NEUE SICHT AUF ALTE HELDEN?

Kriegerdenkmäler in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern sind nach dem 2. Weltkrieg viele Denkmäler, mit zum Teil kriegsverherrlichenden Symbolen und Inschriften, zerstört worden. Aber immer noch sind heute viele hundert Kriegerdenkmäler dokumentiert. Etliche von diesen sind durch die Entfernung besonders militaristischer Darstellungen verändert worden. Gleichzeitig wurden vielerorts Tafeln zur Erinnerung an den 2.Weltkrieg mit deutlichen Friedensaufrufen angebracht. Vereinzelt, mit zunehmender Tendenz, wurden nach dem Ende der DDR alte Kriegerdenkmäler wieder aufgestellt, siehe zum Beispiel den »Soldaten« in Stolpe auf Usedom oder sogar Denkmäler für tote Wehrmachtssoldaten des 2.Weltkriegs neu aufgestellt, siehe Mueß.

Noch bestehende Denkmäler zum 1.Weltkrieg sind oft mit den bekannten Widmungen versehen: Unseren gefallenen Helden… Heldentod… Vaterland… auf dem Feld der Ehre... habt Dank ihr Krieger.

Wenn nicht anders angegeben stammen die Fotos von Matthias Hübner (www.dorfkirchen-in-mv.de) oder Marlise Appel, Evangelische Akademie der Nordkirche.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

 

 


I N H A L T

Das Denkmal
Die Inschriften
Das Eiserne Kreuz
Der Bibelspruch
Die Geschichte

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Hohen Sprenz

Landkreis Rostock

An einer Straßengabelung entdeckt man auf dem Grünstreifen neben einer beeindruckenden Eiche und vor bzw. unter einer Blutbuche das Denkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs im Kirchspiel Hohen Sprenz. Es steht an der Dorfstraße etwa 100 Meter südlich von der Dorfkirche.

 

MP Hohen Sprenz Strassen web


Auf einem Sockel aus Feldsteinen steht der große Denkmalstein, insgesamt ist das Denkmal etwa vier Meter hoch.

        

                 MP Hohen Sprenz hoch web

 

Direkt von der Straße aus kann man sich über zwei Bruchsteinstufen dem Denkmal nähern.

 

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Das Denkmal steht direkt an der Blutbuche. Von oben hängen die Zweige, von unten wächst Efeu über die Steine. Ein reizvoller Anblick.

 

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Die schwarze polierte Namenstafel ist eingelassen, steht aber wegen ihrer Größe oben über. Oben in der Mitte wurde ein Eisernes Kreuz gemeißelt. Man sieht oben die preußische Königskrone, in der Mitte das »W« für den preußischen König Wilhelm II., der 1914 in dritter Stiftung das Eiserne Kreuz als militärisches Ehrenzeichen erneuert hatte und einer Linie als Kontur. Rechts und links daneben stehen im gemeißelten Feld die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs.

1914     1918

Darunter, ebenfalls im Feld, die Widmung:

Dem Andenken unserer gefallenen Söhne u. Brüder

Es folgen in drei Spalten mit Zwischenlinien die Namen der 74 toten Soldaten. Aufgeführt sind sie mit meist abgekürztem Vornamen, Nachnamen und Sterbetag. Sie sind nach Herkunft innerhalb des Kirchspiels Hohen Sprenz geordnet und innerhalb der Dörfer alphabetisch bezogen auf den Nachnamen. Die Dorfnamen stehen jeweils mittig im gemeißelten Feld: 1. Spalte: Hoh. Sprenz: 27; 2. Spalte: Kl. Sprenz: 6, Neu-Mistorf: 4, Siemitz: 8, Sabel: 5; 3. Spalte: Kankel: 7, Striesdorf: 11, Dolgen: 4, Friedrichshof: 2. Sechs Soldaten sind als verm. (vermisst) gekennzeichnet.

 

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Die Tafel schließt unten in der Mitte mit einem Schriftfeld ab:

Ev. Joh. 15.13

Johannes-Evangelium 15,13: »Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.«

 

MP Hohen Sprenz hinten web2


Der massige Stein von hinten. Es folgen zwei Fotos, die Matthias Hübner (www.dorfkirchen-in-mv.de) im Winter gemacht hat.

 

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                  MP Hohen Sprenz Huebner2 web

 

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Die Inschriften

Dem Andenken unserer gefallenen Söhne u. Brüder

Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: »der Gefallenen«. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung »Gefallene« eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort »fallen« verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der »fiel«, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort »fallen«, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 100


»Gefallenendenkmal« verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 22. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006


Die Entscheidung für Metaphern deutet darauf hin, dass das Grauen des Kriegstodes vom Denkmal verbannt werden sollte. An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort »Gefallener« (oder »gefallen«) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.

Ebd. S. 60/61


Gefallen/Gefallener: Dieser Begriff wird benutzt, um den Tod von Kombattanten zu beschreiben, die während Kampfhandlungen ums Leben gekommen sind. Er befindet sich häufig auf den entsprechenden Denkmälern und ist seit 2008 (seit dem Verteidigungsminister Jung ihn verwendet hat) wieder im politischen Sprachgebrauch in Deutschland zu finden. Es ist dabei zu erörtern, in wie fern eine Beschönigung des gewalttätigen Todes vorliegt, so dass er in der öffentlichen Wahrnehmung als weniger folgenschwer und damit akzeptierter als andere Todesarten angesehen wird. Außerdem bleibt durch die universelle Verwendung von »gefallen« der tatsächliche (schreckliche) Todesgrund verborgen (verblutet, erschossen, zu Tode gefoltert usw.).

www.kirchliche-dienste.de/arbeitsfelder/frieden/Gedenkorte-fuer-Verstorbene-der-Weltkriege 


Die häufig verwendete Bezeichnung »Söhne« [oder auch Brüder] stellt eine Vertrautheit her, die getöteten Soldaten werden familiär vereinnahmt, denn familiäre Bindung verpflichtet.

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg


Erstaunlich ist es, dass nicht im Namen der Witwen auch der Männer und im Namen der Kinder der Väter gedacht wird.

 

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


SH Wulfsdorf Hitler EK web

• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008


Soldaten der Wehrmacht kämpfen nicht nur pflichtschuldig  und gehorsam. Ohne die Gefühlswelt aus Stolz, Ehre und Männlichkeit ist nicht zu erklären, warum so viele an die Front streben – und dem Krieg bis zum Untergang verhaftet bleiben. (Frank Werner in ZEITGeschichte 4/2018)

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Geschickte Propaganda: Begehrenswerte Ordensbrust in »Die Woche« Januar 1940.

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

Neben dem Thorshammer ist das Eiserne Kreuz das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z. B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle.

 

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Der Bibelspruch

»Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.« So spricht Jesus am Ende des Johannes-Evangeliums (15,13). Es heißt natürlich nicht: »... dass er in den Krieg zieht und tötet für seine Freunde.« Dies Zitat auf einem Kriegerdenkmal ist eine pseudo-biblische Legitimation des Soldatentods.

Das Zitat aus dem Johannes-Evangelium gehört zu der Ansprache, die Jesus zum Abschied an seine Jünger richtet. [...] Jesus kennt seinen Auftrag und hat ihn angenommen. Ohne seinen Tod gibt es keine Erlösung. Sein Leiden und Sterben ist das Opfer, das für die Erlösung der Menschen gebracht werden muss. Einen größeren Beweis der Liebe zu den Menschen – den Freunden, die ihm in Liebe verbunden sind – gibt es nicht.
Der Kriegstod erfährt mit diesem Zitat eine Sinngebung, die ihn in den Rang eines Erlösungsopfers erhebt, die ihn als größtmöglichen Liebesbeweis wertet und als bewusste Entscheidung, als bereitwillige Hingabe ›für seine Freunde‹ darstellt. Die ›Freunde‹ haben durch ihn überlebt, sie sollen Trost darin finden, den Tod so zu sehen. Bei Jesus war der Weg zum Kreuz, zur Auferstehung und Himmelfahrt vorbestimmt und heilsnotwendig. Wer dies auf den Kriegstod überträgt, nimmt ihn als gottgegeben an, zu dem es keine Alternative gibt.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 148. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006

 

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Die Geschichte

Vor dem DDR-Zaun, siehe unten, gab es schon mal einen Lattenzaun mit abgerundeter Pforte, der ein ziemlich großes Areal zu umfassen schien, wie auf der Postkarte vom Ende der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts zu sehen ist.

 

MP Hohen Sprenz 1938 web

 

In Hohen Sprenz werden kleine Brötchen gebacken. Das Geld ist knapp, aber es sei wiederum gelungen den Finanzhaushalt für dieses Jahr ausgeglichen zu gestalten, berichtet Bürgermeisterin Angelika Exler. Noch verfüge die Gemeinde über eine kleines Polster. Außerdem halte man die Wünsche klein. Alle wirklich wichtigen Projekte seien über das Bodenordnungsverfahren in den vergangenen Jahren erledigt. Die Gemeindevertretung beschloss auf ihrer jüngsten Sitzung den Gemeindehaushalt 2014.

»Es bleiben Kleinigkeiten«, sagt Exler und nennt an erster Stelle das Kriegerdenkmal mitten im Dorf. Das sei an sich in Ordnung, lediglich der Zaun – noch aus DDR-Zeiten – sorge nicht eben für ein freundliches Bild. »Wir wollen hier als Umrandung Findlinge und Sträucher setzen«, berichtet Exler. Rund 1000 Euro sollten für das Material reichen. Abbau des Zaunes und Pflanzung wolle man selbst realisieren.

Regina Mai auf www.svz.de, 28. Februar 2014

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschrift
Der Adler
1946: Der Befehl Nr. 30
»Treue um Treue«
Das Eiserne Kreuz
Die Kirche
Und zum Schluß eine historische Postkarte

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Hohen Viecheln

Landkreis Nordwestmecklenburg

Rechts neben dem Aufgang zur Dorfkirche, gegenüber dem Feuerwehrhaus, befindet sich die kleine Anlage für das Kriegerdenkmal. Hier soll der 73 toten Soldaten von Hohen Viecheln aus dem 1. Weltkrieg gedacht werden.

MP Hohen Viecheln gesamt web


Eine fast halbrunde Feldsteinmauer grenzt den ungepflasterten Denkmalsplatz auf Straßenniveau vom höher gelegenen Kirchhof ab. Am rechten und linken Ende der Mauer stehen quadratisch gemauerte Feldsteinpfeiler, die von einer aufgesetzten Steinkugel gekrönt werden. Die ovale Anlage ist mit immergrünen Gehölzen bepflanzt. Zur Straße hin wird sie seitlich von je drei kleinen Granitpfeilern begrenzt, die mit Eisenketten verbunden sind. Ein breiter Zugang zum zentralen Denkmal bleibt frei. Vor dem Granitpfeiler ganz links steht eine Informationstafel zur Kirche, das Kriegerdenkmal wird nicht erwähnt.

 

     MP Hohen Viecheln ganz web


Vor der Mitte der Feldsteinmauer steht auf einem gemauerten Feldsteinsockel ein großer Findling mit der Inschrift. Davor sind in drei Reihen kleine Feldsteine für ein Beet angeordnet.

 

MP Hohen Viecheln Adler web


Auf dem Findling thront ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen und aggressiver Pose. Er ist detailreich gearbeitet, besonders die kräftigen Beine sind eindrucksvoll.

Nach 1945 ist der Adler auf Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde abgebaut worden.

 

MP Hohen Viecheln Inschrift web


Unter dem militärischen Ehrenzeichen, dem Eisernen Kreuz in Kontur steht die Inschrift:

Unsern im Weltkriege
1914–1918
gebliebenen Helden
zum Gedächtnis!
Die dankbare Kirchengemeinde
Hohen Viecheln
Treue um Treue!

 

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Rechts und links vom Hauptstein sind je zwei Namenstafeln aus teils poliertem schwarzen Granit eingelassen. Jeweils mittig darunter eine an die Mauer gelehnte, steinerne Sitzbank.

 

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Die Namen der 73 toten Soldaten sind nach Kriegs- bzw. Nachkriegsjahren geordnet. Als Beispiel hier eine der Tafeln: sie führt 16 Soldaten auf, die 1918/19 gestorben sind. Die Jahreszahlen stehen in der Mitte über einem Kreuz, das in dieser Form von der griechisch-orthodoxen Kirche verwendet wird. Hier in Hohen Viecheln sollte wohl eher eine Synthese von Eisernem und christlichen Kreuz dargestellt werden. Rechts und links davon stehen mittig die Soldatennamen.

 

MP Hohen Viecheln hinten web


Auf der Rückseite kann man noch einmal die Lage der Denkmalsanlage am Hang und den startenden Adler erkennen. Die Eiche, deren Stamm hier zu sehen ist, wurde vermutlich mit Errichtung des Denkmals gepflanzt.

 

MP Hohen Viecheln mit Ketten web


Hier noch einmal die symetrische Anordnung der immergrünen Gehölze in der gepflegten Anlage.

