TRADITIONEN WERDEN GEPFLEGT

Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein

»Die Auseinandersetzung mit den Denkmälern gehört zu unserer Erinnerungskultur. Dabei wird sichtbar, dass wir auch als Kirche lernen, die eigenen Verstrickungen in die Geschichte von Krieg und Gewalt kritisch zu beleuchten. Die Erinnerung ist notwendig, um in der Gegenwart Versöhnung zu leben und auch in Zukunft dem Frieden zu dienen.

Unter dem Motto: ›Erinnern – Erkennen – Gestalten‹ greift die Evangelische Akademie Hamburg einen Appell der Synode der Nordkirche auf, sich kritisch mit den vielen hundert Ehrenmalen im Lande auseinanderzusetzen.

Gerade die vielen öffentlichen Ehrenmäler zum ersten Weltkrieg zeigen den damals prägenden Einfluss nationalistischer und auch nationalsozialistischer Ideologie. Ehrenmale zum Zweiten Weltkrieg stehen nicht selten noch unter dem Einfluss der Formensprache jener Zeit.«

Gothard Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein


Die in den Dörfern und Städten Schleswig-Holsteins zahlreichen Kriegerdenkmäler sind oft im Zentrum des Ortes aufgebaut oder in eigene Grünanlagen integriert. Die häufig zu findenden Namenstafeln getöteter Soldaten, die der persönlichen Erinnerung dienen sollen, sind gleichwohl mit den verbreiteten Deutungen versehen: Verehrung der Soldaten als Helden, Verklärung ihres Todes als Opfer für König und Vaterland und Legitimation des Krieges bestimmen diese Denkmäler. Aufrufe zum Frieden und gegen Krieg finden sich eher selten. Soweit bekannt, werden diese Kriegerdenkmäler fast überall am Volkstrauertag für die traditionellen Rituale des Gedenkens genutzt. Einige sind weitgehend unbeachtet, zum Beispiel der überlebensgroße »Held« in Eckernförde und selbst Einheimischen nicht immer bekannt.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

Ein Klick auf den schwarzen Balken am Anfang der Denkmaldokumentation von

Ahrensburg   Bünningstedt   Hoisbüttel

öffnet die Berichte über die temporäre Kunstaktion der Evangelischen Akademie in Zusammenarbeit mit dem KunstHaus am Schüberg im Sommer 2014: »Kriegerdenkmäler – Stumme Zeugen ins Gespräch bringen«.

Fotos: Marlise Appel, Evangelische Akademie der Nordkirche, wenn nicht anders angegeben.

 

 

I N H A L T
Das Denkmal
Für uns
Für Deutschland gestorben
Aus der Geschichte

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Haale,
Kreis Rendsburg-Eckernförde

Große baumbestandene Anlage

Eine gemauerte Treppe führt auf die Anhöhe. Das Denkmal für den 1.Weltkrieg ist ein aus Natursteinen aufgesetzter gestufter Kubus, auf der Spitze eine Kugel trägt. An allen vier Seiten sind Schrifttafeln aus hellerem Stein angebracht.

SH Haale ganz


Inschriften:

Jhren in den Weltkriegen 1914-1918, 1939-45 gefallenen Söhnen.
Die Gemeinde Haale.

Sie gaben ihr Alles ihr Leben ihr Blut. Sie gaben es hin mit heiligem Mut. Für uns!

Sie opferten Jugend und Jugend=Glück und kehren nie wieder zur Heimat zurück.

Sie waren unsern Herzen Licht im Leben und sind im Tod unser Stolz geblieben.

SH Haale Tafel1    SH Haale Tafel2

SH Haale Tafel3    SH Haale Tafel4


24 einzelne Findlinge mit den Namen der getöteten Soldaten des 1.Weltkrieges sind über die Anlage verteilt. Auf zwei schräg liegenden Steintafeln stehen die Namen der 58 Opfer des 2.Weltkrieges.

SH Haale Schatten

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Für uns

Fern im Osten gähnt ein Grab (1915)

Fern, fern im Osten, da gähnt ein Grab
da senkt man zu tausend die Toten hinab
für uns!

Im Westen, da ragt manch Kreuz schlicht und klein
da liegen sie stumm in langen Reih’n
für uns

Und wo im Winde rauschet das Meer
da gaben sie freudig ihr Leben her
für uns

Sie opferten Zukunft und Jugendglück
sie kehren nie wieder zur Heimat zurück
für uns

Sie gaben ihr Alles, ihr Leben, ihr Blut
sie gaben es hin mit heiligem Mut
für uns

Und wir? wir können nur weinen und beten
für sie, die da liegen bleich, blutig, zertreten
für uns

Denn es gibt kein Wort, für das Opfer zu danken
und es gibt keinen Dank für sie, die da sanken
für uns

in: Neue Kriegslieder für den Schulgebrauch, Breslau 1916 , herausgegeben von Kreisschulinspektor Dr. J. Radtke. Bei einer Schulfeier für den im Osten gefallenen Lehrer eines Charlottenburger Gymnasiums wurde dieses Gedicht, das den Obertertianer Reinhold Samuelsohn zum Verfasser hat, das erste Mal vorgetragen.

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Für Deutschland gestorben

... Auffällig ist auch, dass die Soldaten zwar als Söhne oder als Opfer, manchmal auch als Krieger benannt und dargestellt werden, nie aber als Tötende. Der Gefallene existiert als Begriff, es gibt aber keine Bezeichnung für den, der ihn zu Fall gebracht hat. Reinhart Koselleck meint dazu: »Gestorben wird alleine, zum Töten des Anderen gehören zwei. Die Fähigkeit des Menschen, seinesgleichen umzubringen, konstituiert vielleicht mehr noch menschliche Geschichte als seine Grundbestimmung, sterben zu müssen.«

Zitat aus der Beitrag des Deutschlandfunks vom 18.11.2012 von Clemens Tangerding

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Aus der Geschichte

Die 495 Haaler hielten es für ihre Pflicht, den 24 Gefallenen ein Denkmal zu setzen. Am 23. Februar 1920 bot der ehemalige Gemeindevorsteher Jürgen Kröger Land für die Anlage eines Ehrenhains an. Als den Einwohnern die Schenkungsurkunde vorgelesen wurde, spendeten sie 7000 Mark. Aber schon setzte die Inflationszeit verstärkt ein; das Geld »lief weg«. Im Sommer 1921 fehlten schon 12000 Mark für die Vollendung des Granitehrenmals an der Schulstraße. Sie wurden aus der Gemeindekasse bewilligt. Der Ehrenhain konnte am 23. Juni 1923 feierlich eingeweiht werden. Als »Wächter« wurde Johann Brammer gewonnen, ab 1933 sein Schwiegersohn Hans Sell.

• Zitiert aus »Haale – Chronik der Gemeinde« von Karl Heinz Vollstedt, Seite 86. © 1993 by Gemeinde 24819 Haale.

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I N H A L T
Das Denkmal
»Für’s Vaterland gefallen«
Die Kyffhäuser-Kameradschaft
Der Stahlhelm
Das Eiserne Kreuz
»Lerne vom Militär«

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Haffkrug, Kreis Ostholstein

An der Bahnhofsstraße, kurz vor der Strandallee

In einem kleinen gepflegten Park steht die Kriegerdenkmalsanlage für die toten Soldaten beider Weltkriege von Haffkrug und Sierksdorf. Eingeweiht worden ist sie am 11. September 1921. Das zentrale Denkmal zum 1. Weltkrieg ist von der Kyffhäuser-Kameradschaft Haffkrug initiiert, geplant und erbaut worden. Bis 1945 war es Eigentum der Kameradschaft. Nach Kriegsende beschlagnahmten die Engländer das Denkmal und gaben es 1954 unversehrt über das Land Schleswig-Holstein in die Hände der Gemeinde Scharbeutz.

SH Haffkrug weit web


Hinter der Rasenfläche ist ein gepflasterter Platz angelegt mit Ruhebänken am Rand. Am Ende des Parks stehen in der Mitte das Monument zum 1. und an beiden Seiten die Steine zum 2. Weltkrieg. Rundherum stehen beschnittene Bäume Spalier.

 

SH Haffkrug Anlage web


Akkurat beschnittene Hecken bilden einen Durchgang zum Höhepunkt der Anlage.

 

SH Haffkrug naeher web


Das zentrale Monument, kunstvoll aus bunten Bruchsteinen gemauert, mit fast halbrundem Abschluss und geschwungenen Seiten, ist den Soldaten des 1. Weltkriegs gewidmet. Auf den alten Fotos sieht man, dass der gemauerte halbrunde Vorbau früher ein Brunnen war, das Wasser sprudelte aus einem schwarzen Eisenrohr zwischen den Namenstafeln. Im Frühjahr 2020 waren dort Stiefmütterchen gepflanzt.

 

SH Haffkrug Widmung web


Der große, flache Stein in der Mitte trägt das Relief eines Stahlhelms, umstellt von den Jahreszahlen des 1. Weltkriegs. Bei unserem Besuch sind diese Teile mit hellgrauer Farbe hervorgehoben:

1914 (Stahlhelm) 1918.

Darunter steht die Inschrift:

IHREN IM WELTKRIEGE
GEFALLENEN
DES KRIEGERVEREINS
DORFSCHAFT HAFFKRUG U SIERKSDORF

Im Anschluss an den Widmungsstein hält und schützt ein ausgehöhlter Stein das Wasserrohr.

 

SH Haffkrug Namen links web


Links und rechts sind rechteckige Steintafeln eingelassen, auf denen die Namen der toten Soldaten in drei Spalten aufgelistet sind. In militärischer Kameradschaftstradition werden abgekürzt die Dienstgrade und ohne Vornamen nur die Nachnamen genannt, dahinter stehen die Todestage. Fast durchgängig sind die Namen chronologisch nach diesen Todestagen geordnet.

SH Haffkrug Namen rechts web


Nach den 19 Soldaten aus Haffkrug beginnt in der Mitte der zweiten Tafel die Liste der neun Soldaten aus Sierksdorf.

     SH Haffkrug Stein links hoch web


Die beiden Gedenksteine zum 2. Weltkrieg stehen mit einigem Abstand rechts und links neben dem ersten Monument. Wir vermuten, dass es die zwei Hälften eines gespaltenen Findlings sind. Der glatte, helle Stein steht auf einem geschickt geformten Sockel aus grobem, dunklem Beton. Oben in der Mitte sehen wir auf beiden Steinen ein Eisernes Kreuz in Kontur. Dieses militärische Ehrenzeichen wird den toten Soldaten auf den Kriegerdenkmälern posthum und kollektiv verliehen, unabhängig davon wie sich der Einzelne tatsächlich verhalten hat.

Weiter geht es mit der Inschrift:

1939 (Eisernes Kreuz) 1945
Für’s Vaterland gefallen
aus Sieksdorf

Es folgen 16 Namen, etwas laienhaft über zwei Spalten verteilt. Diesmal wird auch der Vorname genannt, allerdings ist er ohne sonst übliches Komma nachgestellt worden. Ein Ordnungsprinzip ist nicht zu erkennen. Am unteren Rand des hellen Steins werden dann noch vier Soldaten genannt unter Angabe ihres Heimatortes. Mit Stettin und 2x Pommern werden Orte in den früheren Ostgebieten des Deutschen Reichs genannt. Wir vermuten, dass die Angehörigen dieser Soldaten eine neue Heimat in Sierksdorf gefunden hatten.

 

     SH Haffkrug Stein rechts hoch web


Auf der rechten Seite lesen wir:

1939 (Eisernes Kreuz) 1945
Für’s Vaterland gefallen
aus Haffkrug

Wie schon bei den Namenssteinen zum 1. Weltkrieg: Haffkrug hat die größere Anzahl an toten Soldaten zu beklagen. Es werden 27 Namen aufgezählt.

 

SH Haffkrug schraeg hinten web


Hier kann man einen der beiden dunklen Betonsockel sehen, die die Findlinge halten.


SH Haffkrug hinten web


Auch das das mittlere Monument wird von hinten gestützt, zusätzlich ist es flächig verputzt worden.

 

SH Haffkrug schraeg web


Noch ein Blick auf die Bäume, die im zeitigen Frühjahr so ohne Laub ziemlich bizarr aussehen.

 

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»Für’s Vaterland gefallen«

Die Trauer ist zurückgenommen, beherrscht durch die Annahme eines Trostes, die den Tod des Soldaten aus einer höheren Bestimmung heraus erklären will. »Für’s Vaterland gefallen« steht auf den Denkmalssteinen in Haffkrug zum 2.Weltkrieg – als ob das Sterben die Bestimmung eines Soldatenlebens, die Erfüllung des militärischen Auftrags ist.


»Der Gefallenenkult wurde zu einem zentralen Bestandteil nationaler Selbstdarstellung und entwickelte besonders in Deutschland eine gewaltige politische Wirkung.

Das Ideal der Kameradschaft wurde auf die ganze Nation ausgedehnt. Die Gedächtnisfeiern an den Ehrenmälern auf öffentlichen Plätzen betonten den Vorbildcharakter der Gemeinschaft der Frontsoldaten. Im besiegten Deutschland wurde die ›Volksgemeinschaft‹, aus der heraus die Nation zu neuer Stärke erwachen sollte, zum Vermächtnis, das die Gefallenen den Überlebenden hinterlassen hatten.

Die allerorts errichteten Denkmäler trugen dazu bei, diesen Sinn, der dem Soldatentod beigelegt wurde, in die Öffentlichkeit zu tragen und im Bewusstsein zu erhalten.

Die von den Nationalsozialisten angestrebte Volksgemeinschaft ist ohne das idealisierte Vorbild der Frontkameradschaft des Ersten Weltkriegs nicht vorstellbar. Der Gefallenenkult erlebte im nationalsozialistischen Deutschland dann auch seine äußerste Steigerung.«

Christian Lopau, 2017, Vortrag im Ratzeburger Dom im Begleitprogramm der Wanderausstellung der Nordkirche »Neue Anfänge nach 1945?«

www.nordkirche-nach45.de

Der Griff Nazideutschlands zur Weltmacht endete mit der totalen Niederlage und der Bilanz von fast 40 Millionen Opfern – u.a. 30 Millionen Sowjetbürger, 6 Millionen Polen, 2 Millionen Jugoslawen, 500 000 Tschechoslowaken. Unter ihnen waren 5 Millionen Juden, zu denen noch 1,3 Millionen ermordeter Juden aus West- und Südosteuropa und 500 000 Sinti und Roma gerechnet werden müssen.


»Ende der 60er, Anfang der 70er gibt es in Deutschland einen grundlegenden Paradigmenwechsel. Es kommen jüngere Historiker und jüngere Offiziere in verantwortliche Positionen [...], die auch ganz andere Fragen an die Vergangenheit stellen und an die entsprechenden Repräsentationen der Vergangenheit. Die sich fragen: Ist es noch zeitgemäß Erinnerungen zu pflegen, die Ausdruck von Aggression, Imperialismus und Hybris ist?«

Michael Epkenhans, Historiker, Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Potsdam


»Bedenkt man, dass die damals bei der Denkmalserrichtung Beteiligten fast ausnahmslos den Krieg, in welcher Form auch immer, selbst miterlebt hatten, ist es nachvollziehbar, dass ein Projekt zur Ehrung der gefallenen Soldaten Unterstützung fand. Dieses Festhalten am militärischen Gedenken wie auch die Selbstwahrnehmung der Soldaten als Opfer war seinerzeit schlüssig, doch für uns ist es heute ›angesichts rechtsextremer Tendenzen unter den Veteranen und des aufwühlenden Streits um den verbrecherischen Charakter des nationalsozialistischen Krieges‹ (Thomas Kühne, Zwischen Vernichtungskrieg und Freizeitgesellschaft, S.92) erschreckend. So waren die Veteranen, ihre Kriegserfahrungen, Erzählungen und Denkweisen, in den ersten Jahren des Wiederaufbaus noch integraler Bestandteil der deutschen Gesellschaft. Je ziviler und pluralistischer sich diese in den nächsten Jahrzehnten entwickeln sollte, desto isolierter würden viele Veteranen der Wehrmacht mit ihrer Weltsicht werden.

Der kalte Krieg stellte zunächst die Voraussetzung für das kollektive Vergessen der kriegerischen Extreme dar. Doch spätestens im Jahr 1995, mit Eröffnung der Wanderausstellung ›Verbrechen der Wehrmacht‹ und der fotografischen Dokumentation der Kriegsverbrechen wurde mit dem Mythos der ›Sauberen Wehrmacht‹ aufgeräumt. Indem die Täter der Wehrmacht ins Zentrum rückten, traten die persönlichen Opfer und Entbehrungen, die viele Soldaten zweifelsohne erlebt hatten, in den Hintergrund. Die polarisierte Sichtweise ist inzwischen differenzierter geworden. Heute ist bekannt, dass unter den Soldaten sowohl überzeugte Kämpfer, Mitmarschierer, Freiwillige, aber auch an die Front Gezwungene waren.«

Kriegerdenkmäler in der Friedensstadt, Aschendorff Verlag 2018, S.93f

 

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Die Kyffhäuser-kameradschaft

Für 700 Reichsmark kaufte die Kyffhäuser-Kameradschaft Haffkrug 1916 das Grundstück für den Denkmalspark an der Bahnhofsstraße. 1921 war das Denkmal dann gebaut, am 11. September wurde es eingeweiht und war bis 1945 im Besitz der Kameradschaft.

 

SH Haffkrug Blatt zur Denkmalseinweihung web


Zur Einweihung wurde dieses Blatt gedruckt. Auf dem linken Foto fließt noch das Wasser in den Brunnen ...

 

SH Haffkrug Einweihung web


... und über dem Denkmal weht die schwarz-weiß-rote Fahne des Wilhelminischen Kaiserreichs. Die Farben haben später die Nationalsozialisten für ihre Hakenkreuzfahne übernommen. Die Flagge der Weimarer Republik mit den »republikanischen« Farben Schwarz-Rot-Gold mochten sie nicht. Heute ist die alte Fahne mit den Farben Schwarz-Weiß-Rot Erkennungszeichen von Neonazis.

 

SH Haffkrug nach der Ergaenzung web


Eine üppige Kranzniederlegung in späterer Zeit: die Gedenksteine zum 2. Weltkrieg stehen schon.

 

Zur 100-Jahrfeier am 24. Mai 1997 gab die Kyffhäuser-Kameradschaft Haffkrug eine Broschüre heraus, aus der wir zitieren:

Zu den derzeitigen Aufgaben der Kameradschaft wird u.a. ausgeführt: »Förderung der Verteidigungsbereitschaft sowie Eintreten für die Ehre, das Ansehen und die Anerkennung des deutschen Soldaten in Vergangenheit und Gegenwart«.

 

Kyffhaeuser Logo 100Jahre web

 

Aus der Geschichte wird berichtet: »Am 11. April 1959 wurde durch Bischof Kieckbusch die neue Fahne geweiht.« Die Lübecker Nachrichten schreiben: »Unter reger Anteilnahme der Bevölkerung wurde am Sonntag in Haffkrug die neue Fahne der Kyffhäuserkameradschaft – Haffkrug und Umgebung von Landesprobst Kieckbusch im Rahmen einer Feierstunde geweiht.«

SH Haffkrug Fahnenweihe Kieckbusch Luebecker Nachrichten 1959 web
Foto: Lübecker Nachrichten


»Der Landesprobst hob in seiner Festrede den Wert der guten Kameradschaft, die im Kyffhäuserbund von jeher gepflegt worden sei, besonders hervor. [...] Nachdem Landesprobst Kieckbusch die Fahne geweiht hatte, formierte man sich zu einem Trauermarsch, der zum Ehrenfriedhof führte.«

Wir danken Karin Bühring, vom Archiv der Museums für Regionalgeschichte in Pönitz für Ihre Hilfe und die historischen Fotos.

Zur Geschichte der Kriegervereine:

»Nach der Gründung des Deutschen Reichs 1871 erfuhren Vereine und Organisationen, in denen das Andenken an den Deutsch-Französischen Krieg wachgehalten werden sollte, enorme Popularität. 1896 wurde durch Sammlung der Kriegervereine auf dem thüringischen Kyffhäuser-Berg ein Mahnmal zum Andenken an die deutsche Einheit eingeweiht. Der vier Jahre später gegründete ›Deutsche Reichskriegerbund Kyffhäuser‹ umfaßte als Dachverband schon bald nahezu sämtliche Kriegervereine des Kaiserreichs. In der Weimarer Republik bildete der formell unpolitische Kyffhäuserbund einen fruchtbaren Boden für die Verherrlichung des Ersten Weltkriegs und die Verbreitung der Dolchstoßlegende sowie der behaupteten Kriegsschuldlüge.

Die etwa 29.000 lokalen Kriegervereine im Deutschen Reich pflegten neben einer intensiven Kameradschaft und der Fürsorge für Kriegsversehrte den Mythos des Frontkämpfertums. Zumeist waren sie die Initiatoren für den Bau von Kriegerdenkmalen, die nach 1918 in nahezu jeder deutschen Gemeinde zu finden waren und deren größtes das Tannenberg-Denkmal in Ostpreußen war. Dem kollektiven Gedenken an die Kriegserlebnisse dienten auch die ab 1925 alle zwei Jahre stattfindenden Reichskriegertage, an denen sich neben Kriegervereinen Wehrverbände wie der Stahlhelm beteiligten.

1932 rief der Kyffhäuserbund seine ca. zwei Millionen Mitglieder auf, ihre Stimme bei der bevorstehenden Reichspräsidentenwahl seinem seit 1919 amtierenden Ehrenpräsidenten Paul von Hindenburg zu geben. Für seinen Gegenkandidaten, den ehemaligen Frontsoldaten Adolf Hitler, eine allzu schmerzliche Erfahrung. Vier Jahre nach der Machtübernahme der NSDAP verfügte er 1937 die Umbenennung des traditionsbewußten Kyffhäuserbunds in ›NS-Reichskriegerbund‹, der 1943 aufgelöst wurde.«

Arnulf Scriba, Deutsches Historisches Museum, Berlin, 2.9.2014

 

»Am 3. März 1943, einen Monat nach der Niederlage in der Schlacht von Stalingrad, löste Adolf Hitler den Kyffhäuserbund auf Reichsebene auf. Das Vermögen wurde der NSDAP übertragen und die weiter bestehenden lokalen Vereine, die in der Endphase des Zweiten Weltkriegs den Grundstock für die Volkssturm-Einheiten bildeten, der Partei unterstellt.

Nach 1945: Durch Kontrollratsgesetz Nr. 2 (Auflösung und Liquidierung der Naziorganisationen) vom 10. Oktober 1945 wurden alle Organisationen und Einrichtungen, die der nationalsozialistischen Herrschaft gedient haben, ›abgeschafft und für ungesetzlich erklärt‹, so unter anderem auch der NS-Reichskriegerbund.

1952 begann die Wiedergründung des Verbandes mit allen Landesverbänden. Heute betont er seine Rolle als Reservisten- und Schießsportverband. Ein Spiegel-Artikel aus dem Jahr 1990 legte nahe, dass er sich am rechten Rand des politischen Spektrums bewegt. Der Verband sieht sich durch die ›Kyffhäusertreffen‹ der Partei ›Alternative für Deutschland‹ (AfD) unbegründet mit dieser Partei assoziiert und betont die Verteidigung von Rechtsstaatlichkeit und Grundgesetz als zentrale Aufgaben des Verbandes.«

Wikipedia, abgerufen am 14. Juli 2020


2006 beantwortete die Bundesregierung die kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE zu Traditionsverbänden, Kameradschaftsvereinen und dem Rechtsextremismus. Im Jahr 2020 ist das Thema aktueller denn je. 

Deutscher Bundestag Drucksache 16/1282


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Der Stahlhelm

Neben dem militärischen Ehrenzeichen Eisernes Kreuz ist die Darstellung des Stahlhelms das meist gezeigte Symbol auf Kriegerdenkmälern. Die neuen Methoden der Artilleriekampfes im 1. Weltkrieg erforderten einen verbesserten Kopfschutz für die Soldaten. Der Lazarettarzt Professor August Bier (nach ihm ist z.B. eine Klinik in Malente benannt) beobachtete höchst gefährliche Granatsplitterverletzungen des Gehirns in erschreckender Häufigkeit und entwickelte darum zusammen mit dem Ingenieur Dr. Friedrich Schwerd den neuen Helm aus Stahl, der die bis dahin getragenen ledernen Pickelhauben ablöste. Die ersten 30.000 Helme wurden im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert.

Die Vorstellung von der stählernen Schutzwirkung wurde fortan auf Postkarten, Kriegsanleiheplakaten, Schmuckblättern usw. propagandistisch ausgeschlachtet und symbolisch überhöht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde der Symbolwert des Stahlhelms noch weiter gesteigert. Auf dem Verwundetenabzeichen, das 1939 eingeführt wurde, war ein Stahlhelm zu sehen, obwohl offensichtlich seine Schutzwirkung nicht ausgereicht hatte:

SH Haffkrug Verwundetenabzeichen in Silber web


Adolf Hitler hatte die Verordnung über die Stiftung des Verwundetenabzeichen am 1. September 1939, dem Tag des Überfalls der Deutschen Wehrmacht auf Polen, erlassen.

Hitlers Verwundetenabzeichen auf Wikipedia

 

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt. Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008


Soldaten der Wehrmacht kämpfen nicht nur pflichtschuldig  und gehorsam. Ohne die Gefühlswelt aus Stolz, Ehre und Männlichkeit ist nicht zu erklären, warum so viele an die Front streben – und dem Krieg bis zum Untergang verhaftet bleiben. (Frank Werner in ZEITGeschichte 4/2018, S.65)

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Geschickte Propaganda: Begehrenswerte Ordensbrust in »Die Woche« Januar 1940.

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

Neben dem Thorshammer ist das Eiserne Kreuz das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z. B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle.

Am 26. November 2018 hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in ihrem Tagesbefehl ein Veteranenabzeichen eingeführt. Am 15. Juni 2019 sind die ersten Abzeichen ausgehändigt worden. Das Verteidigungsministerium erklärt dazu: »Das Veteranenabzeichen stellt die Werte in den Vordergrund, die alle Bundeswehrangehörigen verbinden: ›Gemeinschaft, Kameradschaft und Pflichterfüllung im treuen Dienst an der Gesellschaft‹.« Am 10. Januar 2020 meldet das ›Bundeswehrjournal‹, dass bisher rund 35.700 Anträge auf ein Veteranenabzeichen eingegangen sind.

SH Haffkrug Veteranenabzeichen der Bundeswehr 2019 DocHeintz Wikimedia Commons web
Foto: Doc.Heintz/Wikimedia Commons


Überreicht wird das Abzeichen mit einem Dankesschreiben des Bundesamts für das Personalmanagement der Bundeswehr:

»... Dieser Dienst in der Bundeswehr verdient hohen Respekt und große Dankbarkeit, welche auch in der Gesellschaft spürbar und sichtbar werden soll. Das Veteranenabzeichen stellt die Werte in den Vordergrund, die uns alle verbinden: Kameradschaft und Pflichterfüllung im treuen Dienst an der Gesellschaft ...«


Ein anonymisiertes Anschreiben bei Wikipedia


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»Lerne vom Militär«

Wir lesen auf dem Kriegerdenkmal in Haffkrug vor den Namen der toten Soldaten: Obgf., Msk., Utfz., Artt. usw.

Die Dienstgrade, die uns wie böhmische Dörfer vorkommen, kannte damals jedes Kind. Im Kaiserreich blühte der Militarismus: so schneidig wie die preußischen Soldaten sollte die gesamte Gesellschaft sein: vom Greis bis zum Knirps. Unbedingter Gehorsam war das Ziel.

MP Zehlendorf Kinderkarte web


»Bereits die Kinder wuchsen in einer militarisierten Umgebung auf. Kriegsspiele waren äußerst beliebt. In kaum einem Kinderzimmer fehlte ein Satz Bleisoldaten, ebenso gehörte der Matrosenanzug zur Grundausstattung. Zu Weihnachten sangen die Kleinen: ›Morgen kommt der Weihnachtsmann, kommt mit seinen Gaben, Trommel, Pfeifen und Gewehr, Fahn’ und Säbel und noch mehr, ja ein ganzes Kriegerheer möcht ich gerne haben.‹ In der Schule setzte sich die Einübung militärischer Denk- und Verhaltensmuster fort. Vielerorts glich das Schulleben einem zackigen Paukbetrieb, der wenig Raum ließ für Spontanität und Kreativität. [...]

›Lerne vom Militär!‹ – so lautete das Mantra der pädagogischen Fachliteratur. Das Aufstehen der Schüler beim Eintreten des Lehrers ins Klassenzimmer habe ›mit einem einzigen Ruck zu geschehen‹ und müsse ›klappen wie ein Bataillonstritt bei der Parade‹, hieß es in einem Lexikon der Pädagogik. Im ›Gänsemarsch mit regelrechtem Soldatenschritt‹ müssten die Schüler in den Pausen das Klassenzimmer verlassen und ›zwei und zwei im Schulhof ordnungsgemäß auf und ab marschieren‹.«

Volker Ullrich, ZEITGeschichte 4/2018, S. 45


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I N H A L T
Das Denkmal
Das Denkmal zum 2. Weltkrieg
Der Stahlhelm
Das Schwert
Das Eiserne Kreuz
Die Skagerrak-Schlacht
Findlinge
Die Inschriften
Ein historisches Foto
Militärische Dienstgrade
Die Kirchenfenster von Erich Klahn
Elisabeth Haseloff, die erste Pastorin in Deutschland

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Hamberge, Kreis Stormarn

Am Ende des Friedhofs hinter der Kirche

Die Kirchengemeinde Hamberge ist durch eine gemeinsame Pfarrstelle mit der Gemeinde Klein Wesenberg verbunden. Einerseits ist das Terrain der »Ehrenfriedhöfe« der beiden Gemeinden sehr ähnlich: sie liegen beide hinter Kirche und Friedhof auf einer Anhöhe neben dem Travetal und sollen die toten Soldaten beider Weltkriege »ehren«. Andererseits könnte der Umgang mit dem Gelände unterschiedlicher nicht sein. In Klein Wesenberg wurde die Anlage für 74 000 Euro, davon 42 700 Euro aus EU-Mitteln, aufwendig renoviert. Das Ergebnis können Sie hier sehen:

»Ehrenfriedhof« Klein Wesenberg


In Hamberge haben die Gemeindevertreter eine andere Einstellung zum Kriegsgedenken: die Anlage ist naturbelassen und baufällig, deshalb ist sie mit Flatterband abgesperrt. Stand: Januar 2020.

SH Hamberge 1WK quer web


Vom Friedhof aus guckt man auf den hohen Findling zum 1. Weltkrieg.

 

SH Hamberge Helm Schwert


In der Spitze ist ein Stahlhelm im Relief in den Stein gearbeitet. Darunter teilt ein Kurzschwert im Relief die Jahreszahlen des Krieges. 1914 und 1918 stehen erhaben in der tiefer gelegten Fläche.

 

SH Hamberge 1WK Hinten web


Auf der Rückseite ist ein schlichtes, großes Eisernes Kreuz in Kontur eingemeißelt.

 

SH Hamberge 1WK Inschrift Hinten web


Darunter die Inschrift, mittig gesetzt:

Dem Gedächtniss
der für uns
Gefallenen

Die zweite und dritte Zeile werden durch Doppellinien links und rechts auf die Breite der ersten Zeile gebracht.

 

SH Hamberge Mauer Treppe web


Eine Bruchsteinmauer stützt das abfallende Gelände nach hinten, rechts und links davon führen Steintreppen auf die tiefere Ebene.

 

SH Hamberge 1WK Kirche web


Der Findling ist von Eichen umstanden. Dort ist der höchste Punkt des Geländes, die Wege auf dem Friedhof sind abschüssig, deshalb sieht man von hier auch nur die Spitze des modernen Kirchturms, der 1958 zur alten Dorfkirche von 1328 gestellt wurde.

 

SH Hamberge Steinreihe web


Man ahnt einen Rundweg, der an den Namenssteinen der toten Soldaten des 1. Weltkriegs vorbeiführt. Man schreitet gewissermaßen »die Front der Gefallenen ab«.

 

SH Hamberge 1WK Stein1 web


Auf vielen Steinen sind die Angaben nicht mehr zu entziffern. Bei lesbarer Schrift erfährt man den militärischen Dienstgrad, Vor- und Nachnamen, Sterbedatum und -ort des toten Soldaten. Da die Namen auch in der Kirche aufgezählt werden, nämlich auf den von Erich Klahn als Kriegerdenkmal gestalteten Kirchenfenstern, ist anzunehmen, dass hier 36 Namenssteine liegen.

 

SH Hamberge 1WK Stein2 web


Paul Martens ist in der Skagerrak-Schlacht zu Tode gekommen. Die Skagerrak-Schlacht vom 31. Mai 1916 bis zum 1. Juni 1916 in den Gewässern vor Jütland gilt als die größte Seeschlacht der Geschichte.

 

SH Hamberge 1WK Stein EK web


Otto Harnack ist 1919 an den Folgen des Krieges gestorben, so steht es auf seinem Stein. Hinzugefügt wurde das militärische Ehrenzeichen Eisernes Kreuz und die Zeile:

Inhaber des Eis. Kreuzes

Musste hier seinem Tod im Lazarett noch der Hinweis auf die erwiesene Tapferkeit im Kampf hinzugefügt werden?

 

SH Hamberge Steine 2WK web


Hier sieht man die andere Seite des Rundwegs mit den Namenssteinen und gleichzeitig den Denkmalsstein für den 2. Weltkrieg von hinten.

 

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Das Denkmal zum 2. Weltkrieg

Zwischen zwei Rhododendronbüschen in der Mitte der Anhöhe steht der hochrechteckige Granitstein.

 

SH Hamberge 2WK versteckt web


Von hinten ist die helle Platte noch gut zu sehen, von vorne ist sie von den Rhododendren fast zugewachsen.

 

     SH Hamberge 2WK hoch web


Beim Nähertreten blickt man auf eine verwirrende Anordnung von aufgesetzten Großbuchstaben und Ziffern aus Bronze. Unter der Widmung sind die Vor- und Nachnamen der toten Soldaten nach Heimatort geordnet und darin alphabetisch fortlaufend von der linksbündigen Spalte zur rechtbündigen springend. Die Orte, mittig gesetzt und meist von Zierbalken flankert, heißen:

HAMBERGE (26 tote Soldaten)
HANSFELDE (24)
[Gut] ROGGENHORST (1)
[Gut] PADELÜGGE (12)

 

SH Hamberge 2WK Inschrift web


Die Widmung lautet:

DEN GEFALLENEN u. VERMISSTEN
DER KIRCHENGEMEINDE HAMBERGE
DES WELTKRIEGES
1939 [Eisernes Kreuz] 1945
ZUM EHRENDEN GEDENKEN

 

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Der Stahlhelm

Neben dem militärischen Ehrenzeichen Eisernes Kreuz ist die Darstellung des Stahlhelms das meist gezeigte Symbol auf Kriegerdenkmälern. Wie kam es zu dieser Wirkmacht?

Die neuen Methoden der Artilleriekampfes im 1. Weltkrieg erforderten einen verbesserten Kopfschutz für die Soldaten. Der Lazarettarzt Professor August Bier (nach ihm ist z.B. eine Klinik in Malente benannt) beobachtete höchst gefährliche Granatsplitterverletzungen des Gehirns in erschreckender Häufigkeit und entwickelte darum zusammen mit dem Ingenieur Dr. Friedrich Schwerd den neuen Helm aus Stahl, der die bis dahin getragenen ledernen Pickelhauben ablöste. Die ersten 30 000 Helme wurden im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert.

Die Vorstellung von der stählernen Schutzwirkung wurde fortan auf Postkarten, Kriegsanleiheplakaten, Schmuckblättern usw. propagandistisch ausgeschlachtet und symbolisch überhöht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde dieser Symbolwert noch gesteigert.


     SH Kasseedorf Plakat Stahlhelm web

     Plakat von Ludwig Hohlwein zum 10. Reichsfrontsoldatentag 1929

Der Historiker Jürgen Kraus macht drei vorherrschende semantische Felder aus, die dem Stahlhelm in diesem propagandistischen Zusammenhang schon für die Zeit des Krieges zugeordnet werden können. Zum einen hoben die Kriegsanleiheplakate den einzelnen Soldaten aus dem »massenhaften Elend der Materialschlachten« heraus, der nun »gleichermaßen geschützt wie heroisiert durch den neuen Stahlhelm siegessicher als Heldenfigur auf den Plakaten erschien.« In seiner Funktion als Schutzhelm verwies er auf die Gefahren und den Tod auf dem Schlachtfeld und wurde von daher zum Symbol für die Front schlechthin. Viel stärker als die Pickelhaube, die nun endgültig als Symbol für das Militär abgelöst war, vermochte der Stahlhelm den veränderten Bedingungen des Krieges kurz vor dessen Ende auch symbolisch Rechnung zu tragen.

Ein zweites semantisches Feld ergab sich besonders in der zweiten Kriegshälfte aus »der Vorstellung der ›stählernen‹ Schutzwirkung des Stahlhelms«, die nahe legte, daß der so behelmte Soldat an der Front imstande war, dem permanenten Beschuß durch den übermächtigen Feind, dem ›Stahlgewitter‹, standzuhalten und damit ein Vorbild für den Durchhaltewillen an der Front und auch in der Heimat zu sein.

