NEUE SICHT AUF ALTE HELDEN?

Kriegerdenkmäler in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern sind nach dem 2. Weltkrieg viele Denkmäler, mit zum Teil kriegsverherrlichenden Symbolen und Inschriften, zerstört worden. Aber immer noch sind heute viele hundert Kriegerdenkmäler dokumentiert. Etliche von diesen sind durch die Entfernung besonders militaristischer Darstellungen verändert worden. Gleichzeitig wurden vielerorts Tafeln zur Erinnerung an den 2.Weltkrieg mit deutlichen Friedensaufrufen angebracht. Vereinzelt, mit zunehmender Tendenz, wurden nach dem Ende der DDR alte Kriegerdenkmäler wieder aufgestellt, siehe zum Beispiel den »Soldaten« in Stolpe auf Usedom oder sogar Denkmäler für tote Wehrmachtssoldaten des 2.Weltkriegs neu aufgestellt, siehe Mueß.

Noch bestehende Denkmäler zum 1.Weltkrieg sind oft mit den bekannten Widmungen versehen: Unseren gefallenen Helden… Heldentod… Vaterland… auf dem Feld der Ehre... habt Dank ihr Krieger.

Wenn nicht anders angegeben stammen die Fotos von Matthias Hübner (www.dorfkirchen-in-mv.de) oder Marlise Appel, Evangelische Akademie der Nordkirche.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

 

 


I N H A L T

Das Denkmal
Sinnspruch und Widmung
Der Stahlhelm
Das Eiserne Kreuz
Eichenlaub
Findlinge
Das Denkmal zum Todesmarsch
Die Todesmärsche 1945
Das Geschichtsbild in der DDR
Tafel zum 2. Weltkrieg

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Neuhof

Ortsteil von Parchim, Landkreis Ludwigslust-Parchim

Wenn man über Land von Parchim nach Schwerin fährt, sieht man am Parchimer Stadtrand das Kriegerdenkmal der Gutsbesitzerfamilie Schnütgen auf Neuhof. Der Architekt und Bauunternehmer Rudolf Schnütgen aus Düsseldorf hatte in den Glücksritterzeiten der sich anbahnenden Hyperinflation nach dem 1. Weltkrieg mehrere Güter in Mecklenburg gekauft, so auch 1921 Gut Neuhof.

»Wer sich etwa 1921 für ein Haus oder anderweitigen Grundbesitz verschuldet hatte, der war über Nacht seine Schulden los.«

Mehr über die Hyperinflation nach dem 1. Weltkrieg


Auf Neuhof stiftet nun die glückliche Familie Rud. Schnütgen ein Kriegerdenkmal für die toten Soldaten ihres neu erworbenen Gutes.

MP Bergrade Dorf Denkmal web


Umstanden von drei Linden steht es heute auf der Wiese an einer Straßenkreuzung.

MP Bergrade Dorf Denkmal nah web


Es ist ein großer rundlicher Findling, der von verschiedensten kleineren Steinen rundum und partiell vermauert gestützt wird. Ein schmales Blumenbeet umgibt größtenteils den Denkmalsstein, im Januar 2020 ist es nicht bepflanzt. Ein Dreiviertelkreis aus in etwa gleich hohen Steinen umgibt das Ganze.

MP Bergrade Dorf Tafel web


Eine kunstvolle Widmungstafel aus Bronze ist in den Findling eingelassen und mit vier Nägeln in Blütenform befestigt. Der untere Teil der Tafel ist mit einer Bogenbordüre eingefasst.

MP Bergrade Dorf Tafel oben web


Oben beschließt die Bronzetafel ein mit Reliefs geschmücktes Giebelfeld, dem Tympanon eines antiken Tempels nachempfunden. Auch die verzierte Gesimsleiste darunter verstärkt diesen Eindruck. Im Giebeldreieck ist in der Mitte das Relief eines Stahlhelms eingepasst, der Kinnriemen hängt keck über die Umrandung. Der Helm liegt leicht schräg, ein Bajonett hebt ihn an, das auf der rechten Seite unter ihn geschoben worden ist. Die weitere Fläche des Giebeldreiecks füllt ein ehrender Lorbeerzweig.

Die große rechteckige Fläche, die sich nun anschließt ist oben mit einem Eisernen Kreuz über gekreuzten Eichenzweigen dekoriert.

Auf Kriegerdenkmälern wird das Eiserne Kreuz den toten Soldaten posthum verliehen. Der Tod im Krieg wird als Beweis für die »Vaterlandstreue« und die Tapferkeit der Soldaten gewertet, darum wird der militärische Orden hier kollektiv verliehen. Ein Soldat, der lebend oder lebend invalide zurückgekommen ist, erhält ihn nicht.

Darunter lesen wir den Sinnspruch in erhabenen Lettern, mittig gesetzt:

Für Freiheit und Ehre der Heimat
kämpften und erlitten den Tod
von Neuhof’s Männern und Söhnen:

Es folgt die Liste der Namen der toten Soldaten. Nur aus ihren Sterbedaten können wir schließen, dass sie im 1. Weltkrieg gestorben sind.

WILHELM MÖLLER      16.9.1914.
FRITZ HANKE               5.3.1915.
JOHANN THIEMANN   16.7.1915.
WILHELM SALOW     16.10.1915.
PAUL HANKE              29.9.1918.

 

MP Bergrade Dorf Tafel unten web


Es folgt die Widmung der Stifterfamillie, wieder mittig gesetzt:

Ihrem Andenken in Ehrfurcht gewidmet
von Familie
Rud. Schnütgen auf Neuhof.

Rudolf Schnütgen war ein Architekt und Bauunternehmer in Düsseldorf-Oberkassel. 1921, drei Jahre nach Kriegsende, hatte er das 613,5 ha große Gut in Neuhof gekauft. Ebenfalls in den 1920er Jahren erwarb er das Gut Anna Luisenhof bei Rostock und nahebei in den 1925er Jahren das Schlossgut Gorow.

 

MP Bergrade Dorf hinten nah web


Das Denkmal von hinten.


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Hinter der Kreuzung beginnt die Allee, die uns nach Bergrade Dorf bringt, siehe weiter unten.

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Sinnspruch und Widmung

Für Freiheit und Ehre der Heimat
kämpften und erlitten den Tod
von Neuhof’s Männern und Söhnen.

Ihrem Andenken in Ehrfurcht gewidmet
von Familie
Rud. Schnütgen auf Neuhof.

In diesen zwei Sätzen und der begleitenden Symbolik ist alles enthalten, was man nach dem 1. Weltkrieg von einem patriotischen Denkmal erwarten konnte: Herorisierung der toten Soldaten, Geschichtsklitterung in Bezug auf den Kriegseintritt des Deutschen Reichs und kitschige Vereinnahmung der Toten als »Söhne«, die für die Ehre der Heimat kämpften.


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Der Stahlhelm

Die neuen Methoden der Artilleriekampfes im 1. Weltkrieg erforderten einen verbesserten Kopfschutz für die Soldaten. Der neue Helm aus Stahl wurde entwickelt, der die bis dahin getragenen ledernen Pickelhauben ablöste. Die ersten 30.000 Helme wurden im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert.

Die Vorstellung von der stählernen Schutzwirkung wurde fortan auf Postkarten, Kriegsanleiheplakaten, Schmuckblättern usw. propagandistisch ausgeschlachtet und symbolisch überhöht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde dieser Symbolwert noch gesteigert.


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Die Einführung eines Stahlhelms für die Bundeswehr im Juni 1956 war ein Politikum. Den Forderungen des Militärs nach einem wirksamen Kopfschutz für die Soldaten wurde nur sehr zögerlich entsprochen. Unter keinen Umständen sollte der Helm für die Bundeswehr auf Konstruktionen beruhen, die an die Zeit des Nationalsozialismus erinnerten.

Für den aktuellen »Gefechtshelm, allgemein«, der am 15. Januar 1992 eingeführt wurde, galten diese politischen Bedenken nicht mehr. Der Helm sollte unter Wahrung der modernsten militärischen Gesichtspunkte auch alle Vorteile des Stahlhelms M35 in sich vereinigen.

Die Stahlhelme der alten Form blieben weiterhin im Gebrauch beim Bundesgrenzschutz und der Polizei.

Im Internet bieten eine Menge Militaria-Händler »Original-Stahlhelme der Deutschen Wehrmacht« zum Kauf an. Auch ein »Kinderhelm wie Stahlhelm M35 Wehrmacht Luftwaffe« für 190 Euro ist im Angebot. Ein T-Shirt, das Amazon anpries mit dem Aufdruck »SS-Stiefel, die besten Wanderschuhe aller Zeiten« wurde erst nach scharfen Protesten aus dem Sortiment genommen.

»Früher musste der Wehrmachtsfan noch in schmuddelige Militaria-Läden schleichen oder dreimal nachdenken, ob er seine Adresse bei einschlägigen rechtsextremen Versandhäusern hinterlassen will. Dank Amazon genügt jetzt ein Klick und der Wehrmachtsstahlhelm liegt auf dem Gabentisch«, empört sich die Linken-Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke auf www.stimme.de. SPD-Vorstandsmitglied Kevin Kühnert sagt dazu: »Ein angemessener Schritt wäre, die bisherigen Gewinne aus diesen Produkten an Gedenkstätten der Opfer des Nationalsozialismus zu spenden.«

Mehr dazu auf www.stimme.de: Stahlhelm unterm Christbaum


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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu  d e m  deutschen Orden.

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• »Fake News« anno 1914: Das Deutsche Reich hatte gerade das neutrale Belgien überfallen, damit die Truppen sich auf dem schnellsten Weg zum Erzfeind Frankreich begeben konnten.

Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

Das Eiserne Kreuz ist das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z. B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle.

Am 26. November 2018 hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in ihrem Tagesbefehl ein Veteranenabzeichen eingeführt. Am 15. Juni 2019 sind die ersten Abzeichen ausgehändigt worden. Das Verteidigungsministerium erklärt dazu: »Das Veteranenabzeichen stellt die Werte in den Vordergrund, die alle Bundeswehrangehörigen verbinden: ›Gemeinschaft, Kameradschaft und Pflichterfüllung im treuen Dienst an der Gesellschaft‹.« Am 10. Januar 2020 meldet das ›Bundeswehrjournal‹, dass bisher rund 35.700 Anträge auf ein Veteranenabzeichen eingegangen sind.

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Foto: Doc.Heintz/Wikimedia Commons


Überreicht wird das Abzeichen mit einem Dankesschreiben des Bundesamts für das Personalmanagement der Bundeswehr:

»... Dieser Dienst in der Bundeswehr verdient hohen Respekt und große Dankbarkeit, welche auch in der Gesellschaft spürbar und sichtbar werden soll. Das Veteranenabzeichen stellt die Werte in den Vordergrund, die uns alle verbinden: Kameradschaft und Pflichterfüllung im treuen Dienst an der Gesellschaft ...«


Ein anonymisiertes Anschreiben bei Wikipedia


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Eichenlaub

Die Eiche zählt schon lange als »deutscher« Baum. Ihr hartes Holz und das charakteristische, spät fallende Laub machten sie seit der Zeit der Germanen zum Symbol für Unsterblichkeit und Standhaftigkeit. In jüngerer Zeit, besonders seit der Romantik, gilt die Eiche zudem als Symbol der Treue.

Das Eichenlaub ist ein politisches und militärisches Symbol sowie eine Figur in der Heraldik, das den gelappten Laubblättern von in Mittel- und Südeuropa heimischen Eichenarten nachempfunden ist. Die Blätter können getrennt oder an einem Zweig angeordnet dargestellt sein.

Mit der Nationalromantik des 19. Jahrhunderts, mit der Deutschen Revolution 1848/1849 und der Reichsgründung 1871, die das Gefühl nationaler Einheit bestärkten, zog das Eichenlaub in die deutsche Symbolsprache ein. Auf deutschen Ehrenmalen, Kränzen, Hoheitszeichen und dergleichen dient Eichenlaub in ähnlicher Form wie Zweige des Lorbeerstrauches bzw. der Lorbeerkranz.

Nach Wikipedia, abgerufen am 12. November 2019

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Foto: Wikimedia Commons / Concord

Das Emblem der DDR mit Eichenlaub über dem Eingang zum Opernhaus in Leipzig.

 

»Die Eiche ist knorrig. So kann man sich auch die alten Germanen vorstellen, weniger die feinsinnigen Römer. Die Eiche ist überdauernd. Das wollten auch die Deutschen im Heiligen Römischen Reich. Die Eiche ist standfest. Treue, unerschütterliche Souveränität schrieben die deutschen Fürsten und Könige auf ihr Panier – und nach ihnen Adolf Hitler. Mit der Reichsgründung 1871 und dem Gefühl nationaler Einheit zog das Eichenlaub in die deutsche Symbolsprache ein. Auf deutschen Ehrenmalen, Kränzen, Hoheitszeichen, Orden und dergleichen diente es in ähnlicher Form wie Zweige des Lorbeerstrauches. Das Parteiabzeichen bzw. Parteisymbol der NSDAP hatte von 1920 bis 1945 einen Adler als Zeichen, der einen Eichenkranz in seinen Fängen hielt. Unerschütterlich ›wie die deutsche Eiche‹ und ähnliche Sprüche ließ die NS-Propaganda ab 1933 in Zeitungen veröffentlichen und über Lautsprecher verkünden. Da griff dann auch der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler zum Spaten und pflanzte Eichen. [...] Im deutschen Volk wurde Hitler nach seiner Ernennung zum Reichskanzler fast schlagartig mit der deutschen Eiche gleichgesetzt. Denn für ihn pflanzten fast alle Städte und Dörfer, Stadt- und Ortsteile ihre ›Hitler-Eichen‹ und manchmal auch Linden. Es müssen Zigtausende gewesen sein, die teils noch stehen und bekannt sind, meistens inzwischen vergessen, wenn sie nicht schon 1945 umgehauen wurden.«

Wolf Stegemann, 20. Januar 2014 auf der Website >www.rothenburg-unterm-hakenkreuz.de


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Findlinge

»Der Findling kann als ›Klassiker‹ unter den Denkmalsformen bezeichnet werden. Denkmalsfindlinge stehen meist unter einer Eiche auf einem größeren Platz. Die große Beliebtheit von Findlingsdenkmälern ist zunächst einmal in rein äußerlichen Faktoren begründet. Granitfindlinge standen in Norddeutschland allerorts zur Verfügung, die Eiszeit hatte sie aus Skandinavien mitgebracht. Das heißt, nach einem Findling musste nicht lange gesucht werden, der Transportaufwand war bei kleinen bis mittelgroßen Findlingen gering und meistens waren die Transportwege kurz. Zudem war es leicht möglich, die Findlinge mit nur wenig Bearbeitung in Denkmäler zu ›verwandeln‹: Bei den meisten Denkmälern wurde sich lediglich darauf beschränkt, die Vorderseite leicht zu glätten und eine Inschrift einzuhauen. Häufig umringte man den Findling mit kleineren Feldsteinen, die, real oder auch nur optisch, seinen Sockel bildeten. Alles in allem war die Errichtung eines Findlingsdenkmals finanziell gesehen eine sehr günstige Angelegenheit [...]

Neben den pragmatischen ›Vorzügen‹ bei der Entscheidung für ein Findlingsdenkmal gab es aber auch ideologische Gründe. Nach völkischer Lehre im 19. Jahrhundert wurden Findlinge als urgermanische Zeugnisse angesehen. Die so genannten ›Hünengräber‹ aus prähistorischer Zeit wurden als germanische ›Heldenhügel‹ gedeutet und ihnen wurde eine spezifische nationale Aura zugesprochen. Aus diesem Grund wurden sie gegen Ende des 19. Jahrhunderts von den Stiftern als besonders geeignet angesehen, identitätsstiftend zu wirken: eine geeinte deutsche Nation, die sich auf ihre germanischen Wurzeln besinnt [...]

