TRADITIONEN WERDEN GEPFLEGT

Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein

»Die Auseinandersetzung mit den Denkmälern gehört zu unserer Erinnerungskultur. Dabei wird sichtbar, dass wir auch als Kirche lernen, die eigenen Verstrickungen in die Geschichte von Krieg und Gewalt kritisch zu beleuchten. Die Erinnerung ist notwendig, um in der Gegenwart Versöhnung zu leben und auch in Zukunft dem Frieden zu dienen.

Unter dem Motto: ›Erinnern – Erkennen – Gestalten‹ greift die Evangelische Akademie Hamburg einen Appell der Synode der Nordkirche auf, sich kritisch mit den vielen hundert Ehrenmalen im Lande auseinanderzusetzen.

Gerade die vielen öffentlichen Ehrenmäler zum ersten Weltkrieg zeigen den damals prägenden Einfluss nationalistischer und auch nationalsozialistischer Ideologie. Ehrenmale zum Zweiten Weltkrieg stehen nicht selten noch unter dem Einfluss der Formensprache jener Zeit.«

Gothard Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein


Die in den Dörfern und Städten Schleswig-Holsteins zahlreichen Kriegerdenkmäler sind oft im Zentrum des Ortes aufgebaut oder in eigene Grünanlagen integriert. Die häufig zu findenden Namenstafeln getöteter Soldaten, die der persönlichen Erinnerung dienen sollen, sind gleichwohl mit den verbreiteten Deutungen versehen: Verehrung der Soldaten als Helden, Verklärung ihres Todes als Opfer für König und Vaterland und Legitimation des Krieges bestimmen diese Denkmäler. Aufrufe zum Frieden und gegen Krieg finden sich eher selten. Soweit bekannt, werden diese Kriegerdenkmäler fast überall am Volkstrauertag für die traditionellen Rituale des Gedenkens genutzt. Einige sind weitgehend unbeachtet, zum Beispiel der überlebensgroße »Held« in Eckernförde und selbst Einheimischen nicht immer bekannt.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

Ein Klick auf den schwarzen Balken am Anfang der Denkmaldokumentation von

Ahrensburg   Bünningstedt   Hoisbüttel

öffnet die Berichte über die temporäre Kunstaktion der Evangelischen Akademie in Zusammenarbeit mit dem KunstHaus am Schüberg im Sommer 2014: »Kriegerdenkmäler – Stumme Zeugen ins Gespräch bringen«.

Fotos: Marlise Appel, Evangelische Akademie der Nordkirche, wenn nicht anders angegeben.

 


I N H A L T
Die Denkmalsanlage
Begriffsklärung
Volkstrauertag 2018
Der Stahlhelm
Der Psalm am Kirchenportal
Der Todesmarsch
Wegzeichen

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Curau, Kreis Ostholstein

Auf dem Kirchhof in Curau, einem Ortsteil der Gemeinde Stockelsdorf

Die Denkmalsanlage für die toten Soldaten beider Weltkriege steht auf dem höher gelegene Kirchhof mitten im Ort. Das Steinkreuz zum 2. Weltkrieg steht inmitten der weit auseinander gezogenen Anlage zum 1. Weltkrieg. Die einzelnen Teile sind durch eine einheitliche Pflasterung verbunden.

 

SH Curau beide web


Am Mäuerchen, das den Kirchhof umgibt, stehen zehn mit rötlich-bunten Feldsteinen gemauerte Obelisken, das sind frei stehende, rechteckige, spitz zulaufende Pfeiler. Hier sind sie mit weißen Fugen gemauert. Sie stehen für die zehn Dorfschaften im Kirchspiel Kurau (alte Schreibweise), die im 1. Weltkrieg tote Soldaten zu beklagen hatten. In der Mitte steht der größere, gerade gemauerte Turm mit gleichartiger Spitze. Er trägt die Widmungstafel.

 

SH Curau Tafel web


Die eingelassene Tafel ist wie ein Bilderrahmen gestaltet. Die Inschrift in einfacher serifenloser Schrift lautet:

Die zehn Dorfschaften
des Kirchspiels Kurau
errichten ihren im
Weltkriege 1914 – 1919 (!)
verbliebenen Helden
diese Ehrengedächtnis=
stätte.

 

SH Curau Helm web

Kunstvoll ragt das Bildsymbol aus Stahlhelm und Eichenlaub im Relief am unteren Ende über den Rahmen.


SH Curau 5Saeulen web


Weit zieht sich die Reihe der Obelisken um das Begrenzungsmäuerchen.

 

SH Curau gesamt web


Das Denkmal für die toten Soldaten ist ein zweiteiliges Steinkreuz aus rötlichem Granit. Auf der langen unteren Seite sind untereinander die Jahreszahlen des 2. Weltkriegs glatt herausgearbeitet worden.

1939   1940   1941   1942   1943   1944   1945

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Begriffsklärung

Fachleute definieren Begriffe, die auf der Denkmalstafel und den Kranzschleifen in Curau genannt werden: 

Ehrengedächtnisstätte, Helden: Ehren kann mehr bedeuten als nur jemanden in guter Erinnerung zu bewahren. Es kann die Absicht beinhalten, jemanden auszuzeichnen, also eine besondere Leistung, ein besonderes Verhalten, eine besondere Haltung hervorzuheben. Eine solche Form der Ehrung ist im zivilen Bereich mit der Verleihung von Ehrenbezeichnungen, Urkunden, Ehrenringen oder -plaketten oder auch Orden verbunden, im militärischen Bereich vor allem mit Orden [meist dem Eisernen Kreuz]. Das Kriegerdenkmal wird diesen Ordens- und Ehrenzeichen gleichsam zur Seite gestellt und posthum kollektiv verliehen. Grund der Auszeichnung ist die durch den Tod besiegelte besondere Treue oder Tapferkeit, Haltungen, die auch heute noch der Soldateneid einfordert. [...] Der Krieger mutiert zum Held, das Kriegerdenkmal zum Heldenehrenmal – und ist damit jeder kritischen Betrachtung entzogen. Der deutsche Soldat hat sich sui generis heldenhaft verhalten, so wenig wie er dürfen die Reichswehr oder die Wehrmacht in Zweifel gezogen werden. Die von Hindenburg am 18. November 1919 im parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Reichstags als Erklärung für die Niederlage des Ersten Weltkriegs vorgetragene »Dolchstoßlegende« oder die Proteste gegen die »Wehrmachtsausstellung« über von ihr begangene Verbrechen im Zweiten Weltkrieg sind Ausdruck der Bemühungen, sowohl die militärischen Institutionen wie auch die ihnen angehörenden Personen der geschichtlichen Realität und damit auch der Verantwortung zu entziehen.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 33


Diese Denkmäler sind vor allem in den 20er Jahren in zahlreichen Städten und Gemeinden errichtet worden. Sie bringen Deutungen des Kriegs und der deutschen Niederlage zum Ausdruck, die mit Heldenverehrung und religiöser Verklärung des Opfertodes für Kaiser, Vaterland und Gott sehr problematisch sind. Vielfach konnten diese Denkmäler in der Nazi-Zeit für die ideologische Einstimmung auf den 2.Weltkrieg genutzt werden. So sind sie zu stummen und gleichwohl immer noch präsenten Zeugen einer unheilvollen Geschichte und oft auch der kirchlichen Mitverantwortung geworden.
Spätestens seit der Friedensbewegung in den 80er Jahren besteht auch in der Kirche ein weitgehender Konsens darüber, dass die Botschaft dieser Denkmäler mit dem biblischen Friedensauftrag unvereinbar ist. Diese Unvereinbarkeit findet allerdings an den allermeisten Standorten keinen sichtbaren Ausdruck.

Pastor Ulrich Hentschel, Studienleiter für Erinnerungskultur i. R., Ev. Akademie der Nordkirche


Als wir etwas sehen konnten und Zeit zum Nachdenken hatten, wurde mir langsam klar, was für ein schreckliches Szenario sich hier abgespielt hatte. Wir dachten an Begriffe wie »Ehre« und »Ruhm«, die so viele Menschen in ihrer Unwissenheit mit dem Krieg in Verbindung bringen. Sie hätten die Decks der SMS »Broke« am 1. Juni 1916 um 4 Uhr morgens sehen sollen. Da hätten Sie gesehen, wie der „Ruhm« und die »Ehre« tatsächlich aussahen. Achtundvierzig unserer Männer waren gefallen und die meisten waren so zugerichtet, dass sie nicht mehr wiederzuerkennen waren. Weitere vierzig waren sehr schwer verwundet. Ungefähr fünf Stunden lang versuchten wir, alle unsere toten Kameraden zu finden, sie von dem halbzerstörten Mannschaftsdeck zu schleifen und ihre Leichen über Bord zu werfen, damit sie in der tiefen See ihre letzte Ruhe finden konnten. Das waren die »Ehre« und der »Ruhm«, die uns zuteilwurden. Es kommt einem vor wie ein Massenmord. Man fragt sich, wie die Menschen diese Kühnheit aufbringen konnten. Hätten wir nur einmal kurz überlegt, auf was wir uns da einlassen, wären wir niemals in den Krieg gezogen.

• Seeschlacht ohne Sieger: Skagerrag, Jütland 1916, Deutsches Marinemuseum Wilhelmshaven

Gedenken: Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. »Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.« [Giordano, Die zweite Schuld, S. 324].

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim,, S. 29

Gefallene: ... verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort.

• Ebd., S. 22


Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: »der Gefallenen«. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung »Gefallene« eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort »fallen« verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der »fiel«, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort »fallen«, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 100

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Volkstrauertag 2018

In Curau werden die Kränze mit den üblichen Schleifenwidmungen am Kreuz für den 2. Weltkrieg niedergelegt.

SH Curau Kranz Feuerwehr web


Von der Freiwilligen Feuerwehr: »Den gefallenen Kameraden zum Gedenken«.

SH Curau Kranz Kirche web


Eher ungewöhnlich ist die Widmung der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Curau: »Den Opfern und Gefallenen aller Gewaltherrschaften«.


Die »Opfer« gelten als solche von »Krieg und Gewaltherrschaft«. Nun war aber der Krieg, nun war die Wehrmacht, die ihn führte, zugleich ein Bestandteil dieser Gewaltherrschaft – sind die Angehörigen der Wehrmacht also Opfer ihrer selbst? Und war Roland Freisler, der 1945 in Berlin durch einen alliierten Luftangriff starb, ebenso ein Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wie die Widerstandskämpfer, die er zuvor als Präsident des Volksgerichtshofs an den Galgen geschickt hatte?
Soll diese unhistorische Gleichmacherei, welche die Unterschiede zwischen den Toten hinter dem Opferbegriff versteckt, nicht weitergeführt werden, dann muss sich das bundesdeutsche Totengedenken von diesem Begriff verabschieden. Was aber könnte an dessen Stelle treten? Denkmäler, so wird heute oft gefordert, sollten die paradoxe Botschaft ausdrücken, dass ihr Sinn gerade darin bestehe, keinen Sinn für den Tod bieten zu können.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018

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Der Stahlhelm

Neben dem militärischen Ehrenzeichen Eisernes Kreuz ist die Darstellung des Stahlhelms das meist gezeigte Symbol auf Kriegerdenkmälern. Wie kam es zu dieser Wirkmacht?

Die neuen Methoden der Artilleriekampfes im 1. Weltkrieg erforderten einen verbesserten Kopfschutz für die Soldaten. Der Lazarettarzt Professor August Bier (nach ihm ist z.B. eine Klinik in Malente benannt) beobachtete höchst gefährliche Granatsplitterverletzungen des Gehirns in erschreckender Häufigkeit und entwickelte darum zusammen mit dem Ingenieur Dr. Friedrich Schwerd den neuen Helm aus Stahl, der die bis dahin getragenen ledernen Pickelhauben ablöste. Die ersten 30.000 Helme wurden im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert.

Die Vorstellung von der stählernen Schutzwirkung wurde fortan auf Postkarten, Kriegsanleiheplakaten, Schmuckblättern usw. propagandistisch ausgeschlachtet und symbolisch überhöht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde dieser Symbolwert noch gesteigert.


