TRADITIONEN WERDEN GEPFLEGT

Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein

»Die Auseinandersetzung mit den Denkmälern gehört zu unserer Erinnerungskultur. Dabei wird sichtbar, dass wir auch als Kirche lernen, die eigenen Verstrickungen in die Geschichte von Krieg und Gewalt kritisch zu beleuchten. Die Erinnerung ist notwendig, um in der Gegenwart Versöhnung zu leben und auch in Zukunft dem Frieden zu dienen.

Unter dem Motto: ›Erinnern – Erkennen – Gestalten‹ greift die Evangelische Akademie Hamburg einen Appell der Synode der Nordkirche auf, sich kritisch mit den vielen hundert Ehrenmalen im Lande auseinanderzusetzen.

Gerade die vielen öffentlichen Ehrenmäler zum ersten Weltkrieg zeigen den damals prägenden Einfluss nationalistischer und auch nationalsozialistischer Ideologie. Ehrenmale zum Zweiten Weltkrieg stehen nicht selten noch unter dem Einfluss der Formensprache jener Zeit.«

Gothard Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein


Die in den Dörfern und Städten Schleswig-Holsteins zahlreichen Kriegerdenkmäler sind oft im Zentrum des Ortes aufgebaut oder in eigene Grünanlagen integriert. Die häufig zu findenden Namenstafeln getöteter Soldaten, die der persönlichen Erinnerung dienen sollen, sind gleichwohl mit den verbreiteten Deutungen versehen: Verehrung der Soldaten als Helden, Verklärung ihres Todes als Opfer für König und Vaterland und Legitimation des Krieges bestimmen diese Denkmäler. Aufrufe zum Frieden und gegen Krieg finden sich eher selten. Soweit bekannt, werden diese Kriegerdenkmäler fast überall am Volkstrauertag für die traditionellen Rituale des Gedenkens genutzt. Einige sind weitgehend unbeachtet, zum Beispiel der überlebensgroße »Held« in Eckernförde und selbst Einheimischen nicht immer bekannt.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

Ein Klick auf den schwarzen Balken am Anfang der Denkmaldokumentation von

Ahrensburg   Bünningstedt   Hoisbüttel

öffnet die Berichte über die temporäre Kunstaktion der Evangelischen Akademie in Zusammenarbeit mit dem KunstHaus am Schüberg im Sommer 2014: »Kriegerdenkmäler – Stumme Zeugen ins Gespräch bringen«.

Fotos: Marlise Appel, Evangelische Akademie der Nordkirche, wenn nicht anders angegeben.

 


I N H A L T
Das Denkmal
Aus dem Stadtarchiv
Die Einweihung
Die Geschichte
Die Geschichte in Bildern
Historische Postkarten
Am 27. November 2017

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Pinneberg, Kreis Pinneberg

Zwischen Christuskirche und Bahnhof

Am Rande eines kleinen Gehölzes führt eine breite, 4-stufige Treppe zu einer übergroßen, aus hellen Sandsteinen errichteten Stele mit einem nach oben gerichteten bronzenen Schwert und einem Reichsadler auf einen Ehrenkranz mit Eisernem Kreuz. Die Inschriften an der Stele sind in den Stein graviert, an der Mauer als Relief herausgearbeitet worden.

SH Pinneberg ganz


Am Fuß der Stele:
 1914-1918

Inschrift an der Seite:

In unwandelbarer / Treue zum Vaterland / in der Hoffnung / auf den Sieg liessen / =312= Helden dieser / Stadt ihr teures Leben / auf dem Felde der Ehre

SH Pinneberg Inschrift


● Links an der Mauer:

Die Heimat / ruft ihre Kriegsgefangenen / und Vermissten

SH Pinneberg Tafel


Eine kleine Signatur weist auf das Entstehungsjahr 1934 hin.

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Aus dem Stadtarchiv

Ursprünglich handelt es sich hier um ein Ehrenmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges. Mit der Errichtung hat sich der Magistrat bereits seit 1926 beschäftigt. »Der Stadt Pinneberg mangelt es noch an einer Kriegerehrung für die im Weltkriege Gefallenen.«

In dem von Bürgermeister Backhaus 1933 einberufenen Denkmals- ausschuss saßen Vertreter verschiedener Nazi-Organisationen, darunter z.B. Architekt Klaus Groth. Von der Stadt (neben dem Bürgermeister) der Stadtbaumeister Hansen und als Protokollführer der spätere Bürgermeister, Verwaltungs-Oberinspektor Glissmann.

Die Kosten für die Errichtung des Ehrenmals in Höhe von RM 12.000 wurden in voller Höhe aus Spenden (von Parteiorganisationen, von Firmen sowie Kleinstbeträge von Privatpersonen) bestritten. Die Spendenlisten sind hier leider nicht vorhanden. Da aber 1000 Ehrenurkunden gedruckt wurden um den einzelnen Spendern zu danken, werden es nicht wenige gewesen sein.

Der Anordnung des Reichsinnenministeriums von 1942, die Metallteile (Adler und Schwert) des Denkmals »zur Verstärkung der Metallreserve« abzuliefern, ist die Stadt bis Kriegsende nicht nachgekommen. Es wurde Zeit geschunden mit der Begründung des Arbeitskräftemangels und mit der Schwierigkeit ein so großes Gerüst zu errichten.

Im Rahmen der Entnazifizierung wurde 1945 das Hakenkreuz unter dem Adler durch ein eisernes Kreuz ersetzt. Genehmigung der britischen Militärregierung (Major W. Brook).

Der Hauptausschuss beschließt am 03.10.1949: »Das Denkmal soll vor Verfall geschützt werden.«

1952 beschloss der Magistrat eine Gedenktafel für Kriegsgefangene anzubringen und dauerhaft mit Grün zu schmücken und zu beleuchten.

Alljährliche Kranzniederlegungen am Volkstrauertag bis heute.

Wie auch andere noch heute vorhandene und genutzte Anlagen, wie
z. B. Bahnhofsplatz, Rosengarten, Sportanlagen, und Freibad, haben die Nationalsozialisten in den 1930er Jahren auch das Kriegerehrenmal am Bahnhof im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen errichten lassen.

Die Planungen der meisten Projekte reichen jedoch zurück in die Zeit der Weimarer Republik und wurden dann von den Nazis vereinnahmt.

Wir danken Martin Ramcke vom Stadtarchiv Pinneberg für diese Zusammenfassung.


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Die Einweihung

Am 1. Juli 1934 wurde das Ehrenmal mit großem Pomp eingeweiht. Zunächst hielt Pastor Fölster in der Christuskirche die Festpredigt. Daran nahmen die Wehrverbände geschlossen teil. Dann folgte der Abmarsch zum Adolf-Hitler-Platz, dem heutigen Bahnhofsplatz, wo Oberkonsistorialrat Pg. Peperkorn aus Kiel die Weiherede hielt, es folgte eine Ansprache von Bürgermeister Backhaus.

• Text und Foto stammen aus »Pinneberg zur Zeit des Nationalsozialismus« von Johannes Seifert, herausgegeben von der VHS-Geschichtswerkstatt Pinneberg. Wir danken Rudi Ahrendt für's Einscannen.

SH Pinneberg Einweihung web

● 1934: Bürgermeister Backhaus weiht das Ehrenmal am Bahnhof ein.

»Pinneberg zur Zeit des Nationalsozialismus« S.154 - 157


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Die geschichte

Das Kapitel Pinneberg aus Claudia Eisert-Hilberts Examensarbeit (1987): »Denkmäler für Soldaten und andere Kriegsopfer seit dem Ersten Weltkrieg im Kreis Pinneberg« können Sie hier lesen. Unser Dank gilt der Verfasserin.

Examensarbeit Eisert-Hilbert


Siehe auch folgende Website:

www.spurensuche-kreis-pinneberg.de


Anfang 2017 gründete sich in Pinneberg eine Initiative, die das Kriegerdenkmal in eine kritische Erinnerungsstätte umwandeln möchte. Mehr Informationen dazu auf dieser Website unter Initiativen.

Das Nazi-Denkmal in Pinneberg


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Die geschichte In Bildern

Ein Foto vom 31. August 1941 zeigt, wie das Denkmal in der Zeit des Nationalsozialismus genutzt wurde.

SH Pinneberg 1941 08 31 Lily Westphal web

Das Foto gehört Frau Lily Westphal, 91 Jahre, aus Rellingen.
Vielen Dank an Achim Diekmann für’s Einscannen.


     SH Pinneberg Spenden Stadtarchiv web

Ein Spendenquittungsblatt mit einer Skizze des gewünschten Denkmals, unterschrieben von Bürgermeister Backhaus, der den Denkmalsausschuss einberufen und später das Denkmal auch eingeweiht hat.

 

SH Pinneberg Modell Stadtarchiv web


Das Modell für das Bauwerk mit Eichenzweigen. Stadtbaumeister Hansen hatte sich wohl »Deutsche Eichen« als Hintergrund gewünscht.

 

SH Pinneberg Hakenkreuz Stadtarchiv web


1934: Das offizielle Foto nach der Fertigstellung. Der Adler sitzt auf einem Kranz mit Hakenkreuz.

SH Pinneberg 1952 Kriegsgefangene web


1952 beschloß der Magistrat die Gedenktafel Kriegsgefangene anzubringen. Die Inschrift lautet:

Die Heimat ruft ihre Kriegsgefangenen und Vermissten

Ausserdem sollte das Denkmal beleuchtet und dauerhaft mit Grün geschmückt werden.

Tatsächlich wurde nur die kleine Tafel für wenige Jahre beleuchtet. Die Behauptung der Stadtverwaltung, das Bauwerk sei schon immer beleuchtet gewesen, entspricht nicht den Tatsachen. Siehe »Am 17. November 2017« weiter unten und bei »Initiativen« auf dieser Website:

Das Nazi-Denkmal in Pinneberg

 

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Ein Foto, vermutlich 1956, ohne die gewünschten hohen Bäume, aber jetzt mit Eisernem Kreuz im Kranz.

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Volkstrauertag im Jahr 1958

Alle Fotos stammen aus dem Stadtarchiv Pinneberg. Vielen Dank an Jochen Hilbert für den Besuch dort.

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Historische Postkarten

SH Pinneberg Karte ohne Adler web

... und da ist der Adler ab! Wird das Hakenkreuz gerade durch das Eiserne Kreuz ersetzt?

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Am 27. November 2017

Das Kriegerdenkmal wird neuerdings angestrahlt. Die im Dunkeln sonst unsichtbare Schrift mit der Heldenverehrung, das Schwert, der Adler sind jetzt schon von weitem sichtbar.

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Der Stadtverwaltung ist seit einem Jahr bekannt, dass es eine Initiative gibt, die das Kriegerkultmal zum Mahnmal machen möchte. Seit Juli gibt es einen mehrheitlichen Beschluss der Ratsversammlung in diese Richtung. Und nun dies!

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I N H A L T
Der Soldat
Die Rachefaust
»Der ideale Soldat«
Die Denkmalstätte
Das Kreuz auf der Bieberhöhe
Der frühere Standort des Soldaten
Der Bildhauer Bernhard Butzke
Die Geschichte der Denkmalstätte
Die Opfer mahnen
Die Initiative 
Der Gedenkstein auf dem Schulhof des Gymnasiums Schloß Plön

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Plön, Kreis Plön

In der Prinzenstraße, schräg gegenüber
vom Gymnasium Schloß Plön

Auf einem hohen Sockel steht die Skulptur eines Soldaten. Dieses Denkmal ist den getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs gewidmet. Der Berliner Kunstschmied und Bildhauer Bernhard Butzke (1876 - 1952) hat es 1925 geschaffen.

 

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In einer gepflegten Anlage mit Kiesflächen, Bank und geschnittenen Hecken führen drei Stufen zum Monument.

 

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Der Soldat steht dort in voller Kriegsausrüstung, die linke Hand greift ans Herz, die rechte ist zur Faust geballt. Vorn auf dem Felsblock zwischen seinen Beinen ist ein Fächer aus drei Eichenblättern im Relief herausgearbeitet.

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Auf dem Sockel die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs

1914-1918

darunter ein Eisernes Kreuz als Symbol für die Anerkennung der »Vaterlandstreue« der Soldaten. Ihr Tod im Krieg wurde als Beweis dafür gedeutet.

 

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Zu Stiefeln und Stahlhelm trägt der Krieger eine ungewöhnliche Uniform, sie läßt Muskeln und Kniescheiben durchscheinen (siehe auch die Rückenansicht). Diese Darstellung ähnelt dem Erscheinungsbild eines antiken nackten Helden.

 

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Detailgetreu werden zwei Stabhandgranaten, eine Pistole im Holster, Kurzschwert, Schlagstock und Axt als das Waffenarsenal des Kriegers wiedergegeben.

 

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Am schmalen Koppel hängen im Rücken noch Tasche und Trinkflasche. Die geballte rechte Faust ist hier gut zu sehen (siehe Text weiter unten).

 

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Hier der oben angekündigte Blick auf die Rückenmuskeln des »Helden«.

 

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Die Signatur des Berliner Bildhauers Bernhard Butzke und das Entstehungsjahr 1925.

 

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Die Rachefaust

Auf den Krieg einstimmen, den nächsten Krieg androhen sollte in deutschen Kriegs- wie Nachkriegszeiten bis 1945 die männliche Faust.

»Nicht Schmerz allein künden die starren Züge, da ist noch etwas anderes, da ist mehr als Leiden und Trauer, da ist finstere, aber heilig-feste Entschlossenheit, und die Faust, die sich dort auf dem Schenkel ballt, sie spricht vom stolzen Willen, durchzuhalten, bis dies Herz wieder frei, die Schultern stark geworden sind, um die Bergeslast, die ein hartes Schicksal darüber getürmt hat, in gewaltigem Schwung abzuwälzen.«
Festschrift »Die Denkmals-Einweihung«, Berlin 1924

»Das ist der 82er, der schon den Schmerz, den Groll und den Zorn der unverdienten und unerwarteten Niederlage in sich trägt – die helmbeschatteten Augen, das hagere Gesicht, sie reden deutlich davon – und dem trotz allem oder gerade darum ein unbezwingliches Dennoch auf den trotzigen Lippen liegt, tatengewillt bekräftigt durch die zur Faust geballte Linke.«
Denkmalseinweihung in Göttingen, 23. August 1925

»Die linke Hand umkrampft das bei Fuß gehaltene Gewehr, die rechte hängt geballt herab [...] Der fest geschlossene Mund gräbt zugleich Schmerz und Trauer und unbeugsamen Willen in das hagere Antlitz. Unter dem Stahlhelm hervor blicken Augen voll Sehnsucht und Erwartung auf ein fernes Ziel. Das Standbild ist Symbol des geschlagenen, aber nicht besiegten Volkes, das einer größeren Zukunft entgegenharrt.«
Bergisch-Märkische Zeitung, 1. Juni 1931

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Der »Held mit der geballten Faust« gehört zum Typus des damals gängigen »trotzigen Kriegers«, der durch diese Geste [...] den Über- und Nachlebenden die gemeinsam gefühlte Wut anzeigte.

Die Texte und Zitate zur »Rachefaust« sind Loretana de Liberos Buch »Rache und Triumph«, De Gruyter Oldenbourg entnommen.

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»Der ideale Soldat«

1930 beschreibt der NSDAP-Ideologe Alfred Rosenberg im »Mythus des 20. Jahrhunderts – Eine Wertung der seelisch-geistigen Gestaltenkämpfe unserer Zeit« das typische Gesicht des idealen Soldaten so:

»In allen Städten und in allen Dörfern Deutschlands sehen wir hier bereits die Ansätze dazu. Die Gesichter, die unterm Stahlhelm auf den Kriegerdenkmälern hervorschauen, sie haben fast überall eine mystisch zu nennende Ähnlichkeit. Eine steile durchfurchte Stirn, eine starke gerade Nase mit kantigem Gerüst, ein festgeschlossener schmaler Mund mit der tiefen Spalte eines angespannten Willens. Die weitgeöffneten Augen blicken geradeaus vor sich hin. Bewußt in die Ferne, in die Ewigkeit. Diese willenhafte Männlichkeit des Frontsoldaten unterscheidet sich merklich vom Schönheitsideal früherer Zeiten: die innere Kraft ist noch deutlicher geworden als zur Zeit der Renaissance und des Barock. Diese neue Schönheit ist aber auch ein arteigenes Schönheitsbild des deutschen Arbeiters, des heutigen ringenden Deutschen schlechtweg.«

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Die Denkmalsstätte

Der Soldat ist Teil einer großen Denkmalsstätte. Oben auf dem ca. 60 Meter hohen Berg, der Bieberhöhe, steht ein weithin sichtbares acht Meter hohes Kreuz aus Eichenholz.