Auch in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg wurden [...] neue Findlingsdenkmäler errichtet. Sie folgten in ihrer Bedeutung weiterhin der germanischen Tradition und zeugten von der nationalistischen Haltung der Stifter, für die der deutsche Geist im ersten Weltkrieg unzerstörbar war.«

• Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, S. 45-47, S. 65-66

»Findlinge wecken Assoziationen zu germanischen und keltischen Hünengräbern und Dolmen. Die Romantik entdeckte sie wieder, nach den Befreiungskriegen verbreiteten sie sich als Denkmalstyp und setzten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts vorwiegend in Norddeutschland gegen den Obelisk durch. [...] Als Monolith steht der Findling für die Einheit des Landes, fast unbearbeitet, strahlt er Naturwüchsigkeit aus, selbst ein Teil der uralten Überlieferung mahnt er zu ewigem Gedenken.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S.134

»Germanisierende Motive finden sich in Gestalt zahlreicher Findlingsdenkmäler. In den Hünengräbern sah man ›Vorbilder für Erinnerungsmale, würdig der Größe des Opfers, das die Söhne unseres Volkes gebracht haben‹.

• Gerhard Schneider, »... nicht umsonst gefallen»?, Hannoversche Geschichtsblätter 1991, S. 203

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Das Denkmal zum Todesmarsch

Der Gedenkstein von 1949 und die 1976 ergänzte Tafel in Bergrade Dorf gilt den Häftlingen der Konzentrationslagers Sachsenhausen, die auf ihrem Todesmarsch im April 1945 durch das Dorf kamen.

»In einer nahe gelegenen Lehmgrube wurden erschöpfte Häftlinge von der SS erschossen. Die Toten wurden später nach Parchim umgebettet.« (Quelle: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus – Eine Dokumentation, Band II, Stefanie Endlich u.a., Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1999)

MP Bergrade Dorf Todesmarsch weit web


Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) hat entlang der B 321, wie auch in vielen anderen Orten Findlinge zu den Todesmärschen aufgestellt. Auch die Gedenkstätte in Bergrade Dorf liegt an der B 321, die bis nach Schwerin führt.

Am 27. April 2020 sendete der NDR einen Beitrag von Axel Seitz ›Der Todesmarsch nach Schwerin: Ideologisch verzerrtes Gedenken‹: »Obwohl der KZ-Todesmarsch bei Raben Steinfeld endete, stehen entlang der heutigen Bundesstraße 321 in Schwerin weitere drei Gedenksteine, der letzte ungefähr fünf Kilometer vom eigentlichen Geschehen entfernt am Faulen See. Bernd Kasten [Der Leiter des Schweriner Stadtarchivs] vermutet, dass in der mecklenburgischen Landes- und späteren DDR-Bezirkshauptstadt Gedenkorte geschaffen wurden, die ›symbolisch für den Todesmarsch vom KZ Sachsenhausen bis in die Stadt Schwerin hinein stehen, nicht nur bis zur Stadtgrenze. Und da hat man sich um historische Fakten nicht geschert.‹«

Mehr dazu im Kapitel weiter unten: »Das Geschichtsbild in der DDR«.

 

MP Bergrade Dorf Todesmarsch seitlich Kirche


Eine Mauer aus Betonquadern und Waschbetonplatten als Abdeckung in Dreiecksform schließen ein Beet ein, das im Januar 2020 mit Tannenzweigen abgedeckt und mit einem Gesteck geschmückt ist.

MP Bergrade Dorf Todesmarsch Stein


Am Ende des Dreiecks liegt auf dem Mauerrand ein Findling mit verblassender Symbolik und Inschrift:

Zur Erinnerung
an den Todesmarsch
vom KZ Sachsenhausen
bis Schwerin
befreit durch die Sowjet-Armee
im April 1945


Darüber das Zeichen der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) – ein rotes Dreieck mit den Buchstaben VVN, einer Krone gleich, am oberen Rand des Dreiecks.

MP Bergrade VVN Zeichen web


Das ist ein Abzeichen mit Anstecknadel für Mitglieder der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) in der DDR.

 
Wie schon auf dem Findling begegnet uns auf der nebenstehenden Tafel wieder ein rotes Dreieck, wie an so vielen Denkmälern aus der Zeit der DDR. Das rote Dreieck war ein wichtiges Symbol in der Erinnerungspolitik der DDR und zwar nicht nur beim Gedenken an die Todesmarschverbrechen.

In der Zeit des Nationalsozialismus war das rote Dreieck eines von vielen Abzeichen, welche zur Stigmatisierung von Häftlingen im System der Konzentrationslager verwendet wurden. Das rote Dreieck mussten politische Häftlinge tragen.

 

»Die Kennzeichnung der Häftlinge in den Konzentrationslagern wurde 1936 eingeführt und diente zur Gruppierung und Kenntlichmachung der Gefangenen in den Konzentrationslagern im Machtbereich des nationalsozialistischen Deutschland.


HH Wandsbek KZ Dreiecke web

 
Schautafel: ›Kennzeichen für Schutzhäftlinge in den Konzentrationslagern‹; Lehrmaterial für SS-Wachmannschaften«

 • Wikipedia, abgerufen am 30. Juli 2019

 

Nun wurden 1945 nicht nur politische Gefangene zu den Todesmärschen gezwungen, sondern alle KZ-Gefangenen. In der DDR wurde jedoch ein antifaschistischer Gründungsmythos gepflegt. Daher standen in der Opferhierarchie die politischen Häftlinge ganz oben und das rote Dreieck wurde zum allgegenwärtigen Symbol des staatlich organisierten Gedenkens.

MP Bergrade Dorf Todesmarsch web

 

Auf der Tafel wird der Weg des Todesmarsches im April 1945 über verschiedene Routen von Sachsenhausen bis Raben-Steinfeld nachgezeichnet. Neben einer schier endlosen Reihe von KZ-Häflingen in ihrer gestreiften Lagerkleidung mit rotem Dreieck und einer geballten Faust heißt der Text:

TODESMARSCH
APRIL 1945

DER
HÄFTLINGE
DES
KZ-SACHSENHAUSEN.
ÜBER 6000
WURDEN
AUF DIESEM
MARSCH
DURCH DIE SS
ERMORDET.

IHR VERMÄCHTNIS LEBT
IN UNSEREN TATEN FORT.


Wir danken Anja Pinnau, der neuen Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Wöbbelin, für die Unterstützung.

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Die Todesmärsche 1945

»Im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs wurde das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager zu einem nahezu flächendeckenden Netz ausgebaut, in dem über 700.000 Gefangene inhaftiert waren. Zugleich verkleinerte sich der deutsche Machtbereich durch das Vorrücken der Alliierten stetig. Um eine Befreiung der Häftlinge zu verhindern, räumte die SS fast alle Konzentrations- und Außenlager. Die Gefangenen wurden – unzureichend bekleidet und verpflegt – mit mörderischen Bahntransporten in überfüllten Güterwaggons weggeschafft oder auf tage- und wochenlange Gewaltmärsche mitten durch zahlreiche Städte und Dörfer getrieben. Diejenigen, die mit dem Tempo der Kolonnen nicht mithalten konnten oder versuchten zu fliehen, wurden von den Wachmannschaften ermordet. Die Häftlinge nannten diese Transporte Todesmärsche. [...]

Wenn die Alliierten sich den Kolonnen näherten, setzten sich die Bewacher meist ab. Die überlebenden Häftlinge wurden in Dörfern, Wäldern oder auf Landstraßen befreit. Die letzten KZ-Häftlinge erlangten erst mit dem Kriegsende Anfang Mai 1945 die Freiheit.

Aufgrund fehlender Dokumente lässt sich die Gesamtzahl der KZ-Häftlinge, die auf den Räumungstransporten starben, nicht genau ermitteln. In der Forschung wird geschätzt, dass etwa 250.000 Menschen dabei ihr Leben verloren. [...]

Durch die zahlreichen KZ-Außenlager und die allgegenwärtige Zwangsarbeit gehörten nationalsozialistische Verbrechen bereits während des Krieges zum Alltag. Mit der Räumung der Lager erreichten die massenhaften Gewalttaten gegenüber KZ-Häftlingen schließlich auch die kleinsten Gemeinden in ganz Deutschland. [...]

Die Verbrechen bei der Räumung der Lager spielten sich in der Öffentlichkeit und vor den Augen zahlreicher Zeugen ab. Deren Anwesenheit konnte das Handeln der Täter einerseits hemmen. Andererseits schränkten Zuschauer aber auch etwaige Fluchtmöglichkeiten für die Häftlinge ein und legitimierten das Handeln der Täter durch ihr sichtbares Nicht-Einschreiten.

Für die Durchführung der Todesmärsche war die logistische Unterstützung aus der lokalen Bevölkerung unabdingbar. In Dörfern, in denen übernachtet werden sollte, wurden Scheunen für die Unterbringung bereitgestellt oder requiriert. Spritzenhäuser der Feuerwehr wurden zu Behelfsgefängnissen gemacht, Fuhrwerke der Ortseinwohner zum Transport von Gefangenen genutzt. Um die Spuren der Verbrechen zu vertuschen, verscharrten Einheimische die zahlreichen zurückgelassenen Leichen der Opfer meist direkt an Ort und Stelle.

Ansprechpartner für die Bewacher waren zumeist die jeweiligen Bürgermeister oder NSDAP-Ortsgruppenleiter. Auch in die Bewachung von KZ-Häftlingen wurden Einheimische involviert, insbesondere aus den Reihen von Polizei, Gendarmerie oder Volkssturm. Sie unterstützten die Täter, um ›Ruhe und Ordnung‹ aufrecht zu erhalten und die vermeintlich bedrohte Bevölkerung vor den KZ-Häftlingen zu beschützen.

Wenn es KZ-Häftlingen gelungen war, von den Transporten zu fliehen, zeigte sich besonders deutlich, wie weit die Tatbeteiligung der lokalen Bevölkerung gehen konnte. Gerüchte über plündernde KZ-Häftlinge machten die Runde. An vielen Orten machten einheimische Einheiten von Volkssturm und Hitler-Jugend Jagd auf geflohene Häftlinge, oft auf Geheiß der örtlichen Bürgermeister. Mitunter ermordeten auch Zivilisten auf Eigeninitiative KZ-Häftlinge. An diesen dezentralen Massenverbrechen waren Akteure aus allen Organisationen, Schichten, Alterskohorten, sozialen Gruppen und Geschlechtern der nationalsozialistischen Gesellschaft der Kriegsendphase beteiligt.«

Martin Clemens Winter, Deutsches Historisches Museum, Berlin, 28. April 2020, Text: CC BY NC SA 4.0 


Lesen Sie mehr auf www.dhm.de


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Das Geschichtsbild in der DDR

»Der Todesmarsch für mehr als 20.000 Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen endet in den letzten Kriegstagen Anfang Mai 1945 vor den Toren Schwerins. Allerdings nicht so, wie Gedenksteine und Gedenkstätte es seit Jahrzehnten vermuten lassen.«

 
Raben Steinfeld Gedenkstein Todesmarsch Wikimedia Commons Niteshift webFoto: Wikimedia Commons / Niteshift


Die Inschrift auf dem Findling in Raben Steinfeld weist bis heute der Roten Armee die Rolle des Befreiers zu:

HIER WURDE
DER GRÖSSTE TEIL
DER ÜBERLEBENDEN
DES TODESMARSCHES
VOM KZ
SACHSENHAUSEN
ANFANG MAI 1945
DURCH DIE
SOWJET–ARMEE
BEFREIT

»Rund fünf Kilometer östlich vom Standort dieses Gedenksteins befindet sich die Mahn- und Gedenkstätte ›Die Mutter‹ in der Gemeinde Raben Steinfeld im Landkreis Ludwigslust-Parchim.


Raben Steinfeld Gedenkstaette Die Mutter Wikimedia Commons Niteshift webFoto: Wikimedia Commons / Niteshift


Die unübersehbare, mehr als zwei Meter große Bronzeplastik des Bildhauers Gerhard Thieme steht hier seit 1973 am kleinen Fluss Stör, nahe des Schweriner Ortsteils Mueß.«

Detail Raben Steinfeld Gedenkstaette Die Mutter Wikimedia Commons Niteshift web


1976 ergänzte Gerhard Thieme die Skulptur mit vier Reliefs, die die vermeintliche Befreiung der KZ-Häftlinge durch die Sowjet-Soldaten zeigen sollen.


»Die verklärte Darstellung der Rolle der Roten Armee zum Kriegsende 1945 ist ein Relikt aus DDR-Zeiten. Die SED übernahm mit Gründung der DDR nicht nur die politische Macht, sondern auch die Herrschaft über die Geschichtsschreibung.«

»›Schwerin wurde von den Amerikanern befreit und die KZ-Häftlinge wurden sich selbst überlassen‹, sagt [...] der Leiter des Schweriner Stadtarchivs Bernd Kasten. Und er ist nicht der einzige, der US-Truppen anstelle der Sowjetarmee in der Rolle der Befreier an dieser Stelle sieht. [...]

Helmut Steinitz hat 1945 den Todesmarsch überlebt. Er sagte bei einem Besuch 2011 in Raben Steinfeld: ›Was mir auffiel, dass man nur die Russen als Befreier zeigt. Und ich wurde von den Amerikanern befreit.‹ [...]

Am 2. Mai 1945 treffen die US-Truppen in Schwerin ein, die Rote Armee erreicht am 4. Mai die Stör zwischen Schwerin-Mueß und dem Dorf Raben Steinfeld.

In den darauffolgenden Wochen bis Ende Juni 1945 werden Tausende KZ-Häftlinge von den Amerikanern in Schwerin untergebracht, versorgt und medizinisch betreut. Die sowjetischen Truppen werden gemäß der Abkommen zwischen den Alliierten Großmächten erst mit dem 1. Juli 1945 neue Besatzungsmacht in Schwerin.

Mit der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik 1949 übernimmt die SED nicht nur die politische Macht im Arbeiter- und Bauernstaat, sondern diktiert auch die Geschichtsschreibung. Um 1950 werden entlang der Todesmarsch-Strecke rund 25 Gedenksteine von der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes aufgestellt, immer mit dem gleichen Text, der darauf verweist, dass die Sowjet-Armee die Häftlinge befreit hätte. ›Für die hinteren Marschkolonnen zwischen Crivitz und Parchim trifft das noch zu, für die weiter westlichen Kolonnen allerdings nicht‹, sagt Bernd Kasten und ergänzt: ›Die Rote Armee erreichte die Stör erst am 4. Mai. Zu jenem Zeitpunkt gab es keine KZ-Bewacher mehr und auch keine Befreiung im eigentlichen Sinn. Die Häftlinge hier sind, wenn überhaupt, eher von den Amerikanern befreit worden. Das passte aber 1950 nicht ins Bild.‹ [...]

75 Jahre nach Ende des KZ-Todesmarsches spricht sich der Schweriner Stadtarchivar gegen einen Abriss der Gedenksteine aus, denn auch bei anderen Denkmälern zu anderen Ereignissen der vergangenen Jahrhunderte sind Details oftmals nicht korrekt. Bernd Kasten wünscht sich umso mehr neue Erläuterungstafeln. Bereits 2011 wurde neben der Gedenkstätte "Die Mutter" in Raben Steinfeld eine Stele aufgestellt. Diese zeigt ein Foto, auf dem sich Rotarmisten und US-Soldaten an der Stör Anfang Mai 1945 begegnen. Zugleich wird erklärt, dass sich in jenen Tagen Truppen beider Armeen den Häftlingen auf dem KZ-Todesmarsch näherten und wer wann Schwerin befreite – nämlich die amerikanischen Truppen und nicht die der Roten Armee. Auf vielen Seiten im Internet, die sich mit jenen Ereignissen 1945 befassen, ist allerdings nach wie vor die aus DDR-Zeiten stammende verfälschte Geschichtsschreibung nachzulesen.«

Zitate aus dem NDR-Bericht von Axel Seitz ›Der Todesmarsch nach Schwerin: Ideologisch verzerrtes Gedenken‹ vom 27. April 2020

www.ndr.de


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Die Tafel zum 2. weltkrieg

Das Denkmal zum Todesmarsch steht neben der Kapelle von Bergrade.

MP Bergrade Dorf Todesmarsch Kirche web


Rechts neben der Eingangstür ist eine schwarze Tafel angebracht, auf der an die toten Einwohner von Bergrade im 2. Weltkrieg gedacht wird.