Das dritte semantische Feld folgt laut Kraus schließlich aus der großen formalen Ähnlichkeit des neuen Stahlhelms mit typischen Helmformen des Mittelalters. [...] Indem der Träger des Stahlhelms so in die Nähe der historischen Gestalt des Ritters »als Repräsentant des deutschen Heeres« gerückt wurde, was auf zahlreichen Plakaten der Zeit in vielfältiger Weise geschah, konnte er als überzeitlicher »Kämpfer für Deutschland« stilisiert werden, der »ganz wie seine Vorkämpfer über die Jahrhunderte hinweg Unheil von Deutschland abzuwehren bestimmt war.«

Aus Kriegsvolkskunde, Gottfried Korff (Hg.), Tübinger Vereinigung für Volkskunde e.V., 2005, S.130f

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Das Schwert

Das Schwert verweist auf die Helden der Antike und damit auf  eine »edle Gesinnung der Kämpfenden«. Artus, Parzival, Roland, Siegfried & Co. – tragen ihre Schwerter als Recken der Tapferkeit und Treue. Auf den Kriegerdenkmälern fordern Schwerter, selbst wenn sie als Zeichen der Niederlage gesenkt oder abgebrochen dargestellt werden, die nachfolgenden Generationen zu »Wehrwillen und Mannhaftigkeit« auf.

Das Schwert ist in der Menschheitsgeschichte die erste ausschließlich zum Töten anderer Menschen geschaffene Waffe. Ein Symbol der Macht: Wer auf dem Schlachtfeld unterlag, übergab dem Sieger seine Waffe. Das Schwert verleiht den Status eines Herrschers. Die englische Königin führt den Ritterschlag bis heute mit dem Schwert aus.

Nach dem Mittelalter verlor das Schwert seine Bedeutung als Waffe – und wurde in der Symbolsprache der Propaganda umso wichtiger. Im 1. Weltkrieg, dem ersten industriellen Krieg in der Geschichte, hatte das Schwert als Bild-Symbol auf Orden und Medaillen Hochkonjunktur. Auch im Nationalsozialismus galt das Schwert als Zeichen für heldenhaften Kampf, obwohl es natürlich nicht mehr benutzt wurde.

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden.

     Eisernes Kreuz 1WK Kaiser web

• »Fake News« anno 1914: Das Deutsche Reich hatte gerade das neutrale Belgien überfallen, damit die Truppen sich auf dem schnellsten Weg zum Erzfeind Frankreich begeben konnten.

Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


SH Wulfsdorf Hitler EK web

• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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Die Skagerrak-Schlacht

Die Skagerrak-Schlacht vom 31. Mai 1916 bis zum 1. Juni 1916 in den Gewässern vor Jütland gilt als die größte Seeschlacht der Geschichte, an der 112 deutsche und 150 britische Schiffe beteiligt waren. Trotz der Übermacht der »Home Fleet« waren die Verluste auf britischer Seite erheblich größer als auf deutscher.


     Hamburgische Lazarett Zeitung 1916 07 01 Skagerrak web

• Karikatur auf dem Titel der Hamburger Lazarett-Zeitung vom 1. Juli 1916 zur Erbauung der kriegsverletzten Soldaten: der bekrönte deutsche Reichsadler holt den hässlichen Engländer aus seinem kleinen Holzruderboot – Neptun staunt.

Die Deutschen feierten den Ausgang der Schlacht als taktischen Sieg und 2 551 ertrunkene deutsche Seemänner als »Helden«. Für die Reichsmarine war es »der größte Ruhmestag ihrer Geschichte«, der fortan alljährlich gefeiert wurde. Dieser »Ruhmestag« änderte natürlich nichts an der Übermacht der britischen Flotte und dem Kriegsverlauf.

Für die damalige Zeit bezeichnend wurde die Gedenkkultur für propagandistische Zwecke instrumentalisiert, den Menschen im nationalsozialistischen Deutschland wurde bedingungsloser Gehorsam gegenüber dem »Vaterland« abverlangt.

Der Soldatentod sollte als heldenhafte Aufopferung erscheinen und der wahre Grund für das tausendfache Sterben verschleiert werden.

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Findlinge

Findlinge wecken Assoziationen zu germanischen und keltischen Hünengräbern und Dolmen. Die Romantik entdeckte sie wieder, nach den Befreiungskriegen verbreiteten sie sich als Denkmalstyp und setzten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts vorwiegend in Norddeutschland gegen den Obelisk durch. [...]

Findlinge sind große (Granit-)Steine aus der heimatlichen Landschaft. Die Denkmalstifter holten sie oft selbst aus der Heide oder aus dem Harz mühevoll herbei. Als Monolith steht der Findling für die Einheit des Landes, fast unbearbeitet, strahlt er Naturwüchsigkeit aus, selbst ein Teil der uralten Überlieferung mahnt er zu ewigem Gedenken.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S.134

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Die Inschriften

»Gedächtniss«, Gedenken:
Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. »Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.« [Giordano, Die zweite Schuld, S. 324].

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S.29

 

»Gefallene«:
... verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort. [...]

An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort »Gefallener« (oder »gefallen«) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.

Ebd., S.22, 62

 

»Zum ehrenden Gedenken«:
Keiner Ärztin im Krisengebiet, keinem Kriegsreporter, keinem zivilen Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft würde nach ihrem Tod ehrend gedacht. Die »Ehre« scheint dem Soldatentod vorbehalten zu sein. Auf Denkmälern wie diesem wird sie kollektiv erteilt, obwohl wir wissen, dass Soldaten auch Täter gewesen sein können. Hartmut Häger schreibt dazu in seinem Buch »Kriegstotengedenken in Hildesheim« auf Seite 33:

»Das verehrungswürdige Sujet verträgt keine Beschädigung, keine Beschmutzung [...] und ist damit jeder kritischen Betrachtung entzogen. Der deutsche Soldat hat sich sui generis heldenhaft verhalten, so wenig wie er dürfen die Reichswehr oder die Wehrmacht in Zweifel gezogen werden. Die von Hindenburg am 18. November 1919 im parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Reichstags als Erklärung für die Niederlage des Ersten Weltkriegs vorgetragene ›Dolchstoßlegende‹ oder die Proteste gegen die ›Wehrmachtsausstellung‹ über von ihr begangene Verbrechen im Zweiten Weltkrieg sind Ausdruck der Bemühungen, sowohl die militärischen Institutionen wie auch die ihnen angehörenden Personen der geschichtlichen Realität und damit auch der Verantwortung zu entziehen.«

 

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Ein Historisches Foto

Der »Ehrenfriedhof« im Jahr 1925: die Eichen sind noch nicht gepflanzt, die Sandwege ordentlich, eine Bank lädt zum Verweilen ein.

 

SH Hamberge Karte 1925 sw web

 

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Militärische Dienstgrade

Auf den Namenssteinen werden die Dienstgrade der toten Soldaten des 1. Weltkriegs genannt. Die militärischen Dienstgrade kannte damals jedes Kind. Im Kaiserreich blühte der Militarismus: so schneidig wie die preußischen Soldaten sollte die gesamte Gesellschaft sein: vom Greis bis zum Knirps. Unbedingter Gehorsam war das Ziel.

MP Zehlendorf Kinderkarte web


Bereits die Kinder wuchsen in einer militarisierten Umgebung auf. Kriegsspiele waren äußerst beliebt. In kaum einem Kinderzimmer fehlte ein Satz Bleisoldaten, ebenso gehörte der Matrosenanzug zur Grundausstattung. Zu Weihnachten sangen die Kleinen: »Morgen kommt der Weihnachtsmann, kommt mit seinen Gaben, Trommel, Pfeifen und Gewehr, Fahn’ und Säbel und noch mehr, ja ein ganzes Kriegerheer möcht ich gerne haben.« In der Schule setzte sich die Einübung militärischer Denk- und Verhaltensmuster fort. Vielerorts glich das Schulleben einem zackigen Paukbetrieb, der wenig Raum ließ für Spontanität und Kreativität. [...]

»Lerne vom Militär!« – so lautete das Mantra der pädagogischen Fachliteratur. Das Aufstehen der Schüler beim Eintreten des Lehrers ins Klassenzimmer habe »mit einem einzigen Ruck zu geschehen« und müsse »klappen wie ein Bataillonstritt bei der Parade«, hieß es in einem Lexikon der Pädagogik. Im »Gänsemarsch mit regelrechtem Soldatenschritt« müssten die Schüler in den Pausen das Klassenzimmer verlassen und »zwei und zwei im Schulhof ordnungsgemäß auf und ab marschieren«.

Volker Ullrich, ZEITGeschichte 4/2018, S. 45

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Die Kirchenfenster von erich Klahn

1928 wurden sechs Kirchenfenster in Hamberge durch den Glasmaler Erich Klahn als Kriegerdenkmal für den 1. Weltkrieg gestaltet. Auf jedem Fenster sind sechs Soldatennamen, in Kreuzform angeordnet, verewigt. Diese christliche Analogie soll dem Soldatentod eine religiöse Weihe geben und ihn als »Opfertod« verklären.

Am 24.1.1951 stand in einem Erlass der Ev.-Luth. Landeskirche Schleswig-Holsteins: »Grundsätzlich gehört eine Gedächtnisstätte mit den Namen der Opfer des Krieges nicht in den Kirchenraum. In der Kirche gilt nur ein Name, der Name Christi! Es geht nicht an, dass unsere Kirchen durch die vielen Kriegerehrungen zu Weihehallen umgestaltet werden«. Viele Kirchengemeinden in Schleswig-Holstein ignorierten diesen Erlass und behielten die Ehrentafeln für die toten Soldaten in ihren Kirchenräumen.

Auf dem folgenden Foto aus dem Jahr 1962 sind rechts und links vom Altar zwei der Klahnschen Kirchenfenster zu sehen.

SH Hamberge KAS Fenster 1962 Leute web

Kirchweihe nach der Renovierung mit Bischof Wilhelm Halfmann, Propst Carl Friedrich Jaeger und einigen Pastoren der Nachbargemeinden, darunter die erste Pastorin Deutschlands Elisabeth Haseloff in der ersten Reihe links, zweite von rechts.

Quelle für das Foto (bearbeitet): Kreisarchiv Stormarn, lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 >internationale Lizenz


Erich Klahn: Karen Meyer-Rebentisch berichtete 2017 in der Akademie Sankelmark von Pastor Mildenberg, »ein kaisertreuer Patriot mit einer ausgeprägt paternalistischen Ader«, dessen Konfirmand Erich Klahn in der Lübecker Luthergemeinde war. Einen seiner ersten Aufträge erhielt der junge Erich Klahn denn auch 1922 an der Luthergemeinde: er sollte ein dreiteiliges Glasfenster als Kriegerdenkmal gestalten. Pastor Mildenberg prophezeite am 24. Februar 1929 im Lübecker Generalanzeiger: »das Wunder einer neuen Zukunft unseres Volkes, wenn wir Jesu Kreuz sich erneuern sehen im tausendfachen Opfertod unserer Brüder. Ihr Opferblut ist Brunnenquell neuen Lebens! Ihre Glaubenskraft an ihre welterlösende vaterlandsbefreiende Großtat der Treue bis zum Tod ist wie Lebenswasser!«. 

Vortrag Meyer-Rebentisch, 2017
 

Aus einem Beitrag im Deutschlandfunk vom 3. September 2015:
Künstler mit zweifelhafter NS-Vergangenheit

Der 1978 gestorbene Lübecker Maler Erich Klahn ist in der Kulturszene mehr als umstritten: Er gilt als völkischer, antidemokratischer Künstler, der sich für die Ziele der Nationalsozialisten einsetzte. [...] Thomas Vogtherr, Vorsitzender der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen: »Ein Künstler, der sich Laufe der Zeit, zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten in einer Art und einem Ausmaß hat instrumentalisieren lassen, das ziemlich beeindruckend ist – negativ beeindruckend, um es hinzuzusetzen.«

Hier können Sie den Beitrag lesen 


2014 wurden die Glasfenster im Rahmen einer Kirchensanierung restauriert.

Bericht von LNonline am 24.1.2014


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Elisabeth Haseloff

Die erste Pastorin in Deutschland

Erst mit dem westdeutschen Gesetz zur Gleichberechtigung von Mann und Frau, das am 1. Juli 1958 in Kraft trat, ermöglichten die Landeskirchen nach und nach Frauen den Weg in den Pastorinnenberuf. Als Erste verabschiedete 1958 die Lübecker Landeskirche ein Gesetz, das die Errichtung einer Planstelle für die übergemeindliche Frauenarbeit gestattete. Sie sollte mit einer unverheirateten Theologin besetzt werden. Elisabeth Haseloff erhielt die Planstelle, außerdem war sie für einen Gemeindebezirk von St. Matthäi in Lübeck zuständig. Sie war die erste Frau, die in Deutschland als evangelisch-lutherische Pastorin »im Sinne des Gesetzes« tätig war. Die Besetzung einer Pastorenstelle mit einer Frau erregte bundesweit Aufsehen, was die Landeskirche zur Feststellung veranlasste, dass dies keineswegs grundsätzlich geschehen solle.

SH Hamberge KAS Elisabeth Haseloff 1962 web

1962 war Elisabeth Haseloff als Lübecker Pastorin bei der Kirchweihe in Hamberge dabei.


SH Hamberge Haseloff Kanzel web
Foto: privat

»Der Herr Pastor ist – eine Frau. Ein Ereignis von gar nicht abschätzbarer Bedeutung«, schrieb die Illustrierte Quick 1959 zu diesem Foto von Elisabeth Haseloff auf der Kanzel.

Biografietafel in der Wanderausstellung »Neue Anfänge nach 1945?«


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I N H A L T
Das Denkmal
Ihr seid nicht umsonst gefallen!
Das Eiserne Kreuz
Findlinge
Aus der Hamfelder Chronik
Volkstrauertag 2019
Die Deutsche Eiche

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Hamfelde, Kreis Stormarn

Kleine, gepflegte Anlage in der Schulstraße

Umgeben von den Gärten der Wohnhäuser wird der Platz mit Hecken, Rhododendren und einer Holzwand als Sichtschutz begrenzt.

SH Hamfelde Zaun web


Zur Straße schließt er mit einem graugrünen Metallzaun ab, der zur Straßenlaterne und auch zu den Nachbarzäunen rechts und links passt. Neben den Denkmalssteinen sehen wir auf dem Foto den Stamm eine großen Eiche. Oft wurde nach dem 1. Weltkrieg zu den Kriegerdenkmälern eine »Deutsche Eiche« gepflanzt.

 

SH Hamfelde Denkmal web


Ein Weg aus lose gesetzten Katzenkopfsteinen führt zum großen Denkmalsstein, der den toten Soldaten beider Weltkriege gewidmet ist. Der Platz ist großflächig mit schwarzer Erde ausgelegt, rechts und links vom Weg sind Zuckerhutfichten gepflanzt worden, wie kleine Torwächter stehen sie da.

 

SH Hamfelde nah web


Am gerundeten Findling mit behauender Vorderfront stehen auf einem flachen Steinsockel zwei Töpfe mit verschiedenen immergrünen Zweigen, dazwischen liegt an diesem Novembertag 2019 der Kranz der Gemeinde Hamfelde.

 

SH Hamfelde Inschrift web


Die schwarze Inschrift auf dem Stein lautet:

Ihr seid nicht umsonst gefallen!
Unseren Gefallenen 1914 – 1918
1939 – 1945
Die dankbare Gemeinde Hamfelde

 

SH Hamfelde Stein web


Rechts und links vom Hauptstein sind jeweils fünf hübsch geformte Feldsteine aufgereiht.
Sie nennen abgekürzt den Dienstgrad, Vor- und Nachnamen, Geburts- und Todesdatum, Todesort und – das haben wir so noch nicht gesehen – die Kriegsauszeichnung der zehn Soldaten die aus Hamfelde im 1. Weltkrieg gestorben sind.

 

SH Hamfelde links web


Auf der linken Seite werden aufgeführt: Musketier Heitmann ist mit 20 Jahren in Laon gestorben, Musketier Scharnberg mit 22 Jahren in Biala, Musketier Hüttmann mit 19 Jahren in Brubieres b. Dovai, Landsturmmann Kaiser mit 29 Jahren in Flandern und Leutnant d. Res. mit 30 Jahren in Frankreich.

Zwei Soldaten haben das Eiserne Kreuz II erhalten.

 

SH Hamfelde rechts web


Auf der rechten Seite haben einen Stein erhalten: San. Vizefeldw. Prahl ist mit 29 Jahren im Houthoulster Wald gestorben, Landsturmmann Vokuhl mit 30 Jahren in Metz, Jäger Vokuhl mit 31 Jahren auf dem Balkan, Musketier Willhöft mit 18 Jahren in Laon und Musketier Prahl 21 Jahren in Hochberg.

Auch hier sind zwei Soldaten mit dem Eisernen Kreuz II geehrt worden.

3701 Solinger fielen »auf dem Felde der Ehre«, wie es damals hieß. Zusammen mit fast zehn Millionen anderen jungen Männern sinnlos geopfert von einer Clique machtverwöhnter Aristokraten und Politiker, denen es – so weiß man heute – völlig egal war, wer da für sie starb.

Uli Preuss im Solinger Tageblatt, 9. November 2018

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Ihr seid nicht umsonst gefallen!

»Der Kriegsausgang hatte im Hinblick auf die Entwicklung der Kriegerdenkmäler und des Gefallenengedenkens einschneidende Konsequenzen. Der siegreiche Verlauf des Krieges von 1870/71, die Verwirklichung der langersehnten Reichseinigung und die Aufrichtung des Kaisertums ließen den Gefallenentod in diesem Krieg als sinnvoll erscheinen. Das mit jenem Krieg neugewonnene und durch entsprechende Gesinnungsakte immer wieder erneuerte nationale Prestige und das Gefühl, einer aufstrebenden Großmacht anzugehören, waren hinreichender Trost für die Hinterbliebenen.

Nach dem ersten Weltkrieg konnten sich dergleichen hohe und tröstliche Gefühle nicht einstellen. Die Erfahrung des Massensterbens an der Front, die noch lange nachwirkenden Eindrücke des Stellungskrieges im Westen und der neuen Kampfmittel, dann der für die meisten Menschen überraschende und niederschmetternde Kriegsausgang, die unbegreifliche Niederlage, das Bekanntwerden der immensen Zahl an Kriegsopfern und schließlich die trostlose Perspektive, die das ›Versailler Diktat‹ dem Deutschen Reich eröffnete, verlangten geradezu nach einer Sinngebung des Gefallenentodes. das ›Ihr-seid-nicht-umsonst-gefallen‹, das jede Denkmalseinweihung und jede Kriegergedächtnisfeier begleitete, war als Trotzreaktion der Überlebenden immer auch eine Drohung, daß mit diesem Kriegsausgang das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. Kriegerdenkmäler waren in ihrer Formensprache ein bildhafter Ausdruck der uneingestandenen Niederlage. Dem Künstler, der den Auftrag erhielt, ein Kriegerdenkmal zu entwerfen, stellte sich die schwierige Aufgabe, dem Gefühl Ausdruck zu verleihen, man habe zwar den Krieg verloren, fühle sich aber nicht und gelte auch nicht als besiegt. [...]

Die politische Funktionalisierung und Instrumentalisierung des Gefallenentodes durch Denkmalgestalt, Einweihungsfeier und Denkmalsnutzung wurden in dem Maße stärker, wie die Trauer der Hinterbliebenen mit der Zeit abklang oder eine pietätvolle Rücksichtnahme auf die Betroffenheit dieser Personengruppe nicht mehr notwendig erschien. Man gedachte des ›Opfers‹ der Gefallenen in der Absicht, die ›zukünftigen Geschlechter‹ auf bestimmte Werthaltungen und kämpferische Charaktereigenschaften, die den Gefallenen angeblich zu eigen gewesen seien, einzuschwören. In Kreisen des Militärs, der Veteranenorganisationen und der vaterländischen Verbände verband man damit die Absicht, dadurch die unerwünschte pazifizierende Kraft der Trauer neutralisieren zu können. Der Opfertod der Gefallenen behalte nur dann seinen Sinn, wenn das deutsche Volk den Gefallenen im Geiste der Opferbereitschaft und im Geiste der Frontkameradschaft nachzufolgen bereit sei.«

Gerhard Schneider, »... nicht umsonst gefallen«? Kriegerdenkmäler und Kriegstotenkult in Hannover, Hahnsche Buchhandlung 1991


Fünf Jahre nach Kriegsende und vier Jahre nach dem Versailler Frieden ging es bei dem neuen Ehrenmal wahrlich nicht um die Ehrung der Soldaten oder Trauer um die Gefallenen. Es war der Gedanke an Rache und Revanche, der oberste Priorität hatte: Das Sterben der Kameraden dürfe nicht umsonst gewesen sein.

Kriegerdenkmäler in der Friedensstadt, Aschendorff Verlag 2018, S.60

Gefallen:
»... verweist auf das Wort ›fallen‹, dem Wörter wie ›hinfallen‹ aber auch ›fällen‹ zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort ›fallen‹ seines Schreckens, im Wort ›fällen‹ verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort. [...]

An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort ›Gefallener‹ (oder ›gefallen‹) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 22 und 61


»Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: ›der Gefallenen‹. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung ›Gefallene‹ eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort ›fallen‹ verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der ›fiel‹, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort ›fallen‹, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.«

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 100

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


SH Wulfsdorf Hitler EK web

• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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Findlinge

»Findlinge wecken Assoziationen zu germanischen und keltischen Hünengräbern und Dolmen. Die Romantik entdeckte sie wieder, nach den Befreiungskriegen verbreiteten sie sich als Denkmalstyp und setzten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts vorwiegend in Norddeutschland gegen den Obelisk durch. [...]

Findlinge sind große (Granit-)Steine aus der heimatlichen Landschaft. Die Denkmalstifter holten sie oft selbst aus der Heide oder aus dem Harz mühevoll herbei. Als Monolith steht der Findling für die Einheit des Landes, fast unbearbeitet, strahlt er Naturwüchsigkeit aus, selbst ein Teil der uralten Überlieferung mahnt er zu ewigem Gedenken.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 134

»Germanisierende Motive finden sich in Gestalt zahlreicher Findlingsdenkmäler. In den Hünengräbern sah man ›Vorbilder für Erinnerungsmale, würdig der Größe des Opfers, das die Söhne unseres Volkes gebracht haben‹.«

• Gerhard Schneider, »... nicht umsonst gefallen«?, Hannoversche Geschichtsblätter 1991, S. 203

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Aus der Hamfelder Chronik

Text folgt

 

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Volkstrauertag 2019

»Zum Gedenken« steht auf der Kranzschleife der Gemeinde Hamfelde.

SH Hamfelde Kranz web


»Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. ›Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.‹ [Giordano, Die zweite Schuld, S. 324]«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 29


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Die deutsche Eiche

»Die Eiche zählt schon lange als »deutscher« Baum. Ihr hartes Holz und das charakteristische, spät fallende Laub machten sie seit der Zeit der Germanen zum Symbol für Unsterblichkeit und Standhaftigkeit. In jüngerer Zeit, besonders seit der Romantik, gilt die Eiche zudem als Symbol der Treue.

Das Eichenlaub ist ein politisches und militärisches Symbol sowie eine Figur in der Heraldik, das den gelappten Laubblättern von in Mittel- und Südeuropa heimischen Eichenarten nachempfunden ist. Die Blätter können getrennt oder an einem Zweig angeordnet dargestellt sein.

Mit der Nationalromantik des 19. Jahrhunderts, mit der Deutschen Revolution 1848/1849 und der Reichsgründung 1871, die das Gefühl nationaler Einheit bestärkten, zog das Eichenlaub in die deutsche Symbolsprache ein. Auf deutschen Ehrenmalen, Kränzen, Hoheitszeichen und dergleichen dient Eichenlaub in ähnlicher Form wie Zweige des Lorbeerstrauches bzw. der Lorbeerkranz.

Aus diesem Grund findet man Eichenlaub oft auf Orden, Symbolen und Münzen, so beispielsweise als Erweiterung des Ordens Pour le Mérite sowie auf dem Eisernen Kreuz. Während des Zweiten Weltkrieges gab es zudem das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub. Seit 1957 ist es Vorschrift, dass Orden aus der Zeit des Nationalsozialismus nur noch ohne das damals – bis auf wenige Ausnahmen – obligatorische Hakenkreuz getragen werden dürfen. Dieses wurde daher beim Eisernen Kreuz sowie dessen Erweiterungsstufen – wie bei den ersten Eisernen Kreuzen aus der Zeit der Befreiungskriege – durch drei Eichenblätter ersetzt.«

Nach Wikipedia, abgerufen am 12. November 2019


»Die Eiche beziehungsweise das Eichenlaub setzen im Denkmal einen deutsch-nationalen Akzent. Die Eiche galt seit dem 18. Jahrhundert als heldisch-deutsches Symbol und assoziiert als ›deutsche Eiche‹ darüber hinaus urwüchsige Stärke und mythologische Vergangenheit.«

Reinhard Alings, Monument und Nation, Berlin 1996, S. 525

 

MP Sagard Eisernes Kreuz web2


Das Eiserne Kreuz auf dem Denkmal zur Völkerschlacht bei Leipzig in Sagard auf Rügen.

Den Anlass der Ordensstiftung gaben die beginnenden Befreiungskriege gegen die Vorherrschaft des napoleonischen Frankreich in Mitteleuropa, zu denen Friedrich Wilhelm III. kurz zuvor mit seiner am 17. März 1813 gleichfalls in Breslau erlassenen Proklamation »An mein Volk« aufgerufen hatte. Auf Grundlage einer Zeichnung des Königs wurde Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer entsprechenden Reinzeichnung beauftragt. Wörtlich heißt es dazu:

»Se. Königl. Maj. haben beschlossen, für die Dauer des jetzigen Krieges eine eigenthümliche Auszeichnung des Verdienstes eintreten zu lassen. Sie soll in einem schwarzen in Silber gefaßten Kreuz aus Gußeisen bestehen, und dessen Vorderseite ganz glatt und ohne alle Inschrift bleiben, die Kehrseite aber zu oberst den Namenszug FW mit der Krone, in der Mitte drey Eichenblätter, unter die Jahreszahl 1813 enthalten. Se. Maj. haben allerhöchstselbst die anliegende Zeichnung davon entworfen, und wünschen eine sauber ausgeführte Zeichnung.«

 

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Foto: Wikimedia Commons / Concord

Das Emblem der DDR mit Eichenlaub über dem Eingang zum Opernhaus in Leipzig.

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Geschichte
Für Volk und Vaterland
Das Eiserne Kreuz
Das Schwert
Die Schrift

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Haselau, Kreis Pinneberg

Auf dem Friedhof an der Heiligen Dreikönigskirche

In einer stillen Ecke steht dort das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten beider Weltkriege.

 

SH Haselau Kirche web


Auf dem Foto schemenhaft am linken Bildrand ist es links unter der Blutbuche zu erkennen.

 

SH Haselau Ketten web


Es besteht aus der mittleren Steinplatte, die den toten Soldaten des 1. Weltkriegs gewidmet ist und zwei kleineren Steinplatten an den Seiten und einer Bodenplatte für die Wehrmachtsangehörigen, die im 2. Weltkrieg zu Tode kamen.

 

SH Haselau gesamt web


Durch die Art der Aufstellung erinnert das Denkmal an ein Triptychon. Laut Wikipedia werden dreigeteilte Gemälde oder dreiteilige Relieftafeln als Triptychon bezeichnet, die sich insbesondere als Andachts- oder Altarbild finden. Triptychen bestehen aus einer Mitteltafel und zwei meist schmaleren Flügeln, manchmal ergänzt durch einen Sockel unter dem Mittelteil.

 

     SH Haselau IWK web


Auf der hellen Marmorplatte mit dem angehauenen Rand ist oben die Widmung fein herausgearbeitet, die erste Zeile ist im Bogen gesetzt:

Ihren gefallenen Söhnen
1914  (Eisernes Kreuz) 1920.
Die Gemeinde Haselau.

SH Haselau oben web


Das Eiserne Kreuz trägt die Kaiserkrone, das »W« für Kaiser Wilhelm II und »1914« für die in diesem Jahr erfolgte erneute Stiftung des Ordens durch Wilhelm II.

 

SH Haselau Reliefs web


Die Namen der 33 toten Soldaten sind im großen oberen Teil in zwei Spalten gesetzt und werden dort durch ein lorbeerbekränztes Schwert getrennt.

Die Namen, teilweise mit abgekürzten Vornamen, werden in kleinerer Schrift ergänzt durch Geburts- und Todesdatum, dazu ist der Sterbeort gesetzt.

 

SH Haselau Helm web


Unten endet die Liste mit einem Namen in der Mitte, rechts und links ergänzt durch Zierreihen aus Quadraten. Darunter folgen rechts und links noch zwei Namen, die durch einen Stahlhelm auf Lorbeerlaub getrennt werden.

Die Namen sind nach Todestagen geordnet, der erste Soldat ist am 16.9.14 in Frankreich ums Leben gekommen, der letzte am 4.9.18 in Neumünster. Ein Soldat wird als vermisst aufgeführt.

Wieso die Jahreszahlen auf dem Stein mit 1914 und 1920 angegeben sind, erschließt sich nicht.

 

     SH Haselau gesamt von oben web


In die Bodenplatte aus rötlichem Granit sind 30 Namen von vermissten Wehrmachtsangehörigen graviert. Sie sind in drei Spalten gesetzt.

 

SH Haselau Platte web


Es konnte nur das Geburtsdatum angegeben werden, danach sind die Namen geordnet. Die kleinen Ziffern sind teilweise nicht mehr zu lesen. Die Zahl der Vermissten, von 79 Haselauer Wehrmachtsangehörigen sind 30 ohne Todestag angegeben, ist erstaunlich hoch. Oder kannte man diese Daten nicht?

 

     SH Haselau links web


Auch die beiden rötlichen Granitplatten an den Seiten haben rauh gehauene Ränder, an den oberen Außenecken sind die Steine grob abgerundet. Beide Steine haben oben die Inschrift, die erste Zeile wurde wieder im Bogen gesetzt:

Für Volk u. Vaterland
1939 (Eisernes Kreuz) 1945

Es folgen die 49 Namen der getöteten Soldaten mit Geburts- und Sterbedatum, wieder geordnet nach Todestag. Der erste Soldat von den 25 Genannten auf der linken Platte ist am 17.9.39 zu Tode gekommen.

 

Die Formulierung »Für Volk und Vaterland« läßt vermuten, dass sich die Denkmalsstifter auch nach dem 2. Weltkrieg noch anhaltend mit dem Begriff der »Volksgemeinschaft« identifiziert haben.

»Das Ziel nationalsozialistischer Politik lag in der Herstellung der ›Volksgemeinschaft‹, einer Gesellschaftsordnung, der nur die ›erbbiologisch wertvollen‹ und ›rassereinen‹ Deutschen angehören und aus der die ›Fremdvölkischen‹ und ›Gemeinschaftsfremden‹, allen voran die Juden, ausgeschlossen werden sollten.«

Michael Wildt, Bundeszentrale für politische Bildung, 2012

Mehr dazu auf www.bpb.de

 

     SH Haselau rechts web


Auf der rechten Granitplatte werden in ebenso schwarzer Schrift weitere 24 tote Soldaten aufgeführt. Der zuletzt Gestorbene ist am 13.11.1947 ums Leben gekommen. Nach Kriegsende in Deutschland am 8. Mai 1945 sind insgesamt noch fünf Soldaten gestorben.

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Die Geschichte

Das Denkmal für die Soldaten des 1. Weltkriegs stand ursprünglich an der Dorfstraße, erhöht neben der Friedenseiche und war umgeben und gestützt von großen Findlingssteinen.

SH Haselau historisch web


Dieses Bild aus dem Jahr 1934 stammt aus der Haselauer Chronik. Einen Teil dieser Chronik »Unter dem Hakenkreuz« hat der Haselauer Bürgermeister Rolf Herrmann dankenswerterweise auf die Gemeindewebsite gestellt.

Er schreibt: »Geschichte muss aufgearbeitet, bewältigt und den Menschen erklärt werden, die diese Zeit nicht miterleben mussten. Aus diesem Grunde habe ich die Seiten aus der Haselauer Chronik über die Zeit von 1933 bis 1945 in diese Website der Gemeinde Haselau gestellt.«


Gemeindechronik Haselau »Unter dem Hakenkreuz«


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Für Volk und Vaterland

Kriegerdenkmäler für den »gemeinen Mann« stehen in einer eigenen Tradition, die begann, als im 18. Jahrhundert das stehende Heer das Söldnerheer verdrängte und das stehende Heer sich durch die allgemeine Wehrpflicht – in Preußen 1814 eingeführt – zum Volksheer wandelte. Das Söldnerheer verrichtete ein riskantes aber Profit versprechendes Handwerk. Das Freiwilligen- oder Volksheer griff nicht des Geldes wegen zu den Waffen. Die Vorstellung, das Vaterland von feindlicher Besetzung zu befreien oder vor feindlichem Zugriff zu schützen, wurde auch in den Kriegen aufrechterhalten und propagiert, wo die Führung den Angriff befahl. Denkmäler tradieren seit ihrem ersten Auftreten die Überzeugung, im Krieg für drei traditionsreiche Werte gekämpft zu haben: »für das Vaterland als höchstem Gut, dem der Einzelne unter Aufbietung aller Kräfte diente, zweitens der Monarchie, der er sich bereitwillig unterordnete und drittens seinem überzeugtem Christentum.« (zitiert nach Lurz, Kriegerdenkmäler in Deutschland, Band 1, S. 260) Ein solches Bewusstsein lässt nicht daran zweifeln, auf der richtigen Seite und für die gute Sache gekämpft zu haben.

• Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 78

Wenn in den Inschriften explizit erwähnt wird, für was die Soldaten gestorben sind, ist es in den häufigsten Fällen das »Vaterland«. Die Verwendung dieses Begriffes war nach dem Ersten Weltkrieg meist mit einer nationalistischen Haltung verbunden: das deutsche Vaterland, mit dem die eigene Identität untrennbar verknüpft ist, und nur das deutsche Vaterland stellt höchsten Wert dar. Dass dieses »Vaterland« aus dem Streben nach europäischer Vormachtstellung mit im wahrsten Sinne Feuereifer in den Ersten Weltkrieg eingetreten ist, die Soldaten also in Wahrheit für einen Staat starben, der mittels ihrer Hilfe und ohne Rücksicht die eigenen Machtinteressen verfolgte, wird ausgeblendet. 

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

»Ihren gefallenen Söhnen« ... verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort.

• Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 22

Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: »der Gefallenen«. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung »Gefallene« eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort »fallen« verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der »fiel«, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort »fallen«, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 100

Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. »Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.« [Giordano, Die zweite Schuld, S. 324].

• zitiert aus Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 29


Ende der 60er, Anfang der 70er gibt es in Deutschland einen grundlegenden Paradigmenwechsel. Es kommen jüngere Historiker und jüngere Offiziere in verantwortliche Positionen, die vieles von dem was vor 1914 bis 1918 war hinterfragen, die auch ganz andere Fragen an die Vergangenheit stellen und an die entsprechenden Repräsentationen der Vergangenheit. Die sich fragen: Ist es noch zeitgemäß Erinnerungen zu pflegen, die Ausdruck von Aggression, Imperialismus und Hybris ist?

Michael Epkenhans, Historiker, Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Potsdam

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


SH Wulfsdorf Hitler EK web

• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017


Neben dem Thorshammer ist das Eiserne Kreuz das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z. B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle.

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Das Schwert

Das Schwert verweist auf die Helden der Antike und damit auf  eine »edle Gesinnung der Kämpfenden«. Artus, Parzival, Roland, Siegfried & Co. – tragen ihre Schwerter als Recken der Tapferkeit und Treue. Auf den Kriegerdenkmälern fordern Schwerter, selbst wenn sie als Zeichen der Niederlage gesenkt oder abgebrochen dargestellt werden, die nachfolgenden Generationen zu »Wehrwillen und Mannhaftigkeit« auf.

Das Schwert ist in der Menschheitsgeschichte die erste ausschließlich zum Töten anderer Menschen geschaffene Waffe. Ein Symbol der Macht: Wer auf dem Schlachtfeld unterlag, übergab dem Sieger seine Waffe. Das Schwert verleiht den Status eines Herrschers. Die englische Königin führt den Ritterschlag bis heute mit dem Schwert aus.

Nach dem Mittelalter verlor das Schwert seine Bedeutung als Waffe – und wurde in der Symbolsprache der Propaganda umso wichtiger. Im 1. Weltkrieg, dem ersten industriellen Krieg in der Geschichte, hatte das Schwert als Bild-Symbol auf Orden und Medaillen Hochkonjunktur. Auch im Nationalsozialismus galt das Schwert als Zeichen für heldenhaften Kampf. 

