürger. Die meisten von ihnen arbeiteten in der Ahlmann-Carlshütte, in der Munition, Teile für Panzerwagen und Kriegsschiffe sowie anderes Kriegsmaterial hergestellt wurden.
Auf dem Gemeindefriedhof sind 27 polnische, 29 sowjetische, zwei tschechische und zwei Tote unbekannter Nationalität bestattet – Opfer von Kriegsgefangenschaft bzw. Zwangsarbeit, darunter 13 Kinder und Säuglinge. Ein Gedenkstein für die sowjetischen Toten teilt in russischer Sprache mit:

Hier ruhen Sowjetbürger, umgekommen unter dem faschistischen Regime 1941-1945

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Der Ehrenhain in Fockbek

Wenige Kilometer entfernt weist in Fockbek an einem Wäldchen ein Schild an der Straße auf den »Ehrenhain der Vertriebenen« hin.

SH Fockbek Schild 3 web


     SH Fockbek Schild 1 web

Davor noch ein hoher Stein, an dem eine Metallplatte angebracht worden ist.


SH Fockbek Schild 2 web


Darauf ist der Gedenk- und Versammlungsplatz im Wald schon mal als Miniausgabe zu sehen.

 

SH Fockbek Platz web


Mitten im Wald öffnet sich dann eine Lichtung mit folgendem Szenario: eine Erhöhung zu der fünf Stufen führen, am unteren Rand sind kleine Findlinge mit den Wappen der ehemaligen deutschen Ostgebiete aufgestellt, oben steht der große Hauptstein.

 

SH Fockbek Tafel web


Auf der großen Metallplatte ist eine Landkarte mit den Grenzen von Deutschland abgebildet, wie sie vor den beiden vom Deutschen Reich begonnenen Weltkriegen bestanden.

Darunter eine kleinere Platte mit der Aufschrift:  

Das ganze Deutschland unvergessen.
Das gesamte deutsche Volk bleibt aufgefordert,
in freier Selbstbestimmung
die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden.

SH Fockbek Fahnenstangen web


Am Rand der Lichtung stehen Fahnenmasten.

SH Fockbek Baenke web


Viele Bänke weisen auf größere Versammlungen hin.

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> Weiße Wäsche – Kunstaktion 2014

 

Kurzfilme zu den Denkmälern

Seit ein paar Jahren existiert die Website www.denk-mal-gegen-krieg.de, auf der die Evangelische Akademie sich kritisch mit der bestehenden Erinnerungskultur auseinandersetzt. Die häufigsten Erinnerungsmale an die vergangenen Kriege sind Kriegerdenkmäler, auf denen der Soldatentod verklärt und die zivilen Opfer verschwiegen werden.

Aktuell produzieren wir kurze Videos und stellen diese in der kommenden Zeit jeweils donnerstags online. Den Film über die Denkmalsanlage in Bünningstedt können Sie hier sehen: YouTube>Einführung zur Filmreihe bei YouTube> und Bünningstedt bei Facebook>


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I N H A L T
Das Denkmal
Die Steine zum 2. Weltkrieg
Volkstrauertag 2012
Die plattdeutsche Inschrift
Die Eiche im Sturmwind
Das Schwert
Findlinge

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Bünningstedt, Ortsteil von Ammersbek im Kreis Stormarn

Gepflegte Anlage neben dem Feuerwehrhaus

Dreiteiliges Denkmal mit einem kantigen Findling im Zentrum. Der Findling und rechts und links von ihm je eine gleichartige Steinplatte stehen vereint auf einer niedrigen Granitsteinmauer.

SH Buenningstedt gesamt


Der Findling in der Mitte ist der Gedenkstein für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs.

SH Buenningstedt Anlage web


Unser zweiter Besuch im Frühjahr 2020: ein Kurzfilm für unsere neue Filmserie zu Kriegerdenkmälern wird aufgenommen – verändert hat sich nichts in vier Jahren.

 

SH Buenningstedt Stein

Die plattdeutsche Inschrift lautet:

1914 / 1918
As in a Stormwind
de Eekboom,
stebig un stark,
so hebt se wehrt sick –
tru bit int Mark

Auf Hochdeutsch: Wie die Eiche im Sturmwind, standhaft und stark, so haben sie sich gewehrt – treu bis ins Mark

SH Buenningstedt Schwert web

Neben der plattdeutschen Inschrift ist ein gesenktes Schwert aus Metall befestigt. Es ist detailreich geatbeitet, die Klinge ist mit einem Band umwickelt. 