 

MP Bergrade Dorf Todesmarsch Tafel Kirche web


Sechs Namen mit Geburts- und Sterbejahr werden angegeben, es sind fünf Männer und eine Frau. Die Widmung lautet:

Zum Gedenken
an die im 2. Weltkrieg gefallenen
und an den Kriegsfolgen verstorbenen
Einwohner von Bergrade

Die Sterbejahre reichen von 1943 über 1945 (drei Männer, die mit 23 Jahren starben) bis 1947 (ein Mann starb 71-jährig). Obwohl auf »Gefallene« hingewiesen wird, gibt es keine militärischen Ehrenzeichen. Hier wird der Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn gedacht.


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I N H A L T
Das Denkmal
Die Geschichte
1946: Der Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde
Die Erneuerung
Die Website von Neukalen

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Neukalen

Landkreis Mecklenburgische Seenplatte

Im Park an der Peene steht die Denkmalsanlage für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs aus Neukalen. Eine achtstufige Treppe führt auf die kleine Anhöhe mit dem Denkmal. Der Steinmetzmeister Georg Berendt aus Neukalen hat es entworfen und mit seinen Leuten 1930 errichtet. Das Denkmal wurde mit vorgefertigten Steinblöcken an Ort und Stelle aufgebaut. Die Inschrift in großen bronzenen Lettern lautet:

Vergiss mein Volk die treuen Toten nicht!
1914 - 1918

An der linken und rechten Seite befindet sich jeweils eine gegossene Bronzetafel mit den Namen der toten Soldaten. Oben sitzt ein Adler mit aufgestellten Flügeln, eine Kralle auf einem Stahlhelm. Am 19. Oktober 1930 wurde es in seiner ursprünglichen Form (siehe unten) eingeweiht. Die Inschrift 1939 - 1945 wurde nachträglich angebracht.

MP Neukalen web

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Die Geschichte

nach einem Text von Wolfgang Schimmel:

Bald nach Ende des 1. Weltkriegs gab es verschiedene Bemühungen, die Gefallenen aus Neukalen und Umgebung zu ehren. So wurden 1922 zwei hölzerne Gedenktafeln in der Kirche aufgehängt. Ab 1925 gab es konkrete Bemühungen durch den Kriegerverein zur Aufstellung eines Ehrenmals. Um 1929 wurde zur Beschaffung der nötigen Gelder eine Denkmalslotterie durchgeführt.

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• »Neukalener Tageblatt« vom 12. März 1930

Es sollte kein einfacher Gedenkstein, sondern etwas Besonderes sein. Die speziell gegründete Denkmalsgemeinschaft wurde vom Gendarmeriemeister August Hasselmann geleitet.

 

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• »Neukalener Tageblatt« vom 21. Mai 1930

Die Denkmalsgemeinschaft verfasste einen Aufruf zur Gestaltung des Denkmals. In einem Geschäft am Markt waren bald verschiedene Entwürfe und Modelle zu sehen. Die Auswahl fiel auf den Vorschlag des Steinmetzmeisters Georg Berendt aus Neukalen.

Während Georg Berendt mit seinen Leuten im Sommer 1930 mit der Errichtung des Denkmals begann, sorgte ein eigens geschaffenes »Baukommitte des Kriegerdenkmals« dafür, dass die notwendigen Erd- und Transportarbeiten durchgeführt, Grünflächen und Blumenrabatten angelegt sowie Bäume gepflanzt wurden.

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• Grundsteinlegung, links: August Hasselmann, rechts Bürgermeister Franz Ziegler

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• Die gesamte Denkmalsgemeinschaft

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• Meister Berendt und seine Leute errichten das Kriegerdenkmal

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• Der 2,25 Meter große Adler war auf der Leipziger Messe ausgestellt und von der Denkmalsgemeinschaft gekauft worden. Diese nach einer Form gegossene Adlerdarstellung wurde einmalig nur in Neukalen verwendet.

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• Bei der Weihe des Denkmals am 19. Oktober 1930 gab es einen gemeinsamen Ausmarsch der verschiedenen Vereine vom Markt zum Denkmalsplatz. Voran marschierte der Kriegerverein mit den Kriegerwiten, gefolgt vom Magistrat, der Schützenzunft, dem Gesangsverein usw. Mancher Neukalener Bürger mußte sich entscheiden, wo er sich einreihte, denn viele waren Mitglied in mehreren Vereinen.

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• Die feierliche Enthüllung war verbunden mit Ansprachen des Bürgermeisters Ziegler, des Pastor Hohmann, des Vorsitzenden der Denkmalsgemeinschaft Hasselmann und anderer Persönlichkeiten.

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Während der Zeit des 2. Weltkriegs verwahrloste der Platz. Nach dem Einmarsch der Roten Armee forderten deutsche Kommunisten, die das Sagen im Rathaus hatten, vom Erbauer des Denkmals Steinmetzmeister Georg Berendt  und seinem Sohn Heinrich die Entfernung des Adlers gemäß dem Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde 1946. Aus Angst vor Schwierigkeiten schlichen beide nachts in den Park, schlugen den Adler in Stücke und versenkten alles in der nahen Peene.

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• 1979: Das Denkmal ohne Adler, ohne Hinweis auf den 2. Weltkrieg

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• Anfang der 90er Jahre: noch kein Adler, aber jetzt sind auch die Soldaten des 2. Weltkriegs unter den »treuen Toten« und werden mit Kränzen bedacht.

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1946: Der Befehl Nr. 30

... Die Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung in der Sowjetischen Besatzungszone gibt am 5. 5. 1946 die Richtlinien für die Beseitigung faschistischer und militärischer Denkmäler heraus. Danach müssen alle Denkmäler militärischen Charakters beseitigt werden, sofern sie nicht besonderen künstlerischen Wert besitzen.

Ein gesondertes Kapitel befasst sich mit den Kriegerdenkmälern, darin heißt es:

»Da sie als Erinnerung für die Gesamtheit der in den Kriegen Gefallenen gelten, muss jeder Eingriff mit starken Rückwirkungen auf die Bevölkerung rechnen. Zu beseitigen sind auch hier all jene Denkmäler usw. die Aufforderungen zur Rache, zum erneuten Kriegseinsatz, Verherrlichungen des Krieges usw. enthalten. Dies trifft nicht zu für Kriegerdenkmäler, die vor 1860 entstanden sind, da sie fast immer bescheiden in der Haltung sind und fast ausnahmslos einigen künstlerischen Wert besitzen. Kriegerdenkmäler nach 1918 sind fast ausnahmslos wertlos. Ihre Beseitigung ist anzuregen, falls nicht in Sonderfällen künstlerischer Rang vorliegt. Denkmäler mit künstlerischem Wert sind einem Museum zu übergeben. Die Säuberungsaktion soll als Willensausdruck breiter Schichten des Volkes vorgenommen werden.« Infolge der Richtlinien sind zunächst Listen zu erstellen gewesen. ...

Am 13. Mai 1946 wird der Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde herausgegeben. Das ist eine Woche nach dem Rundschreiben der Deutschen Zentralverwaltung. Hier heißt es im Abschnitt Kriegerdenkmäler:
»Bei ihnen ist eine verbotene Absicht im Sinne des Befehls dort gegeben, wo durch angebrachte Inschriften, Embleme oder bildhafte Darstellungen über den Charakter des Totenmals hinaus dem Denkmal usw. ein militärischer Sinn gegeben wird. Als solche Inschriften gelten z.B. ›Vorwärts für Kaiser und Reich‹, ›Im Felde unbesiegt‹, ›Unseren siegreichen Helden‹, ›Ihr habt doch gesiegt‹ u.ä.m., als Darstellungen gleichen Inhalts sind anzusehen z.B. Darstellungen von Soldaten, die stürmen, marschieren, Handgranaten werfen, eine Fahne hochhalten, mit einem Ungeheuer ringen, Darstellungen, in denen ein Soldat an einen anderen eine Waffe weitergibt, u.ä.m. Auch einfache Wiedergabe von Waffen und Ausrüstungsgegenständen kann hierzu gezählt werden.« Ebenfalls wird eine Erstellung von Listen zur Erfassung aller Kriegerdenkmäler, bevor an deren Beseitigung herangegangen wird, gefordert.

Auf Grundlage des Befehls Nr. 30 der Alliierten und der Richtlinien der Deutschen Zentralverwaltung sind die schon erwähnten Listen der Jahre 1946/47 entstanden.

Deren Auswertung ist bis zum heutigen Tage noch nicht vollständig abgeschlossen. Es lässt sich aber feststellen, dass ca. 900 - 1000 Ehrenmale erfasst sind. Dazu kommen dann die bereits vor dem II. Weltkrieg vernichteten Kriegerdenkmäler und sicher auch noch ein Teil kleinerer Denkmäler die aus den verschiedensten Gründen nicht erfasst wurden.

Ende der 40er Jahre sind also fast alle Adler, Stahlhelme, Schwerter etc. von den Denkmälern verschwunden. Einzelne, vor allem figürliche Denkmäler sind vernichtet oder magazinisiert worden. Im nächsten Jahrzehnt erfolgte eine Welle der Umwidmungen. Ehemalige Weltkriegsdenkmäler oder auch nur ihre stehengebliebenen Sockel werden zu VVN-, OdF- oder personellen Denkmälern.

Hier sei nur kurz auf den Nexö-Stein ›unter einem alten deutschen Baum‹ in Greifswald verwiesen. Ursprünglich der Gedenkstein des Greifswalder Infanterie Regiments (Findling) erinnert er heute an den Dichter A. Nexö. Bei günstigem Lichteinfall lassen sich aber unter der Bronzeplatte mit dem Porträt Nexös die Jahreszahlen 1914, 1918 erkennen.

Ein weiteres Beispiel für die Umwidmung eines Gefallenensteines sei hier noch eingefügt. Es gab in Kühlungsborn zwei Denkmäler für die Gefallenen des I. Weltkrieges. Bei dem in Kühlungsborn-West gelegenen dreieckigen Steinblock beseitigte man nach 1945 die Namenstafel und brachte stattdessen ein Dreieck dort an. Dieses fortan den »Opfern des Faschismus« gewidmete Denkmal wurde etwa 1972 entfernt, als in der Strandstraße in Kühlungsborn-Ost ein neues den Opfern des Nationalsozialismus gewidmetes Denkmal eingeweiht wurde. Auch dieses befindet sich an derselben Stelle wie zuvor das Denkmal für die Gefallenen des I. Weltkrieges, teilweise wurde das alte Material verwendet. Es handelt sich um eine etwa 8 m lange Mauer, an der eine Metallskulptur der Künstlerin Renata Ahrens angebracht wurde – ein stilisierter Vogel.

Zitiert aus dem Vortrag von Margrit Schimanke gehalten auf einer Konferenz der Geschichtswerkstatt Rostock e.V. in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung, April 1996, Seite 4-5

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Die Erneuerung

Nach der »Wende« setzten sich Bürger der Stadt dafür ein, dass das Denkmal wieder einem Adler erhält.

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• Am Volkstrauertag 2006 wurde das Denkmal mit dem neuen Adler geweiht. Hier die Ansprache von Pastor Johannes Höpfner:

Ansprache Pastor Hübner

 

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Die Website von Neukalen

Lesen Sie die lange Fassung der Geschichte des Denkmals und einen Bericht über Steinmetzmeister Georg Berendt mit vielen historischen Fotos auf der Website der Stadt Neukalen:

www.stadt-neukalen.de


Wir bedanken uns sehr herzlich für die Genehmigung hier Fotos und Texte aus dieser sehr guten und ausführlichen Dokumentation verwenden zu dürfen.

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I N H A L T
Das Denkmal
Der Sinnspruch
Das Eiserne Kreuz
Das Denkmal zum 2. Weltkrieg
»Herr, mach mich ...«

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Neukloster

Landkreis Nordwestmecklenburg

An der großen Durchfahrtsstraße L101, der Pernieker Straße, liegt der Friedhof von Neukloster.

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Im Vorbeifahren kann man das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs schon von hinten erspähen.

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In dem großzügigen Gelände steht das altarähnliche Monument mit dem Rücken an der Straße.


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Betritt man die dreistufige Treppe zum Denkmalsplatz, versperrt erst einmal ein großer, leicht verdorrter Rhododendron den Blick.

 

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Darum nähert man sich dem Denkmal schräg von der Seite und bemerkt gleich, dass es flacher ist, als es von vorne zu sein scheint.

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Der »Altar« ist aus verschieden großen, hellgrauen Granitblöcken zusammengesetzt. Ein Kreuz in der Mitte überragt die Szenerie. Die Analogie zu einem Kruzifix ist überdeutlich.

Clemens Tangerding sagt in seinem Beitrag für den Deutschlandfunk »Für Deutschland gestorben« am 18.11.2012: »Die Gedenkstätten sind ausnahmslos Ausdruck des Bedürfnisses, das Gedenken an den Tod der Soldaten zu sakralisieren, also zu etwas Heiligem zu stilisieren. In Form von Kreuzen, Säulen, Räumen der Stille oder Plastiken wird nicht der Tod, sondern der vorgebliche Sinn dieses Todes dargestellt. [...] Die Sakralisierung schirmt die Gedenkorte auch gegen Widerspruch ab, denn wer würde in einem Raum der Stille oder vor einem Kreuz laut protestieren? Die Ent-Profanisierung beschützt den Tod der Soldaten besonders vor Ansprüchen der Überlebenden. Obwohl diese im Einsatz eine Gruppe bildeten, grenzen die Denkmäler die Toten von den Versehrten ab.

Nur wer starb, wird in Inschriften und auf Tafeln geehrt, wer überlebte nicht. [...] Psychische Krankheiten, lebenslange körperliche Schäden, Schwierigkeiten bei der beruflichen Widereingliederung ließen sich mit der Sakralisierung des Gedenkens nicht in Einklang bringen.«

 

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In der Mitte des »Altars« ist unter dem Kreuz eine schwarze Granittafel eingelassen. Ein großes Eisernes Kreuz in Kontur wird von den Jahreszahlen des 1. Weltkriegs flankiert. Darunter lesen wir den Sinnspruch:

Aus unserm Sterben erblühe
dem Vaterlande neues Leben!

Ein Ausrufezeichen verleiht diesem Wunsch zusätzlich Nachdruck.

 

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In die Seitenflügel sind die sechsspaltigen Namenstafeln der toten Soldaten eingelassen. Es werden die Initiale der Vornamen und die Nachnamen in alphabetischer Reihenfolge aufgezählt, geordnet nach Herkunftsorten. Die Orte sind der Liste jeweils mit Einzug und Unterstreichung vorangestellt. Auf der linken Seite lesen wir über knapp fünf Spalten Namen aus Neukloster, es werden 74 tote Soldaten genannt.

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Davon abgetrennt ist die Liste mit dem Titel »Seminar:« mit 49 Namen.

Damit ist das Lehrerseminar in Neukloster gemeint, die Seminaristen haben nur in ihrer Ausbildung in Neukloster gewohnt, wurden aber in dieser Zeit Soldaten – in der Kriegseuphorie der Zeit freiwillig gemeldet oder eingezogen worden? Wir wissen es nicht.

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Das Gebäude des großherzöglichen Lehrerseminars von 1862 ist heute wieder eine Lehranstalt. Ab 1934 war es ein Reichsarbeitsdienstlager ...

MP Neukloster 1934 web3Quelle: www.Ortschroniken-mv.de, Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 DE


... zu DDR-Zeiten von 1951 bis 1975 das Institut für Lehrerbildung, zeitweilig auch die Polytechnische Oberschule (POS) »Otto Grotewohl«, danach bis zur »Wende« die Sehschwachenschule mit Internat und Vorschulteil. Seit 1990 beherbergt der Komplex die Landesschule für Blinde und Sehschwache in Neukloster, seit  2011 – die Zeit der Wende zu nicht diskriminierenden Ausdrucksweisen – trägt sie den Namen »Überregionales Förderzentrum für den Förderschwerpunkt Sehen in Mecklenburg-Vorpommen«.

 

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Auf der Tafel im rechten Seitenflügel setzt sich die Liste der toten Seminaristen fort. Es folgen Lübbersdorf (13), Nakendorf (3), Neuhof (4), Nevern (4), Pernik (13), Reinsdorf (7), Rügkamp (1) und schließlich Kl. Warin (5).