Ab 1980 wurde die Symbolkraft des Schwertes umgekehrt: Wer »Schwerter zu Pflugscharen« macht, schafft Frieden. »Schwerter zu Pflugscharen« ist ein Teilzitat aus der Bibel beim Propheten Micha, das zur Redewendung geworden ist. Es drückt das Ziel des Völkerfriedens durch weltweite Abrüstung und Rüstungskonversion aus. Es wurde der Slogan staatsunabhängiger Abrüstungsinitiativen in der DDR, den auch Teile der westdeutschen Friedensbewegung übernahmen.


Schwerter zu Pflugscharen bei Wikipedia


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Die Schrift

     MP Alt Rehse Schrift web       

Aus der Werbeschrift einer Satzanstalt im »Dritten Reich«

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschriften
Historische Postkarte
Die Luthereiche
Der Stahlhelm
Das Schwert
Das Eiserne Kreuz

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Haseldorf, Kreis Pinneberg

Im Schlosspark neben der Kirche St. Gabriel

Zwei Kriegerdenkmäler sind dicht am Weg durch den Park für die toten Soldaten beider Weltkriege aufgestellt worden.

     SH Haseldorf IWK web


Die an den Kanten unregelmäßig bearbeitete graue Steinplatte ist den 56 toten Soldaten der Gemeinde und des Gutsbezirks Haseldorf gewidmet. Das Denkmal wurde Mitte Oktober 1921 eingeweiht. Vor einigen Jahren war die Fläche vor den beiden Denkmälern noch mit Zementplatten gepflastert. Als diese Fotos 2018 entstanden, war Rasen angesät worden. Schmale Sandwege führen jetzt zu einer eingefassten Sandfläche vor den Steinen.

 

SH Haseldorf oben web


Über der Widmung sehen wir einen Stahlhelm auf gekreuzten Eichenzweigen im Relief. Darunter steht:

Gemeinde und Gutsbezirk Haseldorf
ihren gefallenen Helden
Weltkrieg 1914 – 1918.

 

SH Haseldorf Schwert web


Ein gesenktes, detailreich dargestelltes Schwert teilt die Namensliste in zwei Spalten. Von oben nach unten windet sich eine stilisierte Lorbeerranke um das Schwert. Die 56 Vor- und Nachnamen, gefolgt von Geburts- und Sterbedatum sind in einer Frakturschrift mit Schmuckinitialen graviert und schwarz ausgemalt. Sie sind ohne Bündigkeit gesetzt. Die genannten Monate sind ausgeschrieben bzw. abgekürzt. Die Angaben »geb.« und »gef.« stehen nur in der jeweils ersten Zeile, darunter werden sie durch Wiederholungszeichen ersetzt. Die Namen sind nach Sterbedatum geordnet. Am Ende der Liste liest man von einem am 22. Juli 19 Gestorbenen = gest., er ist also nicht im Kampf »gefallen«. Darunter werden noch drei vermisste Soldaten genannt. Seltsamerweise werden sie auf den Tag genau am 24. Juni 15, am 23. Juni 16 und am 11. Mai 17 vermisst. Auf Höhe der Parierstange des Schwertes müssen die Angaben zu einem Soldaten Platz machen und werden dort in zwei Zeilen aufgeteilt

 

     SH Haseldorf IWK Seite web


Von vorne sieht der Stein mächtig aus, aber das Denkmal ist eine relativ schmale Steinplatte.

 

SH Haseldorf IWK Hinten web


Auf der Rückseite der Steinplatte steht:

Stein und Platz sind gestiftet
von der Gemeinde und Gutsbezirk Haseldorf
1921.

 

SH Haseldorf beide web


Links daneben steht die kleinere Steinplatte für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs, ebenfalls mit natürlichen Kanten.

 

SH Haseldorf IIWK web


Oben ein großes Eisernes Kreuz mit einer starken Außen- und einer dünnen Innenkontur. Darunter versetzt die Jahreszahlen des 2. Weltkriegs. In kleinerer serifenlosen Schrift:

Ihr seid unvergessen

 

SH Haseldorf IIWK Seite web

 

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Die Inschriften

Fachleute definieren Begriffe, die auf den Denkmalstafeln in Haseldorf genannt werden:

Gefallene: ... verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 22

Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: »der Gefallenen«. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung »Gefallene« eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort »fallen« verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der »fiel«, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort »fallen«, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 100

Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Helden, als Brüder, als Söhne und in der Steigerung als Heldensöhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

• Pastor Ulrich Hentschel, Studienleiter für Erinnerungskultur in der Ev. Akademie der Nordkirche

Unvergessen: Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. »Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.« [Giordano, Die zweite Schuld, S. 324].

• zitiert aus Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 29

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Historische Postkarte

So sah die Denkmalsanlage im Schlosspark vor dem 2. Weltkrieg aus. Der große Stein stand auf einer kreisrunden Rasenfläche mit symmetrischer Bepflanzung dicht am Stein. Durch eine hohe schmiedeeiserne Pforte, aufgehängt an schmalen kugeltragenden Pfeilern, betrat man die Anlage und konnte den Denkmalstein auf einem breiten Sandweg umrunden.

SH Haseldorf alte Karte web


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Die Luthereiche

Als Luthereichen werden Eichen bezeichnet, die im Gedenken an Martin Luther gepflanzt wurden oder in direktem Zusammenhang mit dem Wirken des Reformators stehen sollen. Häufig handelt es sich um Bäume der Art Stieleiche. Am bekanntesten ist die Luthereiche in der Lutherstadt Wittenberg, an deren Standort Luther 1520 sein Exemplar der päpstlichen Bannandrohungsbulle Exsurge Domine verbrannt hat.

Im Jahr 1883 wurden anlässlich des 400. Geburtstags von Martin Luther in vielen, in der Regel mehrheitlich evangelisch-lutherischen Orten Luthereichen gepflanzt. Diese Bäume stellen heute die größte Gruppe der Luthereichen; oftmals stehen sie auf Plätzen vor Kirchen oder sonstigen zentral gelegenen Standorten. Vergleichbar sind sie mit den Bismarckeichen, die an den Reichskanzler Otto von Bismarck erinnern, und den Kaisereichen. Zur Pflanzung weiterer Luthereichen kam es vereinzelt im Jahr 1917 anlässlich des 400. Jubiläums der Reformation.

Als in den 1980er und 1990er Jahren befürchtet wurde, dass die Wittenberger Luthereiche einginge, wurden bei verschiedenen Anlässen Eicheln des Baumes verteilt, um durch die Sämlinge das Überleben an anderen Orten zu sichern. So erhielt 1997 der Heimatverein Unna-Mühlhausen/Uelzen bei der Verleihung des Umweltpreises der Evangelischen Kirche von Westfalen ein paar Eicheln überreicht. Im Jahr 1999 pflanzte man eine aus diesen Eicheln gezogene junge Eiche vor dem evangelischen Gemeindehaus in Lünern und gab ihr den Namen Luther-Eiche.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 16. 3. 2019

 

     SH Haseldorf Luthereiche web


Zum 500. Jubiläum der Reformation wurde auch im Haselauer Schlosspark neben der Kirche und den Kriegerdenkmälern eine Luthereiche gepflanzt. Ob sie wohl auch von der Wittenberger Luthereiche abstammt? Auf alle Fälle passt sie gut zum Eichenlaub, das die toten »Helden« des 1. Weltkriegs ehrt.

 

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Der Stahlhelm

Neben dem militärischen Ehrenzeichen Eisernes Kreuz ist die Darstellung des Stahlhelms das meist gezeigte Symbol auf Kriegerdenkmälern. Wie kam es zu dieser Wirkmacht?

Die neuen Methoden der Artilleriekampfes im 1. Weltkrieg erforderten einen verbesserten Kopfschutz für die Soldaten. Der Lazarettarzt Professor August Bier (nach ihm ist z.B. eine Klinik in Malente benannt) beobachtete höchst gefährliche Granatsplitterverletzungen des Gehirns in erschreckender Häufigkeit und entwickelte darum zusammen mit dem Ingenieur Dr. Friedrich Schwerd den neuen Helm aus Stahl, der die bis dahin getragenen ledernen Pickelhauben ablöste. Die ersten 30 000 Helme wurden im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert.

Die Vorstellung von der stählernen Schutzwirkung wurde fortan auf Postkarten, Kriegsanleiheplakaten, Schmuckblättern usw. propagandistisch ausgeschlachtet und symbolisch überhöht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde dieser Symbolwert noch gesteigert.


     SH Kasseedorf Plakat Stahlhelm web

     Plakat von Ludwig Hohlwein zum 10. Reichsfrontsoldatentag 1929

Der Historiker Jürgen Kraus macht drei vorherrschende semantische Felder aus, die dem Stahlhelm in diesem propagandistischen Zusammenhang schon für die Zeit des Krieges zugeordnet werden können. Zum einen hoben die Kriegsanleiheplakate den einzelnen Soldaten aus dem »massenhaften Elend der Materialschlachten« heraus, der nun »gleichermaßen geschützt wie heroisiert durch den neuen Stahlhelm siegessicher als Heldenfigur auf den Plakaten erschien.« In seiner Funktion als Schutzhelm verwies er auf die Gefahren und den Tod auf dem Schlachtfeld und wurde von daher zum Symbol für die Front schlechthin. Viel stärker als die Pickelhaube, die nun endgültig als Symbol für das Militär abgelöst war, vermochte der Stahlhelm den veränderten Bedingungen des Krieges kurz vor dessen Ende auch symbolisch Rechnung zu tragen.

Ein zweites semantisches Feld ergab sich besonders in der zweiten Kriegshälfte aus »der Vorstellung der ›stählernen‹ Schutzwirkung des Stahlhelms«, die nahe legte, daß der so behelmte Soldat an der Front imstande war, dem permanenten Beschuß durch den übermächtigen Feind, dem ›Stahlgewitter‹, standzuhalten und damit ein Vorbild für den Durchhaltewillen an der Front und auch in der Heimat zu sein.

Das dritte semantische Feld folgt laut Kraus schließlich aus der großen formalen Ähnlichkeit des neuen Stahlhelms mit typischen Helmformen des Mittelalters. [...] Indem der Träger des Stahlhelms so in die Nähe der historischen Gestalt des Ritters »als Repräsentant des deutschen Heeres« gerückt wurde, was auf zahlreichen Plakaten der Zeit in vielfältiger Weise geschah, konnte er als überzeitlicher »Kämpfer für Deutschland« stilisiert werden, der »ganz wie seine Vorkämpfer über die Jahrhunderte hinweg Unheil von Deutschland abzuwehren bestimmt war.«

Aus Kriegsvolkskunde, Gottfried Korff (Hg.), Tübinger Vereinigung für Volkskunde e.V., 2005, S.130f

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Das Schwert

Das Schwert verweist auf die Helden der Antike und damit auf  eine »edle Gesinnung der Kämpfenden«. Artus, Parzival, Roland, Siegfried & Co. – tragen ihre Schwerter als Recken der Tapferkeit und Treue. Auf den Kriegerdenkmälern fordern Schwerter, selbst wenn sie als Zeichen der Niederlage gesenkt oder abgebrochen dargestellt werden, die nachfolgenden Generationen zu »Wehrwillen und Mannhaftigkeit« auf.

Das Schwert ist in der Menschheitsgeschichte die erste ausschließlich zum Töten anderer Menschen geschaffene Waffe. Ein Symbol der Macht: Wer auf dem Schlachtfeld unterlag, übergab dem Sieger seine Waffe. Das Schwert verleiht den Status eines Herrschers. Die englische Königin führt den Ritterschlag bis heute mit dem Schwert aus.

Nach dem Mittelalter verlor das Schwert seine Bedeutung als Waffe – und wurde in der Symbolsprache der Propaganda umso wichtiger. Im 1. Weltkrieg, dem ersten industriellen Krieg in der Geschichte, hatte das Schwert als Bild-Symbol auf Orden und Medaillen Hochkonjunktur. Auch im Nationalsozialismus galt das Schwert als Zeichen für heldenhaften Kampf. 

Ab 1980 wurde die Symbolkraft des Schwertes umgekehrt: Wer »Schwerter zu Pflugscharen« macht, schafft Frieden. »Schwerter zu Pflugscharen« ist ein Teilzitat aus der Bibel beim Propheten Micha, das zur Redewendung geworden ist. Es drückt das Ziel des Völkerfriedens durch weltweite Abrüstung und Rüstungskonversion aus. Es wurde der Slogan staatsunabhängiger Abrüstungsinitiativen in der DDR, den auch Teile der westdeutschen Friedensbewegung übernahmen.


Schwerter zu Pflugscharen bei Wikipedia


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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden.

     Eisernes Kreuz 1WK Kaiser web

• »Fake News« anno 1914: Das Deutsche Reich hatte gerade Belgien überfallen, damit die Truppen sich auf dem schnellsten Weg zum Erzfeind Frankreich begeben konnten.

Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


SH Wulfsdorf Hitler EK web

• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017


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I N H A L T
Das Denkmal
Deutsch-Französischer Krieg 1870/71
Historische Postkarten
Im Sommer 2018
Theodor Körner
Begriffsklärung
Das Eiserne Kreuz

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Hassendorf, Kreis Ostholstein

An der Dorfstraße in der Ortsmitte

Das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten beider Weltkriege: eine gepflegte Anlage, mit Felssteinmauern in verschiedenen Abstufungen an drei Seiten eingefasst, vorne ein Eisenzaun mit Pforte.

SH Hassendorf gesamt web


Über drei breite Steinstufen erreicht man den Kiesvorplatz, ringsherum sind Beete angelegt.

 

SH Hassendorf ganz web


Das Denkmal besteht aus drei Mauerteilen, die durch zwei ebenso gemauerte Pfeiler getrennt werden. Die Seitenflügel sind nach aussen erhöht. Pfeiler und Seitenflügel sind mit überstehenden Steinplatten abgedeckt, sie werden mit je einer großen Granitkugel auf den Pfeilern und je einer kleinen in der Mitte der Seitenflügel geschmückt.

 

     SH Hassendorf Mitte web


Das hohe, nach oben zulaufende Mittelteil trägt in der Spitze das Relief eines großen Eisernen Kreuzes, darunter die Widmungs- und Namenstafel der toten Soldaten des 1. Weltkriegs. Unter der Tafel sind nach dem 2. Weltkrieg zwei Zeilen mit Buchstaben aus Metall angebracht worden:

ZU EHREN
DER TOTEN

Darunter sind im Mittelteil drei hervorstehende Steine als Kranzhalter eingemauert.


     SH Hassendorf Tafel web


Die Steintafel zum 1. Weltkrieg ist seitlich eingefasst von Steinwulsten, rechts als Lorbeer-, links als Eichenlaubgirlande gearbeitet.

Die Inschrift beginnt mit dem Satz:

VERGESST DIE
TREUEN TOTEN NICHT

Das ist die Abwandlung eines Aufrufs von Theodor Körner: »Vergiß die treuen Toten nicht und schmücke / Auch unsre Urne mit dem Eichenkranz!«. Theodor Körner, 1791-1813, war ein deutscher Dichter, der mit seinen Kriegsliedern zur patriotischen Identifikationsfigur wurde – bis heute! Lesen Sie weiter unten mehr darüber.

Darunter sind die Namen von 14 toten Soldaten aufgeführt, sechs mit Dienstgrad. Die Vornamen sind bis auf Karl und Otto abgekürzt. Am Ende jeder Zeile steht das Sterbedatum. Die Namen sind nach dem Sterbedatum chronologisch geordnet. Der erste starb am 22.10.1914, der letzte am 31.10.18. Nur die erste Datumsangabe hat eine vierstellige Jahreszahl.

Mit den »treuen Toten« sind hier eindeutig Soldaten gemeint und keine zivilen Opfer. Da die Widmung, die nach dem 2. Weltkrieg angebracht wurde, diese Bezeichnung in »Zu Ehren der Toten« aufnimmt, ist zu vermuten, dass auch hier nicht der zivilen und der Toten unter den Zwangsarbeitern im Dorf gedacht werden soll.

SH Hassendorf links web

 
Am linken Seitenflügel ist nach dem 2. Weltkrieg eine Zeile mit Ziffern aus Metall, analog zu der Widmung im Mittelteil, angebracht worden:

1914 - 18

Die Jahresangabe zur Dauer des 1. Weltkriegs steht über dem Stein, in den bei der Errichtung des Denkmals das Anfangsjahr des 1. Weltkriegs graviert war. In Fortsetzung der Steine vom Mittelteil sind hier in gleicher Höhe vier Kranzhalter eingemauert.

 

SH Hassendorf rechts web


Auf dem rechten Seitenflügel das gleiche Bild, diesmal mit der Jahresangabe zur Dauer des 2. Weltkriegs und darunter der Stein mit dem letzten Jahr des 1. Weltkriegs. Weitere vier Kranzhalter sprechen für die Annahme, dass in früheren Zeiten – als vor dem 2. Weltkrieg Soldatentreue und ehrenvoller Tod im Felde wieder hoch im Kurs standen? – die Anzahl der angehängten Kränze höher war als heute.

 

SH Hassendorf seitlich web


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Deutsch-Französischer Krieg 1870/71

In der Nachbarschaft der Denkmalsanlage ist auch ein schlichter Findling zum Deutsch-Französischem Krieg aufgestellt worden.

SH Hassendorf beide web


Nur getrennt durch die Auffahrt zu zwei Bauernhöfen.

 

SH Hassendorf 70 71 Eiche web


Dahinter eine deutsche Eiche, die bei Aufstellung des Steins gepflanzt worden sein könnte.

 

SH Hassendorf 70 71 web


Der Stein hatte 2018 eine frische geweißte Fläche auf der die schwarzen Zahlen zur Dauer des Krieges gut zur Geltung kommen.

 

Der Deutsch-Französische Krieg von 1870 bis 1871 war eine militärische Auseinandersetzung zwischen Frankreich einerseits und dem Norddeutschen Bund unter der Führung Preußens sowie den mit ihm verbündeten süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden und Hessen-Darmstadt andererseits.

Auslöser war der Streit zwischen Frankreich und Preußen um die Frage der spanischen Thronkandidatur eines Hohenzollernprinzen. Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck ließ die Emser Depesche, mit der er darüber informiert worden war, dass König Wilhelm I. die französischen Forderungen abgelehnt hatte, in provokant verkürzter Form veröffentlichen. Dies erregte auf beiden Seiten nationalistische Empörung und veranlasste den französischen Kaiser Napoléon III. am 19. Juli 1870 zur Kriegserklärung an Preußen.

Von den großen Schlachten gingen im gesamten Kriegsverlauf alle für Frankreich verloren oder endeten im Patt. Trotzdem fand sich die französische Regierung erst im Februar 1871, nach dem Fall von Paris, zum Vorfrieden von Versailles bereit. Offiziell endete der Krieg am 10. Mai 1871 mit dem Frieden von Frankfurt, der hohe Reparationen sowie die Abtretung Elsaß-Lothringens durch Frankreich vorsah.

Nach dem Deutsch-Dänischen und dem Deutschen Krieg von 1864 und 1866 gilt der Konflikt mit Frankreich als dritter und letzter der deutschen Einigungskriege. Noch während seines Verlaufs traten Baden, Bayern, Württemberg und Hessen-Darmstadt dem Norddeutschen Bund bei, der sich mit Wirkung vom 1. Januar 1871 Deutsches Reich nannte. Der preußische König Wilhelm I. nahm den Titel „Deutscher Kaiser“ an, Otto von Bismarck wurde erster Reichskanzler. In Frankreich hatte der Krieg nicht nur die endgültige Abschaffung der Monarchie zur Folge. Vor allem der Verlust Elsaß-Lothringens erzeugte einen dauerhaften, gegen Deutschland gerichteten Revanchismus. In Deutschland wiederum verfestigte sich die Vorstellung von der so genannten Erbfeindschaft gegenüber Frankreich. Beides belastete die deutsch-französischen Beziehungen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein.

nach Wikipedia, abgerufen am 9. 12. 2017


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Historische Postkarten

Aus dem Jahr 1936:

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Ca. 1955:

SH Hassendorf Postkarte ca 1955 web

SH Hassendorf Postkarte sw web


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Im Sommer 2018

SH Hassendorf Sommer2018 Muell web

Ein vielseitig zu nutzendes Gelände ...

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Theodor Körner

Carl Theodor Körner, geboren am 23. September 1791 in Dresden; im Gefecht gestorben am 26. August 1813 im Forst von Rosenow bei Gadebusch war ein deutscher Dichter und Dramatiker. Berühmt wurde er vor allem durch seine Lieder in den antinapoleonischen Befreiungskriegen. Nachdem er als »Sänger und Held« im Lützowschen Freikorps gefallen war, wurde er zur patriotischen Identifikationsfigur.

Körners teils stürmische, teils gefühlvolle Lyrik entsprach der ebenso romantischen wie vaterländisch kampfbereiten Gesinnung der Generationen in einem Deutschland, das auch nach den Befreiungskriegen noch lange Zeit in viele Einzelstaaten zersplittert war. Körners Sterben als Lützower Jäger erhob ihn zur vorbildhaften Gestalt. Die glaubwürdige Übereinstimmung von Dichtung und Leben empfahl seine Werke für die Lehrpläne erst des Deutschen Bundes, später des Deutschen Reichs. Körners Gedichte aus seinem Buch »Leyer und Schwert« wurden zum Vorbild für Kriegslyrik späterer Zeit.

Aber auch die Nationalsozialisten haben Theodor Körner für sich reklamiert. Das Gelände um die Grabstätte Körners und seiner Familie in Wöbbelin wurde 1938 aufwendig zur »nationalen Weihestätte« umgebaut und diente als Kulisse für Aufmärsche und Vereidigungszeremonien. Die Zeile »Das Volk steht auf, der Sturm bricht los« aus dem Gedicht »Männer und Buben« lieferte Joseph Goebbels die Textvorlage für die Phrase »Nun Volk, steh’ auf, und Sturm, brich los!«, das Finale der Sportpalastrede.

Nach 1945 wurde Theodor Körner in der BRD kritisch beleuchtet, in der DDR wurde er hingegen als patriotischer »Heldendichter« verehrt. Im 21. Jahrhundert werden ihm von Rechtsradikalen Verse unterschoben, die er nie geschrieben hat: »Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten, / vom Feinde bezahlt und dem Volke zum Spott. / Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, / dann richtet das Volk und es gnade euch Gott.« Dieser Spruch wird über das Internet verbreitet und u. a. bei Kundgebungen und Demonstrationen der Pegida eingesetzt. Am 23. September 2016 publizierte »Der Flügel«, eine von Björn Höcke geführte AfD-nahe Gruppierung, Körners Satz »Das Volk steht auf, der Sturm bricht los« fälschlicherweise mit dem obigen Spruch.

Nach Wikipedia, abgerufen am 28. November 2018

SH Hassendorf Koerner Fenster web

Foto: Ulrich Witt, Friedland; 2005 / Wikimedia Commons

Glasfenster nach einem Gemälde von Rudolf Eichstaedt im Haus einer Göttinger Studentenverbindung: Theodor Körner, am 26. August 1813, eine Stunde vor dem Angriff auf einen französischen Tross, trägt seinen Kameraden das von ihm gedichtete »Schwertlied« vor. Bei dem folgenden Gefecht im Forst von Rosenow bei Gadebusch wurde Theodor Körner getötet.

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Begriffsklärung

Die treuen Toten:
»Trauer, Trost, Treue – das sei die deutsche Totenfeier!« So fasste Pastor Maulhardt seine Predigt zum Volkstrauertag 1926 zusammen. Die Treue der Gefallenen wird auf Denkmälern oft beschworen. [...] Sie verspricht den Toten damit »ewiges Gedenken«, ein Gedenken, das – wie die Liebe – den Tod transzendiert. Der Mythos der Treue, der Führer und Gefolgschaft zusammenschweißt und deshalb oft mit dem Attribut »heilig« in Verbindung gebracht wird, verpflichtet nun die Mit- und Nachwelt. Die Treue sei das Maß, an dem wir gemessen werden, meinte der Präsident des Deutschen Jagdbundes anlässlich der Gedenkveranstaltung des 8. Bundestreffens auf dem Hildesheimer Ehrenfriedhof. Treue sei aber nicht denkbar ohne Disziplin und ohne den Glauben an Gott. Kaum ein Begriff ist so anfällig gegen Missbrauch wie dieser.

zitiert aus Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 53. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006


Ehren:
Ehren kann mehr bedeuten als nur jemanden in guter Erinnerung zu bewahren. Es kann die Absicht beinhalten, jemanden auszuzeichnen, also eine besondere Leistung, ein besonderes Verhalten, eine besondere Haltung hervorzuheben. Eine solche Form der Ehrung ist im zivilen Bereich mit der Verleihung von Ehrenbezeichnungen, Urkunden, Ehrenringen oder -plaketten oder auch Orden verbunden, im militärischen Bereich vor allem mit Orden [meist dem Eisernen Kreuz]. Das Kriegerdenkmal wird diesen Ordens- und Ehrenzeichen gleichsam zur Seite gestellt und posthum kollektiv verliehen. Grund der Auszeichnung ist die durch den Tod besiegelte besondere Treue oder Tapferkeit, Haltungen, die auch heute noch der Soldateneid einfordert.

ebd. S. 33

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


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• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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I N H A L T
Das Denkmal
Vor der Umgestaltung in den 50er Jahren
Die Errichtung

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Hattstedt, Kreis Nord-
friesland

Auf dem Kirchhof von St. Marien

Eine Denkmalsanlage am Rande des Friedhofs. Eine erhöhten Fläche wird hinten von einer halbrunden einsteinigen Feldsteinmauer begrenzt, darauf steht in der Mitte ein großer, kantiger graumarmorierter Findling mit einem Eisernen Kreuz als Relief im Kreis und darunter die Inschrift:

Der Tod ist verschlungen in den Sieg
1. Kor. 15, 55

Der Vers aus dem 1. Korintherbrief postuliert den Sieg des Lebens über den Tod durch die Auferstehung der Toten. Dieses biblische Zitat soll wohl den Angehörigen der getöteten Soldaten Trost spenden, soll dem Soldatentod eine religiöse Weihe geben. Man hat die Luther-Übersetzung des 1. Korintherbriefs benutzt, um am Soldatentod die christliche Überzeugung von der Überwindung des Todes durch Jesus Christus zu bezeugen.

Man könnte auch meinen, dass durch den Gebrauch des Wortes »Sieg« in diesem Zusammenhang eher die Niederlagen der deutschen Armeen verdrängt werden sollen.
 

SH Hattstedt gesamt web

 

SH Hattstedt Hauptstein web

Rechts und links stehen auf gemauerten Feldsteinsockeln kleinere Findlinge, jeder mit einem christlichen Kreuz und darüber die Jahreszahlen der beiden Weltkriege.

1914/18
1939/45

Vor jedem Findling steht eine Blumenschale. Neben den schmalen Gehwegen zu den Steinen sind niedrige Bodendecker gepflanzt.
Wie man weiter unten an den Schaubildern des Denkmalentwurfs sehen kann, sind die zwei Findlinge später dazu gesetzt worden.

 

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             SH Hattstedt 39 45 web


Auf der Vorderseite der Anlage ist in die Mitte der umfassenden Mauer eine Tafel eingefügt mit der Widmung:

Ihren gefallenen Söhnen zum Dank
Hattstedt · Hattstedtermarsch · Horstedt · Wobbenbüll
1914 -18  1939-45

Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Opfer, als Helden, als Brüder, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

SH Hattstedt Inschrift web

Weiter eingefügt sind 15 Tafeln mit den 61 Namen der getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs und den 170 Namen des 2. Weltkriegs. Es ist ungewöhnlich, dass die toten Soldaten nach ihrem Sterbeort und Zusatzinformationen geordnet sind: im Westen, im Osten, auf See, i. d. Heimat verst., Italien, vermisst Balkan, Afrika / Italien, i. d. Gefsch. verst., in Polen usw. Innerhalb des gleichen Sterbeorts sind die Toten nach ihren Heimatgemeinden aufgezählt. Manchmal sind Geburts- und Sterbedatum aufgeführt, manchmal nur eins von beiden, manchmal erhalten die an der Kriegsfront Getöteten ein Eisernes Kreuz vor ihrem Sterbetag.

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Vor der Umgestaltung in den 50er Jahren

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Aus dem Jahr 1925


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Im Jahr 1954 wurden die Findlinge an den Seiten ergänzt.

Als später auch die Namen der toten Soldaten des 2. Weltkriegs aufgezählt werden sollten, wurde die Denkmalsanlage durch einen erhöhten halbrunden Platz erweitert. Nicht nur die Hattstedter, auch die toten Soldaten der Heimatvertriebenen werden jetzt auf den Frontplatten aus Granit genannt.

Die Fotos haben wir von Johann Carstensen vom Dorfarchiv Hattstedt erhalten. Herzlichen Dank.

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Die Errichtung

Zuerst wurden die »Ehrentafeln« in der Kirche St. Marien zu Hattstedt aufgehängt. Im Herbst 1919 gab Pastor Martensen die Gedenktafeln aus Holz bei der Kunstgewerblichen Fachschule in Flensburg in Auftrag. Ab dem 22. Dezember 1919 ist der Schriftverkehr von Pastor Martensen mit der Fachschule und der Provinzialberatungsstelle für Kriegerehrung in Schleswig-Holstein, Geschäftsstelle Flensburg dokumentiert. Wie aus einem Brief hervorgeht, war die Fachschule mit der Provinzialberatungsstelle verbandelt, Schuldirektor Huber war auch Vorstandsmitglied bei der Beratungsstelle. Die Ausführung des Auftrags verzögerte sich, es wurde um Schriftgrößen und -farben verhandelt, die Schule wurde mit Aufträgen dieser Art überhäuft und Direktor Huber wanderte zu allem Überfluss nach Dortmund ab und der 1. Lehrer Herr Weddig musste sich neu einarbeiten. Am 28. September 1920 kamen die Tafeln dann endlich »bahnamtlich angerollt«. 

SH Hattstedt RechnungTafeln web


Auf der Rechnung notierte Pastor Martensen die Überweisung am 18. Oktober und die Zusammensetzung der Einnahmen:
Von der Sammlung  3980 M
Von der Sparkasse   1500 M

Dem voraus ging ein Disput über die Höhe der Rechnung. Herr Weddig führte u.a. aus, dass die Arbeitslöhne seit Auftragsvergabe um 100% gestiegen seien, jeder Buchstabe müsse jetzt M 2,- kosten, M 1,- sei der reine Selbstkostenpreis: »Aus vorstehenden Gründen bitte ich Sie auch unsere Rechnung gütigst anerkennen zu wollen.«

Das Kriegerdenkmal

In einem Brief vom 11. Juli 1919 riet die Provinzialberatungsstelle noch von der Errichtung eines Kriegerdenkmals auf dem Kirchhof von St. Marien ab:

» ... ist der Ansicht, dass von einem Denkmal auf einem neben dem Kirchhof gelegenen und jetzt für die Kirchhoferweiterung gekauften Stück Land besser Abstand genommen wird. Da der Grund und Boden der Kirche gehört, so erscheint es fraglich, ob die kirchliche Aufsichtsbehörde ihre Zustimmung geben wird, sofern die Planung zu irgendwelchen Bedenken Anlass gibt. Die Provinzialberatungsstelle rät im allgemeinen von der Anlage besonderer Denkmäler ab, da diese nur in den seltensten Fällen künstlerisch gelingen. Falls die Gemeinde unbedingt an dem Plane, ein Denkmal aufstellen zu wollen, festhält, so empfielt die Provinzialberatungsstelle als Architekt Herrn Carl Andresen, Flensburg, Südergraben 62 für die Aufstellung einer würdigen Planung.«

Mit Architekt Andresen trat Pastor Martensen daraufhin tatsächlich in Kontakt und vereinbarte ein Treffen, nachdem Architekt Andresen schrieb, dass er keinesfalls Vorschläge machen könne, ohne den Platz und die Steine gesehen zu haben. Er bat darum die Steine, die anscheinen schon vorhanden waren, freizulegen, damit er sie vermessen könne. Am 15. September 1919 wurde der Entwurf abgeschickt, der Preis für die Errichtung des Kriegerdenkmals wurde mit 8057,- M angegeben.

Bildhauer Andreas Treede aus Flensburg in seinem Kostenvoranschlag:

SH Hattstedt Bildhauer web

 

Viele Einzelheiten wurden schriftlich und mündlich geklärt und Möglichkeiten, den Preis durch Beauftragung von einheimischen Gewerken oder Eigenarbeit der Gemeindemitglieder niedriger zu halten, erwogen. Geld war wohl knapp und auch wenn ein »Ehrenmal« erbaut werden sollte: es musste gefeilscht werden!

Am 2. Oktober schrieb Pastor Martensen an Architekt Andresen, dass an eine Ausführung seines Entwurfes nicht zu denken sei. Architekt Andresen schickte daraufhin die Kostenrechnung für seinen Entwurf und argumentierte mit verschiedenen Vorschlägen für eine weitere Kostenreduzierung. Pastor Martensen möge sich doch noch einmal bei der Gemeinde für die Ausführung seines Entwurfs verwenden. Nach langem Hin und Her schaltete Architekt Andresen die Provinzialberatungsstelle ein und Pastor Martensen erhielt folgenden Brief vom 28. November 1919:

»Durch Herrn Architekt Andresen Flensburg erfährt die Provinzialberatungsstelle in Flensburg soeben, dass der Kirchenvorstand von der Aufstellung des Denkmals, für welches Herr Andresen eine Zeichnung entworfen hat, vorläufig Abstand nehmen will und dass später vielleicht ein kleiner Stein gesetzt werden soll. Da Herr Andresen darauf hinweist, dass die zur Verfügung stehenden Mittel mit seinem vorgesehenen Denkmal nicht überschritten werden und da es in Hattstedt Schwierigkeiten macht, eine wirklich gute Lösung der Kriegerehrungen zu finden, so möchte ich dem Kirchenvorstand dringend empfehlen, dass er die sehr gute Planung, welche Herr Andresen entworfen hat, doch zur Ausführung bringt.«

Was für ein Sinneswandel! Auch in einem zweiten Brief wurde beteuert, dass die Provinzialberatungsstelle unternehmen wird was sie kann, um die »Angelegenheit so sehr wie möglich« zu fördern. Es gab neue Ideen: mit Mauer, ohne Mauer, Treppe, Pfeiler usw.

SH Hattstedt Zeichnung sw web

SH Hattstedt Zeichnung farbig web


Zwei »Schaubilder« der unterschiedlichen Entwürfe von Zeichner Max Böttcher aus dem Jahr 1920. 915 M hat er für alle seine Zeichnungen schließlich bekommen.

Schließlich wurde das Kriegerdenkmal doch noch errichtet. Am 13. November 1920 musste dann schon die Spedition Nicolaysen aus Husum die Rechnungslegung für den Transport der Steine und Platten rechtfertigen.

An den Summen in der Schlußabrechnung sieht man: Pastor Martensen hat überall gekürzt! Und das zähe Verhandeln hat sich gelohnt: die Bilanz für die Tafeln in St. Marien und dem Denkmal auf dem Kirchplatz lautete:

 

SH Hattstedt Bilanz web

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Wir bedanken uns herzlich bei Albert Panten vom Kirchenkreisarchiv Nordfriesland in Breklum und Johann Carstensen vom Dorfarchiv Hattstedt für die Informationen und die Dokumente.

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschrift
Die Geschichte
Die Stadtkirche
Der Erzengel Michael
Historische Postkarten

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Heiligenhafen, Kreis Ostholstein

Denkmal im Park

Eine hohe Stele, gemauert aus bunten Feldsteinen steht auf einem erhöhten Platz, den man ringsherum über fünf Stufen erreicht. Sie hat zwei gestaltete Seiten, oben hat sie einen halbrunden gefächerten Abschluss.

SH Heiligenhafen gesamthinten web

Auf der stadtzugewandten Seite ist das Reliefbild unter dem Fächer an der Spitze nicht mehr zu erkennen. Darunter stehen die Jahreszahlen 1939 – 1945 (nachträglich angebracht) und darunter 1914 – 1918. Es folgt ein Eisernes Kreuz im Strahlenkranz und direkt anschließend die eingelassene Namens- und Widmungstafel. Die Inschrift lautet:

Sie alle starben für’s Vaterland
O Volk sei deiner Helden wert

Darüber werden 95 Namen von getöteten Soldaten und ihre Herkunftsorte genannt.


          SH Heiligenhafen gesamt web

SH Heiligenhafen Inschrift web

Auf der anderen Seite kann man oben im Reliefbild ein erhobenes (!) Schwert umrahmt von Eichenlaub sehen.

SH Heiligenhafen Schwert web


Dazu ein Zitat aus der Urkunde, die im Grundstein des Kriegerdenkmals am Pinneberger Bahnhof eingelassen worden ist: »Das Ehrenmal wird an der Vorderseite ein aufrechtes Schwert tragen. Hiermit soll die Mannhaftigkeit und der Wehrwille des deutschen Mannes vor aller Welt bekundet werden.«

          SH Heiligenhafen hinten web

Darunter parallel zum Eisernen Kreuz auf der anderen Seite ist das Relief eines kleines Kreuzes im großen Strahlenkranz eingelassen. Wiederum direkt anschließend folgen Bild- und Inschriftentafel. Das Bild zeigt einen durch einen schwungvollen tischartigen Aufbau erhöhten Drachentöter.