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Die Steine zum 2. Weltkrieg

Zwei sich nach unten verjüngende Steinplatten, Grabsteinen ähnlich, flankieren den Findling. Sie sind den Toten des 2. Weltkriegs gewidmet.

SH Buenningstedt 2WK Stein links web

Die Widmung auf dem linken Stein:
DEM GEDENKEN
UNSERER TOTEN
1939=1945


Wer ist mit den »Toten« gemeint? Die Opfer des Vernichtungskriegs der Deutschen Wehrmacht oder die toten Wehrmachtssoldaten auch? Werden hierbei auch die Opfer des Naziterrors erfasst, Jüdinnen und Juden, die Menschen im Widerstand, sogenannte Behinderte ... wir erfahren es nicht.


»Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. ›Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben‹ (Ralph Giordano, Die zweite Schuld).«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 29

SH Buenningstedt Stein rechts neu web


Die Zuschreibung auf dem rechten Stein:
SIE OPFERTEN IHR
LEBEN FÜR VOLK
UND HEIMAT

Die Formulierung »Volk und Heimat« läßt vermuten, dass sich die Denkmalsstifter auch nach dem 2. Weltkrieg noch anhaltend mit dem Begriff der »Volksgemeinschaft« identifiziert haben.

»Das Ziel nationalsozialistischer Politik lag in der Herstellung der ›Volksgemeinschaft‹, einer Gesellschaftsordnung, der nur die ›erbbiologisch wertvollen‹ und ›rassereinen‹ Deutschen angehören und aus der die ›Fremdvölkischen‹ und ›Gemeinschaftsfremden‹, allen voran die Juden, ausgeschlossen werden sollten.«

Michael Wildt, Bundeszentrale für politische Bildung, 2012

Mehr dazu auf www.bpb.de

Heute ist die »Deutsche Liga für Volk und Heimat« (DLVH) eine rechtsextreme politische Organisation, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

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Volkstrauertag 2012


SH Buenningstedt Ajepbah Wikimedia Commons

Foto: Ajepbah/wikimedia commons

● Viele ehrende Kränze an den drei Denkmalssteinen in Bünningstedt

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Die plattdeutsche Inschrift

»Wie die Eiche im Sturmwind, standhaft und stark, so haben sie sich gewehrt – treu bis ins Mark« – auf plattdeutsch klingt es dann noch erdverbundener und heimattreuer.

Die Soldaten des deutschen Heeres hätten sich gewehrt und in großer Standhaftigkeit und Treue ihre Heimat verteidigt will uns diese Gedicht sagen. Wie war es wirklich?
Das deutsche Heer überfiel das neutrale Belgien, um auf schnellstem Weg zum Erzfeind Frankreich zu gelangen, verübte unterwegs einige Massaker an der Zivilbevölkerung und marschierte dann gen Frankreich, mit dem sich das Deutsche Reich im Kriegszustand befand. Die Verdrehung der Tatsachen war gang und gäbe, wie auch die folgende Postkarte zeigt, die damals in großer Zahl gedruckt und verschickt wurde.

     Eisernes Kreuz 1WK Kaiser web

Arnulf Sriba schreibt dazu auf LeMO, Deutsches Historisches Museum, Berlin:

»Der Erste Weltkrieg war eine Materialschlacht – auch in der Propaganda. Für alle kriegerischen Auseinandersetzungen gilt, dass Objektivität und Ausgewogenheit den eigenen Interessen zumeist entgegenlaufen. Wenn das vermeintliche Wohl und die Zukunft des Staates auf dem Spiel stehen, ist es das Ziel einer jeden Regierung, den Fluss unabhängiger Informationen so weit es geht zu unterbinden und eine geschlossene Meinungsfront aufzubauen, um einen möglichst großen Teil der Bevölkerung hinter sich zu vereinen und Zustimmung für das eigene Handeln zu erhalten. Gleichzeitig gilt es, die Bevölkerung zu mobilisieren und keinen Zweifel an der Richtigkeit der Entscheidungen und am glücklichen Ausgang des Konfliktes aufkommen zu lassen. In der national aufgeladenen, zum Teil hysterische Züge tragenden Atmosphäre sich überbietender Vaterlandsliebe bedurfte es keiner staatlichen Einflussnahme, um im Sommer 1914 Millionen Deutsche geistig für den Kampf zu mobilisieren.«

Mehr dazu bei »Lebendiges Museum online« (LeMO)


Erstaunlich, dass wir diese »Fake News« vom standhaften Wehren des deutschen Heeres bis heute unkommentiert in Bünningstedt lesen können.