     SH Kasseedorf Plakat Stahlhelm web

     Plakat von Ludwig Hohlwein zum 10. Reichsfrontsoldatentag 1929

Der Historiker Jürgen Kraus macht drei vorherrschende semantische Felder aus, die dem Stahlhelm in diesem propagandistischen Zusammenhang schon für die Zeit des Krieges zugeordnet werden können. Zum einen hoben die Kriegsanleiheplakate den einzelnen Soldaten aus dem »massenhaften Elend der Materialschlachten« heraus, der nun »gleichermaßen geschützt wie heroisiert durch den neuen Stahlhelm siegessicher als Heldenfigur auf den Plakaten erschien.« In seiner Funktion als Schutzhelm verwies er auf die Gefahren und den Tod auf dem Schlachtfeld und wurde von daher zum Symbol für die Front schlechthin. Viel stärker als die Pickelhaube, die nun endgültig als Symbol für das Militär abgelöst war, vermochte der Stahlhelm den veränderten Bedingungen des Krieges kurz vor dessen Ende auch symbolisch Rechnung zu tragen.

Ein zweites semantisches Feld ergab sich besonders in der zweiten Kriegshälfte aus »der Vorstellung der ›stählernen‹ Schutzwirkung des Stahlhelms«, die nahe legte, daß der so behelmte Soldat an der Front imstande war, dem permanenten Beschuß durch den übermächtigen Feind, dem ›Stahlgewitter‹, standzuhalten und damit ein Vorbild für den Durchhaltewillen an der Front und auch in der Heimat zu sein.

Das dritte semantische Feld folgt laut Kraus schließlich aus der großen formalen Ähnlichkeit des neuen Stahlhelms mit typischen Helmformen des Mittelalters. [...] Indem der Träger des Stahlhelms so in die Nähe der historischen Gestalt des Ritters »als Repräsentant des deutschen Heeres« gerückt wurde, was auf zahlreichen Plakaten der Zeit in vielfältiger Weise geschah, konnte er als überzeitlicher »Kämpfer für Deutschland« stilisiert werden, der »ganz wie seine Vorkämpfer über die Jahrhunderte hinweg Unheil von Deutschland abzuwehren bestimmt war.«

Aus Kriegsvolkskunde, Gottfried Korff (Hg.), Tübinger Vereinigung für Volkskunde e.V., 2005, S.130f

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Der Psalm Am KirchenPortal

     SH Curau Portal Genet WikimediaCommons web

      Foto: Genet / Wikimedia Commons

Die heutige Kirche von Curau ist ein Bau von 1828 – und die dritte Kirche an dem Standort. Im Dreiecksgiebel des klassizistischen Portals steht auf einer Marmortafel ein Bibelspruch aus dem Psalm 26,8:

Herr, ich hab lieb die Stätte Deines Hauses und den Ort da Deine Ehre wohnt

Die Bibel appelliert: »gebt unserm Gott allein die Ehre!«. Umso erstaunlicher, dass unmittelbar neben diesem Kirchenportal die Ehre von Kriegshelden beschworen wird – bis heute unkommentiert.

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Der Todesmarsch

Am 19. Januar 1945 begann im Auschwitz-Außenlager Fürstengrube in Oberschlesien die Evakuierung des Lagers, bedingt durch die herannahenden Truppen der Roten Armee. Fehlende Ernährung, Krankheiten, Erschöpfung, Misshandlungen und Morde forderten auf diesem Todesmarsch von Januar bis Mai 1945 mit mehreren Zwischenstationen zahlreiche Opfer.

Der Todesmarsch erfolgte unter Leitung des letzten Lagerleiters SS-Oberscharführer Max Schmidt aus Neuglasau bei Ahrensbök.

Vom Zeitpunkt der Evakuierung an befanden sich noch 1283 Gefangene, meist jüdischer Herkunft, in Fürstengrube. Davon wurden etwa 250 erschossen und die verbliebenen rund 1000 Gefangenen auf einen Todesmarsch nach Gleiwitz getrieben, dort in offenen Bahnwaggons deportiert und innerhalb von 14 Tagen über Mauthausen in Österreich nach Nordhausen am Harz in das KZ Mittelbau transportiert. Bei dem Transport erfroren viele Häftlinge, die unzureichend gekleidet, ungeschützt und geschwächt durch die Lagerhaft einer Witterung von minus 20° nicht mehr standhalten konnten. Die Toten, die während der Fahrt starben, wurden zum Teil bereits auf der Fahrt kurzerhand aus dem Zug geworfen. Ihre Leichen fand man entlang der Bahnschienen und bestattete sie auf den angrenzenden Friedhöfen.

Nach der Ankunft der wenigen Überlebenden dieses Transportes wurden die Häftlinge in der unterirdischen Waffenfabrik der Oda-Werke in Blankenburg eingesetzt, einem Außenlager des KZ Mittelbau, wo sie die so genannten V-Waffen V1 und V2 in Zwangsarbeit herstellen mussten.

Nach vier Wochen im KZ Mittelbau wurden 200 überlebende Häftlinge gesammelt und nach Magdeburg getrieben. Auf dem Weg dorthin traf die Kolonne auf eine Gruppe von 300 Häftlingen – mehrheitlich sowjetische Kriegsgefangene sowie Holländer, Franzosen und Belgier – die gemeinsam weitergetrieben wurden.

Die Häftlinge wurden am 9. April 1945 auf einen offenen Schleppkahn verladen und über die Elbe nach Lauenburg und den Elbe-Lübeck-Kanal nach Lübeck transportiert, wo sie am 12. April 1945 im Industriehafen Lübeck-Vorwerk eintrafen.

Von dem Industriehafen Lübeck-Vorwerk aus wurden die Häftlinge am 13. April 1945 17 km weit über Bad Schwartau (dort wurden 3 Menschen erschossen), Pohnsdorf, Curau (auf dem Weg dorthin wurden 20 Menschen erschossen) nach Ahrensbök getrieben, das sie am 14. April 1945 erreichten. Dort wurden die Häftlinge in zwei Gruppen geteilt. Die eine Gruppe wurde in eine vier Kilometer entfernte Feldscheune bei Siblin, die andere sechs Kilometer in eine Scheune bei Glasau/Sarau getrieben.

Die Häftlinge verblieben dort bis zum 30. April 1945. Während dieser Zeit wurden weitere Häftlinge erschossen. Die aus Westeuropa stammenden Häftlinge wurden Ende April vom Schwedischen Roten Kreuz unter Graf Folke Bernadotte gerettet, bekannt als die Rettungsaktion der Weißen Busse.

Anfang Mai mussten die Häftlinge über Süsel nach Neustadt in Holstein marschieren. In Süsel wurden am Abend des 1. Mai 1945 14 oder 15 Häftlinge in einer Scheune erschossen.

In Neustadt wurden die verbliebenen Häftlinge auf die Cap Arcona verschifft. Durch einen Angriff von Jagdbombern der Royal Air Force, der am 3. Mai 1945 zur Versenkung der Cap Arcona führte, kamen die meisten der 4600 Häftlinge, die sich zur Zeit des Angriffes auf dem Schiff befanden, um.

Die Toten sind auf dem Waldfriedhof der Gemeinde Timmendorfer Strand, auf dem Ehrenfriedhof Cap Arcona in Neustadt und auf dem Ehrenfriedhof für die Toten der Cap Arcona- und Thielbek-Katastrophe bei Haffkrug begraben.

Nach Wikipedia, abgerufen am 28. März 2019


Eine sehr gute Dokumentation mit vielen Fotos und Landkarten finden Sie auf der Website der Gedenkstätte Ahrensbök. Auf der Ausstellungsseite bis »Todesmarsch« scrollen.

Gedenkstätte Ahrensbök


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Wegzeichen

Seit dem 1. September 1999 markieren zwölf Stelen – frei und aufrecht stehende Platten aus Beton mit eingelassenen Tontafeln und Tonfiguren – die Wegstrecke, auf der im April 1945 etwa 500 Häftlinge aus den Konzentrationslagern Auschwitz-Fürstengrube und Mittelbau-Dora von Lübeck über Bad Schwartau, Pohnsdorf, Curau, Bokhof, Dunkelsdorf, Ahrensbök, Siblin, Sarau, Süsel bis nach Neustadt i.H. marschieren mussten, wo die meisten auf Häftlingsschiffen in der Lübecker Bucht während eines britischen Bombardements ihr Leben verloren.


                  SH Curau Stele Genet Wikimedia Commons web
                  Foto: Genet / Wikimedia Commons

• Die Erinnerungsstele in Curau: im Rosenfeld an der Straße nach Ahrensbök, Kreuzung nach Dissau/Malkendorf

Die Wegzeichen sind das Werk von 15 jungen Menschen aus Polen, Tschechien, Weißrussland und aus Deutschland. Während eines gemeinsamen internationalen Sommerlagers – initiiert von der Gruppe 33, einer Bürgerinitiative, die sich als Arbeitsgemeinschaft zur Zeitgeschichte in Ahrensbök organisiert hatte – und in Zusammenarbeit mit der international aktiven Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste – arbeiteten sie 14 Tage lang unter Anleitung des Berliner Künstlers Wolf Leo. Nicht an Schuld, so Leo, sollen die Stelen erinnern, sondern an die Verantwortung der Nachgeborenen.

Lesen Sie mehr auf der Website der Gedenkstätte Ahrensbök unter »Wegzeichen erinnern und mahnen«

Wegzeichen

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I N H A L T
Das Denkmal
Der Bibelspruch
Historische Fotos
»Gefallen«

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Dänischenhagen, Kreis Rendsburg-Eckernförde

An der Kirchenmauer direkt neben dem Eingang

Die Kirchentür sieht winzig aus neben der großen Denkmalswand, die sich über den Abstand von zwei der sechs Kirchenfenster spannt.

SH Daenischenhagen Christian Alexander Tietgen Wikimedia Commons web
Foto: Wikimedia Commons / Christian Alexander Tietgen


Das Denkmal an der Aussenwand der Kirche ist den toten Soldaten des 1. Weltkriegs gewidmet. Den toten Soldaten des 2. Weltkriegs wird in der »Ehrenhalle« in der Kirche gedacht.

 

SH Daenischhagen ganz web


Das Denkmal ist komplett aus Sandsteinplatten gearbeitet. Das schlichte Hochkreuz auf einem Sockel teilt die Wand in zwei Teile. Die Oberkante der Wand, symmetrisch an beiden Seiten, ist aussen an den Fensterbänken gerade und schwingt sich dann hoch zum Kreuz, wo sie in einer Schneckenform endet. An der Unterseite läuft ein dreidimensionales Strichband mit.

 

SH Daenischhagen oben web


Der Text in einer Frakturschrift oben im Bogen lautet in zwei Spalten rechts und links vom Kreuzbalken:

Die Kirchengemeinde / Dänischenhagen
ihren im Weltkriege / 1914-1918 Gefallenen

 

SH Daenischhagen Namen


Auf jeweils drei eingelassenen Tafeln werden die Vor- und Nachnamen der toten Soldaten aufgezählt. Sie sind nach Herkunftsgemeinde geordnet und darin alphabetisch nach Anfangsbuchstaben des Nachnamens.

Auf der linken Seite:
1. Dänischenhagen, 10 Tote; Alt-Bülk und Neu-Bülk, 8 Tote
2. Scharnhagen, 16 Tote; Rathmannsdorf, 3 Tote
3. Klausdorf, 12 Tote; Stohl, 6 Tote

Auf der rechten Seite:
Seekamp, 11 Tote; Schilksee, 6 Tote
Kaltenhof, 12 Tote; Uhlenhorst 4 Tote
Birkenmoor, 12 Tote; Eckhof, 6 Tote

Die Namen sind durch senkrecht oder waagerecht stehende Rauten getrennt.

Unter jeder Tafel ist ein annähernd würfelförmiger Kranzhalter eingelassen worden.

 

SH Daenischhagen Joh web


Am Sockel ist eine Tafel angebracht worden mit der Inschrift:

Ev. Joh. 15 V. 13 Niemand hat größere
Liebe als die, daß er sein Leben läßt
für seine Freunde,


Foto: Jochen Hilbert. Wir danken ihm herzlich für die Verbundenheit mit unserem Projekt, für Hinweise und Fotos.