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Die Inschrift

Unsern im Weltkriege 1914 - 1918 gebliebenen Helden: Der Tod eines Soldaten muss erklärt und gerechtfertigt werden und er begründet eine spezifische Erinnerungspflicht. Wobei es nicht die Toten sind, die die Lebenden dazu verpflichten könnten, es sind immer die Überlebenden, die als Denkmalstifter die Getöteten für ihre Zwecke benutzen, sie als Helden, als Retter des Vaterlands, als Vorbild für Treue und Pflichterfüllung benennen, deren Tod nicht sinnlos gewesen sein darf. Bis 1945 benutzen die Nationalsozialisten die toten Soldaten für eine Verpflichtung an die nachfolgende Generation, ihnen an Kampfesmut und Opferbereitschaft nicht nachzustehen.

Gebliebenen: Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge.

 zitiert aus Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 22. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006

Die Entscheidung für Metaphern deutet darauf hin, dass das Grauen des Kriegstodes vom Denkmal verbannt werden sollte.

Ebd. S. 60/61


Kriegerdenkmäler für den »gemeinen Mann« stehen in einer eigenen Tradition, die begann, als im 18. Jahrhundert das stehende Heer das Söldnerheer verdrängte und das stehende Heer sich durch die allgemeine Wehrpflicht – in Preußen 1814 eingeführt – zum Volksheer wandelte. Das Söldnerheer verrichtete ein riskantes aber Profit versprechendes Handwerk. Das Freiwilligen- oder Volksheer griff nicht des Geldes wegen zu den Waffen. Die Vorstellung, das Vaterland von feindlicher Besetzung zu befreien oder vor feindlichem Zugriff zu schützen, wurde auch in den Kriegen aufrechterhalten und propagiert, wo die Führung den Angriff befahl. Denkmäler tradieren seit ihrem ersten Auftreten die Überzeugung, im Krieg für drei traditionsreiche Werte gekämpft zu haben: »für das Vaterland als höchstem Gut, dem der Einzelne unter Aufbietung aller Kräfte diente, zweitens der Monarchie, der er sich bereitwillig unterordnete und drittens seinem überzeugtem Christentum.« (zitiert nach Lurz, Kriegerdenkmäler in Deutschland, Band 1, S. 260) Ein solches Bewusstsein lässt nicht daran zweifeln, auf der richtigen Seite und für die gute Sache gekämpft zu haben.

Ebd. S.78

Auf welchem dieser steinernen oder metallenen »Ehrenmale« wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.

Ralph Giordano, Die zweite Schuld, S. 324


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Der Adler

Der Adler ist als »der mächtigste König im Luftrevier« (Anfang des »Seeräuberlied«, das zum Marschliederkanon der Wehrmacht gehörte), der König der Lüfte und wehrhafter Beschützer seines Horstes.

zitiert aus Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 137


Als Hoheitszeichen des Deutschen Reiches und als Symbol für deutsche Macht und Stärke galt der Seeadler. Der Raubvogel konnte nach 1871 wachsam nach Westen spähen, oft aufreizend mit den Flügeln schlagen und/oder den geöffneten Schnabel drohend dem französischen Feind entgegenstrecken. [...]
Unmittelbar vor der Unterzeichnung des Versailler Vertrages stieß die »Deutsche Tageszeitung« vom 26. Juni 1919 den Stoßseufzer aus, es möge »vielleicht doch in nicht so ferner Zeit [...] – der Tag komm[en], an welchem das Deutsche Volk sich aus seinem tiefen Fall wieder erheben kann und der deutsche Adler von neuem den Flug zur Sonne unternimmt.« Dieser sehnsüchtige Wunsch wurde in die Gedenkwelt hineingetragen [Hamburg-Gross Borstel, Oktober 1922: »Mit kräftigen Krallen steht er trotzig und lauernd auf seinem eisernen Grund, den scharfen Blick nach Westen gerichtet«. Wasserkuppe/Rhön, 1923, Weiherede des Oberstleutnants a.D. Walter von Eberhardt: »Und eigene Kraft wird es sein, die alle Fesseln, die Schmach und Schande, die Not und Elend uns angelegt haben, wieder sprengen wird. Nach Westen blickt der Adler. Er weist uns den Weg, den wir gehen müssen.« Auch dort die Kranzschleife des »Bundes der Jagdflieger« am Tag der Einweihung: »Adler, Du, halte die Wacht! Um uns ist Schande und Nacht. / Siehe, dort hinter dem Rhein / Schlummert der Brüder Gebein / Bis einst der Morgen erwacht. Adler, Du, halte die Wacht!«]

Loretana de Libero, »Rache und Triumph, Krieg Gefühle und Gedenken in der Moderne«, De Gruyter Oldenbourg. Beiträge zur Militärgeschichte. Band 73. S. 95f

 

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Foto: Nightshift / Wikimedia Commons


Nach der »Wende« war der Reichsadler in Hohen Viecheln wieder erwünscht. Auf dem Kriegerdenkmal steht er nun wieder stolz, zum Abflug bereit, auf der Spitze des Denkmals. Im Dorf erzählt man sich, dass es der Pastor war, der den Adler über die Jahre unter seinem Bett versteckt hatte. Dieses Foto ist am 13. November 2008 gemacht worden.

 

MP Hohen Viecheln Adler hinten web


Die Klauen haben beim Ab- und Wiederaufbau gelitten. Sie mussten mit Hilfe eines Brettchens stabilisiert werden.

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1946: Der Befehl Nr. 30

... Die Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung in der Sowjetischen Besatzungszone gibt am 5. 5. 1946 die Richtlinien für die Beseitigung faschistischer und militärischer Denkmäler heraus. Danach müssen alle Denkmäler militärischen Charakters beseitigt werden, sofern sie nicht besonderen künstlerischen Wert besitzen.

Ein gesondertes Kapitel befasst sich mit den Kriegerdenkmälern, darin heißt es:

»Da sie als Erinnerung für die Gesamtheit der in den Kriegen Gefallenen gelten, muss jeder Eingriff mit starken Rückwirkungen auf die Bevölkerung rechnen. Zu beseitigen sind auch hier all jene Denkmäler usw. die Aufforderungen zur Rache, zum erneuten Kriegseinsatz, Verherrlichungen des Krieges usw. enthalten. Dies trifft nicht zu für Kriegerdenkmäler, die vor 1860 entstanden sind, da sie fast immer bescheiden in der Haltung sind und fast ausnahmslos einigen künstlerischen Wert besitzen. Kriegerdenkmäler nach 1918 sind fast ausnahmslos wertlos. Ihre Beseitigung ist anzuregen, falls nicht in Sonderfällen künstlerischer Rang vorliegt. Denkmäler mit künstlerischem Wert sind einem Museum zu übergeben. Die Säuberungsaktion soll als Willensausdruck breiter Schichten des Volkes vorgenommen werden.« Infolge der Richtlinien sind zunächst Listen zu erstellen gewesen. ...

Am 13. Mai 1946 wird der Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde herausgegeben. Das ist eine Woche nach dem Rundschreiben der Deutschen Zentralverwaltung. Hier heißt es im Abschnitt Kriegerdenkmäler:
»Bei ihnen ist eine verbotene Absicht im Sinne des Befehls dort gegeben, wo durch angebrachte Inschriften, Embleme oder bildhafte Darstellungen über den Charakter des Totenmals hinaus dem Denkmal usw. ein militärischer Sinn gegeben wird. Als solche Inschriften gelten z.B. ›Vorwärts für Kaiser und Reich‹, ›Im Felde unbesiegt‹, ›Unseren siegreichen Helden‹, ›Ihr habt doch gesiegt‹ u.ä.m., als Darstellungen gleichen Inhalts sind anzusehen z.B. Darstellungen von Soldaten, die stürmen, marschieren, Handgranaten werfen, eine Fahne hochhalten, mit einem Ungeheuer ringen, Darstellungen, in denen ein Soldat an einen anderen eine Waffe weitergibt, u.ä.m. Auch einfache Wiedergabe von Waffen und Ausrüstungsgegenständen kann hierzu gezählt werden.« Ebenfalls wird eine Erstellung von Listen zur Erfassung aller Kriegerdenkmäler, bevor an deren Beseitigung herangegangen wird, gefordert.

Auf Grundlage des Befehls Nr. 30 der Alliierten und der Richtlinien der Deutschen Zentralverwaltung sind die schon erwähnten Listen der Jahre 1946/47 entstanden.

Deren Auswertung ist bis zum heutigen Tage noch nicht vollständig abgeschlossen. Es lässt sich aber feststellen, dass ca. 900 - 1000 Ehrenmale erfasst sind. Dazu kommen dann die bereits vor dem II. Weltkrieg vernichteten Kriegerdenkmäler und sicher auch noch ein Teil kleinerer Denkmäler die aus den verschiedensten Gründen nicht erfasst wurden.

Ende der 40er Jahre sind also fast alle Adler, Stahlhelme, Schwerter etc. von den Denkmälern verschwunden. Einzelne, vor allem figürliche Denkmäler sind vernichtet oder magazinisiert worden. Im nächsten Jahrzehnt erfolgte eine Welle der Umwidmungen. Ehemalige Weltkriegsdenkmäler oder auch nur ihre stehengebliebenen Sockel werden zu VVN-, OdF- oder personellen Denkmälern.

Zitiert aus dem Vortrag von Margrit Schimanke gehalten auf einer Konferenz der Geschichtswerkstatt Rostock e.V. in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung, April 1996, Seite 4-5


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»Treue um Treue«

Traditionelle Tugendbegriffe wie »Ehre« und »Treue« oder auch »Kameradschaft«, »Gehorsam« usw. sind in der Sprache des Militärs reichlich enthalten. 

»Treue« war zum Beispiel innerhalb der SS-Ideologie ein widerspruchsloser Gehorsam. Durch die Gleichsetzung der Begriffe »Treue« und »Ehre« wurde ein Treuebruch zu einem Ehrverlust. Der Begriff »Ehre« verlor dadurch seinen traditionellen moralischen Inhalt. Denn die Ehre eines Soldaten etwa, der sich aus Ehrgefühl weigern könnte, an einem Kriegsverbrechen teilzunehmen, spielte im Ehrbegriff der SS keine Rolle mehr. Es zählte allein der blinde Gehorsam.

Die Projektion der Tugendbegriffe auf den Führer hin war notwendig, um den bedingungslosen Gehorsam auch bei verbrecherischen Befehlen zu erreichen. Dies konnte man nicht durch ein Gesetz erzwingen. Es bedurfte der Freiwilligkeit des Soldaten, die durch Umdeutung traditioneller Tugendideale erreicht wurde.

nach Wikipedia, abgerufen am 16.2.2014


Im Internet können Nazi-Freunde unter dem Stichwort »Fun-Bekleidung« folgendes Hemd kaufen:

MP Hohen Viecheln Hemd web


»Im Verantwortungsbereich der DSK [Division Schnelle Kräfte] wird der Wahlspruch ›Treue um Treue‹ zur Ehrung für die gefallenen Bundeswehrsoldaten vom ›Karfreitagsgefecht‹ des 02. April 2010 innerhalb von Liegenschaften der Bundeswehr genutzt. Darüber hinaus findet der Wahlspruch u.a. in Dienstgebäuden oder auch auf diversen Trinkbechern in Form einer Gravur Verwendung.

In Anlehnung an die Weisung FüSK II 4 [Abteilung Führung Streitkräfte im Verteidigungsministerium] und als Ergebnis der durch den InspH [Inspekteur des Heeres] beauftragten Untersuchung des Wahlspruches durch bundeswehreigene und externe Institutionen wird festgestellt, dass der Ausdruck nicht geeignet ist, Traditionen der Bundeswehr zu pflegen und in diesem Zusammenhang Treuepflicht zu symbolisieren.

In heutiger Wahrnehmung und in der Geschichte deutscher Streitkräfte ist der Wahlspruch im Wesentlichen durch die Verwendung als Motto der Fallschirmjägertruppe der Wehrmacht geprägt worden und mit dieser verbunden.
Es ist davon auszugehen, dass seine Verwendung in der Bundeswehr und insbesondere bei den Fallschirmjägern in der öffentlichen Wahrnehmung auch als Bekenntnis zu einer Traditionslinie Wehrmacht – Bundeswehr aufgefasst wird.
Mit Entscheidung des InspH vom 06. Mai 2014 wird die Nutzung des Wahlspruches ›Treue um Treue‹ für das Deutsche Heer im dienstlichen Umfeld in jeglicher Form verboten.«

Die im Erlass genannte Weisung aus dem Ministerium, datiert vom 26. Februar 2013, verbietet ausdrücklich diesen Spruch für die Gedenktafeln für gefallene Bundeswehrsoldaten:
»Im Einsatzgebiet AFG enthalten zwei Gedenktafeln für Gefallene der Bundeswehr die Inschrift ›Treue um Treue‹. (…) Hierzu ist festzustellen: Die Inschriften sind nicht geeignet, Traditionen der Bundeswehr zu pflegen oder die den Soldaten der Bundeswehr abverlangte Tapferkeit und Treuepflicht zu symbolisieren. Vielmehr ist absehbar, dass die Inschriften zu Missverständnissen führen können, die einem würdigen Gedenken an die Gefallenen der Bundeswehr in der Öffentlichkeit abträglich sind. Der Wahlspruch ›Treue um Treue‹ ist daher auf Gedenktafeln für die Gefallenen der Bundeswehr nicht zu verwenden.«

Erlass von Heeresinspekteur Bruno Kasdorf vom 6. Mai 2014, in Kraft gesetzt am 20. Mai

 

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


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• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 


Soldaten der Wehrmacht kämpfen nicht nur pflichtschuldig  und gehorsam. Ohne die Gefühlswelt aus Stolz, Ehre und Männlichkeit ist nicht zu erklären, warum so viele an die Front streben – und dem Krieg bis zum Untergang verhaftet bleiben. (Frank Werner in ZEITGeschichte 4/2018)

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Begehrenswerte Ordensbrust in »Die Woche« Januar 1940.

