TRADITIONEN WERDEN GEPFLEGT

Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein

»Die Auseinandersetzung mit den Denkmälern gehört zu unserer Erinnerungskultur. Dabei wird sichtbar, dass wir auch als Kirche lernen, die eigenen Verstrickungen in die Geschichte von Krieg und Gewalt kritisch zu beleuchten. Die Erinnerung ist notwendig, um in der Gegenwart Versöhnung zu leben und auch in Zukunft dem Frieden zu dienen.

Unter dem Motto: ›Erinnern – Erkennen – Gestalten‹ greift die Evangelische Akademie Hamburg einen Appell der Synode der Nordkirche auf, sich kritisch mit den vielen hundert Ehrenmalen im Lande auseinanderzusetzen.

Gerade die vielen öffentlichen Ehrenmäler zum ersten Weltkrieg zeigen den damals prägenden Einfluss nationalistischer und auch nationalsozialistischer Ideologie. Ehrenmale zum Zweiten Weltkrieg stehen nicht selten noch unter dem Einfluss der Formensprache jener Zeit.«

Gothard Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein


Die in den Dörfern und Städten Schleswig-Holsteins zahlreichen Kriegerdenkmäler sind oft im Zentrum des Ortes aufgebaut oder in eigene Grünanlagen integriert. Die häufig zu findenden Namenstafeln getöteter Soldaten, die der persönlichen Erinnerung dienen sollen, sind gleichwohl mit den verbreiteten Deutungen versehen: Verehrung der Soldaten als Helden, Verklärung ihres Todes als Opfer für König und Vaterland und Legitimation des Krieges bestimmen diese Denkmäler. Aufrufe zum Frieden und gegen Krieg finden sich eher selten. Soweit bekannt, werden diese Kriegerdenkmäler fast überall am Volkstrauertag für die traditionellen Rituale des Gedenkens genutzt. Einige sind weitgehend unbeachtet, zum Beispiel der überlebensgroße »Held« in Eckernförde und selbst Einheimischen nicht immer bekannt.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

Ein Klick auf den schwarzen Balken am Anfang der Denkmaldokumentation von

Ahrensburg   Bünningstedt   Hoisbüttel

öffnet die Berichte über die temporäre Kunstaktion der Evangelischen Akademie in Zusammenarbeit mit dem KunstHaus am Schüberg im Sommer 2014: »Kriegerdenkmäler – Stumme Zeugen ins Gespräch bringen«.

Fotos: Marlise Appel, Evangelische Akademie der Nordkirche, wenn nicht anders angegeben.

 


I N H A L T
Das Denkmal
Die Informationstafel
Die Geschichte
Historische Postkarten
Graf Waldersee
Freiherr von Fritsch

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Itzehoe, Kreis Steinburg

Der Soldat neben der St. Laurentii-Kirche, vorm Haus der Propstei

Im August 1925 wurde das Kriegerdenkmal aufgestellt – auf einem damals freien Platz neben der St. Laurentii-Kirche. Ein sich nach unten verjüngender Sockel aus hellem Stein wurde mit einer breiten quadratischen Steinplatte belegt. Sie zeigt auf einem umlaufenden Relief vier Szenen mit Soldaten im Krieg. Oben steht ein Soldat mit Helm und Mantel, in der Hand einen großen Eichenzweig, den linken Fuß auf eine Erhöhung gestellt, die wie ein Geschütz aussieht.

Die nur noch schwer zu entziffernde Inschrift auf dem Sockel lautet:

Den Gefallenen des Feldartillerieregiments Graf Waldersee (Schl.) No. 9 des Reservefeldartillerieregiments und deren Kriegsformationen 1914-1918

Das Denkmal ist später durch zwei Gedenksteine ergänzt worden, die Reliefs aus Kupfer von Alfred Graf Waldersee und vom Freiherrn Werner von Fritsch zeigen. Sie wurden am 5. Juni 1955 enthüllt. Weitere Informationen können Sie weiter unten lesen.


SH Itzehoe Soldat

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Die Informationstafel

Der Heimatverbandes für den Kreis Steinburg hat vor dem Denkmal eine Tafel aufgestellt:

Das »Neunerdenkmal« ist ein Ehren- und Mahnmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen 378 Soldaten des Feldartillerieregiments 9.

Es wurde 1925 mit Spenden aus der Bevölkerung errichtet – ein Zeichen Ihrer Verbundenheit mit den »Neunern«, dem Traditionsregiment der Itzehoer Garnison seit 1889, in dem viele Freiwillige der Stadt und aus dem Umland gedient hatten.

Ausgeführt wurde das Denkmal vom Itzehoer Steinmetzbetrieb F. Kolbe nach dem Entwurf des Bildhauers Hans Jenkel, Berlin.
Der Platz, auf dem das Denkmal steht, gehörte seit dem 12. Jahrhundert bis 1762 zum ersten Friedhof der Kirchengemeinde.
Die später an seinen Seiten hinzugefügten Gedenksteine erinnern an hochrangige Heerführer, beide ehemals Regimentschefs der Itzehoer Artilleristen.

SH Itzehoe mit Tafel

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Die Geschichte

Das »Neuner-Denkmal« steht in der Kirchenstraße vor dem Propstenhaus. Es wurde am 2. August 1925 enthüllt.

Gestiftet wurde es vom Neunerbund Hamburg-Itzehoe, der Kameradschaftsvereinigung des Regiments Generalfeldmarschall Graf Waldersee (schlesw.) Nr. 9, der die Mittel über Spenden aufbrachte. Es soll an das Regiment, seinen Kriegsruhm und seine Gefallenen im Ersten Weltkrieg erinnern. 374 Soldaten der Itzehoer Teile des Regiments waren gefallen. Nach einer Aufstellung im Heimatbuch des Kreises Steinburg, Bd. 3 sind insgesamt 790 Soldaten aus der Stadt und der Gemeinde Klosterhof Itzehoe im 1. Weltkrieg getötet worden.

Der Entwurf des Denkmals stammt von Hans Jenekell [auf der Informationstafel des Heimatverbandes für den Kreis Steinburg steht »Hans Jenkel«], Berlin-Friedenau. Durch die Inflation bedingt konnte der Neuner-Bund die Mittel für die Bauausführung des Denkmals durch den Künstler nicht aufbringen. Die Itzehoer Firma F. Kolbe übernahm dies zu einem wesentlich niedrigeren Preis, wobei Prof. Oehler aus Hamburg die bildhauerischen Arbeiten übertragen bekam.

SH Itzehoe Errichtung web

Die Inschrift auf dem Sockel lautet:

Den Gefallenen des Feldartillerieregiments Graf Waldersee (Schl.) No.9
Des Reservefeldartillerieregiments und deren Kriegsformationen 1914-1918.

Das Regiment hatte 1889 die städtischen Kasernen in der Moltkestraße bezogen, später auch das sog. Fiskalische Kasernement an der Oelixdorfer Straße. Anfänglich hieß es Schleswigsches Feldartillerie-Regiment Nr. 9 und wurde 1901 nach ihrem Chef in Regiment Generalfeldmarschall Graf Waldersee (schleswigsches) Nr. 9 umbenannt.

Das Denkmal wurde von zwei Seiten kritisiert. Zum einen stand die Stadt dem Projekt des Neuner-Bundes ablehnend gegenüber. Die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung befürchtete in dem Denkmal ein monarchisches Symbol und beschloss, sich nicht an der Finanzierung zu beteiligen. Nachdem das Denkmal aber von der Bevölkerung zum großen Teil begeistert akzeptiert wurde, hielt auch der Bürgermeister Rohde bei der Einweihung eine Festrede. Dass die Bedenken nicht unberechtigt waren, zeigt sich darin, daß viele Itzehoer bei der großangelegten zweitägigen Einweihungsfeier die schwarz-weiß-rote Fahne des Kaiserreichs hissten. Zum anderen stießen sich viele an der modernen Form des Denkmals. Sowohl am Sockel, der nach oben breiter wird und den Block mit dem Relief »emporhebt«, als auch an der Soldatenfigur, die die »Ruhe und Kraft« eines Soldaten auf Posten ausdrücken soll, schieden sich die Geister. Das Relief des Steinblocks, auf dem der Soldat steht, zeigt auf der einen Seite Kampfdarstellungen und auf der Gegenseite die »Todesruhe der zusammengeschossenen Batterie« (nach den Äußerungen des Bildhauers).

SH Itzehoe Einweihung web


                SH Itzehoe Kranz web
                 Fotos: Gemeinsames Archiv des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe

                 Im Juni 1952 in der Kirchenstraße

 

• Text zum Neuner-Denkmal aus dem Band »Itzehoe – genauer hingesehen: Wege durch die Stadt«. Herausgegeben vom Arbeitskreis Itzehoer Geschichte und dem Gemeinsamen Archiv des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe, 2000.

Wir danken Kirsten Puymann und Andrea Hahn für die historischen Fotos (Archiv des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe).

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Historische Postkarten

SH Itzehoe Postkarte 1939 web

                   SH Itzehoe Postkarte alt

● So frei stand das Kriegerdenkmal in seinen ersten Jahren

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SH Itzehoe Postkarte

 

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● Ein gutes Motiv für Grüße aus Itzehoe?

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Graf Waldersee

Von links guckt Graf Waldersee auf den Soldaten. Der Stein mit dem Relief aus Kupfer seiner Büste hat die Inschrift:

Dem Regimentschef (1896 - 1904)
Generalfeldmarschall Graf Waldersee
zum Andenken gewidmet
vom Neunerbund Hamburg-Itzehoe

Das Relief wurde gestaltet von H. Klugt (14. Dezember 1879 - 15. Mai 1939) aus Hamburg.

SH Itzehoe links Waldersee web


Der Stein wurde am 5. Juni 1955 enthüllt.


SH Itzehoe Einweihung Waldersee web


»Generalfeldmarschall Alfred Graf von Waldersee war sechs Jahre lang Chef des Schleswigschen Feldartillerie-Regiments Nr. 9, das ab 1889 in Itzehoe stationiert war. Nach dem Ausbruch des sog. Boxeraufstandes in China im Mai 1900 wurde er Oberbefehlshaber der internationalen Armee bzw. des Expeditionskorps, die ihn niederwerfen sollten. Dem Boxeraufstand fielen viele Europäer zum Opfer, unter ihnen der Deutsche Gesandte. Boxeraufstand ist die ironische Bezeichnung der europäischen Mächte für den I-ho-ch’üan-Aufstand. Die chinesische Bewegung machte die Fremden, d.h. die Vertreter der europäischen Mächte, der USA, Rußlands und Japans für das um sich greifende Elend verantwortlich. Die Staaten hatten sich im Rahmen ihrer Kolonialpolitik in China festgesetzt. Als am stärksten gekränkte Nation übernahm Deutschland die Führung einer internationalen Truppe, um die Ordnung wiederherzustellen. Als Graf von Waldersee eintraf, war der Aufstand weitgehend niedergeworfen, und er führte nur noch blutige Strafexpeditionen durch. [...] Bei seiner Rückkehr im Jahr 1902 wurde Graf von Waldersee zum Ehrenbürger der Stadt Itzehoe ernannt. Beim Offizierskasino in der Kaiserstraße wurde ihm zu Ehren ein Gedenkstein aufgestellt. Dieser Stein wurde 1955 zum Gedenkstein am Neuner-Denkmal umgestaltet.«

zitiert aus »Itzehoe – Genauer hingesehen II«, Wege durch die Stadt. Herausgegeben vom Arbeitskreis Itzehoer Geschichte und dem Gemeinsamen Archiv des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe, 2005.

Wir danken Birgit Struck für die Bereitstellung der Publikation.

Itzehoe – Genauer hingesehen II, S. 107 - 109

 
Alfred Heinrich Karl Ludwig Graf von Waldersee, geboren am 8. April 1832 in Potsdam, gestorben am 5. März 1904 in Hannover, war ein preußischer Generalfeldmarschall. Er war von 1888 bis 1891 Chef des Großen Generalstabs und um 1900 Oberbefehlshaber eines multinationalen Truppenkontingents, das zur Niederschlagung des chinesischen »Boxeraufstands« nach Peking entsandt worden war.

Unter dem westlichen Bezeichnung »Boxeraufstand« (chinesisch: Bewegung der Verbände für Gerechtigkeit und Harmonie) versteht man eine chinesische Bewegung gegen den europäischen, US-amerikanischen und japanischen Imperialismus.

In der Folge stellten sechs europäische Staaten sowie die USA und Japan ein Expeditionskorps für eine Intervention in China zusammen. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. hatte unverzüglich auf den Vorschlag einer gemeinsamen Militäraktion europäischer Staaten reagiert, weil sich in diesem Rahmen die verstärkte Rolle des Deutschen Reiches in der Weltpolitik demonstrieren ließ. Zu seiner Genugtuung konnte er erreichen, dass dem ehemaligen deutschen Generalstabschef Feldmarschall Alfred Graf von Waldersee der Oberbefehl über dieses gemeinsame Expeditionsheer übertragen wurde. Bei der Verabschiedung eines Teils der deutschen Truppen am 27. Juli in Bremerhaven hielt Wilhelm II. seine berüchtigte Hunnenrede:

»Eine große Aufgabe harrt eurer: ihr sollt das schwere Unrecht, das geschehen ist, sühnen. Die Chinesen haben das Völkerrecht umgeworfen, sie haben in einer in der Weltgeschichte nicht erhörten Weise der Heiligkeit des Gesandten, den Pflichten des Gastrechts Hohn gesprochen. Es ist das um so empörender, als dies Verbrechen begangen worden ist von einer Nation, die auf ihre alte Kultur stolz ist. Bewährt die alte preußische Tüchtigkeit, zeigt euch als Christen im freudigen Ertragen von Leiden, mögen Ehre und Ruhm euren Fahnen und Waffen folgen, gebt an Manneszucht und Disziplin aller Welt ein Beispiel […] Kommt ihr vor den Feind, so wird er geschlagen. Pardon wird nicht gegeben, Gefangene nicht gemacht. Wer euch in die Hände fällt, sei in eurer Hand. Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in der Überlieferung gewaltig erscheinen läßt, so möge der Name Deutschlands in China in einer solchen Weise bekannt werden, daß niemals wieder ein Chinese es wagt, etwa einen Deutschen auch nur scheel anzusehen!«

nach Wikipedia, abgerufen am 7. Januar 2018

     SH Itzehoe Waldersee web

• Teil einer im Jahr 1901 mit der chinesischen Kaiserlichen Post in die Schweiz verschickten Postkarte.

Hauke Neddermann hat für »freedom roads! – postkoloniale Erinnerungskultur« eine Charakterisierung von Graf Waldersee geschrieben:

Waldersee

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Freiherr von Fritsch

Von rechts guckt Freiherr von Fritsch auf den Soldaten. Der Stein mit dem Relief aus Kupfer seiner Büste hat die Inschrift:

Generaloberst Freiherr v. Fritsch
Oberbefehlshaber des Heeres
KDR. 2. (Preuss) Artl. Rgt
Chef Artl. Rgt. 12

Auch dieser Gedenkstein wurde vom Neunerbund Hamburg-Itzehoe gestiftet. Der Entwurf stammt von Inge Blankenstein aus Itzehoe.

SH Itzehoe rechts Fritsch web

Thomas Ludwig Werner Freiherr von Fritsch, geboren am 4. August 1880 in Benrath, gestorben am 22. September 1939 bei Praga, Warschau, war ein deutscher Offizier, zuletzt Generaloberst sowie von 1936 bis zu seinem Sturz 1938 Oberbefehlshaber des Heeres.

Von April 1913 bis März 1914 gehörte er der Kriegsgeschichtlichen Abteilung II des Großen Generalstabes an, welche die Kriege Friedrichs des Großen bearbeitete, bevor er in die Aufmarsch-Abteilung versetzt wurde und somit an der deutschen Mobilmachung im August 1914 beteiligt war. Im 1. Weltkrieg diente Fritsch als Generalstabsoffizier in verschiedenen Funktionen.

Nach dem Regierungsantritt Hitlers wurde Fritsch von Hindenburg im Januar 1934 zum Chef der Heeresleitung ernannt. Im Juni 1935 wurde er Oberbefehlshaber des Heeres mit Beförderung zum Generaloberst am 20. April 1936. Er galt als Vertreter des alten, preußischen Konservatismus, was ihn in Konflikt mit Kriegsminister Werner von Blomberg und der SS brachte.

SH Itzehoe von Fritsch web
Foto: Bundesarchiv

• Werner von Fritsch (Mitte) mit Werner von Blomberg (links) und Erich Raeder (rechts) im Jahre 1936.

Im Zuge der Blomberg-Fritsch-Affäre wurde Fritsch der Homosexualität bezichtigt und von seinem Posten als Oberbefehlshaber des Heeres entfernt. Es kam zu einem Prozess, in dem Fritsch am 18. März 1938 wegen erwiesener Unschuld von den Anschuldigungen freigesprochen und rehabilitiert wurde.

Am 11. August 1938 wurden Fritsch förmlich seine Rehabilitierung sowie seine Ernennung zum Chef seines alten Artillerieregiments 12 in Schwerin (Mecklenburg) bekanntgegeben.

Am 11. Dezember 1938 – also nach der Reichspogromnacht – schrieb Fritsch an Baronin Schutzbar:

»Bald nach dem Krieg kam ich zur Ansicht, daß drei Schlachten siegreich zu schlagen seien, wenn Deutschland wieder mächtig werden sollte: 1. die Schlacht gegen die Arbeiterschaft, sie hat Hitler siegreich geschlagen; 2. gegen die katholische Kirche, besser gesagt den Ultramontanismus, und 3. gegen die Juden. In diesen Kämpfen stehen wir noch mitten drin. Und der Kampf gegen die Juden ist der schwerste.«

Einen Monat vor Beginn des Zweiten Weltkrieges erklärte Fritsch: »Der Endsieg ist eben nur möglich, wie der Führer betont hat, wenn das ganze Volk innerlich einig ist und fest dasteht, bereit alles einzusetzen.«

Er begleitete als Chef sein Artillerieregiment 12 im Polenfeldzug und fiel am 22. September 1939 bei Praga, einer Vorstadt von Warschau.

nach Wikipedia, abgerufen am 7. Januar 2018

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I N H A L T
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Das Denkmal
Tote Soldaten des 2. Weltkriegs
Die jüdische Familie Eichwald
Der Bildhauer Heinrich Missfeldt

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Kappeln, Kreis Schleswig-Flensburg

Auf dem kirchlichen Friedhof von St. Nikolai

Das Kriegerdenkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs liegt perfekt in der zentralen Sichtachse des Kappeler Friedhofs.

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Es wurde erbaut nach einem Entwurf des Bildhauers Heinrich Missfeldt (1872 - 1945). Er zeichnet für diverse Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein verantwortlich, das in Bad Bramstedt ist dem Kappeler am ähnlichsten. Sie können es auch auf dieser Website kennenlernen.

 

SH Kappeln ganz web


Das etwa drei Meter hohe Denkmal besteht aus einem sarkophagähnlichen Sockel aus Sandstein, am Fuß ist er vierstufig gestaltet. Auf der Deckplatte kniet eine trauernde Frau, die rechte Hand ans Herz gedrückt, in der linken Hand einen Eichenlaubkranz haltend. Missfeldt hat sie dem Erscheinungsbild der Gottesmutter Maria nachempfunden. Vor ihr liegen Kriegsgerätschaften.

 

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Auf der Mitte der Frontplatte steht die Widmungsinschrift und unter einer Linie der Sinnspruch, umgeben von zwei Lorbeerzweigen, die den ehrenden Spruch verstärken sollen.

Ihren im Weltkriege 1914-18
gefallenen Söhnen in Dankbarkeit
die Kirchengemeinde Kappeln

Vaterland, für dich sterben
heißt im Andenken der Menschen
ewig leben.

In dieser Inschrift steht nicht die Trauer im Vordergrund, vielmehr wird der Tod im Krieg in einen Zusammenhang gestellt, der ihn zu einem nicht zu hinterfragenden Opfer macht. Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Helden, als Brüder, als Söhne und in der Steigerung als Heldensöhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

 

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SH Kappeln Detail web


Vor der Trauernden und dem ehrenden Eichenlaubkranz liegen Stahlhelm, ein Kurzschwert und ein Koppel, auf dessen Schloß das Relief nicht mehr zu erkennen ist. Die übliche Zier wäre ein Reichsadler und die Aussage »Gott mit uns«.

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An allen Seiten ist die Skulptur detailreich ausgearbeitet.