 

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Das Kreuz ist raffiniert aus einem großen Block herausgearbeitet, so als ob es einen Grabstein umschließt.
 

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Der Sinnspruch

Aus unserm Sterben erblühe
dem Vaterlande neues Leben!

Das neue Leben wird auf Kriegerdenkmälern oft beschworen. In einer Art Generationenvertrag werden die Nachfolgenden dazu verpflichtet, die toten Soldaten zu rächen und den aufgezwungenen »Schandvertrag von Versailles« hinweg zu fegen – oft mit Bibelsprüchen oder christlichen Symbolen:

Eine aufgehende Ostersonne am Felsengrab am Denkmal in Trittau. Pastor Sommerfeld: »In Trittau hat bis jetzt jeder sofort begriffen, dass die begrabene und wiederentstehende Hoffnung auf den Sieg unseres Volkes dargestellt werden soll.«

»Deine Toten werden leben. Jes.26 V19« in Hamburg-Harburg.

»Die Jünglinge fallen, aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft. Jes.40 V30« in Ulsnis.

»Sie kämpften. Sie starben. Sie leben.« in Breiholz.

»Wir Toten fordern als unser Recht die alte Treue vom neuen Geschlecht« in Kiel auf dem Nordfriedhof.

»Heldentum und Menschenliebe, lebe, strebe du neuem Leben zu« in Ascheberg am Plöner See.

Februar 1929: Pastor Mildenstein prophezeit im Lübecker Generalanzeiger »das Wunder einer neuen Zukunft unseres Volkes, wenn wir Jesu Kreuz sich erneuern sehen im tausendfachen Opfertod unserer Brüder. Ihr Opferblut ist Brunnenquell neuen Lebens! Ihre Glaubenskraft an ihre welterlösende vaterlandsbefreiende Großtat der Treue bis zum Tode ist wie Lebenswasser!«


Und so wird der Sinnspruch in Neukloster 1921 auf einem Gutschein interpretiert, der den Kriegswitwen und Kriegswaisen Spendengeld einbringen sollte: Die toten Soldaten als Saat für neue Taten am Tag der Ernte.

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Diese Gutscheine wurden vom Verlag der Wochenzeitung »Hamburger Warte« verkauft. Am 14. Dezember 1918 erschien die erste Ausgabe der »Hamburger Warte«, eine »politische Kampfschrift« gegen Marxismus und Judentum. Herausgeber war Friedrich Carl Holtz (1882 - 1939), ein deutschvölkischer und antisemitischer Schriftsteller und Verleger. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begrüßte er das »neue Deutschland«.


Die »Dolchstoßlegende«

Der Versailler Vertrag

 

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu  d e m  deutschen Orden.

Auf Kriegerdenkmälern wird das Eiserne Kreuz den toten Soldaten posthum verliehen. Der Tod im Krieg wird als Beweis für die »Vaterlandstreue« und die Tapferkeit der Soldaten gewertet, darum wird der militärische Orden hier kollektiv verliehen. Ein Soldat, der lebend oder lebend invalide zurückgekommen ist, erhält ihn nicht.

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• »Fake News« anno 1914: Das Deutsche Reich hatte gerade das neutrale Belgien überfallen, damit die Truppen sich auf dem schnellsten Weg zum Erzfeind Frankreich begeben konnten.

Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

Das Eiserne Kreuz ist das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z. B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle.

Am 26. November 2018 hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in ihrem Tagesbefehl ein Veteranenabzeichen eingeführt. Am 15. Juni 2019 sind die ersten Abzeichen ausgehändigt worden. Das Verteidigungsministerium erklärt dazu: »Das Veteranenabzeichen stellt die Werte in den Vordergrund, die alle Bundeswehrangehörigen verbinden: ›Gemeinschaft, Kameradschaft und Pflichterfüllung im treuen Dienst an der Gesellschaft‹.« Am 10. Januar 2020 meldet das ›Bundeswehrjournal‹, dass bisher rund 35.700 Anträge auf ein Veteranenabzeichen eingegangen sind.

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Foto: Doc.Heintz/Wikimedia Commons


Überreicht wird das Abzeichen mit einem Dankesschreiben des Bundesamts für das Personalmanagement der Bundeswehr:

»... Dieser Dienst in der Bundeswehr verdient hohen Respekt und große Dankbarkeit, welche auch in der Gesellschaft spürbar und sichtbar werden soll. Das Veteranenabzeichen stellt die Werte in den Vordergrund, die uns alle verbinden: Kameradschaft und Pflichterfüllung im treuen Dienst an der Gesellschaft ...«


Ein anonymisiertes Anschreiben bei Wikipedia

 

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Das Denkmal zum 2. Weltkrieg

Auf diesem Foto sehen wir beide Monumente, rechts das Denkmal zum 2. Weltkrieg.

 

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Der Weg bis dahin wird flankiert von 13 Bodenplatten.

 

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Das neue Denkmal aus hellgrauen Granitblöcken ist eine moderne Variante des älteren: ein hohes Kreuz in der Mitte und an den Seiten Platten, diesmal mit Widmung und Sinnspruch. Vor dem Kreuz liegt im Januar 2020 ein Gesteck.

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Links lesen wir, mittig gesetzt:

Den Vermißten
und Toten des
2. Weltkrieges

Wer ist gemeint? Nirgends ein Hinweis. Wir gucken gleich noch auf die Bodenplatten.

 

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Rechts steht ein christliches Gebet, wieder mittig gesetzt:

Herr,
mache mich
zum Werkzeug
deines Friedens

 

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Auf dem Rückweg betrachten wir die 13 Bodenplatten aus Keramik mit erhabenem Rand, Buchstaben und Ziffern.

 

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Hier zwei Beispiele: Es werden ausschließlich Männer genannt, Vor- und Familiennamen mit Geburts- und Sterbedatum. Alle könnten vom Alter her Soldaten gewesen sein.

 

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Die 13 Männer sind alle zwischen dem 17. Februar und dem 7. Mai 1945 gestorben, in den allerletzten Kriegsmonaten. Was mag passiert sein?

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»Herr, mach mich ...«

Vollständig heißt das Gebet, von dem kein Urheber bekannt ist, das aber Franz von Assisi zugeschrieben wird:

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich den Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben. Amen.

Quelle und mehr Information: Deutschlandfunk Kultur

 

Das Gebet, im Geist der Bergpredigt Jesu formuliert, findet sich nicht in den Schriften Franz von Assisis. Soweit bekannt, erschien das Friedensgebet erstmals im Dezember 1912 einer kleinen spirituellen Zeitschrift auf Französisch, veröffentlicht von der Pariser katholischen Vereinigung »La Ligue de la Sainte-Messe«.

Um 1918 druckte der Franziskaner Étienne Benoît das »Gebet für den Frieden« ohne Namensnennung auf der Rückseite einer massenproduzierten Heiligenkarte in Französisch nach.

Von Januar 1927 an zirkulierte das Gebet in den Vereinigten Staaten. Die erste bekannte englische Version erschien in der Quäkerzeitung Friends’ Intelligencer unter dem irrtümlichen Titel »A Prayer of Saint Francis« und wurde so erstmals Franz von Assisi zugeschrieben.

Während des Zweiten Weltkriegs verteilte Francis Spellman, der Erzbischof von New York und Militärerzbischof der USA, Millionen von Exemplaren des »Prayer of St. Francis«.

Das Gebet wurde von vielen Persönlichkeiten, darunter Mutter Teresa, Prinzessin Diana, Margaret Thatcher, Papst Johannes Paul II. und Bill Clinton öffentlich gesprochen oder in Teilen zitiert.

Es wurde häufig vertont und ist unzählige Male a capella oder mit Chor und Orgel oder Kontrabass aufgeführt worden.

Nach Wikipedia, abgerufen am 13. April 2021

 

Und so rutscht das Gebet immer weiter in die Banalität ab. Mittlerweile ist es als Aufdruck mit dem Inhalt einer Werkzeugkiste auf Kaffeebechern zu lesen ...

 

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... auf Einkaufsbeuteln, auf Geburtstagskerzen, Hartschalen-Brillenetuis, Schlüsselanhängern usw., usw.

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschrift
Die Dorfkirche von Pantlitz

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Pantlitz

Ortsteil von Ahrenshagen-Daskow, Landkreis Vorpommern-Rügen

Das Denkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs steht im Garten der Dorfkirche Pantlitz. Es besteht aus zwei Teilen: einer Stele aus Granit mit rechteckigem Grundriss, einem ungewöhnlich geformten oberen Abschluss und einer Bronzeplatte mit Relief und Inschrift und davor einem großen Findling mit Namenstafel, ebenfalls aus Bronze. Ein Haufen kleiner Findlingssteine verbindet diese beiden Elemente.

In der runden Aussparung am Kopf der Stele sieht man noch die Reste einer Befestigung. Dort wurde wahrscheinlich eine weitere Bronzeplatte entfernt. Darunter die längliche Platte mit dem detailreichen Relief eines Soldaten in voller Montur: Uniform, Stiefel, Stahlhelm, Patronengürtel, Schultertasche, ein aufgestelltes Gewehr in der rechten, eine Stabhandgranate in der linken Hand. Umlaufend ist der Bibelvers Johannes 15.13 in leicht veränderter Form zu lesen:

Niemand hat grössere Liebe
denn der
sein Leben lässt für seine
Brüder (auf den Kopf gestellt)

Die Ecken sind mit Eisernen Kreuzen ausgefüllt. Als Verbindungstück zur entfernten runden Platte ist oben noch ein mit Blätterranken verziertes Bronzeteil vorhanden.

Auf dem quergelegten Findling vor der Stele ist eine rechteckige Bronzeplatte angebracht. Eine Reliefborte aus Romben, Halbkügelchen und Blüten in den Ecken umschließt die 20 Namen und das Sterbedatum der Soldaten. Überschrieben sind die Namen mit:

Gefallen im Krieg ... (unleserlich) 

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Foto: Schiwago / Wikimedia Commons

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Die Inschrift

Niemand hat grössere Liebe denn die dass er sein Leben lässt für seine Freunde

Diese Bibelspruch aus dem Johannesevangelium 15,13 ist häufig auf Kriegerdenkmälern zu lesen. Er ist ein Beispiel für eine pseudo-biblische Legitimation des Soldatentods. Die für fast alle Denkmäler typische Kriegstodverklärung findet eine Steigerung in einer spezifisch kirchlichen Deutung.

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Die Dorfkirche von Pantlitz

Das Denkmal steht auf der Südseite der Kirche, im Bild ist es gerade noch hinter der Feldsteinmauer links vom Portal zu erkennen.


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Foto: Schiwago / Wikimedia Commons

Die Dorfkirche Pantlitz ist ein neugotischer einschiffiger Bau aus Backstein von 1868. Sie hat einen hohen Westturm mit achteckigem Aufsatz und Turmhelm. Seit 2006 ist sie Vorpommerns erste Radfahrerkirche.

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I N H A L T
Das Denkmal
Jahrelang sah das Denkmal so aus
Die Einweihung 1922
Kürassiere des Regiments Nr. 2
Dem Krieg einen Sinn geben?
Gedenktafel in der Marienkirche
Historische Postkarten

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Pasewalk

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Das Kriegerdenkmal auf dem Alten Friedhof ist den im 1. Weltkrieg getöteten Soldaten des Kürassier-Regiments »Königin« Pommersches Nr. 2 gewidmet. Der Stettiner Architekt und Bildhauer Adolph Dahl (1886 - 1940) hat es entworfen. 1921 war die Grundsteinlegung, am 11. Juni 1922 wurde es eingeweiht. Es ist ein sehr ausgewogenes, fast zierliches Denkmal aus Sandstein. Die Platte in der Mitte trägt die Inschrift:

1914 (Eisernes Kreuz) 1918

An beiden Seiten schließen sich je vier eckige Säulen an, die im Bogen geführt werden. Platte und Säulen sind verbunden durch einen schmalen Sockel und einen Architrav, oben aufliegende behauene Sandsteine mit der hervorgehobenen Aufschrift:

Die Königin-Kürassiere ihren teuren Toten

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Der Helm mit Spitze wurde vom Volksmund »Pickelhaube« genannt.

 

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Das Wappen der Kürassiere: ein Königsadler mit Degen und Stock in den Krallen, viele Speere, die Königskrone und vor allem die Botschaft für die trauernden Hinterbliebenen und die noch lebenden Kameraden:

Durch Nacht zum Licht

 

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Dem Kürassier-Regiment »Königin« Pommersches Nr. 2 stand ab Anfang des 19. Jahrhunderts die jeweilige preußische Königin, seit 1871 war sie zugleich auch die deutsche Kaiserin, als Regimentschefin vor. An den äußeren Säulen des Denkmals ist das Initial von Königin Luise, Ehefrau von König Friedrich Wilhelm III. dargestellt. Sie war von 1797 bis 1810 preussische Königin und wurde 1806 zur ersten Chefin des Regiments ernannt. Seitdem durften sich die Mitglieder des Regiments »Königin-Kürassiere« nennen.

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Auf den acht Säulenfronten wurden die 238 Namen der Kürassiere nach dem Jahr ihres Todes geordnet. Der abgekürzte Dienstgrad ist vorangestellt, der Todestag wird nach dem Namen angegeben

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Die Farbe der Kürassiere ist weiß: die Uniformen, die Darstellung der Pickelhaube und hier nun passend dazu der Kranz mit weißen Lilien.

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Der Gedenkstein für die Toten beider Weltkriege wurde 1990 ergänzt.

Alle Fotos sind von Mr.Pommeroy / Wikimedia Commons. Vielen Dank!

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Jahrelang sah das Denkmal so aus


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Laut Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde vom 13. Mai 1946 (siehe weiter unten) mussten kriegsverherrlichende Attribute der Denkmäler entfernt werden. Das galt für alle Besatzungszonen, in der sowjetisch besetzten Zone wurde der Befehl allerdings konsequenter durchgeführt als im übrigen Deutschland. Nach 1990 wurde das Denkmal in Pasewalk – wie auch viele andere auf ehemaligem DDR-Gebiet – in nahezu ursprünglicher Form wieder hergestellt.

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Die Einweihung 1922

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Kürassiere des Regiments Nr.2

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Namensherkunft

Das Wort Kürass (von französisch cuirasse für » Lederpanzer« von cuir für Leder) kam im 15. Jahrhundert im deutschen Sprachraum auf und bezeichnete den Brust- und Rückenpanzer des Reiters. Daraus abgeleitet entstand um 1500 die Bezeichnung Kürisser für die voll gerüsteten Ritter, sie ging später auf die Pistolenreiter über.

Die Kürassiere waren das Bindeglied zwischen den gepanzerten Lanzenreitern des Mittelalters und der neuzeitlichen Kavallerie. Erstmals kämpften mit Pistolen bewaffnete Reiterverbände 1547 in der Schlacht bei Mühlberg. Aus ihnen gingen die Kürassiere hervor. Die Kürassiere trugen bis in das 17. Jahrhundert hinein einen so genannten Trabharnisch, der bis zu den Knien reichte und über einen geschlossenen Helm oder eine Sturmhaube verfügte. Die typische Bewaffnung eines Kürassiers bestand seit dem 16. Jahrhundert aus zwei Pistolen und einem Rapier bzw. Reitschwert oder einem Degen. Vor allem Männer gehobenen Standes bemühten sich um die Aufnahme in eine Kürassier-Einheit, dort wollten sie an die ritterlichen Ideale des Mittelalters anknüpfen.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 23.3.2015

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Dem Krieg einen Sinn geben?