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

Neben dem Thorshammer ist das Eiserne Kreuz das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z. B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle.


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Die Kirche

Der dreischiffige Bau erhebt sich über einem Grundriss von etwa 33 Metern Länge und 12 Metern Breite. Die hochgotische Hallenkirche von drei etwa gleich breiten Jochen wurde um 1310/20 in Backstein errichtet. Für die ländliche Gegend ist der Bau durchaus imposant.

Einer Sage nach soll der Ritter Helmold von Plesse 1178 seiner Frau gleich nach seiner Ankunft in Mecklenburg versprochen haben, sieben Plessenkirchen zu bauen. Das waren die Kirchen in Hohen Viecheln, Müsselmow, Holzendorf, Herzberg, Wamckow, Bibow und Brüel. Auch die Kirche in Tempzin soll durch sein Zutun entstanden sein.

Helmold zog nach Jerusalem, als man mit dem Bau der Kirchen begann. Für den Fall seiner unversehrten Rückkehr aus dem Krieg sollte die Kirche in Hohen Viecheln stehen, in der er 1186 auch bestattet wurde.

Von einem hochgotischen Grabmal ist eine lebensgroße Holzskulptur »Ritter von Hohen Viecheln« vom frühen 14. Jahrhundert erhalten, sie stellt möglicherweise den Ritter Helmold III. von Plesse (im 17. Jahrhundert in Plessen umbenannt) dar, oder es ist sein Sohn Helmhold IV von Plesse. Sie dürfte als Liegefigur für sein Grab angefertigt worden sein und ist damit nach der Grabfigur der Königin Margarete im Doberaner Münster die zweitälteste profane Plastik in Mecklenburg.

Nach Wikipedia, abgerufen am 20. 5. 2019

 

MP Hohen Viecheln Kirche web


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... und zum Schluß eine historische Postkarte

MP Hohen Viecheln Vor45 web2

... schon mit dem Kriegerdenkmal!

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschrift
Der Adler
Das Eiserne Kreuz
Findlinge
Dorfkirchen in Not

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Iven

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Auf dem Kirch- und Friedhof steht das Denkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs. Die Anlage ist sehr gepflegt.

MP Iven mit Pforte web


Von der Eingangspforte aus gesehen, steht es genau vor der Dorfkirche im Schatten eines großen immergrünen Baumes.

 

MP Iven Denkmal web


In der Mitte des kleinen runden Sandplatzes steht ein großer, aufgerichteter Findling auf einem stützenden Steinsockel. Drumherum wurden kleinere Steine im Kreis gelegt. Auf dem Denkmalstein werden keine Namen genannt und auch auf den kleinen Steinen konnten wir keine Namensinschriften entdecken – das kann man bei manchen Findlingsdenkmälern sehen. Vielleicht entspricht die Menge der Steine der Anzahl der toten Soldaten?

 

MP Iven Adler web


Oben aufgesetzt ist ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen und kräftigen Beinen zum Abflug bereit.

 

MP Iven Adler hinten web


Auch die Rückseite ist das Federkleid detailreich gearbeitet.

 

MP Iven Eisernes Kreuz web


Die Inschrift, die Lettern sind mit schwarzer Farbe ausgefüllt, lautet:

Weltkrieg
1914 (Eisernes Kreuz) 1918

 

MP Iven Fuer Dich web


Iven
seinen Gefallenen
Für Dich!

Für die letzte Zeile hat man eine klare, stärkere Schrifttype gewählt, die Wörter davor sehen verspielter aus. Die Buchstaben der Zeile Für Dich! sind ausserdem größer und die Zeile hat ein Ausrufezeichen. Ihr wird Bedeutung zugemessen.

 

MP Iven hinten web


Die Anlage von hinten, an einem grauen, verregneten Herbsttag. Matthias Hübner, www.dorfkirchen-in-mv.de, dem wir viele Fotos verdanken, hatte mehr Glück, siehe unten.

 

MP Iven Denkmal Huebner web

 

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Die Inschrift

Gefallen:
... verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort. [...]

An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort »Gefallener« (oder »gefallen«) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 22 und 61. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006


Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: »der Gefallenen«. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung »Gefallene« eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort »fallen« verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der »fiel«, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort »fallen«, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 100


Für Dich!:

Diese mit Ausrufezeichen versehene Aussage macht betroffen und verpflichtet die Lebenden zu Dankbarkeit und würdigem Gedenken. Dadurch erhalten auch die Kriegshandlungen und der Krieg selbst eine Rechtfertigung.

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Der Adler

Der Adler ist als »der mächtigste König im Luftrevier« (Anfang des »Seeräuberlied«, das zum Marschliederkanon der Wehrmacht gehörte), der König der Lüfte und wehrhafter Beschützer seines Horstes. In der griechischen Mythologie ist er ein Attribut des Gottes Zeus. Als heraldisches Symbol diente er von 1433 bis 1806 den Kaisern des heiligen römischen Reiches deutscher Nationen sowie deutschen Königen, Herzögen und Markgrafen als Wappenbild.

• Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 137

MP Iven Adler vorne web

 

Als Hoheitszeichen des Deutschen Reiches und als Symbol für deutsche Macht und Stärke galt der Seeadler. Der Raubvogel konnte nach 1871 wachsam nach Westen spähen, oft aufreizend mit den Flügeln schlagen und/oder den geöffneten Schnabel drohend dem französischen Feind entgegenstrecken. [...]
Unmittelbar vor der Unterzeichnung des Versailler Vertrages stieß die »Deutsche Tageszeitung« vom 26. Juni 1919 den Stoßseufzer aus, es möge »vielleicht doch in nicht so ferner Zeit [...] – der Tag komm[en], an welchem das Deutsche Volk sich aus seinem tiefen Fall wieder erheben kann und der deutsche Adler von neuem den Flug zur Sonne unternimmt.« Dieser sehnsüchtige Wunsch wurde in die Gedenkwelt hineingetragen [Hamburg-Gross Borstel, Oktober 1922: »Mit kräftigen Krallen steht er trotzig und lauernd auf seinem eisernen Grund, den scharfen Blick nach Westen gerichtet«. Wasserkuppe/Rhön, 1923, Weiherede des Oberstleutnants a.D. Walter von Eberhardt: »Und eigene Kraft wird es sein, die alle Fesseln, die Schmach und Schande, die Not und Elend uns angelegt haben, wieder sprengen wird. Nach Westen blickt der Adler. Er weist uns den Weg, den wir gehen müssen.« Auch dort die Kranzschleife des »Bundes der Jagdflieger« am Tag der Einweihung: »Adler, Du, halte die Wacht! Um uns ist Schande und Nacht. / Siehe, dort hinter dem Rhein / Schlummert der Brüder Gebein / Bis einst der Morgen erwacht. Adler, Du, halte die Wacht!«]

Loretana de Libero, »Rache und Triumph, Krieg Gefühle und Gedenken in der Moderne«, De Gruyter Oldenbourg. Beiträge zur Militärgeschichte. Band 73. S. 95f

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


SH Wulfsdorf Hitler EK web

• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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Findlinge

Findlinge wecken Assoziationen zu germanischen und keltischen Hünengräbern und Dolmen. Die Romantik entdeckte sie wieder, nach den Befreiungskriegen verbreiteten sie sich als Denkmalstyp und setzten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts vorwiegend in Norddeutschland gegen den Obelisk durch. [...]

Findlinge sind große (Granit-)Steine aus der heimatlichen Landschaft. Die Denkmalstifter holten sie oft selbst aus der Heide oder aus dem Harz mühevoll herbei. Als Monolith steht der Findling für die Einheit des Landes, fast unbearbeitet, strahlt er Naturwüchsigkeit aus, selbst ein Teil der uralten Überlieferung mahnt er zu ewigem Gedenken.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 134. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006

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Dorfkirchen in Not

MP Iven Dorfkirche innen Siebert web
Foto: Siebert / Deutsche Stiftung Denkmalschutz

 

Die Ausstattung der Dorfkirche in Iven sucht in dieser Form ihresgleichen in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Kirche auf der Website: Deutsche Stiftung Denkmalschutz

 

Wir möchten an dieser Stelle auf einen Verein hinweisen, der ehrenamtlich, politisch unabhängig und überkonfessionell arbeitet: Dorfkirchen in Not in Mecklenburg und in Vorpommern e.V. – Gemeinnütziger Verein zur Rettung und zum Erhalt des kulturellen Erbes.


Dorfkirche Iven


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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschrift
Das Nationaldenkmal für die Befreiungskriege
Der Adler
Das Eiserne Kreuz
Soldatenprofil 1929
Die Erweiterung
Die Dorfkirche

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Japenzin

Landkreis Vorpommern-Greifswald, Gemeinde Spantekow

Das massive turmartige, aus Bruchsteinen gemauerte Monument ist das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs in Japenzin und Rehberg. Daneben liegt ein Findling mit einer Edelstahltafel aus heutiger Zeit.

MP Japenzin beide web


Die Denkmalsanlage steht auf dem Kirch- und Friedhof von Japenzin und ist von der Straße aus durch eine zweiflügelige Holzpforte zu betreten.

 

MP Japenzin Adler EK web


Das mehrstufige Monument verjüngt sich nach oben und wird gekrönt von der Skulptur eines Adlers mit kräftigen Beinen und ausgebreiteten Schwingen. Besonders dynamisch und zum Abflug bereit wirkt er durch die überstehenden rechten Krallen. Die Abflugrichtung ist eindeutig nach rechts.

Darunter ist ein großes Eisernes Kreuz aus Gusseisen eingesetzt. Sehr schön und detailreich sind die Schmuckkontur, die preußische Königskrone, das »W« für König Wilhelm II., der in dritter Stiftung das Eiserne Kreuz als militärisches Ehrenzeichen 1914 erneuert hatte.

 

     MP Japenzin Namen web

Im langen Mittelteil des Monuments ist tief die gusseiserne Widmungs- und Namenstafel eingesetzt. In erhabenen Lettern einer kräftigen Serifenschrift ist zu lesen:

Fürs Vaterland liessen ihr Leben.
Weltkrieg 1914–1918.

MP Japenzin Namen Detail web


Darunter stehen mit großzügigem Zeilenabstand und wohlgeordnet 12 Namen. Jeweils mit abgekürztem militärischen Dienstgrad, Vor- und Nachnamen, Sterbedatum und Sterbeort bzw. -land. Die Namen sind nach dem Sterbedatum sortiert. Es ist zu lesen: Vier der Soldaten sind in Lazaretten gestorben, das ist eine eher ungewöhnliche Angabe; in den ersten beiden Jahren starben die Soldaten im Osten, in den letzten Jahren in Frankreich und Flandern; der Zwölfte auf der Liste starb 1919 »in der Heimat«.

 

MP Japenzin Gefallene1 web


Vorne im sockelartigen Teil unter der Namenstafel und an den Seiten in gleicher Höhe sind kleine gusseiserne Tafeln eingesetzt mit zusammenhängenden Widmungssprüchen in gleicher Schrift. Unter der Namenstafel der toten Soldaten steht in der Zeitebene Vergangenheit:

Den Gefallenen
zum Gedächtnis.

MP Japenzin Lebende2 web


Es folgt die Zeitebene der Gegenwart:

Den Lebenden
zur Mahnung.

MP Japenzin Jugend3 web


Die Reihe endet mit der Zeitebene Zukunft:

Der Jugend
zur Nacheiferung.

Eine Aufforderung an die nachfolgende Generation, die militärische Niederlage nach dem deutschen Angriffskrieg und die »Schmach« des Versailler Friedensvertrages zu rächen.

 

MP Japenzin Kopf mit Umfeld web


Auf Höhe des Eisernen Kreuzes auf der Vorderseite sind an den Seiten zwei Steine hohe Reliefs eines Soldatenkopfes mit Stahlhelm aus Gusseisen eingelassen, jeweils über den kleinen Widmungstafeln im Sockel.