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Auf acht Sandsteintafeln an den vier Seiten des Sarkophags sind 139 Namen von getöteten Soldaten graviert und in vitriolrot (ochsenblutrot) ausgemalt. Genannt werden das Initial des Vornamens, der Nachname, Geburts- und Sterbedatum, wobei letzteres nicht immer bekannt war. Auf der Südseite sind aufgeführt die Toten aus Mehlby und Kappeln; im Osten aus Kappeln, Stutebüll und Roest; im Norden aus Kappeln und im Westen aus Grimsnis, Rabel, Mehlby und Buckhagen.

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Auf der angrenzenden Rasenfläche befinden sich 51 Kriegsgräber aus beiden Weltkriegen, teils mit Kreuzen, teils mit Bronzetafeln gekennzeichnet.

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tote Soldaten des 2. Weltkriegs

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Erinnerungstafel für eine Gruppe von 13 Soldaten, die am 7. Mai 1945 getötet wurden – einen Tag vor der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht.

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Diese Bodenplatte aus Metall ist den getöteten Soldaten des 2. Weltkriegs gewidmet. Die 433 Namen, in zwei Spalten gesetzt, sind nach Sterbejahren geordnet, etwa ein Viertel der Sodaten ist als »VERMISST« angegeben. Oben und unten läuft das Spruchband:

Alle die gefallen in Meer und Land
sind gefallen in deine Hand.
Gib uns das Leben durch deinen Sohn
uns und den Toten vor deinem Thron.

Diese Anrufung Gottes ist einem Gedicht von Siegfried Goes entnommen, der auch als Soldat im 2. Weltkrieg getötet wurde:

All’, die gefallen in Meer und Land,
sind gefallen in deine Hand;
alle, die kämpfen im weiten Feld,
sind auf deine Gnade gestellt;
alle, die weinen in dunkler Nacht
sind von deiner Güte bewacht.
Gib uns Augen, daß wir es sehn,
wie deine Hände mit uns gehn;
gib uns Herzen, die deine Gnad
gläubig ergreifen früh und spat;
gib uns das Leben durch deinen Sohn,
uns und den Toten vor deinem Thron.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. gibt auf seiner Website die Dienstgrade der getöteten Soldaten an, soweit sie bekannt sind. Dort sind für die 433 Namen auf dieser Platte alle möglichen Dienstgrade aufgeführt: vom Rottenführer bis zum Feldwebel.

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Die jüdische Familie Eichwald

1989 haben sich die Lehrerin der Gorch-Fock-Schule, Elisabeth Andresen, und ihre 9. Hauptschulklasse mit dem Schicksal der Familie Eichwald beschäftigt und eine Gedenktafel auf dem Friedhof angeregt, für die sie auch den Text formuliert haben. Die Schrifttype und den Platz auf dem Friedhof hat der Kirchenvorstand der St. Nikolai-Kirche bestimmt.

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Direkt neben der Platte für die Soldaten der Deutschen Wehrmacht, die unmittelbar und mittelbar am Massenmord an den Juden in Europa beteiligt war, liegt die Erinnerungstafel für die jüdische Familie Eichwald aus Kappeln, die Opfer des Nazi-Terrors wurde.

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Am 20. August 2004 hielt der Journalist Bernd Philipsen folgende Rede bei der Verlegung der Stolpersteine für die Familie Eichwald durch den Kölner Künstler Gunter Demnig:

Sieben Stolpersteine in Kappeln

Wer jemals in Auschwitz oder in einer anderen ehemaligen Todesfabrik Hitler-Deutschlands war, ist sprachlos angesichts der Monstrosität des Grauens, die jedes Vorstellungsvermögen sprengt. Dass aber hinter den endlos langen Zahlenkolonnen individuelle Lebensgeschichten und Schicksale stehen, wird einem erst dann richtig bewusst, wenn – wie heute hier – deutlich wird: es waren Nachbarn, Kollegen, Mitschüler, die zunehmend ausgegrenzt, dann verfolgt und schließlich umgebracht wurden.

Wie die Eichwalds in Kappeln. Sie waren – und ich benutze dieses Wort bewusst – echte Mitbürger, also Bürger, die mitmachen, sich einbrachten in das Kappelner Stadtleben, bürgerschaftliches Engagement übernahmen. »Ich war ein Kappelner Jung«, sagte – gewissermaßen stellvertretend für die gesamte Familie – einst Johnny Blunt, der als John Eichwald in Kappeln geboren wurde und hier seine Kindheit verbrachte.

Seit drei Generationen war die Familie Eichwald in Kappeln zu Hause. Sie besaß seit 1895 ein Textil- und Schuhwarengeschäft, später kam ein Tabakwarenladen hinzu.

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• Der Tabakladen der Familie Eichwald in der Mühlenstraße 36

Für Richard und Arthur Eichwald war es selbstverständlich, 1914 für Deutschland und den Kaiser in den Krieg zu ziehen. Sie bemühten sich um das Wohl der Stadt und ihrer Bürger, zum Beispiel durch ihren Einsatz bei der Freiwilligen Feuerwehr. Oder durch ihre Mitwirkung in einer Guttemplerloge. Doch die Integration war trügerisch. Am 1. April 1933, schon kurz nach dem Machtantritt Hitlers, wurde ihr Geschäft von SA-Angehörigen boykottiert. Es sollte noch schlimmer kommen: in der Nacht zum 10. November 1938, dem so genannten Novemberpogrom, wurde die Familie Eichwald überfallen und verhaftet. In den Wohnungen kam es zu Plünderungen und Verwüstungen.

Hätten die Eltern keine Vorahnung gehabt, was noch weiter an Grausamkeiten auf jüdische Familien zukommen würde, dann hätten wir hier heute drei weitere Steine zu setzen gehabt. Die Jungs John, Kurt und Erik wurden noch 1938 mit Hilfe des Kindertransports nach England in Sicherheit gebracht. Dort überlebten sie die NS-Zeit.

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• Die Brüder Eichwald vor dem Tabakladen: John, der älteste der drei Eichwald-Söhne, war beim Kindertransport nach England 15, Erik war zwölf und Kurt erst zehn Jahre alt

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Foto: Jüdisches Museum Rendsburg

• Schülerausweis von John Eichwald, ausgestellt von der Talmud-Tora-Schule in Hamburg 1938


Eltern, Großeltern und weitere Familienmitglieder der Eichwalds wurden deportiert und umgebracht:

- Senior Alfred Eichwald und seine Frau Emma wurden in Minsk ermordet
- ihre Söhne Arthur und Richard Eichwald in Neuengamme bzw. Minsk
- deren Ehefrauen Emilie Eichwald und Selly Eichwald in Minsk
- die Tochter von Alfred und Emma Eichwald, Jeanette Simenauer, ebenfalls in Minsk.

Damit war die gesamte in Deutschland verbliebene Familie Eichwald aus Kappeln ausgelöscht.

»Ob der alte Gott noch lebte? Manchmal könnte man daran verzweifeln«, schrieb Emma Eichwald 1941 angesichts der Deportationen in den Osten an Kappelner Freunde. In einem späteren Schreiben von Emma Eichwald nach Kappeln heißt es: »Wir wollen Deutschland nicht verlassen, ohne Ihnen noch Lebewohl zu sagen. Wir wurden [von Hamburg aus] evakuiert. [...] Wir werden uns wohl in diesem Leben nicht wiedersehen.«

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• Am 21. April 1939 wurde der Hausstand der Eichwalds öffentlich versteigert.


Selbst im Tod wurden sie gedemütigt, indem ihr Name durch eine Nummer ersetzt wurde. Sie erhielten kein eigenes Grab und keinen Stein, auf dem ihr Name steht. Von heute an erinnern wenigstens kleine Steine an das Schicksal einer Kappelner Familie.

Es ist zugleich das Vermächtnis von John Eichwald, der als britischer Staatsbürger Johnny Blunt 1988 Kappeln besuchte und sich gegen ein Vergessen und Verdrängen dieses dunklen Kapitels deutscher Gesichte wandte: »Vergessen? Nein, das darf nie vergessen werden!« Insofern sind die kleinen Steine auch Stolpersteine der Lokalgeschichte.

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Foto: Herbstwald / Wikimedia Commons


• Im Spätherbst 2007 wurde auf Initiative von Dietrich Weißmann, Lehrer an der Christopherus-Schule in Kappeln, und drei seiner Schüler der ehemalige »Arnisser Platz« in »Eichwaldplatz« umbenannt. Die Schüler hatten eine Projektarbeit über die Familie Eichwald geschrieben und den Antrag auf Umbenennung gestellt.

• Ein halbes Jahr haben sechs Schülerinnen und Schüler des 12. und 13. Jahrganges der Klaus-Harms-Schule und zwei Lehrer an der multimedialen Aufbereitung der jüdischen Vergangenheit von Kappeln gearbeitet. Wir verdanken ihnen die Bilder zur Familie Eichwald. Lesen Sie hier den Bericht, der 2006 auch in Nr. 47 der Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte (»AKENS«) erschienen ist:

Ein Kappeler Jung

 

• Hier noch der Link zu einem Bericht von Bernd Philipsen, erschienen im Schleiboten am 27. Januar 2009

Schleibote 2009

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Der Bildhauer Heinrich Missfeldt

Am 20. Dezember 1872 wurde er in Suchsdorf bei Kiel geboren, er starb am 27. Oktober 1945 in Torgau. Seine Eltern waren der Ziegeleibesitzer Detlef Missfeldt und Elsabe Sinn. Nach einer Lehre als Holzbildhauer in Kiel ging er zum Studium nach Berlin. Viele Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein wurden in seinem Berliner Atelier entworfen. Zum Beispiel das in Bad Segeberg, Glückstadt, Bad Bramstedt, Bokel (zum Teil abgetragen), Garding, Husum, Kappeln und Kiel.

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1936 entwarf er Reliefbilder vom Kopf Hermann Görings und Adolf Hitlers, 1937 wurden sie in der Lehrgießerei des Lautawerks der Vereinigte Aluminium-Werke AG hergestellt – Sandguss, Aluminium, poliert.


Ebenfalls dokumentiert sind auf dieser Website Missfeldts Kriegerdenkmäler in:

Schleswig-Holstein Bad Bramstedt
Schleswig-Holstein Bad Segeberg

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I N H A L T
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Das Denkmal
Der Stahlhelm
Das Schwert
Volkstrauertag 2018
Historisches Foto und Karten
 Die Kyffhäuser Kameradschaft
Sedankate

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Kasseedorf, Kreis Ostholstein

Am Ortseingang, vor dem Haus »Sedankate« (Bunter Hund)

Auf einer großen Grünfläche steht im hinteren Teil die Denkmalsanlage für die toten Soldaten beider Weltkriege. Sie wurde viele Jahre von Mitgliedern der Kyffhäuserkameradschaft von Kasseedorf betreut, bis 2018 wurde noch die Hecke von ihnen geschnitten. Jetzt hat die Gemeinde die Pflege übernommen.

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Das Grundstück wird hinten begrenzt durch die Stützmauer zum Garten der »Sedankate«, Eutinerstraße 25; an den Seiten durch verschiedene Gehölze; vorne durch eine Buchenhecke auf einer niedrigen Feldsteinmauer. Zwischen zwei Pfosten betritt man durch eine schlichte hölzerne Pforte das Areal.

 

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Inmitten der Wiese geht man über eine gemauerte Feldsteintreppe über drei tiefe, flache Stufen dem Denkmal entgegen. Am Ende dieser Treppe stand ursprünglich das Denkmal zum 1. Weltkrieg, siehe Historisches Foto weiter unten. Laut Hermann Knaack, einem Bewohner der »Sedankate«, wurde es zur Erweiterung nach dem 2. Weltkrieg nach hinten versetzt.

 

SH Kasseedorf Haus Denkmal web


Das Denkmal in der Mitte für die 17 toten und vermissten Soldaten des 1. Weltkriegs wurde am 26. Juni 1921 eingeweiht. Es steht zwischen zwei Säuleneiben, die über die Jahre die doppelte Größe des Denkmals erreicht haben. Der schroffe Findlingsstein steht auf einem gemauerten Sockel, an der rechten, unteren Seite wird er auch durch Felssteine ergänzt. Am Fuß der Eiben wurden runde Feldsteine aufgetürmt.

 

     SH Kasseedorf Tafel web


Auf den Findling ist eine oben geschwungene Bronzetafel gesetzt. Sie ist mit großen Ziernägeln an den herausragenden Ecken befestigt. Die Widmung lautet:

1914    1918
ES LIESSEN IHR LEBEN
FÜR DIE HEIMAT

Kriegerdenkmäler für den »gemeinen Mann« stehen in einer eigenen Tradition, die begann, als im 18. Jahrhundert das stehende Heer das Söldnerheer verdrängte und das stehende Heer sich durch die allgemeine Wehrpflicht – in Preußen 1814 eingeführt – zum Volksheer wandelte. Das Söldnerheer verrichtete ein riskantes aber Profit versprechendes Handwerk. Das Freiwilligen- oder Volksheer griff nicht des Geldes wegen zu den Waffen. Die Vorstellung, das Vaterland [die Heimat] von feindlicher Besetzung zu befreien oder vor feindlichem Zugriff zu schützen, wurde auch in den Kriegen aufrechterhalten und propagiert, wo die Führung den Angriff befahl. Denkmäler tradieren seit ihrem ersten Auftreten die Überzeugung, im Krieg für drei traditionsreiche Werte gekämpft zu haben: »für das Vaterland als höchstem Gut, dem der Einzelne unter Aufbietung aller Kräfte diente, zweitens der Monarchie, der er sich bereitwillig unterordnete und drittens seinem überzeugtem Christentum.« (zitiert nach Lurz, Kriegerdenkmäler in Deutschland, Band 1, S. 260) Ein solches Bewusstsein lässt nicht daran zweifeln, auf der richtigen Seite und für die gute Sache gekämpft zu haben.

zitiert aus Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 78. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006

 

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Die Namen der 17 Soldaten sind in abgerundeter Schrift, oft kunstvoll verschränkt, geschrieben. Hinter einem sechszackigen Stern wird das Geburtsdatum genannt, hinter »gef.«, »verm.« oder »gest.« das Todesdatum, die Monate jeweils in römischen Ziffern. Die Namen sind sind zweispaltig gesetzt, der 17. in der Mitte darunter.

SH Kasseedorf Stahlhelm web


Zwischen den Jahreszahlen ist ein detailreiches Relief eingearbeitet worden: ein Stahlhelm auf einem herorisierenden Strahlenkranz, darunter ein Langmesser mit reichlich Lorbeerzweigen.

 

SH Kasseedorf Schwert web


Schon zwischen der letzten Zeile beginnt der verzierte Knauf eines gesenkten Schwertes im Relief, das sich zwischen den Namensspalten fortsetzt. Weiter unten können Sie mehr über die Bedeutung von Schwertern lesen.

 

SH Kasseedorf Tafel Kranz 1 web


Links und rechts vom Findlingsstein wurde nach dem 2. Weltkrieg eine hohe Feldsteinmauer angefügt, jeweils mit hervorstehendem Abschluss und seitlich angehäuften Findlingssteinen.

In symmetrischer Anordnung stehen jeweils aussen die Jahreszahlen des 2. Weltkriegs, innen sind zwei polierte Tafeln aus rötlichem Granit eingelassen. Auf weißem Schriftband, mit überstehenden Ober- und Unterlängen der Buchstaben, kann man in versetzter Anordnung die Widmungen und Namen lesen. Die Namen der 26 getöteten und 14 vermissten Soldaten sind nach Sterbejahren geordnet.

Oben werden die Tafeln mit einem dreigliedrigen Linienband über Eck verziert.

 

SH Kasseedorf Tafel 2WK 1 web

 

Auf der linken Seite lautet die Widmung:

Die Heimat ehrt Euch
Unsere Gefallenen:

... verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge. [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort. Ralph Giordano rät deshalb, »gefallen« durch »umgebracht« zu ersetzen. [...]

Die Entscheidung für Metaphern deutet darauf hin, dass das Grauen des Kriegstodes vom Denkmal verbannt werden sollte. An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort »Gefallener« (oder »gefallen«) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.

Ebd. S. 22 + 60f.

 

SH Kasseedorf Tafel Kranz web


Die rechte Seite der Mauer mit der aufgesetzten Zahl »1945«, das Jahr des Kriegsendes, der Befreiung vom Nationalsozialismus.

 

SH Kasseedorf Tafel 2WK web


Die Widmung lautet:

Ihr bleibt uns unvergessen

Es folgen die Namen der toten Soldaten aus dem Jahr 1945 und die der Vermissten.

Die Kyffhäuser Kameradschaft von Kasseedorf setzt sich für den Erhalt der Denkmalsanlage ein. 2007 wurde mit Unterstützung eines Steinmetzes die alte Farbe von den Granittafeln entfernt und die Schrift durch Ausmalen mit einem hellen Grauton wieder lesbar gemacht. Auch die verlorengegangenen Jahreszahlen 1939 und 1945 wurden ersetzt.

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Der Stahlhelm

Neben dem militärischen Ehrenzeichen Eisernes Kreuz ist die Darstellung des Stahlhelms das meist gezeigte Symbol auf Kriegerdenkmälern. Wie kam es zu dieser Wirkmacht?

Die neuen Methoden der Artilleriekampfes im 1. Weltkrieg erforderten einen verbesserten Kopfschutz für die Soldaten. Der Lazarettarzt Professor August Bier (nach ihm ist z.B. eine Klinik in Malente benannt) beobachtete höchst gefährliche Granatsplitterverletzungen des Gehirns in erschreckender Häufigkeit und entwickelte darum zusammen mit dem Ingenieur Dr. Friedrich Schwerd den neuen Helm aus Stahl, der die bis dahin getragenen ledernen Pickelhauben ablöste. Die ersten 30 000 Helme wurden im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert.

Die Vorstellung von der stählernen Schutzwirkung wurde fortan auf Postkarten, Kriegsanleiheplakaten, Schmuckblättern usw. propagandistisch ausgeschlachtet und symbolisch überhöht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde dieser Symbolwert noch gesteigert.


     SH Kasseedorf Plakat Stahlhelm web

     Plakat von Ludwig Hohlwein zum 10. Reichsfrontsoldatentag 1929

Der Historiker Jürgen Kraus macht drei vorherrschende semantische Felder aus, die dem Stahlhelm in diesem propagandistischen Zusammenhang schon für die Zeit des Krieges zugeordnet werden können. Zum einen hoben die Kriegsanleiheplakate den einzelnen Soldaten aus dem »massenhaften Elend der Materialschlachten« heraus, der nun »gleichermaßen geschützt wie heroisiert durch den neuen Stahlhelm siegessicher als Heldenfigur auf den Plakaten erschien.« In seiner Funktion als Schutzhelm verwies er auf die Gefahren und den Tod auf dem Schlachtfeld und wurde von daher zum Symbol für die Front schlechthin. Viel stärker als die Pickelhaube, die nun endgültig als Symbol für das Militär abgelöst war, vermochte der Stahlhelm den veränderten Bedingungen des Krieges kurz vor dessen Ende auch symbolisch Rechnung zu tragen.

Ein zweites semantisches Feld ergab sich besonders in der zweiten Kriegshälfte aus »der Vorstellung der ›stählernen‹ Schutzwirkung des Stahlhelms«, die nahe legte, daß der so behelmte Soldat an der Front imstande war, dem permanenten Beschuß durch den übermächtigen Feind, dem ›Stahlgewitter‹, standzuhalten und damit ein Vorbild für den Durchhaltewillen an der Front und auch in der Heimat zu sein.

Das dritte semantische Feld folgt laut Kraus schließlich aus der großen formalen Ähnlichkeit des neuen Stahlhelms mit typischen Helmformen des Mittelalters. [...] Indem der Träger des Stahlhelms so in die Nähe der historischen Gestalt des Ritters »als Repräsentant des deutschen Heeres« gerückt wurde, was auf zahlreichen Plakaten der Zeit in vielfältiger Weise geschah, konnte er als überzeitlicher »Kämpfer für Deutschland« stilisiert werden, der »ganz wie seine Vorkämpfer über die Jahrhunderte hinweg Unheil von Deutschland abzuwehren bestimmt war.«

Aus Kriegsvolkskunde, Gottfried Korff (Hg.), Tübinger Vereinigung für Volkskunde e.V., 2005, S.130f

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Das Schwert

Das Schwert verweist auf die Helden der Antike und damit auf  eine »edle Gesinnung der Kämpfenden«. Artus, Parzival, Roland, Siegfried & Co. – tragen ihre Schwerter als Recken der Tapferkeit und Treue. Auf den Kriegerdenkmälern fordern Schwerter, selbst wenn sie als Zeichen der Niederlage gesenkt oder abgebrochen dargestellt werden, die nachfolgenden Generationen zu »Wehrwillen und Mannhaftigkeit« auf.