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Der Bibelspruch

»Das Zitat aus dem Johannes-Evangelium gehört zu der Ansprache, die Jesus zum Abschied an seine Jünger richtet. Sie ist eine Botschaft der Liebe, die die Gemeinschaft begründet, zusammenhält und trägt. ›Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe. Eine größere Liebe hat niemand, als die, dass er sein Leben hingibt für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut; euch aber habe ich Freunde genannt, weil ich alles, was ich vom Vater hörte, euch kundgetan habe.‹ (Joh. 15. 12-15)

Jesus kennt seinen Auftrag und hat ihn angenommen. Ohne seinen Tod gibt es keine Erlösung. Sein Leiden und Sterben ist das Opfer, das für die Erlösung der Menschen gebracht werden muss. Einen größeren Beweis der Liebe zu den Menschen – den Freunden, die ihm in Liebe verbunden sind – gibt es nicht.

Der Kriegstod erfährt mit diesem Zitat eine Sinngebung, die ihn in den Rang eines Erlösungsopfers erhebt, die ihn als größtmöglichen Liebesbeweis wertet und als bewusste Entscheidung, als bereitwillige Hingabe ›für seine Freunde‹ darstellt. Die ›Freunde‹ haben durch ihn überlebt, sie sollen Trost darin finden, den Tod so zu sehen. Bei Jesus war der Weg zum Kreuz, zur Auferstehung und zur Himmelfahrt vorbestimmt und heilsnotwendig. Wer dies auf den Kriegstod überträgt, nimmt ihn als gottgegeben an, zu dem es keine Alternative gibt.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S.148


Der Kriegstod gottgegeben? Es ist kaum zu glauben, dass eine Kirchengemeinde diese Botschaft an der Kirchenmauer ertragen kann.

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Historische Fotos

Eine Blättergirlande umfängt das Denkmal und eine wahre Flut von Kränzen liegt davor.

 

SH Daenischenhagen Karte1 web


»Denkmal zu Ehren der im Weltkriege 1914/1918 Gefallenen in der Kirchengemeinde Dänischhagen« steht unter der Postkarte.

 

SH Daenischnhagen 1937 web


Eine Karte von 1937, der nächste Krieg dauert schon zwei Jahre. Die »Kriegerehrung« ist nun Ansporn für Soldaten der Deutschen Wehrmacht.

 

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»Gefallen«

»... verweist auf das Wort ›fallen‹, dem Wörter wie ›hinfallen‹ aber auch ›fällen‹ zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort ›fallen‹ seines Schreckens, im Wort ›fällen‹ verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort. [...]

An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort ›Gefallener‹ (oder ›gefallen‹) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 22 und 61


»Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: ›der Gefallenen‹. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung ›Gefallene‹ eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort ›fallen‹ verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der ›fiel‹, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort ›fallen‹, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.«

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 100


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I N H A L T
Die Denkmalsanlage
Die Inschriften
Historische Fotos
Der Militär-Verein Damp-Grünholz
Der Stein für die »Vertriebenen«
Die Richtung
Das Gedicht »Für uns!«
Der »Gefallenenkult«

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Damp, Kreis Rendsburg-Eckernförde

Am Rande eines Wäldchens

Umstanden von hohen Bäumen, im Waldgebiet Sör, liegt die Denkmalsanlage für die getöteten Soldaten des 1. und 2. Weltkriegs aus Damp und Grünholz, wie auf einer Waldlichtung. Der Militär-Verein Damp-Grünholz hat die Denkmalsanlage nach dem 1. Weltkrieg errichtet. Die damals gepflanzten Eichen sind mittlerweile große Bäume geworden.

SH Damp weiter web

Durch eine weiße Pforte betritt man die sehr gepflegte Anlage.

SH Damp Pforte web

Ein hölzernes Eisernes Kreuz schmückt sie.

SH Damp Anlage web

Der hinten abgerundete Kiesplatz wird aussen von vielen mittelgroßen Findlingen mit den Namen der toten und vermissten Soldaten des 2. Weltkriegs umstanden. In ihrer Mitte am Ende der Anlage der große Findling zum 1. Weltkrieg. Davor ein ovaler, abgegrenzter Rasenplatz mit dem Widmungsstein für den 2. Weltkrieg.

SH Damp beide web

Getrennt von dem dort schmalen Kiesplatz stehen hintereinander die beiden Steine. Optisch getrennt durch eine beschnittene Rhododendron-Hecke.

SH Damp 2WK web

Vorne das Kriegerdenkmal für die getöteten Soldaten des 2. Weltkrieg:

1939  (Relief)  1945

Sie gaben ihr alles • ihr Leben • ihr Blut
Sie gaben es hin mit heiligem Mut
+  Für Uns  +

Der breite Findling hat eine abgeflachte Frontseite, aus der die Inschrift und ein Schmuckrelief, bestehend aus einem Eisernen Kreuz, Eichenblättern und Eicheln, herausgearbeitet worden sind. Hier steht nicht die Trauer im Vordergrund vielmehr wird der Tod im Krieg in einen Zusammenhang gestellt, der ihn zu einem nicht zu hinterfragenden Opfer macht.

Das Gedicht, aus dem die Zeilen der Inschrift stammen: siehe weiter unten.

     SH Damp 1WK web

Dahinter der hohe Findling zum 1. Weltkrieg. Die Namen der getöteten Soldaten mit abgekürzten Vornamen sind geordnet nach Heimatgemeinde: Damp und Grünholz. Insgesamt werden in zwei Spalten 38 Namen genannt.

SH Damp 1WK Reliefs web

Zu den Metallreliefs eines Eisernen Kreuzes mit Krone, »W« und Jahresangabe 1914 und von zwei gekreutzten Eichenlaubzweigen, die mit einer verspielten Schleife verbunden werden, die Inschrift:

1914    1918
Es fielen fürs Vaterland

Im Halbrund rechts und links vom großen Findling sind mittelgroße Steine aufgestellt, die jeweils unter einem schwarzen Eisernen Kreurz die Namen, Geburts- und Sterbedatum von Soldaten des 2. Weltkriegs nennen, geordnet nach Einsatzländern. Es sind 62 Männer, die getötet oder vermisst wurden.

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Die Inschriften

Obwohl der Erste Weltkrieg so ungleich viel mehr Menschenleben forderte und der Krieg verloren wurde, interpretierten die Stifter in den Inschriften fast aller Kriegerdenkmäer den Kriegstod als sinnvoll. Das anonyme Massensterben wurde ignoriert, stattdessen heroisierte man die Soldaten und stilisierte ihr Schicksal ...

Wenn in den Inschriften explizit erwähnt wird, für was die Soldaten gestorben sind, ist es in den häufigsten Fällen das »Vaterland«. Die Verwendung dieses Begriffes war nach dem Ersten Weltkrieg meist mit einer nationalistischen Haltung verbunden: das deutsche Vaterland, mit dem die eigene Identität untrennbar verknüpft ist, und nur das deutsche Vaterland stellt höchsten Wert dar. Dass dieses »Vaterland« aus dem Streben nach europäischer Vormachtstellung mit im wahrsten Sinne Feuereifer in den Ersten Weltkrieg eingetreten ist, die Soldaten also in Wahrheit für einen Staat starben, der mittels ihrer Hilfe und ohne Rücksicht die eigenen Machtinteressen verfolgte, wird ausgeblendet. Nach der Niederlage, die im Nachhinein durch die so genannte »Dolchstoßlegende« von vielen Deutschen bereitwillig uminterpretiert wurde, und dem Versailler Vertrag entwickelte sich zu Beginn der 1920er Jahre in vielen Köpfen eine Trotz-Haltung, ein »Jetzt erst recht«-Gedanke, der Kritik an der deutschen Kriegspolitik nicht zuließ.

Die »Dolchstoßlegende« ist eine Verschwörungstheorie der damaligen politisch Rechten, die 1919 von Feldmarschall Paul von Hindenburg, der unfähig war, sich das eigene Versagen bei der Kriegsführung im Ersten Weltkrieg einzugestehen, zusätzlich genährt wurde. Sie besagt, dass das deutsche Heer »im Felde unbesiegt« war, aber die Heimat ihm durch die Agitationen der politischen Linken und die Revolution 1918 in den Rücken gefallen sei. Diese Theorie entbehrt jeder berechtigten historischen Grundlage, sie stieß jedoch bei vielen Deutschen auf offene Ohren und trug, von den Nationalsozialisten bereitwillig aufgegriffen, schließlich auch zum Scheitern der Weimarer Republik bei. (Vgl. Helmut M. Müller, Schlaglichter der deutschen Geschichte. Bonn 2002.)

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

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Historische Fotos

SH Damp 1963 web

Die Anlage im Jahr 1963. Die Bäume sind seitdem gewachsen, aber sonst hat sich nicht viel verändert.

SH Damp Chronik1994 web

Ein Foto aus der Chronik Damp von Kurt Voigt und Karl Seemann, 1994

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Der Militär-Verein Damp-Grünholz

Zitiert aus der Chronik Damp von Kurt Voigt und Karl Seemann, herausgegeben im Jahr 1994:

»In einer sehr national gesinnten Zeit fand die Gründung dieses Vereins statt. Es war der 22.01.1895, an dem Kriegsteilnehmer und Gediente sich zusammenfanden. Pflege der Kameradschaft und der soldatischen Traditionen waren Ziel und Verpflichtung.

Die Genehmigung zum Führen einer Traditionsfahne wurde von der Regierung am 22.02.1899 erteilt. Diese Fahne, die alten Kameraden auf ihrem letzten Weg vorangetragen oder bei fröhlichen Festen gezeigt wurde, hat die Wirren der Kapitulation nach dem 2. Weltkrieg nicht überstanden. Man vermutet, daß sie einem Kameraden mit ins Grab gegeben worden ist.

Bei der Gründung des obigen Vereins bestand ebenfalls ein Kampfgenossenverein, der am 01. März 1870 gegründet, noch aktiv war. Dessen Ursprung ist in der Zeit 1848/49 – 1850 zu suchen. Er hatte Bestand bis nach dem 1. Weltkrieg, wie ein Nachruf und eine Danksagung beweisen.

Die [in] Abständen abgehaltene[n] Versammlungen hatten die Absicht, die patriotische Grundhaltung der Mitglieder zu festigen. Sie fand auch ihren Ausdruck in großer Teilnahme beim letzten Erdenweg der Kriegsveteranen mit den damals üblichen Schüssen übers Grab. Die dafür erforderlichen Waffen waren vom Kriegsministerium per Erlaß vom 16. April 1909 zur käuflichen Ablassung von Gewehren Modell 71/84 an den Militärverein Damp-Grünholz erwirkt worden.

Ein zünftiger Abschiedstrunk für den alten Kameraden, der meist selbst eine Summe für diesen Zweck bereitgestellt hatte, war dem letzten Gedenken gewidmet.

Der Militärverein war es, der das Ehrenmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges in der Dorfmitte von Vogelsang-Grünholz errichtet hat. Die damals gepflanzten Eichen sind inzwischen stattliche Bäume geworden.

Die soziale Seite dieser Kriegervereine zeigte sich in Sammlungen für in Not geratene Frauen und Kinder. Der Kyffhäuserbund, gegründet 1900, verstand sich als Dachorganisation dieser Traditionsvereine. Er wurde im 3. Reich durch den N.S.-Reichskriegerbund ersetzt.

Nach begrenztem Verbot durch die britische Militärregierung ist dieser Bund unter anderer Zielsetzung in Nachbargemeinden wieder erstanden. In unserer Gemeinde ist er nicht wieder aufgelebt.«

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Der Stein für die »Vertriebenen«

Im Halbrund der kleineren Findlinge liegt auch der Stein für die Vertriebenen. Unter einem gravierten Eisernen Kreuz steht die Widmung:

Allen denen
die vertrieben von Heimat u.
Hof erleiden mussten den Tod
in Deutschlands grösster Not!

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Auf der Website des Bundes der Vertriebenen gibt es Zusammenstellungen der Gedenksteine für die einzelnen Bundesländer.