 

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Von der Prinzenstraße aus betritt man ein großzügig angelegtes Areal mit Kiesvorplatz, der von einer halbhohen Feldsteinmauer umgeben ist.

 

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Dahinter, am Fuß des Berges, geht man über zwei breite Stufen auf eine Feldsteinmauer zu. Umgeben ist sie an drei Seiten von einer halbhohen Feldsteinmauer auf die 14 eckige Säulen gemauert wurden. Eine hölzerne Pergola verbindet die Säulen. 19 schmiedeeiserne Kranzhalter sind an Mauer und Säulen befestigt, einer fehlt.

 

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An der Mauer in schmiedeeisernen Buchstaben:

Die Opfer mahnen

Welche Opfer sind damit gemeint: die deutschen und nichtdeutschen Soldaten, zivile Opfer in Deutschland und in anderen Ländern, die in den Konzentrationslagern Ermordeten, die Zwangsarbeiter, die Opfer der Euthanasiemorde? Das erfährt man nicht.

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In der Bildmitte ist das Gebäude des Gymnasiums Schloß Plön zu sehen, neben dem großen Denkmalsplatz sind die Fahrradständer der Schule aufgebaut.

Den Gedenkstein auf dem Schulhof beschreiben wir weiter unten.

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Das Kreuz auf der Bieberhöhe

Das sogenannte »Kreuz des Ostens« ist ca. 8 Meter groß, fünf Eichen mussten dafür gefällt werden. Die Firma Kreutzfeld aus Ascheberg schnitt diese gewaltigen Bäume zu. Die Eisenbänder für das Kreuz wurden vom Schmiedemeister Kruse gefertigt.

Der Abbund durch Eisen und die Aufstellung erfolge durch Zimmermeister Holst. Für das Fundament mussten 8 Kubikmeter Beton in der Prinzenstraße gemischt, und den 22 Meter hohen Hang hinaufbefördert werden. Die obere Plattform der Bieberhöhe mit dem Kreuz wurde am 11. Mai 1954 zur Benutzung freigegeben.

 

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www.bieberhoehe.de

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Der frühere Standort
des Soldaten

Das Kriegerdenkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs wurde 1925 an der Nikolaikirche am Markt eingeweiht. Nach 1955 wurde der Soldat an seinen jetzigen Standort an der Prinzenstraße in der Plöner Neustadt gebracht.

 
SH Ploen historisch web

     SH Ploen Soldat frueher web

 

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Der Bildhauer Bernhard Butzke

Bernhard Johannes Karl Butzke, geboren am 20. Mai 1876 in Berlin, gestorben 1952 in Berlin, war ein Berliner Kunstschmied und Bildhauer.

Bernhard Butzke lernte bei KPM Berlin, war anschließend Schüler an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin und von 1893 bis 1900 bei KPM Berlin als Modelleur fest angestellt. 1922-23 war er für die Schwarzburger Werkstätten und als freier Bildhauer in Berlin tätig.

Butzke ist besonders für seine Darstellungen von Rehen und anderen Tieren bekannt.

Ebenfalls von ihm ist der 1922 aus Muschelkalk gefertigte Gänselieselbrunnen vor dem Rathaus. Er ist das Wahrzeichen von Plön. Gestiftet wurde er von den Brüdern Müller, die auswärts ein Vermögen gemacht hatten und ihrer Heimatstadt den Brunnen schenkten.

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Die Geschichte der
Denkmalsstätte

Nach dem 2. Weltkrieg wollte man für die vielen Opfer ein Mahnmal errichten. Auch die Verbände der Vertriebenen wünschten ein Mahnmal für die verloren gegangenen deutschen Ostgebiete. In der Plöner Stadtverordnetenversammlung lagen bereits einige Anträge vor – nur das Stadtsäckel war leer. Viele Stadtverordnete setzten sich für diesen Plan ein. Besonders seien dabei Karl Schröder Sen. (Schilderfabrik) und Herr Tepper (damals Meister im Eissegeln) beide aus den deutschen Ostgebieten stammend, erwähnt. Der Stadtarchitekt Schwindt wurde mit dem Projekt beauftragt.

Die Bevölkerung wurde aufgerufen, in unentgeltlicher Gemeinschaftsarbeit mitzuwirken. Ein Beispiel enormer Loyalität der Bürger zu der Zeit.

Am 1. Juni 1951 wurde mit den Rodungsarbeiten begonnen, obwohl der Bauantrag der Stadt Plön erst am 10. August genehmigt wurde. Alle arbeiteten unentgeltlich. Das Material für den Bau stammte aus Spenden.

Der Bauhof sammelte Feldsteine aus den Kiesgruben. Herr Emil Maas, der beim Bauhof beschäftigt war, schlug die Steine auf Maß und führte auch alle Maurerarbeiten aus. Die Planierarbeiten bis zum Gipfel, sowie die Auffüllung der Mutterböden, wurden von freiwilligen Helfern ausgeführt. Vereine, Verbände, die Kirchengemeinde, Freiwillige Feuerwehr und Behörden stellten »Arbeitskommandos« zusammen. Jeden Tag waren auch zwanzig Schüler des Gymnasiums, der Real- oder der Volksschule zum Helfen da. Jeden Abend ab 17 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit wurde gearbeitet.

Die am Mahnmal befindliche Schrift wurde vom Schmiedemeister Kruse gefertigt. Die Zimmererarbeiten der Pergola hat der Modelltischler Alfons Kantowski ausgeführt. Die Anpflanzungsfläche des Hanges war in Dreiecken an Landesmannschaften, Verbände und Vereine aufgeteilt, die auf eigene Kosten die Stauden kauften. Die Bepflanzungen wurden vom Gärtnermeister Kantel und dem Stadtgärtner Walter Henck ausgeführt.

Nach vierjähriger Gemeinschaftsarbeit, Baubeginn war am 1.Juli 1951, konnte am 1. November 1955, es war Volkstrauertag, diese Gedenkstätte eingeweiht werden.

www.bieberhoehe.de

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Die Opfer mahnen

»Es ist nicht wahr, dass die Opfer mahnen, bezeugen, Zeugenschaft für etwas ablegen, das ist eine der furchtbarsten und gedankenlosesten, schwächsten Poetisierungen (...) Auf das Opfer darf sich keiner berufen. Es ist Missbrauch.

Kein Land und keine Gruppe, keine Idee, darf sich auf ihre Toten berufen.«

Ingeborg Bachmann, Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar

Dieses Zitat steht auf einer Tafel zum Kriegerdenkmal in Neustadt in Holstein.

Neustadt in Holstein

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Die Initiative

Auf ihrer Website berichtet die Initiative »Bieberhöhe« aus Plön von ihrem Anliegen: »Bürgerengagement ist das Gebot der Stunde, denn es sollte von allgemeinem Interesse sein, einem weiteren Verfall unserer Infrastruktur entgegen zu wirken.«

SH Ploen Treppe web


www.bieberhoehe.de 

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Der Gedenkstein auf dem Schulhof des Gymnasiums Schloß Plön

Bei Kriegsausbruch im August 1914 kam es am Kaiserin-Auguste- Victoria-Gymnasium in Plön wie überall in Deutschland zu einer Welle von freiwilligen Meldungen von Schülern der oberen Klassen zum Kriegseinsatz.

Der Gedenkstein auf dem Schulhof des Gymnasiums Schloß Plön ist den toten Soldaten, Schülern und Lehrern der Schule gewidmet. Der Stein ist beidseitig beschriftet, es werden 92 Namen aufgezählt.

Auf der Vorderseite steht über den Namen:
Dulce et decorum est pro patria mori
[Süß und ehrenvoll ist es für das Vaterland zu sterben, nach Horaz]
Es starben den Heldentod im grossen Krieg
1914 – 1918

Auf der Rückseite steht unter den Namen:
Exoriare aliquis nostris ex ossibus ultur
[Möge einst aus unseren Gebeinen ein Rächer erstehen, ein Vers aus Virgils »Aeneis«]

Siehe auch das Denkmal in Altenkirchen auf Rügen


Auf dem blaugrauen flachen Findling am Fuß des großen Steins steht:
Unseren ehemaligen Schulkameraden
den Gefallenen und Vermißten
des 2. Weltkriegs zum Gedenken

Bereits 1919 wurde vom Direktor ein Fond zur Finanzierung eines Gefallenendenkmals auf dem Schulhof gegründet. Der Direktor sah sich offenbar in der Verantwortung, nun, nach der niederschmetternden Niederlage, erst recht Orientierung zu geben und Sinn zu stiften. Die Inschriften des Gedenksteins geben einen ersten Hinweis auf die inhaltliche Richtung dieser Orientierung. Die Auswahl wird Direktor Petersen zugeschrieben.

Diese Zitate haben weit nach dem 2. Weltkrieg scharfe Kritik in der Schülerschaft des Gymnasiums hervorgerufen.

 

     SH Ploen Schulhof Stein web


Dies ist ein Foto von 2003 nach der Wiederherstellung der Schrift. Die Restaurierung erfolgte auf Initiative und mit dem finanziellen Engagement von Dr. Walter Kähler aus Stade. Er war in den 1940er und 1950er Jahren selber Schüler der damaligen Internatsoberschule.

Artikel Kieler Nachrichten vom 15. August 2013

 

SH Ploen Schulhof Kraenze web

Foto: Der Scheinwerfer

Lorbeerkränze für die im 1. Weltkriegs getöteten Mitschüler in der Aula des Gymnasiums. Der erste Lorbeerkranz mit schwarz-weiß-roter Schleife wurde allerdings für Oberlehrer Winkler angebracht, der bereits am 15. September 1914 »an der Spitze seiner Kompanie [...] den Heldentod« gestorben sei, wie Direktor Petersen berichten musste. Die Schleifen und Inschriften hingen dort, bis sie im Mai 1945, kurz nach Kriegsende, durch ein Feuer zerstört wurden.

 

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Bild: Kreisarchiv Plön, D 32 1.1

Titelseite des Programmheftes zur Denkmalsweihe für die im 1. Weltkrieg getöteten Schüler und Lehrer am 12. August 1920. Der Text am unteren Rand lautet: »Wohl wiegt das eine vieles auf, Allvater sieht darauf: Das ist für unsres Vaterlandes Not der Heldentod.«

Direktor Petersen in seiner Rede: »Wenn die Jugend, und ich weiß, sie wird es, eine empfängliche Seele für diese geheimnisvolle aber gewiß unleugbare Macht der Toten hat, dann wird das deutsche Volk auch aus den Tiefen der Not wieder hinaufgeführt werden zu sonnigen Höhen; dann ist der Tod der Helden auch in diesem Sinne nicht umsonst gewesen, ja sie sind dann nicht gestorben, sie leben und wirken.«

In regelmäßigen Abständen bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg hinein trafen sich fortan die Ehemaligen am »Denkstein« auf dem Schulhof, um der Helden/Opfer zu gedenken. Überliefert ist die Gedenkrede vom 17. August 1924, gehalten von Pastor Heinrich Prieß: »Wenn aber neben der schmerzvollen Klage um sie [die Opfer], wir auch immer gedenken mußten der unendlichen Schmach, die unsere endlich triumphierenden Feinde unserm, durch eigene Schuld wehrlos gemachten, am Boden liegenden, geschändeten und geknechteten Vaterlande höhnend zufügten, so glüht doch zugleich in uns allen auch die unerschütterliche Hoffnung, das felsenfeste Vertrauen, daß einst ein Tag kommen werde, – so steht es vor unseren Augen ja auch tief eingegraben in diesen Stein – an dem wir in neuer Kraft die große Schmach wieder von uns abschütteln, und dann das liebe deutsche Vaterland wieder in neuer Kraft und Herrlichkeit aufblühen werde! [ ... ] Und ist dann die Schlacht siegreich geschlagen, dann werden – glückselig, wer das noch miterlebt – die Schüler, alte und junge, am wieder erstandenen Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium hier in das festliche geschmückte Plön unter Glockengeläute mit fliegenden Fahnen einziehen, hin zu diesem Stein, hier sie senken und Siegeskränze niederlegen mit dem Jubelruf: Du Lenker der Schlachten, warst mit uns, der Sieg ist dein. Dein Name sei gelobt. O Herr, mach uns frei!«

 

SH Ploen Schulhof Internat web

Das Kaiserin-Auguste-Victoria-Gymnasium in Plön um 1925. Am rechten Bildrand vor dem Wäldchen am Ufer des Kleinen Plöner Sees ist der 1920 errichtete Gedenkstein für die getöteten Soldaten des 1. Weltkrieges erkennbar.

 

SH Ploen Schulhof Verhuellung web

Foto: Der Scheinwerfer

Am 8. Mai 1985 gab es in der Schülerschaft eine lebhafte Kontroverse über den Umgang mit dem Gedenkstein. Während eine Gruppe mit einer symbolhaften Verhüllung des Steins mit einem schwarzen Tuch ihre kritische Haltung den Sinnsprüchen gegenüber zum Ausdruck brachte, pflanzte eine Gegenpartei Stiefmütterchen und legte einen Kranz nieder, um der Opfer der Kriege zu gedenken.

• Karsten Dölger, früher Oberstudienrat am Gymnasium Schloß Plön, hat für das »Jahrbuch für Heimatkunde im Kreis Plön« Bd. 44 (2014), S. 7 - 36 den Beitrag »Das Kaiser-Auguste-Victoria-Gymnasium in Plön und der erste Weltkrieg« geschrieben. Er bietet Einblicke in die pädagogische Vorbereitung der Schüler auf kriegerische Auseinandersetzungen, die Wahrnehmung der Kriegsereignisse und die Verarbeitung der Niederlage an der »Heimatfront« Plön. Die Fotos und Texte zum Gedenkstein wurden dieser Publikation entnommen. Vielen Dank dafür!

Jahrbuch Bd. 44, S. 7 - 36


Schon 1953 wird im »Heimatbuch des Kreises Plön« auf Seite 373 die kriegsvorbereitende Pädagogik des Dr. Petersen und seines Kollegiums beschrieben – allerdings völlig unkritisch:

»Dadurch, daß die Schüler an den Übungen des Jungdeutschlandbundes und später der Jugendkompanie teilnahmen, wurden sie mit der Jugend aller Volkskreise zusammengebracht und lernten sie kennen und schätzen. Daß sich die Schule im Weltkriege bewährt hat, beweist das Ehrenmal auf dem Schulhof mit seinen 90 Namen, bewiesen die 24 Kränze in der Aula für die Lehrer und Schüler, die unmittelbar von der Schule in den Krieg zogen. Auch die in der Heimat Zurückgebliebenen haben, jeder an seinem Platz, ›Kriegsdienste‹ geleistet.«

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I N H A L T
Das Denkmal zum 1. Weltkrieg
Die Preetzer Schützengilde
Das Denkmal zum 2. Weltkrieg
Historische Postkarten
Der Bürgerpark »Wehrberg«

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Preetz, Kreis Plön

Auf dem zentralen Aussichtspunkt im Bürgerpark »Wehrberg«

In der Mitte der Denkmalsanlage für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs steht ein großer natürlich kantiger Stein, der an seiner abgeflachten Frontseite die Widmung trägt. Er ist in einem gemauerten Rund aufgerichtet worden, die freigebliebene Fläche darin ist mit Blumen und losen Steinen aufgefüllt worden.

SH Preetz gesamt web

Auf der Mauer sind in Sichtrichtung auf den Lanker See (siehe weiter unten) Holzplanken als Sitzmöglichkeit montiert worden. Das Rund ist ebenso wie die acht den Denkmalstein umgebenden Säulen mit bunten grob behauenen Natursteinen aufgemauert worden. Die Säulen mit quadratischer Grundfläche haben am Fuß eine überragende Steinschicht, sie tragen Holzstaketen, die ein Achteck ergeben. An den Säulen sind Rankgewächse angepflanzt worden. Das Ganze ist von rund verlegten Katzenkopfsteinen umgeben, innerer Ring ein Stein breit, äusserer Ring drei Steine breit.