          SH Heiligenhafen Soldat web

Hier wird jedoch nicht der Erzengel Michael abgebildet, wie im Kirchenfenster der Stadtkirche (siehe weiter unten), sondern der Drachentöter trägt Stahlhelm, Uniform und Schaftstiefel. Dazu passend die Inschrift:

Und wenn die Welt voll Teufel wär.
Es muss uns doch gelingen

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Die Inschrift

Diese Zeilen stammen aus dem Kirchenlied »Ein feste Burg ist unser Gott«, dessen Text von Martin Luther wohl vor 1529 geschrieben wurde. Das Lied ist für den Protestantismus von großer Symbolkraft. Der Text ist angelehnt an den Psalm 46, »Gott ist unsre Zuversicht und Stärke«.

»Ein feste Burg ist unser Gott« erfuhr beginnend mit den Befreiungskriegen Anfang des 19. Jahrhunderts eine nationale Aufladung als Kampflied über den engeren religiösen Sinn hinaus. Davon zeugen die Einbindung in national-deutsch ausgerichtete Feiern wie das Wartburgfest 1817 oder die Einweihung des Lutherdenkmals in Worms 1868. Einen Höhepunkt erreichte die national-militaristische Instrumentalisierung während des Ersten Weltkriegs, als insbesondere die Zeilen »Ein feste Burg ist unser Gott« sowie »Und wenn die Welt voll Teufel wär« weite Verbreitung fanden (beispielsweise auf Kriegsansichtskarten). In diesem Kontext stand das Lied für das Selbstbild des von allen Seiten bedrohten Deutschland, das im Vertrauen auf Gott jedoch über alle Gegner dieser Welt triumphieren würde.

3. Strophe: Und wenn die Welt voll Teufel wär / und wollt uns gar verschlingen, / so fürchten wir uns nicht so sehr, / es soll uns doch gelingen.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 20. Februar 2017

SH Heiligenhafen Teufel web

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Die Geschichte

Schon seit den 1920er Jahren wollten ein Militärverein und eine Kampfgenossenschaft die Erinnerung an die getöteten Soldaten aus Heiligenhafen und den Nachbargemeinden wachhalten. Ab 1924 nimmt die Planung Fahrt auf, es gibt Aufrufe zur Mitarbeit und Veranstaltungen, um Geld einzuwerben. Die Baufirma Prüß und der Architekt Johann Boller übernehmen die Bauausführung, der Bildhauer Langfeldt aus Heiligenhafen ist für die künstlerische Gestaltung zuständig. Ende 1924 gehört dann auch die Vereinigung Stahlhelm zum Denkmalsausschuss. Am 17. Mai 1925 wird das Kriegerdenkmal eingeweiht.


• Hier können Sie einen Beitrag im Jahrbuch für Heimatkunde – Oldenburg / Ostholstein, 58. Jahrgang 2015 lesen. Geschrieben hat ihn der fast 90-jährige Senior der Rats-Apotheke am Markt Bendix Grasshoff. Wir danken Herrn Grasshoff, Herrn Hinrich Scheef, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde Oldenburg / Ostholstein e.V. und Frau Anja Pohle, Leiterin der Stadtbücherei für die Recherche.

Bendix Grasshoff, 2015

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Die Stadtkirche

Man betritt die Stadtkirche über einen Nebenraum, der als Erinnerungsort für die zwei Weltkriege fungiert. An der Aussenwand fiel das bunte Glasfenster ins Auge. Bei der Renovierung 2015 wurde das Fenster entfernt und der Raum ist umgestaltet worden.


         SH Heiligenhafen Kirche4 web


Hier war der zweite Drachentöter in Heiligenhafen abgebildet, diesmal mit Heiligenschein, Flügeln und Lanze – der Erzengel Michael.

 

         SH Heiligenhafen Kirche1 web

Unter einem Eisernen Kreuz und über den Namen der getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs kann man im Querbalken des Kreuzes lesen:

Unseren teuren, tapferen Helden
in Liebe, Dankbarkeit und treuem Gedenken
gewidmet von der Kirchengemeinde.
für unser Vaterland starben im Weltkriege
1914–1918

An der Längsseite des Raumes sind einzeilig in Überkopfhöhe bronzene Lettern angebracht:

* Wo sie auch ruhen in Meer und Land
sie sind gefallen in Gottes Hand
*

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Der Erzengel Michael

»Während des 1. Weltkriegs galt der Erzengel Michael als Führer und Schirmherr der Deutschen. Dabei vereinte seine Wiedergabe Relikte verschiedenster Herkunft ... Im Resultat ergab die Mixtur einen jugendlich-strahlenden Kämpfer, einen Siegfried als Schutzheiligen des deutschen Heeres. ... Das in diesen Darstellungen liegende Siegesbewußtsein, bei gleichzeitigem Gottvertrauen und der Gewißheit des gerechten Kampfs, kam auch in gleichzeitigen Gedichten zum Ausdruck:

Jetzt, Michel, zeig’ dich treu und groß,
Gürt’ nur dein altes gutes Schwert! ...
und zeig’ dem Feind in Ost und West,
wie deine Klinge zischt und loht ...

In einem 1915 zum Jahrestag des Kriegsausbruchs verfassten ›Lied vom deutschen Michel‹ von Cäsar Flaischlen heißt es über den Zustand nach dem erhofften Sieg:

Unserem Herrgott / Preis und Ehr! / Im übrigen aber / wie vorher: / Deutsche Kanonen, / zu Hütern bestellt, / bleiben der sicherste / Frieden der Welt!

Für die Situation am Kriegsende, die in der Weimarer Republik nachwirkte, ist ein Büchlein von 1918 symptomatisch. Der Verfasser Adolf Hauffen, Professor an der deutschen Universität in Prag, rekonstruierte darin die germanische Vergangenheit der Michaelsfigur, die auch das Ende der Siegesgewißheit noch unbeschadet überlebte.«


• Zitiert aus Meinhold Lurz, Kriegerdenkmäler in Deutschland, Band 3, Esprint-Verlag, 1985, S.96-97

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Historische Postkarten

SH Heiligenhafen ca 1920 web

• aus dem Jahr 1920

SH Heiligenhafen 1939 web

• aus dem Jahr 1939

SH Heiligenhafen 1943 web

• aus dem Jahr 1943

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I N H A L T
Das Denkmal
Historische Fotos
Begriffsklärung
Die sterbenden Helden
Das Eiserne Kreuz

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Hetlingen, Kreis Pinneberg

Am Rand eines großen Platzes vor der Kapelle St. Gabriel

Eingebetttet in die gärtnerische Anlage des Hofes stehen auf Steinplatten in verschiedenen Abstufungen die beiden Gedenksteine für die toten Soldaten der Weltkriege.

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Auf dem Weg zur Kapelle kommt man an Ihnen vorbei.

 

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Es sind zwei verschieden geformte Sandsteinplatten ähnlicher Art. Der höhere Gedenkstein auf der linken Seite ist den toten Soldaten des 1. Weltkriegs gewidmet.


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An der oberen Kante sind die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs, getrennt von der Kontur eines Eisernen Kreuzes, graviert.

 

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Auf der großen eingelassenen schwarzen Granittafel mit Dekorecken liest man:

Die Gemeinde Hetlingen
ihren unvergesslichen Gefallenen:

Es folgen die Vor- und Nachnamen von 36 toten Soldaten, die in zwei Spalten und in den Spalten auf Mitte gesetzt worden sind. Zu jedem Namen wird das Geburts- und das Todesdatum genannt. Die Liste ist nach dem Todesdatum 1914 bis 1918 geordnet. Nur die beiden am Ende genannten Soldaten sind seit dem 25. 9. 1915 und dem 8.8. 1916 vermisst, erstaunlicherweise weiß man das auf den Tag genau. Ausser den Vermissten = verm., gibt es noch eine weitere Unterscheidung bei der Nennung des Todesdatums. Gefallen = gef. für im Kampf getötet und gestorben = gest. für im Lazarett, in Gefangenschaft etc. zu Tode gekommen. 27 Hetlinger Soldaten sind gefallen, 7 sind gestorben – so wird auf der Gedenktafel die Todesart gewichtet.

 

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Die Namensspalten werden durch eine an den Enden verzierte Linie getrennt. Darunter lesen wir den Spruch:

Es wieget eines viele Taten auf – das ist,
um des Vaterlandes Not, der Heldentod.

Was ist in diesem Zusammenhang mit den Taten gemeint, die der Heldentod aufwiegen soll? Das Morden auf den Schlachtfeldern des 1. Weltkriegs, der von Deutschland begonnen wurde?

Diese Zeilen sind zitiert aus einer Ballade von Ludwig Uhland. Weiter unten können Sie die vollständige Ballade lesen.

 

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Auf der schlichten Steinplatte an der rechten Seite sehen wir wieder ein Eisernes Kreuz in Kontur, darunter lesen wir:

1939 – 1945
Für unsere Heimat

 

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Eingang und Vorplatz der 1971 erbauten Kapelle St. Gabriel der Evang.-Luth. Kirchengemeinde Haseldorf-Hetligen. Auf dem Foto sind rechts die Kriegerdenkmäler zu sehen.

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Historische Fotos

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Die Kriegerdenkmäler sind immer dabei: anderer Eingang, mehr Tannengün als üppiger Rhododendron und ein Vorplatz, wahrscheinlich in den 60er Jahren. Die Kapelle St. Gabriel wurde erst später gebaut.

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Begriffsklärung

Vaterland: Wenn in den Inschriften explizit erwähnt wird, für was die Soldaten gestorben sind, ist es in den häufigsten Fällen das »Vaterland«. Die Verwendung dieses Begriffes war nach dem Ersten Weltkrieg meist mit einer nationalistischen Haltung verbunden: das deutsche Vaterland, mit dem die eigene Identität untrennbar verknüpft ist, und nur das deutsche Vaterland stellt höchsten Wert dar. Dass dieses »Vaterland« aus dem Streben nach europäischer Vormachtstellung mit im wahrsten Sinne Feuereifer in den Ersten Weltkrieg eingetreten ist, die Soldaten also in Wahrheit für einen Staat starben, der mittels ihrer Hilfe und ohne Rücksicht die eigenen Machtinteressen verfolgte, wird ausgeblendet. 

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

Kriegerdenkmäler für den »gemeinen Mann« stehen in einer eigenen Tradition, die begann, als im 18. Jahrhundert das stehende Heer das Söldnerheer verdrängte und das stehende Heer sich durch die allgemeine Wehrpflicht – in Preußen 1814 eingeführt – zum Volksheer wandelte. Das Söldnerheer verrichtete ein riskantes aber Profit versprechendes Handwerk. Das Freiwilligen- oder Volksheer griff nicht des Geldes wegen zu den Waffen. Die Vorstellung, das Vaterland von feindlicher Besetzung zu befreien oder vor feindlichem Zugriff zu schützen, wurde auch in den Kriegen aufrechterhalten und propagiert, wo die Führung den Angriff befahl. Denkmäler tradieren seit ihrem ersten Auftreten die Überzeugung, im Krieg für drei traditionsreiche Werte gekämpft zu haben: »für das Vaterland als höchstem Gut, dem der Einzelne unter Aufbietung aller Kräfte diente, zweitens der Monarchie, der er sich bereitwillig unterordnete und drittens seinem überzeugtem Christentum.« (zitiert nach Lurz, Kriegerdenkmäler in Deutschland, Band 1, S. 260) Ein solches Bewusstsein lässt nicht daran zweifeln, auf der richtigen Seite und für die gute Sache gekämpft zu haben.

• Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 78

Gefallene: ... verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort.

• Ebd., S. 22

Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: »der Gefallenen«. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung »Gefallene« eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort »fallen« verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der »fiel«, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort »fallen«, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 100

Unvergessen: Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. »Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.« [Giordano, Die zweite Schuld, S. 324].

• zitiert aus Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 29

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Die sterbenden Helden

Eine Ballade von Ludwig Uhland

Der Dänen Schwerter drängen Schwedens Heer
Zum wilden Meer.
Die Wagen klirren fern, es blinkt der Stahl
Im Mondenstrahl.
Da liegen sterbend auf dem Leichenfeld
Der schöne Sven und Ulf, der graue Held.

Sven:
O Vater! daß mich in der Jugend Kraft
Die Norne rafft!
Nun schlichtet nimmer meine Mutter mir
Der Locken Zier.
Vergeblich spähet meine Sängerin
Vom hohen Turm in alle Ferne hin.

Ulf:
Sie werden jammern, in der Nächte Graun
Im Traum uns schaun.
Doch sei getrost! bald bricht der bittre Schmerz
Ihr treues Herz.
Dann reicht die Buhle dir bei Odins Mahl,
Die goldgelockte, lächelnd den Pokal.

Sven:
Begonnen hab ich einen Festgesang
Zum Saitenklang
Von Königen und Helden grauer Zeit
In Lieb und Streit.
Verlassen hängt die Harfe nun, und bang
Erweckt der Winde Wehen ihren Klang.

Ulf:
Es glänzet hoch und hehr im Sonnenstrahl
Allvaters Saal,
Die Sterne wandeln unter ihm, es ziehn
Die Stürme hin.
Dort tafeln mit den Vätern wir in Ruh,
Erhebe dann dein Lied und end es du!

Sven:
O Vater! daß mich in der Jugend Kraft
Die Norne rafft!
Noch leuchtet keiner hohen Taten Bild
Auf meinem Schild.
Zwölf Richter thronen hoch und schauerlich,
Die werten nicht des Heldenmahles mich.

Ulf:
Wohl wieget eines viele Taten auf –
Sie achten drauf –,
Das ist um deines Vaterlandes Not
Der Heldentod.
Sieh hin! die Feinde fliehen; blick hinan!
Der Himmel glänzt, dahin ist unsre Bahn!

Johann Ludwig Uhland, geboren 26. April 1787 in Tübingen; gestorben 13. November 1862 ebenda, war ein deutscher Dichter, Literaturwissenschaftler, Jurist und Politiker. Er hat bedeutende Beiträge zur Erforschung des Mittelalters geleistet und war Abgeordneter im ersten gesamtdeutschen Parlament, der Frankfurter Nationalversammlung. Sein Gedicht »Ich hatt einen Kameraden« wird als Lied vertont noch heute am Volkstrauertag an manchem Kriegerdenkmal vorgetragen.

Besier kritisierte auch, dass am Volkstrauertag häufig noch das Lied »Ich hatt einen Kameraden« gesungen werde. Der Text sei nicht mit dem christlichen Menschenbild vereinbar, das Lied habe vor allem in einem Gottesdienst nichts verloren. Menschen könnten im normalen Leben bessere Freundschaften als im Schützengraben finden.

Der pfälzische Pfarrer Detlev Besier, Leiter der landeskirchlichen Arbeitsstelle Frieden und Umwelt, am Volkstrauertag 2018

Die Ballade »Die sterbenden Helden« wird von Uhland – ganz typisch für ihn – ins Mittelalter, hier nach Skandinavien, verlegt und der nordischen Mythologie zugeordnet: mit Odin als Göttervater und seiner Himmelsburg Walhall, wo die Helden bewirtet und ausgezeichnet werden. Wiederum handelt es sich um einen Dialog zwischen Vater und Sohn. Wiederum ist es Nacht. Und wiederum steht die Existenz der beiden auf dem Spiel: dieses Mal aber unmittelbar! Gegenüber aller Vergänglichkeit ist auch jetzt der Himmel Ort der Dauer, der Belohnung und des Wiedersehens. Der Vater ist hier freilich im Angesicht des Todes ein Tröstender und möchte seinem Sohn das Sterben leichtmachen.

Hartmut Löffel, Jessenins Blick zu Hebbel und Uhland

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


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• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

Neben dem Thorshammer ist das Eiserne Kreuz das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z. B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle.


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I N H A L T
Das Denkmal
Der frühere Standort
Die Geschichte
Der Bildhauer Heinrich Missfeldt
Notgeld aus dem Jahr 1922
Eine historische Postkarte

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Hörnerkirchen, Kreis Pinneberg

In der Ecke des Kirchhofs

Es [Das Kriegerdenkmal] besteht aus drei Schrifttafeln und einem Relief aus hellem Stein, das in der linken Ecke einen toten Soldaten zeigt, dessen Helm auf einem Podest liegt. Neben ihm stehen fünf Frauen in langen Umhängen und Lorbeerkränzen in den Händen. Ein Mann weist mit erhobener Hand eine von ihnen an, den Helm mit ihrem Kranz zu schmücken. Oben aufgesetzt ist ein Kreuz. Das Denkmal wird flankiert von zwei Tafeln mit den Namen der Toten.

Nachdem ein Feuer die Kirche am 20. September 1934 bis auf die Außenmauern zerstört hatte, wurde nordöstlich der Kirche am Rande des ehemaligen »Kirchhofes« eine neue Kriegerdenkmalsanlage errichtet, in die das alte Denkmal integriert ist.

Informationen von Helmut Trede, Autor des Buches: »Die Hörner Dörfer« Husum, 1989.


1921 wurde dem Entwurf des Berliner Bildhauers Heinrich Mißfeldt, geboren 1872, vom Denkmalsausschuß des Kirchspiels zugestimmt. In den Elmshorner Nachrichten vom 1.8.1921 wird erläutert: »Das Denkmal, das sich unmittelbar an die Südseite der Kirche lehnt, so daß es von der Straße aus in voller Front gesehen wird, stellt in seinem Mittelbilde in Reliefform 5 trauernde Frauengestalten dar, die ihren Kranz auf den »Altar des Vaterlandes« legen. Diese Frauengestalten verkörpern die fünf Gemeinden des Kirchspiels. Neben dem Altar steht die Gestalt der Hoffnung, deren erhobene Hand auf ein Kreuz weist, das nach oben hin das Mittelbild abschließt.« (Zitiert nach Claudia Eisert-Hilbert, 1987. Lesen Sie weiter im PDF weiter unten)

Am 25. Juli 1922 hielt der ehemalige Gemeindevorsteher aus Westerhorn Sandkamp die Weiherede. Zuvor hatte Pastor Fehrs einen Gottesdienst zur Denkmalseinweihung abgehalten.

SH Brande H Mitte

SH Brande H gesamt


Für den 1. Weltkrieg: 
Seinen im Weltkriege gefallenen Söhnen zum Gedächtnis! Das Kirchspiel Hörnerkirchen 

Linke Tafel:
 1914 - 1918

(im Eisernen Kreuz mit Eichenlaub und Lorbeerzweig)

Wir sind die Saat, von Deutschland ausgesät mit bebender Hand
und die Namen von toten Soldaten aus dem Kirchspiel

SH Brande H Tafel42

Rechte Tafel:
 1914 - 1918
(im Eisernen Kreuz mit Eichenlaub und Lorbeerzweig)

Wollt ernten ihr, so gebt euch hin wie wir dem Vaterland
und die Namen von toten Soldaten aus dem Kirchspiel

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Für den 2. Weltkrieg
Auf beiden Außentafeln:
 1939 (Eisernes Kreuz) 1945
und jeweils die Namen von toten Soldaten aus dem Kirchspiel

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Der frühere standort

SH Brande Hoernerkirchen alt

Vor dem Brand am 19. September 1934 stand der mittlere Teil des jetzigen Kriegerdenkmals in einer Fensternische der Kirche, die beiden Steintafeln mit den Namen der getöteten Soldaten des 1.Weltkriegs hingen rechts und links daneben an der Kirchenmauer. Dieser Ort verstärkte die Symbolik im Mißfeldschen Relief vom »Altar des Vaterlandes«. Das Foto ist von Osten her aufgenommen. Die Kirche brannte damals bis auf die Umfassungsmauern nieder, beim Wiederaufbau wurde das Denkmal von der Außenwand gelöst und an den Kirchhofsrand versetzt, wo man nach 1945 das Gedenken an die toten Soldaten des 2. Weltkriegs hinzufügte. In der Kirche erinnert heute nur noch ein Messing-Lorbeerblatt-Kranz am Leuchter über der sogenannten Bläserecke links vom Altar daran, dass dort eine »Heldennische« eingerichtet werden sollte. Dazu kam es nicht und es sind auch keine Pläne erhalten.

• Wir danken Pastor Dr. Palmer für die Ablichtung und die Informationen.


SH Hoernerkirchen Karte


Das »Ehrenmal« war in dieser Zeit auch ein Postkartenmotiv. Die vier Bäumchen sind hineinretuschiert worden, dem Postkartengrafiker kam die Kirchenwand wohl nicht feierlich genug vor.

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Die geschichte

Das Kapitel Hörnerkirchen aus Claudia Eisert-Hilberts Examensarbeit (1987): »Denkmäler für Soldaten und andere Kriegsopfer seit dem Ersten Weltkrieg im Kreis Pinneberg« können Sie hier lesen. Unser Dank gilt der Verfasserin.

Eisert-Hilbert: Hörnerkirchen

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Der Bildhauer Heinrich Missfeldt

Er wurde am 20. Dezember 1872 in Suchsdorf bei Kiel geboren und starb am 27. Oktober 1945 in Torgau.

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Seine Eltern waren der Ziegeleibesitzer Detlef Missfeldt und Elsabe Sinn. Nach einer Lehre als Holzbildhauer in Kiel ging er zum Studium nach Berlin. Viele Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein wurden in seinem Berliner Atelier entworfen. Zum Beispiel das in Bad Segeberg, Glückstadt, Bad Bramstedt, Bokel (zum Teil abgetragen), Garding, Husum, Kappeln und Kiel.

1936 entwarf er Reliefbilder vom Kopf Hermann Görings und Adolf Hitlers, 1937 wurden sie in der Lehrgießerei des Lautawerks der Vereinigte Aluminium-Werke AG hergestellt – Sandguss, Aluminium, poliert.

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Notgeld aus dem Jahr 1922

Auf dem 60-Pfg-Schein der Gemeinde Brande-Hörnerkirchen werden schon die Inschriften des Kriegerdenkmals von 1922 zitiert. Auf dem 40-Pfg-Schein steht: Uns Markplatz, grot und schön den ziert en witten Steen. Dor kannst Bescheid di hahlen wat uns de Weltkrieg stahlen. Frei übersetzt ins hochdeutsche: Unsern Marktplatz, groß und schön, den ziert ein weißer Stein. Dort kannst Bescheid Dir holen, was der Weltkrieg uns gestohlen.

Auf dem Notgeld ist das frühere Denkmal, erbaut 1874, für die toten Soldaten der Kriege im 19. Jahrhundert abgebildet. Es stand in den 1920er Jahren auf dem Marktplatz. Seit es 1936 abgebaut wurde, ist das Denkmal bei der Kirche das einzige in Hörnerkirchen.

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Eine Historische Postkarte

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Ganz links oben das Kriegerdenkmal auf dem Marktplatz, in der Mitte ein Bild der Kirche – noch ohne das neue Kriegerdenkmal in der Fensternische. Die Karte ist ca. 1915 verkauft worden.

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I N H A L T
Das Denkmal
Ein Kommentar zur Inschrift
Die Geschichte
Der Findling
Die Bergung
Die Anlage
Die Einweihung

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Hörnum, Kreis Nordfriesland

Auf der südlichen Spitze der Insel Sylt

In Hörnum weist ein Schild »Kriegsgräberstätte« den Weg: Das Kriegerdenkmal für die Toten beider Weltkriege steht in einer kleinen Anlage im »Grünen Tal«. Architekt Tadsen, selbst Kriegsteilnehmer an der Ostfront, hat sie gestaltet, am 13. November 1966 ist sie eingeweiht worden.

 

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Ein tiefergelegtes rechteckiges Areal mit Bänken ist seitlich umschlossen von einer Feldsteinmauer. An der Stirnseite erreicht man über zwei abgerundete breite Stufen eine entgegengesetzt abgerundete Ziegelmauer. Der ovale Platz ist mit unterschiedlich geformten Steinplatten gepflastert. An der Mauer sind vier Steintafeln mit den Namen der Toten angebracht.

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Hinter der Mauer, auf Bodenhöhe, steht ein 12 Tonnen schwerer heller Findling mit der Inschrift in schwarz:

Den Tagesbefehlen nicht,
Dem unbekannten Appell
Gehorchend, löstet das
Leben Ihr ein

1914 – 1918 (Eisernes Kreuz) 1939 – 1945

Gott allein kennt euch alle


Darüber ist ein christliches Kreuz graviert, der Spitze des Steins angepasst. Der Findling wurde 1966 am Wenningstedter Strand geborgen und unter größten Anstrengungen von vielen freiwilligen Helfern und der Bundeswehr in den Süden der Insel transportiert.

 

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Auf den vier Tafeln werden 36 Namen genannt, mit Geburts- und Sterbedatum. Auch der Sterbeort und die Todesumstände werden aufgeführt. Die in Kriegshandlungen getöteten Soldaten erhielten als Ehrenzeichen ein Eisernes Kreuz vor ihr Sterbedatum, auf der Flucht Gestorbene ein einfaches christliches Kreuz. Die Vermerke »verm.« (= vermisst, fünf Namen) und »verschleppt« (zwei Namen) ersetzen ein wie immer geartetes Kreuz.

 

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Zwei Soldaten sind im 1. Weltkrieg, einer in Verdun, der andere in Rußland getötet worden. Damals bestand Hörnum nur aus wenigen Häusern. Vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 hatte Hörnum dann etwa 30 Einwohner. Die anderen Soldaten, die auf dem Stein genannt werden, waren vor ihrem Kriegseinsatz auf Hörnum stationiert. Willi Lund, am 14. August 1945 im Feldlazarett Auschwitz gestorben, betrieb vor dem Krieg eine Bäckerei. Er ist der einzige »echte Hörnumer« auf den Tafeln. 

In Hörnum und List waren vor und im 2. Weltkrieg viele hundert Soldaten stationiert, etwa 1000 alleine in List. Die Soldaten sollten den »Westwall« verteidigen, den die Organisation Todt (OT), ein paramilitärischer Bautrupp, mit Bunkern und Verteidigungsanlagen von der gesamten deutsch-französischen Grenze bis Jütland errichtet hatte. Sylt war zur Festung gegen England ausgebaut worden.

Wikipedia, Organisation Todt


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Alle Fotos von Joachim Weiß

Wir zeigen hier zwei von den insgesamt vier Namenstafeln.

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Ein Kommentar zur Inschrift

Wir baten Prof. Dr. Loretana de Libero, Historisches Institut an der Universität Potsdam und tätig an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg, Fakultät Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften um eine Interpretation der für uns rätselhaften Inschrift. Ihre Antwort:

»Zwar hatte die Bundeswehr sich vor allem in ihren Anfangsjahren sehr um das Gefallenengedenken mit Bezug auf die Weltkriege bemüht, das lag an den vielen ehemaligen Wehrmachtssoldaten in der jungen Armee, doch ist die Inschrift sicher nicht auf die Bundeswehr oder das damals auf Sylt stationierte Bataillon zurückzuführen.
Der Wortlaut klingt m.E. eher nach dem Hörnumer Gemeindepfarrer (vgl. auch die selbstbewuste Versicherung: ›Gott allein kennt euch alle‹, so etwa auch von der brandenburgischen Kirchengemeinde Liebenwalde, Gedenkbuch für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges, Nachwendezeit, dort Volltext; auch in El Alamein; und zudem noch auf dem Hörnumer Gedenkstein das hohe Kreuz über der Inschrift).
Der ›unbekannte Appell‹ bezieht sich hier doch wohl auf Gott, wobei sehr eigenwillig verneint wird, dass die toten Soldaten keinen Tagesbefehlen (eben von Menschen) gehorcht hätten. Natürlich haben sie dieses getan. Ausgedrückt werden soll wohl, dass die Soldaten sich freiwillig für das Vaterland – aus eigenem, inneren Antrieb heraus (Patriotismus, Gewissen, Moral, Glaube etc.) –  geopfert hätten, und ihnen dies nicht befohlen zu werden brauchte.«

Loretana de Libero ist Verfasserin des Buches: »Rache und Triumph, Krieg Gefühle und Gedenken in der Moderne«, De Gruyter Oldenbourg. Beiträge zur Militärgeschichte. Band 73.

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Die Geschichte

»Das Ehrenmal wurde am Volkstrauertag, dem 13. November 1966, im ›Grünen Tal‹ unter Beisein eines Ehrenzuges des Marine-Sanitäts-Bataillons 901 in Hörnum sowie des Hörnumer Gemeindepfarrers und Standortgeistlichen eingeweiht. Es ist in freiwilliger Arbeit von Hörnumer Bürgern, Soldaten des Mar.-San. Bataillons 901 und mit einem Hilfseinsatz der Freiwilligen Ortsfeuerwehr errichtet worden.
Eine Haus- und Spendensammlung trug zur Deckung unumgänglicher Unkosten bei. Der Westerländer Architekt – selbst ehemaliger Soldat in Rußland – gab seine Dienste ohne Entgelt.«

Berichte und Mitteilungen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Kassel, Nr. 7/1971, S. 164/5


Im Archiv der Gemeinde Hörnum gibt es eine Notiz, dass die Gestaltung des »Ehrenhains« 1967 jetzt abgeschlossen werden konnte. Weiter gibt es einen Rechnungsbeleg von 1969, dass die »Buchstaben« für zwei weitere Namen bezahlt wurden.

Diese Informationen bekamen wir von Silke von Bremen, Autorin, Heimatforscherin und Gästeführerin auf Sylt. Herzlichen Dank!

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Der Findling

Schulleiter Kuno Ehlfeldt war der Initiator für die Errichtung des Denkmals. Er war Vorsitzender des Arbeitsausschusses »Ehrenmal Hörnum« und der Ortsgruppe des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Zusammen mit Jürgen Ehmsen, Pastor der Hörnumer Kirche St. Thomas und Standortgeistlicher der Bundeswehr auf Sylt nahm er die Aufgabe in Angriff.

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Hier erkundet Kuno Ehlfeldt den riesigen Findling, der 1966 am Wenningstedter Strand nur 25 cm herausragte.

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Im Flutbereich arbeitete sich der Findling höher. Kuno Ehlfeldt prüft mit dem »Lehmann« seine Verwendbarkeit.

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Kuno Ehlfeldt hatte im 2. Weltkrieg an der Ostfront gekämpft. Pastor Ehmsen beschreibt ihn im Jahr 2018 als Nationalisten, aber er sei kein »NS-Mann«, er sei Ernst Jünger-Anhänger mit »Vaterlandsdenken« gewesen. Ehlfeldt wurde 1912 geboren, er starb 1977 mit 65 Jahren.

»Zäh praktizierter Idealismus«, so überschrieb Kuno Ehlfeldt die erste Geschichte über die Entstehung des Kriegerdenkmals für Hörnum 21 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs. Die Ehrung der toten Soldaten lag ihm am Herzen, das kann man aus jeder Zeile lesen, die er in enthusiastischen Berichten über das Kriegerdenkmal im Sylter Tageblatt veröffentlicht hat.

Sylter Tageblatt, 19. Mai 1966

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Die Bergung

Im Mai 1966 begann die Bergung. Beteiligt waren Soldaten des Hörnumer Stadortbataillons, eine große Planierraupe, die Hörnumer Feuerwehr samt Motorpumpe, der 34-t-Kranwagen des Flugplatzes Westerland, der Lastzug einer Baufirma und zwei Hörnumer Bataillon-Lastkraftwagen mit je 9-t-Seilzugwinden.

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Schulleiter Kuno Ehlfeldt schreibt: »Es gab kritische Momente, Augenblicke, in denen man drauf und dran war, aufzugeben. Stimmen begannen sich zu mehren, die die Arbeit sinnlos schalten. Die gefährlichen Untiefen der Verzagtheit konnten überwunden werden. Der Glaube hat einen Steinberg versetzt. Aber nicht der Glaube allein. Begeistert draufgängerisches Zupacken, das sich an der Naturkraft zu messen suchte, [...] allem voran aber der Einsatz der Soldaten bei der Arbeit am Stein unter dem kameradschaftlichen Vorbild seines unermüdlichen Führers kamen dem Glauben zu Hilfe.«


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Die Kette der Winde wird heruntergelassen.


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Der Stein wird die 30 Meter hohe Steilküste am Wenningstedter Kliff hinaufgezogen ...


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... und zum Transport nach Hörnum zu einem Kranwagen geschleppt.

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Die Anlage

Kuno Ehlfeldt beschreibt im Sylter Tageblatt am 25. Mai 1966 die Ankunft des Findlings in Hörnum: »Das friedliche Bild [...] wurde jäh unterbrochen durch das feldgraue Ungetüm eines 35 Tonnen schweren Kranwagens, der vom Hafen her den Straßenverkehr warnungblitzend durchschnitt und sich – angeführt von dem Kommandowagen des Chefs der 1. Kompanie des Standortbataillons – vorsichtig über den Heideboden ins Tal hinabrollte. Feldmarschmäßig ausgerüstete LKW waren gefolgt. Zwei zivile Hörnumer »Kadetten« umflitzten den Konvoi bald hier, bald da – und ein grauer, inselhauptstädtischer Mercedes mit einem Architekten und seinem »Leibadjutanten« tastete sich hinzu. [...] Endstation Ehrenmal, ein Zeichen, aufgerichtet für Kämpfen und Sterben in zwei Kriegen, die Weltkriege heißen.«

Sylter Tageblatt, 25. Mai 1966

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Der Findling wird auf ein vorbereitetes Fundament herabgelassen. Danach begann die Gestaltung der Anlage.

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Schulleiter Ehlfeldt, rechts, wie immer aktiv dabei das »Grüne Tälchen« umzugestalten.


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Auch der Hörnumer Bürgermeister Sepp Springer, im Foto mit Krawatte, läßt sich vor Ort die Aktion beschreiben.


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Freude nach getaner Arbeit: Schulleiter Ehlfeldt mit seinem »Lehmann« in der Mitte.

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Die Einweihung

Vor der Einweihung, die am Volkstrauertag stattfinden sollte, startete Kuno Ehlfeldt noch eine Spendenaktion unter dem Motto: »Wir waren eins in der Liebe zur Heimat und haben ihr alles gegeben, Bruder – wie klein ist Dein Streit«.

Die Einwände einiger Bürger, wieso man nach so langer Zeit noch ein »Ehrenmal« errichten wolle, beantwortete er dabei mit: »21 Jahre sind – gemessen an der Selbstverleugnung und dem Opfermut, dem Blut und den Tränen jener Jahre – eine kurze Zeit.«

Der Stein sei Mahnung: »Er ist aber auch Anruf. Ist stummer Händedruck mit dem Kameraden, der damals neben Dir fiel, – gleich ob an der Front des Glaubens an Deutschland oder an der bitteren Front des inneren Widerstandes.«

Das Mal, das »für unsere Zeit ein Bekenntnis zum gemeinsamen geschichtlichen Schicksal unseres Volkes und unserer Nation ist in Glück und Unglück, – in Glanz und Erniedrigung.«


Spendenaufruf am 25. August 1966 im Sylter Tageblatt



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Einweihung am Volkstrauertag, 13. November 1966. Im Oval vor den Namenstafeln stehen von rechts nach links: der Standortälteste des Sanitätsbataillons 901 Oberstabsapotheker Danker (mit Redemanuskript), ein Matrose, in zivil: Pastor Jürgen Ehmsen und Kuno Ehlfeldt.

Am 18. November erschien dann im Sylter Tageblatt ein Bericht


»Ich hatt’ einen Kameraden« wurde intoniert als die Hülle fiel, unter leisem Trommelwirbel wurden die Namen verlesen. Die trotz aller Beteuerungen, alle Opfer des Krieges seien gemeint, die Namen toter Soldaten sind. Bürgermeister Springer nahm das »Ehrenmal« in seine Obhut und dankte der evangelischen Kirche, dass »sie bis heute der Totenehrung einen Platz gewährt habe.«

Pastor Ehmsen suchte in seiner Weihepredigt Antwort auf die Frage: »Was ist der Mensch, der in einen solchen mörderischen Strudel der Geschichte gerät und darin scheinbar sinnlos untergeht? [...] Wo ist der Sinn? Die Bibel weiß die Antwort: Gott ist in allem, auch in dem, was uns Unheil scheint, auch in menschlicher Schuld, die immer wieder Unheil zeugt.«

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Die Denkmalsanlage in Hörnum im »Grünen Tälchen« kurz nach der Fertigstellung. 1974 setzte sich Kuno Ehlfeldt für ein anderes Hörnumer Projekt ein: für das erste Zentrum der Schutzstation Wattenmeer auf Sylt. Später erhielt die Schutzstation, die ehemalige »Norweger-Kirche«, den Namen Kuno-Ehlfeldt-Haus.

Zum Volkstrauertag 1976 schrieb Kuno Ehlfeldt für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Ortsgemeinschaft Hörnum an seine Mitstreiter:
Sehr geehrte Herren, vor nun 10 Jahren wehten im »Grünen Tal« die Fahnen unseres Landes zum ersten Mal auf halbmast, hatten wir uns aus eigener Kraft eine Gedenkstätte geschaffen, mit der wir uns – im Zeichen ungeheueren menschlichen Leids – mit unserem Volk und seinem geschichtlichen Schicksal sichtbar verbanden.
Wie hätte es auch anders sein können? [...] Major Kosin wird am Ehrenmal nach der Kranzniederlegung eine Gedenktafel für die Gefallenen des 2. Weltkrieges im Sanitätsdienst einweihen und sie in seinen Dienstgebäuden der Traditionstafel des 1. Weltkrieges hinzufügen. [...]
Ist es verwunderlich, wenn ich Ihnen heute für die große Selbstverständlichkeit danken möchte, mit der wir uns in einer Zeit der Diskussion und Selbstbezweifelung ein Jahrzehnt am Volkstrauertag zusammenfanden?«

Brief von Kuno Ehlfeldt vom 6. November 1976

Wir danken Pastor Jürgen Ehmsen für seine ausführliche Dokumentation. Er lebt jetzt, auch nach 20 Jahren »Ruhestand« immer noch sehr aktiv, in Kiel.