»Für die damaligen Großherzogtümer und die preußische Provinz Pommern waren die traditionellen Kavallerieregimenter äußerst repräsentativ. Auf den großen Gütern der norddeutschen Junker waren Pferdezucht und Offizierslaufbahn untrennbar miteinander verbunden. Ein Regiment zu stiften war nicht nur sehr ehrenvoll, es war vor allem sehr kostspielig und somit den Fürsten vorbehalten. Die Garnisonen der Regimenter trugen nicht selten maßgeblich zur Entwicklung der jeweiligen Städte bei. Pasewalk trägt sogar wegen seines Kavallerie-Regiments den Beinamen ›Kürassier-Stadt‹. So war jedes Regiment betrebt, seinen in erheblicher Zahl gefallenen Angehörigen ein würdiges Denkmal zu stiften. Diese sogenannten Regimentsdenkmäler gingen in ihrer Gestaltung oft weit über reines Totengedenken hinaus, meist strotzten sie nur so von militärischem Pathos, wonach sie gemäß der Direktive Nr. 30 1946 der Zerstörung unterlagen.«

Zitiert aus Matthias Hübner, »Der Erste Weltkrieg anhand von Kriegerdenkmälern in Mecklenburg-Vorpommern«, Band 4, Edition Hübner

Aus dem Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde vom 13. Mai 1946

»Bei ihnen ist eine verbotene Absicht im Sinne des Befehls dort gegeben, wo durch angebrachte Inschriften, Embleme oder bildhafte Darstellungen über den Charakter des Totenmals hinaus dem Denkmal usw. ein militärischer Sinn gegeben wird. Als solche Inschriften gelten z.B. ›Vorwärts für Kaiser und Reich‹, ›Im Felde unbesiegt‹, ›Unseren siegreichen Helden‹, ›Ihr habt doch gesiegt‹ u.ä.m., als Darstellungen gleichen Inhalts sind anzusehen z.B. Darstellungen von Soldaten, die stürmen, marschieren, Handgranaten werfen, eine Fahne hochhalten, mit einem Ungeheuer ringen, Darstellungen, in denen ein Soldat an einen anderen eine Waffe weitergibt, u.ä.m. Auch einfache Wiedergabe von Waffen und Ausrüstungsgegenständen kann hierzu gezählt werden.«

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Gedenktafel in der Marienkirche

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Die Gedenktafeln für die im 1. Weltkrieg getöteten Kürassiere wurden am 11. Juni 1922 in der Marienkirche angebracht. Sie sind mit Gott für König und Vaterland gestorben.

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Historische Postkarten

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Die großzügige Kasernenanlage des Kürassierregiments »Königin« in der Straße »An der Kürassierkaserne«: Bei der Planung wurden die Kosten mit 1.657.684,75 Mark angegeben. Beim Bau konnten dann 200.00 Reichsmark eingespart werden. Erbaut wurde das Backsteingebäude von 1879 – 1882. Am 29. April 1882 ist es bezogen worden, die bis dahin bestehenden »Einquartierungen« von Soldaten in Privatwohnungen hatten ein Ende. Heute beherbergt die Kaserne  das Landratsamt.

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Auf den historischen Postkarten sieht man noch die Reliefs der Waffen, die senkrecht an den Frontseiten der äußeren Säulen angebracht waren.

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Das Denkmal
Die Tafel zum 2. Weltkrieg
Das Eiserne Kreuz
Die Kette
Die Blüchereiche
»Lerne vom Militär«

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Plauerhagen

Gemeinde Barkhagen, Landkreis Ludwigslust-Parchim

Am Abzweig der Quetziner Straße in die Zarchliner Straße liegt der kleine Denkmalsplatz mit dem Obelisken, der den toten Soldaten des 1. Weltkriegs gewidmet ist. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite beginnt das Friedhofsgelände mit der Dorfkirche von Plauerhagen.

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Der abgerundete Platz ist sehr gepflegt. Bei unserem Besuch im Januar 2020 scheint er gerade frisch saniert worden zu sein, aber ältere Fotos zeigen, dass er schon 2012 so aussah.

 

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In der Rasenfläche ist ein exakter Sandplatz mit Zuwegung angelegt worden. Mit Ketten verbundene Edelstahlpfeiler geben eine würdige Umrandung. Der Obelisk ist aus Betonblöcken zusammengesetzt, er steht auf einem zweistufigen Sockel und hat eine ungewöhnlich geformte Spitze. Klassische Obelisken haben eine pyramidenförmige Spitze.

 

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Mit Hilfe einer Stange ist ein flaches Eisernes Kreuz oben aufgesetzt. Wir vermuten, dass es im Zuge der Denkmalsplatzsanierung neu hergestellt worden ist.

Auf Kriegerdenkmälern wird das Eiserne Kreuz den toten Soldaten posthum verliehen. Der Tod im Krieg wird als Beweis für die »Vaterlandstreue« und die Tapferkeit der Soldaten gewertet, darum wird der militärische Orden hier kollektiv verliehen. Ein Soldat, der lebend oder lebend invalide zurück gekommen ist, erhält ihn nicht.

 

MP Plauerhagen Tafel web2


Im langen Mittelteil des Obelisken ist eine schwarze Granittafel eingelassen. Darauf werden die toten Soldaten mit militärischem Dienstgrad, Vor- und Familiennamen und Todestag aufgezählt. Aus Plauerhagen stammen 14, aus Zarchlin zwei Soldaten. Innerhalb der Gemeinden sind die Namen nach Todesdatum geordnet. Ein Soldat ist noch nach Kriegsende gestorben.

 

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Die einleitende Inschrift auf der Tafel lautet:

Im Weltkriege 1914-18 starben
den Heldentod fürs Vaterland:


Sie verbreitet die Botschaft, die Toten hätten mit ihrem Leben für die Gemeinschaft eingestanden. Sie hätten ihr Leben für »uns«, für die »Heimat«, fürs »Vaterland« gegeben:

»Wenn in den Inschriften explizit erwähnt wird, für was die Soldaten gestorben sind, ist es in den häufigsten Fällen das ›Vaterland‹. Die Verwendung dieses Begriffes war nach dem Ersten Weltkrieg meist mit einer nationalistischen Haltung verbunden: das deutsche Vaterland, mit dem die eigene Identität untrennbar verknüpft ist, und nur das deutsche Vaterland stellt höchsten Wert dar. Dass dieses ›Vaterland‹ aus dem Streben nach europäischer Vormachtstellung mit im wahrsten Sinne Feuereifer in den Ersten Weltkrieg eingetreten ist, die Soldaten also in Wahrheit für einen Staat starben, der mittels ihrer Hilfe und ohne Rücksicht die eigenen Machtinteressen verfolgte, wird ausgeblendet.«

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, S.94


»Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.«

Ralph Giordano, Die zweite Schuld

 

MP Plauerhagen Buchstaben web


Das grosse »W« ist symbolträchtig gestaltet: man meint ein Kreuz, das christliche Symbol für ein der Gemeinschaft geopfertes Leben, zu sehen.

 

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Am Ende der Tafel lesen wir die Widmung der Denkmalsstifter:

Gewidmet zum Gedächtnis von den
Gemeinden Plauerhagen - Zarchlin

»Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter«, schreibt Hartmut Häger in seinem Buch »Kriegstotengedenken in Hildesheim« auf Seite 29.

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Der wunderschöne Baum, der den Denkmalsplatz überragt, ist erstaunlicherweise keine Eiche, keine Linde und keine Blutbuche – das sind die klassischen Baumbegleiter von Kriegerdenkmälern. Wer kennt den Namen dieses Baums?

 

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Die Tafel zum 2. Weltkrieg

1998 ist am Fuß des Obelisken eine weitere Tafel angebracht worden.


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Die Inschrift lautet:

Zum ehrenden Gedenken an
die Opfer von Krieg u. Gewalt
während des 2. Weltkrieges

Plauerhagen – Zarchlin 1998

Wer ist mit den »Opfern« gemeint? Die Opfer des Vernichtungskriegs der Deutschen Wehrmacht oder die toten Wehrmachtssoldaten auch? Waren eben alle Opfer der »Bestie Krieg«, die ausgebrochen ist, von niemandem verschuldet und von niemandem gewollt? Nicht erfasst werden hierbei auch die Opfer des Deutschen Faschismus vor dem Krieg: ermordete Jüdinnen und Juden, die Menschen im Widerstand, Sinti und Roma, Behinderte ...


Klaus Latzel formuliert es in ZEITGeschichte 4/2018 so: »Die ›Opfer‹ gelten als solche von ›Krieg und Gewaltherrschaft‹. Nun war aber der Krieg, nun war die Wehrmacht, die ihn führte, zugleich ein Bestandteil dieser Gewaltherrschaft – sind die Angehörigen der Wehrmacht also Opfer ihrer selbst? Und war Roland Freisler, der 1945 in Berlin durch einen alliierten Luftangriff starb, ebenso ein Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wie die Widerstandskämpfer, die er zuvor als Präsident des Volksgerichtshofs an den Galgen geschickt hatte?

Soll diese unhistorische Gleichmacherei, welche die Unterschiede zwischen den Toten hinter dem Opferbegriff versteckt, nicht weitergeführt werden, dann muss sich das bundesdeutsche Totengedenken von diesem Begriff verabschieden. Was aber könnte an dessen Stelle treten? Denkmäler, so wird heute oft gefordert, sollten die paradoxe Botschaft ausdrücken, dass ihr Sinn gerade darin bestehe, keinen Sinn für den Tod bieten zu können. Die Schwierigkeit, dieser Anforderung gerecht zu werden, liegt letztlich in den Dimensionen des zu erinnernden Tötens und Sterbens selbst begründet. Die ›postheroische‹ Gesellschaft der Bundesrepublik ist ein Kind der Erfahrung, dass sich alle Versuche der Verherrlichung von Krieg und Tod 1945 endgültig desavouriert hatten.«

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu  d e m  deutschen Orden.

Eisernes Kreuz 1WK Kaiser web4
    

• »Fake News« anno 1914: Das Deutsche Reich hatte gerade das neutrale Belgien überfallen, damit die Truppen sich auf dem schnellsten Weg zum Erzfeind Frankreich begeben konnten.

Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


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• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

Das Eiserne Kreuz ist das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z. B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle und als Schmuck am Auto:

HH Uhlenhorst EK auf Auto web2

 

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Die Kette

Die Inszenierung in Plauerhagen ist neu gestaltet, sie folgt aber einem Modell, dass in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts üblich war. Die Pfeiler um das Denkmal sind mit einer Kette verbunden, die an den Denkmalsanlagen nach dem 1. Weltkrieg die Fesselung Deutschlands an den Versailler »Schandvertrag« verkörpern sollte.

MP Plauerhagen schraeg web


Manchen Orts wurde die Kette dann in späteren Jahren symbolträchtig vor Publikum von den Nazis der Gemeinde durchgehauen.

Der Versailler Vertrag auf LeMO

 

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Die Blüchereiche

Ein weiterer Baum steht an einem Ort der Erinnerungskultur in Plauerhagen: die Blüchereiche, die 1913 zu Ehren von Gebhard Leberecht von Blücher gepflanzt wurde. 1913 jährte sich zum hundertsten Mal Blüchers Eintritt in den Krieg gegen Frankreich.

MP Plauerhagen Gedenkstein Bluechereiche Wikimedia Commons Ruchhoeft Plau webFoto: Wikimedia Commons / Ruchhöft-Plau

Auf dem Findling vor dem Stamm steht in einem geglätteten Feld:

1813
Blüchereiche
1913

Gebhard Leberecht von Blücher lebte von 1742 - 1819, am 31. Januar 1816 wurde er der 3. Ehrenbürger Berlins. Auf der Website des Deutschen Abgeordnetenhaus wird das bis heute so begründet:

»Gebhard Leberecht von Blücher war Generalfeldmarschall der preußischen Armee und erfreute sich in Berlin wegen seiner Bürgernähe und militärischen Erfolge großer Beliebtheit.

Blücher begann seine militärische Laufbahn im Siebenjährigen Krieg als Husar in schwedischen Diensten. 1771 wurde er Stabsrittmeister in der preußischen Armee, zog sich jedoch 1773 wegen einer Kränkung vom Militärdienst zurück. Erst als 45jähriger kehrte er in sein Regiment zurück und diente sich zum militärischen Befehlshaber und Generalleutnant hoch. 1807 wurde er Generalgouverneur in Pommern, von wo er nach Berlin abberufen wurde. Als 70jähriger zog er 1813 in den Krieg gegen Frankreich. Der Vorstoß nach Paris 1814 führte zu seiner Ernennung zum Feldmarschall und zur Erhebung in den Fürstenstand. Nach der Rückkehr Napoleons von Elba war er 1815 in der Schlacht bei Belle-Alliance maßgeblich am entscheidenden Sieg über Napoleon beteiligt. Dieser Sieg brachte ihm das Ehrenbürgerrecht von Berlin und den Ehrendoktor der Universität Oxford ein.«

Haben Sie das auch schon mal gesagt: »Der geht ja ran wie Blücher«? Der WDR erklärt im »Zeitzeichen« zum 200. Todestag Blüchers wie es zu dieser Zuschreibung kam. Frank Zirpins kündigt es an: »Als eine Art Anti-Napoleon hat Preußen seinen Generalfeldmarschall Gebhardt Leberecht von Blücher gefeiert, ihm eine Sonderstellung gegeben. Zwei Mal hat der Offizier den französischen Kaiser bezwungen, in den großen Schlachten der Befreiungskriege, Leipzig und Waterloo.

Der englische Feldmarschall Wellington hat ihn mit dem Ausspruch: ›Give me night or give me Blücher‹ unsterblich gemacht.

Zeitlebens blieb der Soldat ein Draufgänger, ein Hasardeur, trug seinen Spitznamen ›Marschall Vorwärts‹ zu Recht. Aber schon zur Zeit seiner großen Siege war Blücher auch ein Überbleibsel des alten Preußens und eine Identifikationsfigur für die ewig Gestrigen.«

»Zeitzeichen« zu Blücher im WDR


MP Plauerhagen Bluecherstein Wikimedia Commons webFoto: Wikimedia Commons / gemeinfrei

Ölgemälde von Wilhelm Camphausen: Blüchers Heer setzt in der Silvesternacht 1813/14 bei Kaub über den Rhein.


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»Lerne vom Militär«

Landstm., Grenadier, Füsilier, Jäger und Ers. Res. ...

Das sind einige der Dienstgrade, die auf der schwarzen Tafel in Plauerhagen genannt werden. Sie kommen uns heute wie böhmische Dörfer vor, früher kannte sie jedes Kind. Im Kaiserreich blühte der Militarismus: so schneidig wie die preußischen Soldaten sollte die gesamte Gesellschaft sein: vom Greis bis zum Knirps. Unbedingter Gehorsam war das Ziel.

MP Zehlendorf Kinderkarte web


»Bereits die Kinder wuchsen in einer militarisierten Umgebung auf. Kriegsspiele waren äußerst beliebt. In kaum einem Kinderzimmer fehlte ein Satz Bleisoldaten, ebenso gehörte der Matrosenanzug zur Grundausstattung. Zu Weihnachten sangen die Kleinen: ›Morgen kommt der Weihnachtsmann, kommt mit seinen Gaben, Trommel, Pfeifen und Gewehr, Fahn’ und Säbel und noch mehr, ja ein ganzes Kriegerheer möcht ich gerne haben.‹ In der Schule setzte sich die Einübung militärischer Denk- und Verhaltensmuster fort. Vielerorts glich das Schulleben einem zackigen Paukbetrieb, der wenig Raum ließ für Spontanität und Kreativität. [...]

›Lerne vom Militär!‹ – so lautete das Mantra der pädagogischen Fachliteratur. Das Aufstehen der Schüler beim Eintreten des Lehrers ins Klassenzimmer habe ›mit einem einzigen Ruck zu geschehen‹ und müsse ›klappen wie ein Bataillonstritt bei der Parade‹, hieß es in einem Lexikon der Pädagogik. Im ›Gänsemarsch mit regelrechtem Soldatenschritt‹ müssten die Schüler in den Pausen das Klassenzimmer verlassen und ›zwei und zwei im Schulhof ordnungsgemäß auf und ab marschieren‹.«

Volker Ullrich, ZEITGeschichte 4/2018, S. 45


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I N H A L T
• Das Denkmal
• »Ehre ihrem Andenken«
• Allen Opfern?
• »Zur Erinnerung«
• Das Grab
• Das Schwert
• Eichenlaub
• Das Eiserne Kreuz

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Reinshagen

Landkreis Rostock

Am Eingang zur Dorfkirche von Reinshagen steht das mächtige Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs.

MP Reinshagen Kirchentur web2

Unmittelbar neben den Gräbern des Friedhofs erhebt es sich auf einem großen ansteigenden viereckigen Sockel aus Steinen, Erde und Pflanzen.