Gedenksteine Schleswig-Holstein


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Die Richtung

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Das Gedicht »Für uns!« 

Bei einer Schulfeier für den als Soldat im Osten getöteten Lehrer eines Charlottenburger Gymnasiums wurde dieses Gedicht des Obertertianer Reinhold Samuelsohn vorgetragen. Die Zeilen der Inschrift auf dem Stein zum 2. Weltkrieg stammen aus diesem Gedicht. Es wurde damals z. B. abgedruckt in: Alte und neue Kriegslieder für den Schulgebrauch (1917)

SH Damp Gedicht web

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Der »Gefallenenkult«

In Deutschland war die Trauer um die getöteten Soldaten gleichzeitig verbunden mit der Erinnerung an eine Niederlage.

Das Kriegserlebnis wurde zu einem Mythos geformt, der das Sinnhafte des Kampfes und der Opfer hervorheben sollte:

»Die Erinnerung an den Krieg wurde zu einem heiligen Erlebnis umgedeutet, das der Nation eine neue Tiefe der religiösen Empfindung gab und überall präsente Heilige und Märtyrer, Stätten nationaler Andacht und ein zum Nacheifern aufforderndes Erbe lieferte.« (Mosse, 13) Der Gefallenenkult wurde zu einem zentralen Bestandteil nationaler Selbstdarstellung und entwickelte besonders in Deutschland eine gewaltige politische Wirkung.

Das Ideal der Kameradschaft wurde auf die ganze Nation ausgedehnt. Die Gedächtnisfeiern an den Ehrenmälern auf öffentlichen Plätzen betonten den Vorbildcharakter der Gemeinschaft der Frontsoldaten. Im besiegten Deutschland wurde die »Volksgemeinschaft«, aus der heraus die Nation zu neuer Stärke erwachen sollte, zum Vermächtnis, das die Gefallenen den Überlebenden hinterlassen hatten.

Die allerorts errichteten Denkmäler trugen dazu bei, diesen Sinn, der dem Soldatentod beigelegt wurde, in die Öffentlichkeit zu tragen und im Bewusstsein zu erhalten.

Die von den Nationalsozialisten angestrebte Volksgemeinschaft ist ohne das idealisierte Vorbild der Frontkameradschaft des Ersten Weltkriegs nicht vorstellbar. Der Gefallenenkult erlebte im nationalsozialistischen Deutschland dann auch seine äußerste Steigerung.

Christian Lopau, 2017, Vortrag im Ratzeburger Dom im Begleitprogramm der Wanderausstellung der Nordkirche »Neue Anfänge nach 1945?«

www.nordkirche-nach45.de

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I N H A L T
Die Denkmäler
Die Symbolik
Die Geschichte
Bildhauer Ludwig Isenbeck
Der Stahlhelm
Antikisierte Kämpfer
Infanterie-Regiment Nr.163
»Die Uhr«, Ballade von Carl Löwe

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Eckernförde, Kreis Rendsburg-Eckernförde

Auf dem Gelände der Preußer-Kaserne, Flensburger Str. 61-65

Fregattenkapitän Arne Björn Krüger, vom 1. April 2014 bis 29. September 2016 Kommandeur des Seebataillons, hat das Soldatendenkmal, das 1922 in Neumünster am Kuhberg vor dem alten Courier-Haus aufgestellt worden war, nach einigen vorher erfolgten Umzügen nach Eckernförde geholt.

SH Eckernfoerde Seebataillon 3 weit web


Mit einem weiteren Findlingsstein für die Toten beider Weltkriege und dem neuen Gedenkstein für Bundeswehrsoldaten ist auf seine Initiative hin eine Gedenkanlage auf dem Kasernengelände entstanden. Es ist nicht öffentlich zugänglich.

SH Eckernfoerde Seebataillon Sockel web


Die etwas laienhaft aufgemalten Symbole und die Inschrift auf dem Sockel sind schwarz. Die Inschrift, unter einem Eisernen Kreuz in Kontur, lautet:

SEINEN IM WELTKRIEGE 1914-18
GEBLIEBENEN 2693 KAMERADEN

DAS SCHLESWIG-HOLSTEINISCHE
INFANTERIE-REGIMENT NR. 163

Zwischen den Textblöcken wölbt sich ein Zweig mit drei Eichblattpaaren.

Die ursprünglichen Texttafeln auf mehreren Seiten des Sockels (siehe historische Aufnahmen weiter unten) sind nicht erhalten.

 

SH Eckernfoerde Seebataillon Kopf frontal web


Der Berliner Bildhauer Ludwig Isenbeck hat den »trauernden Soldaten« geschaffen. Fast nackt, aber mit Stahlhelm auf dem geneigten Kopf steht er auf seinem Podest.

 

     SH Eckernfoerde Seebataillon Gewand web


Ein fast nicht zu erkennender Gürtel – vielleicht ist es aber auch das Bündchen einer kurzen Hose? – jedenfalls fällt von der Taille des Soldaten ein schleierartiges Gewebe in Falten zwischen seinen Beinen bis zu den Füßen und bedeckt so entscheidende Teile, ohne ihm die Nacktheit eines antiken Helden zu nehmen. Die linke Hand des Soldaten liegt zur Faust geballt auf der Hüfte, die rechte hält einen Eichenkranz.

 

SH Eckernfoerde Seebataillon seitlich web


Von der Seite sehen wir, dass die statisch heikle Haltung des Soldaten mit linkem Standbein und rechtem angewinkelten Bein vom Bildhauer mit einer Steinplatte von hinten abgesichert wurde.

 

SH Eckernfoerde Seebataillon Kopf


Der zeitgenössisch korrekt dargestellte Stahlhelm, der so gar nicht zu einem nackten Mann passen will, von der Seite. Die neuen Waffensysteme hatten während des 1. Weltkriegs die Entwicklung eines effektiveren Kopfschutzes erfordert. Die ersten Stahlhelme wurden jedoch erst im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert. Der nackte Soldat trägt also eine brandneue Erfindung auf dem Kopf.

 

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Eine kräftige Hand hält den Kranz aus Eichenlaub.

»Die Eiche beziehungsweise das Eichenlaub setzen im Denkmal einen deutsch-nationalen Akzent. Die Eiche galt seit dem 18. Jahrhundert als heldisch-deutsches Symbol und assoziiert als ›deutsche Eiche‹ darüber hinaus urwüchsige Stärke und mythologische Vergangenheit.«

Reinhard Alings, Monument und Nation, Berlin 1996, S. 525

 

     SH Eckernfoerde Seebataillon Ruecken web


Auch von hinten ein muskulöser Körper.

 

SH Eckernfoerde Seebataillon Sockel hinten web


Des Signum des Schleswig-Holsteinischen Infanterie-Regiments Nr. 163 mit der preußischen Königskrone.
 

SH Eckernfoerde Seebataillon WKs web


Der kantige Findling ist ein Gedenkstein, der aus Boostedt zum Kasernengelände in Eckerförde gebracht worden ist. Wo er in Boostedt stand, ob es die originale Aufschrift ist, wissen wir nicht. In metallenen Buchstaben, etwas schief und krumm angebracht, steht dort die Widmung:

Den Toten
der
beiden Weltkriege
zum
Gedenken

»Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. ›Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.‹ [Giordano, Die zweite Schuld, S. 324]«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 29


Der Traditionserlass der Bundeswehr aus dem Jahr 2018 erkennt an: »Die Wehrmacht diente dem nationalsozialistischen Unrechtsregime und war in dessen Verbrechen schuldhaft verstrickt.«

 

SH Eckernfoerde Seebataillon BW web


Auf der anderen Seite steht der aktuelle Stein für die Bundeswehr:

Den Toten
unserer
Bundeswehr
in ehrendem
Gedenken

Die zarten schwarzen Metallbuchstaben sind mit Abstand an dem in etwa rechteckigen Stein befestigt. Bei Sonne werfen sie einen Schatten auf den rauhen Untergrund.

Keiner Ärztin im Krisengebiet, keinem Kriegsreporter, keinem zivilen Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft würde nach ihrem Tod ehrend gedacht. Das ehrende Gedenken scheint dem Soldatentod vorbehalten zu sein. Auf Denkmälern wie diesem wird es posthum kollektiv erteilt, obwohl wir wissen, dass Soldaten auch Täter gewesen sein können. Hartmut Häger schreibt dazu in seinem Buch »Kriegstotengedenken in Hildesheim« auf Seite 33:

»Das verehrungswürdige Sujet verträgt keine Beschädigung, keine Beschmutzung [...] und ist damit jeder kritischen Betrachtung entzogen. Der deutsche Soldat hat sich sui generis heldenhaft verhalten, so wenig wie er dürfen die Reichswehr oder die Wehrmacht in Zweifel gezogen werden. Die von Hindenburg am 18. November 1919 im parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Reichstags als Erklärung für die Niederlage des Ersten Weltkriegs vorgetragene ›Dolchstoßlegende‹ oder die Proteste gegen die ›Wehrmachtsausstellung‹ über von ihr begangene Verbrechen im Zweiten Weltkrieg sind Ausdruck der Bemühungen, sowohl die militärischen Institutionen wie auch die ihnen angehörenden Personen der geschichtlichen Realität und damit auch der Verantwortung zu entziehen.«

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Die Symbolik

Die Rachefaust
Auf den Krieg einstimmen, den nächsten Krieg androhen sollte in deutschen Kriegs- wie Nachkriegszeiten bis 1945 die männliche Faust.

»Nicht Schmerz allein künden die starren Züge, da ist noch etwas anderes, da ist mehr als Leiden und Trauer, da ist finstere, aber heilig-feste Entschlossenheit, und die Faust, die sich dort auf dem Schenkel ballt, sie spricht vom stolzen Willen, durchzuhalten, bis dies Herz wieder frei, die Schultern stark geworden sind, um die Bergeslast, die ein hartes Schicksal darüber getürmt hat, in gewaltigem Schwung abzuwälzen.«
Festschrift »Die Denkmals-Einweihung«, Berlin 1924

»Das ist der 82er, der schon den Schmerz, den Groll und den Zorn der unverdienten und unerwarteten Niederlage in sich trägt – die helmbeschatteten Augen, das hagere Gesicht, sie reden deutlich davon – und dem trotz allem oder gerade darum ein unbezwingliches Dennoch auf den trotzigen Lippen liegt, tatengewillt bekräftigt durch die zur Faust geballte Linke.«
Denkmalseinweihung in Göttingen, 23. August 1925

»Die linke Hand umkrampft das bei Fuß gehaltene Gewehr, die rechte hängt geballt herab [...] Der fest geschlossene Mund gräbt zugleich Schmerz und Trauer und unbeugsamen Willen in das hagere Antlitz. Unter dem Stahlhelm hervor blicken Augen voll Sehnsucht und Erwartung auf ein fernes Ziel. Das Standbild ist Symbol des geschlagenen, aber nicht besiegten Volkes, das einer größeren Zukunft entgegenharrt.«
Bergisch-Märkische Zeitung, 1. Juni 1931

Die Zitate sind Loretana de Liberos Buch »Rache und Triumph«, De Gruyter Oldenbourg, 2014 entnommen


Der Eichenkranz
Die Eiche zählt schon lange als »deutscher« Baum. Ihr hartes Holz und das charakteristische, spät fallende Laub machten sie seit der Zeit der Germanen zum Symbol für Unsterblichkeit und Standhaftigkeit. In jüngerer Zeit, besonders seit der Romantik, gilt die Eiche zudem als Symbol der Treue.

Aus diesem Grund findet man Eichenlaub oft auf Orden, Symbolen und Münzen, so beispielsweise als Erweiterung des Ordens Pour le Mérite sowie auf dem Eisernen Kreuz. Während des Zweiten Weltkrieges gab es zudem das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub.