 

MP Japenzin Kopf1 web


Ebenso wie die Angabe »im Lazarett« gestorben nicht auf eine militärische Deutung eines im Kampf »gefallenen« Soldaten hinweist, ist dieses Relief untypisch für ein Soldatenprofil in dieser Zeit und schon gar nicht vergleichbar mit den Darstellungen der kantigen Gesichtern der Soldaten im 2. Weltkrieg. Man könnte meinen, ein eingezogener Bewohner von Japenzin habe Modell gestanden.

 

MP Japenzin Kopf2 web


Auf der Wetterseite des Denkmals hat das Relief etwas gelitten. Es entspricht der Platte auf der Gegenseite, ist nur spiegelverkehrt gegossen worden.

 

MP Japenzin hinten web


Die Anlage von schräg hinten: die Spitze eines der beiden massiven Pfeiler des Eingangs ist zu sehen und zwei der Granitstelen, die im Halbkreis um das Monument aufgestellt worden sind.

 

MP Japenzin Stelen web


Hier sehen wir drei weitere Stelen, der Halbkreis der Stelen endet bei der Feldsteinmauer, die den Kirch- und Friedhof begrenzt.

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Die Inschriften

Fürs Vaterland liessen ihr Leben:
Kriegerdenkmäler für den »gemeinen Mann« stehen in einer eigenen Tradition, die begann, als im 18. Jahrhundert das stehende Heer das Söldnerheer verdrängte und das stehende Heer sich durch die allgemeine Wehrpflicht – in Preußen 1814 eingeführt – zum Volksheer wandelte. Das Söldnerheer verrichtete ein riskantes aber Profit versprechendes Handwerk. Das Freiwilligen- oder Volksheer griff nicht des Geldes wegen zu den Waffen. Die Vorstellung, das Vaterland von feindlicher Besetzung zu befreien oder vor feindlichem Zugriff zu schützen, wurde auch in den Kriegen aufrechterhalten und propagiert, wo die Führung den Angriff befahl.

• Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 78

Auf welchem dieser steinernen oder metallenen »Ehrenmale« wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.

Ralph Giordano, Die zweite Schuld, S. 324

Gefallene:
Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: »der Gefallenen«. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung »Gefallene« eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort »fallen« verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der »fiel«, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort »fallen«, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 100

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Das Nationaldenkmal

Die Japenziner Widmung: »Den Gefallenen zum Gedächtnis. Den Lebenden zur Mahnung. Der Jugend zur Nacheiferung.« erinnert an die Inschrift am Nationaldenkmal für die Befreiungskriege auf dem Kreuzberg.

Auf der höchsten Stelle der Erhebung legte König Friedrich Wilhelm III. am 19. September 1818 den Grundstein des deutschen Nationaldenkmals für die Siege in den Befreiungskriegen. Die Einweihung des Denkmals erfolgte am 30. März 1821, dem Jahrestag der Erstürmung des Montmartre. Bei gleicher Gelegenheit erhielt der Hügel seinen heutigen Namen Kreuzberg.
Die Widmungsinschrift verfasste im Auftrag des Königs der Altphilologe August Boeckh:

»Der König dem Volke,
das auf seinen Ruf hochherzig
Gut und Blut dem Vaterlande darbrachte.
Den Gefallenen zum Gedächtniß,
den Lebenden zur Anerkennung,
den künftigen Geschlechtern zur Nacheiferung.«

Die zweite Hälfte dieses Textes war die gängige Vorlage für Kriegerdenkmäler beider Weltkriege, teilweise nur geringfügig verändert.


... Es handelt sich hierbei um die Inschrift des so genannten Kreuzberg-Denkmals in Berlin, das 1821 aus Anlass der Befreiungskriege durch eine Stiftung Friedrich Wilhelms III. errichtet wurde. Diese Wendung kommt, abgewandelt oder verkürzt, immer wieder auf Kriegerdenkmälern vor, selbst bis in die 1960er Jahre. In dieser ursprünglichen, sich auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beziehenden Form steht die Aufforderung an die nachkommenden Generationen zur Nachfolge als letztes und wird auf diese Weise hervorgehoben: die letzte Wendung bleibt im Gedächtnis. Es geht bei dieser Inschrift in erster Linie darum, die Jugend für den Kriegseinsatz zu gewinnen.

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, Kriegerdenkmäler in Hamburg, S. 87

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Der Adler

Der Adler ist als »der mächtigste König im Luftrevier« (Anfang des »Seeräuberlied«, das zum Marschliederkanon der Wehrmacht gehörte), der König der Lüfte und wehrhafter Beschützer seines Horstes. In der griechischen Mythologie ist er ein Attribut des Gottes Zeus. Als heraldisches Symbol diente er von 1433 bis 1806 den Kaisern des heiligen römischen Reiches deutscher Nationen sowie deutschen Königen, Herzögen und Markgrafen als Wappenbild.

• Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 137


MP Japenzin Gegenlicht web

 

Als Hoheitszeichen des Deutschen Reiches und als Symbol für deutsche Macht und Stärke galt der Seeadler. Der Raubvogel konnte nach 1871 wachsam nach Westen spähen, oft aufreizend mit den Flügeln schlagen und/oder den geöffneten Schnabel drohend dem französischen Feind entgegenstrecken. [...]
Unmittelbar vor der Unterzeichnung des Versailler Vertrages stieß die »Deutsche Tageszeitung« vom 26. Juni 1919 den Stoßseufzer aus, es möge »vielleicht doch in nicht so ferner Zeit [...] – der Tag komm[en], an welchem das Deutsche Volk sich aus seinem tiefen Fall wieder erheben kann und der deutsche Adler von neuem den Flug zur Sonne unternimmt.« Dieser sehnsüchtige Wunsch wurde in die Gedenkwelt hineingetragen [Hamburg-Gross Borstel, Oktober 1922: »Mit kräftigen Krallen steht er trotzig und lauernd auf seinem eisernen Grund, den scharfen Blick nach Westen gerichtet«. Wasserkuppe/Rhön, 1923, Weiherede des Oberstleutnants a.D. Walter von Eberhardt: »Und eigene Kraft wird es sein, die alle Fesseln, die Schmach und Schande, die Not und Elend uns angelegt haben, wieder sprengen wird. Nach Westen blickt der Adler. Er weist uns den Weg, den wir gehen müssen.« Auch dort die Kranzschleife des »Bundes der Jagdflieger« am Tag der Einweihung: »Adler, Du, halte die Wacht! Um uns ist Schande und Nacht. / Siehe, dort hinter dem Rhein / Schlummert der Brüder Gebein / Bis einst der Morgen erwacht. Adler, Du, halte die Wacht!«]

Loretana de Libero, »Rache und Triumph, Krieg Gefühle und Gedenken in der Moderne«, De Gruyter Oldenbourg. Beiträge zur Militärgeschichte. Band 73. S. 95f

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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Soldatenprofil 1929


     SH Kasseedorf Plakat Stahlhelm web

     Plakat von Ludwig Hohlwein zum 10. Reichsfrontsoldatentag 1929


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Die Erweiterung

In heutiger Zeit wurde das Monument zum 1. Weltkrieg ergänzt. Sicher wurde die Botschaft, die das Kriegerdenkmal auf dem Kirchhof, besonders an die »Jugend«, aussendet als kommentierungsbedürftig angesehen. Spätestens seit der Friedensbewegung in den 80er Jahren besteht auch in der Kirche ein weitgehender Konsens darüber, dass die Botschaft dieser Denkmäler mit dem biblischen Friedensauftrag unvereinbar ist. Die Jahreslosung im Jahr 2019, Psalm 34,15: »Suche Frieden und jage ihm nach!« gibt den Zeitgeist der Evangelischen Kirche in Deutschland wieder.

 

MP Japenzin Stein Opfer web


Diese Tafel ist also gut gemeint. Auch wenn die Intention der Ergänzung vermutlich darauf abzielte, die Botschaft des Kriegerdenkmals zu relativieren, bewirkt sie doch das Gegenteil. Die Millionen Opfer des Nationalsozialismus werden in eine Reihe gebracht mit den Soldaten, die am Verbrechen des Zweiten Weltkriegs beteiligt waren.

Inschrift auf der Tafel:

JESUS CHRISTUS SPRICHT:
»ICH LEBE UND
IHR SOLLT AUCH LEBEN!«
(JOH 4,13)

(ein großes, aber zartes Kreuz, dem Opferkreuz Jesu nachempfunden)

ZUM GEDENKEN AN
ALLE OPFER
VON
KRIEG,
FLUCHT UND VERTREIBUNG
1939 - 1945

Wer ist mit den »Opfern« gemeint? Die Opfer des Vernichtungskriegs der Deutschen Wehrmacht oder die toten Wehrmachtssoldaten auch? Waren eben alle Opfer der »Bestie Krieg«, die ausgebrochen ist, von niemandem verschuldet und von niemandem gewollt? Nicht erfasst werden hierbei auch die Opfer des Deutschen Faschismus vor dem Krieg: Jüdinnen und Juden, die Menschen im Widerstand, Sinti und Roma, sogenannte Behinderte ...
 

MP Japenzin Tafel Opfer web

 

Die »Opfer« gelten als solche von »Krieg und Gewaltherrschaft«. Nun war aber der Krieg, nun war die Wehrmacht, die ihn führte, zugleich ein Bestandteil dieser Gewaltherrschaft – sind die Angehörigen der Wehrmacht also Opfer ihrer selbst? Und war Roland Freisler, der 1945 in Berlin durch einen alliierten Luftangriff starb, ebenso ein Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wie die Widerstandskämpfer, die er zuvor als Präsident des Volksgerichtshofs an den Galgen geschickt hatte?

Soll diese unhistorische Gleichmacherei, welche die Unterschiede zwischen den Toten hinter dem Opferbegriff versteckt, nicht weitergeführt werden, dann muss sich das bundesdeutsche Totengedenken von diesem Begriff verabschieden. Was aber könnte an dessen Stelle treten? Denkmäler, so wird heute oft gefordert, sollten die paradoxe Botschaft ausdrücken, dass ihr Sinn gerade darin bestehe, keinen Sinn für den Tod bieten zu können. Die Schwierigkeit, dieser Anforderung gerecht zu werden, liegt letztlich in den Dimensionen des zu erinnernden Tötens und Sterbens selbst begründet. Die »postheroische« Gesellschaft der Bundesrepublik ist ein Kind der Erfahrung, dass sich alle Versuche der Verherrlichung von Krieg und Tod 1945 endgültig desavouriert hatten.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 101

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Die Dorfkirche

Die alte Feldsteinmauer umschließt den Kirchhof der spätmittelalterlichen Dorfkirche von Japenzin.

 

MP Japenzin Kirche web

 

Die drei Glocken der Kirche sind alle restauriert; zwei stammen aus dem Jahr 1366, eine andere wurde um 1400 gegossen. Sie gelten als das älteste Glockenensemble in Vorpommern.

Hier können Sie ihren Klang hören

 

MP Japenzin Auto web


Die Einfahrt auf den Kirchhof: ein seltsamer Anblick!


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I N H A L T
Das Denkmal
In höchster Pflichterfüllung
»Treue um Treue«
Deutsche Turnerschaft
Wanderer neige dein Haupt ...
Das Turnerkreuz
Die Geschichte der Synagoge

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Krakow am See

Landkreis Rostock

In Krakow am See steht eine der wenigen erhaltenen Synagogen des Landes. Sie wurde 1866 erbaut. 1920 konnte die jüdische Gemeinde die Unterhaltungskosten nicht mehr aufbringen und verkaufte sie an die Stadt Krakow mit der Auflage, das Gebäude für öffentliche Zwecke zu nutzen.

In den 1920er Jahren zieht der deutsche Arbeiter- und Sportverein »Fichte Krakow« in die ehemalige Synagoge und nutzt das Gebäude für Trainingszwecke und Wettkämpfe als Turnhalle. 1927 errichtet der Turnverein für seine »gefallenen Turnbrüder« im 1. Weltkrieg direkt vor der Synagoge ein Denkmal.

MP Krakow am See Synagoge fern web


So kam es zu der erstaunlichen Tatsache, dass vor dem seit 1996 wieder als Synagoge restaurierten Gebäude ein »Ehrenmal« für tote Soldaten des 1. Weltkriegs steht.

MP Krakow am See Synagoge Denkmal web


Das kleine Monument auf einem dreistufigen Sockel hat einen quadratischen Grundriss. Oben wurde nach zwei Zierkanten ein kleinerer Stein mit pyramidenförmigen Abschluss aufgesetzt.

MP Krakow am See Synagoge FFFF web


Auf der Frontseite sehen wir ein großes Turnerkreuz im Relief (Erklärung siehe weiter unten) und lesen die Inschrift:

In höchster Pflichterfüllung
starben für das Vaterland
unsere Turnbrüder

Es folgen die meist abgekürzten Vornamen und Familiennamen der 11 Turnbrüder die im 1. Weltkrieg als Soldaten ihr Leben verloren haben.

 

MP Krakow am See Synagoge Seite web


Auf dem Weg zur Eingangstür der Synagoge kommen wir an einem kunstvoll herausgearbeiteten Eichenkranz mit kantigem Schleifenband vorbei. Er soll die treuen Soldaten ehren.

Treue um Treue

steht unter dem Kranz.