Das Schwert ist in der Menschheitsgeschichte die erste ausschließlich zum Töten anderer Menschen geschaffene Waffe. Ein Symbol der Macht: Wer auf dem Schlachtfeld unterlag, übergab dem Sieger seine Waffe. Das Schwert verleiht den Status eines Herrschers. Die englische Königin führt den Ritterschlag bis heute mit dem Schwert aus.

Nach dem Mittelalter verlor das Schwert seine Bedeutung als Waffe – und wurde in der Symbolsprache der Propaganda umso wichtiger. Im 1. Weltkrieg, dem ersten industriellen Krieg in der Geschichte, hatte das Schwert als Bild-Symbol auf Orden und Medaillen Hochkonjunktur. Auch im Nationalsozialismus galt das Schwert als Zeichen für heldenhaften Kampf. 

Ab 1980 wurde die Symbolkraft des Schwertes umgekehrt: Wer »Schwerter zu Pflugscharen« macht, schafft Frieden. »Schwerter zu Pflugscharen« ist ein Teilzitat aus der Bibel beim Propheten Micha, das zur Redewendung geworden ist. Es drückt das Ziel des Völkerfriedens durch weltweite Abrüstung und Rüstungskonversion aus. Es wurde der Slogan staatsunabhängiger Abrüstungsinitiativen in der DDR, den auch Teile der westdeutschen Friedensbewegung übernahmen.


Schwerter zu Pflugscharen bei Wikipedia

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Volkstrauertag 2018

»In stillem Gedenken« möchte die Dorfschaft Kasseedorf mit dem Kranz unter der Inschrift »Ihr bleibt uns unvergessen« an die getöteten Soldaten des 2. Weltkriegs erinnern.

SH Kasseedorf Kranz web


»Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. ›Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.‹ [Ralph Giordano, Die zweite Schuld, S. 324].«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 29

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Historisches Foto und Postkarten

SH Kasseedorf Historisch web


Vor der Erweiterung nach dem 2. Weltkrieg stand der Denkmalsfindling an der Treppe zu der von der Holzpforte ein Kiesweg führte. Auf dem Gelände wuchs ein Wald aus Kiefern und anderen Gehölzen und Bäumen. Rechts und links am Denkmalstein standen einfache Sitzbänke.

SH Kasseedorf Karte web

 

SH Kasseedorf Karte2 web

 

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Die Kyffhäuser kameradschaft

Hermann Knaack, seit vielen Jahrzehnten Bewohner der Sedankate und Mitglied der Kyffhäuser Kameradschaft, erzählt: Heute sind wir noch 29 Mitglieder, in den 50er Jahren waren wir 120. Dann teilte sich der Verein 1979, die Kasseedorfer Schwentine-Schützen sind nur am Schießsport interessiert. Wir von der Kyffhäuser Kameradschaft treffen uns zweimal in der Woche im Vereinsheim. Aber wir haben Nachwuchsprobleme, es kommen keine Jungen nach.

»Um die Pflege der oft aufwendig gestalteten Orte der Erinnerung ist es nicht selten schlecht bestellt. Meist sind es einzelne die sich um den Erhalt kümmern.

In Kasseedorf ist dies die Kyffhäuser Kameradschaft. Sie setzte sich 2007 für das damals dem Verfall preisgegebene Ehrenmal ein und leistete mit dem Ersatz der verloren gegangenen Jahreszahlen 1939 und 1945 auch einen finanziellen Beitrag. Die ursprünglich auch gärtnerisch anspruchsvoll gestaltete Fläche vor den Gedenktafeln ist inzwischen einer Rasenfläche gewichen. Sie lässt sich so durch die Gemeindearbeiter einfacher pflegen. Bernhard Schrader, der sich bereits 2007 für den Erhalt eingesetzt hatte, wünscht sich zumindest eine ansprechende Bepflanzung direkt vor den Steinen an denen nur einmal im Jahr die niedergelegten Kränze für etwas Schmuck sorgen. Seiner Meinung nach ist eine Gesamtrenovierung des Ehrenmals längst überfällig, denn der Zahn der Zeit nage weiter an ihm. Die Kyffhäuser Kameradschaft fühle sich weiterhin verpflichtet beim Erhalt entsprechend der eigenen Möglichkeiten mitzuhelfen. Daher habe man nun die beiden Steintafeln mit den Namen saniert. Mit Unterstützung eines Steinmetzes wurde die alte Farbe entfernt, die Granittafeln gründlich gereinigt und die Schriftzüge und Namen durch Ausmalen mit einem hellen Grauton wieder lesbar und ansehnlich gemacht.«

• shz.de, Hartmut Buhmann, 9. November 2014


Der »Kyffhäuser-Bund der Deutschen Landes-Krieger-Verbände« führte diesen Namen seit dem 2. Mai 1900. Die Gesamtzahl der Stimmen im »Kyffhäuser-Bund« betrug 61, welche sich auf 27 deutsche Landesverbände mit 30 651 Vereinen und 2 703 772 Mitgliedern verteilten (1913).
Die Zeit des neuen Kyffhäuserbundes bis zum 1. Weltkrieg war, neben der Pflege der Kameradschaft und Wahrung alter Traditionen, geprägt von ideologischen Auseinandersetzungen mit der erstarkenden Sozialdemokratie. »Für Gott, König und Vaterland – Gegen die Sozialisten«. Nach dieser Devise handelten die deutschen Kriegervereine, der Sozialismus wurde als innerer nationaler Feind angesehen. Eine vom Vorstand des Deutschen Kriegerbundes bereits im Jahre 1888 herausgegebene Schrift bezeichnete ehemalige Soldaten, die sich zur Sozialdemokratie bekannten, als ihrem Fahneneid untreu und daher als unwürdig zu betrachten seien, den Kriegervereinen anzugehören. Dieser Kampf, besonders nach den Ergebnissen der Reichstagswahl 1903, rückte immer mehr in den Vordergrund und wurde schließlich von den Kriegervereinen selber als ihre wichtigste Pflicht betrachtet. Erst mit Beginn des 1. Weltkrieges hob der Kyffhäuserbund unter Zustimmung aller Landesverbände im Mai 1915 diese Satzungsbestimmung auf. Ein Zugeständnis auf die parteilose Kameradschaft auf den Schlachtfeldern.
Mit Ende des Krieges, der gleichzeitigen Auflösung der Monarchie und dem Chaos der Nachkriegszeit lebten die ideologischen Differenzen verstärkt wieder auf. Wenn auch viele ehemaligen Soldaten das Ende der Monarchie als Verrat ansahen und darüber enttäuscht und wütend waren, viel schlimmer wurde der »Schandvertrag« von Versailles angesehen.
Am 13./14. September 1919 fand die erste Vertreterversammlung nach dem Krieg statt. Es galt, neue Ziele und Wege zu finden, die dem verlorenen Krieg und der aufgelösten Monarchie Rechnung trugen. Der Präsident des Kyffhäuserbundes, Excellenz von Heeringen, bekräftigte nochmals in seiner Eröffnungsrede die Kyffhäuser-Idee. Es sei die Aufgabe des Kyffhäuserbundes, dem Kaiser und den Fürsten treue Erinnerung zu bewahren und nationales Pflichtbewusstsein zu leben. Deutsch leben und Deutsch denken hieß die Devise. Als äußeres Zeichen diesen Gedankens übertrug der Kyffhäuserbund dem Generalfeldmarschall von Hindenburg die Ehrenpräsidentschaft.

Ab 1922 – Deutscher Reichskriegerbund »Kyffhäuser«

1925 war ein besonderes Jahr für den Kyffhäuserbund. Erstmals fand ein gesamtdeutscher Kriegertag statt. Der Anklang bei den Veteranen war so groß, dass dieser Tag in den darauf folgenden Jahren wiederholt stattfand.
Auf der Kyffhäusertagung vom 7. Mai 1933 in Berlin bekannte sich der damalige Präsident mit dem ganzen Kyffhäuserbund zu Adolf Hitler und besiegelte damit das Ende der bis dato selbständigen Landesverbände. Die parlamentarische Vereinsführung wurde abgeschafft. An die Stelle des Mehrheitsbeschlusses trat die Führeranordnung. Eine Bundestracht mit Kyffhäusermütze und Kyffhäuserarmbinde wurde eingeführt, dazu musste die Hakenkreuz-Armbinde getragen werden.
Der Abschluss der inneren Organisation erfolgte am 1. April 1937 mit der Neugliederung des Kyffhäuserbundes, der in 13 Landesgebiete (nicht mehr Landesverbände) eingeteilt wurde. Diese entsprachen jetzt den Oberabschnitten der SS.

Ab 1938 – NS-Reichskriegerbund (»Kyffhäuserbund«) e.V.

Mit der Verordnung vom 4. März 1938 wurden alle anderen Soldatenbünde in den NS-Reichskriegerbund eingegliedert. Am 3. März 1943 löste Adolf Hitler den Kyffhäuserbund auf Reichsebene auf. Anlass war die verlorene Schlacht von Stalingrad. Das Vermögen wurde der NSDAP übertragen und die weiter bestehenden lokalen Vereine, die in der Endphase des 2. Weltkriegs den Grundstock für die Volkssturm-Einheiten bildeten, der Partei unterstellt.

Nach 1945

Durch das Kontrollratsgesetz Nr. 2 (Auflösung und Liquidierung der Naziorganisationen) vom 10. Oktober 1945 werden alle Organisationen und Einrichtungen, die der nationalsozialistischen Herrschaft gedient haben, »abgeschafft und für ungesetzlich erklärt«, so unter anderem auch der NS-Reichskriegerbund.
1952 begann die Wiedergründung des Verbandes mit allen Landesverbänden. Heute betont er seine Rolle als Reservisten- und Schießsportverband. Dass er sich dabei eher am rechten Rand des politischen Spektrums bewegt, macht ein Spiegel-Artikel von 1990 ansatzweise deutlich.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 28. Februar 2017

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Sedankate (Bunter Hund)

Das große Gelbklinkerhaus hinter der Denkmalsanlage ging als »Sedankate« in die Dorfgeschichte ein. Die Schlacht von Sedan fand am 1. und 2. September 1870 im Deutsch-Französischen Krieg statt und da das Richtfest des Hauses an einem 2. September gefeiert wurde, erhielt es diesen Namen.

Die Schlacht von Sedan bei Wikipedia


Später setzte sich die Bezeichnung »Bunter Hund« für das Haus durch und es erhielt an der Straßenseite sogar ein großes Schild mit dem Namen. Hermann Knaack führt den Namen auf die für ein Dorf ungewöhnliche Bauweise zurück. Früher hatte es auch noch viel mehr »bunte« Details, z.B. viele Türmchen, siehe historisches Foto.

SH Kasseedorf Bunter Hund web


Wir danken dem Ehepaar Knaack für das historische Foto und die Informationen.

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Das Denkmal
• Der Löwe
Der Bildhauer Fritz Theilmann
Die Tafeln
Die Petruskirche
Großadmiral Alfred von Tirpitz
Der Treueeid der Soldaten

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Kiel, Die Landeshauptstadt

An der Petruskirche, Weimarer Straße in Kiel-Wik

Text folgt

SH Kiel Torpedo weit web

 

SH Kiel Torpedo Loewe komplett web

 

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Der Löwe

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SH Kiel Torpedo Loewe web

Fotos (3): Jan Petersen

www.sh-kunst.de


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Der Bildhauer Fritz Theilmann

Text folgt

 

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Die Tafeln

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SH Kiel Petruskirche Tafel1 web

 

SH Kiel Petruskirche Tafel1 oben web

 

SH Kiel Petruskirche Tafel1 unten web

 

SH Kiel Petruskirche Tafel2 web

 

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Die Petruskirche

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GrossAdmiral Alfred von Tirpitz

Text folgt

 

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Der Treueeid der Soldaten

Text folgt

 

SH Kiel Petruskirche Tafel2 Treueeid web


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Das Denkmal
Ein Kommentar
Die Ergänzung
Am Volkstrauertag 2014

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Kiel, die Landeshauptstadt

Auf dem Ostfriedhof, rechts neben der Kapelle

Das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs ist ein rötlicher-grauer kantiger Findling aus Granit. Er ist fast zweieinhalb Meter hoch und somit der größte Stein auf dem Ostfriedhof.

SH Kiel Soldaten fern web

Am unteren Rand steht in konturierten Ziffern:
1914-18

Auf der geraden Frontseite ist das lebensgroße Relief von zwei uniformierten Soldaten herausgearbeitet und poliert worden. Sie marschieren im kraftvollen Gleichschritt mit geschulterten Gewehren, Stahlhelmen, Marschgepäck, Messer und »Knobelbechern«. Der Jüngere guckt nach vorne, der Ältere mit Backenbart schaut zurück. Das Denkmal ist 1921 errichtet worden.

SH Kiel Soldaten web

Man bekommt einen Schreck, wenn man auf die Rückseite des Kriegerdenkmals schaut. Dort liegt ein toter Soldat in Uniform und Stiefeln. Im Fallen hat er wohl ein Tuch, Vorhang, eine Fahne (?) heruntergerissen.

SH Kiel Soldat hinten2 web


Darüber steht flächefüllend die Inschrift:
Fürs Vaterland kämpften unsere Brüder 1914 bis 1918.
Viele starben den Heldentod

Es folgt ein buchstabengroßes Eisernes Kreuz.

In dieser Inschrift steht nicht die Trauer im Vordergrund, vielmehr wird der Tod im Krieg in einen Zusammenhang gestellt, der ihn zu einem nicht zu hinterfragenden Opfer macht. Das Denkmal ehrt die getöteten deutschen Soldaten als Brüder, durch dieses Wort wird eine familiäre Verbindung hergestellt, die die Soldaten zum Kampf verpflichtet hatte. Der häufigste im Zusammenhang mit toten Soldaten ist das Wort »Helden« oder »Heldentod«. Dieser Begriff macht die toten Soldaten zu Vorbildern. Er passt zur Symbolik von Stahlhelm, Uniform, Waffen und Eisernem Kreuz. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

SH Kiel Soldat hinten1 web

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Ein Kommentar

»Der Gedenkstein nimmt durch seine bildliche Ausgestaltung im Kieler Raum eine Sonderrolle ein. Er wurde möglicherweise von den Steinmetzen Dold oder Witzel geschaffen, wegen seiner künstlerischen Ausgestaltung vermutlich eher von einem studierten Bildhauer. Aufgestellt wurde er 1921. An dem Stein finden an den Volkstrauertagen seit 1952 Gedenkfeiern für die Opfer der beiden Weltkriege und des Nationalsozialismus statt. Lange erinnerte hier indes nichts an die Zeit des Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg, bis die ehemalige SPD-Ratsfrau Lisel Hofer über die ›Ellerbeker Runde‹ und den Pastor der Bugenhagen-Gemeinde, Volker König, einen Zusatzstein ins Rollen brachten. So sorgte die Stadt Kiel 1983 für eine bescheidene Erweiterung der Anlage. Eine rötliche Granitplatte von 70 Zentimetern Breite wurde vor den wuchtigen Findling in den Boden gesetzt. Darauf ist in erhabenen Buchstaben eine knappe Inschrift geschlagen: ›Den Opfern von Krieg, Verfolgung und Vertreibung‹.«

• Zitiert aus Jens Rönnau, Open-Air-Galerie Kiel: Kunst und Denkmäler, Wachholtz Verlag 2011, S. 68

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Die Ergänzung

1983 wurde eine rechteckige Steinplatte vor das Kriegerdenkmal gelegt. Sie trägt die Inschrift:

Den Opfern von Krieg, Verfolgung und Vertreibung

Der Millionen Opfer der Nazi-Verbrechen vor einem riesigen Stein mit zwei bewaffneten marschierenden Soldaten zu gedenken kann nicht richtig sein. Eine Tafel am Boden kann diese martialische Botschaft nicht stören.

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Am Volkstrauertag 2014

SH Kiel Ostfriedhof Siegbert Brey Wikimedia Commons 1914 18 Kiel

Foto: Siegbert Brey / Wikimedia Commons

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Das Denkmal
• Die Aufschrift
Die Geschichte
Der Nordfriedhof – Marine- und Kriegsgedenkstätten
Eine historische Postkarte
1933: »Weihe des Gedenksteins«
Volkstrauertag 2015
Das Segelschulschiff Niobe

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Kiel, die Landeshauptstadt

Auf dem Nordfriedhof zwischen den Feldern III und IV

Auf einer großzügigen Fläche zwischen dem alten Teil des Friedhofs und der Anlage mit den Kriegsgräbern des 2. Weltkriegs befindet sich auf einem dreistufigen Podest das Denkmal für die getöteten Soldaten der kaiserlichen Marine im 1. Weltkrieg. Auf dem altarähnlichen Stein liegt ein Anker mit Kette, der vom kurz vorher untergegangenen Segelschulschiff Niobe (s. unten) stammen soll.

SH Kiel Marine fern web

Die Frontseite des Steinblocks trägt, unter einem Eisernen Kreuz und den Jahreszahlen 1914 und 1918, die Aufschrift:
Wir Toten fordern als unser Recht
die alte Treue vom neuen Geschlecht

SH Kiel Marine vorne web

SH Kiel Marine Inschrift web

Auf der anderen Seite steht:
Im Weltkriege starben den Heldentod 1569 Offiziere und Beamte 718 Deckoffiziere 7349 Unteroffiziere 25197 Mannschaften der Kaiserlichen Marine

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Sehen Sie hierzu auch den Film »Nordkirche fordert Diskussion um Ehrenmale« im Schleswig-Holstein Magazin von Stella Peters

www.ndr.de/mediathek

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Die Aufschrift

Die Zeilen »Wir Toten fordern als unser Recht die alte Treue vom neuen Geschlecht« wollen nicht Trauer und Erschütterung unterstützen, sie nehmen die nächsten Generationen in die Pflicht, in »alter Treue« auch ihr Leben einzusetzen. Die Haltung, die hier weitergegeben wird, ist unangefochten von Zweifeln an Recht und Notwendigkeit von Krieg. Das erste Mal wird die Formulierung »Wir Toten fordern als unser Recht, die alte Treue vom neuen Geschlecht« bei der Einweihung des »Marine-Ehrenmals« 1927 verwendet.

Als »ein Mahnmal der Rache« war daher auch das »Marine-Ehrenmal« in Laboe gedacht, die nationale Kriegsgedenkstätte einer privaten Organisation, des 1891 gegründeten Bundes Deutscher Marine-Vereine. (...) Am Montag, den 8. August 1927, verfolgten 10.000 Gäste die Grundsteinlegung. Unter Hammerschlägen deklamierten 22 prominente Vertreter aus Politik, Militär und Wissenschaft die unterschiedlichsten Sinnsprüche ... Als Vertreter der evangelischen Kirche erinnerte der Marineoberpfarrer Friedrich August Ronneberger in seiner Predigt darüber hinaus an das »kaudinische Joch«, unter welchem die Deutschen als »Sklaven« hindurch geschritten seien, und legte den 35.000 toten Seesoldaten folgende Formulierungen in den Mund:

»Sie rufen uns zu: ›Heraus, sofern ihr unserer noch gedenkt, die Schmach getilgt und die Ketten gesprengt! Wir Toten fordern als unser Recht, die alte Treue vom neuen Geschlecht.‹ Mancher Stein liegt freilich noch im Wege, aber wie einst Hermann der Cherusker bewusst die deutschen Stämme zum Kampf gegen römische Fremdherrschaft aufrief, so wird auch uns wieder ein Führer entstehen, der uns aus Nacht zum Licht führt, und der uns den Platz an der Sonne wiedergibt.«

Ronneberger zitierte in seinem martialischen Appellativ einen später von Karl Meister vertonten Zweizeiler, der von den Überlebenden »Treue« im Sinne der Fortsetzung bzw. Wiederaufnahme des Krieges einfordert und sich auf mehreren Gefallenendenkmalen seiner Zeit wiederfindet. ... Überdies galten diese Zeilen für die Zeit nach 1945 weiterhin als sinnstiftend, insbesondere wenn die Stifter mangelnde Erinnerungsbereitschaft meinten beklagen zu müssen (vgl. etwa die Wiederaufnahme des Verses auf den erweiterten Kriegerdenkmälern in Stafstedt und Norderstapel in Schleswig-Holstein).

• Zitiert aus »Rache und Triumph: Krieg, Gefühle und Gedenken in der Moderne« von Loretana de Libero, 2013, Oldenbourg Wissenschaftsverlag. Frau de Libero ist Historikerin und Politikerin, von Mai 2012 bis 2015 war sie für die SPD Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, seit 2013 lehrt und forscht sie an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg-Blankenese.

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Die Geschichte

Das von Marinebaurat Kelm und Oberintendanturrat Burmeister entworfene Denkmal wurde am 31. Mai 1933 – dem 17. Jahrestag der »Skagerrak-Schlacht« – eingeweiht. Diese Schlacht gilt als die größte Seeschlacht der Geschichte, an der 112 deutsche und 150 britische Schiffe beteiligt waren. Trotz der Übermacht der »Home Fleet« waren die Verluste auf britischer Seite erheblich größer als auf deutscher.