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Die Eiche im Sturmwind

»Die Eiche ist knorrig. So kann man sich auch die alten Germanen vorstellen, weniger die feinsinnigen Römer. Die Eiche ist überdauernd. Das wollten auch die Deutschen im Heiligen Römischen Reich. Die Eiche ist standfest. Treue, unerschütterliche Souveränität schrieben die deutschen Fürsten und Könige auf ihr Panier – und nach ihnen Adolf Hitler. Mit der Reichsgründung 1871 und dem Gefühl nationaler Einheit zog das Eichenlaub in die deutsche Symbolsprache ein. Auf deutschen Ehrenmalen, Kränzen, Hoheitszeichen, Orden und dergleichen diente es in ähnlicher Form wie Zweige des Lorbeerstrauches. Das Parteiabzeichen bzw. Parteisymbol der NSDAP hatte von 1920 bis 1945 einen Adler als Zeichen, der einen Eichenkranz in seinen Fängen hielt. Unerschütterlich ›wie die deutsche Eiche‹ und ähnliche Sprüche ließ die NS-Propaganda ab 1933 in Zeitungen veröffentlichen und über Lautsprecher verkünden. Da griff dann auch der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler zum Spaten und pflanzte Eichen. [...] Im deutschen Volk wurde Hitler nach seiner Ernennung zum Reichskanzler fast schlagartig mit der deutschen Eiche gleichgesetzt. Denn für ihn pflanzten fast alle Städte und Dörfer, Stadt- und Ortsteile ihre ›Hitler-Eichen‹ und manchmal auch Linden. Es müssen Zigtausende gewesen sein, die teils noch stehen und bekannt sind, meistens inzwischen vergessen, wenn sie nicht schon 1945 umgehauen wurden.«

• Wolf Stegemann, 20. Januar 2014 auf der Website >www.rothenburg-unterm-hakenkreuz.de


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Das Schwert

Das Schwert verweist auf die Helden der Antike und damit auf  eine »edle Gesinnung der Kämpfenden«. Artus, Parzival, Roland, Siegfried & Co. – tragen ihre Schwerter als Recken der Tapferkeit und Treue. Auf den Kriegerdenkmälern fordern Schwerter, selbst wenn sie als Zeichen der Niederlage gesenkt oder abgebrochen dargestellt werden, die nachfolgenden Generationen zu »Wehrwillen und Mannhaftigkeit« auf.

Das Schwert ist in der Menschheitsgeschichte die erste ausschließlich zum Töten anderer Menschen geschaffene Waffe. Ein Symbol der Macht: Wer auf dem Schlachtfeld unterlag, übergab dem Sieger seine Waffe. Das Schwert verleiht den Status eines Herrschers. Die englische Königin führt den Ritterschlag bis heute mit dem Schwert aus.

Nach dem Mittelalter verlor das Schwert seine Bedeutung als Waffe – und wurde in der Symbolsprache der Propaganda umso wichtiger. Im 1. Weltkrieg, dem ersten industriellen Krieg in der Geschichte, hatte das Schwert als Bild-Symbol auf Orden und Medaillen Hochkonjunktur. Auch im Nationalsozialismus galt das Schwert als Zeichen für heldenhaften Kampf, obwohl es natürlich nicht mehr benutzt wurde.

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Findlinge

»Findlinge wecken Assoziationen zu germanischen und keltischen Hünengräbern und Dolmen. Die Romantik entdeckte sie wieder, nach den Befreiungskriegen verbreiteten sie sich als Denkmalstyp und setzten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts vorwiegend in Norddeutschland gegen den Obelisk durch. [...]