 

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Die Widmung ist erhaben herausgearbeitet worden, sie lautet:

1914 – 1918
Ihren gefallenen Helden
Die Stadt Preetz

Die häufigste Bezeichnung für die toten Soldaten auf Kriegerdenkmälern ist das Wort »Helden«. Dieser Begriff macht die toten Soldaten zu Vorbildern. Er passt zur Symbolik vom Eisernem Kreuz. Obwohl der 1. Weltkrieg so viele Menschenleben forderte und der Krieg verloren wurde, interpretierten die Stifter in den Inschriften fast aller Kriegerdenkmäler den Kriegstod als sinnvoll. Das anonyme Massensterben wurde ignoriert, stattdessen heroisierte man die toten Soldaten und stilisierte ihr Schicksal. Soldaten die lebend aus dem Krieg zurückkehren, werden nicht als »Helden« bezeichnet, sie werden gar nicht erwähnt. So wird mit der Bezeichnung »Held« die besondere militärische Leistung des Soldaten geehrt, die vor allem in seinem Tod besteht.

Gefühle von Trauer werden hier nicht artikuliert, das würde auch nicht zu der Absicht vieler Stifter passen, durch die Kriegerdenkmäler nachfolgende Generationen für den Kriegsdienst zu begeistern.

 

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In die Innenseiten der Säulen sind Namenstafeln aus grauem Stein eingelassen. Die Namen der Soldaten sind nach dem Jahr ihres Todes geordnet, nachgestellt ist je ein Soldat für die Jahre 1919 und 1920. Dann folgen noch die Namen von 15 Vermissten.

 

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An der rechten Seite ist in einem quadratischen Feld im Relief ein Eisernes Kreuz umgeben von zwei Eichenlaubzweigen herausgearbeitet worden. Das Eiserne Kreuz mit Krone, großem »W« für Kaiser Wilhelm II und der Jahreszahl 1914. Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung.

 

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Auf der linken Seite ist in einem runden Feld im Relief ein Stahlhelm umgeben von zwei Eichenlaubzweigen herausgearbeitet worden.

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Die Preetzer Schützengilde

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Ein Kranz der Preetzer Schützengilde und ihr Logo:

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Das Denkmal zum 2. Weltkrieg

Vom Castöhlenweg kommend sieht man vor dem Denkmal einen großen flachen Findling liegen, umgeben von beschnittenen Hecken und Blumen, teilweise im Boden versenkt. Die Hanglage wird mit Steinreihen abgefangen. Die Inschrift lautet:
Allen Opfern des Zweiten Weltkrieges

SH Preetz beide web

SH Preetz 2WK web

Auf der anderen Seite sind die Jahreszahlen des 2. Weltkriegs graviert:
1939 – 1945

Die Säule rechts daneben sieht fast so aus als trüge sie eine Feuerschale. Wir hoffen, dass diese Vermutung falsch ist, zu unangenehm würden wir an die Fackelinszenierungen der Nationalsozialisten erinnert werden.

SH Preetz Ausblick web

Die schöne Aussicht vom Denkmalsplatz auf den Lanker See.


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Historische Postkarten

SH Preetz Karte web

SH Preetz Karte 1927 2 web

• Aus dem Jahr 1927


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Der Bürgerpark »Wehrberg«

1885 wurde in Preetz der »Verschönerungsverein« gegründet um »in der Stadt und Umgebung für die Verschönerung und den Schutz der öffentlichen Anlagen durch Baumpflanzungen, Verbesserung von Promenaden und Plätzen etc. Sorge zu tragen.«

Mit Hilfe des Vereins konnte ab 1885 der bis dahin landwirtschaftlich genutzte Wehrberg parkähnlich bepflanzt werden, am höchsten Punkt wurde ein achteckiger Pavillon errichtet. 1918 legte der Lübecker Gartenarchitekt Harry Maasz mit seinem Entwurf die Grundlage für das heutige Erscheinungsbild. Auch die Planung des Kriegerdenkmals auf dem zentralen Aussichtspunkt des Wehrbergs geht auf ihn zurück.

Harry Maasz, geboren am 5. Januar 1880 in Cloppenburg, gestorben am 24. August 1946 in Lübeck, war von 1912 bis 1922 Leiter des Lübecker Gartenbauamts und bezeichnete sich selbst gerne als Gartenbaukünstler.

SH Harry Maasz web
Archiv für Architektur und Ingenieurbaukunst Schleswig-Holstein, Bestand Harry Maasz, Sign. 233 Fo
                  

»Sein früher Tod und Defizite in der Aufbereitung der Landschaftsarchitektur in der NS-Zeit mögen dazu beigetragen haben, dass seine nationalsozialistische Vergangenheit, die scheinbar im Gegensatz zu seinen künstlerischen Hauptwerken steht, bis heute nicht aufgearbeitet ist.«

www.historischegaerten.de


»Der Ehrenhain als besondere Form des Gedenkens und der Würdigung der im Krieg gefallenen Soldaten gewann erstmals zu Beginn des Ersten Weltkrieges an Bedeutung. Jedem Kriegstoten wurde das Recht auf ein eigenes Gedächtnismal zugesprochen. Das Preußische Innenministerium sah es als eine nationale Aufgabe an und veröffentlichte einen Erlass zur Förderung der Ehrenhaine. Dem Berufsstand des Landschaftsarchitekten kam die besondere Aufgabe zu, die Planung und Umsetzung von Gedächtnisstätten auszuführen. Harry Maasz (1880-1946) gehörte zu den wichtigsten norddeutschen Vertretern, die sich mit diesem Thema intensiv auseinandergesetzt haben. Insgesamt plante er fast 40 Anlagen zur Kriegerehrung. Neben Ehrenfriedhöfen und Ehrengrabstätten waren dies auch Kriegergedächtnisstätten und Ehrenmale, zum Teil ohne Gräber, da die Gefallenen und Vermissten in fremdem Boden fern der Heimat lagen.«

Gartendenkmalpflegerisches Gutachten der Landschaftsarchitektin Gudrun Lang, 2010 - 2011, Projekt »Ehrenhain« Bad Schwartau

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Kurzfilme zu den Denkmälern

Seit ein paar Jahren existiert die Website www.denk-mal-gegen-krieg.de, auf der die Evangelische Akademie sich kritisch mit der bestehenden Erinnerungskultur auseinandersetzt. Die häufigsten Erinnerungsmale an die vergangenen Kriege sind Kriegerdenkmäler, auf denen der Soldatentod verklärt und die zivilen Opfer verschwiegen werden.

Aktuell produzieren wir kurze Videos und stellen diese in der kommenden Zeit jeweils donnerstags online. Den Film über die Denkmalsanlagen in Ratekau können Sie hier sehen: YouTube>Einführung zur Filmreihe bei YouTube> und Ratekau bei Facebook>


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I N H A L T
Das Denkmal
Das Denkmal zum 2. Weltkrieg
Die Gedenkwand der Heimat
Aus der Geschichte
Das Denkmal auf dem Friedhof
Aktuell! Die Recherche
Volkstrauertag 2019
Pastor Hossenfelder
Der Stahlhelm
Das Eiserne Kreuz
Das Denkmal 1870/71
Die Eiche für Kaiser Wilhelm I.

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Ratekau, Kreis Ostholstein

Vor, an und um die Vicelinkirche herum

Rechts und links vom Zugang in den Kirchhof steht je ein vierstufiger Pfeiler aus behauenen Feldsteinen. Oben aufgestellt ist ein steinernes dreidimensionales Eisernes Kreuz. Die beiden Pfeiler mit den Inschriften und die Mauer mit den 179 Namenssteine um die Kirche herum sind den toten Soldaten aus dem 1. Weltkrieg gewidmet. Der bekannte Lübecker Gartenbauarchitekt Harry Maaß hat die Anlage gestaltet. Am 23. Juli 1922 ist sie eingeweiht worden.

SH Ratekau Eingang web

 

In die trutzigen Pfeiler wurde je ein größerer, rechteckiger Stein für die Inschriften eingefügt.

SH Ratekau 1WK Tafel Heilig web


Inschrift auf dem linken Pfeiler:
So selig ist kein Los
So heilig kein Gebot
Als sich für vieler Leben
Zu geben in den Tod
1914 – 1918

Diese vier Zeilen sind dem Gedicht eines Unbekannten entnommen:

Kein Rätsel ist so groß,
so bitter keine Not,
als daß sich alles Leben
muß heben aus dem Tod.
So selig ist kein Los,
so heilig kein Gebot,
als sich für vieler Leben
zu geben in den Tod.

Es ist zu verschiedenen Zeiten in völlig unterschiedlichen Zusammenhängen benutzt worden. Zum Beispiel wurde mit dem Gedicht in der evangelischen Kirche in Lorsch der toten Soldaten des 1. Weltkriegs gedacht, zwischen den Weltkriegen stand es an der Wand im Treppenhaus der Universität Halle und Bischof Dr. Otto Dibelius zitierte es in seiner Predigt am 20. Juli 1960 in der St. Annen-Kirche, Berlin.

 

SH Ratekau 1WK Tafel 1922 web


Inschrift auf dem rechten Pfeiler:
Ihren gefallenen
Vätern und Söhnen
in dankbarer Treue
die Kirchengemeinde Ratekau
1922

Obwohl der 1. Weltkrieg so viele Menschenleben forderte und der Krieg verloren wurde, wird der Kriegstod in den Inschriften als sinnvoll interpretiert, für den man den Soldaten danken muss. Das anonyme Massensterben, das Grauen des Krieges wird vom Denkmal verbannt. Das »Vaterland« forderte Treue bis in den Tod von den Soldaten. Der Mythos der Treue, der die Kameraden, der die militärische Führung vom Kaiser bis zum Unteroffizier und die Soldaten zusammenschweißen soll, verpflichtet nun die Hinterbliebenen. Deren dankbare Treue wurde hier auf ewig in den Stein gemeißelt.


SH Ratekau 1WK Pfosten links web


Hinter dem linken Pfeiler beginnen wir unseren Gang um die Vicelinkirche. Um und an der Kirche sind die 179 Namenssteine der toten Soldaten aus dem 1. Weltkrieg des Kirchspiels Ratekau eingemauert.
 

SH Ratekau 1WK Namen Pfosten web


Eine niedrige Mauer aus behauenen bunten Feldsteinen fasst den gesamten Kirchhof ein.

SH Ratekau 1WK 3Namen web


Einzelne größere Steine ragen ober heraus, sie tragen die eingemeißelten Namen. Es werden die mit dem Initial abgekürzten Vornamen und die Nachnamen genannt. Weder Dienstgrad, Geburts- oder Sterbedatum, noch Sterbeort, wie sonst oft üblich.


SH Ratekau 1WK Namen Ecke web

Die lange Reihe von Soldatennamen wird an beiden Seiten des Kirchhofs durch Zugänge unterbrochen. Die Namenssteine gehen mit um die Ecke.

SH Ratekau 1WK Namen hinten web


Die Mauer zieht sich mit Schwüngen, fast wie in einem Barockgarten, weiter um die Kirche. Nach einem Rundbogen hinter der Kirche setzt sie sich in gleicher Art auf der anderen Seite fort. An markanten Stellen sind weitere Eckpfeiler eingezogen.


SH Ratekau 1WK Reihe rechts web


Die rechte Seite der Namenssteinmauer: Besucher schreiten auch hier wieder gewissermaßen »die Front der Gefallenen« ab. Ganz hinten vor der Mauer sehen wir den Denkmalsstein zum Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 (siehe weiter unten), im Vordergrund links gucken wir auf den Kirchspielstein von Ratekau. Die 179 toten Soldaten des 1. Weltkriegs kamen aus den zahlreichen Gemeinden des Kirchspiels: Sereetz, Pansdorf, Wilmsdorf, Offendorf, Klein Timmendorf, Groß Timmendorf, Ovendorf-Hobbersdorf, Neuhof, Timmendorfer Strand, Techau, Hemmelsdorf, Luschendorf, Grammersdorf und Rohlsdorf.


SH Ratekau 1WK Namen Kirche web


Weiter geht’s am Kirchgebäude, selbst dort mussten noch Namenssteine untergebracht werden! Der Fuß des Turms wurde dafür 1922 zusätzlich ummauert. In »Vaterländische Blätter« (siehe unten) steht, dass die Steine am Turm die vermissten Soldaten nennen.

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Das Denkmal zum 2. weltkrieg

Der breite Aufgang zur Kirchentür wird an den Seiten von höheren Feldsteinmauern gesäumt. Auf der rechten Seite sind verschiedene Elemente »zum Gedächtnis« der »Gefallenen« und »Vermissten« des 2. Weltkriegs eingefügt. 

SH Ratekau 1WK Wand rechts web


Auf dieser, wie auch auf der anderen Seite sind vom Anfang bis zum Pfeiler je fünf steinerne Kranzhalter eingemauert.


SH Ratekau 2WK Denkmal web


Hier sehen wir das zentrale steinerne Monument. Es wird oben mit einem Schriftband abgeschlossen. In erhabenen Buchstaben steht dort:

ICH LEBE UND IHR SOLLT AUCH LEBEN

Dahinter zweizeilig in kleineren Buchstaben:

JOH. 14
Vers 19

Jesus Christus spricht diesen tröstenden Satz im Johannesevangelium.


Die rechteckige Fläche darunter ist in ein Puzzle aus rechteckigen Steinen, die unterschiedlich hohe, unterschiedlich dekorierte Kreuze formen. Unter dem Schriftband sind zwei Steine eingefügt, die die Jahreszahlen des 2. Weltkriegs tragen.  

1939
1945

Die Zwischenräume sind mit rechteckigen Steinen ausgefüllt worden, so dass ein großes Puzzlebild entstanden ist.


SH Ratekau 2WK Kreuze web


Die beiden kleineren Kreuze haben eine erhabene innenliegende Kontur und je ein Symbol in gleicher kräftiger Linienstärke.

Links sehen wir den griechischen Buchstaben Alpha, rechts den Buchstaben Omega. Alpha und Omega, der erste und der letzte Buchstabe des klassischen griechischen Alphabets, sind ein Symbol für Anfang und Ende, damit für das Umfassende, für Gott. Die Bibelstelle lautet: Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige. Offenbarung 1, 8.

Christliche Symbole und Bibelzitate sollen dem Soldatentod eine religiöse Weihe und damit einen Sinn geben.

»Die Gedenkstätten sind ausnahmslos Ausdruck des Bedürfnisses, das Gedenken an den Tod der Soldaten zu sakralisieren, also zu etwas Heiligem zu stilisieren. In Form von Kreuzen, Säulen, Räumen der Stille oder Plastiken wird nicht der Tod, sondern der vorgebliche Sinn dieses Todes dargestellt [...] Die Sakralisierung schirmt die Gedenkorte auch gegen Widerspruch ab, denn wer würde in einem Raum der Stille oder vor einem Kreuz laut protestieren?«

Clemens Tangerding, Für Deutschland gestorben, Beitrag des Deutschlandfunks vom 18.11.2012


SH Ratekau 2WK Baeume web


Auf den drei größeren Kreuzen sind Bäume dargestellt, in der Mitte ein Eichbaum, aussen Lorbeerbäume. Es scheinen junge Bäume zu sein, die noch wachsen werden.

»Die Eiche ist knorrig. So kann man sich auch die alten Germanen vorstellen, weniger die feinsinnigen Römer. Die Eiche ist überdauernd. Das wollten auch die Deutschen im Heiligen Römischen Reich. Die Eiche ist standfest. Treue, unerschütterliche Souveränität schrieben die deutschen Fürsten und Könige auf ihr Panier – und nach ihnen Adolf Hitler. Mit der Reichsgründung 1871 und dem Gefühl nationaler Einheit zog das Eichenlaub in die deutsche Symbolsprache ein. Auf deutschen Ehrenmalen, Kränzen, Hoheitszeichen, Orden und dergleichen diente es in ähnlicher Form wie Zweige des Lorbeerstrauches. Das Parteiabzeichen bzw. Parteisymbol der NSDAP hatte von 1920 bis 1945 einen Adler als Zeichen, der einen Eichenkranz in seinen Fängen hielt. Unerschütterlich ›wie die deutsche Eiche‹ und ähnliche Sprüche ließ die NS-Propaganda ab 1933 in Zeitungen veröffentlichen und über Lautsprecher verkünden.«

• Wolf Stegemann, 20. Januar 2014 auf der Website >www.rothenburg-unterm-hakenkreuz.de


SH Ratekau 2WK Tafel Gefallene web


Rechts und links sind Schrifttafeln in die Mauer eingelassen. Auf der linken Seite steht »DEN GEFALLENEN ZUM GEDÄCHTNIS«. Das Wort »Gefallene« sagt uns, dass es bei diesem Denkmal um ein Erinnern an tote Soldaten geht.

»Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: ›der Gefallenen‹. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung ›Gefallene‹ eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort ›fallen‹ verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der ›fiel‹, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort ›fallen‹, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.«

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S.100


»Die Entscheidung für Metaphern deutet darauf hin, dass das Grauen des Kriegstodes vom Denkmal verbannt werden sollte. An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort ›Gefallener‹ (oder ›gefallen‹) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 60/61

»›Gefallenendenkmal‹ verweist auf das Wort ›fallen‹, dem Wörter wie ›hinfallen‹ aber auch ›fällen‹ zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort ›fallen‹ seines Schreckens, im Wort ›fällen‹ verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort. [...] Die deutsche Sprache bevorzugt auch dafür einen schönfärbenden Ausdruck: ›im Felde gefallen‹ oder ›auf dem Felde der Ehre gefallen‹. Nicht auf ein ›Gefallenendenkmal‹ gehörten demnach alle, die beim Beschuss der Unterkunft, im Lazarett, auf dem Transport oder in Gefangenschaft ums Leben kamen.«

• Ebd., S.22


SH Ratekau 2WK Vermisste web


Auf der rechten Seite steht »DEN VERMISSTEN ZUM GEDÄCHTNIS«.


»Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. ›Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.‹ [Ralph Giordano, Die zweite Schuld, S. 324].«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 29

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Die Gedenkwand der Heimat

Auch auf der linken Steinwand sind fünf Kranzhalter eingemauert.

SH Ratekau 1WK Wand links web


Zwei einfache Steinbänke rahmen die zentrale Tafel ein.


SH Ratekau Heimatplatte web


DEN TOTEN DER
HEIMAT ZUM GEDEN=
KEN / DEN LEBENDEN
ZUR MAHNUNG

steht darauf, die letzte Zeile schließt mit einem Blattsymbol ab. Die Zeilen sind hier ausgeblockt, die erste ist eingezogen, es wurde eine andere Schrifttype gewählt, ansonsten ähnelt die Tafel den Gegenüberliegenden.


SH Ratekau Blatt web


Ein rätselhaftes Blattsymbol: ein größeres legt sich um das kleinere Blatt, der Stiel ist wie ein Eisernes Kreuz gearbeitet. Hat das eine Bedeutung? Wir wissen es nicht.

Wer ist mit den Toten der Heimat gemeint? Welche Mahnung sollen die Lebenden erhalten? Erklären es die Namenssteine rechts und links der Tafel?


SH Ratekau Danzig web


Auf beiden Seiten sind die Namen von einer Stadt und sechs Provinzen in einzelne Mauersteine eingemeißelt. Auf der linken Seite:

DANZIG
GRENZMARK
SCHLESIEN
POMMERN


SH Ratekau Brandenburg web

Auf der rechten Seite:

OSTPREUSSEN
BRANDENBURG
WESTPREUSSEN

Das sind Namen von Gebieten, die nach dem 1. Weltkrieg, bzw. nach dem 2. Weltkrieg für Deutschland verloren gingen. Nach dem verbrecherischen Angriffskrieg Nazi-Deutschlands mussten sie ganz oder im Fall von Brandenburg zum Teil, endgültig abgetreten werden.

Wir müssen nun annehmen, dass mit den »Toten der Heimat« nicht die Opfer der nationalsozialistischen Rassenpolitik, nicht die Opfer der als »Euthanasie« bezeichneten Krankenmorde oder die zu Tode gekommenen Zwangsarbeiter gemeint sind, sondern ausschließlich die Geflüchteten und Heimatvertriebenen.


»Ein Mahnmal mahnt so wenig wie
ein Denkmal denkt und ein Grabmal gräbt
man wollte sie nicht vergessen, die Burschen
man wollte allerdings vergessen die Tränen.«

• Georg Schwikart

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Aus der Geschichte

Die Anlage für die 179 Namenssteine hat der bekannte Lübecker Gartenbauarchitekt oder wie er in »Vaterstädtische Blätter« 1922 genannt wird der Ober-Garteninspektor Harry Maaß gestaltet. Er hat auch den Ehrenfriedhof in Lübeck >, die Gedenkanlage auf dem Wehrberg in Preetz >, die in Klein Wesenberg > und viele andere mehr geschaffen.

  SH Ratekau Kirche web


Zur Gestaltung in Ratekau sagte er: »Richtlinien für die Gestaltung der Gedächtnisstätte gab das aus Feldsteinen errichtete Gebäude – Turm und Kirche. Es war schwierig, dem Bau der Kirche und des Turmes etwas Überzeugendes an die Seite zu stellen, zumal die Namen der Gefallenen zum Ausdruck gebracht werden sollten und ein Denkmal in irgendwelcher Form durch die Wucht des Turmes immer erdrückt werden würde. Es blieb nichts übrig, als der Kirche mit dem Turm eine Basis zu geben in Form eines um den Bau geleiteten Hofes, der durch die Mauer begrenzt wurde. [...]

Auf dieser Mauer selbst ragen um wenige Zentimeter die Namenssteine heraus. Schlichte Schrift, dunkel ausgelegt, nennt den Namen des Gefallenen.«

     SH Ratekau Vaterstaedtische Blaetter web


Der Zugang zur Kirche ist zugleich Zugang zur Gedächtnisstätte. Harry Maaß schreibt, dass links und rechts hinter dem Mäuerchen Beete mit Immergrün gepflanzt wurden, um dort Kränze ablegen zu können.  

»Vaterländische Blätter« Nr.25, 10. September 1922, S.1+2


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Das Denkmal auf dem Friedhof

Wie eine große Grabstätte ist es gestaltet: sehr gepflegt mit sauber gestutzter Bepflanzung und umschließender Hecke.

SH Ratekau 2WK weit web


Auf dem hinteren Teil des mit großen Steinplatten und kleinen Granitsteinen gepflasterten Mittelteils steht der Gedenkstein. Was liegt davor?

 

SH Ratekau 2WK web


Wir glauben es kaum: ein Stahlhelm der Deutschen Wehrmacht. Das hatten wir bisher noch nicht gesehen. Wir haben ein Kriegerdenkmal zum 2. Weltkrieg besucht, da war er geklaut. Eine Gemeinde hatte ihn von sich aus entfernt. Zum Grab des Großadmirals Dönitz in Aumühle bringen die Neonazis den Helm immer mit und nach ihrer Feier packen sie ihn wieder ein. Hier in Ratekau liegt also einer auf dem kirchlichen Friedhof.

Im Internet bieten eine Menge Militaria-Händler »Original-Stahlhelme der Deutschen Wehrmacht« zum Kauf an. Auch ein »Kinderhelm wie Stahlhelm M35 Wehrmacht Luftwaffe« für 190 Euro ist im Angebot. Ein T-Shirt, das Amazon anpries mit dem Aufdruck »SS-Stiefel, die besten Wanderschuhe aller Zeiten« wurde erst nach scharfen Protesten aus dem Sortiment genommen.

»Früher musste der Wehrmachtsfan noch in schmuddelige Militaria-Läden schleichen oder dreimal nachdenken, ob er seine Adresse bei einschlägigen rechtsextremen Versandhäusern hinterlassen will. Dank Amazon genügt jetzt ein Klick und der Wehrmachtsstahlhelm liegt auf dem Gabentisch«, empört sich die Linken-Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke auf www.stimme.de. SPD-Vorstandsmitglied und Juso-Chef Kevin Kühnert sagt dazu: »Ein angemessener Schritt wäre, die bisherigen Gewinne aus diesen Produkten an Gedenkstätten der Opfer des Nationalsozialismus zu spenden.«

Mehr dazu auf www.stimme.de: Stahlhelm unterm Christbaum



SH Ratekau 2WK Friedhof Inschrift web


Auf einer schwarzen eingelassenen Tafel steht die Inschrift:

Hier ruhen
8 tapfere Deutsche,
die am 2. Mai 1945
für das Vaterland
gefallen sind

 

SH Ratekau 2WK links web


8 tapfere Deutsche? Wir entdecken 9 kleine dunkelbraune Keramiktafeln. Wer ist denn kein tapferer Deutscher? Etwa Virginia Boureanu, weil sie eine Frau ist oder Friedrich Maschewski, weil er als einziger nicht am 2. Mai 1945 sondern am 21. August 1944 gestorben ist?

SH Ratekau 2WK Namen rechts web


Am 2. Mai 1945 für das Vaterland gefallen! Am 30. April hatte sich Reichskanzler Adolf Hitler seiner Verantwortung durch Selbstmord entzogen, am 2. Mai ist der Kampf um Berlin zu Ende. Dass an diesem Tag noch Menschen für »das Vaterland fallen« mussten, darüber muss man verzweifeln.

Was ist da am 2. Mai 1945 in Ratekau passiert? Wer weiß etwas darüber? Bitte eine Nachricht an: e-kultur@akademie.nordkirche.de

»Der Krieg ist Anfang April 1945 eigentlich entschieden. In Jalta beraten die USA, Frankreich, Großbritannien und die Sowjetunion Anfang Februar schon über eine Nachkriegsordnung. Aber statt aufzugeben, werfen die Nazis immer noch alles, was verfügbar ist, in die letzte Schlacht. Alte Männer werden zum ›Volkssturm‹ eingezogen, Kinder der Hitlerjugend werden mit Panzerfäusten auf die Straßen geschickt. An vielen Orten im ganzen Reich werden zahlreiche Menschen noch als ›Verräter‹ hingerichtet. Bis zum Schluss fällten Standgerichte von Wehrmacht und SS tausende Todesurteile gegen deutsche Soldaten und Zivilisten.«

Landeszentrale für politische Bildung Baden-Würtemberg

Lesen Sie weiter auf der Website

 

SH Ratekau 2WK EK web


Über der Texttafel sehen wir ein eingeritztes Eisernes Kreuz. Neben diesem militärischen Ehrenzeichen ist die Darstellung des Stahlhelms das meist gezeigte Symbol auf Kriegerdenkmälern. Und hier auf dem Friedhof in Ratekau haben wir ihn im Original:


SH Ratekau 2WK Helm web

 

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Aktuell: Die Recherche

Weiter oben und in unserem Film über die Denkmäler in Ratekau haben wir uns und die Ratekauer gefragt, was wohl an diesem 2. Mai 1945 passiert ist. Und unsere Frage wurde gehört: Günter Knebel, Lehrer an der Cesar-Klein-Schule schrieb uns und berichtete von seinen Recherchen:

»Abgesehen von den falschen Angaben ist die Inschrift, dass am 2. Mai 1945 acht tapfere Deutsche für ihr Vaterland gestorben sind, in dieser Formulierung mehr als zynisch.

Wir kennen nicht die genauen Umstände, was diese Menschen am 2. Mai auf der Chaussee zwischen Pansdorf und Techau gemacht haben. Es ist sechs Tage vor dem Ende des 2. Weltkrieges und zwei Tage vor Ende der Kriegshandlungen in diesem Teil von Schleswig-Holstein.

Die Straßen sind voll von Flüchtenden und wohl letzten deutschen Truppen und Angehörigen des Volkssturms, die noch meinen, Deutschland bis zum Endsieg verteidigen zu müssen. Die englischen Truppen sind überall im Vormarsch und werden aus der Luft von der englischen Luftwaffe unterstützt.

Am 2. Mai 1945 ist es auf der Landstraße zwischen Techau und Pansdorf im Kreis Eutin zu einem Tiefliegerangriff auf Personen, die sich auf der Straße bewegten, gekommen. Kurt Gosch, ein Landarbeiter aus Pansdorf, hat wohl am nächsten Tag die Toten auf und neben der Straße entdeckt. Er hat sich von seinem Bauern ein Pferdegespann geben lassen, die Toten eingesammelt und zum Friedhof nach Ratekau gebracht. Dort wurde er bereits von englischen Soldaten empfangen. Ein Tag nach diesem tödlichen Ereignis war für die Dörfer und die Menschen des Kreises Eutin der Krieg beendet.

Die erst 19jährige Virginia Boureanu wird im Sterberegister der evangelischen Kirche Ratekau als Flakhelferin bezeichnet. Wie kam sie zu dieser Funktion? Hat sie sich freiwillig dazu gemeldet? Wurde sie dazu gezwungen? Wir wissen es nicht.

Deutet das sehr unterschiedliche Alter der Gestorbenen darauf hin, dass sich die Personen als letzte zur Verfügung stehende Menschen der sich seit Monaten abzeichnenden Niederlage Hitlerdeutschlands noch entgegen stellen wollten, sollten oder mussten?

Das Ganze ist besonders tragisch angesichts des Zeitpunkts. Ein oder zwei Tage später sind die Kampfhandlungen beendet und die neun Gestorbenen hätten überlebt. Die Aussichtslosigkeit ihres Handelns hätte ihnen vielleicht, aber besonders den Verantwortlichen bewusst sein müssen.

Das Tragische an der Situation ist auch, dass zu diesem Zeitpunkt gerade einige führende Nationalsozialisten dabei sind, sich in Schleswig-Holstein zu verstecken und damit sich ihrer Verantwortung zu entziehen, so wie Heinrich Himmler (Reichsleiter der SS) und Rudolf Höss (Kommandant des KZ Auschwitz). Einfache Soldaten und Helfer müssen dagegen noch ihr Leben opfern.

Mit diesem Wissen nach dem Krieg eine Inschrift zu einem Grab von kurz vor der Befreiung gestorbener Menschen mit den Worten, dass sie für ihr Vaterland gestorben sind, ist mehr als zynisch.

Dazu passt die martialische Gestaltung des Grabes mit einem Stahlhelm als Zeichen des Kampfes für eine gerechte Sache, hier wohl gemeint zur Verteidigung des Vaterlandes.

Wir wissen nicht, was dazu führte, dass diese Menschen Angriffsziel englischer Flugzeuge wurden. Ich meine, dass sie und die Menschen, die ihrer gedenken, eine andere Würdigung verdient haben.


Zu den Personen im Sammelgrab gibt es folgende Informationen:

Virginia Boureanu: 13.2.1926–2.5.1945, beerdigt am 4.5., rumänische Staatsangehörige

Paul Hirschel: 23.2.1899–2.5.1945, beerdigt am 4.5., Soldat aus Kummersdorf

Johannes Jans: 29.7.1901–2.5.1945, namentlich nicht im Sterbeverzeichnis, vielleicht nachträglich als einer der Unbekannten identifiziert.

Friedrich Japs: gestorben 2.5.1945, Volkssturmmann, Stettin, Jabs nicht Japs

Heinrich Klemm: 18.1.1908–2.5.1945, Seeflieger, Unteroffizier

Friedrich Maschewski: 3.4.1869 (?) in Kaisersdorf/UdSSR–21.6.1944, 75 Jahre alt geworden, Landarbeiter in Neuhof, sowjetischer »Umsiedler«, bereits am 26.8. an Herzschwäche gestorben, angegebenes Sterbedatum ist falsch. Beerdigt am 24.8. Warum liegt er in dem Grab?

Jean van Dam[m]e: 24.9.1925 (?)–2.5.1945 in Pansdorf, Belgier, Angehöriger der paramilitärischen Organisation Todt (Zwangsarbeiter?)

Unbekannter älterer Mann in einfacher Kleidung, wohl Arbeiter, Flüchtling

Militärangehöriger, angeblich Major, verstümmelt

Unbekannter, Infanterist

Alwine (?) Baumgart, geb. Bothe, 30.10.1905 in Hannover –2.5.1945, ein weiteres Opfer des Fliegerangriffs, wurde durch eine Bombe von der Firstwand ihres Hauses erschlagen. Sie wurde nicht im Sammelgrab beerdigt.«


Wir danken Günter Knebel und wünschen ihm viel Erfolg für seinen Wunsch, die Geschichte dieser in den allerletzen Kriegstagen ums Leben gekommenen Menschen zu erzählen und ihrer würdig zu gedenken.

Am 25. September 2020 erreicht uns die Nachricht, dass es mittlerweile einen Wahlpflichtkurs mit 10 Schüler*innen des 10. Jahrgangs der Cesar-Klein-Schule gibt, die mit ihrem Lehrer Günter Knebel an der Aufklärung der Kriegerdenkmäler in der Gemeinde Ratekau arbeiten.


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Volkstrauertag 2019

Eine Abordnung aus der Eutiner Bundeswehr-Kaserne steht wie jedes Jahr mit Sturmgewehr an den Denkmälern zum 2. Weltkrieg.