Die Deutschen feierten den Ausgang der Schlacht als taktischen Sieg und 2.551 ertrunkene deutsche Seemänner als »Helden«. Für die Reichsmarine war es »der größte Ruhmestag ihrer Geschichte«, der fortan alljährlich gefeiert wurde. Dieser »Ruhmestag« änderte natürlich nichts an der Übermacht der britischen Flotte und dem Kriegsverlauf.

Für die damalige Zeit bezeichnend wurde die Gedenkkultur für propagandistische Zwecke instrumentalisiert. Mit dem Sinnspruch des Denkmals wurde dem »neuen Geschlecht«, nämlich den Menschen im nationalsozialistischen Deutschland, bedingungsloser Gehorsam gegenüber dem »Vaterland« abverlangt.

So stellte Marinepfarrer Sontag in seiner Weiherede fest: „Opfersinn und Pflichttreue und eine hingebende Vaterlandsliebe sind im neuen Deutschland in einem besonders starken Maße wieder erwacht.« Mit solchen Formulierungen sollte der Soldatentod als heldenhafte Aufopferung erscheinen und der wahre Grund für das tausendfache Sterben verschleiert werden.

Wir danken herzlich Waldemar Kruzel für die Recherche, für das Foto mit den Kränzen und seinen Text, den wir weitgehend übernommen haben. Vielen Dank auch Friedhofsmeister Frank Wunder, dass wir die gute Website vom Nordfriedhof »ausbeuten« durften.

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Nordfriedhof – Marine- und Kriegsgedenkstätten

Seit Kiel 1865 Marinestandort wurde, haben die Seestreitkräfte viele Spuren in der Stadt hinterlassen. Die mit 16 Hektar größte Kriegsgräberstätte Kiels ist der Nordfriedhof. Auf dem Gebiet der ehemaligen Schießstände im heutigen Stadtteil Kiel-Ravensberg wurde 1878 ein Garnisonsfriedhof – der heutige Nordfriedhof – eröffnet.

SH Kiel Marinegedenkstatten web

Plan Nordfriedhof

 
Seit 1878 sind hier mehrere Tausend Seeleute, Zwangsarbeiter, Opfer standrechtlicher Erschießungen und Bombenopfer begraben worden. Neben deutschen Militärangehörigen und Zivilisten fanden auch Soldaten, Kriegsgefangene und Internierte aus dem British Commonwealth und der Sowjetunion auf dem Nordfriedhof ihre letzte Ruhestätte.

Etwa 3000 Soldatengräber befinden sich auf dem Friedhof. Sie zeugen von der Entwicklung Kiels als Marinestützpunkt und ehemaligem Kriegshafen. 1992 wurde der Friedhof zum letzten Mal vergrößert.

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Eine historische Postkarte

SH Kiel Marine Postkarte

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1933: »Weihe des Gedenksteins«

Auf dem Kieler Garnisonfriedhof fand am heutigen Mittwochvormittag um 10 Uhr im Rahmen der Skagerrag-Gedenkfeiern die feierliche Enthüllung des Gedenksteins für die Gefallenen des Weltkrieges statt. An der Stelle, wo bis vor kurzem noch ein einfaches Kreuz als Erinnerung an die Opfer der Marine im großen Völkerringen stand, ist nach den Entwürfen des Marinebaurates Kelm und des Oberintendanturrates Burmeister dieser

neue Denkstein

entstanden. Auf einem mächtigen Granitsockel ruht ein Anker, das Symbol des Seemannes. Als Inschrift trägt der Stein nur den einfachen, aber doch eindringlich mahnenden Satz:

»Wir Toten fordern als unser Recht,
die alte Treue vom neuen Geschlecht!«

Auf der einen Seite des Gedenksteins haben der Marinesturm, SA., Polizei, Stahlhelm, ...., vaterländische Verbände, Kriegsvereine und auf der anderen das Musikkorps der 1. Marine-Artillerie-Abteilung sowie Abordnungen der Sperr-Abteilung der Schiffs-Artillerieschule und der Marineschule Kiel Wik Aufstellung genommen. Unter den Ehrengästen bemerkt man u. a. den früheren Stationschef Gottfried Hansen, ferner den früheren Stadtkommandanten von Klei, Konteradmiral Schumacher. Punkt 11 Uhr betritt der Stationschef Vizeadmiral Albrecht den Ehrenhain, gefolgt von den Konteradmiralen Schulze und Zander.

Sodann beginnt der feierliche Weiheakt mit dem dritten Vers des Niederländischen Dankgebets »Wir loben dich oben du Lenker der Schlachten«. Kaum sind die letzten Akkorde des Chorals verklungen, als

Marinepfarrer Sontag

den Gedenkstein betritt und in seiner Ansprache u. a. folgendes ausführt: Alljährlich feiert die Reichsmarine den 31. Mai als den größten Ruhmestag ihrer Geschichte. Skagerrak ist zu einem Gebot geworden. In seinem herben Klang vereinigt sich für uns all das, was an seinem Tage in hartem Männerkampf Großes und Tapferes geleistet wurde. Wenn wir heute feiern, so stehen wir in Ehrfurcht vor den Gefallenen dieser großen Nordseeschlacht, und das Wort Skagerrag ist zu einem mahnenden Begriff geworden, zu einem Begriff für all das, was in den harten, ernsten Zeiten des Krieges auf See an Bord deutscher Kriegsschiffe und an Land von deutschen Seemännern Großes und Tapferes geleistet wurde, zu einem Begriff für die Seegeltung des deutschen Volkes.

Darum ist auch das Ehrenmal, das heute in feierlichem Gottesdienst eingeweiht werden soll, nicht nur ein Ehrenmal für die gefallenen Kameraden der Skagerrakschlacht, sondern für alle jene, die auf See und an Land als deutsche Seeleute ihr Leben für das Vaterland dahingegeben haben.

In diesem Jahre können wir diesen Tag mit besonderem Dank und mit besonderem Stolz begehen, wenn die großen und herrlichen Eigenschaften, die den Sieg von Skagerrag ermöglichten, Opfersinn und Pflichttreue und eine hingebende Vaterlandsliebe uns im neuen Deutschland in einem besonders starken Maße wieder erwacht. Das Wort, das in den schweren Nachkriegsjahren uns die Gefallenen mahnend zuriefen: »Wir Toten fordern als unser Recht, die alte Treue vom neuen Geschlecht!« ist zu einem großen Teil Wirklichkeit geworden bei allen denen, in denen die Liebe zu Volk und Vaterland nicht vergessen ist, in denen, die sich in ernster und zäher Arbeit für die Freiheit und Erneuerung unseres Volkes eingesetzt haben. Heute wollen wir in Dankbarkeit aller derer gedenken, die in treuer Pflichterfüllung in der Nachkriegszeit für unser deutsches Volk eingetreten sind und ihr Leben hingaben für ihr Volk und Vaterland. Wir wollen aber auch eins nicht vergessen, unseren Herrgott, der uns diese großen Zeiten nur erleben ließ, weil seine Augen im deutschen Volke wieder treue Menschen gefunden hatten.

So wollen wir denn von dieser Skagerrakfeier hinausgehen an die Arbeit des Alltags mit dem letzten Einsatz unseres Wesens, unseres Könnens und unseres Herzens, in Treue zu Volk und Vaterland.

Nach dem Gebet weihte dann der Marinepfarrer Sontag den Gedenkstein mit folgendem Spruch ein:

»Das Ehrenmal aber sei ein Ehrenmal unerschütterlicher Dankbarkeit für unsere gefallenen Kameraden, als Gedächtnis für Deutschlands schwere aber große Zeit, als eine Mahnung deutscher Treue für nachfolgende Geschlechter!«

• Artikel in den »Kieler Neueste Nachrichten« vom 31. Mai 1933



SH Kiel Marine Artikel web

• »Kieler Neueste Nachrichten« vom 1. Juni 1933

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Volkstrauertag 2015

Am Volkstrauertag 2015 wurde in Kiel das »Ehrenmal« auf dem Kieler Nordfriedhof eingefärbt. Das Nachrichtenportal Indymedia Linksunten berichtete darüber:

Jedes Jahr zum Volkstrauertag trauert die deutsche Nation um ihre Helden. Helden nach deutscher Art sind nicht Widerstands- kämpferInnen gegen den Faschismus oder Betroffene der deutschen Vernichtungsaktionen.

Lieber trauert das Land um Soldaten der deutschen Angriffskriege, faschistische Milizen und Kriegsverbrecher. Inschriften in Ehrenmälern in ganzen Land berichten von Ehre, Treue, Heldenmut und Vaterland. Auf dem hässlichen Stein, der jetzt hübsch pink erstrahlt stand »Wir Toten fordern als unser Recht die alte Treue vom neuen Geschlecht« und »Im Weltkriege starben den Heldentod 1.569 Offiziere und Beamte 718 Deckoffiziere 7.349 Unteroffiziere 25.197 Mannschaften der kaiserlichen Marine«.


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Das Segelschulschiff Niobe

Der Anker auf dem Podest des Kriegerdenkmals für die kaiserliche Marine soll vom kurz zuvor gesunkenen Segelschulschiff Niobe stammen. Die Grab- und Gedenkstätte für die 
Besatzungsmitglieder der Niobe befindet sich inmitten von Kriegsgräbern des 1. Weltkriegs.

»Nicht klagen – Wieder wagen«
wird auf der Vorderseite gemahnt. Für die Marine, die Bevölkerung und natürlich die Angehörigen war der Untergang ein harter Schicksalsschlag. Trotz wirtschaftlich schwieriger Lage sammelte die deutsche Bevölkerung für die »Volksspende Niobe« rund eine Million Reichsmark.

Auf der Rückseite befindet sich eine in Stein eingefasst liegende Metalltafel mit den Namen und Geburtstagen der in die Heimat Überführten und in der See Gebliebenen.

Die Niobe wurde 1913 gebaut und fuhr zunächst als »Morten Jensen« unter dänischer, später als »Tyholm« unter norwegischer Flagge. Im ersten Weltkrieg wurde sie von einem deutschen U-Boot aufgebracht und fuhr daraufhin unter verschiedenen Namen. 1922 kaufte die Reichsmarine das Schiff und baute es zum Segelschulschiff um.

Am 26. Juli 1932 sank die Niobe infolge einer plötzlich aufkommenden Bö vor der Küste Fehmarns. Innerhalb weniger Minuten wurde sie auf die Seite gelegt und unter Wasser gedrückt. 69 der 109 Männer ertranken. Die anderen konnten durch die herbeieilenden Rettungsboote des Feuerschiffs und des Holzdampfers »Theresia L.M. Russ« gerettet werden.

Am 23. August 1932 fand auf dem Nordfriedhof die feierliche Beisetzung von 33 Besatzungsmitgliedern statt. Die Bevölkerung nahm großen Anteil an der Tragödie und verfolgte die Trauerfeier an den Radios.

Heute noch findet jedes Jahr eine feierliche Kranzniederlegung an der Gedenkstätte statt.

                    SH Kiel Nordfriedhof Niobe web

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I N H A L T
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Das Denkmal zum 2. Weltkrieg
Der Psalm 126
Eine Recherche
Die Inschrift
Der Denkmal zum 1. Weltkrieg
Die Inschrift
Die Rückkehr der Soldaten aus dem Krieg
Die Einweihung
Das Eiserne Kreuz

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Kleinsolt, Kreis Schleswig-Flensburg

Auf dem Kirchhof von St. Johannes

Am Ende der weitläufigen Anlage steht mittig der Gedenkstein für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs.

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Ein breiter Kiesweg führt im Bogen um eine Rasenfläche und aussen an den Namenssteinen dieser Soldaten vorbei, so dass Besucher gewissermaßen in zwei langen Reihen »die Front der Gefallenen abschreiten«. Hinter den Feldsteinen im Erdbeet wird die gepflegte Anlage mit verschiedenen immergrünen Sträuchern abgeschlossen.

 

SH Kleinsolt 2WK ganz web


Am Gedenkstein wurden am Volkstrauertag 2019 für die toten Wehrmachtssoldaten Kranz und Gestecke niedergelegt.

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Die Inschrift auf dem Findlingsstein lautet:

1939 – 1945
SIE GABEN ALLES
FÜR UNS!

PSALM 126

 

SH Kleinsolt 2WK Gemeindestein web


Weiter entfernt, zwischen den Namenssteinen, steht der größere Stein der Gemeinde als Stifter. Ob die politische oder die Kirchengemeinde gemeint ist, bleibt offen. Die Inschrift:

GEMEINDE
KL.–SOLT

 

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Die Namenssteine nennen Vor- und Nachnamen, Geburts- und Sterbedatum und Sterbeort bzw. der Kriegsschauplatz. Zwei Brüder oder Familienmitglieder werden oft zusammen auf einem Stein genannt.

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Der Psalm 126

Der Herr erlöst seine Gefangenen / Ein Wallfahrtslied. Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. / Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Völkern: Der HERR hat Großes an ihnen getan! / Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich. / HERR, bringe zurück unsre Gefangenen, wie du die Bäche wiederbringst im Südland. / Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. / Sie gehen hin und weinen und tragen guten Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.

In der Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart


Psalmen sind die im Alten Testament gesammelten Lieder des Jüdischen Volkes.

Im Psalm 126 wird die Hoffnung des jüdischen Volkes auf Befreiung aus der babylonischen Gefangenschaft beschrieben. Im Kontext der Inschrift kann der Psalm hier nur auf die deutschen Kriegsgefangenen und Kriegsverbrecher bezogen werden, die zu diesem Zeitpunkt noch in der Sowjetunion inhaftiert waren. Angesichts der Kampagnen der Evangelischen Kirche Anfang der 1950er Jahre war der Psalm wohl auch auf die inhaftierten deutschen Kriegsverbrecher bezogen, für deren Freilassung damals die Kirche kämpfte. Den Traum von der Befreiung des Volkes Israel auf gefangene Soldaten und Kriegsverbrecher des 2. Weltkriegs zu übertragen, ist eine Täter-Opfer-Umkehr, die einer Verspottung des christlichen und jüdischen Glaubens gleichkommt.


SH Kleinsolt Kirche der Heimat 1950 web

• »Wie lange noch …«. Fünf Jahre nach Kriegsende forderte die Evangelische Kirche die Freilassung der kriegsgefangenen Soldaten ebenso wie der verurteilten Kriegsverbrecher. Kirche der Heimat vom April 1950, S. 2


Schon im Mai 1949 war unter dem Titel »Gebt die Kriegsgefangenen und Internierten frei! Die Evangelische Kirche in Deutschland an die Alliierten« in den kirchlichen Blättern ein Aufruf des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands abgedruckt worden, in dem es hieß: »Sorgt für die Freigabe der Internierten! Lasst ab von dem Sonderrecht gegen die Besiegten! Beendet die Auslieferung von Kriegsgefangenen für Kriegsverbrecherprozesse!«


Diese Vorgänge können sie detailliert nachlesen in Stephan Lincks Buch »Neue Anfänge? Der Umgang der evangelischen Kirche mit der NS-Vergangenheit und ihr Verhältnis zum Judentum. Die Landeskirchen in Nordelbien«, Band 1: 1945-1965, Lutherische Verlagsgesellschaft Kiel, S. 115 - 128

 

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Eine Recherche

Johann Adam vom Kirchenkreis Archiv Schleswig-Flensburg ist ein findiger und geduldiger Sucher. Schon einige Male hat er uns mit ausführlichen Antworten auf unsere Fragen beglückt. Diesmal war die Aufgabe ganz besonders verzwickt:

Wann ist die Denkmalsanlage zum 2. Weltkrieg auf dem Kleinsolter Friedhof errichtet worden? Das interessierte uns sehr, wegen des Zitats aus dem jüdischen Psalm 126 auf dem Hauptstein. Ist er vor 1955 gesetzt worden, als noch knapp 10 000 Sodaten der Wehrmacht und Waffen-SS in sowjetischer Gefangenschaft waren. Sollte damit dann tatsächlich die Geschichte des jüdischen Volks im Exil gleichgesetzt werden mit den deutschen Kriegsgefangenen, die mit der Wehrmacht in der Sowjetunion einmarschiert und nun dort festgesetzt waren?

Er schreibt: »In der Frage der Steinsetzung gibt es bei meinen Recherchen so manche Merkwürdigkeit. In dem eingepflegten Schriftgut gibt es genau in den Zeiträumen, die ich einsehen will kein Material, wahrscheinlich großzügig aufgeräumt, gem. dem Rundschreiben ›Ev.Luth Landeskirchenamt J.Nr. 3543 (Dez I) v. 27.07.1945 Vernichtung alles nationalsozialistischen Materials‹.«

Anfragen beim Heimatverein Angeln, bei diversen älteren Bürgerinnen und Bürgern ... keine Chance!

Aber dann ein erster Erfolg: »Durch den Kontakt mit dem Reg.BauDir. a.D. Hans Otto Tiedemann, der als Autor über Steine in Angeln berichtet hat, konnte ich erfahren, dass seines Wissens und seiner Meinung nach die Kissensteine mit den Namen der Gefallenenn 1947 gelegt wurden und dass dies ein Datum wäre, das auch für die Erstellung des Findlings mit Inschrift infrage käme. Ich habe so einige Personen aufgemischt, aber leider ein festes Datum nicht ermitteln können. Wenn man davon ausgeht, dass 1945 bis 1948 kein Volkstrauertag begangen wurde scheint die Annahme realistisch. 1946 steht im Sakristeibuch: ›Volkstrauertag nicht besonders feiern‹. Die weiteren Jahre fehlen und daher ist die Ermittlung unterbrochen.«

Eine Woche später: »Hallo und moin, hier eine kleine abschließende Geschichte: beim wiederholten Besuch des Friedhofes Freienwill sagte mir der Friedhofswart, dass auf drei Kissensteinen der Gefallenen aus dem 2. Weltkrieg heute noch stets Blumen abgelegt werden: Owesen, Jürgensen und Mackowiack (34 Steine liegen links, 30 Steine liegen rechts in Richtung Westen zum Ehrenmalstein). Die Namen habe ich aufgeschrieben und dann telefoniert. Erfolg!! Frau Maria Owesen (Witwe 85 Jahre) sagte mir: Als ihr inzwischen verstorbener Mann 1949 aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrte, war die Anlage mit den Kissensteinen und dem Stein seiner zwei Brüder, Asmus Owesen * 18.01.1923 gef. 07.09.1942 Osten und Max Owesen * 17.10.1925 gef. 19.03.1945 Osten, schon vorhanden. Das würde die Aussage Herrn Tiedemann bestätigen, dass dieser Teil des Ehrenfriedhofs 1947 angelegt wurde.

Es fügt sich doch alles.«

Vielen Dank, lieber Herr Adam!


Und wir wissen jetzt Bescheid, siehe die Feststellung oben: »Den Traum von der Befreiung des Volkes Israel auf gefangene Soldaten und Kriegsverbrecher des 2. Weltkriegs zu übertragen, ist eine Täter-Opfer-Umkehr, die einer Verspottung des christlichen und jüdischen Glaubens gleichkommt.«

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Die Inschrift

1939 – 1945
SIE GABEN ALLES
FÜR UNS!

Diese Aussage ist ein Zitat aus folgendem Gedicht:

Fern im Osten gähnt ein Grab

Fern, fern im Osten, da gähnt ein Grab
da senkt man zu tausend die Toten hinab
für uns!

Im Westen, da ragt manch Kreuz schlicht und klein
da liegen sie stumm in langen Reih’n
für uns!

Und wo im Winde rauschet das Meer
da gaben sie freudig ihr Leben her
für uns!

Sie opferten Zukunft und Jugendglück
sie kehren nie wieder zur Heimat zurück
für uns!

Sie gaben ihr Alles, ihr Leben, ihr Blut
Sie gaben es hin mit heiligem Mut
für uns!

Und wir? Wir können nur weinen und beten
für sie, die da liegen bleich, blutig, zertreten
für uns!

Denn es gibt kein Wort, für das Opfer zu danken
und es gibt keinen Dank für sie, die da sanken
für uns!

dieses damals in Deutschland weit verbreitete Gedicht ist zum ersten Mal 1915 bei einer Feier für den im Osten gefallenen Lehrer eines Charlottenburger Gymnasiums vorgetragen worden. Der Obertertianer Reinhold Samuelsohn hatte es verfasst. Abgedruckt ist es zum Beispiel im Schulbuch: »Alte und neue Kriegslieder für den Schulgebrauch« aus dem Jahr 1917.

Die Rechtsrockband »Stahlgewitter« hat das Gedicht 2006 in ihrem Album »Auftrag Deutsches Reich« vertont.