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I N H A L T
Das Denkmal
»Für die Heimat ließen ihr Leben«
Foto aus dem Jahr 1984
Findlinge
Die Verschwisterungen

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Hohenfelde, Kreis Stormarn

Am Dorfrand hinter dem Gasthof

Mit einem kleinen grauen Findling, in der Form eines einfachen Grabsteins, gedenkt die Gemeinde der toten Soldaten beider Weltkriege.

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Am Waldrand ist der Gedenkstein in eine lose, halbrunde Feldsteinmauer, parallel zur Straße, eingefügt. Das naturbelassene Areal wird zur Straße durch Steinpoller begrenzt.

 

SH Hohenfelde VTT 2019 web


Zum Volkstrauertag 2019 ist am Findling ein Kranz ohne Schleife niedergelegt worden.

 

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Als Widmung wurde folgende Inschrift in den Stein gemeißelt. Die zarten Linien sind zunehmend schlecht lesbar.

Für die Heimat
ließen ihr Leben
1914 – 1918

Es folgen vier Namen. Nach dem 2. Weltkrieg wurde darunter hinzugefügt:

1939 – 1945

Es folgen zwei Namen.

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»Für die Heimat ließen ihr Leben«

 

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Der bescheidene Stein kommt ohne militärische Ehrenzeichen und revanchistische Sprüche aus, das ist sympathisch. Trotzdem ist zu fragen, ob die Soldaten ihr Leben wirklich für die Heimat verloren haben.

»Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.«

Ralph Giordano, Die zweite Schuld

3701 Solinger fielen »auf dem Felde der Ehre«, wie es damals hieß. Zusammen mit fast zehn Millionen anderen jungen Männern sinnlos geopfert von einer Clique machtverwöhnter Aristokraten und Politiker, denen es – so weiß man heute – völlig egal war, wer da für sie starb.

Uli Preuss im Solinger Tageblatt, 9. November 2018

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Foto aus dem Jahr 1984

Damals war die Inschrift noch sehr deutlich zu lesen. 35 Jahre liegen zwischen den Fotos.

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Quelle: Kreisarchiv Stormarn, lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 >internationale Lizenz

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Findlinge

Findlinge wecken Assoziationen zu germanischen und keltischen Hünengräbern und Dolmen. Die Romantik entdeckte sie wieder, nach den Befreiungskriegen verbreiteten sie sich als Denkmalstyp und setzten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts vorwiegend in Norddeutschland gegen den Obelisk durch. [...]

Findlinge sind große (Granit-)Steine aus der heimatlichen Landschaft. Die Denkmalstifter holten sie oft selbst aus der Heide oder aus dem Harz mühevoll herbei. Als Monolith steht der Findling für die Einheit des Landes, fast unbearbeitet, strahlt er Naturwüchsigkeit aus, selbst ein Teil der uralten Überlieferung mahnt er zu ewigem Gedenken.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 134. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006


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Die Verschwisterungen

Eine gleichartige Ausbuchtung folgt hinter dem Denkmalsplatz. Dort beginnt das Dorf Hohenfelde.

 

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An diesem zweiten Platz sind die Bäume anlässlich der »Verschwisterung« mit Gemeinden aus Frankreich und Dänemark gepflanzt worden.

 

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Eine Bank läd zum Verweilen ein, grüne Schilder informieren. Bürgermeister Ulrich Meyer aus Hohenfelde vertritt bei beiden Baumpflanzungen das Amt Trittau.

 

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Verschwisterung mit dem französischen Canton Le Loroux-Bottereau, der bis 2015 in Westfrankreich bestanden hat. Die Eiche wurde 1972 gepflanzt.

 

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Die Blutbuche wurde 1987 gepflanzt. Auch die Skorbo Kommune fiel einer Verwaltungsreform zum Opfer, aber sicher werden die Verschwisterungen mit den französischen und dänischen Menschen weiter gepflegt. Die Hohenfelder scheinen sich passend zu ihrem bescheidenen Erinnerungsstein an die Weltkriege für grenzübergreifende Freundschaften einzusetzen.


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I N H A L T
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Der »Ehrenhain«
Lockstedter Lager, eine Notgeld-Moritat von Ulf Evers
Die Siedler
Lockstedter Lager
Gedenken an den Auszug 1917
Die SA-Berufsschule »Lola I«
Die Finnischen Jäger
»Siegfried Stellung«

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Hohenlockstedt, Kreis Steinburg

Im »Ehrenhain« an der Finnischen Allee

Lockstedter Lager und Hohenlockstedt, das sind zwei Namen für dasselbe Gebiet. Oft werden dafür die Abkürzungen »Lola« und »Holo« verwendet. In den 50er Jahren wollte die Mehrheit der Bewohner von Lockstedter Lager den Begriff »Lager« loswerden. 1956 wurde daraufhin der Name in Hohenlockstedt geändert. Die Freiwillige Feuerwehr nennt sich bis heute FF Lockstedter Lager. In ihrer Chronik steht zwischen 1953 und 62 nichts von einer Namensänderung der Gemeinde. Zu den Jahren 1939 - 45 wird gemeldet: »Einsatz von LoLaner Feuerwehrmännern in Hamburg, Kiel, Neumünster und Elmshorn gegen die unmenschlichen Auswirkungen feindlicher Luftbombardements«.

SH Hohenlockstedt Finnische Allee Fahnenstangen web

An der Finnischen Allee, der Name erklärt sich weiter unten, weisen uns vier Fahnenmasten den Weg. Wir stehen am Eingang zum »Ehrenhain« mit akkurat geschnittenen Hecken und fünf verschiedenen Denkmälern. Wir beginnen mit dem Monument für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs:

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Es ist achteckig aus Sandsteinelementen zusammen gesetzt, unten und oben mit mehreren Abstufungen. Oben aufgesetzt ist ein Stahlhelm auf einem Eichenlaubkranz mit seitlichen Zierbändern. Die Inschrift auf der Frontseite lautet:

ZUR EHRE
DER HELDEN
VON
LOCKSTEDTER
LAGER
1914 – 1918

Am 10. Juli 1920 hatte in Lockstedter Lager »ein Sommerfest zu Gunsten des hier am Ort zu errichtenden Ehrenmals« stattgefunden. Mit dem Überschuss von 8240,60 Mark war die Finanzierung gesichert.

 

SH Hohenlockstedt 1WK Schleife web


Auf sieben weiteren Seiten werden 31 Namen von toten Soldaten aufgeführt, ohne erkennbare Ordnung. Vor- und Nachnamen, Todestag mit voran gestelltem Eisernen Kreuz und Todesort sind genannt.

SH Hohenlockstedt Helden blicken auf Jaegerdenkmal web


Der Name des letzten »Helden« steht alleine auf der Rückseite. Im Hintergrund sieht man den schwarzen Stein des »Jägerdenkmals«, es wird weiter unten beschrieben.

SH Hohenlockstedt 1WKam ehehemaligen Standort in der Kieler Strasse web


Noch ein Foto des Denkmals am ehemaligen Standort an der Kielerstraße. Als der »Ehrenhain« angelegt wurde, zog es dorthin um.

 

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Diese Rotklinkermauer steht im Norden des Geländes und ist den toten Soldaten von Lockstedter Lager im 2. Weltkriegs gewidmet. In der Mitte leicht vorspringend ist die Haupttafel aus braunem Granit eingelassen. Im breiten Rahmen ist eine Fläche grob ausgemeißelt, sie wirkt so fast weiß. Stehen geblieben ist der braune Granit:

1939 (Eisernes Kreuz) 1945
UNSEREN
TOTEN
(gekreuzte Eichenblätter)
LOCKSTEDTER
LAGER

Links und rechts sind je zwei kleinere Tafeln in der gleichen Machart verbaut mit den Namen der vier Lagerbereiche:

HUNGRIGER / WOLF und BÜCKEN (links)
HOHEN= / FIERTH und SPRING= / HOE (rechts)


SH Hohenlockstedt Flucht und Vertreibung web


Der Gedenkstein für »Unsere Toten aus Flucht und Vertreibung« ist eine schlichte rechteckige Platte auf Klinkerfüßen. Von der Verantwortung Nazi-Deutschlands für diese Toten ist hier nichts zu lesen.


Das fünfte Denkmal im »Ehrenhain« gilt dem Auszug der Soldaten aus dem »Lockstedter Lager ins Feld« 1917. Es wird weiter unten beschrieben.


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Lockstedter Lager,
eine Notgeld-Moritat

von unserem ehrenamtlichen Mitarbeiter Ulf Evers

Seinen Betrag mit den Anmerkungen / Fußnoten finden Sie hier


»Was nützen die schönsten und dringendsten Sprüche,
aufgemalt auf die verlockendsten Täfelchen,
wenn sich so rasch verbrauchen.« [1]

Mit Notgeld sollte eine »Not« behoben werden: sei es weil gesetzliche Zahlungsmittel fehlten oder der Münzwert niedriger als der Materialwert war, aber es gab auch »Notgeld«, das sich von vornherein an Sammler richtete. In diese Kategorie gehörte das Lockstedter Lager Notgeld aus dem August 1921.

Dies wird auf der Vorderseite der Notgeldscheine mit dem Hinweis »Heb' sie auf« auch noch einmal hervorgehoben und ergibt sich auch daraus, dass es sechs verschiedene 50-Pfennig-Scheine gab. Wäre es um die Behebung eines Mangels gegangen, hätte ein Schein genügt. Hinzu kam, dass gesammeltes Notgeld nicht eingelöst wurde und somit als Gewinn verbucht werden konnte [2].

Die Motive auf dem Notgeld wurden von dem Kellinghusener Künstler Hans-Christian Delfs entworfen. Delfs erzählte auf den Scheinen die Geschichte der Gemeinde Lockstedter Lager, hob dabei stets die »ruhmreiche« Vergangenheit hervor und nützte jede Gelegenheit zur Verunglimpfung der Weimarer Republik.

SH Hohenlockstedt Notgeld vorne web2 
Dies beginnt auf der stets gleichen Vorderseite der Notgeldscheine: dem kriegerischen Adler des Kaiserreichs mit Bombe und blutigem Schwert steht ein Adler gegenüber, der die Papierrollen der Weimarer Verfassung in seinen Krallen hält.

In der Mitte der Vorderseite ist der 1901 fertig gestellte Wasserturm mit einem Signalmast an der Spitze zu sehen. An dem Mast konnte ein feuerroter Ball aufgezogen werden, um das Schießen mit scharfer Munition anzuzeigen und damit die Sperrung der Straße nach Springhoe [3]. Der auf der Abbildung heruntergelassene schwarze Ball ist auch als Verweis auf die im Versailler Vertrag verfügte Auflösung des Truppenübungsplatzes Lockstedter Lager zu sehen.

Die Rückseiten der Notgeldserie illustrieren »schönste und dringendste Sprüche«, die sich zum Teil verbraucht haben, weil ihre Bedeutung nicht mehr ohne weiteres geläufig ist.

 

Plus tard la revanche – die späte Rache

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Ab Juli 1870, also zeitgleich mit dem Beginn des Deutsch-Französischen Krieges (1870/71), suchte eine preußische Kommission in Schleswig-Holstein ein für einen Schießplatz geeignetes Gelände. Technische Weiterentwicklungen hatten eine Reichweitenvergrößerung der Artillerie mit sich gebracht, für die vorhandene Schießplätze (etwa auf der Loher Heide bei Rendsburg) nicht ausgelegt waren. Fündig wurde man südlich von Lockstedt [4]; es wurden eine Schießbahn vermessen und der Bau eines Lagers ausgeschrieben. Mit dem Bau des Lagers wurde im Dezember 1870 begonnen: »in unglaublich kurzer Zeit während der strengsten Winterkälte [werden] über 60 Gebäude in Fachwerk aufgeführt« [5]. Ab Januar 1871 werden in dem Lager bis zu fünftausend französische Kriegsgefangene untergebracht. Die vorhandenen Pferdeställe wurden zu einem provisorischen Kriegsgefangenenlager [6]. Abgesehen von den Kranken wurden die Kriegsgefangenen bis April 1871 über Glückstadt wieder nach Frankreich transportiert [7]. Die offizielle Ortsbezeichnung lautet nun »Barackenlager bei Lockstedt« [8].

Der erste Notgeldschein erzählt also von den Anfängen und transportiert gleichzeitig die Botschaft, dass die im Versailler Vertrag festgelegte »Schleifung« [9] eine späte französische Rache ist – plus tard la revanche.

 

Kaiserparade

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Im September 1881 wurde auf dem »Schießplatz Lockstedter Lager«, wie der Artillerieschießplatz seit 1872 offiziell hieß [10], Teile eines Kaisermanöver abgehalten. Der Kaiser und Vertreter aus »Bayern, Belgien, Frankreich, England, Japan, Italien, Österreich, Rußland, Sachsen, Serbien, Schweden, Spanien und Norwegen« [11] wohnten in Itzehoe. Der Kaiser reiste von dort mit »einer von vier Trakehner Rappenhengsten gezogenen Equipage« [12] zum Schießplatz. »Der ganz besonderen Zufriedenheit mit den Leistungen der Truppen lieh Se. Majestät an demselben Tage noch einmal Ausdruck und zwar bei dem im Rath- und Ständehause zu Itzehoe stattgefundenen s.g. Paradediner. Hier brachte nämlich der Kaiser einen Toast auf das brave IX. Armeecorps aus, und es war eine ergreifende, von dem besten Verhältnis zwischen Fürst, Armee und Volk zeugende Scene, daß, als diese Worte mit einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser erwidert wurden, die vor dem Rathause versammelte, unzählige Volksmenge die Volkshymne ›Heil Dir im Siegerkranz‹ anstimmte.« [13] Auf dem Notgeldschein bringt Delfs dieses bei »prächtigem Kaiserwetter« [14] abgehaltene Ereignis zusammen mit einer Grundsatzrede Bismarcks zur Außenpolitik, die dieser im Februar 1888 hielt: »Wir Deutsche fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt (lebhaftes Bravo); und die Gottesfurcht ist es schon, die uns den Frieden lieben und pflegen läßt. Wer ihn aber trotzdem bricht, der wird sich überzeugen, daß die kampfesfreudige Vaterlandsliebe, welche 1813 die gesamte Bevölkerung des damals schwachen, kleinen und ausgesogenen Preußen unter die Fahnen rief, heutzutage ein Gemeingut der ganzen deutschen Nation ist, und daß derjenige, welcher die deutsche Nation irgendwie angreift, sie einheitlich gewaffnet finden wird, und jeden Wehrmann mit dem festen Glauben im Herzen: Gott wird mit uns sein!« [15]

Die »kampfesfreudige Vaterlandsliebe« führte zu einem weiteren Ausbau des Truppenübungsplatzes mit Anschluss an die Eisenbahnverbindung Itzehoe – Wrist [16]; 1899 wurde aus der ehemaligen Landgemeinde Ridders und dem Gutsbezirk Bücken der Gutsbezirk Lockstedter Lager (Truppenübungsplatz) gebildet [17].

 

Klingling, Bumbum, Tschingdada

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In seinem 1883 entstandenem Gedicht »Die Musik kommt« [18] ahmt Detlev von Liliencron lautmalerisch »Klingling, Bumbum, Tschingdada« eine Militärkapelle nach. Um 1900 herum wurde das Gedicht von Oscar Straus [19] vertont. Sowohl Text als auch Vertonung können als zumindest leicht ironisch verstanden werden, deshalb ist in dieser Anspielung wohl in erster Linie eine lokalpatriotische Reminiszenz von einem Kellinghusener (Delfs) an den anderen Kellinghusener (Liliencron war Kirchspielvogt in Kellinghusen als er dieses Gedicht verfasste) zu sehen.

Ungleich ernster sind die beiden anderen geschichtlichen Bezüge.

Das Zitat »Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser« geht auf eine Rede Kaiser Wilhelm II. anläßlich der Eröffnung des Freihafens Stettins 1898 zurück und ist eng verbunden mit der Beauftragung des Großadmirals von Tirpitz, eine der britischen ebenbürtige deutsche Flotte aufzubauen [20].

Mit den »Chinatruppen« sind das 1. und 5. Ostasiatische Infanterieregiment gemeint, die im Lockstedter Lager zusammengestellt wurden. »Es waren Truppenteile des Seebataillons, dessen Chef Prinz Heinrich war. Der deutsche Generalfeldmarschall Graf Waldersee wurde Oberbefehlshaber der alliierten Truppen. Waldersee hielt sich um jene Zeit ebenfalls im Lockstedter Lager auf.« [21] Und von hier ist es nur eine vergleichsweise kurze Bahnfahrt vom Lockstedter Lager bis nach Bremerhaven wo der Kaiser am 27.7.1900 bei der Verabschiedung der Truppen die berüchtigte »Hunnenrede« hielt:

»Kommt Ihr vor den Feind, so wird derselbe geschlagen! Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht! Wer euch in die Hände fällt, sei euch verfallen! Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in Überlieferung und Märchen gewaltig erscheinen läßt, so möge der Name Deutscher in China auf 1000 Jahre durch euch in einer Weise bestätigt werden, daß es niemals wieder ein Chinese wagt, einen Deutschen scheel anzusehen!« [22]

 

Unser Erbe ist den Fremden zuteil geworden

Während des 1 Weltkrieges wurden in Lockstedter Lager ungefähr 115000 Soldaten jährlich ausgebildet [23]. Zu den Soldaten, die dort ausgebildet wurden, gehörte im Januar 1916 auch Ernst Barlach [24]. In Briefen/Karten beschreibt Barlach seinen Aufenthalt in Lockstedter Lager:

»Kaisers Geburtstag, Lockstedter Lager Liebe Mutter, Seit Montag wohnen wir hier in Baracken, schlafen auf dem Strohsack, 33 Mann in einer Stube, mir gefällt es sehr gut, der Dienst ist nicht schwer, nur das Wetter ist schlecht, die Straßen im Lager sind Sumpf. Abends stehe ich im Dunkeln im Schlamm bei der Pumpe und putze die Zähne, oder wasche die Stiefel, wenn ich dann zurück bin sind sie wieder voll Schmutz, es ist ein bisschen Dostojewski hier, wenn man den Blick dafür hat. ...

... Nach einer Woche Barackenleben: Schlafen auf dem Strohsack, Zusammensein mit 33 Kameraden, sind ein warmes Zimmer und Stille rundherum eines Sonntagnachmittags wunderbare Annehmlichkeiten. Doch hat es mir in Lockstedt gefallen, wir wären alle viel lieber dort geblieben, als hierher [Sonderburg; Barlach befand sich vom 24. bis 29.1.1916 zu Ausbildungszwecken in Lockstedter Lager] zurückzukehren, (...) Unser Hauptmann (Depotführer, d.h. Leiter des Rekrutendepots, aus dem wir demnächst heraus in die Kompanie kommen) ist Hagemann. Er hat uns heute zum zweiten Mal auftragsgemäß zu verstehen gegeben, vielmehr mitgeteilt, dass, wer bei einem feindlichen Gasangriff weicht, sofort erschossen wird. (...) Ich hätte nie geglaubt, dass man in der unausgesetzten, Tag und Nacht durch, Gesellschaft von zusammengewürfelten Leuten so einsam sein kann. Ich meine im guten Sinne, ungestört, unbelästigt. Ich habe mich diese Woche hindurch sehr glücklich gefühlt, gewissermaßen. Die Kameradschaft ist eine schnurrige Sache. Man putzt, schmiert, näht, redet dazwischen oder nicht, ganz ohne Rechenschaft zu schulden über Höflichkeit oder ihr Gegenteil, es gibt keinen Zwang außer dem zum allgemeinen Besten. Wer klug ist, teilt mit andern, nicht weil er dafür geliebt wird, sondern weil es stilgerecht ist, es ist die Form des Anstands, die hier gilt, wo sonst jeder nach seinen rüpelhaften oder ordinären Gewohnheiten lebt. Prachtvoll sind die Nächte, wenn sich die seufzenden Bedürftigen von ihrem Lager hochrecken wie Auferstehende, die tausend Jahre im Grabe gelegen haben. So schlurft es fast die ganz Nacht an den Füßen der Schlafenden vorbei wie eine Mischung von Dieben und Traumgestalten. Dann steht man draußen unterm Sternenhimmel und hat, was man sich vorgenommen hat. Über den niedrigen langen Barackendächern häufen sich die Sterne, dass man erschrickt. Fast den ganzen kaiserlichen Geburtstag habe ich in der Baracke zugebracht. Da drücken sich die Siebensachen, die man im Tornister mitschleppt, auf einem Regal, von dem einem ca. 75 cm zusteht, durcheinander, Brot, Butter, Wurst, Strümpfe, etwas Wäsche sonst, Stiefelputz- und Gewehrreinigungsdinge, Nähzeug, Seife, Handtuch, Zigarren, Zahnbürste na, kurz und gut, ich habe Aussicht, ein ordentlicher Soldat zu werden. Patrouillengehen im Stockfinstern wird wohl mein Talent sein, dafür habe ich eine Art Spürnase.« [25]

Auf einer Tafel am Museum in Hohenlockstedt wird an Barlachs Aufenthalt erinnert und dieser als bestimmend für sein weiteres Leben eingeordnet: »Aus diesem Erleben wuchs sein Widerstand gegen Krieg und Gewalt«.

Dass dies nicht allen so ging, zeigt der nächste Notgeldschein.

 
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Unser Erbe ist den Fremden zuteilgeworden ist ein Zitat aus dem »Gebet des Volks in tiefster Erniedrigung« [26]:

»1 Gedenke, HERR, wie es uns geht; schau und sieh an unsre Schmach! 2 Unser Erbe ist den Fremden zuteilgeworden und unsre Häuser den Ausländern. 3 Wir sind Waisen und haben keinen Vater; unsre Mütter sind wie Witwen. 4 Unser Wasser müssen wir um Geld trinken; unser eigenes Holz müssen wir bezahlen. 5 Die Verfolger sitzen uns im Nacken, und wenn wir auch müde sind, lässt man uns doch keine Ruhe. 6 Wir mussten Ägypten und Assur die Hand hinhalten, um uns an Brot zu sättigen. 7 Unsre Väter haben gesündigt und leben nicht mehr, wir aber müssen ihre Schuld tragen. 8 Knechte herrschen über uns und niemand ist da, der uns von ihrer Hand errettet. 9 Wir müssen unser Brot unter Gefahr für unser Leben holen, bedroht von dem Schwert in der Wüste. 10 Unsre Haut ist verbrannt wie in einem Ofen von dem schrecklichen Hunger. 11 Sie haben die Frauen in Zion geschändet und die Jungfrauen in den Städten Judas. 12 Fürsten wurden von ihnen gehenkt, und die Alten hat man nicht geehrt. 13 Jünglinge mussten Mühlsteine tragen und Knaben beim Holztragen straucheln. 14 Es sitzen die Ältesten nicht mehr im Tor und die Jünglinge nicht mehr beim Saitenspiel. 15 Unsres Herzens Freude hat ein Ende, unser Reigen ist in Wehklagen verkehrt. 16 Die Krone ist von unserm Haupt gefallen. O weh, dass wir so gesündigt haben! 17 Darum ist auch unser Herz krank, und unsre Augen sind trübe geworden 18 um des Berges Zion willen, weil er so wüst liegt, dass die Füchse darüber laufen. 19 Aber du, HERR, der du ewiglich bleibst und dein Thron von Geschlecht zu Geschlecht, 20 warum willst du uns so ganz vergessen und uns lebenslang so ganz verlassen? 21 Bringe uns, HERR, zu dir zurück, dass wir wieder heimkommen; erneure unsre Tage wie vor alters! 22 Auch wenn du uns ganz verworfen hast und über uns so sehr erzürnt warst.«

Die Illustration greift weitere Inhalte des Gebets auf (die trauernde Witwe/Mutter, die vom Kopf gefallene Krone) und das zerbrochene Schwert veranschaulicht die »tiefste Erniedrigung«, die Rüstungsbeschränkungen des Versailler Vertrages.

Und mit ein wenig Phantasie kann auch erahnt werden, dass die Bewohner von Lockstedter Lager ihre Situation in dem Gebet beschrieben sahen:

»In den vergangenen Tagen wurden die ehemaligen Soldaten in Arbeitsgruppen eingeteilt, welche die Vorarbeiten für die Urbarmachung leisten sollen. Ihnen wurden die Gebiete um Ridders und Neubücken, Hohenfiert und Springhoe, Bücken und Hungriger Wolf zugewiesen. Das Abbrennen größerer Flächen mit Heidekraut ist in vollem Gange, Bäume werden gefällt, Wurzeln und Buschwerk gerodet. Bald wird mit dem Pflügen des Heidebodens begonnen, dazu setzt man Dampfpflüge ein, die mit achtscharigen Kippflügen den Boden umbrechen, und danach kommen Lokomotiven, die mit großen Eggen den Boden gerade ziehen. Eine vordringliche Arbeit ist die Entwässerung der vorhandenen Feuchtgebiete am Füsilierwald und Hohenfiert. Die Arbeiter haben einen Arbeitsvertrag, in dem ihnen ein Stundenlohn von 70 Pfennig zugesichert wird – nicht zugesichert wird ihnen die Aussicht auf eigenes Land.« [27]

Wer sein Leben durch dieses Gebet beschrieben sieht und sich wünscht: »erneure unsere Tage wie vor alters!«, der sieht sich als Opfer, der der denkt nicht über eigene Schuld und Verantwortung nach, der braucht Schuldige.

 

Licht aus! Messer raus! Blut rühren

Der Winter 1916/17 war gekennzeichnet durch große Lebensmittelknappheit und Engpässe bei der Brennstoffversorgung und ging als sogenannter »Kohlrübenwinter« in die Geschichte des 1. Weltkrieges ein. Ende März 1917 demonstrierten über 17000 Beschäftigte der Werften in Kiel, um auf die katastrophale Lebensmittelversorgung aufmerksam zu machen und legten ihre Arbeit nieder, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die Forderungen der Arbeiter nach besserer Lebensmittelversorgung stießen in Kiel auf taube Ohren und auch eine nach Berlin entsandte Delegation blieb erfolglos. Noch bevor die Delegation aus Berlin zurück war, wurde in Kiel bereits wieder gearbeitet, auch weil die Gewerkschaft die Streikenden nicht unterstützte, ging es doch schließlich nicht um verbesserte Lohn- oder Arbeitsverhältnisse. Auf der Germaniawerft in Kiel wurden wurden erstmals Flugblätter mit der Forderung nach Frieden und Freiheit gefunden [28].

Im Juli 1917 beschloss eine Reichstagsmehrheit  (SPD, Zentrum, Fortschrittliche Volkspartei) eine Resolution, die einen »Verständigungsfrieden« ohne territoriale Ansprüche anstrebt. Die Reichsregierung und die Oberste Heeresleitung lehnten dies ab und beharrten auf einem »Siegfrieden« [29].

Ende Januar 1918 legten in Kiel erneut Beschäftigte der Werften die Arbeit nieder und beschlossen auf einer Kundgebung mit etwa 30000 Teilnehmern auf dem Wilhelmplatz einen Forderungskatalog, der  neben einer »Reform der Volksernährung« auch die Resolution aus dem Juli 1917 aufnahm. Wieder brach der Streik ergebnislos in sich zusammen, auch weil weder Gewerkschaft noch (M)SPD die Streikenden unterstützten [30].

Im Oktober 1918 kam es zum offenen Aufstand und Befehlsverweigerungen der Matrosen auf der SMS »Helgoland« und der SMS »Thüringen«; im November 1918 kam es zu dem Arbeiter- und Matrosenaufstand in Kiel, der schließlich die zweimalige Ausrufung der Republik in Berlin am 9.11.1918 nach sich zog.

In dieser Zeit kam ein ›Gesellschaftstanz für Klavier‹ heraus, dessen Text mit dem Kehrreim »Licht aus! Messer raus!« beginnt [31]. Aus diesem Kehrreim soll sich der Schlachtruf »Licht aus! Messer raus! Blut rühren!« entwickelt haben. In seinem Roman »Schöne Aussicht« [32] erwähnt auch Walter Kempowski diese Parole in leicht abgewandelter Form:

»Licht aus! Messer raus!
Drei Mann zum Blutrühren!
Statt eines Novemberlings, den man wahrlich gern getroffen hätte,
sehen sie nur eine Katze.« [33]

So »gelesen« ist dieser Notgeldschein ein reaktionärer Blick auf die Novemberrevolution. Den disziplinlosen Marinesoldaten (Gewehr nach unten, rauchend, sich ereifernd, ihre Wachaufgaben verletzend) gegenübergestellt die bedrohliche, reaktionäre Parole.

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Und wer beobachtet die Szene da am Zaun? Ist es »Einer-muss-ja-den-Bluthund-machen-Noske«? Daran lässt eine andere von Helmut Heißenbüttel überlieferte Variante der Parole denken: »Licht aus Messer raus Noske schmeißt mit Handgranaten« [34].

Der Volksbeauftragte für Heer und Marine und spätere Reichswehrminister Gustav Noske setzte einerseits Freikorps ein (Januaraufstand 1919, Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, Märzkämpfe in Berlin 1919, Niederschlagung von Räterepubliken in München und Bremen) und veranlasste andererseits die Auflösung der Freikorps im Februar 1920 (was zum Kapp-Lüttwitz-Putsch führte).

Die Schleswig-Holsteinische Volkszeitung berichtet, dass am 25.3.1920 die »Kieler Marinebrigade v. Loewenfeld, zirka 1200 Mann stark, mit wehenden Fahnen und unter den Klängen von ›Heil dir im Siegerkranz‹« in Lockstedter Lager eingerückt sei [35]. Der Zeitungsbericht ist ungenau, da es sich nicht um die vollständige Marinebrigade, sondern um das »Detachement Claasen der 3. Marinebrigade von Loewenfeldt« [36] handelte, welches sich geschlagen und um seiner Entwaffnung zu entgehen aus Kiel zurückgezogen hatte [37] [38].

Weiter wurden Teile der Brigade Ehrhardt in Lockstedter Lager zunächst zur Demobilisierung untergebracht und später angesiedelt. So heißt es in einem Bericht vom 5.4.1920:

»Es liegen hier zurzeit nur das Detachement Claasen (Löwenfeldt) [37] und das Vorkommando der Brigade Ehrhardt [39]. Weitere Erhardt Truppen sind noch nicht angekommen. Es hat sich in einigen Kreisen, besonders der Arbeiterschaft, eine gewisse Unruhe bemächtigt und man befürchtet ein erneutes Vorgehen der Löwenfelder gegen die Regierung. Uns gegenüber haben sich die Führer der genannten Truppen des Öfteren als durchaus verfassungstreu bezeichnet und man muss doch annehmen, dass selbst, wenn sie es nicht wären, ein neuer Streich doch von vorne herein zwecklos und außerordentlich dumm wäre.« [40]

 

Arbeit – Friede – Brot  - - -  eingelöste Versprechen?

SH Hohenlockstedt Notgeld6 web2 
Am 16. Mai 1920 war zu lesen:

»Die Freikorps sollten auf Anordnung des Reichswehrministers Noske am 29. Februar 1920 aufgelöst werden. Dem 3. Kurländischen Infanterieregiment [41], Anfang März in Munsterlager untergebracht, war zu diesem Zeitpunkt bereits mitgeteilt worden, dass die Freikorps definitiv aufgelöst würden, wer nicht in die Reichswehr übernommen werde, könne vom Landwirtschaftsministerium als Arbeiter übernommen werden, um dann nach Schleswig-Holstein ins Lockstedter Lager verlegt zu werden. Die nicht Übernommenen wurden aus dem Soldatenstatus entfernt und in den Arbeiterstatus mit Arbeitsvertrag vom Landwirtschaftsministerium übernommen. Am 14. und 15. Mai kamen Teile des ehemaligen 3. Kurländischen Infanterieregiments und der Maschinengewehr Kompanie Württemberg unter der Führung der Offiziere Kiewitz, Freiherr von Schleinitz und Graf von Schwerin im Lockstedter Lager an, insgesamt spricht man von 500 Mann. Die Männer waren vom Munsterlager zum Lockstedter Lager geschickt worden, ohne dass es eine vorherige Absprache zwischen den Kommandanturen gegeben hatte. Im Lockstedter Lager waren alle bewohnbaren Unterkünfte belegt, nur die verwanzten und verlausten Baracken der Kriegsgefangenen waren noch frei und in diese wurden die Baltikumer eingewiesen. Die Siedlergemeinschaft hat sich vorerst den Namen Siedlungsgemeinschaft ›Kiewitz‹ gegeben.« [42]

Der Dreiklang »Arbeit Friede Brot« des Notgeldscheins [43] könnte eine Erinnerung an ein am 29.12.1918 zwischen August Winnig und dem ersten lettischen Ministerpräsidenten Karlis Ulmanis getroffenes Abkommen sein, dessen zweideutige Klauseln als ein Versprechen ausgelegt wurden, jeder »Baltikumer« würde ein Stück Land für seinen Kampf gegen den Bolschewismus erhalten [44]. Mit dem Unterschied, dass es dieses Stück Land nun nicht in Lettland, sondern in Schleswig-Holstein [45] gab.

Der Dreiklang erinnert aber auch fatal an ein von der »Antibolschewistischen Liga« in hoher Auflage verbreitetes Flugblatt:

»Das Vaterland ist dem Untergang nahe. Rettet es! Es wird nicht von außen bedroht, sondern von innen: Von der Spartakusgruppe. Schlagt ihre Führer tot! Tötet Liebknecht! Dann werdet ihr Frieden, Arbeit und Brot haben. Die Frontsoldaten.« [46]

Die zunächst nach dem Hauptmann Werner Kiewitz [47] benannte Siedlungsgemeinschaft gab nur scheinbar ihre Truppenstruktur auf. Kiewitz unterstanden nicht mehr 4 Kompanien, sondern vier ›Arbeitsgemeinschaften‹. Auch als das Preußische Landwirtschaftsministerium eine genossenschaftliche Organisationsform einforderte änderte sich nur dem Namen nach etwas. Die Siedler gründeten »eine Zentralgenossenschaft, den ›Soldatensiedlungsverband ›Holstein‹‹, dem die vier Soldatensiedlungsgenossenschaften (SSG) ›Bromberg‹ (Ortsteil Bücken), ›Thorensberg‹ (Ridders), ›Hungriger Wolf‹ (Hungriger Wolf) und ›Württemberg‹ (Springhoe) unterstanden« [48]. Der Zentralgenossenschaft stand der ehemalige Bataillonsführer Kiewitz vor, den Soldatensiedlungsgenossenschaften die ehemaligen Kompanieführer.

Nach außen hin begann ein ›normales‹ Leben. Am 7. Juni 1920 veranstaltete die Soldatensiedlungsgenossenschaft »Württemberg« z.B. in Kellinghusen einen Ball. »Es soll eine Gelegenheit sein junge Fauen kennenzulernen, da es sich herum gesprochen hat, dass man verheiratet sein sollte, mindestens aber verlobt, wenn man sich hier um eine Hofstelle bewirbt.« [49]

Andererseits wurden bei Durchsuchungen im Juni und August 1920 verbotene Waffen und Munition in Lockstedter Lager gefunden und nach einem Bericht des »Hamburger Echo« hatte Hauptmann Kiewitz in einer Rede erfreut festgestellt, »daß es gelungen sei Sozialdemokraten und Demokraten restlos aus dem Verbande herauszuschmeißen. Es sei so freie Bahn geschaffen, und wenn der Bolschewismus komme, sei der Tag des Eingreifens gekommen. Erste Aufgabe sei es dann Schleswig-Holstein zu schützen, und dann – nach Erreichung dieses Zieles – werde die militärische Operation über Schleswig-Holstein hinaus ins Reich getragen werden können, um dem Lande eine Regierung zu geben, die sie wünschten, und die ihren Wünschen und Forderungen geneigt wäre« [50].