MP Reinshagen Denkmal web2

Das Denkmal aus rötlich-grauem Stein ist in etwa dreieckig, es ist vorne und hinten grob flächig geglättet, um Schild und Gravuren anbringen zu können.
 
MP Reinshagen Platte ganz web2

Das länglich-ovale Bronzeschild hat einen wulstigen Rand aus stilisierten Lorbeerblättern. Ein Lorbeerkranz bzw. Lorbeer ist das Symbol für eine Auszeichnung, insbesondere für einen Sieg oder einen Erfolg. Oben und unten sind die Schnittstellen der Lorbeergirlanden mit gekreuzten Bändern bedeckt.

Auf dem Schild sind in zwei Spalten, die von einem langen gesenkten Schwert getrennt werden, 42 Namen von toten Soldaten aufgeführt. Alle Buchstaben und Schmuckelemente auf dem Schild sind erhaben, die Buchstaben sind als Majuskeln (groß) geschrieben. Geordnet nach ihrer Herkunft aus neun Ortschaften der Kirchengemeinde Reinshagen. Innerhalb der Ortschaften sind die Soldaten nach Sterbedatum aufgelistet. Es werden Vor- und Nachname und rechtsbündig das Sterbedatum in Ziffern genannt, fünf Soldaten sind als vermisst (VERM.) bezeichnet.

MP Reinshagen Platte oben web2

Überschrieben ist die Namensliste mit:

IM WELTKRIEG 1914 – 18
FIELEN AUS DER GEMEINDE REINSHAGEN

MP Reinshagen Platte unten web2

Die Namensliste endet auf der rechten Seite mit einem Schmuckelement, zwei verbundene schräggestellte Linien, um die Leerstelle zu füllen.

In der unteren Spitze des Schildes steht:

EHRE IHREM ANDENKEN

Darunter als Abschluss wieder ein Schmuckelement, diesmal sind es schwungvolle symmetrische Linien, Vogelschwingen ähnlich. Geschickt eingebaut sind Loch und Schraubenkopf der Befestigung.

MP Reinshagen Denkmal EK Eichenlaub web2

Über dem Bronzeschild kann man die Gravur eines Eisernen Kreuzes zwischen zwei gekreuzten Eichenlaubzweigen entdecken. Im Eisernen Kreuz sieht man oben die preußische Königskrone, in der Mitte das »W« für den preußischen König Wilhelm II., der 1914 in dritter Stiftung das Eiserne Kreuz als militärisches Ehrenzeichen erneuert hatte und einer Linie als Kontur.

MP Reinshagen seitlich web2

Noch einmal von der Seite der große Sockel und der abgeplattete große Denkmalstein. Am Fuß des Steins und an seiner Seite wurde je eine Tafel eingelassen. Weiter unten werden beide beschrieben.

MP Reinshagen EK hinten web2

Die Rückseite des Denkmals: auch dort wurde ein Eisernes Kreuz eingemeißelt. Dieses große ist genauso detailreich ausgestaltet wie das kleine Eiserne Kreuz auf der Vorderseite.

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»Ehre ihrem Andenken«

»Ehren kann mehr bedeuten als nur jemanden in guter Erinnerung zu bewahren. Es kann die Absicht beinhalten, jemanden auszuzeichnen, also eine besondere Leistung, ein besonderes Verhalten, eine besondere Haltung hervorzuheben. Eine solche Form der Ehrung ist im zivilen Bereich mit der Verleihung von Ehrenbezeichnungen, Urkunden, Ehrenringen oder -plaketten oder auch Orden verbunden, im militärischen Bereich vor allem mit Orden [meist dem Eisernen Kreuz]. Das Kriegerdenkmal wird diesen Ordens- und Ehrenzeichen gleichsam zur Seite gestellt und posthum kollektiv verliehen. Grund der Auszeichnung ist die durch den Tod besiegelte besondere Treue oder Tapferkeit. [...]

Das verehrungswürdige Sujet verträgt keine Beschädigung, keine Beschmutzung. Das hat es mit dem Idol gemein oder im geistigen Kontext mit dem Ideal. Der Krieger mutiert zum Held, das Kriegerdenkmal zum Heldenehrenmal – und ist damit jeder kritischen Betrachtung entzogen. Der deutsche Soldat hat sich sui generis heldenhaft verhalten, so wenig wie er dürfen die Reichswehr oder die Wehrmacht in Zweifel gezogen werden. Die von Hindenburg am 18. November 1919 im parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Reichstags als Erklärung für die Niederlage des Ersten Weltkriegs vorgetragene »Dolchstoßlegende« oder die Proteste gegen die »Wehrmachtsausstellung« über von ihr begangene Verbrechen im Zweiten Weltkrieg sind Ausdruck der Bemühungen, sowohl die militärischen Institutionen wie auch die ihnen angehörenden Personen der geschichtlichen Realität und damit auch der Verantwortung zu entziehen.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 33

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Allen Opfern?

Auch wenn die Intention der ergänzten Tafel vor dem Denkmal vermutlich darauf abzielte, die Botschaft des Kriegerdenkmals zu relativieren, bewirkt sie doch das Gegenteil. Wer ist mit »Allen Opfern« gemeint? Nehmen wir den letzten Weltkrieg, dem diese Tafel wahrscheinlich zugeordnet werden kann: Sind die Opfer des Vernichtungskriegs der Deutschen Wehrmacht oder auch die toten Wehrmachtssoldaten gemeint?  Die Millionen Opfer des Nationalsozialismus werden in eine Reihe gebracht mit den Soldaten, die am Verbrechen des 2. Weltkriegs beteiligt waren.

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»Die ›Opfer‹ gelten als solche von ›Krieg und Gewaltherrschaft‹. Nun war aber der Krieg, nun war die Wehrmacht, die ihn führte, zugleich ein Bestandteil dieser Gewaltherrschaft – sind die Angehörigen der Wehrmacht also Opfer ihrer selbst? Und war Roland Freisler, der 1945 in Berlin durch einen alliierten Luftangriff starb, ebenso ein Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wie die Widerstandskämpfer, die er zuvor als Präsident des Volksgerichtshofs an den Galgen geschickt hatte?

Soll diese unhistorische Gleichmacherei, welche die Unterschiede zwischen den Toten hinter dem Opferbegriff versteckt, nicht weitergeführt werden, dann muss sich das bundesdeutsche Totengedenken von diesem Begriff verabschieden. Was aber könnte an dessen Stelle treten? Denkmäler, so wird heute oft gefordert, sollten die paradoxe Botschaft ausdrücken, dass ihr Sinn gerade darin bestehe, keinen Sinn für den Tod bieten zu können. Die Schwierigkeit, dieser Anforderung gerecht zu werden, liegt letztlich in den Dimensionen des zu erinnernden Tötens und Sterbens selbst begründet. Die ›postheroische‹ Gesellschaft der Bundesrepublik ist ein Kind der Erfahrung, dass sich alle Versuche der Verherrlichung von Krieg und Tod 1945 endgültig desavouriert hatten.«

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 101

 
Auf der Tafel in Reinshagen steht unter der Widmung »Allen Opfern von Krieg und Gewalt« noch ein biblisches Zitat:

Ich weiß, dass mein
Erlöser lebt
Hiob 19.25

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»Zur Erinnerung«

Die Tafel aus rötlich-schwarzem Granit an der Seite des Denkmals ist, wenn wir den Text richtig verstehen, den vertriebenen und geflüchteten Menschen aus den ehemaligen Ostgebieten gewidmet. Der Text lautet:

Der in unserem Elend an uns dachte,
dessen Güte währt ewig
Psalm 136,23

Zur Erinnerung
an jene, die in den
Wirren der Nachkriegszeit
hierher kamen und auf dem
Neuen Friedhof in Gremmelin
beerdigt wurden.

Kirchengemeinde Reinshagen

 
MP Reinshagen Tafel Wirren web2

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Das Grab

Der Rückseite des Denkmals mit dem großen Eisernen Kreuz gegenüber steht der Grabstein des Soldaten Hans Passow.

MP Reinshagen Grab web2

Der Stein aus schwarzem Marmor, von immergrünem Efeu umwachsen, trägt ebenfalls ein Eisernes Kreuz. Die Eltern und Geschwister fanden wohl Trost in diesem militärische Ehrenzeichen, das ihm posthum durch den Tod besiegelte besondere Treue und Tapferkeit bescheinigt, Haltungen, die übrigens auch heute noch der Soldateneid einfordert.

MP Reinshagen Grab Detail web2

Hans Passow war ein Feuerwerker. So bezeichnet man einen Munitionsfachkundigen, zu dessen Aufgaben die Räumung, also das Lokalisieren, Entfernen und Unschädlichmachen von Munition gehört. Im 1. und 2. Weltkrieg eine gängige militärischer Dienstbezeichnung.

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Das Schwert

Das Schwert verweist auf die Helden der Antike und damit auf  eine »edle Gesinnung der Kämpfenden«. Artus, Parzival, Roland, Siegfried & Co. – tragen ihre Schwerter als Recken der Tapferkeit und Treue. Auf den Kriegerdenkmälern fordern Schwerter, selbst wenn sie als Zeichen der Niederlage gesenkt oder abgebrochen dargestellt werden, die nachfolgenden Generationen zu »Wehrwillen und Mannhaftigkeit« auf.

Das Schwert ist in der Menschheitsgeschichte die erste ausschließlich zum Töten anderer Menschen geschaffene Waffe. Ein Symbol der Macht: Wer auf dem Schlachtfeld unterlag, übergab dem Sieger seine Waffe. Das Schwert verleiht den Status eines Herrschers. Die englische Königin führt den Ritterschlag bis heute mit dem Schwert aus.

Nach dem Mittelalter verlor das Schwert seine Bedeutung als Waffe – und wurde in der Symbolsprache der Propaganda umso wichtiger. Im 1. Weltkrieg, dem ersten industriellen Krieg in der Geschichte, hatte das Schwert als Bild-Symbol auf Orden und Medaillen Hochkonjunktur. Auch im Nationalsozialismus galt das Schwert als Zeichen für heldenhaften Kampf.

Ab 1980 wurde die Symbolkraft des Schwertes umgekehrt: Wer »Schwerter zu Pflugscharen« macht, schafft Frieden. »Schwerter zu Pflugscharen« ist ein Teilzitat aus der Bibel beim Propheten Micha, das zur Redewendung geworden ist. Es drückt das Ziel des Völkerfriedens durch weltweite Abrüstung und Rüstungskonversion aus. Es wurde der Slogan staatsunabhängiger Abrüstungsinitiativen in der DDR, den auch Teile der westdeutschen Friedensbewegung übernahmen.

Schwerter zu Pflugscharen bei Wikipedia

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Die deutsche Eiche

Die Eiche zählt schon lange als »deutscher« Baum. Ihr hartes Holz und das charakteristische, spät fallende Laub machten sie seit der Zeit der Germanen zum Symbol für Unsterblichkeit und Standhaftigkeit. In jüngerer Zeit, besonders seit der Romantik, gilt die Eiche zudem als Symbol der Treue.

Das Eichenlaub ist ein politisches und militärisches Symbol sowie eine Figur in der Heraldik, das den gelappten Laubblättern von in Mittel- und Südeuropa heimischen Eichenarten nachempfunden ist. Die Blätter können getrennt oder an einem Zweig angeordnet dargestellt sein.

Mit der Nationalromantik des 19. Jahrhunderts, mit der Deutschen Revolution 1848/1849 und der Reichsgründung 1871, die das Gefühl nationaler Einheit bestärkten, zog das Eichenlaub in die deutsche Symbolsprache ein. Auf deutschen Ehrenmalen, Kränzen, Hoheitszeichen und dergleichen dient Eichenlaub in ähnlicher Form wie Zweige des Lorbeerstrauches bzw. der Lorbeerkranz.

Aus diesem Grund findet man Eichenlaub oft auf Orden, Symbolen und Münzen, so beispielsweise als Erweiterung des Ordens Pour le Mérite sowie auf dem Eisernen Kreuz. Während des Zweiten Weltkrieges gab es zudem das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub. Seit 1957 ist es Vorschrift, dass Orden aus der Zeit des Nationalsozialismus nur noch ohne das damals – bis auf wenige Ausnahmen – obligatorische Hakenkreuz getragen werden dürfen. Dieses wurde daher beim Eisernen Kreuz sowie dessen Erweiterungsstufen – wie bei den ersten Eisernen Kreuzen aus der Zeit der Befreiungskriege – durch drei Eichenblätter ersetzt.

Nach Wikipedia, abgerufen am 12. November 2019

 

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Das Eiserne Kreuz auf dem Denkmal zur Völkerschlacht bei Leipzig in Sagard auf Rügen.

Den Anlass der Ordensstiftung gaben die beginnenden Befreiungskriege gegen die Vorherrschaft des napoleonischen Frankreich in Mitteleuropa, zu denen Friedrich Wilhelm III. kurz zuvor mit seiner am 17. März 1813 gleichfalls in Breslau erlassenen Proklamation »An mein Volk« aufgerufen hatte. Auf Grundlage einer Zeichnung des Königs wurde Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer entsprechenden Reinzeichnung beauftragt. Wörtlich heißt es dazu:

»Se. Königl. Maj. haben beschlossen, für die Dauer des jetzigen Krieges eine eigenthümliche Auszeichnung des Verdienstes eintreten zu lassen. Sie soll in einem schwarzen in Silber gefaßten Kreuz aus Gußeisen bestehen, und dessen Vorderseite ganz glatt und ohne alle Inschrift bleiben, die Kehrseite aber zu oberst den Namenszug FW mit der Krone, in der Mitte drey Eichenblätter, unter die Jahreszahl 1813 enthalten. Se. Maj. haben allerhöchstselbst die anliegende Zeichnung davon entworfen, und wünschen eine sauber ausgeführte Zeichnung.«

 

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Foto: Wikimedia Commons / Concord

Das Emblem der DDR mit Eichenlaub über dem Eingang zum Opernhaus in Leipzig

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Heute sehen wir auf fast jedem Kriegerdenkmal ein Eisernes Kreuz. Es wird hier den toten Soldaten posthum und kollektiv verliehen. Nach Meinung der Denkmalsstifter hat der Kriegstod die Treue und Tapferkeit der Toten bewiesen, egal wie sich der Einzelne tatsächlich verhalten hat.

     Eisernes Kreuz 1WK Kaiser web

• »Fake News« anno 1914: Das Deutsche Reich hatte gerade das neutrale Belgien überfallen, damit die Truppen sich auf dem schnellsten Weg – nachdem sie noch Massaker an der Zivilbevölkerung Belgiens begangen hatten – zum Erzfeind Frankreich begeben konnten.

Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


SH Wulfsdorf Hitler EK web

• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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I N H A L T
Das Denkmal zum 1. Weltkrieg
Die Geschichte
Das Keltenkreuz
Das Denkmal zum 2. Weltkrieg
Wilhelm Wandschneider
Die »Hitler«-Eiche

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Röbel/Müritz

Landkreis Mecklenburgische Seenplatte

Die zweiteilige Denkmalsanlage vor der Marienkirche ist beiden Weltkriegen gewidmet.

MP Roebel Kreuz Kirche web


Das helle Hochkreuz des Denkmals für die toten Röbeler Soldaten des 1. Weltkriegs hebt sich deutlich ab von der roten Backsteinkirche im Hintergrund.

 

MP Roebel Kreuz beide web


Nach einem Entwurf des Bildhauers Wilhelm Wandschneider aus Plau am See wurde das steinerne Denkmal in Form eines Keltenkreuzes erstellt. Am 5. August 1928, fast exakt zwischen den Weltkriegen, wurde es eingeweiht.

 

MP Roebel Kreuz web


Das Denkmal ist etwa 2,20 m hoch und hat einen dreistufigen Sockel mit rechteckigem Grundriss. Das lange Mittelteil verjüngt sich nach oben, die Vor- und Rückseiten sind immer etwa doppelt so breit wie die dazugehörigen Schmalseiten.

 

MP Roebel Kreuz Spitze web


An der Spitze ein Ringkreuz, wie bei den keltisch-irischen Vorbildern. Die Muster auf Kreuz und Untersatz sind ebenfalls keltisch-irisch inspiriert.