Nach Wikipedia, abgerufen am 12. November 2019

»Mit der Reichsgründung 1871 und dem Gefühl nationaler Einheit zog das Eichenlaub in die deutsche Symbolsprache ein. Auf deutschen Ehrenmalen, Kränzen, Hoheitszeichen, Orden und dergleichen diente es in ähnlicher Form wie Zweige des Lorbeerstrauches. Das Parteiabzeichen bzw. Parteisymbol der NSDAP hatte von 1920 bis 1945 einen Adler als Zeichen, der einen Eichenkranz in seinen Fängen hielt. Unerschütterlich ›wie die deutsche Eiche‹ und ähnliche Sprüche ließ die NS-Propaganda ab 1933 in Zeitungen veröffentlichen und über Lautsprecher verkünden. Da griff dann auch der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler zum Spaten und pflanzte Eichen. [...] Im deutschen Volk wurde Hitler nach seiner Ernennung zum Reichskanzler fast schlagartig mit der deutschen Eiche gleichgesetzt. Denn für ihn pflanzten fast alle Städte und Dörfer, Stadt- und Ortsteile ihre ›Hitler-Eichen‹.«

Wolf Stegemann, www.rothenburg-unterm-hakenkreuz.de

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NS-Symbol von 1935–1945: Reichsadler mit dem Hakenkreuz im Eichenlaubkranz

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Die Geschichte

Nach Regimentsappell, Gedenkfeier, Feldgottesdienst und dem Festmarsch begann am Sonntag, den 21. Mai 1922 die Einweihung des Soldatendenkmals. Mit Baldachin geschmückt, mit vielen Fahnen und hunderten Neumünsteranern drumherum stand es auf dem Kuhberg, am Gänsemarkt vor dem alten Courier-Haus. Im Lauf seiner Geschichte sollte »der Soldat« mehrere Male – bis 2020 sechs Mal – seinen Standort wechseln.

SH Eckernfoerde Seebataillon Einweihung web
Foto: Postel


Oberst a.D. Sick hielt die Weiherede für das Denkmal des Schleswig-Holsteinischen Infanterie-Regiments Nr.163. Die Zeremonie endete mit einer Kranzniederlegung und einem Zapfenstreich. Danach gab es ein Konzert im Tivoli mit Musikprogramm, in bunter Folge der 163er-Marsch, die Ouverture vom »Tannhäuser«, die Ballade »Die Uhr« von Carl Löwe, Motive a. d. Musikdrama »Walküre« von Richard Wagner, danach »Rosen aus dem Süden« ein Walzer von Johann Strauß und zum Schluß der »Schleswig-Holstein«-Marsch.

Beim Begrüßungsabend, einen Tag zuvor, hatte »Herr Kamerad Reimers - Kiel einige Lichtbilder aus dem Leben des Regiments im Felde« gezeigt.


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»Der Soldat« im Jahr 1934 vor dem alten Courier-Haus.

 

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SH Neumuenster Karte am Teich web


Immer noch der erste Standort am Gänsemarkt nahe des Teichs und der Kieler Brücke.

 

SH Neumuenster Karte hoch web2         


Viele, leider nicht lesbare, Zeilen an den Seiten des Sockels und Blumen zu Füßen des »Soldaten«.

 

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Das Denkmal hat einen erhöhten Platz erhalten. Die Umrandung ist aus klotzigen Steinen gemauert, drei Steinstufen führen hinauf.

 

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In der Nazizeit – auf der rechten Bildseite sieht man die Hakenkreuzfahne – hieß der Denkmalsplatz »Martin-Martens-Platz«.


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»Durch die Ermordung des Bordesholmer SS-Manns Martin Martens erreichten die gewalttätigen Zusammenstöße 1931 ihren vorläufigen Höhepunkt. Während einer Auseinandersetzung zwischen Kommunisten, die von den Nazis als ›Rotfront‹ bezeichnet wurden, und SS/SA wurde Martens auf dem Gänsemarkt erschossen und weitere Personen verletzt. [...] Nach der Machtübernahme benannten die Nationalsozialisten den Gänsemarkt in ›Martin-Martens-Platz‹ um und organisierten dort zahlreiche Veranstaltungen für den ›Märtyrer der Bewegung‹.«

Foto und Text von www.spurensuche-neumuenster.de

 

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1955 wurde die Kieler Brücke an der Europastraße 3 erweitert und der »Soldat« musste das erste Mal umziehen und zwar in den »Rencks Park« am Schwaleufer in Neumünsters Innenstadt. Ab 1978 wurde er dort immer wieder bemalt und beschädigt, es war die Zeit der Proteste gegen den Nato-Doppelbeschluß. Auf den Sockel wurde »Helden raus« und das Anarcho-Zeichen gesprüht, Teile wurden abgeschlagen.

Als es 1987 wegen Baufälligkeit abgerissen werden sollte, schlug Oberst Ehrenfried Boege vor, den »Soldaten« der Bundeswehr zu übergeben. So wurde das Denkmal am 6. Juli 1989 nach einer Restaurierung im Garten des Offiziersheim der Sick-Kaserne erneut eingeweiht.

Die Sick-Kaserne wurde 1994 geschlossen und der »Soldat« wanderte in die Hindenburg-Kaserne. Dort stand er von 1994 - 2003, bis zum endgültigen »Aus« Neumünsters als Garnisonsstadt. 

SH Eckernfoerde Transport2 Foto Krueger
Foto: Krüger


Der nächste Umzug brachte ihn nach Boostedt. Stabsfeldwebel Bernd Delfs (im Foto links) war der letzte Soldat der Hindenburg-Kaserne, er überwachte den Transport. Der »Soldat« stand in Boostedt vor dem Stabsgebäude der Rantzau-Kaserne. Von dort zog er 2008 auf kurzem Weg weiter in eine Gedenkanlage auf dem Kasernengelände.

Nach der Auflösung der Rantzau-Kaserne ging der »Soldat« auf seine vorerst letzte Reise. Im Juni 2015 zog er in die Preußer-Kaserne der Marine in Eckernförde. Der damalige Kommandeur des Seebataillons, Fregattenkapitän Arne Björn Krüger, sagte dazu: »Das Ehrenmal steht repräsentativ in unserer Kaserne und wird durch uns gepflegt und gehegt.«


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Foto: Peters


Aus statischen Gründen stand der Soldat nach dem Umzug zuerst nicht auf seinem Sockel. Erst nach einer weiteren Restaurierung wurde die Denkmalsanlage in den heutigen Zustand versetzt.

Rolf Postel, ehemaliger Leiter der Truppenverwaltung bei der Panzerbrigade 18 und Autor zahlreicher Beiträge zur Militärgeschichte, möchte den »Soldaten« nach Neumünster zurückholen. Vielleicht kein gutes Signal in der heutigen Zeit.


Mehr Informationen im Newsportal für Schleswig-Holstein, shz.de:

2011: Neumünsters vergessene Kunstwerke

2015: Der steinerne Soldat musste erneut umziehen

 

Im April 2016 verabschiedete der Schul-, Kultur- und Sportausschuss in Eckernförde eine Resolution zur Rückholung des »Soldaten«. Stabsfeldwebel a.D. Bernd Delfs, der Ausschussvorsitzende, war 2006 der letzte Soldat in der Hindenburg-Kaserne in Neumünster. 2017 weist die Bundeswehr die Stadt Neumünster auf den Übereignungsvertrag von 1990 hin. Gründe für eine Versetzung des »Soldaten«, wie Verkauf, Umnutzung usw. des Kasernengeländes in Eckernförde lägen nicht vor.

Auch die Bronzeplastik »Stabbieger« auf einem Granitsockel ist Eigentum des Bundes und wurde vom aufgegebenen Gelände der Ranzau-Kaserne in Boostedt auf das der Preußer-Kaserne in Eckernförde umgesetzt.


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Die »Stabbieger« des Möllner Bildhauers Karlheinz Goedtke aus dem Jahr 1959 steht neben der Einfahrt auf das Kasernengelände. Am rechten Bildrand sehen wir den »Soldaten« mit seinen Nachbarsteinen.


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Die beiden Nackten beim Stabbiegen vor dem Kasernenparkplatz. Vielleicht ein friedenspolitischer Vorschlag à la »Schwerter zu Pflugscharen«? Hier Speere zu Bumerangs?

 

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Bildhauer Ludwig Isenbeck

Ludwig Isenbeck wurde am 19. April 1882 in Potsdam geboren. Als Bildhauer war er überwiegend im Berliner Raum tätig, wo er zahlreiche öffentliche Bauten mit Arbeiten in Stein, Keramik und Metall schmückte. Am 21. Dezember 1958 starb er in Berlin.

Bei dem Kunstwettbewerb, der anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin durchgeführt wurde, war Ludwig Isenbeck Mitglied der Jury.

 

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Foto: Uwe Barghaan / Wikimedia Commons

Auch das Relief an der Anscharkirche in Neumünster ist von Ludwig Isenbeck. Es zeigt einen Adler, das Symbol für den Evangelisten Johannes.

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Der Stahlhelm

Neben dem militärischen Ehrenzeichen Eisernes Kreuz ist die Darstellung des Stahlhelms das meist gezeigte Symbol auf Kriegerdenkmälern. Wie kam es zu dieser Wirkmacht?

Die neuen Methoden der Artilleriekampfes im 1. Weltkrieg erforderten einen verbesserten Kopfschutz für die Soldaten. Der Lazarettarzt Professor August Bier (nach ihm ist z.B. eine Klinik in Malente benannt) beobachtete höchst gefährliche Granatsplitterverletzungen des Gehirns in erschreckender Häufigkeit und entwickelte darum zusammen mit dem Ingenieur Dr. Friedrich Schwerd den neuen Helm aus Stahl, der die bis dahin getragenen ledernen Pickelhauben ablöste. Die ersten 30.000 Helme wurden im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert.

Die Vorstellung von der stählernen Schutzwirkung wurde fortan auf Postkarten, Kriegsanleiheplakaten, Schmuckblättern usw. propagandistisch ausgeschlachtet und symbolisch überhöht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde dieser Symbolwert noch gesteigert.


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     Plakat von Ludwig Hohlwein zum 10. Reichsfrontsoldatentag 1929

»Der Historiker Jürgen Kraus macht drei vorherrschende semantische Felder aus, die dem Stahlhelm in diesem propagandistischen Zusammenhang schon für die Zeit des Krieges zugeordnet werden können. Zum einen hoben die Kriegsanleiheplakate den einzelnen Soldaten aus dem ›massenhaften Elend der Materialschlachten‹ heraus, der nun ›gleichermaßen geschützt wie heroisiert durch den neuen Stahlhelm siegessicher als Heldenfigur auf den Plakaten erschien.‹ In seiner Funktion als Schutzhelm verwies er auf die Gefahren und den Tod auf dem Schlachtfeld und wurde von daher zum Symbol für die Front schlechthin. Viel stärker als die Pickelhaube, die nun endgültig als Symbol für das Militär abgelöst war, vermochte der Stahlhelm den veränderten Bedingungen des Krieges kurz vor dessen Ende auch symbolisch Rechnung zu tragen.

Ein zweites semantisches Feld ergab sich besonders in der zweiten Kriegshälfte aus ›der Vorstellung der ›stählernen‹ Schutzwirkung des Stahlhelms‹, die nahe legte, daß der so behelmte Soldat an der Front imstande war, dem permanenten Beschuß durch den übermächtigen Feind, dem ›Stahlgewitter‹, standzuhalten und damit ein Vorbild für den Durchhaltewillen an der Front und auch in der Heimat zu sein.

Das dritte semantische Feld folgt laut Kraus schließlich aus der großen formalen Ähnlichkeit des neuen Stahlhelms mit typischen Helmformen des Mittelalters. [...] Indem der Träger des Stahlhelms so in die Nähe der historischen Gestalt des Ritters ›als Repräsentant des deutschen Heeres‹ gerückt wurde, was auf zahlreichen Plakaten der Zeit in vielfältiger Weise geschah, konnte er als überzeitlicher ›Kämpfer für Deutschland‹ stilisiert werden, der ›ganz wie seine Vorkämpfer über die Jahrhunderte hinweg Unheil von Deutschland abzuwehren bestimmt war.‹«

Gottfried Korff (Hg.), Kriegsvolkskunde, Tübinger Vereinigung für Volkskunde e.V. 2005, S.130f

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Antikisierte Kämpfer

»Wenn Bildhauer sich für figürliche Motive entschieden, waren das meist Krieger bzw. Kämpfer. Das heißt, es wurde der zeitgenössische Soldat in Uniform oder auch oft ein nackter antikisierter Kämpfer dargestellt.