Diese Vorgänge zogen eine Untersuchung durch das Preußische Landwirtschaftsministerium und  am 31.8.1920 einen Besuch des preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun (SPD) nach sich, durch die die Siedler sich entlastet sahen:

»Die tendenziösen Alarmnachrichrichten des Berliner Tageblattes, seiner Gefolgschaft und eines Teiles der linksstehenden Presse haben die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf eine Anzahl Männer gerichtet, die auf weltabgelegenen Ödlandstrecken harte Kultivierungsarbeit leisten. ... ... Dem Umfang der Presseberichte und der Leidenschaftlichkeit ihres Tones nach zu urteilen, müsste es sich hier um eine Riesenorganisation handeln, die bezweckte, im früheren Truppenlager Lockstedt ein Heer zu bilden, um damit von Schleswig-Holstein aus gegen Berlin vorzurücken und einen blutigen Kampf zu führen gegen alles, was Demokrat oder Sozialdemokrat ist. ... ... Die sofort eingeleitete Untersuchung ergab die ganze Haltlosigkeit der Behauptung des Hetzartikels, insbesondere auch in der Frage der Waffen – gegen den Willen von Vorgesetzten – von entlassenen Soldaten mitgeführt worden, aber nur aus Sorge, auf dem Transport ebenso überfallen zu werden, wie es dem Bataillon des Hauptmanns Berthold im März in Harburg geschah.« [51]

Gleichwohl wurden eine Woche nach dem Besuch drei Soldatensiedler in Itzehoe festgenommen als sie vier schwere, zwei leichte Maschinengewehre und 22 Infanteriegewehre verkaufen wollten [52].

Immer wieder wurden Verbindungen von »Soldatensiedlern« zu illegalen Waffengeschäften aufgedeckt. So wurde im Herbst 1923 ein Waffenlager in Lockstedter Lager ausgehoben [53].

Anfang 1923 ließ sich der ehemalige Polzeihauptmann Herbert Selle als Gast- und Landwirt in Lockstedter Lager nieder. Ab April 1924 leitete er die Sportschule Lockstedter Lager, aus der sich später die SA-Berufsschule »Lola I« entwickelte [54].

Unter den 29 Teilnehmern, die sich am 1. März 1925 zur Gründungsversammlung der NSDAP in Neumünster zusammen fanden, war auch ein Vertreter aus Lockstedter Lager [55].

Im Sommer 1925 trat Heinrich Schoene, der ein kleines Baugeschäft in Lockstedter Lager betrieb, in die NSDAP ein [56]. Schoene gilt als Gründer der »SA der Nordmark« [57]. Die SA des Lockstedter Lager beschreibt  Bodo Uhse [58] in seinem autobiographischen Roman »Söldner und Soldat« [59] wie folgt:

»Wohler fühlte ich mich, wenn der große, trotz seiner Jugend kahlköpfige Hannes Niemand mich in rascher Motorradfahrt in das Lockstedter Lager hinausnahm, das früher ein Truppenübungsplatz gewesen war, auf dem die Verlegenheit der Republik nach dem Kapp-Putsch die Reste der Brigade Ehrhardt angesiedelt hatte. Da die Siedler während einiger Jahre zunächst als Arbeiter auf dem von Millionen Kommißstiefeln niedergetretenen Sandboden unter mancherlei Entbehrungen – einer von ihnen soll in dieser Zeit verhungert sein – die Siedlungen selbst hatten errichten müssen, so hatte eine aus gemeinsamer Kriegs-, Putsch- und Hungerzeit geschaffene Tradition eine Gemeinschaft von eigenartigem Charakter geformt, unduldsam, landsknechthaft und bäurisch-schwerfällig. Die SA des Lockstedter Lagers war die kampferprobteste und erfahrenste Truppe in der Provinz. Sie wurde überall eingesetzt, wo es hart auf hart ging.«

Ende der 1920er Jahre befand sich in Lockstedter Lager die stärkste NSDAP-Ortsgruppe des Kreises Steinburg. Mehr als 25 Träger des Goldenen Parteiabzeichens, das nur an frühe Mitglieder verliehen wurde, lebten in Lockstedter Lager [60].

Ab 1934 begannen Planungen für eine  Heeresmunitionsanstalt (MUNA) in Lockstedter Lager; mit dem Bau wurde 1935 begonnen. Um 1942 hatte das Muna-Gelände eine Ausdehnung von ca. 150ha [61]. Der immense Bedarf an Arbeitskräften wurde auch durch Zwangsarbeiter gedeckt [62].

Nach dem 2. Weltkrieg empfand man den Begriff »Lager« als zu belastet [63]. Es kam 1956 »nach erbitterter kommunalpolitischer Auseinandersetzung« [64] zu einer Umbennung der Landgemeinde Lockstedter Lager in Hohenlockstedt.

Dem Namenswechsel passte sich nach und nach die Präsentation der eigenen Geschichte an. Das heutige Hohenlockstedt verweist auf seine »überregionale Bedeutung« [65], die es während des 1. Weltkrieges durch die Ausbildung von 1930 Finnischen Jägern bekam, von denen ein Teil ab Mai 1916 als Königlich-Preußisches Jäger-Bataillon Nr. 27 an der Ostfront eingesetzt wurde. Dabei ging es allerdings »nicht um finnische, sondern allein deutsche Interessen« wie Fritz Treichel unter Bezug auf Ludendorff anmerkt [66]. Um etwas über die restliche Geschichte zu erfahren, muss ins Dunkle geblickt werden.


Ganz im Sinne der Schlußstrophe des Dreigroschenfilms:

»Denn die einen sind im Dunkeln
Und die andern sind im Licht.
Und man siehet die im Lichte
Die im Dunkeln sieht man nicht.« [67]


• Wir danken Ulf Evers sehr herzlich für seine »Notgeld-Moritat«. Die Geschichte von Lager Lockstedt ist schon sein vierter Beitrag für unsere Website. Er hat die Denkmalsanlage auch fotografiert und uns alle Bilder zur Verfügung gestellt. Die ersten Orte, die Ulf Evers kommentiert hat, sind:

Langwedel

Bordesholm

Hohenweststedt


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Die Siedler

Ulf Evers hat uns gerade die Geschichte der »Soldatensiedler« beschrieben. Im offiziellen Narrativ Hohenlockstedts wird der Fokus allerdings auf den erfolgreichen Kartoffelanbau gelegt.


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2014 wurde der Gedenkstein im Rathauspark von Nachkommen der Siedler und der Kartoffelkönigin von Hohenlockstedt enthüllt. Denn, so stand es bei shz.de, »die Menschen aus dem Lockstedter Lager haben die Grundlage für eines der bedeutendsten Kartoffelanbaugebiete in Schleswig-Holstein geschaffen.« Achim Jabusch vom Verein Kultur und Geschichte betonte: »Mit diesem Stein möchten wir an alle Siedler und deren Familien erinnern, die in den Jahren 1920 bis 1926 unter schwierigsten Umständen den ehemaligen Truppenübungsplatz urbar gemacht und zur landwirtschaftlichen Fläche umgestaltet haben.«


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Lockstedter Lager

... war ein als Truppenübungsplatz genutzter Gutsbezirk in Holstein, aus dem dann 1927 eine gleichnamige Gemeinde gebildet wurde. Der Truppenübungsplatz erreichte seine größte Ausdehnung gegen Beginn des 1. Weltkriegs, als er eine Fläche von etwa 60 Quadratkilometern umfasste, auf der bis zu 18.000 Soldaten stationiert waren.

Lagerplan, abfotografiert im Museum Hohenlockstedt


Hier wurde 1900 das deutsche Truppenkontingent für die Bekämpfung des sogenannten Boxeraufstandes in China aufgestellt, das unter der Führung von Alfred Waldersee stand. Ein kleiner bewaldeter Geestrücken trägt in Erinnerung daran den Namen Waldersee-Höhe.

Lesen Sie mehr im Bundesarchiv, Teil 6 »Boxeraufstand«


1920 – der Truppenübungsplatz sollte eigentlich den Bestimmungen des Versailler Vertrages entsprechend aufgelöst sein – wurden im Gutsbezirk Lockstedter Lager Teile der Brigade Ehrhardt angesiedelt, die noch kurz zuvor beim Kapp-Lüttwitz-Putsch die reguläre Regierung angegriffen hatte. Die angestrebte Entwaffnung und Entpolitisierung der antirepublikanischen und antisemitischen Rechtsverbände gelang nicht vollständig. Es wurden immer wieder Waffen bei den rechtsradikalen Siedlern gefunden. Als für die Abgabe von Waffen eine Belohnung gezahlt wurde, lieferten die ehemaligen Angehörigen der Brigade Ehrhardt aus ihren Beständen große Mengen. Aber das waren nur Teile ihrer Vorräte. Noch 1923 wurden bei Siedlern des ehemaligen Freikorpsverbandes große Bestände an Militärwaffen gefunden. Zudem waren viele der ehemaligen Soldaten nicht besonders geeignet für das entbehrungsreiche Siedlerleben. In der Folge war der Gutsbezirk immer wieder ein Stützpunkt und Zufluchtsort antirepublikanischer Rechtsverbände in Steinburg und auch ganz Schleswig-Holstein.

Lockstedter Lager gilt als Wiege der schleswigholsteinischen SA.

Ab 1936 wurde auf dem Teilgelände »Hungriger Wolf« offiziell ein Flugplatz für die neu aufgestellte Luftwaffe eingerichtet. Schon 1934 war auf dem Gelände von Lockstedter Lager die Heeresmunitionsanstalt (Muna) eingerichtet worden. Dieser Betrieb dehnte sich ständig aus. 1944 waren dort 4.000 Arbeitskräfte eingesetzt, darunter auch Zwangsarbeiter.

Nach Wikipedia, abgerufen am 20.7.2020

 

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Das ehemalige Kommandantenhaus von Lockstedter Lager, heute Rathaus von Hohenlockstedt.

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Tafel am Rathaus: Null Informationen zu der Zeit zwischen 1927 und 1956, kein Wort zum NS-Schulungsstandort Lockstedter Lager.

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Gedenken an den Auszug 1917

»Ewig lebt der Toten Tatenruhm« – dieses Zitat aus dem nordischen Heldenepos »Edda« (76. Strophe der Hávamál) steht auf dem Gedenkstein zum Auszug der Soldaten »aus dem Lockstedter Lager ins Feld«. Vollständig heißt die Strophe: »Besitz stirbt, Sippen sterben. Du stirbst wie sie. Eins weiß ich, was ewig lebt: der Toten Tatenruhm.«

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Das Zitat ist auch heute eines der beliebtesten bei Nazis, Burschenschaften und anderen rechten Gruppen. Es wird verwendet für Kranzschleifen zum Volkstrauertag, Sticker, Poster und T-Shirts, zu kaufen auf Websites von Neonazis bis Amazon. Ein martialisches Beispiel:

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Die SA-Berufsschule »Lola I«

Lockstedter Lager gilt als Wiege der schleswigholsteinischen SA (Sturmabteilung), der paramilitärischen Kampforganisation der NSDAP. Ab 1929 gab es dort eine »Volkssportschule« für die SA und andere rechtsextreme Verbände, die mit Unterstützung des von General Kurt von Schleicher gegründeten Reichskuratoriums für Wehrertüchtigung als Wehrsportschule fungierte und im großen Umfang paramilitärische Ausbildung durchführte. Der Leiter dieser Wehrsportschule war der Offizier der Schwarzen Reichswehr Herbert Selle, der gleichzeitig der SA angehörte und schon 1920 in die NSDAP eingetreten war. In den 1930er Jahren ging die Schule auch offiziell in den Besitz der NSDAP über. Zuerst fungierte sie als Geländesportschule, ab 1935 nannte sie sich SA-Sportschule. Später kam eine »Umschulungseinrichtung« der SA dazu – das SA-Hilfswerklager Nordmark, später SA-Berufsschule. Neben diesen Maßnahmen zur Disziplinierung und Umerziehung von Andersdenkenden, politischen Gegnern und Langzeit-Arbeitslosen, absolvierten auch viele Funktionäre der schleswigholsteinischen Nationalsozialisten paramilitärische Kurse in Locksteder Lager.

SH Hohenlockstedt SA Schule web
Gemeinsames Archiv der Stadt Itzehoe und des Kreises Steinburg, Itzehoe

Schultor mit Wachhäuschen in der Nazizeit


Lesen Sie den ausführlichen Beitrag von Carsten Schröder »Der NS-Schulungsstandort Lockstedter Lager. Von der ›Volkssportschule‹ zur SA-Berufsschule ›Lola I‹«. Er ist 2000 im Heft 37 der Informationen zur schleswig-holsteinischen Zeitgeschichte (ISHZ) des AKENS (www.akens.org) erschienen. Wir danken Kay Dohnke für die Genehmigung, den Beitrag hier zur Verfügung stellen zu dürfen.

Carsten Schröder »Der NS-Schulungsstandort Lockstedter Lager«

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Die Finnischen Jäger

»Am 26. Januar 1915 fiel in Berlin eine denkwürdige Entscheidung: Um die ›Sympathie Deutschlands mit Finnland zu beweisen‹, sollte finnischen Jugendlichen ›aus guter Familie‹ die Möglichkeit geboten werden, nach Deutschland zu kommen, sich ›mit der Kulturhöhe und dem militärischen Geist Deutschlands‹ bekannt zu machen und die Fähigkeit zu erwerben, im Falle eines aktiven Vorgehens Schwedens gegen Russland oder eines selbständigen finnischen Aufstandes militärische Aufgaben zu erfüllen. Die Entscheidung, Finnen militärisch zu schulen, erfolgte auf Ersuchen des radikalsten Flügels der finnischen nationalen Bewegung, fügte sich aber auch nahtlos in das seit Kriegsbeginn von der Reichsleitung zielstrebig verfolgte Konzept, die inneren Widersprüche im russischen Imperium und im britischen Empire zu schüren und im Interesse der deutschen Kriegführung zu nutzen. Vor 1914 war von amtlicher deutscher Seite nicht das Geringste geschehen, um durch eine Intervention in Petersburg das Los der Finnen zu erleichtern. Auch der neue Kurs war kein uneigennütziger Sympathiebeweis, sondern ein unter Einsatz erheblicher Mittel betriebener Versuch, finnische Selbständigkeitsbestrebungen für die eigenen strategischen Zwecke einzuspannen.«

Preußische Jäger und finnische Generäle, Prof. Dr. Manfred Menger, Deutsch-Finnische Rundschau Nr.119, Dezember 2003, Seite 40f

 

Das Denkmal für die finnischen Jäger wurde vom Bildhauer und ehemaligen finnischen Jägerleutnant Lauri Leppänen gestaltet. Es wurde zunächst in Finnland der Öffentlichkeit vorgestellt und dann am 31. Mai 1939 – dem Jahrestag des Bataillons-Aufbruchs an die Ostfront – in Lockstedter Lager eingeweiht.


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Um das Relief eines Soldaten in kompletter Jägermontur steht die Inschrift:

DAS MÄCHTIGE DEUTSCHLAND NAHM FINNLANDS JUNGE MÄNNER AUF UND ERZOG SIE IN SEINEM RUHMREICHEN HEERE ZU SOLDATEN


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Auf der Rückseite ist das Relief eines Jägers in finnischer Uniform auf Skiern zu sehen. Drumherum steht:

ZUR BEFREIUNG DES VATERLANDES ERHOB SICH FINNLANDS JUGEND ZU BEGINN DES WELTKRIEGES UND GING IN DIE FREMDE UM DORT DAS WAFFENHANDWERK ZU ERLERNEN


Auf der linken Seite ist eingraviert:

Zum Andenken an das Königl. Preussische Jägerbataillon 27, das 1915–16 im Lockstedter Lager aufgestellt und ausgebildet wurde und 1916–17 an der Ostfront Schulter an Schulter mit deutschen Truppen kämpfte, um dann entscheidend an dem finnischen Befreiungskrieg teilzunehmen errichtete diese Denkmal ITSENÄISYYDEN LIITTO (die Finnische Unabhängigkeitsliga)


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Auf der rechten Seite steht auf finnisch unter dem finnischen Wappen, hier in der deutschen Übersetzung wiedergegeben:

Zum Gedenken an das Finnische Jägerbataillon wurde dieses Denkmal aufgestellt von der Finnischen Unabhängigkeitsliga



SH Hohenlockstedt Jaegerleutnant und Bildhauer Lauri Leppaenen Museum Hohenlockstedt web


Dieses Bild haben wir im Mueum Hohenlockstedt fotografiert. Die Beschreibung lautet: »Jägerleutnant Lauri Leppänen in seinem Atelier und auf dem Fahrrad als Marschführer seiner Kompanie« – eine etwas verwirrende Collage. Auf dem einkopierten Foto sind die zwei Soldatendarstellungen des »Jägerdenkmals« nebeneinander zu sehen.


1995 wurde die deutsch-finnische Reservistenverbindung gegründet. Auf der Website des Reservistenverbandes wird vom Treffen am »Finnentag« 2019 berichtet: »... bis in die frühen Morgenstunden wurden gemeinsam begleitet von Akkordeonklängen die alten Soldatenlieder gesungen ...«.

Link zur Reservistenseite: »Finnentag bei Kaiserwetter«


2019 im Februar wurde in Hohenlockstedt einmal mehr der »Finnentag« begangen. Prominente Gäste aus Finnland und Estland würdigten zusammen mit Vertretern aus der Region die jungen Finnen, die 1915 ihre militärische Ausbildung im Lockstedter Lager erhalten hatten. »Die Wiege der finnischen Armee liegt im Lockstedter Lager«, sagte Bürgermeister Wolfgang Wein, »aus der Gruppe der finnischen Jäger sind 50 Generäle und 850 Offiziere hervorgegangen«.

Hier der Link zum kompletten Beitrag auf JUNGLE.WORLD

 

Der Autor Georg Blum kritisiert die militaristische Traditionspflege an den »Finnentagen« in Hohenlockstedt, die offen ist für rechtsradikales Gedankengut. Er fordert den Kulturverein und das von ihm betreute Museum in Hohenlockstedt auf, sich der historischen Wahrheit zu stellen.

Georg Blum: »Traditionspflege für Bürgerkrieg und Massenmord«


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»Siegfried Stellung«

Wilhelm Haase hat sein Leben im 1. Weltkrieg an der Siegfried Stellung verloren. Was ist damit gemeint?

SH Hohenlockstedt Siegfriedstellung web


Einige kennen vielleicht noch das Lied »We're Going to Hang out the Washing on the Siegfried Line« (deutsch: Wir hängen unsere Wäsche an der Siegfriedlinie raus). In dieser Parodie aus der Zeit des 2. Weltkriegs wurde die Verteidigungskraft der Deutschen Wehrmacht aufs Korn genommen. »Line« bedeutet im Englischen sowohl »Linie« als auch »Wäscheleine«. Siegfriedlinie nannten die Deutschen damals ein System aus Bunkern und Verteidigungsstellungen an der Westfront.

Im 1. Weltkrieg war der Name das erste Mal verwendet worden. Nach enormen Materialschlachten und hohen Verlusten an Soldaten waren die deutschen Armeen 1917 an der Westfront in eine bedrohliche Lage gekommen. Darum wurden die Truppenteile zusammengezogen und die Front zurückverlagert zu einer bereits 1916 angelegten Verteidigungslinie, der »Siegfried Stellung«. Sie wurde auf rund 150 km Länge ausgebaut. 510.000 Tonnen Kies und Schotter, 110.000 Tonnen Zement, 20.000 Tonnen Rundeisen, 12.500 Tonnen Stacheldraht und mehr als 26.000 kriegsgefangene Arbeiter brauchte man dafür.

Beim Rückzug unter dem Decknamen »Alberich« verwüsteten die deutschen Truppen systematisch das Land.

Ernst Jünger schreibt in seinem Buch »In Stahlgewittern« – er hatte dort als »Zerstörungsoffizier« gedient: »Bis zur Siegfriedstellung war jedes Dorf ein Trümmerhaufen, jeder Baum gefällt, jede Straße unterminiert, jeder Brunnen verseucht, jeder Flusslauf abgedämmt, jeder Keller gesprengt oder durch versteckte Bomben gefährdet, jede Schiene abgeschraubt, jeder Telefondraht abgerollt, alles Brennbare verbrannt; kurz, wir verwandelten das Land, das den vordringenden Gegner erwartete, in eine Wüstenei.«

Frankreich ließ Ansichtskarten der vernichteten Orte, Kirchen, Schlösser und Landschaften drucken. Die ganze Welt verurteilte die Deutschen als Barbaren, wie schon 1914 beim Überfall auf das neutrale Belgien mit Massakern an der Zivilbevölkerung.

Als eine letzte von General Ludendorff geplante Offensive scheiterte, schloss das Deutsche Reich am 11. November 1918 einen Waffenstillstand.

Auch für die umfassenden Zerstörungen stellten die Franzosen hohe Reparationsforderungen an das Deutsche Reich.


Das »Unternehmen Alberich« in Spiegel Geschichte 2017

 

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I N H A L T
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Das Denkmal kommentiert von Ulf Evers
Die Namenstafeln
Die Sanierung 2002
Die Notgeldserie
Der Rütlischwur – einzig oder einig Volk?
Frühe Bilder
Doppeleichen
Die Kanone aus China
Das grüne Kuppeldach

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Hohenwestedt, Kreis Rendsburg-Eckernförde

In einem Park zwischen Tannenbergallee und Parkstraße

Das Kriegerdenkmal wurde gebaut für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs im Kirchspiel Hohenwestedt mit den Dörfern Grauel, Rade, Mörel, Heinkenborstel, Vaasbüttel, Tappendorf, Nindorf, Remmels, Nienborstel, Wapelfeld, Jahrsdorf, Peissen, Silzen und Glüsing. Die Denkmalsanlage in Form eines runden Burgwalls wird beschrieben von unserem ehrenamtlichen Mitarbeiter Ulf Evers.


Seinen Text mit den Anmerkungen / Fußnoten finden Sie hier

 

Unter einem Dach aus Laub

Zwischen Tannenbergallee und Parkstraße befindet sich in einer Parkanlage in Hohenwestedt das wohl größte nach dem 1. Weltkrieg errichtete Kriegerdenkmal in Schleswig-Holstein [1].

Heutige Besucher_innen werden sich dem Denkmal in der Regel von der Kieler Straße aus nähern.


SH Hohenwestedt Kielerstrasse web

 
Von der Einweihung des Denkmals 1921 bis Ende der 1950er Jahre befand sich der Hauptzugang gegenüberliegend, also vom heutigen Sportplatz aus.


SH Hohenwestedt Eingang Sportplatz web


Geplant wurde das Denkmal in ein Ende des 19. Jahrhunderts angelegtes Naherholungsgebiet hinein. Eine »Anpflanzungs-Genossenschaft« hatte 1889 damit begonnen, mehr als 15.000 Jungbäume zu pflanzen. Zu Ehren Kaiser Wilhelm I. wurde der Park »Wilhelmshöhe« genannt [2].

Bei den Überlegungen zu einem Kriegerdenkmal für das Kirchspiel Hohenwestedt ließ man sich vermutlich von ähnlichen Gedanken leiten, wie dies im gleichen Jahr die Bordesholmer taten:

»Ueberall im Lande hat man nun begonnen, das Andenken der Kriegstoten zu ehren. Die einfachste Form ist die Aufstellung von Gedächtnissteinen und Kreuzen auf dem Friedhof. Aber das sollte eigentlich nicht genügen. Denn die Helden des Kirchspiels haben ein Anrecht auf eine gemeinsame Ehrung, auf ein gemeinschaftliches Mal des Gedenkens. Und da geht unsere neue, schöpferische Zeit ganz andere Wege als die Vergangenheit. Nicht toter Stein und totes Eisen halten das Andenken an die Helden fest, sondern die Schöpfer der Krieger-Gedächtnisstätten nehmen mit feinem Instinkt für die künstlerischen Werte des lebendigen Schmuckes die Natur in ausgedehntem Maße zu Hilfe. Und so sind auf und ab im Lande Ehrenhaine und Gedächtnisstätten von wunderbarer Harmonie und Schönheit entstanden, Stätten der Andacht und der Feierlichkeit, mit denen sich einzelne mehr oder weniger geschmackvolle Ehrenmale auf den Kirchhöfen niemals werden vergleichen lassen.« [3]

Um die »künstlerischen Werte des lebendigen Schmuckes der Natur« zur Geltung zu bringen, wurde der Berliner Gartendirektor Albert Brodersen, der in Hohenwestedt aufgewachsen war,  für die Planung des Denkmals gewonnen. [4]

Nachdem die zum ehemaligen Kirchspiel Hohenwestedt gehörenden Gemeinden [5] sich verpflichtet hatten, Eigenleistungen beim Bau einer zentralen Gedenkstätte zu erbringen, wurde am 14.09.1920 mit dem Bau des Denkmals begonnen. [6]

Das Denkmal wurde im Laufe der Zeit stark verändert, nichtsdestotrotz ist ihm anzumerken, dass es von einem erfahrenem Landschaftsgärtner entworfen wurde. Landschaftsgärtner denken in langen Zeitabschnitten und wissen, dass sich die Wirkung ihrer Planungen erst im Laufe vieler Jahre entfaltet, deshalb wirkt das Denkmal heute sicher anders als bei seiner Einweihung im Juli 1921.


SH Hohenwestedt Hist Karte Verlag B Petsch 1941
Verlag B. Petsch, Hohenwestedt, 1941  


Auf einem aufgeschütteten Hügel befindet sich das aus vermauerten Feldsteinen bestehende Denkmal. Es erinnert an einen Ringwall, eine Fliehburg, deren Schutzmauer von zwei getreppten Aufgängen unterbrochen wird. In  die Pfeiler, die wie Zinnen wirken, wurden Platten eingemauert, auf denen – geordnet nach den zum Kirchspiel gehörenden Gemeinden – die Namen derjenigen verzeichnet sind, die im Krieg ihr Leben ließen – oder um es prosaischer auszudrücken, die die Verteidigung des sich im Innern der Befestigungsanlage befindlichen mit ihrem Leben bezahlten. Für die Anbringung von Gedenkkränzen befindet sich an jeder Platte ein kleiner Haken.

Zwischen den Zinnen befinden sich Hecken, die den Blick ins Innere der Befestigungsanlage verwehren. Hinter den Hecken, also in die Lücken der Zinnen gepflanzt, befinden sich achtzehn Linden (»Kein schöner Land in dieser Zeit, als hier das unsre weit und breit. Wo wir uns finden wohl unter Linden zur Abendzeit.«)

Im Februar 1921 ließ Brodersen eine Doppeleiche in die Mitte der Denkmalsanlage pflanzen. Das war in mehrfacher Hinsicht ein Symbol von hoher tagespolitischer Strahlkraft.

Mit der Doppeleiche (up ewig ungedeelt [7]) wird die Abtretung Nordschleswigs nach der Volksabstimmung im Jahr zuvor schmerzlich in Erinnerung gerufen. Angesichts des »deutsch-dänischen kulturellen Freundschaftsjahres 2020« [8] ist heute glücklicherweise nur noch schwer vorstellbar, wie aufgeheizt die Stimmung war. Wer jedoch wie ich die Bezeichnung »Speckdänen« meiner Großmutter im Ohr hat, die sich nie vorstellen konnte, dass die Nordschleswiger sich in der Abstimmung aus anderen als eigennützigen Gründen für die Zugehörigkeit zu Dänemark entschieden, der weiß, wie nachhaltig eine Generation von diesen Auseinandersetzungen geprägt wurde.

Darüber hinaus ist die so ins Zentrum gepflanzte Doppeleiche auch als Zeichen gegen die im Januar 1921 stattgefundene Ratifizierung des Versailler Friedensvertrages zu verstehen, besiegelte dieser doch auch die territorialen Abtretungen.

Das Denkmal stellt aber auch eine Versinnbildlichung der letzten Strophe des Schleswig-Holstein-Liedes dar: »Teures Land, Du Doppeleiche, unter einer Krone Dach, stehe fest und nimmer weiche, wie der Feind auch dräuen mag! Schleswig-Holstein, stammverwandt, wanke nicht, mein Vaterland!«

Die Feldsteinmauer wehrt den andräuenden Feind ab und in der Mitte steht fest und nimmer weichend das stammverwandte Schleswig-Holstein.

Wobei das »nimmer weiche« auch durch die verwendeten Materialien ausgedrückt wird: die Feldsteine, die bis zu tausend Jahre alt werdenden Linden und die mindestens genauso alt werdende Eiche.

Einen besonderen gärtnerischen Clou stellt die Auswahl der Bäume dar. Linden wachsen etwas schneller und höher als die Eiche; die Kronen der Linden bilden einen Kranz durch den in der Mittagszeit um Mittsommer herum das Licht auf die Eiche gefallen wäre, ...


SH Hohenwestedt Baumloch web


... hätte man nicht in den 1950er Jahren die Konzeption des Denkmals nachhaltig verändert.

Aber bleiben wir zunächst einmal in den 1920er Jahren und bei der ursprünglichen Form des Denkmals.

Das Denkmal ist den »gefallenen Söhnen« des Kirchspiels Hohenwestedt gewidmet.

Wer denkt bei dem Wort »Gefallener« an Szenen wie sie Wilfred Owen in einem Gedicht beschrieb: »Wenn Du nur einmal in würgendem Traum / Hinter dem Karren gingst, auf den wir ihn geworfen / Die weißverdrehten Augen sähst, auf dem Gesicht den Schaum, / Sein hängendes Gesicht wie eines Teufels krank vom Sündenschorfen, / Und hörtest du, wie ihm das Blut bei jedem Stoß / Gurgelnd aus schaumverstopften Lungen quillt, / Obszön wie Krebs und bitter wie ein fetter Kloß«. [9]  Kerstin Klingel [10] hat den in dem Begriff »Gefallener« verborgenen Euphemismus entlarvt, mit »dem über die Realität des Sterbens in den Materialschlachten« hinweggetäuscht werden sollte.

SH Hohenwestedt Eingang Sportplatz naeher web 
Wer von dem Sportplatz aus die Treppen hochsteigt, dem fallen zwei eingemauerte Tafeln auf.


SH Hohenwestedt Schiller web


Auf der rechten Tafel wird ein Vers von Friedrich Schiller aus dem Rütlischwur [11] mit Namen und Sterbedaten von Soldaten verbunden. Das war so zu lesen, dass die Verbundenheit über den Tod hinaus andauert und zur Verpflichtung der Überlebenden, der nachfolgenden Generationen wird. Und wer sich erinnert, wie der Schwur weitergeht: »Wir wollen frei sein wie die Väter waren, Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben«, sieht hier den Auftrag, die Niederlage in einen Sieg zu wandeln.


SH Hohenwestedt Johannes web2

 

Mit der linken Tafel wird der Soldatentod auf perfide Weise religiös glorifiziert. Der Soldatentod wird in den Rang eines Erlösungsopfers erhoben und als größtmöglicher Liebesbeweis gewertet. [12] [13]

Das Kirchspiel Hohenwestedt war in den 1920er Jahren ein äußerst fruchtbarer Boden für völkische Ideologien. In Hohenwestedt und Vaasbüttel wurden 1924 und 1925 »Nordmarkthings« mit tausenden von Uniformierten abgehalten. 1924 gründete sich in Hohenwestedt eine Ortsgruppe »deutschvölkisch denkender Männer«; 1925 eine Ortsgruppe der NSDAP [14]. Wilhelm Hamkens lebte dort und hatte eine Rechtsanwaltskanzlei in Hohenwestedt, war zunächst NSDAP-Kreisleiter und brachte es später bis zum Regierungspräsidenten in Schleswig Holstein. Die Führer der verschiedenen völkischen Gruppen zerstritten sich nachhaltig in einer Auseinandersetzung um eine im Chinakrieg (1900) erbeutete Kanone, die auf einem Sockel am Kriegerdenkmal für das Kirchspiel Hohenwestedt aufgestellt und im Januar 1925 geweiht werden sollte. Infolge der Zwistigkeiten wurde die Weihe kurzfristig durch den Kriegerverein Hohenwestedt, der die treibende Kraft bei der Errichtung des Kriegerdenkmals gewesen ist, abgesagt und von der völkischen Vereinigung »Werwolf« nach Vaasbüttel verlegt. Der bereits gemauerte Sockel für die Kanone wurde wieder abgebrochen. [15]

Diese Episode könnte eigentlich unter den heute bedeutungslosen Streitereien völkischer Gruppen verbucht werden, würde sich nicht die »Hohenwestedter Schützengilde von 1836« vergeblich darum bemühen, die Kanone, die sich heute in Laboe befinden soll, nach Hohenwestedt zu holen, um die »Feuerkraft der Schützengilde zu erhöhen«. [16]

Die vorhandene Kanone hat die Schützengilde auf eine mit dem Schriftzug »up ewig ungedeelt« versehene Lafette montiert. Der Stückmeister und der Stückknecht feuern mit der Kanone am Gildetag 25 Salutschüsse ab und man rollt die Kanone durch die Straßen Hohenwestedts zum Kriegerdenkmal, eine Hundertschaft der Gildemitglieder bezieht Stellung und singt die erste Strophe des Schleswig-Holstein-Liedes. [17]  

Im besten Fall wird so alljährlich ein folkloristischen Event aufgeführt, das die Geschichte ignoriert.

Als in den 1950er Jahren das Bedürfnis bestand, der Gefallenen und Vermissten des 2. Weltkrieges zu gedenken, wurden in Hohenwestedt andere Wege beschritten als in vielen anderen Gemeinden. Aus Kostengründen, aber auch weil eine große Unsicherheit bestand, wie der Toten zu gedenken sei, wurde vielfach vorhandenen Denkmälern ein Gedenkstein hinzugesellt.

Nicht so in Hohenwestedt. Hier wurde die Konzeption des vorhandenen Kriegerdenkmals verschlimmbessert. Die Doppeleiche wurde aus der Mitte der Denkmalsanlage entfernt und der Bildhauer Alwin Blaue mit der Planung eines Denkmales beauftragt.

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Außerhalb der Denkmalsanlage steht heute eine Doppeleiche, gut möglich, dass es sich um die aus der Mitte des Denkmales entfernte handelt.

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Alwin Blaue hatte zwar in den 1930er Jahren auch bei der Ausgestaltung von Kasernen mitgewirkt und die nationalsozialistischen Vorgaben umgesetzt, galt aber als »unverdächtig«, weil er aus bislang ungeklärten Gründen 1940 mit einem Berufsverbot belegt wurde. [18]

Der von Blaue entworfene Granitsockel mit Eichenkranz wurde 24.07.1955 eingeweiht.

SH Hohenwestedt Alwin Blaue web


Der Eichenkranz stellt einerseits einen Verweis auf die entfernte Doppeleiche dar und ehrt andererseits die Vermissten und Gefallenen. Kriegs- und andere Verbrechen werden ebenso überdeckt wie Fragen nach Schuld und Verantwortung. Ein Jahr nach der ersten Wehrnovelle zum Grundgesetz, kurz nach der Verabschiedung des »Freiwilligengesetzes« und der Vereinbarung gegenseitiger Verteidigungshilfe zwischen USA und Bundesrepublik und kurz vor Aufstellung der Bundeswehr [19] entsprach dies durchaus dem Zeitgeist.

Wäre spätestens bei der Sanierung des Denkmals 2002 in die Mitte der Denkmalsanlage ein Gedenkstein für die Opfer des nationalsozialistischen Deutschlands gesetzt worden, hätte dies die Aussage des Denkmals positiv verändern können. Ein Gedenkstein, der laut Aussage der »Hohenwestedter Schützengilde von 1836« ausschließlich der »Gefallenen und Vermissten« gedenken soll, lässt eher glauben, dass die aus der deutschen Geschichte erwachsende Verantwortung ignoriert wird.


SH Hohenwestedt Schuetzengilde informiert web


• Wir danken Ulf Evers sehr herzlich für seine Kommentierung. Er hat die Denkmalsanlage auch fotografiert und uns alle Bilder zur Verfügung gestellt. Die Denkmalsanlage in Hohenwestedt ist schon der dritte Ort, den er für uns beschrieben hat. Die ersten beiden sind:

Langwedel

Bordesholm


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Die Namenstafeln

In die runde Umfassungsmauer sind 16 Tafeln in verschiedenen Größen mit insgesamt 284 Namen eingelassen. Alle Tafeln sind einheitlich gestaltet: die Grossbuchstaben und Zahlen sind ochsenblutfarben in gleicher Schrift, Linien trennen die Spalten. Unter jeder Tafel ist ein Metallhaken für einen Kranz angebracht.

Es werden Vor- und Familiennamen genannt, der Todestag und der Todesort. Die Listen sind nach den Familiennamen alphabetisch geordnet.

Warum einige Namen zu den Inschriften

Für Hohenwestedt sind zwei große Namenstafeln eingelassen worden. Auf der ersten werden die Namen von A bis Ku genannt, auf der zweiten merkwürdigerweise von Ko bis Z. Womöglich war nur auf der ersten Tafel Platz für zwei Nachträge mit Ku, Karl und Ludw. Kutscher.

Die Dörfern Grauel, Rade, Mörel, Heinkenborstel, Vaasbüttel, Tappendorf, Nindorf, Remmels, Nienborstel, Wapelfeld, Jahrsdorf, Peissen, Silzen und Glüsing haben jeweils eine Tafel. Wir zeigen drei Beispiele:


SH Hohenwestedt Hohenwestedt1 web2


SH Hohenwestedt Gluesing web


SH Hohenwestedt Nienborstel web

 

Und hier noch ein Foto vom Aufgang zum Inneren des »Burgwalls« mit der Widmung für all die toten Soldaten des 1. Weltkriegs:

SH Hohenwestedt Kieler Strasse Pelz Wikimedia Commons web
Pelz / Wikimedia Commons

In ebenso roter Schrift, wie schon auf den Namenstafeln verwendet, steht dort links:

DAS KIRCHSPIEL HOHENWESTEDT
1914

und rechts vom Durchgang:

SEINEN GEFALLENEN SÖHNEN
1918

Diese Widmung ist in die Wand beider Aufgänge eingelassen.