 

MP Roebel Kreuz Inschrift web


Wie ein kleines Keltenkreuz wirkt das winzige schwarze Eiserne Kreuz im Medaillon. Das mag Wilhelm Wandschneider gefallen haben.

Darunter steht die Inschrift:

DEN
IM WELTKRIEG
1914 – 1918
GEFALLENEN
DER STADT
RÖBEL
ZUM GEDÄCHTNIS


MP Roebel Kreuz Muster web


Am unteren Ende wieder ein keltisch, irisch inspiriertes Dekorband. Hier Beispiele für irische Stickmuster heuzutage:

MP Roebel irische Muster web2



MP Roebel Kreuz Sockel web


Der imposante, vielfältig gestaltete Sockel. Wir vermuten, dass die unterste Stufe in der Zwischenzeit einmal erneuert wurde.


MP Roebel Kreuz hinten web


Die glatte Rückseite und links davon die hinter dem Kreuz stehende Eiche. Von der Anhöhe des Kirchbergs guckt man auf die Hauptstraße von Röbel.


MP Roebel Kreuz Seite web


Über fünf Steinstufen erreicht man die Ebene des Steinkreuzes. Eine balkonartige Bruchsteinmauer stützt den Denkmalsplatz zur unten liegenden Wiese ab. Sechs kleine Sandsteinpoller mit Eisenstangenverbindungen begrenzen ihn vorne.


MP Roebel Kreuz Seite2 web


An den Seiten schließt sich die rote Backsteinmauer des Kirchgeländes an.

 

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Die Geschichte

Jürgen Kniesz und Helmut Klaue haben in der Schriftenreihe des Warener Museums- und Geschichtsvereins, Heft 18 aus dem Jahr 1999 »Denkmäler zur politischen Geschichte im Landkreis Müritz« die Geschichte beschrieben:

»Die Vorarbeiten für das Denkmal begannen 1921. Es sollte ein Granitfindling auf einen Unterbau gestellt werden, in dessen Wände die Namen der Gefallenen eingehauen werden. Von dem geplanten Bezug des Granitblocks aus Schweden wurde abgesehen, da die Kosten von der Stadt nicht aufzubringen waren. Statt dessen sollte ein Stein aus der Röbeler Umgebung verwendet werden. ›Seit Urzeiten lagert am Waldsaume in der Nähe des Rohrteichs ein Findling von seltener Größe, der sich außerordentlich für den beregten Zweck eignen und für alle Zeiten der Stadt Röbel zur Zierde gereichen würde, während anders derselbe wie bisher auf seiner Ruhestatt verbleiben und sein Vorhandensein nur wenigen Einwohnern bekannt sein dürfte.‹ Der ›Engere Ausschuß für den Bau eines Kriegerdenkmals in Röbel‹ unter Vorsitz des Klempnermeisters Zöllner bat die Stadt um die kostenlose Überlassung des Steins. Bei den Zusammenkünften war Höncke als Bildhauer und Steinmetz zugegen. Der vorgelegte Entwurf ähnelte dem Kriegerdenkmal 1970/71 und wurde deshalb vom Rat abgelehnt. Der Findling sollte nur zur Verfügung gestellt werden, wenn er als Denkmal unverändert bleibt und lediglich eine Inschrift erhält. Im Gespräch war auch ein Entwurf Wandschneiders. Erst im November 1926 fand die Denkmalsangelegenheit ihre Fortsetzung. Man bemühte sich um den Aufstellungsplatz vor der Marienkirche, der als städtische Anlage hergerichtet werden sollte. Im Frühjahr 1928 begannen die Vorarbeiten. Die Kirche genehmigte aber die Aufstellung des Denkmals vor der Kirche nur unter Bedingungen, u.a. mußte die Stadt das Denkmal pflegen und den Platz an die Kirche zurückgeben, wenn er nicht mehr als Denkmalsplatz benutzt wird. Am Denkmal werden keine Veranstaltungen und Reden geduldet, ›die das Empfinden der Kirchengemeinde zu verletzen geeignet sind oder direkt gegen die Kirche gerichtet sind.‹

Denkmalsweihe war am 5. August 1928. Sämtliche Röbeler Vereine traten auf dem Marktplatz an. Man marschierte zum Kriegerdenkmal von 1870/1871, wo ein Festgottesdienst stattfand, und danach zur Denkmalsweihe bei der Marienkirche. Am 13. 8. 1928 wurden die Anstricharbeiten an dem Staketenzaun um das Denkmal nach einem Erachten Professor Wandschneiders, der auch den Entwurf des Denkmals geliefert hatte, beschlossen. Frühjahr 1929 wurden Sträucher angepflanzt. Nach dem Machtantritt der NSDAP wurden dem Denkmal weitere Elemente politischer Aktivitäten hinzugefügt.

1935 gab es Auseinandersetzungen zwischen evangelischem Pfarramt St. Marien und dem Rat der Stadt Röbel, ›ob die Kirche oder die Stadtverwaltung den Denkmalplatz, auf dem der Hitlerstein und die Hitlereiche stehen, in Ordnung zu halten haben.‹

Die nationalsozialistischen Kultstätten wurden nach Kriegsende beseitigt.«

Jürgen Kniesz zitierte aus den Akten des Stadtarchivs Röbel. Betr. das Kriegerdenkmal, Akten-Nr. IV 15/1

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Das Keltenkreuz

Ein Merkmal ist das Ringkreuz an der Spitze. Im Zuge der Christianisierung wurde das ursprüglich heidnische Sonnensymbol in einen christlichen Kontext übernommen und durch missionierende - oft irische - Mönche in ganz Nordeuropa verbreitete. Seit dem Frühmittelalter bis heute ist das Keltenkreuz als Grabstein oder Mahnmal in verschiedenen Ausformungen zu finden.


MP Roebel Llywelyn2000 Wikimedia Commons Wales web
Foto: Llywelyn2000 / Wikimedia Commons. Lizenz 4.0

Hier ein keltisches Hochkreuz in Wales neben der Prion Kapelle


Als das Denkmal in Röbel eingeweiht wurde, stand das Keltenkreuz für eine historisierende Darstellung und war politisch nicht eindeutig besetzt. Heute ist das Keltenkreuz verboten, wenn es nicht alleine steht, sondern mit der Darstellung ein Zusammenhang mit verbotenen Organisationen erkennbar wird.

Für rechtsextreme Gruppen weltweit steht das »Keltenkreuz« zum Beispiel als das Symbol für die angebliche »Vormachtstellung der weißen Rasse« und die »White-Power«-Bewegung. 


Das »gleichschenklige« Keltenkreuz war auch das Zeichen der rechtsextremen und verbotenen Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands (VSBD/PdA) und ist noch heute als Symbol in der rechtsextremen Szene – in stark stilisierter Form – weit verbreitet. In diesem Zusammenhang handelt es sich um ein nach dem deutschen Strafgesetzbuch strafbares Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs kann auch eine isolierte Verwendung eines stilisierten gleichschenkligen Keltenkreuzes (also »die Darstellung eines gleichschenkligen Balkenkreuzes, um dessen Schnittpunkt ein Ring gelegt ist«) nach § 86a des deutschen Strafgesetzbuches strafbar sein, wenn nicht die äußeren Umstände eindeutig ergeben, dass der Schutzzweck der Norm nicht tangiert ist.

In Frankreich war das Keltenkreuz seit 1945 das Symbol mehrerer rechtsextremer und neofaschistischer Gruppierungen, besonders prominent wurde es in den 1960er Jahren durch die Verwendung durch die OAS, eine paramilitärische Organisation, die mit Gewalt die Unabhängigkeit Algeriens zu verhindern versuchte.

Die Europäische Nationale Front (ENF), ein ehemaliger Zusammenschluss europäischer rechtsextremer Parteien, verwendete ein stilisiertes Keltenkreuz in ihrem Logo. In Polen wurde das Symbol 2011 von der Partei Nationale Wiedergeburt Polens (polnisches Mitglied der ENF) als eingetragene Marke registriert.

Nach Wikipedia, abgerufen am 21. 9. 2020

 

MP Keltenkreuz strafbar web


Seit vielen Jahren erscheint das Keltenkreuz im Bericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz »Rechtsextremismus: Symbole, Zeichen und verbotene Organisationen«.


Bericht 2018, Keltenkreuz: S. 53f

 

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Das Denkmal zum 2. Weltkrieg

Am 8. Mai 2008, am Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht und der Befreiung vom Nationalsozialismus, wurde der Gedenkstein auf der Wiese vor dem Kirchplatz eingeweiht.

Die Inschrift lautet:

1939-1945
WIR GEDENKEN
ALLER OPFER DES II. WELTKRIEGES
DER STADT RÖBEL/ MÜRITZ

GEGEN KRIEG UND GEWALTHERRSCHAFT

»Wer ist mit den ›Opfern‹ gemeint? Die Opfer des Vernichtungskriegs der Deutschen Wehrmacht oder die toten Wehrmachtssoldaten auch? Waren eben alle Opfer der ›Bestie Krieg‹, die ausgebrochen ist, von niemandem verschuldet und von niemandem gewollt? Nicht erfasst werden hierbei auch die Opfer des Deutschen Faschismus vor dem Krieg: Jüdinnen und Juden, die Menschen im Widerstand, Sinti und Roma, sogenannte Behinderte ...

Die ›Opfer‹ gelten als solche von ›Krieg und Gewaltherrschaft‹. Nun war aber der Krieg, nun war die Wehrmacht, die ihn führte, zugleich ein Bestandteil dieser Gewaltherrschaft – sind die Angehörigen der Wehrmacht also Opfer ihrer selbst? Und war Roland Freisler, der 1945 in Berlin durch einen alliierten Luftangriff starb, ebenso ein Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wie die Widerstandskämpfer, die er zuvor als Präsident des Volksgerichtshofs an den Galgen geschickt hatte?

Soll diese unhistorische Gleichmacherei, welche die Unterschiede zwischen den Toten hinter dem Opferbegriff versteckt, nicht weitergeführt werden, dann muss sich das bundesdeutsche Totengedenken von diesem Begriff verabschieden.«

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 101

 

MP Roebel Kreuz 2WK web

 
Eine Vertreterin der »Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes« schreibt dazu:

»In Röbel, einem Ort in Mecklenburg-Vorpommern, soll der 8. Mai 2008 auf besondere Weise begangen werden. Unter einem Kriegerdenkmal aus dem Ersten Weltkrieg soll an diesem denkwürdigen Tag eine Tafel feierlich enthüllt werden. Man gedenkt der Opfer des Zweiten Weltkrieges, der ums Leben gekommenen ›Feuerwehrleute, Zivilisten, Soldaten und auch der Juden, die aus Röbel deportiert und ermordet wurden‹. Mit diesen Worten wird die Vorsitzende des eigens für dieses Vorhaben gegründeten Vereines zur ›Förderung des Gedenkens der Opfer des Zweiten Weltkrieges‹ zitiert. Neun Jahre zuvor hat der heutige Verein ›Engelscher Hof an der Alten Synagoge‹ mit großem Engagement das ruinös erhalten gebliebene Bethaus der jüdischen Gemeinde saniert und zum Mittelpunkt von Bildungs- und Kulturveranstaltungen, internationalen Jugendbegegnungen und regionaler Jugendarbeit gemacht. Der Initiator dieser Aktivitäten und Leiter der Bildungsstätte fragt berechtigt: Waren die Röbler Juden etwa keine Zivilisten? Und was hat ihre Ermordung mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun? Weil Röbeler ›Kriegswitwen‹ eine öffentliches Gedenken bisher vermissten, haben ›engagierte Bürger‹ beschlossen, ein solches an einem der wenigen, vormals zahlreichen ›Kriegerdenkmäler‹ des Bildhauers Wilhelm Wandschneider anbringen zu lassen. Wandschneider war bekennender Nationalsozialist und sein Denkmal in Röbel schmückt ein so genanntes Keltenkreuz. Wenn man bedenkt, dass diese Symbol von den Rechtsextremisten gerne als Hakenkreuz-Ersatz verwendet wird, ist die Frage erlaubt: Was soll man davon halten?«

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Wilhelm Wandschneider

Wilhelm Wandschneider (1866 - 1942), geboren und gestorben in Plau am See, war bis 1915 ein im In- und Ausland bekannter Bildhauer, der schon viele Aufträge und Preise erhalten hatte. Nach dem 1. Weltkrieg geriet eine große Zahl der bildenden Künstler – so auch Wandschneider – in existenzielle Bedrängnis. Die alten Auftraggeber öffentlicher Denkmäler gab es durch die politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen nicht mehr, ebenso sank die Zahl privater Auftraggeber.

            MP Crivitz Wilhelm Wandschneider 1909 web

• Wilhelm Wandschneider, gemalt von Heinrich Hellhoff, 1909

Einzige Auftraggeber waren in den frühen 1920er Jahren die Militär- und Kriegervereine, die zunehmend mit revanchistischen Inhalten versehene Denkmäler für ihre gefallenen Kameraden errichten ließen. Als ab 1930 der Nationalsozialismus zunehmend erstarkte, wurde Wandschneider 1930 Mitglied der NSDAP und wie man an den Modellen (siehe Fotos unten) sehen kann, trifft er die Bildsprache der Nazis für deutsche »Helden« perfekt.

1936 fertigt Wandschneider eine Hitlerbüste an, 1940 lässt Hitler Wandschneiders Figur »Aphrodite« für die Reichskanzlei ankaufen; im gleichen Jahr wird Wandschneiders Denkmal für Kaiser Friedrich III. in Dortmund eingeschmolzen, »da es aus nationalsozialistischer Sicht weder einen historischen, noch einen künstlerischen Wert besaß«.

1926 verlieh die Stadt Plau Wandschneider zum 60. Geburtstag die Ehrenbürgerwürde, am 26. April eröffnete das »Wandschneider-Museum«. Im März 1947 wurde das Museum aufgelöst, der Modellbestand fast komplett zerstört. 1994 eröffnete das »Bildhauermuseum Prof. Wandschneider« neu, es zeigt unter anderem 30 Originalplastiken.

 

             MP Wandschneider Atelier web

Das Regimentsdenkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs in Schweidnitz/Schlesien. Das Foto zeigt Wandschneider in seinem Atelier bei der Arbeit am Modell.

             MP Wandschneider Gesicht web

Das Kriegerdenkmal »Soldat« steht auf dem Soldatenfriedhof in Schwerin. 1936 wurde es für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs aufgestellt. Das Foto zeigt ein Detail des Modells in Wandschneiders Atelier.

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Die »Hitler«-Eiche

Bei der Geschichte des Denkmals zum 1. Weltkrieg haben wir zum Schluss gelesen: »1935 gab es Auseinandersetzungen zwischen evangelischem Pfarramt St. Marien und dem Rat der Stadt Röbel, ›ob die Kirche oder die Stadtverwaltung den Denkmalplatz, auf dem der Hitlerstein und die Hitlereiche stehen, in Ordnung zu halten haben.‹ Die nationalsozialistischen Kultstätten wurden nach Kriegsende beseitigt.«

Womöglich gilt das nicht für die »Hitlereiche«?