 

MP Krakow am See Synagoge Kranz14 18 web2


Im Kranz die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs:

1914
bis
1918

 

MP Krakow am See Synagoge hinten web


Auf der Rückseite in einem großen, ovalen Medallion: das Logo der Deutschen Turnerschaft.

 

MP Krakow am See Synagoge Seite2 web


Auf der vierten Seite wieder ein Kranz, darunter die Inschrift:

Wanderer neige das Haupt
in Ehrfurcht
vor Tod und Tapferkeit

 

MP Krakow am See Synagoge Kranz web


Hier ist es ein Lorbeerkranz mit Schleife. Laut Wikipedia ist ein Lorbeerkranz ein Symbol und ein Insigne für eine besondere Ehre oder Auszeichnung, insbesondere für einen Sieg oder einen besonderen Erfolg.

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In höchster Pflichterfüllung

... starben für das Vaterland

Der Tod eines Soldaten muss erklärt und gerechtfertigt werden und er begründet eine spezifische Erinnerungspflicht. Wobei es nicht die Toten sind, die die Lebenden dazu verpflichten könnten, es sind immer die Überlebenden, die als Denkmalstifter die Getöteten für ihre Zwecke benutzen, sie als Helden, als Retter des Vaterlands, als Vorbild für Treue und Pflichterfüllung benennen, deren Tod nicht sinnlos gewesen sein darf. Bis 1945 benutzen die Nationalsozialisten die toten Soldaten für eine Verpflichtung an die nachfolgende Generation, ihnen an Kampfesmut und Opferbereitschaft nicht nachzustehen.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 33. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006


Das »Vaterland« forderte – vor allem im Zweiten Weltkrieg – bedingungslose Treue und ließ keine Frage nach der Rechtmäßigkeit des Krieges, der Befehlshaber oder der Befehle zu. Die absolute Treue wiegt die Schmach der Niederlage auf – man ist wenigstens treu geblieben, dem Eid, dem Vaterland, einer Idee, sich selbst ...

• Ebd, S. 54


Wenn in den Inschriften explizit erwähnt wird, für was die Soldaten gestorben sind, ist es in den häufigsten Fällen das »Vaterland«. Die Verwendung dieses Begriffes war nach dem Ersten Weltkrieg meist mit einer nationalistischen Haltung verbunden: das deutsche Vaterland, mit dem die eigene Identität untrennbar verknüpft ist, und nur das deutsche Vaterland stellt höchsten Wert dar. Dass dieses »Vaterland« aus dem Streben nach europäischer Vormachtstellung mit im wahrsten Sinne Feuereifer in den Ersten Weltkrieg eingetreten ist, die Soldaten also in Wahrheit für einen Staat starben, der mittels ihrer Hilfe und ohne Rücksicht die eigenen Machtinteressen verfolgte, wird ausgeblendet.

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

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»Treue um Treue«

Der Wahlspruch der Waffen-SS hieß »Unsere Ehre heißt Treue«. Der SS-Wahlspruch oder Abwandlungen davon sind in einigen Ländern strafbar, in Deutschland durch das Strafgesetzbuch, § 86a StGB, Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

»Treue« war innerhalb der SS-Ideologie ein widerspruchsloser Gehorsam. Durch die Gleichsetzung der Begriffe »Treue« und »Ehre« wurde ein Treuebruch zu einem Ehrverlust. Der Begriff »Ehre« verlor dadurch seinen traditionellen moralischen Inhalt. Denn die Ehre eines Soldaten etwa, der sich aus Ehrgefühl weigern könnte, an einem Kriegsverbrechen teilzunehmen, spielte im Ehrbegriff der SS keine Rolle mehr. Es zählte allein der blinde Gehorsam.
Die Projektion der Tugendbegriffe auf den Führer hin war notwendig, um den bedingungslosen Gehorsam auch bei verbrecherischen Befehlen zu erreichen. Dies konnte man nicht durch ein Gesetz erzwingen. Es bedurfte der Freiwilligkeit des Soldaten, die durch Umdeutung traditioneller Tugendideale erreicht wurde.
• nach Wikipedia, abgerufen am 16.2.2014

MP Krakow am See Synagoge Treue um Treue web


Erlass von Heeresinspekteur Bruno Kasdorf vom 6. Mai 2014, in Kraft gesetzt am 20. Mai:
»Im Verantwortungsbereich der DSK [Division Schnelle Kräfte] wird der Wahlspruch ›Treue um Treue‹ zur Ehrung für die gefallenen Bundeswehrsoldaten vom ›Karfreitagsgefecht‹ des 02. April 2010 innerhalb von Liegenschaften der Bundeswehr genutzt. Darüber hinaus findet der Wahlspruch u.a. in Dienstgebäuden oder auch auf diversen Trinkbechern in Form einer Gravur Verwendung.
In Anlehnung an die Weisung FüSK II 4 [Abteilung Führung Streitkräfte im Verteidigungsministerium] und als Ergebnis der durch den InspH [Inspekteur des Heeres] beauftragten Untersuchung des Wahlspruches durch bundeswehreigene und externe Institutionen wird festgestellt, dass der Ausdruck nicht geeignet ist, Traditionen der Bundeswehr zu pflegen und in diesem Zusammenhang Treuepflicht zu symbolisieren.
In heutiger Wahrnehmung und in der Geschichte deutscher Streitkräfte ist der Wahlspruch im Wesentlichen durch die Verwendung als Motto der Fallschirmjägertruppe der Wehrmacht geprägt worden und mit dieser verbunden.
Es ist davon auszugehen, dass seine Verwendung in der Bundeswehr und insbesondere bei den Fallschirmjägern in der öffentlichen Wahrnehmung auch als Bekenntnis zu einer Traditionslinie Wehrmacht – Bundeswehr aufgefasst wird.
Mit Entscheidung des InspH vom 06. Mai 2014 wird die Nutzung des Wahlspruches ›Treue um Treue‹ für das Deutsche Heer im dienstlichen Umfeld in jeglicher Form verboten.«
Die im Erlass genannte Weisung aus dem Ministerium, datiert vom 26. Februar 2013, verbietet ausdrücklich diesen Spruch für die Gedenktafeln für gefallene Bundeswehrsoldaten:
»Im Einsatzgebiet AFG enthalten zwei Gedenktafeln für Gefallene der Bundeswehr die Inschrift ›Treue um Treue‹. (…) Hierzu ist festzustellen: Die Inschriften sind nicht geeignet, Traditionen der Bundeswehr zu pflegen oder die den Soldaten der Bundeswehr abverlangte Tapferkeit und Treuepflicht zu symbolisieren. Vielmehr ist absehbar, dass die Inschriften zu Missverständnissen führen können, die einem würdigen Gedenken an die Gefallenen der Bundeswehr in der Öffentlichkeit abträglich sind. Der Wahlspruch ›Treue um Treue‹ ist daher auf Gedenktafeln für die Gefallenen der Bundeswehr nicht zu verwenden.«

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Deutsche Turnerschaft

 

MP Krakow am See Synagoge DT web

Angehörige der Wissenschaftlichen Dienste arbeiten Mitgliedern des Deutschen Bundestages zu. Lesen Sie hier die Zusammenfassung der Ausarbeitung »Die Entwicklung der Deutschen Turnerschaft von 1933 bis zu ihrer Auslösung 1936« aus dem Jahr 2005:

Die Deutsche Turnerschaft als Dachverband der bürgerlichen Turnvereine in Deutschland war 1933 die größte Organisation der deutschen Turn- und Sportbewegung. Ihre Verbandsstruktur wie auch die ihrer Vereine war demokratisch organisiert. Die Deutsche Turnerschaft nahm eine kritische und ablehnende Haltung zur Weimarer Demokratie ein. Ihre Verbandsführung – wie auch zahlreiche Verbandsuntergliederungen – begrüßte die politische Machtübertragung an die Nationalsozialisten unter Reichskanzler Adolf Hitler am 30. Januar 1933. Die gewaltsame Ausschaltung der Republik wurde auch von der Deutschen Turnerschaft ohne Widerspruch hingenommen. Sie bekannte zu den politischen Zielen und zur Ideologie des NS-Staates. Ihre wichtigste Führungspersönlichkeit, Theodor Neuendorff, war bereits 1932 Mitglied der NSDAP geworden. Er führte zusammen mit anderen nationalsozialistisch und antidemokratisch gesinnten Verbandsmitgliedern die Deutsche Turnerschaft aus freien Stücken in den nationalsozialistischen Staat. Dabei hatte er schon Anfang der dreißiger Jahre erste Annäherungen an die Nationalsozialisten in die Wege geleitet. Ab 1933 verfolgte die Deutsche Turnerschaft das Ziel, als eigener Dachverband der bürgerlichen Turner auch im Nationalsozialismus fortbestehen zu können und als größter Verband eine wichtige Führungsrolle im nationalsozialistischen Staat im Bereich der Leibesübungen übernehmen zu können. Die Idee der Deutschen Turnerschaft, die bürgerlichen Turner neben SA und Stahlhelm als weiteren Wehrverband zu verankern, besaß keine Chance bei den nationalsozialistischen Machthabern. Von der im Jahr 1933 einsetzenden Gleichschaltungspolitik der Nationalsozialisten war auch die gesamte deutsche Turn- und Sportbewegung in Deutschland betroffen. Die Deutsche Turnerschaft unter Führung Neuendorffs hat sich politisch als auch organisatorisch selbst und aus freien Stücken dem nationalsozialistischen Regime durch Selbstgleichschaltung untergeordnet. Dabei gehörte sie vom Zeitpunkt her zu den ersten Organisationen im Bereich des Turn- und Sportwesens überhaupt, die diesen Weg einschlug. Sie war kein Opfer einer von außen angeordneten Gleichschaltungsaktion durch die Nationalsozialisten. Zur Abschaffung der eigenen demokratischen Verbandsstrukturen und zur Integration in das nationalsozialistische Herrschaftssystem gehörte unter anderem die Ausgrenzung von jüdischen Mitgliedern (»Arierparagraph«) und von Anhängern demokratischer Parteien sowie die Einführung des »Führerprinzips« und die Verankerung des Wehrgedankens in der turnerischen Arbeit. Viele dieser Maßnahmen hatte Neuendorff bereits Anfang der dreißiger Jahre in seinen Funktionen beim »Wandervogel e.V.« und der Deutschen Turnerschaft gefordert. Widerstand gegen diese Politik der eigenen Verbandsführung als auch gegen das nationalsozialistische System insgesamt ist von Seiten der Deutschen Turnerschaft nichtbekannt. Die Maßnahmen der Verbandsführung entsprachen offenbar auch der Erwartungshaltung vieler Mitglieder. Allerdings war die Deutsche Turnerschaft bei der von ihr selber eingeleiteten Annäherung an die Nationalsozialisten nicht davon ausgegangen, dass am Ende dieses Prozesses die eigene Auflösung und damit die völlige Bedeutungslosigkeit stehen würde. In den ersten Jahrzehnten nach Ende des Zweiten Weltkrieges hat sich der DTB als Nachfolgeorganisation der Deutschen Turnerschaft mit der eigenen Geschichte im Zeitraum von 1933 bis 1945 nur bedingt auseinandergesetzt. Mit Beginn der achtziger Jahre hat sich diese Position allmählich gewandelt. Ein Beispiel dafür ist die 1987 gestiftete Flatow-Medaille zum Gedenken an die ermordeten Flatow-Brüder. Auch viele turnorientierte Vereine in der Bundesrepublik, die ihre Wurzeln in der Deutschen Turnerschaft haben, setzten sich verstärkt im Rahmen eigener Forschung mit der Vergangenheit ihres Vereins auseinander. Allerdings hat die Verbandsführung des DTB noch in den neunziger Jahren die Deutsche Turnerschaft auch als Opfer der Gleichschaltungspolitik der Nationalsozialisten gesehen. Das Jahr 2005 kann als bisheriger Höhepunkt einer intensiven und kritischen Beschäftigung des DTB mit der eigenen Verbandsgeschichte bezeichnet werden. Auf dem Internationalen Turnfest in Berlin hat sich der DTB seiner Verantwortung für die deutsche Turnbewegung und ihrer Repräsentanten, zu der auch die Phase des Nationalsozialismus gehört, offensiv gestellt.

Vollständige Ausarbeitung

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Wanderer neige dein Haupt ...

Dort, wo klassische Zitate verwendet werden, wird versucht, dem Kriegstod eine Überzeitlichkeit zu verleihen, ihn also zu einem Geschehen zu machen, das naturgemäß immer wiederkehren muss. Am Denkmal vor der Synagoge in Krakow am See findet sich die Inschrift »Wanderer neige in Ehrfurcht dein Haupt vor dem Tod und der Tapferkeit.«



Dieses Zitat ist angelehnt an eine Inschrift von Simonides von Keos auf einem Gedenkstein im antiken Sparta, die von Friedrich Schiller folgendermaßen aus dem Griechischen übersetzt wurde: »Wanderer, kommst du nach Sparta, so verkündige dorten, du habest uns hier liegen gesehen, wie das Gesetz es befahl.« Der Gedenkstein wurde nach der Ersten Schlacht bei den Thermopylen 480 v. Chr. während der Perserkriege errichtet. Die Schlacht ging aus Sicht der Griechen verloren, viele Spartaner starben, aber die Kämpfer sollen sich bis zum Letzten gewehrt haben und damit rücksichtslos ihrem Befehl gefolgt sein. Diese militärische Leistung wurde als Beispiel für den heldenhaften Opfertod im Laufe der Geschichte immer wieder herangezogen. Die Wandsbeker Paraphrase des Zitats benennt den Kriegstod und die Tapferkeit als vorbildhafte Tugenden.