»Stahlgewitter« auf Wikipedia


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Das Denkmal zum 1. weltkrieg

Die Anlage für die Soldaten des 2. Weltkriegs schließt sich an die Anlage für den 1. Weltkrieg an. Die Kieswege setzen sich fort. Dieser ältere Teil des »Ehrenfriedhofs« wurde am Sonntag, den 10. Juli 1921 eingeweiht.

     SH Kleinsolt beide web


Der Mittelpunkt dieser Anlage ist ein hohe, schlanke Sandsteinsäule auf einem dreistufigen Steinplattenpodest mit quadratischen Grundriss.

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Die Säule ist aus sich nach oben verjüngenden, kreisrunden Steinscheiben zusammengesetzt.

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Oben aufgesetzt ist eine schalenartige, runde Steinform, aus der – auf einem Steinwürfel in der Mitte – ein klobiges Eisernes Kreuz ragt.


SH Kleinsolt 1WK 1914 web


In einen Ring in zweidrittel Höhe sind auf gegenüberliegenden Seiten die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs in einer schmalen Serifenschrift graviert und schwarz ausgemalt.

 

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Der Übergang zum Sockel ist mit einem aus Stein gearbeiteten Eichenkranz, dem Symbol für Sieg, Ehre und Treue, und einem Eisernen Kreuz geschmückt.

 

SH Kleinsolt Inschrift web


Die Inschrift, besonders die erste Zeile, ist nur noch schlecht lesbar. Sie lautet:

Tot Euer Leib, doch Eure Namen leben
Euch zum Gedächtnis sei der Ort geweiht
Ihr stillen Krieger ewig sei Euch Dank

 

SH Kleinsolt ganz web2


Der Kiesweg der Anlage zum 2. Weltkrieg beginnt und endet am kreisrunden Kiesplatz um das Säulendenkmal. Viereckige Steinplatten für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs sind ringsherum verteilt. Teils offen im Beet, teils in Nischen, die durch exakt eckig beschnittene, immergrüne Hecken entstanden sind.

 

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Genannt werden Vor- und Nachname, Heimatort, Geburts- und Todesdatum (meist: gef.) und der Todesort bzw. Kriegsschauplatz.

 

     SH Kleinsolt Marseille77 Wikimedia Commons web
     Foto: Marseille77, Wikimedia Commons, 4.0 >internationale Lizenz


Auf diesem Sommerbild ist die kleine Treppe und der kurze Weg zur Kirche St. Johannes zu sehen.

 

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Die Inschrift

Tot Euer Leib, doch Eure Namen leben
Euch zum Gedächtnis sei der Ort geweiht
Ihr stillen Krieger ewig sei Euch Dank

Obwohl der 1. Weltkrieg so viele Menschenleben forderte und der Krieg verloren wurde, wird der Kriegstod in den Inschriften fast aller Kriegerdenkmäler als sinnvoll interpretiert, für den man den Soldaten danken muss.

»... Die Gedenkstätten sind ausnahmslos Ausdruck des Bedürfnisses, das Gedenken an den Tod der Soldaten zu sakralisieren, also zu etwas Heiligem zu stilisieren. In Form von Kreuzen, Säulen, Räumen der Stille oder Plastiken wird nicht der Tod, sondern der vorgebliche Sinn dieses Todes dargestellt [...]

Die Sakralisierung schirmt die Gedenkorte auch gegen Widerspruch ab, denn wer würde in einem Raum der Stille oder vor einem Kreuz laut protestieren? Die Ent-Profanisierung beschützt den Tod der Soldaten besonders vor Ansprüchen der Überlebenden. Obwohl diese im Einsatz eine Gruppe bildeten, grenzen die Denkmäler die Toten von den Versehrten ab.

Nur wer starb, wird in Inschriften und auf Tafeln geehrt, wer überlebte nicht. [...] Psychische Krankheiten, lebenslange körperliche Schäden, Schwierigkeiten bei der beruflichen Widereingliederung ließen sich mit der Sakralisierung des Gedenkens nicht in Einklang bringen.«

Clemens Tangerding, Für Deutschland gestorben, Beitrag des Deutschlandfunks vom 18.11.2012


»Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. ›Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.‹ [Giordano, Die zweite Schuld, S. 324].«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Stadtarchiv Hildesheim 2006, S. 29

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Die Rückkehr der Soldaten
aus dem Krieg

Als die Soldaten nach und nach aus Krieg und Gefangenschaft zurückgekommen waren, wurde anlässlich einer Feier zu ihren Ehren im Gasthof Mühlenbrück ein Gedicht der Großsolter Lehrerin Anna Hansen von der damals 17-jährigen Marga Grage vorgetragen:

»Willkommen Euch, Willkommen Euch Gefangenen!
Die Ihr die Heimat durftet wiedersehen!
Die Heimat, die vor Jahren reich gesegnet,
durch Krieges Schicksalsschlag fast sollt vergehn.

Willkommen heut! was immer mußte kommen,
verlor’nen Krieges Schmach für’s Vaterland.
Ihr hieltet aus, des Landes Schicksal legend
vertrauensvoll in eines Höheren Hand.

Kein freudig Glockenklingen, Hurra-Rufen
erfreute Euer Herz zur Wiederkehr.
Ein armes Deutschland mußte Euch empfangen,
wohl arm an Golde, doch nicht liebeleer.

.....«

»Das Gedicht hat noch mehr Strophen, aber ich glaube, es reicht, um zu wissen, was hiermit gesagt werden soll.« schrieb der Autor der Freienwiller Dorfchronik über das Ende des 1. Weltkriegs. Für ihn hatte sein im 1. Weltkrieg erworbenes »Eisernes Kreuz« jede Wertschätzung verloren. Er war überzeugt, dass Krieg »politisch die größte Dummheit, menschlich gesehen ein Verbrechen ist«.

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Die Einweihung

1921 wurde dann die Gedenkstätte für die toten Soldaten im Norden des Friedhofs errichtet. Man betrat sie zu der Zeit durch eine besondere Eingangspforte von der Landstraße aus. Pastor Wulf aus Flensburg hielt am 10. Juli die Predigt zur Einweihung.

 

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Wir danken Kerstin Bunde, Gemeindesekretärin von St. Johannes / Kleinsolt, für die Hilfe.

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1921: Ein Foto des gerade eingeweihten »Ehrenfriedhofs«.

Wir danken Johann Adam vom Kirchenkreis Archiv Schleswig-Flensburg für seine engagierte Recherche!

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden.

     Eisernes Kreuz 1WK Kaiser web

• »Fake News« anno 1914: Das Deutsche Reich hatte gerade das neutrale Belgien überfallen, damit die Truppen sich auf dem schnellsten Weg zum Erzfeind Frankreich begeben konnten.

Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


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• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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I N H A L T
Der Ehrenfriedhof
Die Erneuerung 2019
Steinreihen
Einzelne Steine
Auch die SS ist vertreten
Philipp F. Reemtsma, Eigentümer von Gut Trenthorst
Schlachtschiff Scharnhorst
Aus der Geschichte
Der Untergang der Pamir
Volkstrauertag 2019
Kirchenfenster von Erich Klahn

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Klein Wesenberg, Kreis Stormarn

Am Ende des kirchlichen Friedhofs

Das Denkmal für die 76 toten Soldaten des Kirchspiels Klein Wesenberg im 1. Weltkrieg wurde am 12. Januar 1919 auf dem Friedhof eingeweiht. Damals wurden ein großer Findling und 76 einzelne Gedenksteine aufgestellt. Diese Steine und 107 weitere für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs sind mittlerweile perfekt restauriert worden. Die Fördermittel von 41.213,34 Euro für das Erneuerungsprojekt in Klein Wesenberg stellte das Ministerium für Inneres, ländliche Räume und Integration des Landes Schleswig-Holstein über die LAG (Lokale Aktionsgruppe) »Holsteins Herz« zur Verfügung ... und das ist ein Skandal, denn auf dem »Ehrenfriedhof« haben nun auch zwei SS-Männer mit öffentlichem Geld restaurierte Gedenksteine.

SH Klein Wesenberg Anlage links web


Für die Anlage wurde 1919 die höchste Erhebung der hinter dem Kirch- und Friedhof gelegenen Wiese ausgesucht. Um den großen Findling in der Mitte wurden die Feldsteine ring- und halbringförmig in Spiralen gelegt. Der damals sehr bekannte Gartenarchitekt Harry Maaß entwarf die Anlage, er war zum Beispiel auch für den »Ehrenfriedhof« in Lübeck und die Anlage in Preetz verantwortlich. Die Endabrechnung im Jahr 1920 betrug 9.822,05 Mark, die größtenteils von den politischen Gemeinden des Kirchspiels getragen wurde.

SH Klein Wesenberg Mitte web


1954 wurde die Anlage dann um 107 Feldsteine für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs erweitert. Auch hier werden die mit den Anfangsbuchstaben abgekürzten Vornamen, Nachnamen, Geburts- und Todesdaten und meist auch die militärischen Dienstgrade und die Todesorte der Soldaten genannt. Wie schon die 76 Steine zum 1. Weltkrieg stammen sie aus dem Gebiet der Kirchengemeinde.

 

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Jetzt steht ein Kreuz auf der höchsten Stelle des Geländes, unweigerlich muss man an den Hügel Golgatha denken, auf dem den neutestamentlichen Evangelien zufolge Jesus von Nazaret gekreuzigt wurde. Das Kreuz steht heute für den christlichen Glauben, dass im Opfertod Jesu Gott den Menschen heilend nahegekommen ist.

Die Bedeutung von Leiden und Sterben Jesu Christ, EKD, 2015


Christliche Analogien sollen dem Soldatentod eine religiöse Weihe geben und ihn als »Opfertod« verklären. »Kriege, in denen planvoll getötet und grausam gestorben wird, fordern die Sinnstiftungsleistung des Kollektivs der Überlebenden auf ganz besondere Weise heraus.« (Alexandra Kaiser, Von Helden und Opfern, Frankfurt/Main 2010, S.12)


»Frei stehende Kreuze stellen eine Beziehung zwischen dem Tod im Krieg und dem Erlösertod Jesu her.« (Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S.135)


Karen Meyer-Rebentisch zitiert den ersten Pastor der Lutherkirche Lübeck: Im Februar 1929 schrieb Pastor Mildenstein für den Lübecker Generalanzeiger einen Artikel, der angesichts der wirtschaftlichen Depression in Deutschland ermutigen sollte. Darin prophezeit er »das Wunder einer neuen Zukunft unseres Volkes, wenn wir Jesu Kreuz sich erneuern sehen im tausendfachen Opfertod unserer Brüder. Ihr Opferblut ist Brunnenquell neuen Lebens! Ihre Glaubenskraft an ihre welterlösende vaterlandsbefreiende Großtat der Treue bis zum Tode ist wie Lebenswasser!«

Vortrag am 28.1.2017 in der Akademie Sankelmark

 

SH Klein Wesenberg Rund web


Auf dem mit kleinen Granitsteinen kreisrund gepflasterten Platz um das Kreuz wurden drei Granitstelen ohne Inschrift aufgestellt.

 

SH Klein Wesenberg Unbekannt web


Daneben wurde ein flacher Findling eingepasst, der vermutlich vorher mit den anderen Feldsteinen an der Wiese lag. Die Inschrift unter einem Eisernen Kreuz in Kontur lautet:

Dem
Unbekannten Soldaten
+ 2.5.1945

Da das Eiserne Kreuz ein deutsches Ehrenzeichen ist, wird es sich um einen Soldaten der Deutschen Wehrmacht handeln.


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Die Erneuerung 2019

Die Anlage wurde im Auftrag der vier Gemeinden Barnitz, Westerau mit Trenthorst sowie Klein und Groß Wesenberg aufwändig erneuert. Mit Fördermitteln der Region »Holsteins Herz«, Slogan: ... mit frischem Wind in eine gesunde Zukunft!, gefördert auf Initiative des Ministeriums für Inneres, ländliche Räume und Integration durch den Europäischen Landwirtschaftsfond für die Entwicklung ländlichen Raums (ELER). 74.170,64 Euro kostete die Neugestaltung, davon übernahm »Holsteins Herz« 41.213,34 Euro, das entspricht einer Förderquote von 70%. Die Realisierung dauerte drei Jahre.

Am 6. September 2019 wurde die Anlage wieder eröffnet. Pastor Erhard Graf sprach den Segen: »Möge der dreieinige Gott diesen Ort mit seinem Segen erhalten und bewahren.« Dazu spielte der Posaunenchor.

 

SH Klein Wesenberg 1Tafel web

 

Die Geschäftsführerin der Aktivregion »Holsteins Herz«, Silke Hammer, erläuterte, warum der Ehrenfriedhof finanziell unterstützt wurde:
»Durch das Projekt gelingt es, eine Gedenkstätte zu schaffen, die einige wichtige Aspekte vereint. Ein Aspekt, der uns wichtig war, war der Bildungsaspekt. Der ist zum einen durch die Beteiligung der Schüler der Beruflichen Schule Bad Oldesloe gegeben. Die Schüler haben für die Informationstafeln Inhalte recherchiert. Der Bildungsaspekt ergibt sich auch durch die zukünftige Nutzung als Lernort – lebenslanges Lernen für alle Benutzergruppen.«
Der touristische Aspekt sei ein weiterer Punkt. Der Jakobsweg werde durch den neu gestalteten Ehrenfriedhof aufgewertet. Es sei auch ein schöner Platz für Naherholungssuchende ...

Lübecker Nachrichten online, 7.9.2019

 

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»Den Steinen ein Gesicht geben, heißt das Projekt«, erklärt Bürgermeister David. Aus der Projektbeschreibung von »Holsteins Herz«: »Die Schüler und Schülerinnen der Klasse EG 16 werden sich mit der Geschichte der zwei Weltkriege des 20. Jahrhunderts anhand von konkreten Einzelschicksalen wissenschaftlich auseinandersetzen. Darüber hinaus bietet die Gedächtnisstätte nach ihrer Restaurierung auch allen weiteren allgemeinbildenden Schulen und Interessierten die Möglichkeit sich über die Geschichte zu informieren.«

Projektbeschreibung von »Holsteins Herz«


Text der Tafel:
»So viele Steine, so viele Menschen – und noch mehr Hinterbliebene. Man kommt nicht umhin sich zu fragen, wie sich all diese Schicksale damals angefühlt haben
Es waren ihre Liebsten, die zu Hause warteten, hofften und bangten. Auch sie mussten am Ende unendlich traurig den Verlust ertragen.
Schon mit 19 Jahren wurden sie in diesen furchtbaren Krieg gezogen. In einem Alter, wo das Leben erst richtig anfängt.
Ein Schock für ihre Familien, die dabei ahnungslos und hilflos zusehen mussten.
Ein Besuch auf unserer Gedenkstätte. Viele Menschen verbinden diesen Besuch ausschließlich mit Trauer. Doch ist das wirklich so?
Die Angehörigen können an diesem Ort viel Ruhe und Besinnung finden. Es ist ein Platz der Anteilnahme, und er kann zu einem Kraftort werden. Es geht um den Frieden, den die gefallenen Menschen finden sollten.
Die Hinterbliebenen sind dort ihren Verstorbenen nah, und wir alle können ihnen die Ehre für ihren Mut und ihre Kraft in einer schrecklichen Zeit erweisen.«

SH Klein Wesenberg Stein Klempau web


Weitere Tafeln wurden neu aufgestellt. Dass der zweite Weltkrieg ein Angriffskrieg war und die gefallenen Soldaten Beteiligte dieses verbrecherischen Krieges, wird nicht erwähnt. Über die Menschen, die den Wehrmachtssoldaten zum Opfer fielen, erfahren wir auch nichts. Auf zwei Tafeln werden Männer vorgestellt, denen der Stein unter der Tafel gewidmet ist.

 

SH Klein Wesenberg Tafel Klempau web


Diese Tafel beschreibt den Obergefreiten Andreas Klempau: »Direkt zu Beginn des Krieges 1939 wurde Andreas nach Russland eingezogen [...]«. Der Text vergisst leider, dass der 2. Weltkrieg 1939 mit dem Überfall auf Polen begann – der Überfall auf die Sowjetunion erfolgte erst 1941. Der Vernichtungskrieg der Wehrmacht, zu der der Gefreite gehörte wird mit seinen Millionen zivilen Opfern nicht erwähnt. Stattdessen erfolgt eine allgemeine Dekontextualisierung: »Nach all der Zeit, die vergangen ist, bleiben noch immer mehr Gefühle, Erinnerungen, Schmerz und Trauer, als man zählen kann.«

 

SH Klein Wesenberg Steine Tafel Teyfel web


Der Soldat Adolf Teyfel aus Klein Schenkenberg wird seit 1945 im Osten vermisst. Ihm ist die zweite Tafel gewidmet: »Was für ein Schmerz es den Familien wohl bereitet hat, nicht zu wissen, wo die geliebte Person ist. Ob sie noch fehlt oder schon im Jenseits verweilt.«

SH Klein Wesenberg Tafel Teyfel web


Text der Tafel: »Adolf Teyfel fiel zuerst bei der Musterung als Soldat durch. Trotzdem haben diese Menschen noch Kraft genug, um zum Beispiel bis nach Europa zu gelangen. Gerade diese Personen haben meinen vollsten Respekt.
1944 tritt Adolf auf Drängen eines Parteimitglieds in Groß Wesenberg der NSDAP als Buchführer bei und hofft so, dem Kriegsdienst zu entgehen.
1945 wurde Adolf Teyfel trotz seiner Beinfehlstellung und des fortgeschrittenen Alters von 43 Jahren in den Krieg eingezogen.
Sie wurden von der roten Armee angegriffen, wobei Adolf Teyfel verwundet wurde und ins Lazarett bei Posen kam. Dort sah ihn sein Freund Herr Schoßmeyer das letzte Mal. Als die rote Armee näher rückte, galt »rette sich wer kann!«

Was ist gemeint mit dem Satz: »Trotzdem haben diese Menschen noch Kraft genug, um zum Beispiel bis nach Europa zu gelangen. Gerade diese Personen haben meinen vollsten Respekt«? Würde diese Frage nicht mit Blick auf den 2. Weltkrieg eher Sinn geben, wenn damit die Menschen aus den von Deutschland überfallenen Ländern gemeint wären?

 

SH Klein Wesenberg Tafel Juerss web


Auf der dritten Tafel kommt der Zeitzeuge Alfred Jürß zu Wort, er war bei Kriegsende 10 Jahre alt:
»Er und viele seiner Verwandten waren im Krieg.
›Und so stelle ich mir weiter diese Fragen nach der Motivation derer, die sich für ihr Land töten ließen.
Und deshalb sollten wir Uneinigkeiten zukünftig mit Worten klären und damit aufhören, dass immer mehr Familien, Menschen und Gebiete im Krieg zu Opfern werden.‹
Alfred lebte auf einem Bauernhof in Westerau, stets war ausreichend Nahrung vorhanden. Man hatte französische Gefangene als Arbeiter, die in Baracken lebten und meist schlecht behandelt wurden. Das Thema Krieg wurde von ihm als Kind als gar nicht schlimm empfunden.«


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Steinreihen

Viele Steine sind vor einen Streifen aus Bodendeckern gesetzt worden. Die Reihe im ersten Bild steht nahe dem Abhang zur Trave.

 

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In der Nähe des Kreuzes, noch auf gleicher Höhe, ist eine rechteckige Fläche gepflastert worden, auf der über Eck zwei Sitzbänke stehen.


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Einzelne Steine

Allen Steinen wurde über dem Namen ein Eisernes Kreuz in Kontur eingemeißelt – das militärische Ehrenzeichen wird hier posthum kollektiv verliehen. Grund der Auszeichnung ist die durch den Tod besiegelte besondere Treue oder Tapferkeit.


Der deutsche Soldat hat sich sui generis heldenhaft verhalten, so wenig wie er dürfen die Reichswehr oder die Wehrmacht in Zweifel gezogen werden. Die von Hindenburg am 18. November 1919 im parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Reichstags als Erklärung für die Niederlage des Ersten Weltkriegs vorgetragene »Dolchstoßlegende« oder die Proteste gegen die »Wehrmachtsausstellung« über von ihr begangene Verbrechen im Zweiten Weltkrieg sind Ausdruck der Bemühungen, sowohl die militärischen Institutionen wie auch die ihnen angehörenden Personen der geschichtlichen Realität und damit auch der Verantwortung zu entziehen.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg, 2006, S.33

SH Klein Wesenberg Stein Haack web

 

SH Klein Wesenberg Stein Hauptmann web

 

SH Klein Wesenberg Stein Hornist web

 

SH Klein Wesenberg Stein Laage web

 

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Auch die SS ist vertreten

Die Schutzstaffel (SS) war eine nationalsozialistische Organisation in der Weimarer Republik und der Zeit des Nationalsozialismus, die der NSDAP und Adolf Hitler als Herrschafts- und Unterdrückungsinstrument diente. In ihren Verantwortungsbereich fielen ab 1934 Betrieb und Verwaltung von Konzentrations-, ab 1941 auch von Vernichtungslagern, sie war sowohl an der Planung wie an der Durchführung des Holocausts und anderer Völkermorde vorrangig beteiligt.