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Die Sanierung 2002

Die vielen Spender und Spenderinnen, die die Sanierung ermöglicht haben, werden auf einer Tafel genannt:

SH Hohenwestedt Sanierung 2002 web


Auch die Ev.-luth. Kirchengemeinde Hohenwestedt hat dazu beigetragen. Wir verstehen genauso wenig wie Ulf Evers, dass nicht auf eine Kommentierung der Inschriften gedrungen wurde.


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Die Notgeldserie

Zur Erinnerung an den Tag der Einweihung des »Ehrenmals des Kirchspiel Hohenwestedt« wurde eine Serie von Notgeldscheinen gedruckt, die die Baugeschichte nachzeichnet.

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SH Hohenwestedt Notgeld web


Viele Arbeiter haben sich für das Foto aufgestellt: Der aufgeschüttete Hügel und der Beginn der Mauerarbeiten wird hier abgebildet. Der Bibelspruch aus dem Joannesevangelium 15.13, eingemeißelt in die Eingangstafel der Anlage: »Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben lässet für seine Freunde« wurde dazugesetzt.

 

SH Hohenwestedt Notgeld 50Pfg web


Die Mauer ist fertig, die Namenstafeln sind noch nicht eingesetzt. Eine lange Reihe von Herren unterschiedlichster Profession hat sich vom Fortgang des Bauwerks überzeugt, vom Arbeiteroutfit bis Homburger Hut mit steifem Kragen ist alles vertreten. Zitiert werden die beiden Zeilen des Rütlischwurs, der auch auf der zweiten Eingangstafel zu lesen ist: »Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, / in keiner Not uns trennen und Gefahr.« Auf den Notgeldscheinen steht allerdings »einig Volk« und nicht »einzig«.


SH Hohenwestedt Notgeld 1M web


Die Denkmalsanlage ist fertig, die Doppeleiche gepflanzt. Das Rund der Linden ist schon spärlich vorhanden. Wir denken an die Beschreibung von Ulf Evers weiter oben: »Landschaftsgärtner denken in langen Zeitabschnitten!«.


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Der Rütlischwur – einzig oder einig Volk?

Der Rütlischwur ist Teil der Gründungslegende der Schweiz. Seit Ende des 15. Jahrhunderts wird die Geschichte des geheimen Treffens der Verschwörer aus den Ländern Uri, Schwyz und Unterwalden am Rütli, einer Wiese oberhalb des Vierwaldstättersees, erzählt. Der Schwur zum gegenseitigen Beistand führte zum Aufstand gegen die tyrannischen Vögte der Habsburger und begründete die »Alte Eidgenossenschaft«.

Der Text des Schwurs ist nicht überliefert, wir kennen ihn nur in der literarischen Fassung von 1804 im Drama »Wilhelm Tell« von Friedrich Schiller:

»Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern,
In keiner Not uns trennen und Gefahr.

Wir wollen frei sein wie die Väter waren,
Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben.

Wir wollen trauen auf den höchsten Gott
Und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.«

Wie kam es dazu, dass man beim Googeln zum Rütlischwur meist Zitate findet, in denen wir ein »einig Volk« sein wollen?

Kommen wir einer Antwort näher, wenn wir uns diese Propaganda-Postkarte ansehen, die zum Beginn des 1. Weltkriegs gedruckt wurde?

 

SH Hohenwestedt Karte Ruetli web


Da wird ein bunter Haufen kriegswilliger Männer dargestellt, die sicher nicht ein »einzig Volk von Brüdern« waren im Urzeigersinn: Kaiser Wilhelm II, der Kronprinz, Kaiser Franz Joseph von Österreich, Prinz Heinrich von Preußen, Graf Haeseler, Kronprinz Rupprecht von Bayern, Graf Zeppelin und Paul von Hindenburg. Aber einig waren sie sich in dem Wunsch: »Gott strafe England!«

»Die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts« hat fast 17 Millionen Menschen das Leben gekostet.


Lesen Sie einen Beitrag von Arnulf Scriba für das Deutsche Historische Museum mit der Rede von Wilhelm II. »Aufruf an das deutsche Volk« am  6. August 1914 als Audiodatei.

www.dhm.de


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frühe Bilder

Dieses erste Foto vom Kriegerdenkmal wurde auch schon für den Notgeldschein verwendet.

SH Hohenwestedt Karte 1924 web


Die Postkarte wurde noch bis ins Jahr 1926 verschickt.

 

SH Hohenwestedt alt web

Nicht lange nach der Einweihung: die Linden haben schon eine kleine Laubkrone. Um das Denkmal herum ist eine Parklandschaft entstanden.

SH Hohenwestedt Karte Laubdach web


Diese Karte entstand vor der Erweiterung, das sieht man an den gleich großen Namenstafeln. Die Linden können allerdings zu dieser Zeit noch nicht so groß gewesen sein und auch einige andere Details unterscheiden sich von der Wirklichkeit. Es handelt sich hier also um eine Illustration, die das erwünschte Laubdach vorwegnimmt.


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Eine Karte mit Fotos Anfang der 60er Jahre, als die Seniorenresidenzen noch Rentnerwohnheim hießen, siehe unten rechts.


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Doppeleichen

Sie wurden ab 1898 als Symbol für die Unteilbarkeit Schleswig-Holsteins gepflanzt.

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Anzeige des Gärtners Beck: »Zur Verherrlichung des Nationalgesanges«

»An die Schleswig-Holsteinische Erhebung von 1848 erinnern die so genannten Doppeleichen, die in vielen Dörfern anlässlich des 50. Jahrestages am 24. März 1898 unter besonderen Feierlichkeiten gepflanzt wurden. Sie galten den schleswig-holsteinisch Gesinnten als Sinnbild für Freiheit und Unabhängigkeit von Dänemark sowie für die Einheit von Schleswig und Holstein. Deshalb findet man diese Art von Gedenkbäumen auch nur im nördlichsten Bundesland. Das Privileg von Ripen von 1460 und das Schlagwort ›Up ewig ungedeelt‹ diente dabei den Schleswig-Holsteinern als Grundlage ihres Anspruchs. Die Idee der Doppeleiche kam erstmalig auf dem schleswig-holsteinischen Sängerfest 1844 in Schleswig auf, als das Schleswig-Holstein-Lied erstmalig gesungen wurde; hier heißt es in der 7. Strophe: ›Teures Land, du Doppeleiche, unter einer Krone Dach, stehe fest und nimmer weiche, wie der Feind auch dräuen mag! Schleswig-Holstein, stammverwandt, wanke nicht, mein Vaterland!‹.

Als Standort dieser Bäume wählte man besonders exponierte Plätze in der Dorfmitte oder in der Nähe von Schulen und Gaststätten. Es gab zwei Möglichkeiten, eine Doppeleiche zu schaffen: Entweder pflanzte man zwei Eichen in einem Pflanzloch so eng zusammen, dass aus einer Wurzel die Stämme wuchsen, oder man ordnete die beiden Eichen so an, dass diese aus zwei Pflanzstellen herauswuchsen und im Stammbereich zusammengeführt wurde.«

Telse Stoy, Heimatgemeinschaft Eckernförde e. V., 2014. »Doppeleichen in Schleswig-Holstein«, in: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-261830, abgerufen: 18. Februar 2019

 

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Die Kanone aus China

Auf der Informationstafel der Hohenwestedter Schützengilde am »Ehrenmal« ist sie als kleines Schmuckelement zu sehen: die »liebevoll gepflegte» Kanone »Adelheid«.


SH Hohenwestedt Schuetzengilde Kanone web


Auf der Website der Schützengilde werden weitere Begehrlichkeiten artikuliert:

»Aus der Geschichte ist bekannt, dass sich in Hohenwestedt eine 2. Kanone befunden hatte. Diese stand lange Zeit an der Ecke Vaasbütteler-Str./ Kieler Straße und soll sich heute in Laboe bei Kiel befinden. Zwischenzeitliche Überlegungen des Vorstandes diese 2. Kanone nach Hohenwestedt zurückzuholen und damit die ›Feuerkraft‹ der Schützengilde zu erhöhen, blieben allerdings bisher ergebnislos.«

Ja, da steht sie im Aussenbereich, gleich hinter dem Eingang des »Marine-Ehrenmals« in Laboe:


SH Hohenwestedt Kanone Laboe


Auf der Tafel steht unter der Überschrift »Eine Kanone aus dem ›Boxeraufstand‹«: »... Zu den nach China entsandten deutschen Truppen gehörten auch zwei Seebataillone (Marine-Infanterie). Oberwaffenwart Kleine vom 1. Seebataillon brachte die Feldkanone 1901 als Kriegsbeute nach Deutschland. Frau Kleine vermachte sie dem Deutschen Marinebund, der sie 1982 zum Gedenken an die Opfer des ›Boxeraufstands‹ hier aufstellte.«

Auch mal eine Idee: der Opfer mit einer Kanone zu gedenken!


Der »Boxeraufstand«
beschrieben vom Bundesarchiv in der virtuellen Ausstellung »Deutschlands Adler im Reich des Drachen – Deutschland und China im Zeitalter des Kolonialismus«:

»Das ausgehende 19. Jahrhundert war geprägt vom Imperialismus der Großmächte und deren Streben nach Erwerb und Besitz von Kolonien. Während weite Teile Afrikas formell unter den europäischen Mächten aufgeteilt waren, strebten die Großmächte in Ostasien zunächst nach informeller Herrschaft mittels wirtschaftlicher Durchdringung.

Die Politik der europäischen Großmächte und das allmähliche Anwachsen reformerischer politischer Ideen in den oberen chinesischen Gesellschaftsschichten führten jedoch zu einer zunehmend antiimperialistischen Stimmung im Reich der Mitte. [...]

Gegründet zunächst als Schutzmacht der größeren Landbesitzer, wandten sich die ›Boxer‹ zunehmend gegen die westlichen Kolonialmächte [...]. Eisenbahn- und Telegrafenlinien wurden zerstört, ausländische Ingenieure und Missionare sowie chinesische Christen getötet. [...] Am 19. Juni forderte das chinesische Außenministerium die ausländischen Gesandten auf, Beijing (Peking) zu verlassen. Einen Tag später, am 20. Juni, wurde der deutsche Gesandte von Ketteler bei einem Attentat ermordet. [...]

Am 21. Juni erfolgte die Kriegserklärung an die Kolonialmächte England, Frankreich, Rußland, Japan, Österreich, Italien, die USA und das Deutsche Reich. [...] Kaiser Wilhelm II. sah nach der Ermordung von Kettelers, die einmalige Chance, die überseeischen Großmachtambitionen des Deutschen Reiches zu manifestieren. So erreichte er das Einverständnis der anderen Mächte zur Übernahme der Leitung des internationalen Aufgebots durch den deutschen Generalfeldmarschall Alfred Graf von Waldersee. Die von Kaiser Wilhelm II. zur Verabschiedung der Soldaten in Bremerhaven gehaltene sog. ›Hunnen-Rede‹ sollte durch ihren martialisch-imperialen Ton und der Aufforderung, Rache für die Ermordung von Kettelers zu nehmen, breite Gesellschaftsschichten hinter die kaiserliche Politik versammeln, trug jedoch im Ausland den deutschen Soldaten v.a. im 1. Weltkrieg die Bezeichnung ›Huns‹ ein.

[...] Schon nach kurzer Zeit brach der Widerstand der schlecht ausgerüsteten und militärisch unerfahrenen ›Boxer‹ endgültig zusammen. Im Dezember 1900 kam es zu Verhandlungen über eine Friedensregelung mit China. Die Kaiserinwitwe trennte sich auf alliierten Druck von einer Reihe hoher Beamter, die als ›Hauptschuldige des Boxeraufstandes‹ ausgemacht worden waren und ließ die ›Boxer‹ fallen. Den Abschluss des Aufstandes bildete die Unterzeichnung des sog. ›Boxer‹-Protokolls im September 1901. Es sah u.a. die Stationierung ausländischer Truppen im Korridor von der Küste über Tianjin bis nach Beijing (Peking) und an strategisch wichtigen Eisenbahnlinien, die Schließung wichtiger Festungsanlagen sowie die Zahlung von 450 Millionen Silbertael (1,4 Milliarden Goldmark) innerhalb von 39 Jahren vor, bei einer Verzinsung, die die Summe verdoppeln würde. Um diese Zahlung zu begleichen, musste sich die chinesische Regierung um ausländische Anleihen bemühen. Die wirtschaftliche Abhängigkeit des Landes von den Kolonialmächten vergrößerte sich und das chinesische Reich sank unaufhaltsam auf den Status einer Halbkolonie herab. Die deutsche Seite verlangte im ›Boxer‹-Protokoll im Hinblick auf die Ermordung von Kettelers außerdem, dass ein Mitglied des kaiserlichen Hauses auf eine ›Sühnemission‹ nach Deutschland zu schicken sei und dass an der Attentatsstelle in Beijing (Peking) ein Mahnmal errichtet werden sollte. Diese Forderungen dienten der Demütigung des Verlierers, wurden jedoch beide erfüllt.«

Lesen Sie mehr im Bundesarchiv, Teil 6 »Boxeraufstand«


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Das grüne Kuppeldach

Jeweils in die Lücken der Zinnen gepflanzt, formen achtzehn Linden eine Kuppel über der Denkmalsanlage.


SH Hohenwestedt Linden web


Die Symbolik der Linde hat die Universität Göttingen erforscht:

»... Sie wurden zu vielen besonderen Anlässen gepflanzt und fungierten so als lebende Denkmäler, wie Goethelinde, Friedenslinde oder Hindenburglinde (Owinger Linden 1991).
Die Linde gilt als ein Symbol für Gerechtigkeit, Liebe, Frieden und Heimat sowie als Platz der Gemeinschaft. [...]
Die Linde gab vielen Städten und Dörfern aber nicht nur ihren Namen, sondern ging auch als Symbol für Tapferkeit und Sieg, in deren Wappen ein, ebenso wie in die einiger deutscher Adelsgeschlechter (Funcke 1869). Eine ganz besondere Bedeutung hat die Linde im deutschsprachigen Raum als Symbol für die Heimat. Auch die unzähligen deutschen Gasthöfe lockten die Reisenden somit indirekt mit einem Heimatbegriff (Beuchert 1996).«


Mehr zur Linde auf www.uni-goettingen.de


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> Weiße Wäsche – Kunstaktion 2014

 

Kurzfilme zu den Denkmälern

Seit ein paar Jahren existiert die Website www.denk-mal-gegen-krieg.de, auf der die Evangelische Akademie sich kritisch mit der bestehenden Erinnerungskultur auseinandersetzt. Die häufigsten Erinnerungsmale an die vergangenen Kriege sind Kriegerdenkmäler, auf denen der Soldatentod verklärt und die zivilen Opfer verschwiegen werden.

Aktuell produzieren wir kurze Videos und stellen diese in der kommenden Zeit jeweils donnerstags online. Den Film über die Denkmalsanlage in Hoisbüttel können Sie hier sehen: YouTube>, Einführung zur Filmreihe bei YouTube> und Hoisbüttel bei Facebook>


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I N H A L T
Das Denkmal
Die Steine an der Seite
Die Inschrift
Ein Foto aus dem Jahr 1933
Findlinge
Blutbuchen

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Hoisbüttel, Ortsteil von Ammersbek im Kreis Stormarn

Auf dem eingezäunten Dorfplatz unter einer Blutbuche

Hier wurde 1920 das erste Kriegerdenkmal in der Gegend aufgestellt. Ein halbes Jahr später wurde in der Bergstedter Kirche eine Tafel angebracht, auf der dann schon der »Helden« gedacht wurde.

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Der schmale, hohe Findling steht auf einem mächtigen Sockel aus Granitbruchsteinen, der mit Efeu überwachsen ist. Rechts und links verbreitert eine beschnittene Hecke optisch den Sockel.

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Der Dorfplatz mit der Denkmalsanlage bei unserem zweiten Besuch im Frühjahr 2020: Die Blutbuche ist noch kahl. Schön zu sehen ist der gepflegte Sandweg, der für die Denkmalssteine angelegt worden ist.

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Es wird der toten Soldaten des 1. Weltkriegs gedacht, oben am Findling sehen wir ein Eisernes Kreuz und die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs.

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Das Eiserne Kreuz ist flächig in den Stein gemeißelt und danach schwarz konturiert worden.


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Eine schmale, schwarze Steinplatte, oben leicht gerundet, ist darunter eingelassen. Sie bedeckt eine große Fläche des Findlings. Es werden die Vor- und Nachnamen von 21 toten Soldaten in einer golden ausgemalten Schrift genannt, mit Geburts- und Sterbetag, ein vermisster Soldat von dreien wird nur mit dem Sterbejahr genannt. Sein Name steht mittig unter zwei Spalten mit je 10 Namen. Die Namen sind chronologisch nach Sterbetag geordnet. Eine Linie trennt die zwei Spalten, oben endet sie mit einem verspielten Schmuckelement. Dass hier toter Soldaten gedacht wird, zeigt uns die militärische Auszeichnung des Eisernen Kreuzes und die Abkürzung gef. für gefallen. »Fallen« kann nur ein Soldat. Es gibt keine weitere Inschrift oder Widmung. Das Eiserne Kreuz wurde den toten Soldaten hier posthum und kollektiv verliehen für die durch den Kriegstod bewiesene »Tapferkeit und Treue«. Diese generelle Ordensverleihung macht deutlich, dass jeder Soldat den imperialen Zielen des Deutschen Heeres gedient hat.

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Die Steine an der Seite

Der linke Feldstein trägt die Inschrift, auf Mittelachse gesetzt:

Wanderer neige in
Ehrfurcht Dein Haupt
vor dem Tod und
der Tapferkeit

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Hier wird Ehrfurcht vor Tod und Tapferkeit gefordert. Es wird angenommen, dass die Soldaten mit Tapferkeit, also im Kampf, gestorben sind – ein ehrenvoller Tod soll es gewesen sein! Kein Gedanke an zerfetzte Gliedmaßen, verpestete Lungen und Todesangst im Schlamm der Schützengräben. Das Grauen des Krieges wird durch die Inschrift verbannt. Wie wir auf dem Foto aus dem Jahr 1933 weiter unten sehen können, lag dieser Stein ursprünglich zu Füßen des Denkmals für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs. Durch die neue Aufstellung nach dem 2. Weltkrieg auf der linken Seite des zentralen Denkmals und parallel dazu auf der rechten Seite ein in etwa gleich großer Stein für die Opfer des Krieges 1939 – 1945 wird ein Zusammenhang der ehrfürchtigen Inschrift auch mit den Soldaten der Deutschen Wehrmacht im 2. Weltkrieg inszeniert.

                
Der rechte Stein wurde nach dem 2. Weltkrieg aufgestellt. Wir lesen die Inschrift:

Zum Gedenken
an die Opfer
des Krieges
1939 – 1945

SH Hoisbuettel Stein rechts neu web


»Wer ist mit den ›Opfern‹ gemeint? Die Opfer des Vernichtungskriegs der Deutschen Wehrmacht oder die toten Wehrmachtssoldaten auch? Waren eben alle Opfer der ›Bestie Krieg‹, die ausgebrochen ist, von niemandem verschuldet und von niemandem gewollt? Nicht erfasst werden hierbei auch die Opfer des Deutschen Faschismus vor dem Krieg: Jüdinnen und Juden, die Menschen im Widerstand, Sinti und Roma, sogenannte Behinderte ...

[...] Nun war aber der Krieg, nun war die Wehrmacht, die ihn führte, zugleich ein Bestandteil dieser Gewaltherrschaft – sind die Angehörigen der Wehrmacht also Opfer ihrer selbst? Und war Roland Freisler, der 1945 in Berlin durch einen alliierten Luftangriff starb, ebenso ein Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wie die Widerstandskämpfer, die er zuvor als Präsident des Volksgerichtshofs an den Galgen geschickt hatte?

Soll diese unhistorische Gleichmacherei, welche die Unterschiede zwischen den Toten hinter dem Opferbegriff versteckt, nicht weitergeführt werden, dann muss sich das bundesdeutsche Totengedenken von diesem Begriff verabschieden. Was aber könnte an dessen Stelle treten? Denkmäler, so wird heute oft gefordert, sollten die paradoxe Botschaft ausdrücken, dass ihr Sinn gerade darin bestehe, keinen Sinn für den Tod bieten zu können. Die Schwierigkeit, dieser Anforderung gerecht zu werden, liegt letztlich in den Dimensionen des zu erinnernden Tötens und Sterbens selbst begründet. Die ›postheroische‹ Gesellschaft der Bundesrepublik ist ein Kind der Erfahrung, dass sich alle Versuche der Verherrlichung von Krieg und Tod 1945 endgültig desavouriert hatten.«

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 101

»Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. ›Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.‹ [Giordano, Die zweite Schuld, S. 324].«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 29

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Ein Foto aus dem Jahr 1933

Wir sehen das uns schon bekannte Denkmal in einer gepflegten aufwendig gestalteten Anlage – weiß umzäunt. Der heutige Dorfplatz ist nicht wieder zu erkennen.


SH Hoisbuettel 1933 StA SW web


Die Blutbuche, in deren Schatten das Denkmal heute steht, ist noch nicht gepflanzt.

 

SH Hoisbuettel 1933 StA Detail web


Ein Ausschnitt aus dem Foto oben: der annähernd dreieckige Feldstein mit der ehrfürchtigen Inschrift liegt am Sockel des Findlings, davor Blumenschmuck.

Foto (bearbeitet): Kreisarchiv Stormarn >internationale Lizenz 4.0 


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Die Inschrift

Wanderer neige in
Ehrfurcht Dein Haupt
vor dem Tod und
der Tapferkeit

»Dort, wo klassische Zitate verwendet werden, wird versucht, dem Kriegstod eine Überzeitlichkeit zu verleihen, ihn also zu einem Geschehen zu machen, das naturgemäß immer wiederkehren muss. Auf einem Findlingsdenkmal in Wandsbek findet sich die Inschrift ›Wanderer neige in Ehrfurcht dein Haupt vor dem Tod und der Tapferkeit.‹ Dieses Zitat ist angelehnt an eine Inschrift von Simonides von Keos auf einem Gedenkstein im antiken Sparta, die von Friedrich Schiller folgendermaßen aus dem Griechischen übersetzt wurde: ›Wanderer, kommst du nach Sparta, so verkündige dorten, du habest uns hier liegen gesehen, wie das Gesetz es befahl.‹ Der Gedenkstein wurde nach der Ersten Schlacht bei den Thermopylen 480 v. Chr. während der Perserkriege errichtet. Die Schlacht ging aus Sicht der Griechen verloren, viele Spartaner starben, aber die Kämpfer sollen sich bis zum Letzten gewehrt haben und damit rücksichtslos ihrem Befehl gefolgt sein. Diese militärische Leistung wurde als Beispiel für den heldenhaften Opfertod im Laufe der Geschichte immer wieder herangezogen.«

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg 2006, S. 96

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Findlinge

»Findlinge wecken Assoziationen zu germanischen und keltischen Hünengräbern und Dolmen. Die Romantik entdeckte sie wieder, nach den Befreiungskriegen verbreiteten sie sich als Denkmalstyp und setzten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts vorwiegend in Norddeutschland gegen den Obelisk durch. [...]

Findlinge sind große (Granit-)Steine aus der heimatlichen Landschaft. Die Denkmalstifter holten sie oft selbst aus der Heide oder aus dem Harz mühevoll herbei. Als Monolith steht der Findling für die Einheit des Landes, fast unbearbeitet, strahlt er Naturwüchsigkeit aus, selbst ein Teil der uralten Überlieferung mahnt er zu ewigem Gedenken.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg, 2006, S. 134

»Germanisierende Motive finden sich in Gestalt zahlreicher Findlingsdenkmäler. In den Hünengräbern sah man ›Vorbilder für Erinnerungsmale, würdig der Größe des Opfers, das die Söhne unseres Volkes gebracht haben‹.«

• Gerhard Schneider, »... nicht umsonst gefallen«?, Hannoversche Geschichtsblätter 1991, S. 203

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Blutbuchen

Nach dem 2. Weltkrieg wurde hinter den drei Denkmalssteinen in Hoisbüttel eine Blutbuche gepflanzt, die heute den Dorfplatz dominiert. Kerstin Klingel schreibt über Bäume mit ähnlicher Symbolkraft. in dem oben schon erwähnten Buch »Eichenkranz und Dornenkrone« steht auf Seite 34 über die Kriegerdenkmalsanlage in Hamburg-Lokstedt: »Besonders bemerkenswert sind hier zudem die Bäume: die Anlage wurde mit Blutahornbäumen bepflanzt, als Zeichen für das für das ›Vaterland‹ vergossene Blut.« Sie zitiert aus dem 6-bändigen Standardwerk über Kriegerdenkmäler in Deutschland von Meinhold Lurz aus den 1980er Jahren: hier Band 4, Heidelberg 1985, S.143.

Mehr über die Denkmalsanlage in Hamburg-Lokstedt


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Erfurcht vor Tod und Tapferkeit

Die Gemeinde Ammersbek wünscht sich eine Kommentierung

In der Gemeinde Ammersbek gibt es gleich zwei Denkmäler zum Gedenken an die getöteten Soldaten. Der Bürgermeister und das KunstHaus am Schüberg haben schon viele gemeinsame Projekte durchgeführt. So sollte es auch diesmal sein.

Die Intention der Kunstaktion

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Echo in den Medien

Das Hamburger Abendblatt berichtet am 11. September 2014

Hmb Abendblatt 11 web


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Kunstaktion

Ab Freitag, 29. August 2014 ab 15:00 Uhr war die Kunstinstallation am alten Dorfplatz in Hoisbüttel und anschließend an der Dorfstraße in Bünningstedt für 10 Tage zu sehen. Eine öffentliche Diskussion fand statt am Donnerstag, 4. September um 19:00 Uhr im Gemeindezentrum »An der Lottbek« in Ammersbek.

Eine kleine, aber feine Runde diskutierte im Gemeindezentrum. Es wurde von der Aktion »Gedankenloses Gedenken« der Nachbargemeinde Bergstedt und von mulmigen Gefühlen beim bisherigen Ritual am Volkstrauertag in Ammersbek berichtet. Am Ende eines lebhaften Gesprächs stand wieder die Frage: Muss alles so bleiben wie es ist? Wie ist Ihre Meinung dazu, liebe Ammersbeker?

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Einladung

auf der Website der ev.-luth. Kirchengemeinde Hoisbüttel

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Am Freitag, 29. August 2014
um 15:00 Uhr in Hoisbüttel


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SH Hoisbuttel Aktion4

● Pastor Ulrich Hentschel spricht über die künstlerische Intervention.

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● Bürgermeister Horst Ansén und Bürgervorsteherin Ingeborg Reckling im Gespräch mit interessierten Ammersbekern.

SH Hoisbuttel Aktion1

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Am Freitag, 29. August 2014
um 16:00 Uhr in Bünningstedt

SH Buenningstedt Aktion1

SH Buenningstedt Aktion2

● Alle sind gespannt auf die Reaktionen der Ammersbeker und auf die Diskussion am Donnerstag, 4. September um 19:00 Uhr im Gemeindezentrum »An der Lottbek«.


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Im »Markt« wird die Kunstaktion am 27. August 2014 angekündigt:

SH Amm Markt 27 August web

 

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Am 26. August 2014 konnte man den Artikel »Weiße Wäsche als provokantes Gegenbild zu Kriegerdenkmälern« lesen.

Hamburger Abendblatt, Ausgabe Stormarn

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Kurzfilme zu den Denkmälern

Seit ein paar Jahren existiert die Website www.denk-mal-gegen-krieg.de, auf der die Evangelische Akademie sich kritisch mit der bestehenden Erinnerungskultur auseinandersetzt. Die häufigsten Erinnerungsmale an die vergangenen Kriege sind Kriegerdenkmäler, auf denen der Soldatentod verklärt und die zivilen Opfer verschwiegen werden.

Aktuell produzieren wir kurze Videos und stellen diese in der kommenden Zeit jeweils donnerstags online. Den Film über die Denkmalsanlage in Hoisdorf können Sie hier sehen: YouTube>Einführung zur Filmreihe bei YouTube> und Hoisdorf bei Facebook>


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I N H A L T
Das Denkmal
Volkstrauertag 2019
Die Einweihung
Die Geschichte
Das Eiserne Kreuz
Der Stahlhelm
Dienstgrade
Quasten, Troddeln
Das Heimatmuseum von Hoisdorf

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Hoisdorf, Kreis Stormarn

Am Rand des Dorfangers

Ein gepflegter Platz mit Dorfteich und altem Baumbestand, ein respektabler Dorfanger von vier noch bestehenden im Kreis Stormarn. Neben Hoisdorf haben Steinburg-Eichede, Siek und Bargfeld-Stegen einen großen Anger, einen grasbewachsenen Dorfplatz in Gemeinbesitz.

SH Hoisdorf weit web


Ein Sandweg führt zwischen Dorfteich und Denkmalsanlage hindurch. Auf dem Platz des Kriegerdenkmals für die toten Soldaten beider Weltkriege stand früher das Spritzenhaus der Feuerwehr. Am Himmelfahrtstag, den 25. Mai 1924, wurde das Denkmal eingeweiht. Die Weiherede hielt Propst Thomsen aus Rahlstedt.

 

SH Hoisdorf Fahnenmasten web


Rechts und links des Monuments sind Fahnenmasten für eine Beflaggung vorgesehen. Eine niedrige Hecke begrenzt die Anlage weiträumig.

 

SH Hoisdorf Denkmal web


Das Denkmal ist über einen Betonplattenweg zugänglich. Zum Volkstrauertag 2019 wurden auf dem bewachsenen Sockel des mehrstufigen, hellgrauen Steinmonuments drei Kränze niedergelegt.

 

SH Hoisdorf Helm web


Der Granitstein stammt aus einem westdeutschen Steinbruch. Gekrönt ist das Bauwerk mit der Plastik eines überdimensionierten Stahlhelms.

 

SH Hoisdorf Helm Detail web


Der Helm liegt auf einem steinernen Lorbeerkranz, darunter ein Bajonett mit verspielt über die Liegefläche herabhängender Quaste, auch Troddel genannt.

 

SH Hoisdorf Helm Detail2 web


Auf der gegenüberliegenden Seite ragt die Spitze des Bajonetts über den Helm hinaus.

 

SH Hoisdorf Zahlentafel web


Die 1957 neu angebrachte Frontplatte nennt die Kriegsjahre.

 

SH Hoisdorf EK web


Der untere Abschnitt des Monuments trägt mittig ein großes Eisernes Kreuz mit innen liegender, schwarzer Kontur.

 

 

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An beiden Seitenflächen werden die toten Soldaten des 1. Weltkriegs aufgezählt, chronologisch geordnet nach dem Sterbedatum. Es werden der Name, der Dienstgrad und die militärische Zugehörigkeit und das Sterbedatum, gekennzeichnet mit gef., gest. oder verm., genannt. Auf der linken Seite 14 tote Soldaten, gestorben von Kriegsbeginn 1914 bis Oktober 1916.


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Auf der rechten Seite, schwer lesbar, 13 tote Soldaten von 1916 bis 20. Januar 1919. An diesem Tag ist Heinrich Tretau als einziger »gestorben«, denn der Krieg war schon zu Ende und obwohl er wahrscheinlich seinen Kriegsverletzungen erlegen ist, hat er sein Leben nicht als »Gefallener im Kampf« verloren. Nach ihm wird noch Heinrich Schwarck auf der Liste genannt, der als »vermisst« aufgeführt wird.

Die Namen der toten Soldaten des 2. Weltkriegs werden hier nicht aufgezählt. Es sind mehr als man hier unterbringen wollte, im Dorfmuseum von Hoisdorf sind sie im »Ehrenbuch« verzeichnet.

 

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Volkstrauertag 2019

Es wurden drei farbenfrohe Kränze niedergelegt: vom Sozialverband Deutschland e.V. (SoVD) Ortsverband Hoisdorf im stillen Gedenken, der Bürgermeister und die freiwillige Feuerwehr von Hoisdorf im ehrenden Gedenken.

 

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»Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. ›Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.‹ (Ralph Giordano, Die zweite Schuld)«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 29

 

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Die einweihung

In der Hoisdorfer Chronik »Unser Dorf- und Hausbuch« von Paul Harms wird die Einweihungsfeier des Hoisdorfer Denkmals beschrieben:

»Am 25. Mai 1924, dem Himmelfahrtstag, wurde das Denkmal am Dorfplatz feierlich eingeweiht. Die Weiherede hielt Propst Thomsen aus Rahlstedt. Den Nachruf sprach General Ledebour aus Hamburg.


SH Hoisdorf Einweihung web

• Einige Regimentsfahnen, aber erstaunlicherweise fast keine Uniformträger ... und ein schneeweißes Denkmal!

Der Flieger Bäumer, ebenfalls aus Hamburg, warf einen Kranz aus seinem Flugzeug ab und danach für jeden Gefallenen einen Blumenstrauß. Die Feier fand unter Mitwirkung der örtlichen Vereine und der Militärischen Kameradschaft Hamburg – Eimsbüttel statt.

Der Granitstein war vom Gärtner Peter aus einem Steinbruch in Westdeutschland beschafft worden. Die Inschriften fertigte der Bildhauer Lange aus Schwarzenbek.«

• Unser Dank für die Informationen und das Foto geht an Klaus Bustorf vom Stormarnschen Dorfmuseum


Auch in Hamburg-Lokstedt hatte der Luftfahrtpionier Paul Wilhelm Bäumer zur Einweihung des dortigen Kriegerdenkmals einen Kranz mit meterlanger Schleife abgeworfen, der punktgenau auf der Plattform des Denkmals landete.

HH Lokstedt Flieger web

Paul Wilhelm Bäumer war mit 43 Luftsiegen einer der »erfolgreichsten« Jagdflieger im 1. Weltkrieg. Nach dem Krieg stürzte er 1927 beim Einfliegen eines neuen Flugzeugtyps zwei Kilometer vor Öresund ins Meer. Er starb mit 31 Jahren.

Denkmal in Hamburg-Lokstedt


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Die Geschichte

Auf dieser undatierten Postkarte kann man vage die frühere Frontplatte mit der ersten Inschrift erkennen und den früheren Sockel aus Bruchsteinen. Das Eiserne Kreuz zur Hälfte und der neue Sockel in Gänze sind heute zugewachsen.

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Auf dem Foto unten auf der Postkarte ist der Dorfteich abgebildet. Das Haus links ist die alte 1857 erbaute Schule. Bis 1931 hatte sie diesen Standort. Alle Klassenräume befanden sich im Erdgeschoss, oben wohnten die Lehrer. Der 2000 Quadratmeter große Garten war beileibe kein Spiel- und Sportplatz für die SchülerInnen, sondern diente den Lehrern zur Selbstversorgung und als Zuverdienstmöglichkeit.

 

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Dieser Artikel erschien am 3. Oktober 1957 in den Lübecker Nachrichten. Die Frontplatte wird erneuert, das Monument renoviert.

 

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Auf beiden Fotos aus dem Jahr 1963 sehen wir schon die neu aufgesetzte Steinplatte mit den Jahreszahlen beider Weltkriege und das neue »treppenartige Fundament«, das heute mit beschnittenem Sträuchern überdeckt ist. Drumherum liegen die hellen Weser-Sandsteinplatten. Die Anlage ist zu dieser Zeit noch an drei Seiten von einer hohen Hecke und vorne von einem für die 60er Jahre typischen Zaun mit Pforte umgeben.

Fotos: Kreisarchiv Stormarn >internationale Lizenz 4.0

 

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden.

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• »Fake News« anno 1914: Das Deutsche Reich hatte gerade das neutrale Belgien überfallen, damit die Truppen sich auf dem schnellsten Weg zum Erzfeind Frankreich begeben konnten.

Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


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• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

 

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Der Stahlhelm

Neben dem militärischen Ehrenzeichen Eisernes Kreuz ist die Darstellung des Stahlhelms das meist gezeigte Symbol auf Kriegerdenkmälern. Wie kam es zu dieser Wirkmacht?

Die neuen Methoden der Artilleriekampfes im 1. Weltkrieg erforderten einen verbesserten Kopfschutz für die Soldaten. Der Lazarettarzt Professor August Bier (nach ihm ist z.B. eine Klinik in Malente benannt) beobachtete höchst gefährliche Granatsplitterverletzungen des Gehirns in erschreckender Häufigkeit und entwickelte darum zusammen mit dem Ingenieur Dr. Friedrich Schwerd den neuen Helm aus Stahl, der die bis dahin getragenen ledernen Pickelhauben ablöste. Die ersten 30 000 Helme wurden im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert.

Die Vorstellung von der stählernen Schutzwirkung wurde fortan auf Postkarten, Kriegsanleiheplakaten, Schmuckblättern usw. propagandistisch ausgeschlachtet und symbolisch überhöht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde dieser Symbolwert noch gesteigert.