• aus Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

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Das Turnerkreuz

Das Turnerkreuz ist eine graphisch gestaltete Bildmarke, die im Jahr 1844 von dem Kupferstecher und Drucker Johann Heinrich Felsing (1800–1875) aus Darmstadt entwickelt wurde.

Es steht noch heute als Symbol für das Turnen. Das Original-Logo gemäß Deutschem Turner-Bund ist heute immer quadratisch und formt ein achsengleiches griechisches Kreuz. Es besteht aus vier Exemplaren des horizontal und vertikal gespiegelten Buchstabens F in Versalien, die den Turner-Wahlspruch »Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei« aufgreifen.


                 SH Ellerhoop Turnerkreuz 1968 Turnfest web

»Den Spruch in seinen vier Anfangsbuchstaben habe ich zusammengestellt in 4 F. Ich habe sie zum Zeichen vereint, […] sie bilden wie die Turnerschaft – gleiche Kraft, gleiche Form, gleiche Stärke nach allen Seiten, es ist das Viereck überall gleich stark, fest in den vier Ecken stehend, nehmt’s, wie ihr wollt: es ist das F aus dem FF. Vergeßt mir nicht, daß es auch das Christenzeichen ist« schrieb Johann Heinrich Felsing 1846.

Der Spruch steht in seiner Urfassung »Frisch, Frei, Fröhlich, Fromm« an der Giebelseite des letzten Wohnhauses von »Turnvater« Friedrich Ludwig Jahn in Freyburg an der Unstrut, das heute das Friedrich-Ludwig-Jahn-Museum beherbergt.

Jahn hat den Turner-Wahlspruch nicht erfunden, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit einen studentischen Spruch aus dem 16. Jahrhundert übernommen. In seinem Buch »Die deutsche Turnkunst« hat Jahn den Wahlspruch »Frisch, Frei, Fröhlich, Fromm« im Kapitel »Turngesetze« dann gleichsam manifestiert.

Jahn hat sich stets gegen eine Umstellung der vier F-Begriffe gewandt, so zum Beispiel 1846: »In den vier Worten ist die Steigerung unverkennbar, jede Umstellung verändert den Sinn und verschwächt ihn. Der Spruch ist Inschrift eines Ringes um das turnerische Leben. Das Weglassen nur eines Wortes macht den Reifen brüchig. Selbst die Verwandlung des ›fröhlich‹ in ›froh‹ entstellt die Sinnschrift, weil, so nahe verwandt, sich auch beide Worte fügen, froh mehr die innere Stimmung bezeichnet und das Wirkende, fröhlich hingegen das Offenbarwerden in äußerer Erscheinung […], fröhlich muß mitteilen, gemeinsam empfinden […], bedarf der Gesellschaft«.

Dennoch wurde die Aneinanderreihung der vier Begriffe über »Frisch, Fromm, Froh, Frei« zum heute gebräuchlichen »Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei« verändert. 1933 entstand im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele 1936 von Berlin eine Diskussion darüber, ob das Turnerkreuz oder die olympischen Ringe für die Olympiade in Berlin Verwendung finden sollten. Die Entscheidung fiel zugunsten der fünf Ringe.

Nach Einführung des Reichsflaggengesetzes vom 15. September 1935 übernahmen alle deutschen Turnvereine das von den Nationalsozialisten gebrauchte Hakenkreuz als einziges Symbol.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fand man auf Vereinsebene sehr rasch wieder zum Turnerkreuz zurück, zumal die historischen Vereinswappen und -fahnen dieses zumeist beinhalteten. Demgegenüber benötigten die Verbände dazu längere Zeit. Beim Deutschen Turnfest in München 1958 fand es in der offiziellen Festzeitung noch keinerlei Verwendung, eine aus diesem Anlass herausgegebene Briefmarke der Deutschen Bundespost griff es hingegen wieder auf.

Nach Wikipedia, abgerufen am 25. Mai 2018

 

Der Deutsche Turner-Bund weist im Rahmen seiner Selbstdarstellung im Internet unter dem Punkt »Turngeschichte beim Turnfest 2005 in Berlin« auf die jüngsten historischen Aufarbeitungsbemühungen hin: »Der Deutsche Turner-Bund hat das internationale Deutsche Turnfest 2005 in Berlin auch zu einer historischen Betrachtung der Turnbewegung genutzt. Schließlich befindet sich die Hasenheide als traditioneller Turnplatz Friedrich Ludwig Jahns, von dem 1811 das Turnen seinen Anfang nahm, mitten in Berlin. Mit Berlin, der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933, verbindet sich auch das dunkelste Kapitel der Turnbewegung: die Durchsetzung des ›Arierparagraphen‹ in vorauseilendem Gehorsam durch die Deutsche Turnerschaft. Vor diesem Hintergrund und angesichts der aktuellen Gedenkveranstaltungen um den 8. Mai 2005 zum Kriegsende vor 60 Jahren inklusive der Einweihung des Holocaust-Mahnmals in Berlin eine Woche vor dem Turnfest wollte das Präsidium des Deutschen Turner-Bundes ganz bewusst Zeichen setzen im Umgang mit der Geschichte des eigenen Verbandes.« Auf der wissenschaftlichen Tagung auf dem Turnfest 2005 wies der amtierende Präsident des Deutschen Turner-Bundes (DTB), Rainer Brechtken, auch auf die kritische Auseinandersetzung mit der historischen Figur des »Turnvater« Jahns hin: »Wir haben unsere Geschichte aufgearbeitet und sind immer noch dabei, (...) es gibt da für uns keinen Schlussstrich.«

Noch einmal zitiert aus der Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste »Die Entwicklung der Deutschen Turnerschaft von 1933 bis zu ihrer Auslösung 1936« aus dem Jahr 2005

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Die Geschichte der synagoge

Jürgen Gramenz und Sylvia Ulmer haben sie im Jahr 2015 so beschrieben:

Schon im Jahr 1865 sah sich die Gemeinde durch die zwischenzeitlich eingegangenen Spenden in der Lage, den Bau einer neuen Synagoge zu beschließen. Eigens dazu kaufte sie vom Magistrat das 16 Quadratruten große Grundstück Plauer Straße Nr. 7, das heute als Schulplatz 1 bekannt ist. Der eigentlich Bau wurde noch 1866 erfolgreich beendet, so dass diese am 12. Dezember 1866 durch den Landesrabbiner Dr. Salomon Cohn und im Beisein von 110 Gemeindemitgliedern eingeweiht werden konnte. Die Synagogenbau war allerdings ohne eigene Mikwe errichtet worden. Ob und gegebenenfalls wo die jüdischen Gemeindemitglieder im Anschluss ihr Ritualbad vollzogen, ist derzeit ungeklärt.

Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam es durch die schrumpfenden Gemeindebeiträge aufgrund der seit den 1850er Jahren einsetzenden Abwanderung und Emigration zu erheblichen Problemen bei der Erhaltung der Synagoge. So bat 1891 der Gemeindevorstand das Innenministerium um einen Zuschuss zur Erhaltung der Synagoge und zur Bezahlung des Kultusbeamten. (...)

Schon 1890 war die Gemeinde mit ihren 65 Mitgliedern nicht mehr in der Lage, die Unterhaltungskosten für das Gebäude aufzubringen. 1911 fand zum letzten Mal ein Gottesdienst zum jüdischen Neujahrsfest statt. Mit der 1919 schließlich eingetretenen Überschuldung der Israelitischen Gemeinde von Krakow musste das Synagogengrundstück veräußert werden. Der Verkauf erfolgte dann am 31. Mai 1920 an die Stadt Krakow am See, allerdings mit der Auflage, das Gebäude für öffentliche Zwecke zu nutzen. Die Stadt Krakow wurde daraufhin am 29. Oktober 1920 als Eigentümer des Grundstücks in das Grundbuch eingetragen. Die vormals in der Synagoge befindlichen Reliquien wurden an die Gemeindemitglieder zur Verwahrung gegeben.

Ab 1921 nutzte die Schuljugend und der Arbeiter-Turn-Verein den mittlerweile umgebauten Betsaal als Turnhalle. 1927 fanden nochmals größere Umbauten statt. Von 1924 bis 1937 war die Turnhalle zusätzlich sonntags von der katholischen Gemeinde zum Gottesdienst genutzt worden. Da die ehemalige Synagoge im Eigentum der Stadt stand blieb die Synagoge zur Reichsprogromnacht 1938 unangetastet. 1945 wurde der Turnsaal für Sportunterricht vergrößert.

Mit der 1966 erfolgten Dacherneuerung wurde die Fassade des Gebäudes geringfügig verändert. Im Jahr 1981, wurde die Synagoge in die Kreisdenkmalliste eingetragen und wurde bis 1985 weiter als Turnhalle genutzt. Im gleichen Jahr beschloss die Stadt, das nunmehr leerstehende Gebäude für kulturelle Zwecke zu nutzen, was jedoch nicht mehr umgesetzt wurde.

Nach der Wiedervereinigung konnten 1991 mit Mitteln der Stadtbauförderung wieder denkmalpflegerische Arbeiten am Gebäude vorgenommen werden. Erneute, 1994 begonnene Renovierungsarbeiten wurden 1996 endgültig zum Abschluss gebracht, so dass in diesem Jahr das Gebäude als Gedächtnisstätte und Kulturzentrum an die Öffentlichkeit übergeben werden konnte. Bis heute erfolgt die Nutzung durch das Kulturamt der Stadt Krakow und den Kulturverein »Alte Synagoge Krakow am See«. Auf der ehemaligen Frauenempore wird in einer Dauerausstellung an das jüdische Leben in Krakow gedacht.

MP Krakow am See Synagoge innen web


»Juden in Mecklenburg: Geschichte der Synagoge«


»Ehemaliges jüdisches Leben in Krakow am See«


Erstmals nach 99 Jahren wird in der ehemaligen Synagoge in Krakow am See wieder ein jüdischer Gottesdienst gefeiert. Am Dienstag, 8. Oktober, und Mittwoch will die unabhängige Synagogengemeinde Berlin Bet Haskala dort den höchsten jüdischen Feiertag, Jom Kippur, begehen, wie die Gemeinde am Mittwoch mitteilte. Dazu soll der Bau als temporäre Synagoge geweiht werden.

Artikel in rtl.de vom 4. Oktober 2019

Jüdisches Leben online: »Min oll lütt Vaderstadt«

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschriften
Das Grab
Die Direktive Nr. 30 des Alliierten Kontrollrats
Das Eiserne Kreuz
Der Stahlhelm

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Krien

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Sehr prominent steht die Denkmalsanlage für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs am Rand des Kirch- und Friedhofs der Dorfkirche von Krien.

MP Krien fern web


Sie ist auch von der Straße über eine dreistufige Steintreppe zu betreten. Zwischen zwei mit einer Steinkugel gekrönten Pfeilern geht man durch eine schwarze geschwungene Eisenpforte auf die Anlage.

 

MP Krien mit Pforte web


Das Denkmal ist ein klassischer Obelisk: eine vierkantige Säule, die sich nach oben verjüngt und eine Pyramide als Spitze hat. Er steht auf einem breiten gemauerten Felssteinsockel und neigt sich deutlich zur Seite.

 

     MP Krien Denkmal web

Der Obelisk ist aus mehreren Steinblöcken, im unteren Bereich mit kleinen Abstufungen, zusammengesetzt. Die Inschriften zeigen zur Straße.

MP Krien Helm web


Oben sieht man, dass ein dort angebrachtes Relief eines Stahlhelms auf Eichenlaub vor kurzer Zeit entfernt worden ist. Vier Bohrlöcher zeigen die Befestigungsart. Wir erfahren, dass der Helm mit Eichenlaub gestohlen worden ist. Die Anzeige bei der Polizei hat kein Ergebnis gebracht.

 

MP Krien Widmung web


Die Inschrift darunter, in einer klassischen serifenlosen Schrifttype, lautet:

DEN
DEUTSCHEN KRIEGERN

1914         1918

 

MP Krien Namen web


Auf dem großen unteren Steinblock werden unter der Überschrift:

Es fielen den Heldentod fürs Vaterland

die Namen der 31 toten Soldaten werden in drei Spalten aufgeführt, getrennt durch Spaltenlinien. Sie wurden mit Vornamen, teilweise abgekürzt, von 1914 bis 1920 nach Sterbedatum geordnet. 

