KONZEPT DES »NETZWERK ERINNERUNGSKULTUR
IM BEREICH DER NORDKIRCHE«

Ziel des Netzwerkes ist es, möglichst vollständig über die Arbeit von Akteur*innen und Initiativen zu informieren, Erfahrungen aus der Gedenkkultur zu sammeln und Interessierten übersichtliche Materialien und Anregungen zur Verfügung zu stellen. Zugleich engagieren sich kirchliche wie nichtkirchliche Gruppen und Einrichtungen zu diesem Themenspektrum, deren Kenntnis voneinander und Vernetzung ein weiteres zentrales Anliegen ist.

Das Erinnern ist konstitutives Element der Menschheitsgeschichte – ohne Erinnern gibt es keine Geschichte. Der Weg zu Veränderungen führt über das Verarbeiten von Erfahrungen. Wer die Deutung von Erfahrungen bestimmt, hat vielfach großen Einfluss darauf, welche Erinnerungen öffentlich gepflegt werden und wie sie gedeutet werden. Eine Gesellschaft, die offen für Veränderungen ist, muss einen steten Diskurs darüber führen, wie sie auf die Vergangenheit schauen und welche Konsequenzen sie daraus ziehen will.

Für die Kirche ist das Erinnern zentraler Bestandteil ihrer Existenz, alle Rituale beruhen auf dem gemeinsamen Gedenken. Die Bibel ist ein Buch des Erinnerns. Die Spannung zwischen Tradition und Veränderung ist Kern protestantischer Identität und zwingt zu einem beständigen Erinnern, Deuten und Hinterfragen von Erinnerungen als Voraussetzung für Neubestimmungen.

Das beständige Erinnern und Hinterfragen von Erinnerungen hat eine ebenso große Bedeutung für unsere demokratische Gesellschaft. Unser gesellschaftliches Bewusstsein ist davon bestimmt, antidemokratische Regime hinter uns gelassen zu haben.

Karl Fick Eintrag Gedenkbuch Stockelsdorf web 

Dennoch verklären an vielen Orten Tafeln oder Denkmäler vergangene Kriege als Heldengeschichten, in denen heroische Männer für Deutschland starben. Solche Deutungen des Ersten Weltkriegs bildeten eine Voraussetzung für die Mobilisierung der Nationalsozialisten für den Zweiten Weltkrieg, der in einen Vernichtungskrieg mündete. Diese Deutung von Kriegen gilt es kritisch zu hinterfragen, insbesondere da die ehrende Erinnerung meist nur Militärangehörigen gilt und an die zivilen Toten und die ungezählten Opfer des Nationalsozialismus nur selten im Zusammenhang dieser Ehrenmäler erinnert wird. Ebenso ist es sinnvoll, kritisch zu prüfen, an welche Ereignisse oder Orte nicht oder aus heutiger Sicht nur unzureichend oder unzutreffend erinnert wird.


Fotos: 1. Kriegerdenkmal vor der Rendsburger Christkirche (Wikipedia Commons, Witz und Verstand, Lizenz CC BY-3.0 SA DE), mehr dazu: Dokumentation des Denkmals. 2. Eine Seite des Gedenkbuchs in der Stockelsdorfer Kirche (Stephan Linck), Film dazu auf YouTube.