Findlinge sind große (Granit-)Steine aus der heimatlichen Landschaft. Die Denkmalstifter holten sie oft selbst aus der Heide oder aus dem Harz mühevoll herbei. Als Monolith steht der Findling für die Einheit des Landes, fast unbearbeitet, strahlt er Naturwüchsigkeit aus, selbst ein Teil der uralten Überlieferung mahnt er zu ewigem Gedenken.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg, 2006, S. 134

»Germanisierende Motive finden sich in Gestalt zahlreicher Findlingsdenkmäler. In den Hünengräbern sah man ›Vorbilder für Erinnerungsmale, würdig der Größe des Opfers, das die Söhne unseres Volkes gebracht haben‹.«

• Gerhard Schneider, »... nicht umsonst gefallen«?, Hannoversche Geschichtsblätter 1991, S. 203

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»... tru bit int Mark«

Die Gemeinde Ammersbek wünscht sich eine Kommentierung

In der Gemeinde Ammersbek gibt es gleich zwei Denkmäler zum Gedenken an die getöteten Soldaten. Der Bürgermeister und das KunstHaus am Schüberg haben schon viele gemeinsame Projekte durchgeführt. So sollte es auch diesmal sein.

Die Intention der Kunstaktion

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Echo in den Medien

Das Hamburger Abendblatt berichtet am 11. September 2014

Hmb Abendblatt 11 web


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Kunstaktion

Ab Freitag, 29. August 2014 ab 15:00 Uhr war die Kunstinstallation am alten Dorfplatz in Hoisbüttel und anschließend an der Dorfstraße in Bünningstedt für 10 Tage zu sehen. Eine öffentliche Diskussion fand statt am Donnerstag, 4. September um 19:00 Uhr im Gemeindezentrum »An der Lottbek« in Ammersbek.

Eine kleine, aber feine Runde diskutierte im Gemeindezentrum. Es wurde von der Aktion »Gedankenloses Gedenken« der Nachbargemeinde Bergstedt und von mulmigen Gefühlen beim bisherigen Ritual am Volkstrauertag in Ammersbek berichtet. Am Ende eines lebhaften Gesprächs stand wieder die Frage: Muss alles so bleiben wie es ist? Wie ist Ihre Meinung dazu, liebe Ammersbeker?

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Einladung

auf der Website der ev.-luth. Kirchengemeinde Hoisbüttel

SH Hoisbuettel Diskussion web


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Am Freitag, 29. August 2014
um 15:00 Uhr in Hoisbüttel


SH Hoisbuttel Aktion7

SH Hoisbuttel Aktion4

● Pastor Ulrich Hentschel spricht über die künstlerische Intervention.

SH Hoisbuttel Aktion5

● Bürgermeister Horst Ansén und Bürgervorsteherin Ingeborg Reckling im Gespräch mit interessierten Ammersbekern.

SH Hoisbuttel Aktion1

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Am Freitag, 29. August 2014
um 16:00 Uhr in Bünningstedt

SH Buenningstedt Aktion1

SH Buenningstedt Aktion2

● Alle sind gespannt auf die Reaktionen der Ammersbeker und auf die Diskussion am Donnerstag, 4. September um 19:00 Uhr im Gemeindezentrum »An der Lottbek«.


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Im »Markt« wird die Kunstaktion am 27. August 2014 angekündigt:

SH Amm Markt 27 August web

 

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Am 26. August 2014 konnte man den Artikel »Weiße Wäsche als provokantes Gegenbild zu Kriegerdenkmälern« lesen.

Hamburger Abendblatt, Ausgabe Stormarn

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Wappen
Die Einweihung
Historische Postkarten
Volkstrauertag 2017
Die St. Clemens-Kirche

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Büsum, Kreis Dithmarschen

Im Park vor dem Rathaus

Das Kriegerdenkmal aus Keramik steht im denkmalgeschützten Park zwischen Rathaus und Wasserspiel, es ist von drei Fahnenmasten umgeben. 1926 ist es errichtet worden. Den Entwurf fertigte der Architekt Johann Hebbel aus Itzehoe, bei ihm lag auch die Bauleitung. Die Bildhauerarbeiten wurden von Emil Ernst Becker (1877 - 1966) in Hamburg ausgeführt und von den keramischen Werkstätten von W. Memerstorf in Wandsbek vollendet. Sie alle sind im Wappen auf der Rückseite des Denkmals aufgeführt. Name, Fertigungsjahr und Heimatort des Bildhauers sind ausserdem in den Stahlhelm eingeritzt: E.E. Becker 1926, darunter: Bildh. Hbg.; Emil Ernst Becker hatte 1930 auch einen Entwurf für das zentrale Kriegerdenkmal in Hamburg am Rathausmarkt eingereicht, der Entwurf des Architekten Klaus Hoffmann und des Bildhauers Ernst Barlach wurde damals realisiert.