MP Roebel Kreuz hinten weit web


»Die Eiche ist knorrig. So kann man sich auch die alten Germanen vorstellen, weniger die feinsinnigen Römer. Die Eiche ist überdauernd. Das wollten auch die Deutschen im Heiligen Römischen Reich. Die Eiche ist standfest. Treue, unerschütterliche Souveränität schrieben die deutschen Fürsten und Könige auf ihr Panier – und nach ihnen Adolf Hitler. Mit der Reichsgründung 1871 und dem Gefühl nationaler Einheit zog das Eichenlaub in die deutsche Symbolsprache ein. Auf deutschen Ehrenmalen, Kränzen, Hoheitszeichen, Orden und dergleichen diente es in ähnlicher Form wie Zweige des Lorbeerstrauches. Das Parteiabzeichen bzw. Parteisymbol der NSDAP hatte von 1920 bis 1945 einen Adler als Zeichen, der einen Eichenkranz in seinen Fängen hielt. Unerschütterlich ›wie die deutsche Eiche‹ und ähnliche Sprüche ließ die NS-Propaganda ab 1933 in Zeitungen veröffentlichen und über Lautsprecher verkünden. Da griff dann auch der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler zum Spaten und pflanzte Eichen. [...] Im deutschen Volk wurde Hitler nach seiner Ernennung zum Reichskanzler fast schlagartig mit der deutschen Eiche gleichgesetzt. Denn für ihn pflanzten fast alle Städte und Dörfer, Stadt- und Ortsteile ihre ›Hitler-Eichen‹ und manchmal auch Linden. Es müssen Zigtausende gewesen sein, die teils noch stehen und bekannt sind, meistens inzwischen vergessen, wenn sie nicht schon 1945 umgehauen wurden.«

Wolf Stegemann, 20. Januar 2014 auf der Website >www.rothenburg-unterm-hakenkreuz.de


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I N H A L T
Das Denkmal
Für das Vaterland gefallene Helden
Noch mehr Gedenktafeln
»Für uns!«
Die Schmuckelemente der Wände
»Christus« von Thorvaldsen
St. Nicolai in der Röbler Neustadt

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Röbel/Müritz

Landkreis Mecklenburgische Seenplatte

St. Nikolai ist eine gotische Kirche im Stadtkern von Röbel. In einer Seitenkapelle wurde (von der Stadt Röbel finanziert, die Kirche stellte nur den Raum) nach dem 1. Weltkrieg ein »Gedächtnisraum« eingerichtet, der dann aber in späteren Jahren eher als Abstellkammer benutzt wurde. 2006 begann ein Verein von Röbler Bürgern mit der Restaurierung des Raums.


MP Roebel St Nicolai Tuer web           

»Die Gedenkstätten sind ausnahmslos Ausdruck des Bedürfnisses, das Gedenken an den Tod der Soldaten zu sakralisieren, also zu etwas Heiligem zu stilisieren. In Form von Kreuzen, Säulen, Räumen der Stille oder Plastiken wird nicht der Tod, sondern der vorgebliche Sinn dieses Todes dargestellt [...]

Die Sakralisierung schirmt die Gedenkorte auch gegen Widerspruch ab, denn wer würde in einem Raum der Stille oder vor einem Kreuz laut protestieren? Die Ent-Profanisierung beschützt den Tod der Soldaten besonders vor Ansprüchen der Überlebenden. Obwohl diese im Einsatz eine Gruppe bildeten, grenzen die Denkmäler die Toten von den Versehrten ab. Nur wer starb, wird in Inschriften und auf Tafeln geehrt, wer überlebte nicht. [...] Psychische Krankheiten, lebenslange körperliche Schäden, Schwierigkeiten bei der beruflichen Widereingliederung ließen sich mit der Sakralisierung des Gedenkens nicht in Einklang bringen.«

Clemens Tangerding, Für Deutschland gestorben, Beitrag des Deutschlandfunks vom 18.11.2012

 

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Die Wände sind im unteren Bereich mit Sandsteinplatten kunstvoll und aufwändig verkleidet. Sie sind mit Namen und Jahreszahlen (bis 1920) beschriftet und tragen als Schmuckelemente Reliefs eines antiken Soldatenhelms, ein gesenktes Kurzschwert auf einem Strahlenkranz und bronzene Kappen mit je vier brennenden Herzen. Oberhalb der großen Platten zieht sich ein Fries durch den gesamten Raum. Dort sind wiederum Gruppen von insgesamt 143 Namen, getrennt von den Jahreszahlen des 1. Weltkriegs, zu lesen.

MP Robel St.Nicolai Sockel web

In der Mitte des Raums steht ein Steinblock in Form eines Sarkophags, auf dem mit Bronzebuchstaben die Inschrift angebracht ist:

Die Stadt Röbel u die vereinigt Kirchengemeinden v St Marien u St Nicolai ihren im Weltkriege für das Vaterland gefallenen Helden

Darunter sind ein Blumenkorb und rechts und links je ein Füllhorn im Relief herausgearbeitet worden. Rechts und links neben dem Sarkophag liegt je eine Kanonenkugel, davor steht zu den Öffnungszeiten eine brennende Kerze. Auf dem Sarkophag steht jetzt eine segnende Christusfigur nach dem bekannten Entwurf Bertel Thorvaldsen (siehe weiter unten). Auf früheren Fotos kann man sehen, dass die Christusfigur erst vor einigen Jahren wieder dort hinauf gestellt wurde, vorher lagen nur die Kananenkugeln auf dem Sarkophag, die Figur stand auf dem breiten ersten Sockel und davor ein Taufbecken mit Spendenbox. 2006 hat der Verein von Röblern begonnen, den als Abstellkammer benutzten Raum aufzuräumen. Eine Nachbargemeinde erhielt das dort abgestellte Taufbecken, die Christusfigur, die wohl zu ihrem Schutz auf den Boden gestellt worden war, wurde wieder auf den Sarkophag gehoben. Danach begann die Wiederherstellung des Raums unter der Leitung der Diplom-Restauratorin Bettina Strauß, die zuvor schon für den Kirchenraum zuständig gewesen war. Ab 2010 ist der Raum nun wieder in seinem ursprünglichen Zustand zu sehen. Ein Erinnerungsbuch für toten Soldaten des 2. Weltkriegs, alle anderen Röbler, die im Krieg ums Leben gekommen sind und die Röbler, die im benachbarten Kriegsgefangenenlager Stalag IIA auf dem Gelände des Gutes Fünfeichen ermordet worden sind und verschiedene Tafeln zum 1. Weltkrieg aus anderen Kirchen, auch aus der älteren Stadtkirche St. Marien, sind dazu gekommen.

 

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In dem Gewölbebogen auf der linken Seite steht die Aufschrift:

Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßet für seine Freunde. Joh. 15, vers 13.

Hier wird zitiert aus der Abschiedsrede des letzten Abendmahls. Zitat und Figur auf dem Sarkophag zeigen den gewünschten Bezug vom Opfertod Christi zum Kriegstod der Soldaten.

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Für das Vaterland gefallene Helden

»Wenn in den Inschriften explizit erwähnt wird, für was die Soldaten gestorben sind, ist es in den häufigsten Fällen das »Vaterland«. Die Verwendung dieses Begriffes war nach dem Ersten Weltkrieg meist mit einer nationalistischen Haltung verbunden: das deutsche Vaterland, mit dem die eigene Identität untrennbar verknüpft ist, und nur das deutsche Vaterland stellt höchsten Wert dar. Dass dieses ›Vaterland‹ aus dem Streben nach europäischer Vormachtstellung mit im wahrsten Sinne Feuereifer in den Ersten Weltkrieg eingetreten ist, die Soldaten also in Wahrheit für einen Staat starben, der mittels ihrer Hilfe und ohne Rücksicht die eigenen Machtinteressen verfolgte, wird ausgeblendet.«

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

 

»›Gefallenendenkmal‹ verweist auf das Wort ›fallen‹, dem Wörter wie ›hinfallen‹ aber auch ›fällen‹ zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort ›fallen‹ seines Schreckens, im Wort ›fällen‹ verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S.22

 

»Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: ›der Gefallenen‹. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung ›Gefallene‹ eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort ›fallen‹ verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der ›fiel‹, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort ›fallen‹, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.«

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 100

 

»Mit der Bezeichnung ›Held‹ sollte die besondere militärische Leistung des Gefallenen, die letztendlich vor allem in seinem Tod bestand, verbal ausgezeichnet werden. Der Tod der Soldaten belegt nicht ihr militärisches Versagen, sondern zeugt von besonderem Mut und Einsatz. [...] Die Soldaten, die lebend aus dem Krieg wieder heimgekehrt sind, werden in den Inschriften nicht als Helden bezeichnet.«

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, S.89

 

»Keine neue Gedenktafel relativiert den sträflichen Unfug von ›Ehre‹, ›Heldentod‹ und ›Vaterland‹, kein Schaukasten erläutert, dass ein ›heiliger Kampf‹ niemals der für Kolonien, Absatzmärkte, Macht, Einflusssphären oder Rohstoffe sein kann, sondern [...] nur der für Gott und seine Liebesbotschaft, für die Zuneigung zum Nächsten und den Frieden in der Welt; dass also ein christlicher Kampf genau das Gegenteil von dem ist, was damals über Europa gebracht wurde.«

kommunal.blogspot.de / Region Aschaffenburg-Miltenberg

 

»Jede Glorifizierung eines Menschen, der im Krieg getötet worden ist, bedeutet drei Tote im nächsten Krieg.«
Kurt Tucholsky


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Noch mehr Gedenktafeln

Im Gedächnisraum stehen noch diverse andere Gedenktafeln. Diese besonders aufwändig dekorierte aus Holz wollen wir hier noch zeigen:
Das kunstvoll geschnitzte Werk enthält über allem thronend die Kaiserkrone und darunter im Wappen die Aufschrift »Für uns!«, geraffte Vorhänge, jede Menge Kordeln und Quasten, Fahnen mit speerartigen Stangen, Lorbeerzweige usw.

Auf der Schriftplatte stehen 48 Namen von getöteten Soldaten geordnet nach Sterbejahr im 1. Weltkrieg, dahintergesetzt ist jeweils der abgekürzte Herkunftsort und der Sterbetag.

MP Roebel St Nicolai Tafelganz web          

MP Robel St.Nicolai Tafel web

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»Für Uns!«

Fern im Osten gähnt ein Grab

Fern, fern im Osten, da gähnt ein Grab
da senkt man zu tausend die Toten hinab
für uns!

Im Westen, da ragt manch Kreuz schlicht und klein
da liegen sie stumm in langen Reih’n
für uns

Und wo im Winde rauschet das Meer
da gaben sie freudig ihr Leben her
für uns

Sie opferten Zukunft und Jugendglück
sie kehren nie wieder zur Heimat zurück
für uns

Sie gaben ihr Alles, ihr Leben, ihr Blut
sie gaben es hin mit heiligem Mut
für uns

Und wir? wir können nur weinen und beten
für sie, die da liegen bleich, blutig, zertreten
für uns

Denn es gibt kein Wort, für das Opfer zu danken
und es gibt keinen Dank für sie, die da sanken
für uns

Neue Kriegslieder für den Schulgebrauch, Breslau 1916 , herausgegeben von Kreisschulinspektor Dr. J. Radtke. Bei einer Schulfeier für den im Osten gefallenen Lehrer eines Charlottenburger Gymnasiums wurde dieses Gedicht 1915 erstmals vorgetragen. Der Obertertianer Reinhold Samuelsohn hat es verfasst.


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Die Schmuckelemente der wände

MP Robel St.Nicolai Helm web

• Antiker Soldatenhelm

»Die neuen Methoden der Artilleriekampfes im 1. Weltkrieg erforderten einen verbesserten Kopfschutz für die Soldaten. [...] Die ersten 30 000 Helme wurden im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert.

Die Vorstellung von der stählernen Schutzwirkung wurde fortan auf Postkarten, Kriegsanleiheplakaten, Schmuckblättern usw. propagandistisch ausgeschlachtet und symbolisch überhöht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde dieser Symbolwert noch gesteigert.

Der Historiker Jürgen Kraus macht drei vorherrschende semantische Felder aus, die dem Stahlhelm in diesem propagandistischen Zusammenhang [...] zugeordnet werden können. Zum einen hoben die Kriegsanleiheplakate den einzelnen Soldaten aus dem »massenhaften Elend der Materialschlachten« heraus, der nun »gleichermaßen geschützt wie heroisiert durch den neuen Stahlhelm siegessicher als Heldenfigur auf den Plakaten erschien.« [...]

Ein zweites semantisches Feld ergab sich besonders in der zweiten Kriegshälfte aus »der Vorstellung der ›stählernen‹ Schutzwirkung des Stahlhelms«, die nahe legte, daß der so behelmte Soldat an der Front imstande war, dem permanenten Beschuß durch den übermächtigen Feind, dem ›Stahlgewitter‹, standzuhalten und damit ein Vorbild für den Durchhaltewillen an der Front und auch in der Heimat zu sein.

Das dritte semantische Feld folgt laut Kraus schließlich aus der großen formalen Ähnlichkeit des neuen Stahlhelms mit typischen Helmformen des Mittelalters. [...] Indem der Träger des Stahlhelms so in die Nähe der historischen Gestalt des Ritters »als Repräsentant des deutschen Heeres« gerückt wurde, was auf zahlreichen Plakaten der Zeit in vielfältiger Weise geschah, konnte er als überzeitlicher »Kämpfer für Deutschland« stilisiert werden, der »ganz wie seine Vorkämpfer über die Jahrhunderte hinweg Unheil von Deutschland abzuwehren bestimmt war.«

Aus Kriegsvolkskunde, Gottfried Korff (Hg.), Tübinger Vereinigung für Volkskunde e.V., 2005, S.130f

 

MP Robel St.Nicolai Schwert web

• Gesenktes Bajonett im Strahlenkranz

 

MP Robel St.Nicolai Herzen web

• Bronzekappe, bestehend aus der Darstellung eines undifferenziert gestalteten Militärordens mit vier brennenden Herzen in den Zwischenräumen.


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»christus« von Thorvaldsen

»Christus« ist eine klassizistische Statue von Bertel Thorvaldsen (1770–1844). Die Statue aus Carrara-Marmor stellt den auferstandenen Jesus Christus dar. Seit ihrer Fertigstellung 1838 steht sie in der Frauenkirche, der Domkirche des Bistums Kopenhagen, in Dänemark. Im Lauf des 19. Jahrhunderts wurde sie in ganz Europa populär und vielfach kopiert.

MP Roebel Thorvaldsen Christus Kopenhagen web
Foto: Ib Rasmussen / Wikimedia Commons


Die Originalstatue im Dom von Kopenhagen ist 3,20 Meter hoch

Die Kopenhagener Domkirche war zusammen mit großen Teilen der Stadt beim Bombardement Kopenhagens 1807 zerstört worden. Der klassizistische Neubau wurde 1817 begonnen und war 1829 vollendet. Thorvaldsen wurde beauftragt, für den neuen Dom Statuen von Jesus und den Aposteln anzufertigen. Die Statue von Jesus wurde 1821 fertig. Der Habitus erinnert an Darstellungen der Schutzmantelmadonna. Der Gestus ist der des zum Himmel auffahrenden Christus, der die zurückbleibenden Jünger mit ihnen zugewandten Händen segnet. Diese Darstellung erlangte im 19. Jahrhundert in ganz Europa Berühmtheit. 1896 bezeichnete ein amerikanischer Schriftsteller sie als die »perfekteste Statue von Christus in der Welt«.

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts kam die Figur in kirchlichen Kreisen in Mode. Viele Pfarrer hatten damals kleine Repliken in ihren Amtszimmern stehen. Die Figur war auch als Grabdenkmal beliebt. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage benutzt das Bild des Christus auf seiner Homepage und in anderen offiziellen Publikationen.

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Foto: Wikimedia Commons


Das Motiv wurde auch für das australische Werbeposter von David Henry Souter (1862–1935) zur Rekrutierung von Krankenschwestern für den Einsatz im 1. Weltkrieg verwendet.

nach Wikipedia, abgerufen am 21. September 2020


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St. Nicolai in der Röbler Neustadt

 

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                  Foto: Christian Pagenkopf/Wikimedia Commons

Die Kirche wurde zwischen 1270 und 1290 geweiht, im 19. Jahrhundert wurde sie umfassend restauriert. Ausbau und Renovierung von St. Nicolai sind stets 20-40 Jahre nach der Marienkirche in der Altstadt erfolgt, in allem jedoch repräsentativer, wie es dem Selbstverständnis der Bürger in der Neustadt entsprach. So auch der massige Turm, der zur Zeit der Raubritterkriege im 15. Jahrhundert nicht zuletzt auch als Wehr- und Wachturm erbaut wurde. Die im Jahr 2000 freigelegten Wandmalereien wurden dokumentiert und dann wieder mit weißer Farbe übertüncht.

 

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Das vierstufige Südportal erhält – wie beim Höhendrang der gotischen Architektur üblich – durch eine giebelartige Bekrönung, einen sogenannten Wimperg, durch Strebepfeiler und Türmchen, ein zum Himmel strebendes Aussehen.

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