SH Ratekau VTT 2019 web


Vor der Kirche hängen weiße Schleifen an den Kränzen.

 

SH Ratekau Friedhof VTT 2019 web

Fotos: https://kameradschaft-aufklaerer-eutin.de

Beim Stahlhelm der Deutschen Wehrmacht muss es schon Schwarz-Rot-Gold sein!

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Pastor Hossenfelder

Joachim Hossenfelder war von 1954 bis 1969 Pastor für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Eutin in Ratekau.

SH Ratekau Hossenfelder web

Foto: privat

Pastor Hossenfelder ist gerade, dem Brautpaar voran, durch die »Kriegerdenkmalspforte« geschritten. Im August 1958 ist dieses Foto aufgenommen worden. In der Wanderausstellung der Nordkirche »Neue Anfänge nach 1945? Wie die Kirchen Nordelbiens mit ihrer NS-Vergangenheit umgingen« wird Hossenfelders Werdegang im Kapitel 4 »Streit um Schuld und Mitverantwortung« beschrieben.

Mehr Informationen www.nordkirche-nach45.de

 

                  SH Ratekau Hossenfelder 1933 web

 

Der als »vaterländisch geprägte Persönlichkeit« und »soldatische Natur« charakterisierte Wilhelm Kieckbusch amtierte von 1930 bis 1976 ohne Unterbrechung als leitender Geistlicher der Eutinischen Landeskirche. In aller Öffentlichkeit setzte er sich nach 1945 für ehemals führende Theologen der nationalsozialistischen »Deutschen Christen« ein. Anderswo galten sie als untragbar. Kieckbusch nahm unter anderem die »Deutschen Christen« Hugo Rönck und Joachim Hossenfelder als Pastoren in seine Landeskirche auf. Hossenfelders Einstellung wurde vom damaligen Ratsvorsitzenden der EKD Otto Dibelius befürwortet. Weder Rönck noch Hossenfelder ließen nach 1945 jemals Reue über ihre Rolle im Nationalsozialismus erkennen. [...]

Der Berliner Pfarrer Hossenfelder war treibendes Gründungsmitglied und erster Reichsleiter der »Deutschen Christen«. Er bekannte sich nach 1945 ebenfalls stolz zu dem Bischofsamt, das er als »Deutscher Christ« 1933 kurzzeitig inne gehabt hatte. Ansonsten bewahrte er über seine frühere Karriere strengstes Stillschweigen.


Bis heute ist die Kirchengemeinde in Ratekau verpflichtet Joachim Hossenfelders Grab zu pflegen.

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Der Stahlhelm

Die neuen Methoden der Artilleriekampfes im 1. Weltkrieg erforderten einen verbesserten Kopfschutz für die Soldaten. Der neue Helm aus Stahl wurde entwickelt, der die bis dahin getragenen ledernen Pickelhauben ablöste. Die ersten 30.000 Helme wurden im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert.

Die Vorstellung von der stählernen Schutzwirkung wurde fortan auf Postkarten, Kriegsanleiheplakaten, Schmuckblättern usw. propagandistisch ausgeschlachtet und symbolisch überhöht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde dieser Symbolwert noch gesteigert.


     SH Kasseedorf Plakat Stahlhelm web

     Plakat von Ludwig Hohlwein zum 10. Reichsfrontsoldatentag 1929

Die Einführung eines Stahlhelms für die Bundeswehr im Juni 1956 war ein Politikum. Den Forderungen des Militärs nach einem wirksamen Kopfschutz für die Soldaten wurde nur sehr zögerlich entsprochen. Unter keinen Umständen sollte der Helm für die Bundeswehr auf Konstruktionen beruhen, die an die Zeit des Nationalsozialismus erinnerten.

Für den aktuellen »Gefechtshelm, allgemein«, der am 15. Januar 1992 eingeführt wurde, galten diese politischen Bedenken nicht mehr. Der Helm sollte unter Wahrung der modernsten militärischen Gesichtspunkte auch alle Vorteile des Stahlhelms M35 in sich vereinigen.

Die Stahlhelme der alten Form blieben weiterhin im Gebrauch beim Bundesgrenzschutz und der Polizei.

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden.

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Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


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• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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Das Denkmal 1870/71

Das hübsch gestaltete Denkmal zum Deutsch-Französischen Krieg mit zierlichem Lorbeerkranz an wehenden Bändern trägt die Inschrift:

Dem Gedächtniß
der im Krieg von 1870/71
fürs Vaterland
gefallenen Gemeindeglieder:
Hans Hinr. Fried. Pien (?) aus Techau,
Hinr. Joh. August Steen aus Liuschendorf,
Wilhelm Julius Böhme aus Wilmsdorf,
widmet diesen Denkstein
das dankbare Kirchspiel
Ratekau.

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»1870 stellte Napoleon III., im Zusammenhang mit der Erbfolge in Spanien, Forderungen an Preußen, die Wilhelm I. nicht erfüllen wollte. Die Ablehnung des Preußenkönigs wurde von Bismarck in der Emser Depesche, die in der Presse platziert wurde, so brüsk formuliert, dass der französische Kaiser sich veranlasst fühlte, den Preußen den Krieg zu erklären. Am 2. September 1870 errangen die Preußischen Truppen bei Sedan einen triumphalen Sieg, bei dem Napoleon III. gefangengenommen wurde. Die Schlacht bei Sedan war nicht kriegsentscheidend, wurde aber später zum nationalen Mythos stilisiert. Im Januar 1871 kam es zum Waffenstillstand. Am 18. Januar 1871 ließ sich Wilhelm I. im Spiegelsaal von Versailles zum Deutschen Kaiser krönen. Damit war die Teilung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen in ein ›kleines‹ Deutsches Reich und die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn vollzogen.«

Kriegerdenkmäler in der Friedensstadt, Aschendorff Verlag 2018, S.15f


Nach dem Deutsch-Dänischen und dem Deutschen Krieg von 1864 und 1866 gilt der Konflikt mit Frankreich als dritter und letzter der deutschen Einigungskriege. Der preußische König Wilhelm I. nahm den Titel ›Deutscher Kaiser‹ an, Otto von Bismarck wurde erster Reichskanzler. In Frankreich hatte der Krieg nicht nur die endgültige Abschaffung der Monarchie zur Folge. Vor allem der Verlust Elsaß-Lothringens erzeugte einen dauerhaften, gegen Deutschland gerichteten Revanchismus. In Deutschland wiederum verfestigte sich die Vorstellung von der so genannten Erbfeindschaft gegenüber Frankreich. Beides belastete die deutsch-französischen Beziehungen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein.«

nach Wikipedia, abgerufen am 9. 12. 2017


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Nach dem Sieg forderte die Regierung in Deutschen Kaiserreich dazu auf, Friedenseichen zu pflanzen und zu pflegen, damit »dieses Sinnbild deutscher Kraft und deutscher Treue sich in aller Herrlichkeit entwickeln könne und künftigen Geschlechtern Gelegenheit geben würde, sich in seinem Schatten dankbar der Helden von 1870 und 1871 zu erinnern.«

In Ratekau ist die Friedenseiche gefällt worden.

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Die Eiche für Kaiser Wilhelm I.

Auf einem großzügigen Rasenstück vor dem Kirchhof steht diese prächtige Eiche. Wegen ihrer geschichtlichen Bedeutung ist sie als Naturdenkmal geschützt.

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Am 22. März 1897 feiert man überall im Deutschen Reich den 100. Geburtstag des Kaisers Wilhelm I., der wegen seiner Verdienste zur Reichseinigung von Kaiser Wilhelm II. nun zum »Kaiser Wilhelm der Große« erklärt wurde. Überall im Land wurden ihm zu Ehren Denkmäler enthüllt, zum Beispiel auch in Trittau. Dort hat die Stiftung Geschichtskultur ein erläuterndes Schild aufgestellt:

»Wilhelm I.
• Geboren am 22.3.1797 als Sohn von König Friedrich-Wilhelm III. von Preußen und Königin Luise
• Niederschlagung der Revolution 1848 (›Kartätschenprinz‹)
• König von Preußen 1861 - 1888
• Deutscher Kaiser 1871 - 1888
• Gestorben 1888. Ihm folgt Friedrich III. (99-Tage-Kaiser) und im gleichen Jahr Wilhelm II. (1888 - 1918)

Kaiser Wilhelm I. und sein Kanzler Bismarck haben ihr Jahrhundert geprägt. Um beide entstand nach ihrem Tod eine kultische Verehrung. Kaiser Wilhelm II. förderte den Kult um seinen Großvater, für den zu dessen 100. Geburtstag das riesige Nationaldenkmal in Berlin, etwa 350 Denkmäler in deutschen Städten und zahlreiche Gedenksteine, wie hier in Trittau, eingeweiht wurden.«

Zum Vertiefen: Dorlis Blume für das Deutsche Historische Museum

 

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Einweihung
Im Winter ein Rodelberg
2014: Das Projekt »Denk mal! Unbequem!«
Spendenaufruf

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Ratzeburg, Kreis Herzogtum Lauenburg

Das Denkmal am Röpersberg

1921 wurde die Anlage von dem Architekten Wilhelm Heilig geschaffen. Die Namen von 142 im 1. Weltkrieg getöteten Soldaten der Stadt Ratzeburg sind darauf festgehalten. Um einen hohen Erdhügel, dessen Plattform zehn Linden krönen, gruppieren sich fünf Steinpfeiler, die fünf Kriegsjahre andeutend.

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Die Steinpfeiler tragen Jahreszahl und Inschrift, die lauten:

1914   Unseren Tapferen, die für Deutschland fielen und von der Heimat unvergessen im fremden Lande ruhen

1915   Kindern und Enkeln künden diese Steine die Namen der Väter, die einst für uns in Kampf und Tod zogen

1916   Lebe droben im Licht, o Vaterland, und zähle nicht die Toten, dir ist Liebes nicht eines zu viel gefallen

1917   Und wer den Tod im heiligen Kampfe fand, ruht auch in fremder Erde im Vaterland

1918   Die dankbare Vaterstadt dem Gedenken ihrer gefallenen Söhne, die fern im Kampf für sie fielen

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• Eine Allee führt zum Denkmalshügel

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Die Einweihung

Die Anlage wurde am 21. Juni 1921 eingeweiht. Die 1928 in zweiter Auflage erschienene Chronik der Stadt Ratzeburg stellt die germanisierenden Bezüge des Kriegerdenkmals deutlich heraus:

»Am Abend des 21. Juni 1921 fand beim flackernden Schein der Sonnenwendfeuer und im Beisein einer nach Tausenden zählenden Trauergemeinde die Einweihung des Kriegerehrenmals statt, das die Stadt Ratzeburg ihren gefallenen Söhnen errichtet hat. Draußen auf einem hochgelegenen Felde am Farchauer Ende, abseits vom lärmenden Verkehr, erhebt sich ein Naturdenkmal, das in seiner Anlage und schlichten Größe an alte germanische Kultstätten erinnert.«

• Stadtchronik von 1928

Am 21. Juni 1921 wurde die Anlage im Beisein des Architekten Wilhelm Heilig als Sonnwendfeier inszeniert eingeweiht. Superindendent Lange hielt die Feldpredigt, wobei wieder einmal verblüfft, wie er voller Inbrunst darlegt, dass Gott exklusiv für das deutsche Volk Partei nimmt, auch immer genommen hat und auch in Zukunft nehmen wird. Wer die Predigt und die anschließende Festrede von Dr. Tamm liest und sich das Szenario mit Fackeln, Bataillonskapelle und Gesang vorstellt, der sieht den Boden für die Parolen der Nationalsozialisten bereitet.

Predigt und Festrede, 1921 (Abschrift)

• Wir danken herzlich dem Stadtarchivar von Ratzeburg Christian Lopau für die Fotos und den Damen des Kreisarchivs in Ratzeburg für die Texte

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Im Winter ein Rodelberg 

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Foto:Matzematik / Wikimedia Commons

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2014: Das Projekt »Denk mal! Unbequem!«

Zwei Künstlerinnen des Lauenburgischen Kunstvereins veranstalteten mit Jugendliche aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg und Jugendgruppen aus Großbritannien und Australien einen Workshop zum 1. Weltkrieg und nahmen an einem internationalen Mail Art Projekt teil.

Beim Besuch des Denkmals am Röpersberg waren die Jugendlichen überrascht von der monumentalen Größe der Anlage und den fünf gewaltigen Gedenksteinen.

Auf dem St. Georgsberger Ehrenfriedhof fand danach wie jedes Jahr die Gedenkfeier zum Volkstrauertag statt, diesmal mit der Mail Art Plakataktion der Jugendlichen. Auf dem Weg zum Ehrenfriedhof konnten die Besucher*innen »über die kritische Auseinandersetzung der Jugendlichen mit dem Thema Krieg und ihren Mahnruf sich für den Frieden einzusetzen nachdenken«.

Die Tafeln des Projekts »Denk mal! Unbequem!«


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Spendenaufruf

Mit Unterstützung vieler Spender und Organisationen sind 2014 die wesentlichen Renovierungsmaßnahmen – Säuberung der fünf Schrifttafeln für die einzelnen Kriegsjahre und Neuverfugung – durchgeführt worden. Lesen Sie hier mehr dazu:

www.herzogtum-direkt.de

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I N H A L T
Das Denkmal
Aus der Geschichte
Ich hatt’ einen Kameraden
Was ist deutsche Kunst
Im Turmraum der Kirche
Der Schmuck in früheren Zeiten
2014: Das Projekt »Denk mal! Unbequem!«

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Ratzeburg, Kreis Herzogtum Lauenburg

Vor der St. Georgsberger Kirche

Das Denkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs wurde vom schwäbischen Architekten Wilhelm Heilig geschaffen. Es wurde am 13. Mai 1923 unter der Teilnahme des Krieger- und Militärvereins eingeweiht und zwar an der Straße zwischen dem Bahnhof und der Kirche. Später wurde es an seinen heutigen Platz direkt gegenüber der Kirche versetzt. Wilhelm Heilig gestaltete auch die Kriegerdenkmäler in Gr. Grönau, Kasseburg, Lütau, Ratzeburg (Röpersberg) und Lauenburg/Elbe.

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Das Denkmal besteht aus einem Steinkreuz, das sich mehrere Meter hoch auf einer von hochstrebenden Buchen umgebenen Lichtung erhebt. Die Vorderseite enthält drei Reliefs. Oben den Reichsadler, in der rechten Klaue einen mit Pfeilen bespickten Schild tragend, darüber die Inschrift:
Viel Feind, viel Ehr

Im Querbalken links eine zerschossene Fahne mit der Inschrift:
Haltet aus im Sturmgebraus!

Rechts die Symbole eines Soldatengrabes, darunter die Worte:
Ich hatt’ einen Kameraden

In der Mitte sind die Jahreszahlen 1914 und 1918 eingelassen. Darunter stehen die Worte:
Kämpfend für Recht und Freiheit, für Heim und Herd, fielen 71 unserer Besten. Der, du Wanderer, diese Stätte betrittst, gedenke der Toten in Ehrfurcht und in Treue

Die Rückseite trägt über der Jahreszahl 1923 die Widmung:
In Einigkeit erbauten die 17 Gemeinden des Kirchspiels St. Georgsberg dieses Mal den Gefallenen zur Ehre, den Enkeln zur Mahnung

 

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Ursprünglich war das Denkmal im Fuchswald aufgestellt worden. Im August 1967 wurde es auf den neuen Platz vor der St. Georgsberger Kirche umgesetzt.

Zusätzlich wurden drei Steinplatten für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs hinzugefügt.

• Wir danken herzlich dem Stadtarchivar von Ratzeburg Christian Lopau für die Erlaubnis seinen Text im Wesentlichen übernehmen zu dürfen und für das Foto.

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Aus der Geschichte

»Neben der Straße vom Bahnhof Ratzeburg nach St. Georgsberg ragt im Buchenhochwald ein steinernes Kreuz, gedrungen und kräftig geformt, wie der Baustoff es erfordert. Die drei Felder, die Schaft und Balken bilden, werden ausgefüllt von sinnbildlichen Darstellungen des Erlebnisses ›Weltkrieg‹, deren Gestaltung, an sich ganz modern, dennoch unmittelbar an die handwerkliche Gebundenheit frühmittelalterlicher Steinbilder anschließt. Oben am Schaft sieht man den Reichsadler mit einem pfeilgespickten Schilde, dabei die stolzen Worte ›Viel Feind, viel Ehr‹, zur Linken eine von Kugeln zerfetzte Sturmfahne ›Haltet aus im Sturmgebraus‹, rechts Gräber im Felde mit dem erschütternd einfachen: ›Ich hatt’ einen Kameraden‹. Im Mittelfelde, das Schaft und Balken gemeinsam ist, stehen die Jahreszahlen, und in den Schaft ist in deutschen Buchstaben eine Inschrift eingehauen, deren wundervoll in den Raum gestellte Zeichen sagen: ›Kämpfend für Recht und Freiheit, für Heim und Herd fielen 71 unserer Besten. Der Du, Wanderer, diese Stätte betrittst, gedenke der Toten in Erfurcht und Treue!‹.