Kriegerdenkmal Hamburg Mitte

SH Buesum Rathaus Radler59 Wikimedia Commons web
Foto: Radler59 / Wikimedia Commons


Ein mit Keramikfliesen ummantelter Sarkophag steht auf einem abgeschrägten Sockel, der an der Frontseite so breit ist, dass die Skulptur eines niedergesunkenen Soldaten dort Platz hat. Unter der streng gemusterten Abschlusskante des Sarkophags sind rechts und links Fliesen mit den Jahreszahlen des 1. Weltkriegs eingefügt. Nachträglich sind leicht nach aussen versetzt die Jahreszahlen des 2. Weltkriegs ergänzt worden. Die Widmung auf dem Sockel lautet:

Den im Weltkriege gefallenen Helden
Die Ortsgemeinde Büsum

Die zweite Zeile ist links mit einem Eichen-, rechts mit einem Lorbeerzweig verziert. Ziffern und Buchstaben sind erhaben gearbeitet.

SH Buesum Rathaus Assenmacher Wikimedia Commons web
Foto: Assenmacher / Wikimedia Commons

Der niedergesunkene Soldat – ebenfalls kunstvoll aus Keramikteilen zusammengesetzt – presst den rechten Arm in die Seite, sein kantiges Gesicht ist zu seinem Stahlhelm gewandt, der vor ihm am Boden liegt. Unter dem Helm guckt sein Kurzschwert hervor. Er trägt einen Uniformmantel und Stiefel. Nur seine Haltung lässt uns vermuten, dass er verletzt worden ist.

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Die Wappen

SH Buesum Rathaus Rueckseite Assenmacher Wikimedia Commons web
Foto: Assenmacher / Wikimedia Commons


Auf der Rückseite sind drei Keramikwappen mit interessanten Reliefs eingefügt.

 

SH Buesum Rathaus Rueck Detail Assenmacher Wikimedia Commons web

Das linke Relief zeigt Clemens I. Er war als Bischof von Rom zweiter oder dritter Nachfolger des Apostels Petrus. Er ist der Verfasser des ersten Clemensbriefes und die erste bedeutende Gestalt des Christentums nach Paulus von Taurus. Der Legende nach starb der heilige Clemens den Märtyrertod, indem er an einem Anker im Meer versenkt wurde. Darum wird Clemens oft als Papst mit einem Anker gekennzeichnet. Papst Clemens I. gilt unter anderem auch als Schutzpatron der Seeleute. Darum ist es nicht verwunderlich, ihn im Wappen eines Küstenortes zu finden. Die Bewohner der früheren Insel Büsum waren von jeher der Seefahrt eng verbunden. Das alte Kirchspielssiegel aus dem Jahre 1281 zeigte die Figur des heiligen Clemens mit Anker und zum Segen erhobener Linken, ganz so wie auf dieser Keramikfliese. Bis zum Jahre 1934 zierte das Bildnis die amtlichen Schreiben. Nach der Wiederbelebung der Kirchspielsgemeinde in Form eines Amtes im Jahre 1950 fand das Bildsiegel Eingang in das 1991 genehmigte Wappen. Der heilige Clemens ist Namensgeber der Kirche hinter dem Rathaus (siehe historische Postkarten weiter unten).

Das rechte Relief ist das Kreiswappen von Dithmarschen: Auf galoppierenden Pferd mit Sattel, Zaumzeug und Satteldecke der gerüstete, ein Schwert über dem Kopf schwingende Reiter mit Helmbusch. Das Wappen, der Dithmarscher Reiter, wurde nach der Eroberung des Landes durch den dänischen König Friedrich II. eingeführt, tauchte aber ursprünglich nur im Siegel des Fürsten auf. Da es einen Ritter zeigt, war es im auf seine Zeit als Bauernrepublik stolzen Dithmarschen bis nach 1945 heftig umstritten. Ob der Reiter den Heiligen Georg darstellen soll oder wie in der älteren Forschung angenommen die Kavallerie des dänischen Königs symbolisiert, ist unklar.