Wikipedia, abgerufen am 27.12.2019

Lesen Sie hier weiter

 

SH Klein Wesenberg SS web


In den Nürnberger Prozessen 1946 wurde die NSDAP mit allen Untergliederungen, also auch der SS, zur »verbrecherischen Organisation« erklärt.

SS-Mann oder Staffelmann war die Sammelbezeichnung für alle vollberechtigten Mitglieder der Schutzstaffel bis einschließlich des Reichsführer SS. Der SS-Mann der Allgemeinen SS versah seinen Dienst dort ehrenamtlich und freiwillig, wobei das Prinzip der Freiwilligkeit generell für alle Organisationsbereiche der SS galt.

Todesdatum und Todesort lassen darauf schließen, dass E. Fischer Mitglied der SS-Division Totenkopf war, die 1942/43 unter dem SS-Obergruppenführer Theodor Eicke an der Kesselschlacht von Demjansk beteiligt war.

»SS-Division Totenkopf« ist der Name des Frontverbandes, der seinen Ursprung in den 1933/34 aufgestellten KZ-Wachverbänden hatte, die seit 1936 unter dem Namen »SS-Totenkopfverbände« zusammengeschlossen waren und deren Aufgabe der Betrieb und die Bewachung der Konzentrationslager war. Die Totenkopf-Division der Waffen-SS wurde wesentlich aus den Wachmannschaften der KZs rekrutiert.

Weitere Informationen auf Wikipedia:

SS-Division Totenkopf

SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Theodor Eicke

Kesselschlacht von Demjansk

 

Wann ist der SS-Staffelmann E. Fischer geboren? War er auch in einer KZ-Wachmannschaft oder kam er später zur Totenkopfdivision? Wieso hat er sich zur SS gemeldet? Spannende Fragen für ein Schulprojekt, in dem Schülerinnen und Schüler lernen sollen. Aber leider wurde diesen Steinen kein Gesicht gegeben.

 

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Der SS-Rottenführer war im Deutschen Reich von 1934 bis 1945 der höchste Rang der Dienstgradgruppe der Mannschaften der Schutzstaffel (SS).

Wieso wurden hier keine Tafeln aufgestellt, wieso wurde diese Ehrung nicht hinterfragt bzw. thematisiert?


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Philipp F. Reemtsma, Eigentümer von Gut Trenthorst

Je ein Stein gilt zwei Söhnen von Philipp Fürchtegott Reemtsma, der das Doppelgut Trenthorst / Wulmenau als dritter Industrieller in Folge 1936 erwarb. Gut Trenthorst gehört zum Kirchspiel Klein Wesenberg.

 

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Zitate aus der »Geschichte von Trenthorst«, die Sie weiter unten komplett lesen können.

»Reemtsma hatte innerhalb zweier Jahrzehnte zusammen mit seinem Bruder Hermann durch Übernahme und Fusionen von anderen Betrieben sowie durch moderne Produktion und geschicktes Marketing das damals bedeutenste Tabakunternehmen Deutschlands, die »Reemtsma Cigarettenfabrik GmbH« geschaffen. Wie schon Hörl verfolgte er den Habitus der Hamburger Industriellen, sich einen Landsitz zu leisten, und verbrachte dort Wochenenden, Feiertage und freie Tage mit der Familie.« (S. 32)

»Und im Kaufvertrag von 1936 hatte Reemtsma sich verpflichtet, Verhandlungen mit der Landesunterrichtsbehörde über ›eine Wiederbelebung der schon im letzten Jahr betriebenen Landjahrheime‹ zu führen. [...] 1940 besaß Wulmenau dann das einzige ›Reichsarbeitsdienstlager weibliche Jugend‹ für den Bezirk XV Nordmark in Stormarn; es gehörte zur Lagergruppe 151 Hamburg. (S. 34, mit Fotos)

»Wie überall in Stormarn setzte die Gutsverwaltung Zwangsarbeiter als Arbeitskräfte ein. In Wulmenau entstand im Pferde- und Kuhstall ein Lager für rund 30 französische Kriegsgefangene. [...] Später wurden sie durch ein Kommando sowjetischer Kriegsgefangener ersetzt. ›Einen anderen Zuschnitt hatte die Situation auf Gut Trenthorst. Dort waren ab Frühherbst 1943 mehr als ein Dutzend südostpolnische Landarbeiter mit ihren Familien tätig. Die mehr als vierzigköpfige Gruppe stammte aus der Nähe von Lemberg in der Westukraine.‹ [...] ›Obwohl der Gutsverwalter für die Polen als ›der Mann mit der Peitsche‹ eine strenge Autoritätsperson war, entwickelte sich gegenüber dem Gutsherrn Reemtsma eine gewisse Dankbarkeit. Schließlich war für eine gute Unterbringung der Familien gesorgt und die Betreuung der Kleinkinder durch eine der jungen Polinnen geregelt‹, so der Historiker Erik Lindner.
Die Wochenberichte des Gesundheitsamtes des Kreises Stormarn zeichneten allerdings ein etwas anderes Bild. Mitte September 1944 erkrankte ein fünfjähriges ›Polenmädchen‹, das mit seinen Eltern seit einigen Jahren auf dem Gut lebte, an Fleckfieber [...] Vier Kinder waren dort bereits mit ungenauen Diagnosen verstorben. Insgesamt lebten im Herbst 1944 auf Trenthorst / Wulmenau fast 200 ausländische Zwangsarbeiter, davon etwa die Hälfte Kinder.« (S. 34f)

»Der Gutsherr und Unternehmer Philipp F. Reemtsma kam in das britische Internierungslager Neumünster-Gadeland, während seine Frau in der frühen Nachkriegszeit nur ab und zu auf dem Gut weilte. Der Briefwechsel der beiden aus dieser Zeit gibt zugleich Auskunft über die Lage von Trenthorst/Wulmenau. Nachdem Reemtsma im August 1945 wegen Krankheit ins Ortslazarett der Below-Kaserne in Ratzeburg verlegt worden war, versorgte man ihn dort aus der Gutswirtschaft. So wurde der inzwischen zurückgekehrte Inspektor Johannsen gebeten, ›falls Sie die Möglichkeit eines Transportes nach hier haben, mir ein Kistchen Augustäpfel und Möhren zu schicken und der Sendung 2 Kartenspiele aus dem Herrenhaus, 2 Bleistifte, einige Postkarten, 1 bis 2 Schreibhefte, einige Bücher und, falls möglich, ein Stück Brot beizufügen, ferner, falls im Herrenhaus vorhanden, von den eingelöteten Cigaretten.« (S.36)

»Die Taufe des jüngsten Reemtsma-Sohnes Jan Philipp am 23. Mai 1953 konnte man schon im neuen ›Weißen Haus‹ feiern. Anlässlich der Taufe, die in der Kirche Klein-Wesenberg stattfand, stiftete Philipp Fürchtegott eine neue Glocke.« (S. 40, Foto: S. 35)

Geschichte von Trenthorst 1900 - 2015

 

Die Familie Reemtsma

1908 erwarb Bernhard Reemtsma eine Beteiligung an einer Zigarrenmanufaktur in Erfurt. 1919 wurde der Betrieb in B. Reemtsma & Söhne, später in Reemtsma Cigarettenfabriken umbenannt und 1922 nach Hamburg verlegt.

Zur Blüte gelangte das Unternehmen im »Dritten Reich«. Philipp F. Reemtsma sagte 1932 Hitler persönlich zu, Anzeigen in den Zeitungen der NSDAP zu schalten. Ab 1933 förderten die Firmeninhaber die Partei und ihre Gliederungen durch großzügige Spenden. Weite Verbreitung fanden Zigarettenbildserien wie »Deutschland erwacht – Werden, Kampf und Sieg der NSDAP« in Zusammenarbeit mit Hitlers Leibfotograf Heinrich Hoffmann. Hermann Göring schlug 1934 ein Korruptionsverfahren gegen Reemtsma nieder und erhielt von dem Unternehmen im Laufe der Jahre Spenden von insgesamt 12 Millionen Mark. Görings »rechte Hand«, Paul Körner, erhielt jährlich 40.000 Mark. Sepp Dietrich, »persönlicher Begleiter des Führers«, der eine herausragende Rolle bei der Liquidierung der SA-Führungsspitze während des »Röhm-Putsches« spielte und selbst zusammen mit weiteren SS-Leuten am 30. Juni 1934 sechs prominente SA-Führer ermordete, erhielt nach diesen Taten eine Reemtsma-Spende von 40.000 Mark.

Der Absatz von Zigaretten stieg mit Kriegsbeginn stark an. Jeder Soldat erhielt monatlich eine Sonderration. Hinzu kam der Verkauf von Sammelalben. Alleine das Propagandawerk »Adolf Hitler« brachte es bis 1943 zu einer Auflage von 2,38 Millionen Exemplaren.

Philipp und Alwin Reemtsma (Standartenführer der Waffen-Schutzstaffel (SS), 1939 Verleihung des Ehrendegens des Reichsführers SS. Der Rang Standartenführer war für die kommandierenden Offiziere der SS-Standarten vorgesehen.) wurden nach Kriegsende interniert und angeklagt. Beide wurden zu Geldstrafen verurteilt, Philipp zu 10 Millionen Mark.

Philipp Reemtsmas Sohn Jan Philipp Reemtsma (geboren 1952) verkaufte 1980, gleich nachdem er das Verfügungsrecht über seine Geschäftsanteile erlangt hatte, seinen Anteil an dem Unternehmen.

Wikipedia, abgerufen am 27.12.2019


Mehrere Mitglieder der Familie sind heute Mäzene. Gegründet wurden unter anderem das Reemtsma Begabtenförderungswerk, die Hermann Reemtsma Stiftung sowie das Hamburger Institut für Sozialforschung von Jan Philipp Reemtsma.

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Schlachtschiff Scharnhorst

Die 1939 in Dienst gestellte »Scharnhorst« war das erste nach dem 1. Weltkrieg in Deutschland gebaute Schlachtschiff. Das Schiff überschritt von Anfang an die Vorgaben des Versailler Vertrages, der u.a. die Abrüstung Deutschlands vorsah.

 

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Ursprünglich wurde sie als Panzerschiff mit einer Verdrängung von etwa 18.000 Tonnen auf Kiel gelegt. Als Reaktion auf den Bau der französischen Schlachtschiffe der Dunkerque-Klasse wurde der Bau im Juli 1934 abgebrochen und etwa ein Jahr später nach einem anderen Entwurf mit einer offiziellen Tonnage von 26.000 t neu begonnen. Diese Verdrängung wurde tatsächlich noch erheblich überschritten. Der neue Entwurf der Scharnhorst versah sie mit einem guten Panzerschutz, und ihre Hochdruck-Heißdampf-Turbinenanlage verlieh ihr überlegene Geschwindigkeit. Kurz nach Abschluss der Umbauten und der Erprobungen Ende August 1939 begann Deutschland am 1. September 1939 den 2. Weltkrieg.


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Die Scharnhorst wurde am 26. Dezember 1943 im Nordmeer etwa 160 km nördlich des Nordkaps nach einem mehrstündigen Gefecht von britischen Seestreitkräften versenkt. Nur 36 Mann der Besatzung wurden gerettet, der Rest der 1.968 Mann starken Besatzung fand den Tod. Auch der Matrose A. Künzler aus Trenthorst. Die Arbeiten zur Rettung der im Wasser schwimmenden Überlebenden wurden wegen der Befürchtung, deutsche U-Boote befänden sich in der Nähe, abgebrochen.

Nach Wikipedia, abgerufen am 25.12.2019

 

»Der Seekrieg«, Arnulf Scriba für das Deutsche Historische Museum

 

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Aus der Geschichte

»Im ›Lübecker Generalanzeiger‹ vom 27. August 1919 ist zu lesen:

Auch die Kirchengemeinde Klein Wesenberg will nunmehr zur Ehre ihrer Gefallenen eine besondere Gedächtnisstätte schaffen. Die Zahl ist außergewöhnlich hoch. Der Krieg 1870/71 forderte aus unserer Mitte 3 Opfer, der Weltkrieg dagegen 71 (einschließlich der nach Kriegsende in den Lazaretten Verstorbenen wurden 76 Gedenksteine errichtet). Der Garteninspektor Maaß, Lübeck, hat für den geplanten Ehrenfriedhof einen schönen Entwurf gemacht. Für die Anlage ist die höchste Höhe des unmittelbar hinter dem Kirchhof liegenden Geländes gewählt. ... Das Hauptdenkmal in Gestalt eines großen Findlings nimmt den Mittelpunkt des großen Kreises ein, während die für jeden einzelnen errichteten Gedächtnissteine ring- und halbringförmig gesetzt werden. Auch für diese Steine kommen nur Findlinge aus unserer Kirchengemeinde in Betracht.

Die Endabrechnung vom Januar 1920 weist einen Betrag von 9.822,05 Mark aus. Diese wurden nach Aufzeichnungen von Pastor Petersen bis auf einen kleinen Betrag von den politischen Gemeinden aufgebracht:

Westerau                               2.222,75 Mark        21 Gefallene
Trenthorst                              1.450,00 Mark         7
Klein Wesenberg                     1.333,50 Mark        14
Groß Wesenberg                     1.319,00 Mark        10
Groß Barnitz                           1.125,00 Mark         5
Klein Barnitz                           1.005,00 Mark         3
Klein Schenkenberg                    675,00 Mark         2
Reecke                                      675,00 Mark         9
Kirchengemeinde                         35,80 Mark«

Klaus-Rainer Martin, Die Evangelische Kirche in unruhigen Zeiten, united p.c., 2015, S. 101f

Der Entwurf des »Ehrenfriedhofs« stammt von Harry Maasz. Er war von 1912 bis 1922 Leiter des Lübecker Gartenbauamts und bezeichnete sich selbst gerne als Gartenbaukünstler. An der Anlage des Ehrenfriedhofs lässt sich erkennen, wie Harry Maasz die Topografie der Landschaft in seine Gestaltung einbezog.


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• Der Lübecker Gartenarchitekt Harry Maasz (1880 - 1946)


»Im Aufruf von Pastor Stoldt für die Teilnahme der Feierstunde am Ehrenmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges am 25. November 1928, also zehn Jahre nach Kriegsende, heißt es: ›Die Kundgebungen in den letzten Jahren entsprachen längst nicht dem, was wir unseren toten Kriegern schuldig sind. Auf zu einer machtvollen Kundgebung! Sie dürfen nicht vergessen sein, die ihr Leben für uns gaben! Hier darf weder Stand noch Partei eine Rolle spielen!‹«

Klaus-Rainer Martin, Die Evangelische Kirche in unruhigen Zeiten, united p.c., 2015, S. 151


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Ein Winterbild der Anlage aus dem Jahr 1963.

 

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Aus dem Jahr 1990: ein Plattenweg führt zum großen Holzkreuz, es ist von Büschen umgeben, vier Kränze liegen davor. Auf der Wiese steht Herbert David, damals der Spitzenkandidat der Aktiven Allgemeinen Wählervereinigung (AAW), die in ihrem Programm zur Kommunalwahl am 25. März 1990 gleich nach der Sicherung der Verkehrswege auch die Pflege der örtlichen Gedenkstätten ankündigte: »... beispielsweise die Gedenksteine auf dem Friedhof, die in den nächsten Jahren gereinigt und von zwei Fachkräften neu bemalt werden sollen.« (Lübecker Nachrichten vom 16. März 1990)

 

SH Klein Wesenberg 1961 Raimund Marfels StA web


... und noch ein Foto aus dem Jahr 1962: Kirchweihe nach Abschluss der Renovierung. Einzug der reinen Männerriege, heute Gott sei Dank ein ungewohnter Anblick. Mit Zylinder schreiten voran die Kirchenältesten mit Landrat Wennemar Haarmann und Amtmann Ernst Tidow. Dahinter die Geistlichkeit: Bischof Wilhelm Halfmann, Propst Carl Friedrich Jaeger, Pastor Bredner und weitere.

Quelle für die drei Fotos (Ausschnitte): Kreisarchiv Stormarn, lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 >internationale Lizenz


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Der Untergang der Pamir

An der Grenze zu den zivilen Gräbern steht mit der Rückseite zum »Ehrenfriedhof« der Gedenkstein für den Ing. Assistenten Günther Schinnagel mit der Inschift:

Er starb den Seemannstod
durch das tragische Schicksal
der Pamir

Der Untergang des Frachtseglers Pamir ist ein deutsches Trauma: Achtzig Seeleute ertranken 1957 im Atlantik, noch heute streiten Experten über die Ursache: Materialschäden, Inkompetenz, der Hurrikan »Carrie«?

 

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Die Pamir war eine 1905 für die Hamburger Reederei F. Laeisz gebautes Viermastsegelschiff. Sie gehörte zu den wegen ihrer Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit berühmten Flying P-Linern und wurde traditionsgemäß auf einen mit »P« beginnenden Namen getauft, auf den des zentralasiatischen Pamir-Gebirges.

1949 umrundete die Pamir als letzter Windjammer ohne Hilfsmotor Kap Hoorn auf Frachtfahrt. In den 1950er Jahren wurde sie, ebenso wie die Passat, als frachtfahrendes Segelschulschiff für die deutsche Handelsschifffahrt eingesetzt. Die beiden Schiffe waren die letzten frachtfahrenden Großsegler Deutschlands.

Die Pamir sank am 21. September 1957 in einem Hurrikan. Dabei kamen 80 der 86 Besatzungsmitglieder, unter ihnen viele jugendliche Kadetten, ums Leben. Der Untergang und die nachfolgende Rettungsaktion fanden große Beachtung in den internationalen Medien. Die Unglücksursache ist bis heute umstritten: Das Seeamt Lübeck entschied auf eine falsche Stauung der Gersteladung, die verspätete Reduzierung der Segelfläche im Sturm und einkommendes Wasser durch unverschlossene Schiffsöffnungen. Otto Hebecker, der von der Reederei für die Verhandlung beauftragte Sachverständige, ging davon aus, dass die Pamir im Sturm auf jeden Fall gesunken wäre, egal welche Sicherheitsmaßnahmen die Besatzung ergriffen hätte. Hebecker wurde jedoch vom Vorsitzenden Ekhard Luhmann nicht angehört.

Der Verlust der Pamir führte zum Ende der frachtfahrenden Schulschiffe, als nur wenige Wochen später die Passat außer Dienst gestellt wurde.

Nach Wikipedia, abgerufen am 25.12.2019

 

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Audiodokumentation zum Untergang der Pamir


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Volkstrauertag 2019

Die Kränze der Gemeinden und der Kirche des Kirchspiels Klein Wesenberg, sowie des Schützenvereins Klein Wesenberg und Umgegend von 1919 e.V. (mit der Kirche im Vereinswappen) und der Freiwilligen Feuerwehr des Kirchspiels Klein Wesenberg (nicht im Bild) für die toten Soldaten.

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SH Klein Wesenberg Kranz Schuetzenverein VTT2019 web


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Kirchenfenster von Erich Klahn

Auf der Südseite der Kirche befindet sich das »Lutherfenster«, das der Glasmaler Erich Klahn aus Lübeck 1923 gestaltet hat. Es ist 2,62 Meter hoch und 1,18 Meter breit und zeigt Luther beim Reichstag zu Worms.
 

Aus einem Beitrag im Deutschlandfunk vom 3. September 2015:
Künstler mit zweifelhafter NS-Vergangenheit

Der 1978 gestorbene Lübecker Maler Erich Klahn ist in der Kulturszene mehr als umstritten: Er gilt als völkischer, antidemokratischer Künstler, der sich für die Ziele der Nationalsozialisten einsetzte. [...] Thomas Vogtherr, Vorsitzender der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen: »Ein Künstler, der sich Laufe der Zeit, zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten in einer Art und einem Ausmaß hat instrumentalisieren lassen, das ziemlich beeindruckend ist – negativ beeindruckend, um es hinzuzusetzen.«


Hier können Sie den Beitrag lesen

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I N H A L T
Das Denkmal
Volkstrauertag 2008
Unsere gefallenen Helden
Aus der Geschichte
Der Grabhügel
»Wir treten zum Beten«
Das Eiserne Kreuz

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Klingberg, Kreis Ostholstein

Im Wald hinter der Geroldkirche

Das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten beider Weltkriege der Ortschaften Klingberg und Schürsdorf in der Gemeinde Scharbeutz ist nicht leicht zu finden. Am besten geht man vom Parkplatz vor der Geroldkirche nach rechts einen schmalen Wanderweg entlang bis man zu diesem Schild kommt:

SH Klingberg Wuerde web2


Dann weiß man, dass man auf dem richtigen Weg ist!