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In dieser eindringlichen Gestalt steht das Zeichen der Erinnerung am Rande des Alltags, den Vorübergehenden immer gegenwärtig und damit dem Vergessen sicher entrückt. Ist es in dieser Form nicht unendlich viel mehr als nur ein Bauwerk aus Findlingen mit einer Tafel etwa aus Bronze oder gar aus schwarzem Glase, das in künftigen Jahrzehnten und Jahrhunderten der Zeit seiner Erbauung immer etwas steinzeitlich Primitives anzudichten scheint? Ist ein Mal wie das St. Georgsberger nicht unendlich viel eindringlicher und wahrer, als ein Gebilde aus Kunststein oder Bronze, das in genau gleicher Ausführung auch an so und so viel anderen Orten steht?«

• Wilhelm Hadeler, Wilhelm Heiligs Werke im Kreise Herzogtum Lauenburg, in: »Lauenburgische Heimat«, 3. Jahrgang, Heft 2, April 1927

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Ich hatt’ einen Kameraden

»Der gute Kamerad« wurde 1809 von Ludwig Uhland in Tübingen gedichtet, Friedrich Silcher vertonte, ebenfalls in Tübingen, das Gedicht im Jahre 1825. Als Lied ist es besser bekannt unter der Anfangszeile der ersten Strophe: »Ich hatt’ einen Kameraden«. Es wurde vor allem von der politischen Reaktion instrumentalisiert, und zwar zur Beschönigung und Verklärung des Kriegsopfers und Heldentods. Das Lied vom »guten Kameraden« spielt im Trauerzeremoniell der deutschen Bundeswehr eine große Rolle. Es ist Bestandteil eines Begräbnisses mit militärischen Ehren und jeder militärischen Trauerfeier.

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»Menschen könnten im normalen Leben bessere Freundschaften als im Schützengraben finden.«

Pfarrer Detlev Besier, Leiter der landeskirchlichen Arbeitsstelle Frieden und Umwelt, am Volkstrauertag 2018


Sehen Sie hier eine Sammlung von historischen und politischen Bildpostkarten von Karl Stehle, München, die diesen Liedtext zitieren:

www.goethezeitportal.de


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Was ist deutsche Kunst?

Nicht nur in politischer, auch in künstlerischer Hinsicht war die Phase des 1. Weltkriegs eine Epoche des Umbruchs. Bei seinem Beginn erhofften sich viele vom Krieg eine Gesundung des deutschen Kunstlebens. Die Diagnose, dass in der deutschen Kunst eine Entfremdung stattgefunden hatte, bildete die allgemeine Ansicht. Der Krieg sollte das »Gemüt« zurückbringen. Die weitverbreitete Forderung, die Kunst solle einen internationalen Charakter bekommen, wurde von konservativen, national denkenden Stimmen strikt abgelehnt. Andere polemisierten gegen das »Modebewußtsein« in der Kunst, weil es einen Bruch mit der Tradition beinhalte. Die Aussage, Findlinge und andere von Menschenhand nicht bearbeitete Naturdenkmäler befänden sich auf dem kulturellen Niveau von Höhlenmenschen, wurde scharf zurückgewiesen.

Nicht ganz so vernichtend, aber dennoch eindeutig für »edle Form und wahre Kunst« – hier beim Kriegerdenkmal auf dem St. Georgsberg – spricht sich der Verfasser eines Artikels in der Lauenburgischen Zeitung vom 6. Dezember 1921 aus:

Lauenburger Zeitung, 1921 (Abschrift)


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Im Turmraum der Kirche

Auch hier wird der getöteten Soldaten gedacht. Ein Kniender in Uniform, Koppel und Stahlhelm zeigt seine Handinnenflächen. Was will er uns mit dieser Geste sagen? Unter seinen Knien steht im schwarzen Band:
1914  1918 Dem Gedächtnis der gefallenen Brüder

Rechts und links vom Soldaten befinden sich dreispaltige Namenstafeln. Die Toten sind nach Heimatgemeinden geordnet, den Namen ist das Todesjahr vorangestellt.

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Der Schmuck in früheren Zeiten

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• Lange Blättergirlande und zwei Kränze von alten Kameraden

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2014: Das Projekt »Denk mal! Unbequem!«

Zwei Künstlerinnen des Lauenburgischen Kunstvereins veranstalteten mit Jugendliche aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg und Jugendgruppen aus Großbritannien und Australien einen Workshop zum 1. Weltkrieg und nahmen an einem internationalen Mail Art Projekt teil.

Auf dem St. Georgsberger Ehrenfriedhof fand wie jedes Jahr die Gedenkfeier zum Volkstrauertag statt, diesmal mit der Mail Art Plakataktion der Jugendlichen. Auf dem Weg zum Ehrenfriedhof konnten die Besucher*innen »über die kritische Auseinandersetzung der Jugendlichen mit dem Thema Krieg und ihren Mahnruf sich für den Frieden einzusetzen nachdenken«.

Die Tafeln des Projekts »Denk mal! Unbequem!«


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I N H A L T
Das Denkmal
Die Geschichte
Historische Postkarten
Die Einweihung
Der Architekt Hermann Höger
Der Bildhauer Ludwig Kunstmann
Die Erweiterung
Die Rellinger Kirche

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Rellingen, Kreis Pinneberg

Auf dem Kirchplatz in der Ortsmitte

Die Klinkersäule ist den 100 toten Soldaten des 1. Weltkriegs aus Rellingen gewidmet. Am 27. Mai 1923 wurde sie eingeweiht. Geschaffen haben sie der Architekt Hermann Höger und sein Mitarbeiter Hopp zusammen mit dem Bildhauer Ludwig Kunstmann.

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Die Säule ist mit hart gebrannten, dunklen Ziegelsteinen im expressionistischen Stil gemauert. Sie ist fast 5,50 Meter, mit den aufgesetzten Schmuckelementen sogar über 6 Meter hoch. Die achteckige Grundform hat einen Durchmesser von ca. 1,35 Metern.

 

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An vier sich gegenüberliegenden Wänden wurden mittig je neun braune matt glasierte Ton- bzw. Terrakottaplatten übereinander angebracht, oben je eine Abschlussplatte mit gebogener Kante. Terrakotta ist die Bezeichnung für unglasierte keramische Produkte. Die Seite, die der Kirche zugewandt ist, trägt die Widmung, die auf sieben Platten in erhabener dünner Schrift eingebrannt ist:

1914 – 1918
Ihren gefallenen Söhnen
die dankbare Gemeinde Rellingen

Auf den schmalen Platten können maximal vier Buchstaben Platz finden, deshalb gibt es in dem Satz insgesamt zehn Trennungsstriche (=).

 

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Im oberen Drittel ist die Säule mit Details aus Terrakotta geschmückt. Die vielfach gefächerte Krone, die den oberen Abschluss bildet, trägt über den vier Schriftplattenreihen je eine Trauer- oder Totenmaske in unterschiedlicher Ausformung. Aufgesetzt ist ein stilisierter Blattschopf, den Hochblättern einer Ananas ähnlich, in der Farbe von oxidiertem Kupfer. Darüber, gleichsam schwebend, ein vielzackiger gelber Stern.

 

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Jeweils zwischen den beiden obersten Tonplatten über den gemauerten Ziegelfalzen wacht ein extrem schmaler, stilisierter Adler mit angelegten Flügeln im Halbrelief mit herausragendem dreidimensionalen Kopf. Adler stehen symbolisch für Stolz und Macht, auch für Weitblick, Mut und Kraft.

 

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An drei Seiten sind in die senkrecht angebrachten Platten in erhabener Schrift die Namen der toten Soldaten von Rellingen in alphabetischer Reihenfolge zu lesen. Insgesamt 100, rechts und links je 34, hinten 32 Namen. Sie sind mittig gesetzt.

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Die Geschichte

So konnte der Gemeindevorsteher Schmidt, in Rellingen genannt Vogt Schmidt, dem Kirchenvorstand  und damaligen Pastor Bitterling  im März 1922 mitteilen, »dass in einer am 27. des Monats  stattgefundenen Sitzung der Gemeindevertretung einstimmig beschlossen wurde, auf dem mit dem Kirchenvorstand bezeichneten Platz neben der Kirche ein Denkmal für die gefallenen Krieger zu errichten.« Das Denkmal solle, so wörtlich, den Verhältnissen der Kirche angepasst sein. Den Entwurfs- und Gestaltungsauftrag erhielt der den Rellingern persönlich bekannte damals 40-jährige Architekt Hermann Höger. Als Honorar war wegen der Geldknappheit der Gemeinde und des sich anbahnenden inflationären Verfalls  des Geldwertes (1923 Höhepunkt der Inflation) vereinbart worden, so die Fama, eine großzügige Grabstelle auf dem Rellinger Friedhof, auf der Hermann Höger auch tatsächlich, nur 28 Jahre später, bestattet wurde. Heute ist die Grabstelle aufgegeben und Grabstätte für anonyme Bestattungen.

zitiert aus dem Vortrag von Wieland Witt zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 14. September 2008. Vorgetragen in der Rellinger Kirche.

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Historische Postkarten

Die Denkmalssäule ist hier noch ohne die Erweiterung zum 2. Weltkrieg aus dem Jahr 1967 zu sehen. Sie stand damals auf einem dreistufigen gemauerten Sockel mit quadratischem Grundriss. Eng an der Säule ein schmales Beet, wie heute; um den Sockel herum ein Sandplatz, der von einer Hecke begrenzt wurde.

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Die Säule umgeben von Kränzen, der Vegetation nach zu urteilen am Volkstrauertag im November.

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1962 ist die Hecke schon ein Stück gewachsen, aber fünf Jahre später wird sie dann für die Erweiterung des Denkmals entfernt.

Die erste, zweite und vierte Karte durften wir der Website von Reinhold Miller entnehmen. Herzlichen Dank!

www.rellingen-allerlei.de


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Die Einweihung 1923

Das am Fuße der Kirche errichtete Denkmal zu Ehren unserer im Weltkrieg Gefallenen ist nunmehr nachdem es auch mit gärtnerischen Anlagen umgeben worden ist, fertiggestellt und soll am Sonntag nach Pfingsten, 27. Mai, eingeweiht werden. Die Feier, zu der alle Einwohner Rellingens, insbesondere die Angehörigen der Gefallenen, eingeladen werden, wird um [?] Uhr beginnen. Die Vereine versammeln sich eine Viertelstunde früher beim Hause des Gemeindevorstehers. Glockengeläut und Orgelspiel werden die Feier einleiten und schließen. Herr Pastor Kähler hält die Weiherede und der Gesangverein »Harmonie« wird durch Vortrag entsprechender Lieder mitwirken. Nach der Weiherede findet die Kranzniederlegung statt.

Pinneberger Tageblatt, Freitag, den 18. Mai 1923

Einweihung des Krieger-Denkmals. Am gestrigen Sonntag fand die Einweihung unseres zu Ehren der im Weltkrieg Gefallenen errichteten Denkmals statt. Das Denkmal nach dem Entwurf des Architekten Hermann Höger aus Hamburg, ist neben der Kirche aufgestellt. Es ist eine aus Ziegelsteinen erbaute Säule, die in ihrer achteckigen Gestalt sich harmonisch dem Baustil unserer Kirche anschmiegt und einen imponierenden, durchaus würdigen Eindruck macht. Mitten im Ort gelegen, hat das Denkmal doch auch wieder im Schatten der Kirchhofslinden einen ruhigen Standort gefunden. Die vier Säulenwände sind mit braunen Tonplatten belegt. Die Platten der einen Seite tragen die Inschrift: 1914 - 1918. Unseren gefallenen Söhnen die dankbare Gemeinde Rellingen. Auf den Platten der anderen drei Seiten sind die Namen der hundert Gefallenen aus unserem Ort eingebrannt.  Nachdem die Gemeindevertretung und die Vereine mit ihren Fahnen sich um zwei Uhr beim Hause des Gemeindevorstehers versammelt hatten, marschierten sie unter Glockengeläut und Orgelspiel auf den Kirchplatz zum Denkmal. Ein vom Gesangverein vorgetragenes Grablied eröffnete die Feier. Sodann hielt Herr Pastor Kähler die Weiherede, und danach wurde das Denkmal von der Denkmals-Kommission dem Gemeindevorsteher als dem Vertreter der Gemeinde Rellingen übergeben. Es folgte noch eine Ansprache des Herrn Landrats und dann wurden von der Gemeindevertretung und den Vereinen prächtige Ehrenkränze auf die Stufen des Sockels niedergelegt. Ein Lied des Gesangvereins und Orgelspiel schlossen die eindrucksvolle Feier. Auch von den Einwohnern Rellingens und den Angehörigen der Gefallenen, die zahlreich an der Feier teilnahmen, wurde das Denkmal noch mit Kränzen und Blumen geschmückt.

Pinneberger Tageblatt, Montag, den 28. Mai 1923


Zitiert von der Website Rellingen-Allerlei von Reinhold Miller

www.rellingen-allerlei.de

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Der Architekt Hermann Höger

Der Architekt Hermann Höger, geboren am 15. Januar 1882 in Bekenreihe bei Elmshorn, gestorben am 13. Juli 1950 in Hamburg, gilt als einer der Vertreter des norddeutschen Backsteinexpressionismus.

Höger war eines von sechs Kindern eines Kleinbauern, der eine Zimmerei betrieb. Zwei seiner Brüder ergriffen ebenfalls Berufe des Bauhandwerks. Sein viereinhalb Jahre älterer Bruder Fritz (1877−1949) war ebenfalls als Architekt in Hamburg tätig und wurde durch die Errichtung des Chilehauses bekannt. Fritz Höger förderte die Ausbildung seines Bruders an der Baugewerkschule und nahm ihn von 1910 bis 1912 in seinem Büro auf, wo er weiter ausgebildet wurde.

Während seines Studiums wohnte Höger bei seiner Schwester Maria in Rellingen, die mit einem Zimmermann verheiratet war. Seine Ehefrau Emmi, früh verstorben, ist auf dem Friedhof Rellingen beigesetzt. Eines seiner frühen Werke ist die Klinkerstele des Kriegerdenkmals an der Rellinger Kirche, das 1923 eingeweiht wurde, und deren baukeramischen Schmuck der Bildhauer Ludwig Kunstmann gestaltete, mit dem Höger mehrfach zusammenarbeitete.

Höger wurde in den Bund Deutscher Architekten (BDA) berufen, der seinem Bruder Fritz die Aufnahme verweigert hatte.

Konstanty Gutschow, der offizielle »Architekt für die Neugestaltung der Hansestadt Hamburg«, der künftigen »Führerstadt« in der Zeit des Nationalsozialismus, betraute Höger nach Ausbruch des 2. Weltkriegs mit Planungsaufgaben.

nach Wikipedia, abgerufen am 11. Mai 2018

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Der Bildhauer Ludwig Kunstmann

Ludwig Kunstmann, geboren am 9. Dezember 1877 in Regensburg, gestorben am 27. März 1961 in Hamburg, war ein deutscher Bildhauer, ein Gestalter in Klinker und Keramik.

Er machte von 1890 bis 1894 eine Lehre zum Holz- und Steinbildhauer in Regensburg und studierte an der Kunstakademie Stuttgart. Nach ausführlichen Studienreisen durch Deutschland und Nordeuropa siedelte er sich 1910 in Hamburg an. Dort wurde er in den 1920er Jahren zu einem der erfolgreichsten Künstler, was eine Vielzahl von Bauplastiken zeigt. Kunstmann zählte 1919 zu den Gründungsmitgliedern der Hamburgischen Sezession, trat aber bereits 1920 nach internen Streitigkeiten zusammen mit weiteren Kollegen wieder aus. Er war zudem Mitglied im Hamburger Künstlerverein von 1832.

nach Wikipedia, abgerufen am 11. Mai 2018

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Die Erweiterung

Sie wurde vom Pinneberger Architekten Meier entworfen und am Volkstrauertag, den 19. November 1967 eingeweiht.