     MP Krien Pfosten web

Die Steinpfeiler an der Eingangspforte haben ausser der Kugel auf einer leichten Erhöhung, ein tiefergelegtes Relief aus einem Eisernen Kreuz umgeben von Eichenlaub im viereckigen Rahmen.


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Die Inschriften

Den deutschen Kriegern

Das erste idelogische Moment des politischen Totenkults wird in historischen Untersuchungen selten angesprochen, so selbstverständlich ist es offenbar: Der tote Feind gilt nichts. Totengedenken und nationale Feindschaft gehen Hand in Hand. Die Rechtfertigung des eigenen Tötens bleibt ausgeblendet, ist immer nur implizit anwesend, als unbefragte Voraussetzung. Explizit handelt der Totenkult allein vom Sinn des Sterbens, des Sich-Opferns.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 98

Krieg ist ein organisierter und unter Einsatz erheblicher Mittel mit Waffen und Gewalt ausgetragener Konflikt, an dem planmäßig vorgehende Kollektive beteiligt sind. Ziel der beteiligten Kollektive ist es, ihre Interessen durchzusetzen. Der Konflikt soll durch Kampf und Erreichen einer Überlegenheit gelöst werden. Die dazu stattfindenden Gewalthandlungen greifen gezielt die körperliche Unversehrtheit gegnerischer Individuen an und führen so zu Tod und Verletzung.

Wikipedia, abgerufen am 2. November 2019

 

Es fielen den Heldentod fürs Vaterland
Das ist eine sehr ungewöhnliche Formulierung, man kennt besser die Bezeichnungen »Gefallene« oder »gefallene« Soldaten.

Dieser Begriff wird benutzt, um den Tod von Kombattanten zu beschreiben, die während Kampfhandlungen ums Leben gekommen sind. Er befindet sich häufig auf den entsprechenden Denkmälern und ist seit 2008 (seit dem Verteidigungsminister Jung ihn verwendet hat) wieder im politischen Sprachgebrauch in Deutschland zu finden. Es ist dabei zu erörtern, in wie fern eine Beschönigung des gewalttätigen Todes vorliegt, so dass er in der öffentlichen Wahrnehmung als weniger folgenschwer und damit akzeptierter als andere Todesarten angesehen wird. Außerdem bleibt durch die universelle Verwendung von »gefallen« der tatsächliche (schreckliche) Todesgrund verborgen (verblutet, erschossen, zu Tode gefoltert usw.).

www.kirchliche-dienste.de/arbeitsfelder/frieden/Gedenkorte-fuer-Verstorbene-der-Weltkriege

Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: »der Gefallenen«. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung »Gefallene« eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort »fallen« verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der »fiel«, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort »fallen«, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 100

»Gefallenendenkmal« verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 22. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006


Die Entscheidung für Metaphern deutet darauf hin, dass das Grauen des Kriegstodes vom Denkmal verbannt werden sollte. An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort »Gefallener« (oder »gefallen«) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.

Ebd. S. 60/61


»Sie starben den Heldentod« steht auf den Denkmälern. So, als ob das Sterben die Erfüllung ihres Lebens, die Bestimmung des soldatischen Auftrags ist. Der Tod eines Soldaten muss erklärt und gerechtfertigt werden und er begründet eine spezifische Erinnerungspflicht. Wobei es nicht die Toten sind, die die Lebenden dazu verpflichten könnten, es sind immer die Überlebenden, die als Denkmalstifter die Getöteten für ihre Zwecke benutzen, sie als Helden, als Retter des Vaterlands, als Vorbild für Treue und Pflichterfüllung benennen, deren Tod nicht sinnlos gewesen sein darf. Bis 1945 benutzen die Nationalsozialisten die toten Soldaten für eine Verpflichtung an die nachfolgende Generation, ihnen an Kampfesmut und Opferbereitschaft nicht nachzustehen.

Ebd. S. 33


Prinzipiell existieren keine Helden, sondern sie werden per Zuschreibung von außen dazu gemacht. Dies erkennt man bereits daran, dass heute andere Menschen als Helden gelten, als zur Zeit des 1. und  2. WK. Es handelt sich um eine Konstruktion, die einen bestimmten Zweck erfüllen soll, denn nicht jeder Soldat ist ein Held. Auch werden andere am Krieg direkt oder indirekt Beteiligte (Dichter, Ärzte, Hausfrauen, Invaliden usw.) deutlich seltener als Helden verehrt – von Kriegsgegnern ganz zu schweigen. Durch diese »Opferhelden« werden bestimmte Werte, die dieser Held verkörperte erhöht und für die Gesellschaft als besonders erstrebenswert definiert, wie z.B. die Opferbereitschaft, »Vaterlandsliebe«, Mut, Furchtlosigkeit. Im Gegenzug lässt sich gleichfalls nicht heldisches Benehmen erkennen: Zögern, Zaudern, Furcht, Illoyalität usw. Durch den universellen Anspruch des Heldengedenkens wird die »Leistung für das Gemeinwesen« anerkannt und wirkt fortan als Vorbild, was zur Militarisierung der Gesellschaft beiträgt (Opferheldenverehrung des 1. WK trug zu Militarisierung im Zuge des 2. W.K. bei). »Jede Glorifizierung eines Menschen, der im Krieg getötet worden ist, bedeutet drei Tote im nächsten Krieg.« (Kurt Tucholsky)

www.kirchliche-dienste.de/arbeitsfelder/frieden/Gedenkorte-fuer-Verstorbene-der-Weltkriege

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Das Grab

Die gepflegte kleine Denkmalsanlage auf geharktem Sandplatz wird von einer Buchsbaumhecke begrenzt.

MP Krien beide web


Doch was sieht man innerhalb dieses Areals?

 

MP Krien beide von hinten web


Auf der Rückseite des Obelisken innerhalb der Denkmalsanlage befindet sich eine Grabstelle.

 

MP Krien 2WK Grab web


Sehr gepflegt, mit frischen Blumen wird hier an Albert Riehl gedacht, der nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, am 24. Mai 1945, gestorben ist.

 

MP Krien 2WK Grab Kreuz web


Das Symbol eines Eisernen Kreuzes zeigt, dass er als Soldat gestorben ist.

Unvergessen
Deine Frau

steht am Kreuz. In der SBZ und später in der DDR gab es keine »Ehrenmäler« für die Soldaten der Deutschen Wehrmacht. Durch diesen kleinen »Trick« seiner Frau, hat er nun im Schatten des Obelisken für die Helden des 1. Weltkriegs doch noch etwas Ehre abgekriegt.

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Die Direktive Nr. 30 des Alliierten Kontrollrats

In der sowjetischen Besatzungszone und der späteren DDR war an deutsche Kriegerdenkmäler für 1939–1945 nicht zu denken. Stattdessen verfügte der Alliierte Kontrollrat in seiner Direktive Nr. 30 vom 31. Mai 1946 die Beseitigung aller deutschen Denkmäler und Museen militärischen Charakters:

»Von dem Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Direktive an ist es untersagt und als gesetzwidrig erklärt die Planung, der Entwurf, die Errichtung, die Aufstellung oder die sonstige Zurschaustellung von Gedenksteinen, Denkmälern, Plakaten, Statuen, Bauwerken, Straßen- oder Landstraßenschildern, Wahrzeichen, Gedenktafeln oder Abzeichen, die darauf abzielen, die deutsche militärische Tradition zu bewahren oder die Erinnerung an die nationalsozialistische Partei aufrechtzuerhalten, oder ihrem Wesen nach in der Verherrlichung von kriegerischen Ereignissen bestehen […]«

In dieser Direktive wurde zugleich verlangt, bestehende Denkmale bis zum 1. Januar 1947 zu beseitigen, wobei Anlagen von wesentlichem Nutzen für die Allgemeinheit oder von großem architektonischen Wert ausgenommen waren. In einer am 12. Juli 1946 veröffentlichten Ergänzung dieser Verordnung wurden Gedenksteine, die zum Andenken an Verstorbene regulärer Einheiten errichtet wurden, als zu erhalten festgelegt, wobei Änderungen an der Gestaltung (z. B. durch Entfernung militaristischer Symbole und Inschriften) vorgeschlagen wurden. Entgegen diesen Festlegungen kam es jedoch vor allem in der unmittelbaren Nachkriegszeit zu »wilden« Beseitigungen von Kriegerdenkmalen ohne behördliches Mitwirken.

Vielerorts wurden hingegen Ehrenmale für sowjetische Soldaten errichtet. Erstes auf deutschem Boden war das am 25. November 1945 eingeweihte Sowjetische Ehrenmal in Dresden.

Wikipedia, abgerufen am 1. November 2019


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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


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• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008


Soldaten der Wehrmacht kämpfen nicht nur pflichtschuldig  und gehorsam. Ohne die Gefühlswelt aus Stolz, Ehre und Männlichkeit ist nicht zu erklären, warum so viele an die Front streben – und dem Krieg bis zum Untergang verhaftet bleiben. (Frank Werner in ZEITGeschichte 4/2018)

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Geschickte Propaganda: Begehrenswerte Ordensbrust in »Die Woche« Januar 1940.

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

Neben dem Thorshammer ist das Eiserne Kreuz das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z. B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle.


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Der Stahlhelm

Neben dem militärischen Ehrenzeichen Eisernes Kreuz ist die Darstellung des Stahlhelms das meist gezeigte Symbol auf Kriegerdenkmälern. Wie kam es zu dieser Wirkmacht?

Die neuen Methoden der Artilleriekampfes im 1. Weltkrieg erforderten einen verbesserten Kopfschutz für die Soldaten. Der Lazarettarzt Professor August Bier (nach ihm ist z.B. eine Klinik in Malente benannt) beobachtete höchst gefährliche Granatsplitterverletzungen des Gehirns in erschreckender Häufigkeit und entwickelte darum zusammen mit dem Ingenieur Dr. Friedrich Schwerd den neuen Helm aus Stahl, der die bis dahin getragenen ledernen Pickelhauben ablöste. Die ersten 30 000 Helme wurden im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert.

Die Vorstellung von der stählernen Schutzwirkung wurde fortan auf Postkarten, Kriegsanleiheplakaten, Schmuckblättern usw. propagandistisch ausgeschlachtet und symbolisch überhöht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde dieser Symbolwert noch gesteigert.


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     Plakat von Ludwig Hohlwein zum 10. Reichsfrontsoldatentag 1929

Der Historiker Jürgen Kraus macht drei vorherrschende semantische Felder aus, die dem Stahlhelm in diesem propagandistischen Zusammenhang schon für die Zeit des Krieges zugeordnet werden können. Zum einen hoben die Kriegsanleiheplakate den einzelnen Soldaten aus dem »massenhaften Elend der Materialschlachten« heraus, der nun »gleichermaßen geschützt wie heroisiert durch den neuen Stahlhelm siegessicher als Heldenfigur auf den Plakaten erschien.« In seiner Funktion als Schutzhelm verwies er auf die Gefahren und den Tod auf dem Schlachtfeld und wurde von daher zum Symbol für die Front schlechthin. Viel stärker als die Pickelhaube, die nun endgültig als Symbol für das Militär abgelöst war, vermochte der Stahlhelm den veränderten Bedingungen des Krieges kurz vor dessen Ende auch symbolisch Rechnung zu tragen.

Ein zweites semantisches Feld ergab sich besonders in der zweiten Kriegshälfte aus »der Vorstellung der ›stählernen‹ Schutzwirkung des Stahlhelms«, die nahe legte, daß der so behelmte Soldat an der Front imstande war, dem permanenten Beschuß durch den übermächtigen Feind, dem ›Stahlgewitter‹, standzuhalten und damit ein Vorbild für den Durchhaltewillen an der Front und auch in der Heimat zu sein.

Das dritte semantische Feld folgt laut Kraus schließlich aus der großen formalen Ähnlichkeit des neuen Stahlhelms mit typischen Helmformen des Mittelalters. [...] Indem der Träger des Stahlhelms so in die Nähe der historischen Gestalt des Ritters »als Repräsentant des deutschen Heeres« gerückt wurde, was auf zahlreichen Plakaten der Zeit in vielfältiger Weise geschah, konnte er als überzeitlicher »Kämpfer für Deutschland« stilisiert werden, der »ganz wie seine Vorkämpfer über die Jahrhunderte hinweg Unheil von Deutschland abzuwehren bestimmt war.«

Aus Kriegsvolkskunde, Gottfried Korff (Hg.), Tübinger Vereinigung für Volkskunde e.V., 2005, S.130f

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I N H A L T
Das Denkmal
Vergeßt die teuren Toten nicht
Nicht vergessen?
Historisches Foto
Der Volkstrauertag
Die Dorfkirche

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Kritzkow

Landkreis Rostock, heute ein Ortsteil der Stadt Laage

Das Monument für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs steht am Rand des Kirch- und Friedhofs, inmitten einer beeindruckenden Baumkulisse.

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Die Denkmalsanlage ist von der Dorfstraße aus zu betreten.

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Über drei breite und drei schmaler werdende Stufen aus massiven Bruchsteinen gelangt man zum Monument. An den Seiten begrenzen Bruchsteinmauern die kleine Anlage.