 

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Höher in den Wald hinauf geht es über eine langgezogene Treppe ...

 

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... bis der Sandweg um einen Hügel führt, auf dem man das Denkmal endecken kann.

 

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In der Gegend des heutigen Klingbergs siedelten Menschen schon um das Jahr 1700 v. Chr. Erhalten sind von dieser Kultur noch zahlreiche Hügelgräber, z. B. auch dieses, das »Grabhügel auf dem Fierth« genannt wird.

Der Hügel ist leicht oval und hat einen Durchmesser von ca. 15 Metern und eine Höhe von ca. 3 Metern. Er wurde in der älteren Bronzezeit errichtet und steht heute unter Denkmalschutz. In unserer Zeit ist er mit Bäumen und Büschen bewachsenen.

 

SH Klingberg legale Wege web


Von zwei Seiten kann man den Grabhügel erklimmen, mit Feld- und Bruchsteinen sind grobe Stufen angelegt worden. Jeder Archäologe, jede Archäologin erschauert wahrscheinlich über den Umgang mit diesem Grabhügel, der noch nicht erforscht worden ist. Welcher Stammeshäuptling mag dort begraben sein?

 

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Die seitlichen Treppen kommen vor dem Denkmal zu den vier letzten Stufen zusammen, die in repräsentativer Breite zum Denkmalsvorplatz führen.

 

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In der Mitte erhebt sich ein hoher rötlich-grauer Felsstein. Der Stein, die Bruchsteinmauer, in die er eingelassen ist und das Podest mit dem Widmungsstein bilden zusammen das 1921 errichtete Denkmal zum 1. Weltkrieg.

 

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Ganz oben im Denkmalsstein sehen wir ein flächiges, schwarz eingefärbtes Eisernes Kreuz im runden Medaillon. Das militärische Ehrenzeichen wird den toten Soldaten auf den Kriegerdenkmälern posthum und kollektiv für Tapferkeit und Treue verliehen, egal wie sich der Einzelne tatsächlich verhalten hat.

 

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Darunter werden auf einer tiefergelegten polierten Fläche die Namen von 21 toten Soldaten aufgelistet. Es werden die Vornamen, teilweise abgekürzt, die Familiennamen und der Todestag genannt. Vor dem Todestag werden die Todesumstände abgekürzt präzisiert: »gef.« für im Kampf getötet (15 Soldaten), »gest.« heißt kampflos im Lazarett gestorben, verunglückt oder Ähnliches (2 Soldaten) und schließlich »verm.« für keine aufgefundene Leiche (4 Soldaten). Die Namen sind chronologisch nach Todesjahr geordnet. Der letzte auf der Liste, Dr. Joh. Spengel, wurde wohl erst später aufgenommen, er wird nach vier Soldaten mit dem Todesjahr 1918 mit dem Todestag 6.8.16 genannt. Im Kriegsjahr 1917 sind 9 Soldaten, fast die Hälfte aller Männer, ums Leben gekommen.

 

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In das vorgesetzte schmale Podest aus Bruchsteinen ist ein abgerundeter gespaltener Findling eingemauert. Er trägt die Widmung:

Dem Andenken
unserer im Weltkriege 1914–1918
gefallenen Helden gewidmet.

Das dankbare Schürsdorf

Obwohl der 1. Weltkrieg so viele Menschenleben forderte und der Krieg verloren wurde, wird der Kriegstod in den Inschriften als sinnvoll interpretiert, für den man den Soldaten danken muss. Das anonyme Massensterben, das Grauen des Krieges wird vom Denkmal verbannt. Der »Heldentod« der Soldaten verpflichtet nun die Hinterbliebenen. Deren Dankbarkeit wurde hier auf ewig in den Stein gemeißelt.

 

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Schon von Anfang an waren die Holzbänke über Eck direkt an der seitlich gerundeten Denkmalsmauer angebracht. Kanthölzer sind in die Mauer eingelassen worden, auf denen die Bretter lagen und wahrscheinlich bis heute schon einige Male erneuert wurden.

 

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Rechts und links sind vor der niedrig auslaufenden Mauer klobige Podeste gemauert worden. Auf ihnen stehen die gespaltenen Findlinge zum 2. Weltkrieg. In Größe und Form fein aufeinander abgestimmt. Oben sehen wir wieder das militärische Ehrenzeichen, ein Eisernes Kreuz. Diesmal in Kontur und in einem quadratischen tiefergelegten Feld. Darunter die große, oben abgerundete Fläche für die Namen der Soldaten. Auf der linken Seite werden die 19 toten Soldaten aus Schürsdorf aufgezählt. Ähnlich wie auf dem Stein zum 1. Weltkrieg: Vor- und Familienname, hier nur mit dem Sterbejahr. Wieder sind die Namen chronologisch nach dem Sterbedatum geordnet. Je fünf Soldaten sind 1944 und 1945 ums Leben gekommen, also mehr als in den vier ersten Kriegsjahren zusammen. »Werner Griesbach 1945« ist ganz am Schluß der Liste nachgetragen worden, sein Name steht etwas kleiner unter »Schürsdorf«.

 

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Auch auf der rechten Seite befinden sich schlichte, aufgelegte Holzbretter als Sitzgelegenheit.

 

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Hier sieht man, wie das gemauerte Podest an die ursprüngliche Denkmalsmauer angebaut wurde und wie der Findling von hinten abgestützt werden musste.

 

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Der rechte Stein für die 14 toten Soldaten aus Klingberg ist genauso wie der linke Stein gestaltet. Sechs Soldaten sind allein im Kriegsjahr 1944 ums Leben gekommen.

Die feine eingemeißelte Schrift sieht aus wie gerade frisch ausgemalt.

 

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Hier noch einmal die gesamte Anlage mit dem abgerundeten Vorplatz an der höchsten Stelle des vorgeschichtlichen Grabhügels.

 

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Die Anlage von hinten.

 

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Hier und auf den folgenden Fotos sieht man, dass das Schild am Anfang des Weges »Wahret die Würde des Ehrenmals« gut gemeint, aber eher ein frommer Wunsch ist. Dieser Grabhügel ist ein Kletterberg geworden, wahrscheinlich schon für viele Generationen von Schürsdorfer und Klingberger Kindern und Jugendlichen. Das Denkmal lockt!

 

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Volkstrauertag 2008

Zwei Kränze sind am Denkmal niedergelegt worden. Wir sehen den Grabhügel mit Bäumen ohne Laub, fotografiert am 1. Januar 2009.

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SH Klingberg VTT2008 Genet at de wikipedia gesamt web
Fotos: Genet@de.wikipedia


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Unsere gefallenen Helden

»Mit der Bezeichnung ›Held‹ sollte die besondere militärische Leistung des Gefallenen, die letztendlich vor allem in seinem Tod bestand, verbal ausgezeichnet werden. Der Tod der Soldaten belegt nicht ihr militärisches Versagen, sondern zeugt von besonderem Mut und Einsatz. Das soll die Hinterbliebenen stolz machen. [...] Die Soldaten, die lebend aus dem Krieg wieder heimgekehrt sind, werden in den Inschriften nicht als Helden bezeichnet.«

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, S. 89


»Das erste idelogische Moment des politischen Totenkults wird in historischen Untersuchungen selten angesprochen, so selbstverständlich ist es offenbar: Der tote Feind gilt nichts. Totengedenken und nationale Feindschaft gehen Hand in Hand. Die Rechtfertigung des eigenen Tötens bleibt ausgeblendet, ist immer nur implizit anwesend, als unbefragte Voraussetzung. Explizit handelt der Totenkult allein vom Sinn des Sterbens, des Sich-Opferns.«

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 98


»Jede Glorifizierung eines Menschen, der im Kriege getötet worden ist, bedeutet drei Tote im nächsten Krieg.«

Kurt Tucholsky

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Aus der Geschichte

Heinrich Ackermann, ein ehemaliger Soldat, kam 1919 nach Schürsdorf, ließ sich dort nieder und hatte die Idee, ein Kriegerdenkmal für die toten Soldaten von Schürsdorf zu errichten. Er berief zu diesem Zweck eine Versammlung ein und gründete die Kyffhäuserkameradschaft von Schürsdorf. Als Denkmalsort wurde der Grabhügel »Auf dem Fierth« im Norden von Klingberg und Schürsdorf ausgesucht. Rücksicht auf die Folgen für die vorgeschichtliche Grabstätte war kein Thema.

Willy Rischmüller war als Junge beim Denkmalsbau und der Einweihung dabei und berichtet darüber im Jahrbuch für Heimatkunde, Eutin 1968. Planung und Bau des Schürsdorfer Ehrenmals, S. 182-185. Wir zitieren in der Folge daraus:

»Man entschloß sich, wenn möglich, alles mit eigenen Mitteln und vor allem mit eigenen Händen zu machen. [...] So machte man sich auf die Suche nach erratischen Blöcken. Da meldete sich der Bauer Heinrich Böckmann und meinte, man solle zuerst den Felsen aus seinem ›Gassenhof‹ holen. Diese Koppel lag dem Gasthof ›Zur Erholung‹ gegenüber. Auf ihr stand eine alte Räucherkate, in der wohnte Johann Heyer, er hatte sich schon oft über den am Hang liegenden Felsen geärgert, der nur 10 - 15 cm unter der Oberfläche lag; der Pflug streifte ihn jedesmal. Wohl versuchte er, den Felsen zu beseitigen, aber dieser widerstand allen Versuchen. So erging es auch Heinrich Böckmann, als er dieses Feld von seinem Verwandten übernahm. Alle einigten sich, es solle versucht werden, den Felsen freizulegen, um ihn zu verwenden.

Männer der Kyffhäuserkameradschaft machten sich nun mit Schaufel, Spaten und Hacke an die Arbeit. Aber je tiefer sie gruben, umso breiter wurde der Stein. Nach langem Mühen legte man ihn endlich frei. Was für ein Felsen! Keiner sah bisher so einen Stein. [...]

Alle erkannten, daß so ein Bergen des Steines unmöglich war, der mußte gesprengt werden. Dazu boten sich Hermann Möller, Christian Möbiz und Hermann Löhmann an; sie waren im Krieg bei den Pionieren gewesen, kannten etwas von diesem Handwerk und wollten es versuchen.«


Es folgt nun die Beschreibung von einigen vergeblichen Versuchen und schließlich dem letzten, der in einer gewaltigen Explosion mit einigen Kollateralschäden endete.


»Der Stein, als aller Staub sich verzogen hatte, sah man es, war in drei Teile zersprungen. Den mittleren Teil wollte man als Gedenkstein nehmen. Beim Betrachten der anderen Teile kam der Gedanke auf, das ganze Denkmal aus den Teilen dieses einen Steines zu machen. Das Denkmal sollte eine Einheit darstellen. So wie die Kameraden sich als zusammengehörig fühlten, so sollten auch alle Teile des Denkmals ein einheitliches Aussehen haben!

Nun holte Ackermann den Steinschläger Schuldt aus Pansdorf. Er zerschlug zwei Teile in brauchbare Stücke, so daß sie sich zum Bau eigneten.

Um das größte Stück nun aus dem tiefen Loch zu ziehen, rammten die Unermüdlichen an der Straße mächtige Stämme ein, befestigten daran einen starken Flaschenzug und zogen es Zentimeter für Zentimeter aus der Grube.

Von der Firma Frank, Pönitz, holte Ackermann einen Tieflader, und mit Hebebäumen gelang es schließlich, den Stein aufzuladen.

Der Bauer Otto Salomon stellte acht Pferde zur Verfügung, und dann ging es zum Fierth. Rudolf Utermöhl, Arbeiter bei Salomon, lenkte mit kundiger Hand das Gespann.

Nun holte Ackermann den Steinmetz Dittmann aus Pönitz am See. Er meißelte die Namen der Gefallenen, Vermißten und an den Folgen der Verwundung Verstorbenen in den Stein.«


Nach dem mit der Kyffhäuserkameradschaft besprochenen Plan mauerte Hermann Möller, ein Spezialist im Schornsteinbau, das Denkmal kostenlos auf. Die Kyffhäuserkameraden wirkten als Handlanger mit.


»Als der Mittelsockel fertig und abgebunden war, kam die Firma Frank mit starken Balken, legte eine schiefe Ebene zum Hügel, umschlang den Stein mit Ketten, und mit zwei Flaschenzügen zogen wir den Stein nach oben.

Es war wirklich Gemeinschaftsarbeit. Jeder, der Zeit hatte, war im Fierth, auch wir Jungen zogen an den Tauen. Wie schwer der Stein war, kann man daran erkennen, daß ein Flaschenzug riß und die Gefahr des Abrutschens bestand. Aber am Ende ging alles gut, auch das Aufrichten auf den Sockel.

 

 

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Als alles fertig, auch der Hügel bepflanzt war, plante Ackermann die Einweihung. [...] Ein Festzug stellte sich im Dorf auf, Vereine, Schule, die ganze Bevölkerung nahm teil.


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Auf dem Hügel standen die Kinder der Schule unter der Leitung des Hauptlehrers Ernst Rischmüller. Ich selbst war auch mit im Chor. Nach dem Lied ›Wir treten zum Beten‹ sprach Ackermann zu den Anwesenden Worte des Gedenkens. Der heutige Bischof Kieckbusch hielt die Weiherede.«

 

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Am Ende der Feier sang der Chor: »Wie sie so sanft ruhn, alle die Seligen«.

 

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Das Foto zeigt das Denkmal zum 1. Weltkrieg ca. 1926 auf dem Grabhügel »Fierth«, es ist der eindrucksvollste im Schürsdorfer Raum. Der Hügel war in früheren Zeiten meist mit Ginster und Heidekraut bewachsen. Noch im späten Mittelalter weidete drumherum das Jungvieh und hielt so die 60 Meter hohe Kuppe mit der vorgeschichtlichen Grabanlage darauf kahl, sodass man oben einen herrlichen Blick über die Landschaft hatte. Auch auf dem Foto bekommt man eine Ahnung davon: im Hintergrund, im Norden, sieht man den Pönitzer See, im Osten wäre die Lübecker Bucht, im Süden der Ratekauer Kirchturm und bei klarem Wetter konnte man die Spitzen der Lübecker Kirchtürme sehen.

 

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Das Denkmal nach der Ergänzung zum 2. Weltkrieg in den 60er Jahren: die ersten Bäume sind gepflanzt, ein Holzgeländer sichert den Weg.


Wir danken sehr herzlich Dr. Kersten Jungk, Vorsitzender des Vereins für Regionalgeschichte der Gemeinde Scharbeutz und Umgebung e.V. für die freundliche Überlassung der Fotos. Das letzte Foto aus den 60er Jahren illustriert den Beitrag von Willy Rischmüller im Jahrbuch für Heimatkunde, Eutin 1968


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der Grabhügel

Wir zitieren aus dem Jahrbuch für Heimatkunde, Eutin 1979: Otto Jarchow, Vorgeschichtliche Grabhügel um Schürsdorf, S.31-38.

»Eine große Zahl von Grabanlagen und viele Einzelfunde beweisen, daß diese Landschaft in der jüngeren Steinzeit (3000-2000 v. Chr.) bewohnt war. Schon in vorgeschichtlicher Zeit gab es Handelsbeziehungen zwischen den verschiedenen Völkerschaften. In der Bronzezeit kamen die Händler von weither, aus dem Römischen Reich, aus Böhmen und Ungarn, um Metalle, Schmucksachen und metallene Geräte gegen den geschätzten Bernstein einzutauschen, der nach jedem Sturm in beachtlicher Menge ans Land gespült wurde. [...]

Ein wichtiger Handelsweg führte an der Ostsee entlang gen Norden. Die Händler benutzten natürlich die Wege, die die einzelnen Siedlungen miteinander verbanden.«

Es starben fahrende und auch sesshafte Menschen und sie mussten begraben werden. Und für besonders wichtige wurden große Anstrengungen unternommen, sie würdig zu bestatten.

»Im allgemeinen stammen die außergewöhnlich hohen Hünengräber aus der älteren Bronzezeit, 1500 v. Chr. [Der Grabhügel auf dem das Klingberger Kriegerdenkmal steht ist der imposanteste in der Gegend]. Es handelt sich sicher um das Grab eines Angehörigen des herrschenden Geschlechts, der einstmals über viele Untertanen verfügte; denn für die damalige Zeit war es eine gewaltige Leistung, ein Grabmal von diesen Dimensionen zu errichten. Tausende von Fuhren waren mit den einfachen hölzernen Wagen zu leisten, bis so ein Bauwerk fertig war. [...]

Über den Inhalt der frühbronzezeitlichen Gräber gibt eine Grabung des Landesamtes für Vor- und Frühgeschichte Auskunft, die im Jahre 1968 auf der Gleschendorfer Feldmark durchgeführt wurde. Beim Überpflügen einer Geländekuppe, die die weitere Umgebung bedeutend überragte, stieß der Bauer mit seinem Pflug immer wieder auf eine Steinsetzung. In jedem Jahr mußten größere und kleinere Felsen weggeräumt werden, bis zuletzt die Fachleute vom Landesamt der Sache auf den Grund gingen. [...] Nach Abräumen der Decksteine erkannte man in der Mitte eine Mulde, 2,20 m x 1 m, die rings von größeren Stützsteinen umgeben war, die Mulde für den Sarg. Hier und da verfärbten winzige Kohle- und Knochenteilchen den gelben Sand in der Vertiefung. An Beigaben fand man lediglich einige bronzezeitliche Scherben und mehrere Flintabschläge. [...] In unseren bronzezeitlichen Gräbern haben sich die Beigaben im Laufe der Jahrtausende in ihre Bestandteile aufgelöst.

Wie groß die Zahl der vorgeschichtlichen Grabhügel an unserem alten Handelsweg einmal gewesen ist, davon kann man sich ein Bild machen, wenn man einmal die Scharbeutzer Heide oder die Neukoppel durchwandert. Große Hügel und kleine Gruppen von flachen kreisförmigen Bodenerhebungen markieren sich im Landschaftsbild. [...] Unsere Heimat war einstmals sehr reich an vorgeschichtlichen Denkmälern mancherlei Art. Leider wurden sehr viele in der Zeit des Chausseebaus und der großen Agrarreform zerstört. Als z.B. im Jahr 1840 die Chaussee von Garkau nach Lübeck gebaut wurde, hatten die Hufner der anliegenden Dorfschaften je 50 vierspännige Fuhren Steine herbeizuschaffen. Wenn die Bauern nicht selber über genügend Steinmaterial verfügten, wiesen ihnen die amtlich bestellten Steinbrecher geeignete Felsen nach. Dabei sind viele kleine Steinkammern und besonders auch die Steinkränze weggeräumt worden. Gerade die älteren Grabkammern, die an jeder Seite nur einen Tragstein und darüber einen flachen Deckstein hatten, boten sich als geeignetes Wegebaumaterial an. [...]

Eine ganze Anzahl von Grabhügeln, die auf alten Flurkarten eingezeichnet sind, fielen der intensiven Landwirtschaft zum Opfer. Daran ist leider nichts mehr zu ändern.

Aber die Hügelgräber, die heute noch in unseren Wäldern und die wenigen, die noch auf den Feldern erhalten blieben, sind oder werden vom Landesamt unter Schutz gestellt. [...]

Manche Grabhügel haben einen Zeitraum von 4000 – 5000 Jahren überstanden. Es müßte für uns eine heilige Verpflichtung sein, was wir in dieser Beziehung von den Vätern ererbten, der folgenden Generation zu übergeben und anzuvertrauen.«


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»Wir treten zum beten«

Das Lied ist auch bekannt als »Niederländisches Dankgebet«. Die Kinder des Schulchors sangen es bei der Einweihung des Klingberger Denkmals.

Wir treten zum Beten
vor Gott den Gerechten.
Er waltet und haltet
ein strenges Gericht.
Er läßt von den Schlechten
die Guten nicht knechten;
Sein Name sei gelobt,
er vergißt unser nicht.

Im Streite zur Seite
ist Gott uns gestanden,
Er wollte, es sollte
das Recht siegreich sein:
Da ward, kaum begonnen,
die Schlacht schon gewonnen.
Du, Gott, warst ja mit uns:
Der Sieg, er war dein!

Wir loben Dich oben,
Du Lenker der Schlachten,
und flehen, mög’st stehen
uns fernerhin bei,
dass Deine Gemeinde
nicht Opfer der Feinde!
Dein Name sei gelobt,
o Herr, mach’ uns frei!