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Das Denkmal ist eine leicht gebogene Mauer, 60 cm hoch und 5 Meter lang. Die Mauer steht hinter der Denkmalssäule für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs und dient ohne weiteren Schmuck als Trägerin der Inschrift. Der Denkmalsplatz wurde gepflastert und an der abschüssigen Seite mit drei langen flachen Stufen versehen. Der gesamte Kostenaufwand betrug 50 482,94 DM, er wurde aus den Haushaltsmitteln der Gemeinde Rellingen getragen.

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Die Widmung ist mit Bronzelettern angebracht worden und lautet:

Denen die starben + 1939 - 1945 + davor und danach
Gott ist unser Friede

Architekt Meier hatte am 1. November 1963 dem fünfköpfigen »Ausschuß für die Errichtung eines Ehrenmals« seine Vorstellungen dargelegt. Er ging davon aus, dass ein Denkmal über die Jahre 1939-45 auch den Zeitraum von 1933-39 berücksichtigen müsse. Als ergänzende Beschriftung hatte er vorgeschlagen: »Es ist weiter an eine Gedenkplatte oder ähnliches mit den Worten ›Denkt daran‹ gedacht. Auch sollen die historischen Ereignisse durch Nennung der geographischen Bezeichnungen festgehalten und ein oder einige Konzentrationslager stellvertretend für die vielen genannt werden.«

In den folgenden Beratungen wurde Meiers Position von der SPD-Fraktion vertreten. In der Gemeinderatssitzung am 15. Mai 1964 konnte sich der Antrag durchsetzen.

Nun kommt es zu einem Bruch in der Planung: Auf der Sitzung der Kirchengemeinde am 1. März 1965 heißt es: »Folgende Beschriftung soll angebracht werden:

Denen, die starben
davor 1933-1945 danach
Gott ist unser Friede

Gemeinderatsmitglied Ehlers (FDP) hatte argumentiert: »Die Angehörigen der in der Gefangenschaft nach 1945 umgekommenen deutschen Soldaten würden es nicht verstehen, wenn in Rellingen dieser Opfer nicht gedacht würde. Das gleiche träfe für die vielen Menschen zu, die bei der Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten und bei der Flucht aus Mitteldeutschland den Tod gefunden haben.«

Die Intention der ersten Vorschläge von Architekt Meier wurden geradezu ins Gegenteil verkehrt. Sein Inschriftenentwurf enthielt den Appell, nicht zu vergessen, sondern sich ausdrücklich an die Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft zu erinnern – an die unterschiedlichen Kriegsopfer in gleicher Weise. Nun wurde nicht an die überlebenden Opfer, nicht an die Täter, nicht an die Ereignisse, sondern nur an den Tod allgemein erinnert. Jedes konkrete Leid wurde aufgehoben in eine vage Erlösungsformel. Sie machte es möglich, die Botschaft des Denkmals mit wunschgemäßen Inhalten zu füllen.

Als Beispiel sei hier aus der Rede von Bürgervorsteher Otto Stummer (CDU) zitiert, sie ist in der Akte »Ehrenmal« der Kirchengemeinde dokumentiert:

»Wir denken an die Männer des Heeres, der Luftwaffe, der Marine, der Waffen-SS – der angeschlossenen Verbände und des Wehrmachtsgefolges, die in treuester Pflichterfüllung und im festen Glauben an Recht und Gesetz gefallen sind.

Eingeschlossen in das Gedenken seien die Opfer furchtbarer Bombennächte und die in Gefangenschaft leidvoll Verstorbenen. Das Denkmal soll ehren die Menschen, die vor, in und nach dem Kriege aus innerer Überzeugung gegen den Strom der Macht standen und schwerste Opfer an Leib und Leben erduldeten. Unerheblich das warum und wieso, unwichtig, ob richtig oder nicht. Tiefes Mitgefühl für die Opfer von damals verpflichtet uns.

Es soll mahnen an die Opfer der Flüchtlingsströme, Frauen, Kinder, Greise, jene wahrhaft unschuldigen Menschen, denen das letzte Inferno des Krieges nicht nur Heimat, Hab und Gut, sondern auch das Leben qualvoll abverlangte, manchmal noch zu einer Zeit, als bereits die Waffen schwiegen, als die Mächtigen der Stunde vom Frieden säuselten, aber Berge von Hass und Rache duldeten.«


All diese Informationen verdanken wir Claudia Eisert-Hilberts Examensarbeit aus dem Jahr 1987: »Denkmäler für Soldaten und andere Kriegsopfer seit dem Ersten Weltkrieg im Kreis Pinneberg«. Lesen Sie hier den gesamten Text zur Denkmalserweiterung in Rellingen.

 

Claudia Eisert-Hilbert, Kriegerdenkmal Rellingen


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Die Rellinger kirche

Die evangelisch-lutherische Kirche in der Ortsmitte von Rellingen ist einer der bedeutsamsten Barockbauten des Landes Schleswig-Holstein. Die Kirche wird außerhalb der Gottesdienste regelmäßig für Konzerte und ähnliche Veranstaltungen genutzt.

Rellingen wurde wahrscheinlich im 9. Jahrhundert christianisiert. Es gibt jedoch keine Quellen darüber, so dass man nur vermuten kann, dass in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts die romanische Feldsteinkirche errichtet wurde, von der noch Reste am Rundturm zu erkennen sind. Dieses Gotteshaus wurde zwar 1584 durch einen südlichen Anbau erweitert, während der Jahrhunderte jedoch zu klein und baufällig, außerdem durch das Unwetter vom 14. Februar 1648 beschädigt und anschließend nur notdürftig wiederhergestellt. Im 18. Jahrhundert ordnete Friedrich V. von Dänemark, der zu dieser Zeit Landesherr von Holstein war, einen Neubau für das Rellinger Kirchspiel an.

     SH Rellingen Kirche web


1754 wurde die alte Kirche abgetragen und bis 1756 der Neubau unter Einbeziehung des Turmes errichtet. Als Architekt für die neue Kirche war der holsteinische Architekt Cay Dose verpflichtet worden. Dose war einer der führenden Baukünstler des Barock in der Region und hatte einige Jahre zuvor die Hauptkirche St. Trinitatis in Altona und die Kirche in Brande-Hörnerkirchen entworfen.

Mehr über die Geschichte der Kirche können Sie auf der Website lesen:

www.rellinger-kirche.de

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Einweihung
• AKTUELL: Die Gedenktafeln in der Kirche
Garnisonskirche bis 2010
Rendsburg – die Garnisonsstadt
Der Bildhauer Richard Kuöhl

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Rendsburg, Kreis Rendsburg-Eckernförde

Vor der Christkirche am Paradeplatz

Auf einem vierstufigen Sockel aus Backstein liegt der »Sterbende Soldat«, er hält seinen Stahlhelm im Arm. Er liegt dort in Kampfausrüstung: Uniformmantel, Stiefel, Koppel, Feldflasche und Stabhandgranate in der Wurfhand. Die Zahl 85 auf der Schulterklappe weist ihn als Mitglied des Regiments 85 aus. Das Denkmal aus Keramik von Richard Emil Kuöhl (1880 - 1961) wurde 1922 gefertigt und 1923 eingeweiht.

SH Rendsburg Wikimedia Commons Witz und Verstand web
Foto: Wikimedia Commons / Witz und Verstand


Der Sockel trägt die Inschriften:

1914 / 1918
Unseren Helden
Inf. Regt. Herzog von Holstein
(Holst.) Nr. 85

Später wurde darunter ergänzt:

und des
Traditionstruppenteils II. / I.  R. 46
1939 / 1945

SH Rendsburg ganz web

 

Auf der Rückseite:
Wanderer neig’ in Bescheidenheit
Dein Haupt vor dem Tode
und der Tapferkeit

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Das Signet von Richard Emil Kuöhl mit der Angabe des Entstehungsjahrs, daneben zwei Eichenblätter.

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Ebenfalls dokumentiert sind auf dieser Website Kuöhls Denkmäler in:

Schleswig-Holstein Neumünster

Hamburg Dammtor

Hamburg Langenhorn

Schleswig-Holstein Wilster

Hamburg Neuenfelde

Hamburg Finkenwerder

Hamburg Moorburg

Schleswig-Holstein Großhansdorf

Schleswig-Holstein Lübeck


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Die Einweihung

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• Damals führte ein Weg zum Denkmal: Weihe am 19. + 20. Mai 1923

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• Auch nach 1945 gab’s noch viel Lorbeer für den sterbenden Krieger

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Die Gedenktafeln in der Kirche

Gesine Gehl-Marzinzik hat sich zum 100. Jahrestag des Endes des 1. Weltkriegs ausführlich mit neun Gedenktafeln in der Christkirche auseinandergesetzt. Die Tafeln sollen die toten Soldaten der Schleswig-Holsteinischen Erhebung 1848 bis 1851 über die des Völkermords im damaligen Deutsch-Südwest-Afrika bis zu den toten Soldaten der Deutschen Wehrmacht im 2. Weltkrieg ehren. Gesine Gehl-Marzinziks Aufsatz wurde im Rendsburger Jahrbuch 2019, herausgegeben von der Gesellschaft für Rendsburger Stadt- und Kreisgeschichte, abgedruckt. Vielen Dank, dass wir ihren Aufsatz hier verlinken dürfen.

Gesine Gehl-Marzinzik, Rendsburger Jahrbuch 2019, S. 177 - 202


Gesine Gehl-Marzinik hat auch eine Kurzfassung ihres Aufsatzes erstellt zur Auslage in dewr Christkirche.

Infoblatt zu den Gedenktafeln

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Garnisonskirche bis 2010

Das Gebäude der Christkirche entstand 1695 bis 1700 im Zusammenhang mit der Erweiterung der Rendsburger Festungsanlage Neuwerk nach einem Entwurf von Hans van Steenwinckel. Die Ausführung wurde zunächst D. Vijfhuysen anvertraut, ab 1698 dem Architekten Dominicus Pelli. Die Kirche diente nach ihrer Einweihung im Jahr 1700 als Garnisonskirche für die Offiziere und Soldaten der damals dänischen Garnison. Ihren Namen verdankte sie neben Jesus Christus dem dänischen König Christian V., auf dessen Anordnung sie gebaut worden war. Die Christkirche war bis 2009 durchgehend Kirche für die hier stationierten Soldaten. An der Wand hängen die Gedenktafeln für die in den Kriegen getöteten Soldaten: bei der Schleswig-Holsteinischen Erhebung, im Deutsch-Französischen Krieg, beim Boxeraufstand in China, beim Herero-Aufstand in Afrika, im 1. Weltkrieg, im 2. Weltkrieg ... viele kriegsverherrlichende Sprüche sind darauf zu lesen.

Bis zur Auflösung der Rendsburger Garnison im Jahr 2010 ist die Christkirche regelmäßig für Gottesdienste der Militärseelsorge genutzt worden.

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Ein Beitrag in der Publikation »Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland« vom Frühling 2014 beschreibt die nötige Auseinandersetzung mit den »Unbequemen Denkmälern«. Ein Kommentar aus dem Gästebuch der Christkirche: »Ich sehe hier zu viel Ehre für Gefallene in sinnlosen Kriegen«.

Unbequeme Denkmäler 2014


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Rendsburg – Die GarnisonsstadT

Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges stand die Stadt von 1627 bis 1629 unter kaiserlich-deutscher Herrschaft. In den Jahren 1644 und 1645 wurde Rendsburg von schwedischen Truppen besetzt und wenig später erneut belagert. 1665 erhielt Rendsburg eine dauernde militärische Belegung und wird Garnisonsstadt.

350 Jahre lang war das Militär in der Stadt präsent. Die »Königl. Privilegierte Garnison-Apotheke« am Paradeplatz, der Garnisonfriedhof und die Arsenalstraße zeugen von der militärischen Geschichte.

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Foto: Wusel007 / Wikimedia Commons

• Der Gedenkstein auf dem Garnisonsfriedhof für die im 1. Weltkrieg getöteten Artilleristen trägt neben einem eisernen Kreuz und allerlei Kriegsgerät die Inschriften:
Den gefallenen Artilleristen des Kreises Rendsburg

Im umlaufenden verschlungenen Schmuckband steht:
Ultima Ratio Regis pro Gloria et Patria 1914–1918
Das letzte Mittel des Königs für Ruhm und Vaterland

Vor dem 1. Weltkrieg war Rendsburg die größte deutsche Garnison nach Metz.

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Später war das Korpshauptquartier der Nato für Schleswig-Holstein und Jütland in Rendsburg. Im Kalten Krieg waren die Hauptaufgaben des Korps die landseitige Verteidigung der Ostseezugänge sowie der nördlichen Grenze der Bundesrepublik Deutschland hin zur DDR in Schleswig-Holstein, also nördlich der Elbe. Die personelle Stärke betrug am Ende der 1990er Jahre etwa 40.000 Soldaten.

Rendsburg war seit der Gründung der Bundeswehr 1955 bis Ende 2009 eine Garnisonsstadt mit zwei Kasernen: Die im Stadtteil Neuwerk um die Jahrhundertwende 1900 erbaute Eiderkaserne und die im Norden gelegene Feldwebel-Schmid-Kaserne (bis 8. Mai 2000 »Rüdel-Kaserne«). Die Eiderkaserne wurde bereits Mitte 2008 geschlossen. Das in der Feldwebel-Schmid-Kaserne stationierte Ausbildungszentrum Heeresflugabwehrtruppe wurde Ende 2009 nach Munster verlegt und die Kaserne ebenfalls geschlossen.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 18. Oktober 2016

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Der Bildhauer Richard Kuöhl

Richard Emil Kuöhl wurde am 31. Mai 1880 in Meißen geboren. Seine handwerkliche Ausbildung als Kunsttöpfer erhielt er in einer der Modellfabriken dieses Zentrums keramischer Kunst. Nach dreijährigem Studium an der Dresdner Kunstgewerbeschule, wurde er als leitender Modelleur einer bauchemischen Versuchsanstalt mit den modernsten Techniken der Tonbearbeitung vertraut. 1912 folgte er seinem Dresdener Architekturprofessor Fritz Schumacher nach Hamburg. Dort arbeitete er in den 1920er und 1930er Jahren mit fast industriellem Ausstoß. Es entstanden Skulpturen in Stein, Keramik und Reliefs in Terrakotta. Er starb am 19. Mai 1961 in Rohlfshagen bei Bad Oldesloe.

Kriegerdenkmäler gehörten während der Weimarer Republik zu den häufigsten und begehrtesten Auftragswerken deutscher Bildhauer. Auch Kuöhl hatte bereits zahlreiche Kriegerdenkmäler ausgeführt, dabei war es ihm stets gelungen, die von nationalistisch und militärisch gesinnten Kreisen mit einem »Ehrenmal« beabsichtigte politische Aussage künstlerisch zu formulieren. »Nicht Jammer und Not, sondern Mannestat und Einsatzbereitschaft, das Heldische, Kraftvolle, das ein Mahnmal verkörpern muß, zeigen die »Ehrenmäler«, die er geschaffen hat ... immer wieder spricht ein trotziges ›Dennoch!‹ aus diesen Denkmälern.

»Neben idealisierten nackten Kriegern ... hatte er in kontinuierlicher Folge eine Darstellungsform des grobschlächtigen uniformierten deutschen Soldaten entwickelt, die den Vorstellungen der neuen Auftraggeber offenbar besonders entsprach: Im Mittelpunkt des Lübecker Ehrenfriedhofs, 1924, steht breitbeinig ein Infanterist, der den Helm zum Gebet abgenommen hat. Auf dem Klinkersockel des Regimentsdenkmals in Rendsburg, 1927, lagert ein sterbender Soldat, dem der Helm herabgesunken ist. Auf dem Klinkersockel des Kriegerdenkmals in Langenhorn, 1930, beugt ein Soldat mit abgenommenem Helm das Knie vor dem toten Kameraden.