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     Plakat von Ludwig Hohlwein zum 10. Reichsfrontsoldatentag 1929

»Der Historiker Jürgen Kraus macht drei vorherrschende semantische Felder aus, die dem Stahlhelm in diesem propagandistischen Zusammenhang schon für die Zeit des Krieges zugeordnet werden können. Zum einen hoben die Kriegsanleiheplakate den einzelnen Soldaten aus dem ›massenhaften Elend der Materialschlachten‹ heraus, der nun ›gleichermaßen geschützt wie heroisiert durch den neuen Stahlhelm siegessicher als Heldenfigur auf den Plakaten erschien.‹ In seiner Funktion als Schutzhelm verwies er auf die Gefahren und den Tod auf dem Schlachtfeld und wurde von daher zum Symbol für die Front schlechthin. Viel stärker als die Pickelhaube, die nun endgültig als Symbol für das Militär abgelöst war, vermochte der Stahlhelm den veränderten Bedingungen des Krieges kurz vor dessen Ende auch symbolisch Rechnung zu tragen.

Ein zweites semantisches Feld ergab sich besonders in der zweiten Kriegshälfte aus ›der Vorstellung der ›stählernen‹ Schutzwirkung des Stahlhelms‹, die nahe legte, daß der so behelmte Soldat an der Front imstande war, dem permanenten Beschuß durch den übermächtigen Feind, dem ›Stahlgewitter‹, standzuhalten und damit ein Vorbild für den Durchhaltewillen an der Front und auch in der Heimat zu sein.

Das dritte semantische Feld folgt laut Kraus schließlich aus der großen formalen Ähnlichkeit des neuen Stahlhelms mit typischen Helmformen des Mittelalters. [...] Indem der Träger des Stahlhelms so in die Nähe der historischen Gestalt des Ritters ›als Repräsentant des deutschen Heeres‹ gerückt wurde, was auf zahlreichen Plakaten der Zeit in vielfältiger Weise geschah, konnte er als überzeitlicher ›Kämpfer für Deutschland‹ stilisiert werden, der »ganz wie seine Vorkämpfer über die Jahrhunderte hinweg Unheil von Deutschland abzuwehren bestimmt war.«

Aus Kriegsvolkskunde, Gottfried Korff (Hg.), Tübinger Vereinigung für Volkskunde e.V., 2005, S.13

 

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Dienstgrade

SH Hoisdorf Namen Detail web

 

G. Ul.Rgt.2.
3. G.Grenad. Rgt. z.F.
Inf-Rgt.157.
2. Matr.Div.
usw.

Die Dienstgrade und militärischen Zugehörigkeiten, die uns wie böhmische Dörfer vorkommen, kannte damals jedes Kind. Im Kaiserreich blühte der Militarismus: so schneidig wie die preußischen Soldaten sollte die gesamte Gesellschaft sein: vom Greis bis zum Knirps. Unbedingter Gehorsam war das Ziel.

MP Zehlendorf Kinderkarte web


»Bereits die Kinder wuchsen in einer militarisierten Umgebung auf. Kriegsspiele waren äußerst beliebt. In kaum einem Kinderzimmer fehlte ein Satz Bleisoldaten, ebenso gehörte der Matrosenanzug zur Grundausstattung. Zu Weihnachten sangen die Kleinen: ›Morgen kommt der Weihnachtsmann, kommt mit seinen Gaben, Trommel, Pfeifen und Gewehr, Fahn’ und Säbel und noch mehr, ja ein ganzes Kriegerheer möcht ich gerne haben.‹ In der Schule setzte sich die Einübung militärischer Denk- und Verhaltensmuster fort. Vielerorts glich das Schulleben einem zackigen Paukbetrieb, der wenig Raum ließ für Spontanität und Kreativität. [...]

›Lerne vom Militär!‹ – so lautete das Mantra der pädagogischen Fachliteratur. Das Aufstehen der Schüler beim Eintreten des Lehrers ins Klassenzimmer habe ›mit einem einzigen Ruck zu geschehen‹ und müsse ›klappen wie ein Bataillonstritt bei der Parade‹, hieß es in einem Lexikon der Pädagogik. Im ›Gänsemarsch mit regelrechtem Soldatenschritt‹ müssten die Schüler in den Pausen das Klassenzimmer verlassen und ›zwei und zwei im Schulhof ordnungsgemäß auf und ab marschieren‹.«

Volker Ullrich, ZEITGeschichte 4/2018, S. 45

 

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Quasten, Troddeln

Sie waren ein schmückendes Element von Uniformen und Waffen deutscher Soldaten vom Heer des Kaiserreichs bis zur nationalsozialistischen Wehrmacht. Die Farben der unterschiedlichen Bestandteile der Troddeln gaben Auskunft über die Zugehörigkeit der Soldaten. Das war eine »Wissenschaft« für sich:

SH Hoisdorf Farben Troddeln web

 

• Gescannt aus: Friedrich Altrichter: Der Reserveoffizier, Mittler/Berlin 1940, dort nach Vorschriften der Wehrmacht

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschriften
Wer den Tod im heiligen Kampfe fand ...
Die Geschichte
Doppeleichen
Das Eiserne Kreuz
Die Schleswig-Holsteinische Erhebung

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Holm, Kreis Pinneberg

Auf dem Friedhof am Holmer Bergweg

Eine eindrucksvolle Inszenierung: Man betritt den Friedhof durch den breiten, aber niedrigen Tunnel im Eingangsgebäudes.

SH Holm Eingang web

Eine Allee mit akkurat beschnittenen Eibenbüschen führt den Blick auf die Kriegerdenkmalsanlage für die toten Soldaten beider Weltkriege und der Schleswig-Holsteinischen Erhebung 1848.

SH Holm weit web


Der dunkelgrüne Tannenwald bildet den ruhigen Hintergrund des sehr gepflegten Denkmalsplatzes.

 

SH Holm gesamt2 web


Der einstufig erhöhte, in etwa halbrunde Platz ist mit kleinen, hellen Granitsteinen gepflastert. Lücken am Rand sind mit Rhododendren, Lebensbaum und anderen Kleingehölzen ausgefüllt. Vor dem Weltkriegs-Ensemble sind vier helle Granitstelen aufgestellt worden, die zum Volkstrauertag als Kranzhalter benutzt werden. Die dreiteilige Anlage ist durch eine niedrige vor- und zurückspringende Mauer aus Feldsteinquadern verbunden.

 

     SH Holm Tafel web


Der kantige, nur vorne glatt geschliffene Granitstein in der Mitte trägt eine aufgesetzte, schwarze, teilweise polierte Granittafel.

SH Holm Inschrift web


Oben rechts, am höchsten Punkt der Kante, ist im Kreis als Ehrenzeichen ein Eisernes Kreuz im Relief zu sehen. Darunter liest man die Widmung:

UNSEREN GEFALLENEN
BEIDER WELTKRIEGE
1914 - 18      1939 - 45
ZUM GEDENKEN

Es folgen die 32 Vor- und Nachnamen der toten Soldaten ausschließlich des 1. Weltkriegs mit Geburts- und Todesdatum. Das Symbol für das Todesdatum ist ein Eisernes Kreuz, was wohl bedeuten soll, dass die Soldaten im Kampf zu Tode gekommen sind. Die Namen sind nach dem Todesdatum geordnet.

 

SH Holm Tafel Erde web


Fünf Soldaten sind am Ende der Liste als Vermisste aufgeführt. Erstaunlicherweise konnte deren Vermisstsein auf den Tag genau angegeben werden.

Darunter kann man lesen:

WER DEN TOD IM HEILIGEN KAMPFE FAND,
RUHT AUCH IN FREMDER ERD’ IM VATERLAND

Diese Aussage findet man unter der Tafel direkt in den Stein graviert noch einmal. Dies und das Eiserne Kreuz oben in der rechten Ecke sind die Reste des ursprünglichen Denkmals (siehe: Die Geschichte). Die Tafel wurde 1959 neu hergestellt: die Widmung oben wurde neu formuliert, den Spruch unten nahm man mit in die Tafel auf. Wobei die Formulierung, die Soldaten des Deutschen Reichs wie die der Deutschen Wehrmacht seien im »heiligen Kampf« gestorben, zynisch ist. Kein Krieg ist heilig, schon gar kein Angriffskrieg.

Für die vielen Namen der toten Soldaten des 2. Weltkriegs war nun allerdings auf der Tafel kein Platz mehr. Dafür errichtet man an beiden Seiten gemauerte Postamente aus bunten Granitsteinen.

 

SH Holm links web


Auf der linken Seite liest man an der Kante der Dachplatten aus Granit den Teilsatz:

WIR WAREN EINS IN DER LIEBE ZUR HEIMAT

Es folgen auf der im Postament eingelassenen Granittafel 30 Vor- und Nachnamen in zwei Spalten, geordnet nach Todesjahr. Geburts- und Todesdatum, dies wiederum mit einem Eisernen Kreuz als Symbol, folgen hinter den Namen in kleinerer Schrift.

 

SH Holm rechts web


Auf dem rechten Postament wird der Satz beendet:

UND HABEN IHR ALLES GEGEBEN.

Auch hier werden 30 Namen von toten Soldaten genannt. Bevor die 16 Vermissten, wieder mit genauer Datumsangabe, aufgeführt werden, endet die hier ungeordnete Liste mit vier Nennungen nach Kriegsende: Frühj.1946 und drei Todestage im Jahr 1947. Diese und auch die vier Namen davor haben als Sterbesymbol ein einfaches Kreuz, kein Eisernes Kreuz mehr. Das soll wohl heißen: sie sind nicht »ehrenvoll« im Kampf gestorben, sondern im Lazarett oder in Kriegsgefangenschaft ... so wird noch im Tod ein Unterschied gemacht. Ein erschossener Deserteur würde es nie auf diese Liste schaffen, obwohl er aus heutiger Sicht genau das Richtige tun wollte. Und eigentlich auch aus Sicht der Menschen in der Nachkriegszeit, als diese Postamente errichtet worden sind.


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Die Inschriften

Fachleute definieren Begriffe, die auf den Denkmalstafeln in Holm genannt werden:

Gefallene: ... verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 22

Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: »der Gefallenen«. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung »Gefallene« eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort »fallen« verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der »fiel«, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort »fallen«, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 100

Gedenken: Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. »Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.« [Giordano, Die zweite Schuld, S. 324].

• zitiert aus Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 29


Ende der 60er, Anfang der 70er gibt es in Deutschland einen grundlegenden Paradigmenwechsel. Es kommen jüngere Historiker und jüngere Offiziere in verantwortliche Positionen, die vieles von dem was vor 1914 bis 1918 war hinterfragen, die auch ganz andere Fragen an die Vergangenheit stellen und an die entsprechenden Repräsentationen der Vergangenheit. Die sich fragen: Ist es noch zeitgemäß Erinnerungen zu pflegen, die Ausdruck von Aggression, Imperialismus und Hybris ist?

Michael Epkenhans, Historiker, Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Potsdam

 

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Wer den Tod im heiligen Kriege fand ...

... ruht auch in fremder Erde im Vaterland. Das ist der Schlussvers des Marschliedes für die freiwilligen Scharfschützen des Gesamthauses Schwarzburg »Hinaus in die Ferne mit lautem Hörnerklang« von Albert Methfessel, gedichtet 1813. Albert Methfessel, 1785 - 1869, war ein deutscher Komponist und Dirigent.

 

Hundert Jahre nach Beginn des großen Schlachtens auf den Feldern, die angeblich die Ehre, wahrhaftig aber Elend und Tod bedeuten, steht der großdeutsche Heldenkitsch noch immer an den Mauern des Franziskanerklosters. Keine neue Gedenktafel relativiert den sträflichen Unfug von »Ehre«, »Heldentod« und »Vaterland«, kein Schaukasten erläutert, dass ein »heiliger Kampf« niemals der für Kolonien, Absatzmärkte, Macht, Einflusssphären oder Rohstoffe sein kann, sondern – zumal aus Sicht der Franziskaner – nur der für Gott und seine Liebesbotschaft, für die Zuneigung zum Nächsten und den Frieden in der Welt; dass also ein christlicher Kampf genau das Gegenteil von dem ist, was damals über Europa gebracht wurde.

kommunal / Region Aschaffenburg-Miltenberg

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Kriegsdenkmäler mit Sprüchen wie »Und wer den Tod im heiligen Kampfe fand ruht auch in fremder Erde im Vaterland« oder »Unseren Helden« verhöhnen die Opfer des deutschen Militarismus. Sie feiern die mörderischen Tugenden Pflichterfüllung, Ehre und Treue, die seit Jahrhunderten dabei helfen, nationale Interessen gewaltsam durchzusetzen. Mit blindem Gehorsam wird Tod und Elend in alle Welt exportiert.
Spätestens seit 1992 steht die Bundeswehr in dieser Tradition. Die Auslandseinsätze in Afghanistan, Kosovo, Libanon, Bosnien-Herzegowina, Sudan und der Demokratischen Republik Kongo sichern wirtschaftliche und machtpolitische Interessen wie den weltweiten Zugang zu Rohstoffen und Handelswegen. Wer dabei stört, wie die Piraten vor der Küste Somalias, wird erschossen – und Logistik aus Erfurt sorgt dafür, dass immer genug Munition im Magazin ist.
Soldaten sind keine Helden. Generäle sind keine Helden. Büroschreibkräfte und Scharfschützen sind keine Helden. Mörder sind keine Helden. Nie wieder Krieg. 

ein Blog aus Erfurt

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DiE Geschichte

Zitiert aus einem Text von Olaf Schröder, dem »historischen Gedächntnis« von Holm:

Das Jahr 1898 war in Schleswig-Holstein ein Jahr des »Gedenkens«. Im ganzen Land wurde seinerzeit an die Erhebung der Herzogtümer Schleswig und Holstein gegen Dänemark im Jahr 1848 erinnert. In Holm wurde, wie in fast allen unseren Gemeinden und Städten unseres Landes auch, im Zentrum unseres Dorfes eine Doppeleiche gepflanzt. sie sollte(n) an die Untrennbarkeit der Herzogtümer erinnern, »Up eewig ungedeelt«. Gleichzeitig wurde ein Gedenkstein errichtet, um zwei Holmer Bauernsöhne zu ehren, die sich freiwillig der Erhebung gegen Dänemark als Soldaten zur Verfügung stellten und dabei den Heldentod fanden. Es waren Hans Hinrich Haartje (1827-1849) vom »Haartjehof« und Johann Hinrich Beckmann aus der Hörnstraße. Auf der Gedenktafel steht U. H. Beckmann, aber das ist falsch. Er hieß laut Kirchenbuch Johann Hinrich Beckmann (1829-1850). So hat alles begonnen.


SH Holm Geschichte web


Auf dem Foto ist die Lage der alten Gedenkstätte zu erkennen. Umrahmt von einem schmiedeisernen Gitter wurde damals nur der beiden Gefallenen aus dem Krieg 1848-51 gedacht. Es waren die ersten Kriegstoten [in Holm] seit Menschengedenken. Deshalb der große Aufwand. Der Stein befindet sich links unten auf dem Bild. Dahinter der Dorfteich vor dem Kleinworthof. Im Zentrum ist das alte Spritzenhaus zu sehen. Die Doppeleiche ist auf dem Bild nicht erfasst. Sie stand links von der Gedenkstätte.

Die beiden Kugeln können echte Kanonenkugeln sein, vielleicht sind es aber auch nur Symbole, um die Wehrhaftigkeit Schleswig-Holsteins zu dokumentieren.

Nach den ersten Weltkrieg wurde die Heldengedenkstätte erweitert. 32 Holmer Soldaten fanden im ersten Weltkrieg den Tod. Ihnen wurde auf einer schwarzen Tafel mit goldenen Inschriften gedacht. Die Gedenkstätte wurde danach vom örtlichen »Kriegerverein« makellos gepflegt.

Im Jahr 1959 wurde das Holmer Kopfsteinpflaster gegen eine moderne Straße ausgetauscht. Die Straße wurde, um dem zusätzlichen Verkehrsaufkommen zu entsprechen, erheblich verbreitert. Als Folge davon mußten sowohl die Doppeleichen als auch die Heldengedenkstätte der neuen Straße weichen.

Die Gedenktafeln fanden danach auf dem Holmer Friedhof einen würdigen Platz. Es sind Gefallene oder Vermisste der drei Kriege dort dokumentiert. Der Krieg 1870-71 hat der Holmer Bevölkerung zum Glück keine Kriegstoten beschert.

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Doppeleichen

SH Doppeleichen Anzeige web

Anzeige des Gärtners Beck: »Zur Verherrlichung des Nationalgesanges«

An die Schleswig-Holsteinische Erhebung von 1848 erinnern die so genannten Doppeleichen, die in vielen Dörfern anlässlich des 50. Jahrestages am 24. März 1898 unter besonderen Feierlichkeiten gepflanzt wurden. Sie galten den schleswig-holsteinisch Gesinnten als Sinnbild für Freiheit und Unabhängigkeit von Dänemark sowie für die Einheit von Schleswig und Holstein. Deshalb findet man diese Art von Gedenkbäumen auch nur im nördlichsten Bundesland. Das Privileg von Ripen von 1460 und das Schlagwort »Up ewig ungedeelt« diente dabei den Schleswig-Holsteinern als Grundlage ihres Anspruchs. Die Idee der Doppeleiche kam erstmalig auf dem schleswig-holsteinischen Sängerfest 1844 in Schleswig auf, als das Schleswig-Holstein-Lied erstmalig gesungen wurde; hier heißt es in der 7. Strophe: »Teures Land, du Doppeleiche, unter einer Krone Dach, stehe fest und nimmer weiche, wie der Feind auch dräuen mag! Schleswig-Holstein, stammverwandt, wanke nicht, mein Vaterland!«.

Als Standort dieser Bäume wählte man besonders exponierte Plätze in der Dorfmitte oder in der Nähe von Schulen und Gaststätten. Es gab zwei Möglichkeiten, eine Doppeleiche zu schaffen: Entweder pflanzte man zwei Eichen in einem Pflanzloch so eng zusammen, dass aus einer Wurzel die Stämme wuchsen [wie in Tarbek], oder man ordnete die beiden Eichen so an, dass diese aus zwei Pflanzstellen herauswuchsen und im Stammbereich zusammengeführt wurde.

• Telse Stoy, Heimatgemeinschaft Eckernförde e. V., 2014. »Doppeleichen in Schleswig-Holstein«, in: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-261830, abgerufen: 18. Februar 2019.

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


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• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008


Soldaten der Wehrmacht kämpfen nicht nur pflichtschuldig  und gehorsam. Ohne die Gefühlswelt aus Stolz, Ehre und Männlichkeit ist nicht zu erklären, warum so viele an die Front streben – und dem Krieg bis zum Untergang verhaftet bleiben. (Frank Werner in ZEITGeschichte 4/2018)

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Geschickte Propaganda: Begehrenswerte Ordensbrust in »Die Woche« Januar 1940.

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

Neben dem Thorshammer ist das Eiserne Kreuz das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z. B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle.


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Erhebung Schleswig-Holsteins

Rechts neben dem Weltkriegsdenkmal steht, umgeben von Rhododendren, ein kleines Denkmal für zwei tote Holmer Soldaten. Es ist aus klobigen Steinen mit Rundbogen gemauert und trägt eine interessante weiße Tafel. Der Text verschweigt nicht das tagelange Sterben der Männer: H. H. Hartje wurde am 7. Mai 1849 verwundet und starb zwei Tage später, U. H. Beckmann wurde am 12 September 1850 verwundet und starb sechs Tage später.

Die Widmung:
Dem Andenken der Braven widmeten diesen Stein.
Die Holmer Kameraden 1898

1898, zur Feier des 50. Jahrestages der Eroberung der dänischen Festungsanlagen, wurde dieses Denkmal aufgestellt. 

Hinter dem Denkmal steht eine »Skulptur«: zwei Kanonenkugeln sind über eine schwarze Stange gezogen worden.

 

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Die Schleswig-Holsteinische Erhebung entstand im Zusammenhang mit den revolutionären Bewegungen 1848 als Konflikt zwischen den nationalistischen Strömungen in Dänemark und Deutschland. Die Schleswig-Holsteiner strebten die gemeinsame Loslösung der beiden Herzogtümer aus dem deutsch-dänischen Gesamtstaat und die Eingliederung beider in den Deutschen Bund an. Die dänischen Nationalisten wiederum strebten einen Nationalstaat an, zu dem nur das Herzogtum Schleswig gehören sollte.

Über diesem Konflikt kam es zu einem – mit Unterbrechungen – dreijährigen Krieg (1848 – 1851), bei dem die Schleswig-Holsteiner von den Staaten des Deutschen Bundes unterstützt und nach anfänglichen Erfolgen schlussendlich von der dänischen Seite besiegt wurden.

Dem britischen Premier Lord Palmerston (1784 bis 1865) zufolge war die Schleswig-Holstein-Frage so kompliziert, dass nur drei Menschen sich darin auskennen würden: Albert von Sachsen-Coburg-Gotha, Prinzgemahl von Queen Victoria, der schon tot sei, ein Professor, der verrückt geworden sei, und er selbst, doch habe er alles wieder vergessen, sonst wäre er auch verrückt geworden.

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Kurzfilme zu den Denkmälern

Seit ein paar Jahren existiert die Website www.denk-mal-gegen-krieg.de, auf der die Evangelische Akademie sich kritisch mit der bestehenden Erinnerungskultur auseinandersetzt. Die häufigsten Erinnerungsmale an die vergangenen Kriege sind Kriegerdenkmäler, auf denen der Soldatentod verklärt und die zivilen Opfer verschwiegen werden.

Aktuell produzieren wir kurze Videos und stellen diese in der kommenden Zeit jeweils donnerstags online. Den Film über die Denkmalsanlage in Husby können Sie hier sehen: bei YouTube>, bei Facebook> und die Einführung zur Filmreihe bei YouTube>


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I N H A L T
Das Denkmal
Die christlichen Symbole
Die Einweihung 1921
Notgeld
Die Ergänzung
Erinnerungskultur
Die Stele
Die Kirche St. Vicentius
Die Kriegsgefangenen

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Husby, Kreis schleswig-Flensburg

Auf dem Friedhof der Kirche St. Vincentius

Das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten beider Weltkriege ist ein mit behauenen Feldsteinen gemauerter runder Turm mit stumpfer Kegelspitze.

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Seit er am 30. Oktober 1921 eingeweiht wurde, trägt der Turm die nach Westen gerichtete Frontplatte aus Granit mit hohem schmalen Kreuz, den über die Kreuzachsen verteilten Jahreszahlen des 1. Weltkriegs und die Widmung, unterbrochen von der Senkrechten des Kreuzes:
Den im Kampf fürs Vaterland gefallenen Heldensöhnen der Kirchengemeinde Husby

Darunter (auf dem Foto nicht zu sehen):
Sei getreu bis in den Tod, so will ich Dir die Krone des Lebens geben
Bibelstelle: Offenbarung des Johannes 2, 10b

Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Helden, als Brüder, als Söhne und in der Steigerung als Heldensöhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.


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Sieben weitere Granitplatten, um den Turm herum angebracht, nennen die Namen der 67 toten Soldaten mit Geburts- und Todes- bzw. Vermißtentag, geordnet nach Ortsteilen der Kirchengemeinde. In jede Platte ist über den Namen zwischen den Jahreszahlen des 1. Weltkriegs ein Tatzenkreuz eingraviert, darunter wurde – wenn es die Länge der Namensliste zuließ – ein schmales gesenktes Schwert gesetzt. Umrahmt ist das ganze auf allen acht Platten von einer feinen Linie, alle Gravuren sind blutrot ausgemalt.

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1956 wurde das Kriegerdenkmal um die Namen der 173 toten Soldaten des 2. Weltkriegs erweitert. Acht schwere Platten wurden zu Füßen des Turm in die Lücken zwischen den senkrechten Platten ringsherum auf dem Boden verlegt. Eine kleine Steinplatte nennt im Relief eines Eisernen Kreuzes die Jahreszahlen des 2. Weltkriegs.

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Erneut sind die Namen geordnet nach den Ortsteilen der Kirchengemeinde. Die Buchstaben sind erhaben gearbeitet und wieder kunstvoll ausgeblockt. Je zwei Platten tragen das gleiche christliche Symbol über der Ortsangabe.


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Die christlichen symbole

Hier das Christusmonogramm IHS: Das Nomen sacrum (der heilige Name) IHS leitet sich von der Transkription der ersten beiden und des letzten Buchstaben des griechischen Namens Jesu ab. Transkription bedeutet hier »Umschrift«, d.h. die Übertragung eines sprachlichen Ausdrucks von einem Schriftsystem in ein anderes. IHS (und ihs) als Kurzform des Namens Jesus kann man in Bibeln des Mittelalters und an anderen Stellen sehr häufig finden. Bis ca. 1450 wurden in Bibeln und Urkunden die Worte Jesus und Christus und andere Nomina sacra (heilige Namen) praktisch nie ausgeschrieben. Zunächst war dieses Kürzel mit einem darüber liegenden Kürzungsstrich versehen, aus dem später ein Kreuz wurde.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 5. Februar 2017

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Das Christusmonogramm ΧΡ, auch Konstantinisches Kreuz genannt, ist nach dem Kreuz und dem Fisch das am häufigsten verwendete Symbol für Jesus Christus. Es wird seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. von Christen verwendet.
Das früheste christliche Emblem – noch vor dem Kreuz – ist die Abkürzung des Titels »Christus«. Die Ähnlichkeit der griechischen Buchstaben Χ (Chi) und Ρ (Rho) mit den lateinischen Buchstaben X und P veranlasste in späterer Zeit die Interpretation des Symbols als Kurzform des lateinischen Pax (Frieden) oder Pax Christi.
Konstantin der Große soll, nach einer Vision, in der ihm gesagt wurde »In diesem Zeichen wirst du siegen«, seiner Armee befohlen haben, es auf die Schilde zu malen.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 15. Februar 2017

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Alpha und Omega, der erste und der letzte Buchstabe des klassischen griechischen Alphabets, sind ein Symbol für Anfang und Ende, damit für das Umfassende, für Gott. Bibelstelle: Offenbarung 1, 8: Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.

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Der Kreis und das vierarmig-symetrische Kreuz gehören zu den elementaren graphischen Zeichen. In dieser Kombination ist das Zeichen allgemein Symbol für Kirche und steht in Legenden von Landkarten für Kirchengebäude. Hier sind dem Kreis noch Aussparungen hinzugefügt, die einem Smiley unserer Zeit ähneln.

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All diese Symbol-Varianten sollen dem Soldatentod eine religiöse Weihe geben.


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Die Einweihung 1921

»Am Sonntag, den 30. Oktober, nachmittags 2 Uhr. Glockengeläute, Anmarsch der Vereine.« Pastor Lensch aus Flensburg hielt am Denkmal die Weiherede. Umrahmt von Liedern und Ansprachen wurde die Weiheurkunde verlesen und von Bauunternehmer Asmussen eingemauert.

SH Husby 1921 10 30 Einweihung Pastor Lensch Flensburg web


SH Husby Programmseite web


Die letzte Strophe aus dem Lied »Ehrenvoll sind sie gefallen«:

Und der Nachwelt soll es künden:
Wenn ein Volk die Toten ehrt,
Wird es einst auch wieder winden
Lorbeer um des Siegers Schwert

Programmzettel


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Notgeld

Auch auf Notgeldscheinen wird die Einweihung des Kriegerdenkmals 1921 dokumentiert. Damals hieß das ganze Gelände »Ehrenfriedhof«. Der allgemeine Friedhof wurde erst 1926 von Pastor Barharn eingeweiht. Als erste zivile Amtshandlung wurde dort eine Soldatenmutter beigesetzt.

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SH Husby Notgeld web


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die ergänzung

Am 10. Juni 1956 erfolgte die Einweihung der Ergänzung durch die Namensplatten für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs.

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Dritter von links: Peter Jensen, Ausacker

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Dritter von links: Nicolaus Owesen, Gremmerup. Fünfter von links: Günther Claußen, Husby. Ganz rechts: Amtmann Hansen.

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Blumenkästen stehen auf den Mauervorsprüngen, das Eiserne Kreuz mit den Jahreszahlen ist von Kränzen umgeben.

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Das Foto von 1957 zeigt die gerade erfolgte Ergänzung, der umlaufende gepflasterte Weg, freier Raum und Bänke lassen die Anlage insgesamt größer als heute erscheinen.

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Wir danken Johann Adam vom Kirchenkreisarchiv für die vielen Informationen und die historischen Fotos.


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Erinnerungskultur

In Deutschland war die Trauer um die getöteten Soldaten gleichzeitig verbunden mit der Erinnerung an eine Niederlage.

Das Kriegserlebnis wurde zu einem Mythos geformt, der das Sinnhafte des Kampfes und der Opfer hervorheben sollte:

»Die Erinnerung an den Krieg wurde zu einem heiligen Erlebnis umgedeutet, das der Nation eine neue Tiefe der religiösen Empfindung gab und überall präsente Heilige und Märtyrer, Stätten nationaler Andacht und ein zum Nacheifern aufforderndes Erbe lieferte.« (Mosse, 13) Der Gefallenenkult wurde zu einem zentralen Bestandteil nationaler Selbstdarstellung und entwickelte besonders in Deutschland eine gewaltige politische Wirkung.

Das Ideal der Kameradschaft wurde auf die ganze Nation ausgedehnt. Die Gedächtnisfeiern an den Ehrenmälern auf öffentlichen Plätzen betonten den Vorbildcharakter der Gemeinschaft der Frontsoldaten. Im besiegten Deutschland wurde die »Volksgemeinschaft«, aus der heraus die Nation zu neuer Stärke erwachen sollte, zum Vermächtnis, das die Gefallenen den Überlebenden hinterlassen hatten.

Die allerorts errichteten Denkmäler trugen dazu bei, diesen Sinn, der dem Soldatentod beigelegt wurde, in die Öffentlichkeit zu tragen und im Bewusstsein zu erhalten.

Die von den Nationalsozialisten angestrebte Volksgemeinschaft ist ohne das idealisierte Vorbild der Frontkameradschaft des Ersten Weltkriegs nicht vorstellbar. Der Gefallenenkult erlebte im nationalsozialistischen Deutschland dann auch seine äußerste Steigerung.

• Christian Lopau, 2017, Vortrag im Ratzeburger Dom im Begleitprogramm der Wanderausstellung der Nordkirche »Neue Anfänge nach 1945?«

www.nordkirche-nach45.de

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Die Stele

An der Nordseite der Anlage steht eine aufgerichtete Steinplatte mit der Inschrift:

Gedenket der gefallenen Männer, Frauen und Kinder, der Gefangenen, Verschleppten und Vertriebenen unseres Volkes und aller Völker

Darüber ein Ankerkreuz, darunter ein Zeichen, das wie ein Stern aussieht. Bei der ausgeklügelten christlichen Symbolik der Anlage kann es sich aber auch um das Zeichen »Iota Chi« handeln. »I«, der griechische Buchstabe Iota steht für Jesus, »X«; der griechische Buchstabe Chi für Christus. Der am Rand umlaufenden Text ikann man heute kaum entziffern.

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Als die Stele am 10. Juni 1956 errichtet wurde, konnte man den umlaufenden Text noch lesen:

In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost ich habe die Welt überwunden Joh. 16/33

Sie stand damals noch hinter dem Denkmal, am 20. Oktober 2004 wurde sie nach vorne neben den Denkmalsturm versetzt.

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»Die Stele fordert auf, der ›gefallenen Männer, Frauen und Kinder, der Gefangenen, Verschleppten und Vertriebenen unseres Volkes und aller Völker‹ zu gedenken. Doch welche Gefangenen waren hier gemeint? 1956, als die Stele errichtet wurde, waren nur noch verurteilte Kriegsverbrecher als Gefangene ›unseres Volkes‹ in Gefängnissen. Der Spruch liest sich als eine Gleichsetzung verurteilter deutscher Kriegsverbrecher und den noch in Sibirien in Lagern einsitzenden Opfern des Stalinismus.«

Stephan Linck

Bauzeichnung Stele


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Die Kirche St. Vicentius

Das Kriegerdenkmal steht in der Sichtachse zur Kirche.

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Die St. Vincentius-Kirche wurde im 12. Jahrhundert erbaut. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat sie einen hölzernen Vorgängerbau gehabt. Der heutige Bau ist romanisch und aus behauenen Granit-Quadern errichtet. Das spricht für die besondere Bedeutung der Kirche, denn von den 37 erhaltenen romanischen Kirchen in Angeln sind ansonsten nur die bedeutenden Bauten in Munkbrarup, Norderbrarup und Sörup aus diesem Material. Der mächtige Turm stammt aus gotischer Zeit, ist mit Schindeln gedeckt und weithin im Land sichtbar.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 17. Februar 2017

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Foto: Frank Stegemann/Wikimedia Commons

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Foto: Ulrike Lehmann/Wikimedia Commons


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Die Kriegsgefangenen

Durch die Abwanderung von jungen Frauen und Männern in die Kriegsindustrie hatte es bereits vor dem 2. Weltkrieg Arbeitskräftemangel in der Landwirtschaft gegeben.

Mit dem Überfall auf Polen begann dann der Einsatz von Kriegsgefangenen. 1939 wurden für Erntearbeiten im ganzen Reichsgebiet rund 30 000 eingesetzt. Anfang Oktober 1939 waren es bereits 110 000 und im Februar 1940 270 000 Kriegsgefangene. Die Gefangenen wurden zunächst in großen Durchgangslagern gesammelt und dann zu den Stammlagern (Stalags) verteilt, die der Wehrmacht unterstanden. Auf den Dörfern wurden Tanzsäle der Gastwirtschaften oder andere geeignete Unterkünfte ausgewählt. Dann wurden auf den Dörfern Wachmannschaften aus älteren Soldaten gebildet. So geschah es auch in dem beliebten Tanzlokal in Husbyries. Die Polen aus dem Husbyrieser Lager, es waren ca. 100 Mann, wurden auf Höfe in Husby, Husbyholz, Hodderup, Lutzhöft und Gremmerup verteilt, wo sie die eingezogenen Knechte ersetzten, und wo sie auch verpflegt wurden. Als Bewachung dienten fünf deutsche Soldaten unter der Führung eines Unteroffiziers.

Wir danken Claus Olsen für seine Dokumentation.


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I N H A L T
Das Denkmal
Ein historisches Foto
Volkstrauertage
Das Eiserne Kreuz

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Hutzfeld, Kreis Ostholstein

Gepflegte Anlage vor dem Feuerwehrhaus

Das Kriegerdenkmal wurde 1928 für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs mit bunten Felssteinen errichtet. Seit Ende 1955 wurde dann über eine Neugestaltung nachgedacht. Eine Spendensammlung Ende Oktober 1962 machte die Erweiterung des Denkmals möglich. Nach einer Gemeinschaftsleistung der Dorfbewohner, die Pläne des Lehrers Matthiesen umsetzten, wurde der Umbau am 7. September 1963 eingeweiht (Quelle: Chronik von Hutzfeld von Helmut Schröder). Vor dem Denkmal wurde ein großzügiger Kiesplatz angelegt, den man über zwei gemauerte Stufe erreichte. Rechts und links wurden viereckige Pfosten als Begrenzung der Anlage aufgemauert. Die Widmung wurde in großen goldfarbenen Lettern angebracht:

Zu Ehren der Toten
1914 – 18   1939 – 45

Ein Beet in voller Länge vor der Mauer ermöglicht eine Bepflanzung. Die Pyramide mit aufgesetztem Eisernen Kreuz aus dem Jahr 1928 trägt die eingelassenen Granittafeln aus der Zeit der Errichtung.

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Die Inschriften lauten auf der großen zentralen Tafel, über den 24 Namen:

1914 – 1918
erlitten den Heldentod

Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Helden, als Brüder, als Söhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

Obwohl der 1. Weltkrieg so viele Menschenleben forderte und der Krieg vom Deutschen Reich begonnen und verloren wurde, interpretierten die Stifter in den Inschriften fast aller Kriegerdenkmäler den Kriegstod als sinnvoll. Das anonyme Massensterben wurde ignoriert, stattdessen heroisierte man die Soldaten und stilisierte ihr Schicksal.


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Darunter – etwas ungelenk auf der Platte verteilt – der Bibelvers Johannes 15.13 in der Fassung der Lutherbibel von 1912:

Niemand hat größere Liebe den die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde

So spricht Jesus am Ende des Johannes-Evangeliums (15,13). Dies ist ein Beispiel für eine pseudo-biblische Legitimation des Soldatentods.


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An den Seiten der Pyramide auf eingelassenen Steinen:

Unser Dank

Wir für euch


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Der 1. Weltkrieg wurde vom Deutschen Reich im Streben nach einer Vormachtstellung in Europa begonnen. Diese beiden Inschriften suggerieren, dass die Soldaten zur Verteidigung der Menschen in Deutschland in den Krieg gezogen sind.

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Ein Historisches Foto

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Ursprünglich stand die Pyramide allein auf einer kleinen Anhöhe, ohne flankierende Mauern.

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Volkstrauertage

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1963 – der erste Volkstrauertag nach der Umgestaltung.


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2004 – mit Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr


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2008 – die Fahne mit dem Leitspruch der Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland:

Gott zur Ehr’ dem Nächsten zur Wehr


Wir danken Herrn Helmut Schröder aus Hutzfeld für die Informationen und die Fotos von den Volkstrauertagen.


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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


SH Wulfsdorf Hitler EK web

• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017


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