 SH Buesum Rathaus Rueck Signet Assenmacher Wikimedia Commons web


Auf dem Wappenrelief in der Mitte befindet sich ein Eisernes Kreuz (Kaiserkrone, »W« für Wilhelm II. und 1914) umgeben von Buchstaben und von allerlei gestrichelten Mustern. 

Text oben:
Errichtet im Jahre 1926 durch Arch Joh Hebbel Itzehoe

Text unten:
Bildh Becker HBG-Keramik Memerstorf

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Die Adresse

SH Buesum Kaiser Wihelm Platz Radler59 Wkimedia Commons web
Foto: Radler59 / Wikimedia Commons


Passend zum Eisernen Kreuz heißt die Adresse »Kaiser-Wilhelm-Platz«.

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Die Einweihung

SH Buesum Einweihung web


Am 10. August 1926 erschien in den »Büsumer Nachrichten« ein Artikel über die Einweihung des Kriegerdenkmals im dem Zeitgeist zwischen den Weltkriegen entsprechenden heroisierenden Ton:

Nun hat auch die Ortsgemeinde Büsum ihren gefallenen Söhnen ein Ehrenmal errichtet ... Die Wirkung ist stark, das Denkmal hat einstimmig volle Anerkennung gefunden. So wird es den Angehörigen in der Gemeinde eine Stätte stillen Gedenkens sein, der Mitwelt soll es ein Mahnruf sein, nicht zu vergessen, daß diese treuen Toten für uns gestorben sind und der Nachwelt ein Vorbild höchster Pflichterfüllung.

... Nach dem Trutzlied unseres Dr. Martin Luther: »Ein feste Burg ist unser Gott« bestieg Herr Konsistorialrat Propst Heesch die neben dem Denkmal errichtete Kanzel um einen Feldgottesdienst abzuhalten. In tief zu Herzen gehenden Worten legte er seiner Predigt das Bibelwort zu Grunde: »Sei getreu bis in den Tod, so will ich Dir die Krone des Lebens geben!« Sie, deren Andenken wir heute ehren wollen, haben mit dem Heldentod auf dem Felde der Ehre uns, der Heimat und dem Vaterlande die Treue gehalten. Lasset uns auch die Treue halten, unserm Gott, uns selbst und dem Vaterland, ein Jeder an seiner Stelle, mag er sein Arbeiter oder Beamter, Bauer oder Handwerker. Das ist der beste Dank des deutschen Volkes und es wird der Weg zum Aufstieg des Vaterlandes sein. Dann sind die großen Opfer nicht umsonst gebracht. – Feierlich erklingt das Niederländische Dankgebet über den weiten Raum und wie ein Aufschrei braust es: »Herr, mach uns frei!« ...

Lesen Sie unten den vollständigen Artikel im PDF. Wir danken herzlich Silke Herbst vom Amtsarchiv Büsum Wesselburen für das Faksimile.

Büsumer Nachrichten 1926

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Historische Postkarten

SH Buesum Historisch 1 web

 

SH Buesum Historisch 2 web

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Volkstrauertag 2017

SH Buesum VTT 2017 web
Ehrende Kränze und eine lange Tannengirlande schmücken den »Helden«.

• Wir danken Familie Meissner für das Foto!

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Die St. Clemens-Kirche

Hinter dem Rathaus befindet sich die St. Clemens-Kirche. An der Wand neben der Kanzel ist eine Gedenktafel in Fensterform eingelassen:

1914  (Eisernes Kreuz)  1918
Für das Vaterland starben getreu bis in den Tod:

Hier werden die Namen von 114 getöteten Soldaten aufgeführt

Ehre ihrem Andenken

Buesum St. Clemens Assenmacher Wikimedia Commons web


Am Fuß des Glockenturms ist eine kleine »Ehrenhalle« eingerichtet.

Busum Glockenturm mit Ehrenhalle Assenmacher Wikimedia Commons web

Beide Fotos: Assenmacher / Wikimedia Commons

Das ist die Crux mit »Ehrenhallen«: eine Seite schön geschmückt ....

SH Buesum Ehrenhalle1 web


... aber Putzzeug und Müll müssen ja auch irgendwo hin!

SH Buesum Ehrenhalle2 web

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