Mit dem Motiv des nackten Kämpfers demonstrierten die Denkmalsstifter ihre revanchistischen und kriegsverherrlichenden Ansichten. Völlig ungeachtet, nachgerade in bewusster Ignoranz der Realität der Schlachten des Ersten Weltkriegs mit Panzern, Maschinengewehren und Giftgas wurde mit dem antiken Kämpfer eine zeitlose Form von Heldentum propagiert, bei der der Einzelne im Kampf Mann gegen Mann höchste Mannestugend verwirklichen kann. Dieses Bild des starken jungen Mannes sollte zum neuen Kampf anspornen und war [...] ebenso gegen den Versailler Vertrag gerichtet.«

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, Hamburg 2006

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Infanterie-regiment Nr.163

1897 wurde das Infanterie-Regiment Nr.163 in einer eigens errichteten Kaserne (der späteren Sick-Kaserne) in Neumünster stationiert.

Am 27. Januar 1902 erließ Wilhelm II. den Armee-Befehl, dass die bislang noch ohne landmannschaftliche Bezeichnung geführten Verbände zur besseren Unterscheidung und zur Traditionsbildung eine Namenserweiterung erhalten sollten. Das Regiment der Preußischen Armee führte daher ab diesem Zeitpunkt die Bezeichnung Schleswig-Holsteinisches Infanterie-Regiment Nr. 163. Es war in Neumünster in der Goebenstraße stationiert, die Vicelinkirche fungierte als Garnisonkirche.


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• Neue Kaserne, spätere Sick-Kaserne in Neumünster, 1906

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• Auf der Tafel steht: Infanterie-Regiment 163 / Neumünster / III. R.Kr.Abt. (III. Rekruten-Abteilung) / 3. Korpor. (3. Korporalschaft)

 

Oberleutnant Haering starb 1904 als erstes Mitglied des Regiments in der Schutztruppe für Südwestafrika beim »Hereroaufstand«. Seinen Degen verwahrte die 6. Kompanie des 6. Infanterie-Regiments in Eutin.

»Aus der Regimentsgeschichte geht hervor, dass es 1917 bei Monchy an der Somme kämpfte, unweit der ›Siegfriedlinie‹, einem von der deutschen Heeresführung als uneinnehmbar erklärten Bollwerk. Im Frühjahr 1917, auch das ist dokumentiert, begegnete das Holsteinische Infanterieregiment auf dem Schlachtfeld erstmals gegnerischen Panzern — damals eine völlig neue Waffe.« (Ostsee-Zeitung, 30.6.2014)

Nach dem Einsatz im 1. Weltkrieg traf das Regiment am 22. November 1918 in Neumünster ein und wurde über die dortige Abwicklungsstelle demobilisiert. Nach dem letzten Regimentsappell im Kasernenhof mit anschließender Parade vor Oberbürgermeister Max Röer hörte das Schleswig-Holsteinsche Infanterie-Regiment Nr. 163 auf zu existieren.

Nach Wikipedia, abgerufen am 12.1.2020


SH Eckernfoerde 163 Offiziere web


SH Eckernfoerde Zeitung 1927 web


Stolze Traditionspflege mit Lorbeerzweigen noch 10 Jahre nach der Auflösung des Regiments.

 

Tradition ist die Weitergabe von gleichbleibenden Werten und Normen, die als vorbildhaft und nachahmenswert erachtet und von Generation zu Generation weitergegeben werden.

»›Zeitlose soldatische Tugenden‹
Eine Armee braucht Tradition. Die Wehrmacht zum Beispiel begann in den Jahren 1937/38 eine regelrechte Traditionsoffensive, in deren Verlauf etwa 200 neue Kasernen nach den Helden und Schlachten der kolonialen Beutezüge sowie des Ersten Weltkrieges benannt wurden.«

ZEIT online, Artikel von J. Knab, 10. November 2005

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»Die Uhr«, Ballade von Carl Löwe

Bei der Einweihungsfeier des Denkmals 1922 vorgetragen, gibt dieser Text von Johann Gabriel Seidl, vertont von Carl Loewe, einen Einblick in die Gedankenwelt des Deutschen Kaiserreichs und der Jahre danach.

Ich trage, wo ich gehe
Stets eine Uhr bei mir
Wieviel es geschlagen habe
Genau seh ichs an ihr

Es ist ein großer Meister
Der künstlich ihr Werk gefügt
Wenngleich ihr Gang nicht immer
Dem törichten Wunsche genügt

Ich wollte, sie wär oft rascher
Gegangen an manchem Tag
Ich wollt an manchem Tage
Sie hemmte den raschen Schlag

In meinen Leiden und Freuden
Im Sturme und in Ruh –
Was immer geschah im Leben
Sie pochte den Takt dazu

Sie schlug am Sarge des Vaters
Sie schlug an des Freundes Bahr’
Sie schlug am Morgen der Liebe
Sie schlug am Traualtar

Sie schlug an der Wiege des Kindes
Sie schlägt, wills Gott! noch oft,
Wenn bessere Tage kommen
Wie meine Seel es hofft

Und ward sie manchmal träger,
Und drohte zu stocken ihr Lauf,
So zog sie der Meister mir immer
Großmütig wieder auf.

Doch stände sie einmal stille,
Dann wär’s um sie geschehn
Kein and’rer, als der sie fügte
Bringt die zerstörte zum Gehn

Dann müßt ich zum Meister wandern
Und ach, der wohnt gar weit
Wohnt draußen, jenseits der Erde
Wohnt dort in der Ewigkeit

Dann gäb ich sie dankbar zurücke
Dann würd ich kindlich flehn:
Sieh, Herr, – ich hab nichts verdorben
Sie blieb von selber stehn


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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschrift
Volkstrauertag 2019
Die Predigt zur Denkmalsweihe
Die Geschichte
Eine historische Postkarte
Antikisierte Kämpfer
Das Schwert
Der Adler

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Eckernförde, Kreis Rendsburg-Eckernförde

Der Riese auf dem Friedhof am Mühlenberg


SH Eckernfoerde vorne


SH Eckernfoerde hinten

Ein großer nackter Held mit gesenktem Kopf und nur mit einem Gürtel bekleidet, stützt sich auf sein Schwert.


               SH Eckernfoerde Adler

Ihm zu Füßen sitzt ein Adler mit einer Kralle auf dem am Boden liegenden Helm des Soldaten.


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Die Inschrift

Unseren gefallenen Helden / 1914 - 1918

Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Helden, als Brüder, als Söhne oder in einer Steigerung als Heldensöhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

»Prinzipiell existieren keine Helden, sondern sie werden per Zuschreibung von außen dazu gemacht. Dies erkennt man bereits daran, dass heute andere Menschen als Helden gelten, als zur Zeit des 1. und  2. WK. Es handelt sich um eine Konstruktion, die einen bestimmten Zweck erfüllen soll, denn nicht jeder Soldat ist ein Held.«

www.kirchliche-dienste.de/arbeitsfelder/frieden/Gedenkorte-fuer-Verstorbene-der-Weltkriege

Gefallen:
»... verweist auf das Wort ›fallen‹, dem Wörter wie ›hinfallen‹ aber auch ›fällen‹ zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort ›fallen‹ seines Schreckens, im Wort ›fällen‹ verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort. [...]

An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort ›Gefallener‹ (oder ›gefallen‹) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S.22 und 61


»Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: ›der Gefallenen‹. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung ›Gefallene‹ eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort ›fallen‹ verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der ›fiel‹, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort ›fallen‹, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.«

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S.100

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Volkstrauertag 2019

Der nackte »Held« im Abendlicht. Vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist ein Kranz aus Blättern gebracht worden. Fast könnte man meinen, es sei ein Lorbeerkranz, der nun dort zu Füßen des »Helden« liegt.

SH Eckernfoerde VTT2019 web


Schwarz-rot-gold ist die halbe Schleife, das Bekenntnis zur Nation darf auch am Volkstrauertag nicht fehlen.

 

SH Eckernfoerde VTT2019 Kranz web
Fotos: Helga Knacke


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Die Predigt zur denkmalsweihe

»Was sehen wir hier? Wir sehen eine markige Männergestalt, die Hand auf das Schwert gestützt. Der Krieger schaut ernst und schwer aus. Er hat eine harte Arbeit vor sich. Es ist, als trüge er die ganze Last und das ganze Weh seines Volkes. Es ist der deutsche Soldat, der im Weltkrieg gegen eine Welt voller Feinde gefochten hat. Aber wir sehen noch mehr. Wir sehen zu des Kriegers Füßen den Adler. Dieser Adler symbolisiert das deutsche Volk. Er wendet sein stolzes Haupt nach oben dem Krieger zu. Es ist, als wolle er ihm etwas sagen. Was er ihm sagen will, liegt in dem kleinen Wort ›Hoffe‹: Hoffe du Sohn des deutschen Volkes; ich bin noch da, dein Genius; es ist noch Kraft in meinen Schwingen; ich werde sie recken und zu neuem stolzen Fluge mich erheben, wenn die Stunde geschlagen hat!«

Zitiert aus der Predigt von Pastor Burmeister zur Denkmalsweihe am 7. September 1924.

Die Predigt


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Die Geschichte

In der Festschrift zur Denkmalsweihe am 7. September 1924 heißt es:

»Das Eckernförder Ehrenmal ist errichtet auf dem Platze, auf dem ehemals das sogenannte von der Weddering'sche (eigentl.: von der Wettering) Gewölbe stand. Nachdem die nahezu ausgestorbene Familie auf den Wiederkauf verzichtet hatte, wurde der Platz von dem Kirchenvorstand dem Denkmalsausschuß zur Verfügung gestellt.«

Dem Bau des Denkmals ging ein Preisausschreiben voraus, das vom eigens gegründeten Denkmalsausschuß 1922 veranstaltet wurde. Am 28. August 1922 berichtete die EZ darüber, dass 13 Entwürfe eingereicht worden seien. Im Preisgericht saßen der Baurat und Architekt Jürgen Kröger (Haale/Kr. Rendsburg 1856 - 1928 Innien/Holstein, Besuch der Bauschule in Eckernförde) und der Architekt Richard Bielenberg (Eckernförde 1871 - 1929 Berlin, auch er war Schüler der Eckernförder Bauschule). Bielenberg war es auch, der das Denkmal entsprechend den Entwürfen aus dem Wettbewerb in die endgültige Form brachte, der Bildhauer Hermann Feuerhahn (Hildesheim 1873 - nach 1955) aus Berlin schuf das Modell der Figur, der Bildhauer Valentin Bartsch (1889 - ?) führte das Werk aus.

Zur Durchführung und Errichtung des Ehrenmals wurde zu Spenden aufgerufen, die zu Beginn der Vorarbeiten am Denkmal auf dem Friedhof noch nicht ausreichten, wie ein Zeitungsbericht vom 31. Mai 1923 in der Eckernförder Zeitung meldet.

Die Weiherede am 7. September 1924 hielt Pastor Burmeister, es sprachen ferner Rechtsanwalt Aeissen für den Denkmalsausschuss, Propst Langlo nahm das Denkmal in die Obhut der Kirchengemeinde, es folgte eine Kranzniederlegung durch die verschiedenen anwesenden Vereine, Verbände und die Stadt. Hierüber berichtete die Eckernförder Zeitung am 8. September 1924.

Hier die Beschreibung aus »Zur Erinnerung an die Denkmalsweihe in Eckernförde« Buchdruckerei J. E. Schwensen, Eckernförde.

Die Denkmalsweihe



SH Eckernfoerde Einweihung

Bereits 1922 fand ein Wettbewerb zur Erlangung eines Denkmalentwurfs statt. Doch erst am 7. September 1924 konnte das Denkmal geweiht werden.

● Wir danken Dr. Uwe Beitz, Museumsleiter und Stadtarchivar von Eckernförde für seine freundlichen Auskünfte, den Text und die historischen Fotos.

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Eine historische Postkarte

SH Eckernfoerde Postkarte


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Antikisierte Kämpfer

Wenn Bildhauer sich für figürliche Motive entschieden, waren das meist Krieger bzw. Kämpfer. Das heißt, es wurde der zeitgenössische Soldat in Uniform oder auch oft ein nackter antikisierter Kämpfer dargestellt.