Kuöhl war mit seiner Praxis als Bauplastiker und Mitarbeiter von Architekten, mit seiner praktischen Erfahrung als einsatzbereiter Gestalter von Soldatengrabmälern und Ehrenfriedhöfen an der Front, vor allen Dingen aber mit dieser Reihe von Soldatendarstellungen, die instinktsicher das trafen, was Kriegervereine und Rechtsparteien sich unter neuer deutscher Plastik vorstellen mochten, prädestiniert für weitere und größere Aufgaben dieser Art.«

Zitat aus Volker Plagemanns Buch »Vaterstadt, Vaterland, schütz Dich Gott mit starker Hand«, Hans Christians Verlag, 1986

Eine Autorengruppe um Roland Jäger veröffentlichte 1979 ein Buch über den »Kriegsklotz« hinterm Dammtorbahnhof in Hamburg (siehe auch Hamburg Dammtor), das wohl umstrittenste Denkmal Kuöhls. Hier können Sie zwei Seiten daraus lesen:

Jäger u.a. Kuöhl

Hamburg Dammtor

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Kurzfilme zu den Denkmälern

Seit ein paar Jahren existiert die Website www.denk-mal-gegen-krieg.de, auf der die Evangelische Akademie sich kritisch mit der bestehenden Erinnerungskultur auseinandersetzt. Die häufigsten Erinnerungsmale an die vergangenen Kriege sind Kriegerdenkmäler, auf denen der Soldatentod verklärt und die zivilen Opfer verschwiegen werden.

Aktuell produzieren wir kurze Videos und stellen diese in der kommenden Zeit jeweils donnerstags online. Den Film über die Denkmalsanlage in Rethwischdorf können Sie hier sehen: YouTube> , Einführung zur Filmreihe bei YouTube>

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I N H A L T
Das Denkmal
Volkstrauertag 2019
Die Geschichte
»Unsere Gefallenen«
Das Eiserne Kreuz
Die Adolf-Hitler-Eiche
Harry Maasz

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Rethwischdorf, Kreis Stormarn

Auf einem erhöhtem Platz am Dorfrand

Gegenüber vom Rethwischer Friedhof und der Autobahnkirche der BAB 1 befindet sich an der Straße Kirchberg das Denkmalgelände. Die Anlage ist nach einem Entwurf des damals bekannten Gartenarchitekten Harry Maasz verwirklicht worden. Der große, nahezu runde Platz ist heute von einem einfachen Holzzaun umgeben. Zur Einweihung am 5. Juni 1921 hatte der Rethwischer Militärverein die Kriegervereine der umliegenden Orte eingeladen, deren Mitglieder mit ihren Fahnen beim Denkmal Aufstellung nahmen. Der Platz hat sicher seitdem einigen Versammlungen, Aufmärschen, Feierlichkeiten etc. Raum geboten.

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Das Denkmal in der Mitte des Platzes ist den toten Soldaten beider Weltkriege gewidmet. Ringsherum stehen im weiten Kreis Bäume verschiedenen Alters, in der Mehrzahl sind es Eichen.

 

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Eine zehnstufige, unten breit auslaufende Steintreppe führt zum Denkmalsplatz. An den Seiten wird sie von niedrigen Mauern, aus Bruchsteinen wie die Stufen, begrenzt, die auf Straßenniveau in einer harmonischen Schneckenform enden. Diese wunderschöne Treppe würde jedem Aufgang in einem Schloßgarten zur Ehre gereichen. Entworfen hat die Anlage samt der Treppe Harry Maasz, er hat in dieser Zeit fast 40 Denkmalsplätze und »Ehrenhaine« für Städte und Gemeinden in Norddeutschland geplant. Als die Rethwischer neben den Gedenktafeln in der Kapelle auch einen Gedenkplatz unter freiem Himmel haben wollten, hatten sie ihn beauftragt.

 

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Am 5. Juni 1921 wurde das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten beider Weltkriege eingeweiht. Zentral besteht es aus einem klotzigen, mehrstufigen Turm mit quadratischer Grundfläche. Er ist mit bunten Bruchsteinen aufgemauert worden. In die hohen Mittelflächen aller vier Seiten sind schwarze Steintafeln eingelassen.

 

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Gekrönt ist das Bauwerk mit einem dreidimensionalen Eisernen Kreuz aus einem Stein.

 

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Der Turm ist auf zwei Seiten umgeben von einer Steinstufenanlage, jeweils begrenzt von einer niedrigen Mauer. So entstehen auf dem in der Höhe leicht ansteigendem Platz zwei Orte, die zum Beispiel von Rednern genutzt werden können.

 

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Die vier eingelassenen Marmortafeln sind gleichartig gestaltet: gleiches Maß, gleiches Material, gleiche Schrift. Die Steinplatten haben eine polierte schwarze Oberfläche, die herausgearbeiteten Flächen wirken hellgrau. Alle haben einen breiten schwarzen Rand.

 

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Die Frontplatte schmückt oben ein Eisernes Kreuz mit innen liegender heller Kontur. Dieses soldatische Ehrenzeichen wird umrahmt von gekreuzten Eichenzweigen. Eichenlaub ist ein militärisches Symbol für Treue und Standhaftigkeit. Damit ist das Motto klar: hier wird toter Soldaten gedacht. Unter dem Dekor bestätigt das die Widmung. Auf Mittelachse gesetzt steht dort:

Unseren Gefallenen
und Vermissten
1914 – 1918
1939 – 1945

Da die typografische Gestaltung auf Querlinien und geblockten Zeilen beruht, folgen nun zwei Linien – aussen bündig mit den Namenszeilen, innen mit den Jahreszahlen. Die nun über die vier Tafeln folgenden geblockten Zeilen werden zwischen den Namen mit verschieden langen Linien ausgeglichen.

Die erste Zeile beginnt mit den Jahreszahlen des 1. Weltkriegs. Es folgen die 43 Namen der toten Soldaten aus der Zeit von 1914 bis 1918, alphabetisch nach dem ersten Buchstaben des Nachnamens geordnet. Die Soldaten werden genannt ohne Dienstgrad oder Truppengattung, ohne Geburts- oder Sterbedatum. Das ist eher ungewöhnlich und erklärt sich vielleicht aus der Entstehungszeit der Tafeln. 1957 hat Architekt Dr. Moll die Entwürfe für eine Erweiterung des Denkmals nach dem 2. Weltkrieg vorgelegt. Er hat die bestehenden Tafeln zum 1. Weltkrieg nicht übernommen, sondern hat die zu nennenden toten Soldaten beider Weltkriege in seiner reduzierten Ästhetik vereinheitlicht.

 

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Auf der zweiten Tafel unten beginnen nun die Namensnennungen zum 2. Weltkrieg, es sind 77, wieder in alphabetischer Reihenfolge. Die Liste fängt an mit den Jahreszahlen des Krieges, dazwischen erneut das Ehrenzeichen eines Eisernen Kreuzes. Gleich als erstes fällt uns ein Frauenname auf, es sind auf der langen Liste insgesamt zwei. Da auch auf der Website der Gemeinde das Denkmal als »Gefallenendenkmal« bezeichnet wird, bleibt nur der Schluß, dass es sich bei den genannten Frauen etwa um Lazarettschwestern im Kriegsgeschehen gehandelt haben könnte. Es werden keine zivilen Opfer gewesen sein.

 

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Auch auf den beiden folgenden Tafeln beginnt die sich fortsetzende Namensliste mit einem Eisernen Kreuz zwischen den Jahreszahlen des Krieges.

 

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Wir haben das Denkmal nun einmal umrundet und blicken auf die letzte Tafel.

 

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Wir sehen am Ende der Liste eine schwarze Fläche aus der noch weitere Namen herausgemeißelt werden könnten. Der Name von Hans-Georg Hornsmann ist schon nachgetragen worden, er fällt aus der alphabetischen Abfolge heraus, die Farbe des Untergrundes hebt sich vom übrigen Grau ab. Warum sein Tod 1957 bei Erstellung der Tafeln noch nicht bekannt war, wissen wir nicht.

 

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In einiger Entfernung zum Denkmal steht ein Steinring für eine pflegeleichte Bepflanzung.

 

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Auf dem Rückweg zur Straße müssen wir eine ungewöhnliche Pforte aus massiven Metallrohr öffnen.

 

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Dann betreten wir noch einmal die kunstvolle Treppe.

 

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Ein Blick zurück: oben endet sie mit zwei gemauerten Pfeilern, die mit einem pyramidenförmigen Stein bedacht sind. Dann können wir auf dem großen Parkplatz rechts von der Treppe wieder in unser Auto steigen.

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Volkstrauertag 2019

»In stillem Gedenken« hat die Gemeinde Rethwisch einen Kranz am Denkmal niedergelegt. Die Farben der Schleife sind gehalten in den Farben der Bundesrepublik und des Landes Schleswig-Holstein.

 

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»Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. ›Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben‹ (Ralph Giordano, Die zweite Schuld).«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 29

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Die Geschichte

Der Denkmalsplatz: sehr gepflegt und ordentlich, exakte Wege, beschnittene Hecken, die Bäume stehen in Reih und Glied.

 

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Das Foto ist undatiert. Man sieht aber an den Tafeln, dass es nach der Erweiterung um die Toten des 2. Weltkriegs 1957 entstanden ist. Am 1. September 1957 erschien in den Lübecker Nachrichten ein kurzer Artikel: »Eine Erweiterung des bestehenden Ehrenmales für die Gefallenen von 1914/18 plant die Gemeinde Rethwisch. Architekt Dr. Moll hat bereits Entwürfe vorgelegt. Vorgesehen ist, das Ehrenmal, das an der Straße nach Treuholz auf einem kleinen Hügel einen hervorragenden Standort hat, durch Anbringen von Gedenktafeln für die Gefallenen des letzten Krieges zu erweitern.«

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Im Winter 1966


SH Rethwisch Christuskirche 1970

Einzug der Kirchenältesten, des Propstes Schwarz und der Pastoren zur Einweihung der Christuskirche und ihrer Widmung zur Autobahnkirche 1970. Im Hintergrung rechts liegt die Anlage des Kriegerdenkmals.


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Ca. 1980 ist dieses Foto entstanden. Von 1957 bis heute hat sich an dem Denkmal eigentlich nichts verändert.

Fotos zur Geschichte: Kreisarchiv Stormarn >internationale Lizenz 4.0

 

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»Unsere Gefallenen«

»›Gefallenendenkmal‹ verweist auf das Wort ›fallen‹, dem Wörter wie ›hinfallen‹ aber auch ›fällen‹ zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort ›fallen‹ seines Schreckens, im Wort ›fällen‹ verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort. [...] Die deutsche Sprache bevorzugt auch dafür einen schönfärbenden Ausdruck: ›im Felde gefallen‹ oder ›auf dem Felde der Ehre gefallen‹. Nicht auf ein ›Gefallenendenkmal‹ gehörten demnach alle, die beim Beschuss der Unterkunft, im Lazarett, auf dem Transport oder in Gefangenschaft ums Leben kamen.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S.22


»Die Entscheidung für Metaphern deutet darauf hin, dass das Grauen des Kriegstodes vom Denkmal verbannt werden sollte. An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort ›Gefallener‹ (oder ›gefallen‹) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.«

Ebd. S. 60/61


»Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: ›der Gefallenen‹. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung ›Gefallene‹ eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort ›fallen‹ verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der ›fiel‹, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort ›fallen‹, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.«

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S.100

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden.

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• »Fake News« anno 1914: Das Deutsche Reich hatte gerade das neutrale Belgien überfallen, damit die Truppen sich auf dem schnellsten Weg zum Erzfeind Frankreich begeben konnten.

Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


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• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017


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Die Adolf-Hitler-eiche

»1933 wurde mit einer offiziellen Zeremonie eine Adolf-Hitler-Eiche auf dem Dorfplatz gepflanzt (s. Foto). Auf dem Foto sieht man Heinrich Behnke, ... Schirrmacher hielt die Eiche, Pastor Harder, Julius Wendt, Willi Schulz (Bauer in Steenrade) in Uniform, Ernst und Hans Werner Böttger, sowie Hartwig Gäde. Herbert Hansen, mit weißen Kniestrümpfen, musste damals ein Gedicht aufsagen. Lehrer Kühl hielt eine Rede.
Am 8. Mai 1945, am Tag der deutschen Kapitulation, wurde die Eiche von Ernst Meier mit den Worten umgehauen: ›Du Aas kümmst af!«
Hartwig Gäde erzählt dazu: ›As ik ut de Gefangenschaft, ut den Krieg kam, da käm de ole Meier to mi hin un seggt: ›Soll ik di mal wiesen, wo diene Adolf Hitler Eiche is? Denn komm mal mit!‹
Da ist er dann mit mir in seinen Garten gegangen und zeigte auf einen Zaunpfahl. Die Eiche hatte er abgesägt und einen Zaunpfahl daraus zurechtgeschnitten. Der alte Meier war der SPD treu geblieben.«

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• Diese schöne Geschichte steht in der »Chronik der Landgemeinde Rethwisch« von Doris Moßner und Inga Rogga aus dem Jahr 2001.

»Die Eiche ist knorrig. So kann man sich auch die alten Germanen vorstellen, weniger die feinsinnigen Römer. Die Eiche ist überdauernd. Das wollten auch die Deutschen im Heiligen Römischen Reich. Die Eiche ist standfest. Treue, unerschütterliche Souveränität schrieben die deutschen Fürsten und Könige auf ihr Panier – und nach ihnen Adolf Hitler. Mit der Reichsgründung 1871 und dem Gefühl nationaler Einheit zog das Eichenlaub in die deutsche Symbolsprache ein. Auf deutschen Ehrenmalen, Kränzen, Hoheitszeichen, Orden und dergleichen diente es in ähnlicher Form wie Zweige des Lorbeerstrauches. Das Parteiabzeichen bzw. Parteisymbol der NSDAP hatte von 1920 bis 1945 einen Adler als Zeichen, der einen Eichenkranz in seinen Fängen hielt. Unerschütterlich ›wie die deutsche Eiche‹ und ähnliche Sprüche ließ die NS-Propaganda ab 1933 in Zeitungen veröffentlichen und über Lautsprecher verkünden. Da griff dann auch der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler zum Spaten und pflanzte Eichen. [...] Im deutschen Volk wurde Hitler nach seiner Ernennung zum Reichskanzler fast schlagartig mit der deutschen Eiche gleichgesetzt. Denn für ihn pflanzten fast alle Städte und Dörfer, Stadt- und Ortsteile ihre ›Hitler-Eichen‹ und manchmal auch Linden. Es müssen Zigtausende gewesen sein, die teils noch stehen und bekannt sind, meistens inzwischen vergessen, wenn sie nicht schon 1945 umgehauen wurden.«

• Wolf Stegemann, 20. Januar 2014 auf der Website >www.rothenburg-unterm-hakenkreuz.de


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Harry Maasz

Harry Maasz, geboren am 5. Januar 1880 in Cloppenburg, gestorben am 24. August 1946 in Lübeck, war von 1912 bis 1922 Leiter des Lübecker Gartenbauamts und bezeichnete sich selbst gerne als Gartenbaukünstler.

SH Harry Maasz web
Archiv für Architektur und Ingenieurbaukunst Schleswig-Holstein, Bestand Harry Maasz, Sign. 233 Fo
                  

»Sein früher Tod und Defizite in der Aufbereitung der Landschaftsarchitektur in der NS-Zeit mögen dazu beigetragen haben, dass seine nationalsozialistische Vergangenheit, die scheinbar im Gegensatz zu seinen künstlerischen Hauptwerken steht, bis heute nicht aufgearbeitet ist.«

www.historischegaerten.de


»Der Ehrenhain als besondere Form des Gedenkens und der Würdigung der im Krieg gefallenen Soldaten gewann erstmals zu Beginn des Ersten Weltkrieges an Bedeutung. Jedem Kriegstoten wurde das Recht auf ein eigenes Gedächtnismal zugesprochen. Das Preußische Innenministerium sah es als eine nationale Aufgabe an und veröffentlichte einen Erlass zur Förderung der Ehrenhaine. Dem Berufsstand des Landschaftsarchitekten kam die besondere Aufgabe zu, die Planung und Umsetzung von Gedächtnisstätten auszuführen. Harry Maasz (1880-1946) gehörte zu den wichtigsten norddeutschen Vertretern, die sich mit diesem Thema intensiv auseinandergesetzt haben. Insgesamt plante er fast 40 Anlagen zur Kriegerehrung. Neben Ehrenfriedhöfen und Ehrengrabstätten waren dies auch Kriegergedächtnisstätten und Ehrenmale, zum Teil ohne Gräber, da die Gefallenen und Vermissten in fremdem Boden fern der Heimat lagen.«

Gartendenkmalpflegerisches Gutachten der Landschaftsarchitektin Gudrun Lang, 2010 - 2011, Projekt »Ehrenhain« Bad Schwartau

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