Jede Strophe, wir zeigen die 1. und die 3., wurde während des 1. Weltkriegs illustriert und als Postkartenmotiv tausendfach gedruckt:

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In der deutschen Übersetzung des Dichters Joseph Weyl (1821–1895) und dem Arrangement für Singstimmen und Klavier des Wiener Komponisten und Musikdirektors Eduard Kremser (1838–1914) wurde »Wir treten zum Beten vor Gott, den Gerechten« nach der Veröffentlichung 1877 schnell sehr beliebt, vor allem durch den persönlichen Einsatz Kaiser Wilhelms II. Das Lied wurde Bestandteil des Großen Zapfenstreichs und häufig bei Anlässen besonderer Bedeutung gespielt. Es entwickelte sich geradezu zum Inbegriff der Thron-und-Altar-Zivilreligion des Kaiserreiches.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Lied bewusst bei Massenveranstaltungen eingesetzt, um ihnen eine würdevolle Weihe zu geben und um die angeblich gottgewollte Kontinuität des Dritten Reiches mit dem Deutschen Reich zu betonen. So zum Beispiel am 9. April 1938 im Anschluss an die Rede Hitlers in Wien: »Danach Niederländisches Dankgebet, gesungen vom Wiener Männergesangsverein. Die Nation singt mit. Bei der dritten Strophe läuten alle Glocken der Kirchen im Reichsgebiet«.

Gott, der Gerechte wurde zu einer Metapher für die »Vorsehung«, und das Lied verkam zur Durchhalteparole. Als solche ist es unter anderem in den Filmen Fridericus Rex und Kolberg (1945) sowie in Joseph Vilsmaiers Stalingrad (1993) zu hören.

nach Wikipedia, abgerufen am 9. Juli 2020


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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden.

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• »Fake News« anno 1914: Das Deutsche Reich hatte gerade das neutrale Belgien überfallen, damit die Truppen sich auf dem schnellsten Weg zum Erzfeind Frankreich begeben konnten.

Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


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• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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I N H A L T
Das Denkmal
Volkstrauertag 2019
Inschriften zum 1. Weltkrieg
Inschriften zum 2. Weltkrieg
Der Adler
Das Eiserne Kreuz
Der Stahlhelm

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Kükels, Kreis Segeberg

An der Hauptstraße bei einer Abzweigung

Ein mehrstufiges Monument auf gemauertem Sockel aus meist rötlichen Natursteinen, oben ein steinerner Adler auf einer Kugel: das ist das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs. Errichtet wurde es im Jahr 1921, ergänzt um die Seitenflügel 1958 für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs.

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Es scheint so, als hätte der Besitzer des Grundstücks mit großem Haus, ein Ecke für die Denkmalsanlage abgezwackt. Eine lange Drei-Stein-Granitmauer begrenzt sein Grundstück zum Fußweg weit über den Denkmalsplatz hinaus.

 

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Über drei einteilige Granitstufen erreicht man den kurzen Sandweg direkt zum zentralen Denkmal und seitlich zu den ergänzten Monumenten.

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Großflächige, akurat beschnittene Hecken flankieren den Weg bis zu den vier Rhododendren, die über die Breite der Anlage verteilt sind.

 

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Auf dem Sommerfoto erkennt man Eichenlaub, das vom großen Baum links hinter dem Denkmal herüberragt.

 

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Ein grimmiger, detailreich gearbeiteter Adler bewacht das Denkmal zum 1. Weltkrieg. Er sitzt auf einer Granitkugel, die raffiniert von unten gestützt wird. Ob er auf einer Weltkugel oder einer Kanonenkugel thronen soll, wissen wir nicht.

 

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Die schmale Steintafel im oberen Teil des Monuments trägt ein einfaches Eisernes Kreuz. Das militärische Ehrenzeichen ist konturiert dargestellt. Darunter die Widmung:

UNSEREN
HELDEN
1914 – 1918

 

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Darunter, wie in einem engen Schrein: ein Stahlhelm im Relief.

 

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Im Sockelbereich ist die breite Namenstafel eingelassen. Als Titel steht mittig das Wort:

Gefallen

Darunter werden in zwei Spalten die Namen der 13 toten Soldaten aufgeführt. Vor- und Nachname, der Todestag und das Kriegsgebiet, West- (W) oder Ostfront (O), werden genannt. Es zeigt sich, dass die Mehrheit im Westen gestorben ist, drei im Osten. Die Namen sind chronologisch nach Sterbedatum geordnet, der einzige Vermißte steht am Ende, obwohl sein Sterbetag exakt mit dem 4.8.16 W angegeben wird.

 

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Unter den Namen steht die Zeile:

Treu und tapfer bis in den Tod

 

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An beiden Seiten des zentralen Denkmals steht je ein quer rechteckiges Monument, zusammengesetzt aus verschieden langen Granitstücken. Ohne weiteren Dekor sind sie die Rahmen für die Namenstafeln der toten Soldaten des 2. Weltkriegs. Die Namenstafeln sind der Tafel zum 1. Weltkrieg angepasst in der Schrifttype und in der Art der Aufzählung: Vor- und Nachname, Todestag, Kriegsgebiet. Wieder wird chronologisch nach Todestag geordnet. Gleich ist auch der Titel über den Namenslisten, allerdings diesmal mit Doppelpunkt

Gefallen:

Aber schon auf der ersten Tafel zeigt sich auch ein eklatanter Unterschied: nicht nur, dass schon auf der ersten Tafel 18 Soldatennamen (insgesamt sind es 32) aufgeführt sind, alle Soldaten sind an der Ostfront zu Tode gekommen.


Auf dem oberen Querbalken wird jeweils ein Teil des ausgewählten Sinnspruchs eingerahmt von den Jahreszahlen des 2. Weltkriegs. Links lesen wir:

Den Toten zum Gedenken

Der zweite Teil folgt rechts:

Den Lebenden zur Mahnung

 

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Auf der zweiten Tafel geht die Liste weiter bis zu Otto Kaufmann, der am 1.3.47 im Osten gestorben ist, also in Kriegsgefangenschaft, wie auch Hans Werner Krebitz, der am 31.12.45 im Osten starb. Auf dieser Tafel ist einzige Tote der Westfront aufgeführt. Es folgen im unteren Teil der Tafel die vermissten Soldaten. Von den acht Soldaten kennt man nur das Jahr, in dem sie vermisst wurden, von dreien auch den Monat. Ein Soldat wird seit März 1945 im Süden vermisst.


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Volkstrauertag 2019

»Den Toten zum Gedenken« steht auf der Kranzschleife der Gemeinde Kükels, wie auch über der ersten Namenstafel zum 2. Weltkrieg.

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»Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. ›Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.‹ [Ralph Giordano, Die zweite Schuld, S. 324].«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 29
 

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Inschriften zum 1. weltkrieg

Die Zeugen militaristischen Denkens stehen unkommentiert an den Dorfstraßen, obwohl sie unverhohlen Kriegerheldentum propagieren und den Soldatentod als ehrenvoll bezeichnen.

Unseren Helden

»Prinzipiell existieren keine Helden, sondern sie werden per Zuschreibung von außen dazu gemacht. Dies erkennt man bereits daran, dass heute andere Menschen als Helden gelten, als zur Zeit des 1. und  2. WK. Es handelt sich um eine Konstruktion, die einen bestimmten Zweck erfüllen soll, denn nicht jeder Soldat ist ein Held. Auch werden andere am Krieg direkt oder indirekt Beteiligte (Dichter, Ärzte, Hausfrauen, Invaliden usw.) deutlich seltener als Helden verehrt – von Kriegsgegnern ganz zu schweigen. Durch diese ›Opferhelden‹ werden bestimmte Werte, die dieser Held verkörperte erhöht und für die Gesellschaft als besonders erstrebenswert definiert, wie z.B. die Opferbereitschaft, ›Vaterlandsliebe‹, Mut, Furchtlosigkeit. Im Gegenzug lässt sich gleichfalls nicht heldisches Benehmen erkennen: Zögern, Zaudern, Furcht, Illoyalität usw. Durch den universellen Anspruch des Heldengedenkens wird die ›Leistung für das Gemeinwesen‹ anerkannt und wirkt fortan als Vorbild, was zur Militarisierung der Gesellschaft beiträgt (Opferheldenverehrung des 1. WK trug zu Militarisierung im Zuge des 2. W.K. bei). ›Jede Glorifizierung eines Menschen, der im Krieg getötet worden ist, bedeutet drei Tote im nächsten Krieg.‹ (Kurt Tucholsky)«

www.kirchliche-dienste.de/arbeitsfelder/frieden/Gedenkorte-fuer-Verstorbene-der-Weltkriege

»›Sie starben den Heldentod‹ steht auf den Denkmälern. So, als ob das Sterben die Erfüllung ihres Lebens, die Bestimmung des soldatischen Auftrags ist. Der Tod eines Soldaten muss erklärt und gerechtfertigt werden und er begründet eine spezifische Erinnerungspflicht. Wobei es nicht die Toten sind, die die Lebenden dazu verpflichten könnten, es sind immer die Überlebenden, die als Denkmalstifter die Getöteten für ihre Zwecke benutzen, sie als Helden, als Retter des Vaterlands, als Vorbild für Treue und Pflichterfüllung benennen, deren Tod nicht sinnlos gewesen sein darf. Bis 1945 benutzen die Nationalsozialisten die toten Soldaten für eine Verpflichtung an die nachfolgende Generation, ihnen an Kampfesmut und Opferbereitschaft nicht nachzustehen.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S.33


»Mit der Bezeichnung ›Held‹ sollte die besondere militärische Leistung des Gefallenen, die letztendlich vor allem in seinem Tod bestand, verbal ausgezeichnet werden. Der Tod der Soldaten belegt nicht ihr militärisches Versagen, sondern zeugt von besonderem Mut und Einsatz. Das soll die Hinterbliebenen stolz machen. [...] Die Soldaten, die lebend aus dem Krieg wieder heimgekehrt sind, werden in den Inschriften nicht als Helden bezeichnet.«

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone 2006, S. 89

 

Treu und tapfer bis in den Tod

»Zum Volkstrauertag am Sonntag hat die evangelische Kirchengemeinde ›Zum Heiligen Kreuz‹ in Sehnde bei Hannover zusammen mit der Kommune ein Kriegerdenkmal in ein Friedensmahnmal umgewandelt. Eine neue Tafel vor dem Denkmal warnt nun vor einer Verharmlosung des Krieges. Der 1923 eingeweihte Gedenkstein steht neben der Kirche, zuvor war er lange an einer Bundesstraße zu finden. Er sollte an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus Sehnde erinnern.

Wegen seiner Inschrift wurde das Denkmal jedoch seit längerer Zeit kritisiert. [...] Die Botschaft klammere Trauer, Vertreibung, Seuchen und Elend als Folgen des Krieges aus und verherrliche den Heldentod, erklärte im Namen des Kirchenvorstands Pastor Uwe Büttner.

Auf der neuen Tafel steht nun, das Denkmal sei Ausdruck des damals vorherrschenden Zeitgeistes. Indem der Sinnspruch das Sterben auf dem Schlachtfeld verherrliche, verharmlose er die Brutalität und rechtfertige Krieg als Lösung zwischenstaatlicher Konflikte.

Aus christlicher Sicht müsse ein Kriegsdenkmal aber dazu mahnen, Kriege zu verhindern, heißt es weiter auf der Tafel, ergänzt durch den biblischen Satz: ›Zum Frieden hat euch Gott berufen.‹«

Epd, 2018

»Den Tod der Menschen als Dienst für das Vaterland, ihr Töten und Getötetwerden als Tapferkeit und Mut darzustellen [...] dient auch dazu, die Soldaten (und ihr Umfeld) bei der Stange zu halten und junge Menschen dazu zu bringen, sich als Soldat zu verpflichten und in diesen und andere Kriege zu ziehen.«

Jonna Schürkes, Internationale der KriegsdienstgegenerInnen, »Man stirbt fürs Vaterland: Der Rückgriff auf Begriffe wie Tapferkeit, Treue und Ehre zur Legitimierung von Kriegseinsätzen und zur Rekrutierung von Soldaten«


Lesen Sie hier den ganzen Beitrag

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Inschriften zum 2. weltkrieg

Den Toten zum Gedenken
Den Lebenden zur Mahnung

Diese Widmung erinnert im Duktus an die Inschrift am Nationaldenkmal für die Befreiungskriege auf dem Kreuzberg in Berlin.

Auf der höchsten Stelle der Erhebung legte König Friedrich Wilhelm III. am 19. September 1818 den Grundstein des deutschen Nationaldenkmals für die Siege in den Befreiungskriegen. Die Einweihung des Denkmals erfolgte am 30. März 1821, dem Jahrestag der Erstürmung des Montmartre. Bei gleicher Gelegenheit erhielt der Hügel seinen heutigen Namen Kreuzberg. Die Widmungsinschrift verfasste im Auftrag des Königs der Altphilologe August Boeckh:

»Der König dem Volke,
das auf seinen Ruf hochherzig
Gut und Blut dem Vaterlande darbrachte.
Den Gefallenen zum Gedächtniß,
den Lebenden zur Anerkennung,
den künftigen Geschlechtern zur Nacheiferung.«

Die zweite Hälfte dieses Textes war gängige Vorlage für Kriegerdenkmäler beider Weltkriege, teilweise mit einzelnen veränderten Wörtern oder man verzichtete, wie in Kükels und besonders bei Denkmälern für den 2. Weltkrieg, auf die Zeitebene der Zukunft.


»Ein Mahnmal mahnt so wenig wie
ein Denkmal denkt und ein Grabmal gräbt
man wollte sie nicht vergessen, die Burschen
man wollte allerdings vergessen die Tränen.«

• Georg Schwikart

 

Gefallen

»Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: ›der Gefallenen‹. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung ›Gefallene‹ eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort ›fallen‹ verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der ›fiel‹, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort ›fallen‹, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.«

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S.100


»Die Entscheidung für Metaphern deutet darauf hin, dass das Grauen des Kriegstodes vom Denkmal verbannt werden sollte. An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort ›Gefallener‹ (oder ›gefallen‹) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 60/61

»›Gefallenendenkmal‹ verweist auf das Wort ›fallen‹, dem Wörter wie ›hinfallen‹ aber auch ›fällen‹ zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort ›fallen‹ seines Schreckens, im Wort ›fällen‹ verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort. [...] Die deutsche Sprache bevorzugt auch dafür einen schönfärbenden Ausdruck: ›im Felde gefallen‹ oder ›auf dem Felde der Ehre gefallen‹. Nicht auf ein ›Gefallenendenkmal‹ gehörten demnach alle, die beim Beschuss der Unterkunft, im Lazarett, auf dem Transport oder in Gefangenschaft ums Leben kamen.«

• Ebd., S.22

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Der Adler

Der Adler ist als »der mächtigste König im Luftrevier« (Anfang des »Seeräuberlied«, das zum Marschliederkanon der Wehrmacht gehörte), der König der Lüfte und wehrhafter Beschützer seines Horstes.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 137


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Als Hoheitszeichen des Deutschen Reiches und als Symbol für deutsche Macht und Stärke galt der Seeadler. Der Raubvogel konnte nach 1871 wachsam nach Westen spähen, oft aufreizend mit den Flügeln schlagen und/oder den geöffneten Schnabel drohend dem französischen Feind entgegenstrecken. [...]
Unmittelbar vor der Unterzeichnung des Versailler Vertrages stieß die »Deutsche Tageszeitung« vom 26. Juni 1919 den Stoßseufzer aus, es möge »vielleicht doch in nicht so ferner Zeit [...] – der Tag komm[en], an welchem das Deutsche Volk sich aus seinem tiefen Fall wieder erheben kann und der deutsche Adler von neuem den Flug zur Sonne unternimmt.« Dieser sehnsüchtige Wunsch wurde in die Gedenkwelt hineingetragen [Hamburg-Gross Borstel, Oktober 1922: »Mit kräftigen Krallen steht er trotzig und lauernd auf seinem eisernen Grund, den scharfen Blick nach Westen gerichtet«. Wasserkuppe/Rhön, 1923, Weiherede des Oberstleutnants a.D. Walter von Eberhardt: »Und eigene Kraft wird es sein, die alle Fesseln, die Schmach und Schande, die Not und Elend uns angelegt haben, wieder sprengen wird. Nach Westen blickt der Adler. Er weist uns den Weg, den wir gehen müssen.« Auch dort die Kranzschleife des »Bundes der Jagdflieger« am Tag der Einweihung: »Adler, Du, halte die Wacht! Um uns ist Schande und Nacht. / Siehe, dort hinter dem Rhein / Schlummert der Brüder Gebein / Bis einst der Morgen erwacht. Adler, Du, halte die Wacht!«]

Loretana de Libero, »Rache und Triumph, Krieg Gefühle und Gedenken in der Moderne«, De Gruyter Oldenbourg. Beiträge zur Militärgeschichte. Band 73. S. 95f

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


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• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008


Soldaten der Wehrmacht kämpfen nicht nur pflichtschuldig  und gehorsam. Ohne die Gefühlswelt aus Stolz, Ehre und Männlichkeit ist nicht zu erklären, warum so viele an die Front streben – und dem Krieg bis zum Untergang verhaftet bleiben. (Frank Werner in ZEITGeschichte 4/2018)

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Geschickte Propaganda: Begehrenswerte Ordensbrust in »Die Woche« Januar 1940.

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

Neben dem Thorshammer ist das Eiserne Kreuz das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z. B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle.

 

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Der Stahlhelm

Neben dem militärischen Ehrenzeichen Eisernes Kreuz ist die Darstellung des Stahlhelms das meist gezeigte Symbol auf Kriegerdenkmälern. Wie kam es zu dieser Wirkmacht?

Die neuen Methoden der Artilleriekampfes im 1. Weltkrieg erforderten einen verbesserten Kopfschutz für die Soldaten. Der Lazarettarzt Professor August Bier (nach ihm ist z.B. eine Klinik in Malente benannt) beobachtete höchst gefährliche Granatsplitterverletzungen des Gehirns in erschreckender Häufigkeit und entwickelte darum zusammen mit dem Ingenieur Dr. Friedrich Schwerd den neuen Helm aus Stahl, der die bis dahin getragenen ledernen Pickelhauben ablöste. Die ersten 30 000 Helme wurden im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert.

Die Vorstellung von der stählernen Schutzwirkung wurde fortan auf Postkarten, Kriegsanleiheplakaten, Schmuckblättern usw. propagandistisch ausgeschlachtet und symbolisch überhöht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde dieser Symbolwert noch gesteigert.


     SH Kasseedorf Plakat Stahlhelm web

     Plakat von Ludwig Hohlwein zum 10. Reichsfrontsoldatentag 1929

»Der Historiker Jürgen Kraus macht drei vorherrschende semantische Felder aus, die dem Stahlhelm in diesem propagandistischen Zusammenhang schon für die Zeit des Krieges zugeordnet werden können. Zum einen hoben die Kriegsanleiheplakate den einzelnen Soldaten aus dem ›massenhaften Elend der Materialschlachten‹ heraus, der nun ›gleichermaßen geschützt wie heroisiert durch den neuen Stahlhelm siegessicher als Heldenfigur auf den Plakaten erschien.‹ In seiner Funktion als Schutzhelm verwies er auf die Gefahren und den Tod auf dem Schlachtfeld und wurde von daher zum Symbol für die Front schlechthin. Viel stärker als die Pickelhaube, die nun endgültig als Symbol für das Militär abgelöst war, vermochte der Stahlhelm den veränderten Bedingungen des Krieges kurz vor dessen Ende auch symbolisch Rechnung zu tragen.

Ein zweites semantisches Feld ergab sich besonders in der zweiten Kriegshälfte aus ›der Vorstellung der ›stählernen‹ Schutzwirkung des Stahlhelms‹, die nahe legte, daß der so behelmte Soldat an der Front imstande war, dem permanenten Beschuß durch den übermächtigen Feind, dem ›Stahlgewitter‹, standzuhalten und damit ein Vorbild für den Durchhaltewillen an der Front und auch in der Heimat zu sein.

Das dritte semantische Feld folgt laut Kraus schließlich aus der großen formalen Ähnlichkeit des neuen Stahlhelms mit typischen Helmformen des Mittelalters. [...] Indem der Träger des Stahlhelms so in die Nähe der historischen Gestalt des Ritters ›als Repräsentant des deutschen Heeres‹ gerückt wurde, was auf zahlreichen Plakaten der Zeit in vielfältiger Weise geschah, konnte er als überzeitlicher ›Kämpfer für Deutschland‹ stilisiert werden, der »ganz wie seine Vorkämpfer über die Jahrhunderte hinweg Unheil von Deutschland abzuwehren bestimmt war.«

Aus Kriegsvolkskunde, Gottfried Korff (Hg.), Tübinger Vereinigung für Volkskunde e.V., 2005, S.13


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