Mit dem Motiv des nackten Kämpfers demonstrierten die Denkmalsstifter ihre revanchistischen und kriegsverherrlichenden Ansichten. Völlig ungeachtet, nachgerade in bewusster Ignoranz der Realität der Schlachten des Ersten Weltkriegs mit Panzern, Maschinengewehren und Giftgas wurde mit dem antiken Kämpfer eine zeitlose Form von Heldentum propagiert, bei der der Einzelne im Kampf Mann gegen Mann höchste Mannestugend verwirklichen kann. Dieses Bild des starken jungen Mannes sollte zum neuen Kampf anspornen und war, gerade wenn die nackten Krieger mit Waffen dargestellt wurden, ebenso gegen den Versailler Vertrag gerichtet.

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg


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Das Schwert

Das Schwert verweist auf die Helden der Antike und damit auf  eine »edle Gesinnung der Kämpfenden«. Artus, Parzival, Roland, Siegfried & Co. – tragen ihre Schwerter als Recken der Tapferkeit und Treue. Auf den Kriegerdenkmälern fordern Schwerter, selbst wenn sie als Zeichen der Niederlage gesenkt oder abgebrochen dargestellt werden, die nachfolgenden Generationen zu »Wehrwillen und Mannhaftigkeit« auf.

Das Schwert ist in der Menschheitsgeschichte die erste ausschließlich zum Töten anderer Menschen geschaffene Waffe. Ein Symbol der Macht: Wer auf dem Schlachtfeld unterlag, übergab dem Sieger seine Waffe. Das Schwert verleiht den Status eines Herrschers. Die englische Königin führt den Ritterschlag bis heute mit dem Schwert aus.

Nach dem Mittelalter verlor das Schwert seine Bedeutung als Waffe – und wurde in der Symbolsprache der Propaganda umso wichtiger. Im 1. Weltkrieg, dem ersten industriellen Krieg in der Geschichte, hatte das Schwert als Bild-Symbol auf Orden und Medaillen Hochkonjunktur. Auch im Nationalsozialismus galt das Schwert als Zeichen für heldenhaften Kampf.

 

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Der Adler

»Der Adler ist als ›der mächtigste König im Luftrevier‹ (Anfang des ›Seeräuberlied‹, das zum Marschliederkanon der Wehrmacht gehörte), der König der Lüfte und wehrhafter Beschützer seines Horstes. In der griechischen Mythologie ist er ein Attribut des Gottes Zeus. Als heraldisches Symbol diente er von 1433 bis 1806 den Kaisern des heiligen römischen Reiches deutscher Nationen sowie deutschen Königen, Herzögen und Markgrafen als Wappenbild.«

• Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 137

»Als Hoheitszeichen des Deutschen Reiches und als Symbol für deutsche Macht und Stärke galt der Seeadler. Der Raubvogel konnte nach 1871 wachsam nach Westen spähen, oft aufreizend mit den Flügeln schlagen und/oder den geöffneten Schnabel drohend dem französischen Feind entgegenstrecken. [...]
Unmittelbar vor der Unterzeichnung des Versailler Vertrages stieß die ›Deutsche Tageszeitung‹ vom 26. Juni 1919 den Stoßseufzer aus, es möge ›vielleicht doch in nicht so ferner Zeit [...] – der Tag komm[en], an welchem das Deutsche Volk sich aus seinem tiefen Fall wieder erheben kann und der deutsche Adler von neuem den Flug zur Sonne unternimmt.‹ Dieser sehnsüchtige Wunsch wurde in die Gedenkwelt hineingetragen [Hamburg-Gross Borstel, Oktober 1922: ›Mit kräftigen Krallen steht er trotzig und lauernd auf seinem eisernen Grund, den scharfen Blick nach Westen gerichtet‹. Wasserkuppe/Rhön, 1923, Weiherede des Oberstleutnants a.D. Walter von Eberhardt: ›Und eigene Kraft wird es sein, die alle Fesseln, die Schmach und Schande, die Not und Elend uns angelegt haben, wieder sprengen wird. Nach Westen blickt der Adler. Er weist uns den Weg, den wir gehen müssen.‹ Auch dort die Kranzschleife des ›Bundes der Jagdflieger‹ am Tag der Einweihung: ›Adler, Du, halte die Wacht! Um uns ist Schande und Nacht. / Siehe, dort hinter dem Rhein / Schlummert der Brüder Gebein / Bis einst der Morgen erwacht. Adler, Du, halte die Wacht!‹]«

Loretana de Libero, Rache und Triumph, Krieg Gefühle und Gedenken in der Moderne, De Gruyter Oldenbourg, S.95f


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I N H A L T
Das Denkmal
Die Geschichte
Das Turnerkreuz
Das Gedicht »Dankesschuld«
Der Dichter Walter Flex

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Ellerhoop, Kreis Pinneberg

Denkmal auf dem Gelände des M.T.V. Ellerhoop

Ein Findling aus rötlichem Granit auf einem gemauerten Feldsteinsockel.

SH Ellerhoop gesamt


SH Ellerhoop Inschrift

Oben, in ein ovales Steinfeld, ist ein Kreuz bestehend aus vier »F« graviert, ein sogenanntes Turnerkreuz. Es zitiert den Wahlspruch von »Turnvater« Jahn: »Frisch, fromm, fröhlich, frei«.

Die Inschrift darunter lautet:

Deutsche Jugend / gedenke deiner Helden! /
1914-1918 /

Blüh Deutschland überm Grabe mein /
jung stark und schön am Heldenhain /
W.Flex / 1939-1945
[später hinzugefügt] /
M.T.V. Ellerhoop 1907-32


Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Helden, als Brüder, als Söhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

Für die Mehrheit der Mitglieder von Gemeinden, Kirchen und Vereinen kann davon ausgegangen werden, dass sie mit dieser Botschaft der Kriegerdenkmäler nicht einverstanden sind. Dennoch gibt es bei den allermeisten dieser Denkmäler keine kommentierende Veränderung.

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Die Geschichte

Das MTV Ehrenmal wurde 1932 errichtet und zwar als »Kopf« des damaligen neu errichteten Sportplatzes. Rechtzeitig zum 25. jährigen Vereinsjubiläum.

Die MTV Protokollbücher berichten dazu: Das MTV Ehrenmal zum Gedenken der gefallenen Turnbrüder des I. Weltkrieges wird in Gemeinschaftsarbeit auf dem neuen Sportplatz erstellt. Die erforderlichen Steine wurden in der Ellerhooper Feldmark gesammelt. Der Transport des gewaltigen Findlings für den Denkmalkopf, der im Ellerhooper Gehege gefunden wird, bereitet besondere Schwierigkeiten. Er wird unter großen Mühen verladen und per Pferdefuhrwerk zum Sportplatz transportiert.


SH Ellerhoop Bau1932

Mit einem Flaschenzug der Ellerhooper Stellmacherei Eggert wird der Stein hochgehievt.

SH Ellerhoop Einweihung1932

Aktive und Funktionäre im MTV Ellerhoop beim 25-jährigen Vereinsjubiläum 1932


SH Ellerhoop alt

Auch in späteren Jahren reich geschmückt

 

Wir danken dem M.T.V. Ellerhoop für die Auskünfte und die Fotos.

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Das Turnerkreuz

Das Turnerkreuz ist eine graphisch gestaltete Bildmarke, die im Jahr 1844 von dem Kupferstecher und Drucker Johann Heinrich Felsing (1800–1875) aus Darmstadt entwickelt wurde.

Es steht noch heute als Symbol für das Turnen. Das Original-Logo gemäß Deutschem Turner-Bund ist heute immer quadratisch und formt ein achsengleiches griechisches Kreuz. Es besteht aus vier Exemplaren des horizontal und vertikal gespiegelten Buchstabens F in Versalien, die den Turner-Wahlspruch »Frisch, fromm, fröhlich, frei« aufgreifen.


                 SH Ellerhoop Turnerkreuz 1968 Turnfest web

»Den Spruch in seinen vier Anfangsbuchstaben habe ich zusammengestellt in 4 F. Ich habe sie zum Zeichen vereint, […] sie bilden wie die Turnerschaft – gleiche Kraft, gleiche Form, gleiche Stärke nach allen Seiten, es ist das Viereck überall gleich stark, fest in den vier Ecken stehend, nehmt’s, wie ihr wollt: es ist das F aus dem FF. Vergeßt mir nicht, daß es auch das Christenzeichen ist« schrieb Johann Heinrich Felsing 1846.

Der Spruch steht in seiner Urfassung »Frisch, frei, fröhlich, fromm« an der Giebelseite des letzten Wohnhauses von »Turnvater« Friedrich Ludwig Jahn in Freyburg an der Unstrut, das heute das Friedrich-Ludwig-Jahn-Museum beherbergt.

Jahn hat den Turner-Wahlspruch nicht erfunden, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit einen studentischen Spruch aus dem 16. Jahrhundert übernommen. In seinem Buch »Die deutsche Turnkunst« hat Jahn den Wahlspruch »Frisch, frei, fröhlich, fromm« im Kapitel »Turngesetze« dann gleichsam manifestiert.

Jahn hat sich stets gegen eine Umstellung der vier F-Begriffe gewandt, so zum Beispiel 1846: »In den vier Worten ist die Steigerung unverkennbar, jede Umstellung verändert den Sinn und verschwächt ihn. Der Spruch ist Inschrift eines Ringes um das turnerische Leben. Das Weglassen nur eines Wortes macht den Reifen brüchig. Selbst die Verwandlung des ›fröhlich‹ in ›froh‹ entstellt die Sinnschrift, weil, so nahe verwandt, sich auch beide Worte fügen, froh mehr die innere Stimmung bezeichnet und das Wirkende, fröhlich hingegen das Offenbarwerden in äußerer Erscheinung […], fröhlich muß mitteilen, gemeinsam empfinden […], bedarf der Gesellschaft«.

Dennoch wurde die Aneinanderreihung der vier Begriffe über Frisch, fromm, froh, frei zum heute gebräuchlichen »Frisch, fromm, fröhlich, frei« verändert. 1933 entstand im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele 1936 von Berlin eine Diskussion darüber, ob das Turnerkreuz oder die olympischen Ringe für die Olympiade in Berlin Verwendung finden sollten. Die Entscheidung fiel zugunsten der fünf Ringe.

Nach Einführung des Reichsflaggengesetzes vom 15. September 1935 übernahmen alle deutschen Turnvereine das von den Nationalsozialisten gebrauchte Hakenkreuz als einziges Symbol.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fand man auf Vereinsebene sehr rasch wieder zum Turnerkreuz zurück, zumal die historischen Vereinswappen und -fahnen dieses zumeist beinhalteten. Demgegenüber benötigten die Verbände dazu längere Zeit. Beim Deutschen Turnfest in München 1958 fand es in der offiziellen Festzeitung noch keinerlei Verwendung, eine aus diesem Anlass herausgegebene Briefmarke der Deutschen Bundespost griff es hingegen wieder auf.

nach Wikipedia, abgerufen am 25. Mai 2018

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Das Gedicht »dankesschuld«

Ich trat vor ein Soldatengrab

Und sprach zur Erde tief hinab

Mein stiller grauer Bruder du

Das Danken läßt uns keine Ruh'.

Ein Volk in toter Helden Schuld

Brennt tief in Dankes Ungeduld.

Daß ich die Hand noch rühren kann

Das dank' ich dir, du stiller Mann.

Wie rühr' ich sie dir recht zum Preis?

Gib Antwort, Bruder, daß ich's weiß!

Willst du ein Bild von Erz und Stein?

Willst einen grünen Heldenhain?



Und alsobald aus Grabes Grund

Ward mir des Bruders Antwort kund

Wir sanken hin für Deutschlands Glanz.

Blüh, Deutschland, uns als Totenkranz!

Der Bruder, der den Acker pflügt

Ist mir ein Denkmal, wohlgefügt.

Die Mutter, die ihr Kindlein hegt

Ein Blümlein überm Grab mir pflegt.

Die Büblein schlank, die Dirnlein rank

Blühn mir als Totengärtlein Dank.

Blüh, Deutschland, überm Grabe mein

Jung, stark und schön als Heldenhain!