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Das Monument besteht aus zwei aufeinandergesetzten Sandsteinblöcken. Unten steht ein breiter Sockel, oben ein Obelisk als Spitze. Beide Teile sind abwechslungsreich gestaltet.   

 

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Am oberen Teil ist eine bronzene Namenstafel in Fassform angebracht. In erhabenen Lettern werden 10 tote Soldaten mit Vor- und Nachnamen aufgezählt. Geordnet sind sie nach Sterbedatum, der 10. ohne Datum wird als vermisst gekennzeichnet. Über den Namen lesen wir:

IM WELTKRIEGE 1914/18 FIELEN
AUS DER GEMEINDE KRITZKOW

Darunter steht:

VERGESST DIE TEUREN TOTEN NICHT

 

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Eine kleine rechteckige Bronzetafel ist am Sockel angebracht. Darauf steht:

AUS DUDINGSHAUSEN
Hermann Pott
gef. 3. 9. 16.

 

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Die Seitenmauern sind oben mit kleinen Kieselsteinen belegt.

 

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Ein Winterfoto von Matthias Hübner, www.dorfkirchen-in-mv.de, dem wir viele Fotos verdanken.

 

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Vergesst die teuren Toten nicht

Dieser Aufruf stammt aus einem Gedicht von Theodor Körner:

So betet, daß die alte Kraft erwache,
Daß wir dastehn, das alte Volk des Siegs,
Die Märtyrer der heil’gen deutschen Sache.
O ruft sie an als Genien der Rache,
Als gute Engel des gerechten Kriegs.
Luise schwebe segnend um den Gatten,
Geist unsers Ferdinands voran dem Zug!
Und all’ ihr deutschen freien Heldenschatten,
Mit uns, mit uns, und unsrer Fahnen Flug!
Der Himmel hilft, die Hölle muß uns weichen!
Drauf! wakres Volk! drauf! ruft die Freiheit, drauf!
Hoch schlägt dein Herz, hoch wachsen deine Eichen,
Was kümmern dich die Hügel deiner Leichen,
Hoch pflanze da die Freiheitsfahne auf! —
Doch stellst du dann, mein Volk, bekränzt vom Glücke,
In deiner Vorzeit heil’gem Siegerglanz,
Vergiß die treuen Todten nicht und schmücke
Auch unsre Urne mit dem Eichenkranz!


Carl Theodor Körner, 23. September 1791 / Dresden bis 26. August 1813 / Forst Rosenow bei Lützow, war ein deutscher Dichter und Dramatiker. Berühmt wurde er durch seine Dramen für das Wiener Burgtheater und besonders durch seine Lieder in den antinapoleonischen Befreiungskriegen. Nachdem er als »Sänger und Held« im Lützowschen Freikorps gefallen war, wurde er zur patriotischen Identifikationsfigur.

 

Theodor Körner wurde mit seinem frühen Tod schon von seinen Zeitgenossen zum Sänger und Helden stilisiert. Körner wusste seine romantische Lyrik mit patriotischer Kampfbereitschaft zu verbinden, die folgenden Generationen zum vaterländischen und opferbereiten Vorbild werden sollte.

Seine Werke standen auf den Lehrplänen des Deutschen Bundes und später des Deutschen Reichs. […]

Auch die Nationalsozialisten machten sich die Texte Körners zunutze. So diente Joseph Goebbels in der berühmten Sportpalastrede Körners »Das Volk steht auf, der Sturm bricht los« (aus Männer und Buben, 1813) als Vorlage für seine Aufforderung »Nun Volk, steh’ auf, und Sturm, brich los!«.

Gleichzeitig benutzte die Widerstandsbewegung des NS-Regimes Körners Texte. Den Aufruf »Frisch auf, mein Volk! Die Flammenzeichen rauchen.« (aus Aufruf, 1813) zitiert Kurt Huber 1943 im 6. Flugblatt der »Weißen Rose«.

Während Körner in der BRD kritisch diskutiert wurde, verehrte ihn die DDR als Heldendichter. Ab 1970 wurde etwa der Theodor-Körner-Preis verliehen, der für herausragende künstlerische Leistungen in Bezug auf die Stärkung und Förderung der Nationalen Volksarmee, in den Grenztruppen der DDR und den anderen bewaffneten Organen der DDR verliehen wurde.

Im 21. Jahrhundert werden Körners Texte allerdings auch mit rechtsradikaler Propaganda in Verbindung gebracht.


zitiert von der Website Wortwuchs.net


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Nicht Vergessen?

Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. »Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.« [Giordano, Die zweite Schuld, S. 324].

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 29. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006


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Historisches Foto

Nicht gut zu erkennen, aber eindeutig: auf der Spitze des Obelisken war, sehr wahrscheinlich vor 1945, ein freistehendes Eisernes Kreuz angebracht. Ein großer Kranz mit Schleife hängt am Denkmal, einiges spricht dafür, dass das Foto am Volkstrauertag bzw. am »Heldengedenktag« entstanden ist. Lesen Sie weiter unten die Geschichte dieses Gedenktages.

 

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Der Volkstrauertag

In Deutschland ein staatlicher Gedenktag, er wird seit 1952 zwei Sonntage vor dem ersten Adventssonntag begangen.

Der Volkstrauertag wurde 1919 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs vorgeschlagen. 1922 fand die erste Gedenkstunde im Reichstag statt. 1926 wurde entschieden, den Volkstrauertag regelmäßig am Sonntag Reminiscere (fünfter Sonntag vor Ostern) zu begehen.

Der Volkstrauertag wurde dann erstmals am 1. März 1925 begangen. Überall fanden Gedenkfeiern für die deutschen Gefallenen des 1. Weltkriegs statt. Die Cellesche Zeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 27. Februar 1926:

»Volkstrauertag! Der erste deutsche Volkstrauertag soll in erster Linie dem Ehrengedenken unserer im Weltkriege gefallenen Väter, Brüder und Söhne gewidmet sein. Es ist nur zu wünschen, daß sich diese ernste Feier recht tief und fest und feierlich, auch ohne viele Reden und Gesänge, aus dem ureigenen deutschen und menschlichen Empfinden heraus geltend macht in den Herzen des ganzen Volkes.«

Der Volksbund verband mit dem Volkstrauertag die Vorstellung, eine bei allen Deutschen einheitliche Erinnerung an das Leid des Krieges zu bewirken und so die Deutschen »über die Schranken der Partei, der Religion und der sozialen Stellung zusammen[zu]führen […], auf daß aus den Gräbern unserer fast zwei Millionen Gefallener uns Mut und Kraft zu segensreicher Arbeit an unseres Volkes und unseres Vaterlandes Zukunft erwachsen [kann].«

Nicht zu übersehen war auch der Versuch, aus der Erinnerung an den Krieg neben dem Appell an die Einigkeit des Volkes die Botschaft zu vermitteln, dass es das höchste Ideal sei, alles für das Wohl Deutschlands zu opfern und seine eigenen Ansprüche zurückzustellen. So sprach der Hamburger Pastor Jähnisch auf der zentralen Gedenkfeier auf dem Ohlsdorfer Friedhof 1926: »Unsere Toten mahnen. Und darauf kommt es an. Horche jeder auf den Geist der Toten und bekenne sich zu ihnen: Selber riefst du einst in Kugelgüssen: Deutschland muß leben und wenn wir sterben müssen!«

Nach dem Tod des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg am 2. August 1934 übernahmen die Nationalsozialisten den Volkstrauertag und legten ihn als staatlichen Feiertag am zweiten Fastensonntag fest. Er wurde in Heldengedenktag umbenannt und sein Charakter vollständig geändert: Nicht mehr Totengedenken sollte im Mittelpunkt stehen, sondern Heldenverehrung. Träger waren die Wehrmacht und die NSDAP. Die Flaggen wurden nicht mehr wie bislang auf halbmast gehisst. Propagandaminister Joseph Goebbels erließ die Richtlinien über Inhalt und Durchführung. Die Propagandawirkung des Tages wurde so hoch eingeschätzt, dass alle entscheidenden Schritte der Kriegsvorbereitung bis einschließlich 1939 auf ein Datum in unmittelbarer Nähe zum Heldengedenktag gelegt wurden:

1936: Remilitarisierung des Rheinlands einen Tag vorher
1938: Einmarsch deutscher Truppen nach Österreich einen Tag vorher
1939: »Zerschlagung der Rest-Tschechei« drei Tage nachher

Am 25. Februar 1939 verlegte Hitler per Erlass den Heldengedenktag auf den 16. März, den Tag der Wiedereinführung der Wehrpflicht 1935, wenn dieser Tag auf einen Sonntag fiel, andernfalls sollte er am Sonntag vor dem 16. März begangen werden. Damit wurde die Bindung an den kirchlichen Kalender aufgegeben.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges entstand 1946 in den drei westlichen Besatzungszonen eine Diskussion zur Durchführung und zum Datum eines Volkstrauertages. Wegen der zahlreichen Kriegstoten und Vermisstenschicksale bestand für viele eine Notwendigkeit für diesen Trauertag. In der DDR wurde ein »Internationaler Gedenktag für die Opfer des faschistischen Terrors und Kampftag gegen Faschismus und imperialistischen Krieg« eingeführt, der jährlich am zweiten Sonntag im September begangen wurde. 1950 fand die erste zentrale Veranstaltung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Bundestag in Bonn statt.

Seitdem liegt der Volkstrauertag am Ende des Kirchenjahres auf dem vorletzten Sonntag vor dem ersten Advent. Der Volkstrauertag ist jedoch in keinem Bundesland ein gesetzlicher Feiertag.

Nach Wikipedia, abgerufen am 9. November 2019

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Die Dorfkirche

Durch diese Holzpforte betreten die Besucher den Kirchhof.

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Man kann hier den alten Baumbestand bewundern, besonders die Kirchlinde, ein mehrere hundert Jahre alter Baumveteran.

 

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Ursprünglich war die Linde mit jetzt 8,62 Meter Umfang noch dicker. Nach einem Stammabruch neigt sie sich jetzt zur Seite und hat an der Abruchstelle eine Wand aus knorrigen Verwachsungen gebildet.


Siehe auch die Website von baumkunde.de

 

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Wir möchten an dieser Stelle auf einen Verein hinweisen, der ehrenamtlich, politisch unabhängig und überkonfessionell arbeitet:

Dorfkirchen in Not in Mecklenburg und in Vorpommern e.V. – Gemeinnütziger Verein zur Rettung und zum Erhalt des kulturellen Erbes.

Website des Vereins


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I N H A L T
Das Denkmal
Die Einweihung 1920
Fotos Mitte der 90er-Jahre
Das Schwert

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Kummer

Landkreis Ludwigslust-Parchim

Auf einem zentralen Platz in Kummer befinden sich Stele für die getöteten Soldaten des 1.Weltkriegs und Findling für die Opfer des 2.Weltkriegs. Es wurde 1920 eingeweiht.

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Inschriften oben auf der Stele:
1914 -1918 / Ihren gefallenen / Helden / aus der Gemeinde / Kummer / in Dankbarkeit / gewidmet.

In der Spitze der Stele ein Medallion mit gesenktem Schwert umgeben von Lorbeerzweigen.

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Auf dem Sockel:
Helden,
gefallen im Ringen Deutschlands
um Ehre und Sein,
nie wird ihr Name verklingen
heilig soll er uns sein.

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Die Einweihung 1920

               MP Kummer 1920

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Fotos Mitte der 90er-Jahre

Die damalige Kunstgeschichtsstudentin Margrit Schimanke fuhr durch Mecklenburg-Vorpommern und fotografierte Denkmäler für ihre Promotionsarbeit. Auch dieses, vielen Dank dafür!

 

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             MP Kummer 1995 Schimanke web

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Das Schwert

Das Schwert verweist auf die Helden der Antike und damit auf  eine »edle Gesinnung der Kämpfenden«. Artus, Parzival, Roland, Siegfried & Co. – tragen ihre Schwerter als Recken der Tapferkeit und Treue. Auf den Kriegerdenkmälern fordern Schwerter, selbst wenn sie als Zeichen der Niederlage gesenkt oder abgebrochen dargestellt werden, die nachfolgenden Generationen zu »Wehrwillen und Mannhaftigkeit« auf.

Das Schwert ist in der Menschheitsgeschichte die erste ausschließlich zum Töten anderer Menschen geschaffene Waffe. Ein Symbol der Macht: Wer auf dem Schlachtfeld unterlag, übergab dem Sieger seine Waffe. Das Schwert verleiht den Status eines Herrschers. Die englische Königin führt den Ritterschlag bis heute mit dem Schwert aus.

Nach dem Mittelalter verlor das Schwert seine Bedeutung als Waffe – und wurde in der Symbolsprache der Propaganda umso wichtiger. Im 1. Weltkrieg, dem ersten industriellen Krieg in der Geschichte, hatte das Schwert als Bild-Symbol auf Orden und Medaillen Hochkonjunktur. Auch im Nationalsozialismus galt das Schwert als Zeichen für heldenhaften Kampf, obwohl es natürlich nicht mehr benutzt wurde.


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