Walter Flex

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Der Dichter Walter Flex

Er (geboren 1887 in Eisenach – 1917 im Krieg getötet auf Ösel) war ein Schriftsteller und Lyriker. Die Bekanntschaft mit der Familie des Reichsgründers Otto von Bismarck, bei der er als Hauslehrer tätig war, beeinflusste ihn. 1913 kam es zu einem Bruch mit seinen Arbeitgebern, da für Flex die international zusammengesetzte Adelsfamilie von Bismarck zu »undeutsch« war.

1914 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger in Posen. 1917 wurde er wegen seines literarischen Ruhms nach Berlin abkommandiert, um im Auftrag des Generalsstabs an der Publikation »Der Krieg in Einzeldarstellungen« mitzuwirken. Auf eigenen Wunsch wieder an die Ostfront versetzt wurde er kurz darauf tödlich verwundet.

SH Eutin Voss Walter Flex 1915 web

• Walter Flex 1915

SH Eutin Voss Grabmal Eisenach Wikswat Wikimedia Commons web

Foto: Wikswat/Wikimedia Commons

In zahlreichen deutschen Städten wurden Straßen, Plätze, Gebäude und Schulen nach ihm benannt, von denen einige nach dem Ende der NS-Diktatur umbenannt wurden, z.B. die Schule Bergedorf in Hamburg. In Flex’ Heimatstadt Eisenach gibt es ein symbolisches Grab mit der Inschrift:

Wer auf die preußische Fahne schwört hat nichts mehr was ihm selber gehört

Von der Errichtung dieser Gedenkstätte machte der ehemalige »Freundeskreis Walter Flex« die Schenkung des Nachlasses des Dichters an die Stadt Eisenach abhängig. Der Bestand wird im Stadtarchiv aufbewahrt.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 14. März 2017

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Baugeschichte
Die Einweihung
Spätere Jahre
Bischof Wilhelm Kieckbusch
Volkstrauertag 2019
Volkstrauertag 2015
Der neue, alte Brunnen
AKTUELL: Der Gedenkstein des Bundes der Vertriebenen

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Eutin, Kreis Ostholstein

Am Kreisverkehr beim Schlossgarten

Eine große Anlage aus Feldsteinmauern mit Akzenten aus Ziegelsteinen. Vier Stufen führen zur zentralen Mauer mit den sieben Nischen für die Namenstafeln. Die Nischen haben oben sechseckige Durchbrüche, die durch unterschiedlich ausgestaltete Metallgitter verziert sind. Über den Nischen ist die Inschrift mit aufgesetzten Metallbuchstaben angebracht:

Sie starben für uns – sie leben in unseren Herzen
1914 – 18

Die Metalltafeln in den Nischen tragen die Namen der getöteten Soldaten der Stadt- und Landgemeinde Eutin, Bockholt, Braak, Fissau, Gothendorf, Klenzau, Majenfelde, Meinsdorf, Neudorf, Quisdorf, Sagau, Stendorf, Sibbersdorf, Griebel-Vinzier und Zarnekau.

SH Eutin 2005 web

        SH Eutin Tafel Mitte web

• Diese Tafel, verziert mit Eisernem Kreuz, Eichen- und Lorbeerlaub, ist »Den Gefallenen des Eutiner (III.) Bataillons Inf. Regts. Lübeck (3. Hanseat.) Nr. 162« gewidmet. Es folgen die Orte der Schlachten.


        SH Eutin Namenstafel web

• Auf dieser Namenstafel stehen auch die toten Soldaten aus Neudorf, zwei davon hießen Drückhammer. Dieser Name taucht weiter unten in der Baugeschichte wieder auf.

SH Eutin 2005 Detail1 web

• 1953 wird vor der Wand ein Sandsteindenkmal, einem Sarkophag ähnlich, aufgestellt mit der Inschrift:

Den Opfern des Zweiten Welt Krieges

SH Eutin Seiten web

• Auch die Seitenwände haben über Sitzbänken verzierte Nischen.

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Die Baugeschichte

SH Eutin 1928 web

Am 12. Juni 1916 beschloß das Innenministerium Oldenburg einen Erlass zur Anlage von »Ehrenhainen«. Der Eutiner Gemeinderat setzte daraufhin eine städtische Kommission ein. Mitglieder waren: Krützfeld, Niesen, Kohler und Heger. Der Vorstand der Landgemeinde erklärte sich am 30. November 1916 mit einer gemeinsamen Kommission einverstanden.

1922 wurde entschieden, dass das ursprünglich vorgesehene Gelände am kleinen Eutiner See für das Krankenhaus gebraucht wird. Der neue Vorschlag lautete Dreiecksplatz Weberstraße/Oldenburger Landstraße.

Ein Wettbewerb wurde ausgeschrieben und ein Preisgericht, bestehend aus: Oberbaurat Virck, Baurat Meyer, Architekt Klücher, Geheimrat Springer, Rose oder auch Raue, Bürgermeister Mahlstedt, bestimmt.

20 Entwürfe wurden eingereicht, davon kamen sechs in die engere Wahl. Der erste Preis ging schließlich im August 1923 an die »Trauernden mit Sturmhelm und Brustpanzer« des Berliner Bildhauers Ernst Gorsemann*. Er hatte im August 1922 Lisbeth Drückhammer geheiratet, war nun Schwiegersohn des Neudorfer Hofbesitzers F. Drückhammer und hatte darum einen Verbindung zu Eutin.

Die vereinten Eutiner Kriegerverbände baten die Stadt nun dringend, endlich eine Ehrenstätte zu errichten. Vom 28. Juni 1923 bis 1. Juli 1924 fanden darum Haussammlungen zur Finanzierung des Bauwerkes statt.

Es begann ein umfangreicher Schriftwechsel mit Ernst Gorsemann. Er bedankte sich und wollte mit einem Tonmodell und Kostenvoranschlägen nach Eutin kommen. Im September 1923 ging der Kostenvoranschlag eines Steinmetzes aus Berlin über 6.750 Friedensmark, ohne Transport und Aufbau, in Eutin ein. Bürgermeister Mahlstedt fragte Gorsemann, ob er damit einverstanden sei, dass die Steinmetzarbeiten in Eutin ausgeführt würden. Gorsemann forderte einen Abschlag für die weitere Arbeit, er könne sich für das Preisgeld gerade »ein Brot« kaufen. Das Modell in 1:1 Größe ließ jedoch auf sich warten ...

Am 12. Februar 1924 bat der Bürgerbund die Kommission, den Beschluss zugunsten der Gorsemannschen Frauengestalt zu überprüfen. Es wurde die Frage aufgeworfen, ob nicht ein anderer Entwurf und ein anderer Aufstellungsort gewählt werden sollte, da die jetzige Planung dem Wunsch der Bevölkerung nicht mehr entspräche.

Im Sommer 1927 wurden Findlinge aus dem Kuhlbusch von der Regierung zur Verfügung gestellt.

Der Entwurf von Gorsemann war zwischenzeitlich verworfen worden, und bereits im Herbst verhandelte der Denkmalausschuss mit dem Malenter Architekten Alfred Schulze. Am 24. November 1927 wurden seine Pläne veröffentlicht.

Am 27. Dezember 1927 beschloß der Stadtrat einstimmig, das Ehrenmal am Schlossgarten zu errichten und aus städtischen Mitteln 3000 Mark zur Verfügung zu stellen. 

Das Ehrenmal wurde am 30. Juni 1928 eingeweiht.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde wieder Kontakt zu Alfred Schulze aufgenommen, um »ein Ehrenmal für die Opfer des Krieges und zwar für die Kriegsopfer in ihrer Gesamtheit« zu schaffen. Am 29. September 1953 billigte der Magistrat den Entwurf von Schulze und an Stelle des Springbrunnens wurde ein Stein, einem Sarkophag ähnlich, aufgestellt.

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* Gorsemann (15. Februar 1886 - 19. Juli 1960) war Professor der Nordischen Kunstschule in Bremen, der einzigen Kunsthochschulgründung während des »Dritten Reichs«. Besonders seine Werke aus dieser Zeit stehen immer wieder in der öffentlichen Kritik. Bekannt ist das Kriegerdenkmal auf der Altmannshöhe in Bremen (1934/35). Gegenwärtig ist die Anlage gesperrt, am Eingang ist eine ausführliche Informationstafel angebracht. Sie endet mit dem Satz »Im nationalsozialistischen Bremen wurde das Denkmal zu einem Ort für Massenveranstaltungen im ideologischen und propagandistischen Sinn der damaligen Machthaber.«

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Die Einweihung

SH Eutin Einweihung1 1928 web

• Am 30. Juni 1928 mit Pastor Harms

 

Wir danken Regine Jepp von der Bürgergemeinschaft Eutin e.V., dass wir einige Fotos und Texte von der Website des Vereins übernehmen durften.

www.bg-eutin.de


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Spätere Jahre

SH Eutin Historisch ohne Datum web

• ohne Datum

SH Eutin 1942 web

• 1942: Aufmarsch an der Gedenkstätte


SH Eutin vor 1953 web

SH Eutin vor2 WK web

• Die Gedenkstätte war mit einem Springbrunnen vor der zentralen Wand erbaut worden. 1953 wurde er entfernt und der Stein für die Toten des 2. Weltkriegs wurde aufgestellt.

SH Eutin VTT Kieckbusch web

Foto: LKAK 91.0 Nr. 5629

• Bischof Wilhelm Kieckbusch bei einer Ansprache am Kriegerdenkmal nach 1953. Jetzt steht schon der sarkophagähnliche Gedenkstein vor der Feldsteinmauer.

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Bischof Wilhelm Kieckbusch

Hansjörg Buss schreibt in seinem Aufsatz »Die ›Ära Kieckbusch‹ (1930 - 1976)« zur Einführung Wilhelm Kieckbuschs als Hauptpastor in Eutin:

»Der veränderte Umgang der Landeskirche gegenüber der NSDAP zeigte sich augenfällig bereits bei der Einführung Kieckbuschs als Hauptpastor knapp zwei Wochen nach den Reichstagswahlen vom 14. September 1930, die den politischen Durchbruch der Nationalsozialisten auf Reichsebene bedeuteten. Erstmals nahmen Mitglieder der NSDAP mit Hakenkreuzfahne und in brauner Uniform am Gottesdienst teil, die – so der sozialdemokratische ›Lübecker Volksbote‹ – ›dem geistlichen Herrn noch eine Huldigung darbrachten. Auch das Blasen der Posaunenchöre wurde in den Pausen durch den Gesang der Hitlerschen vervollständigt.‹ Diese positive Haltung setzte sich mit der Teilnahme an und der aktiven Gestaltung von Feierlichkeiten der NSDAP und ihrer Gliedorganisationen, vor allem aber durch die Zusammenarbeit mit dem Stahlhelm und der NSDAP im Winterhilfswerk und dem Freiwilligen Arbeitsdienst fort (Lawrence D. Stokes, Kleinstadt und Nationalsozialismus, S. 637).

Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte, AKENS 44, S.9

Auszug aus der Festansprache Kieckbuschs zum 450. Geburtstags Martin Luthers im November 1933:

»Der November 1933 mit seinem herrlichen Bekenntnis heute und für alle Zeit zum 3. Reich und damit für Heimat, Volk und Vaterland möge auch dafür sorgen, dass der Glaube nicht zu kurz kommt. Nach den schweren Novembertagen 1918, als unser Heer unbesiegt, aber doch entwaffnet zurückkehrte, da mussten wir uns unter der Not der Nachkriegszeit beugen, und nicht nur der wirtschaftliche Niedergang, sondern auch Gemeinheit, Charakterlosigkeit und sittlich-religiöse Not kamen zum Ausdruck. Internationale Gedanken und Liebäugelei mit den Feinden wurden in uns wachgerufen. Da kam endlich der November 1933 mit seiner unvergeßlichen, wunderbaren Wendung, die uns die Führung durch den durch Gott begnadeten Kanzler Adolf Hitler brachte, der mit seiner zündenden Persönlichkeit zu den Größten des deutschen Volkes gehört, die ihr Bestes für ihr Vaterland hingeben wollten.«

Lawrence D. Stokes, Kleinstadt und Nationalsozialismus, S. 661

Der als »vaterländisch geprägte Persönlichkeit« und »soldatische Natur« charakterisierte Wilhelm Kieckbusch amtierte von 1930 bis 1976 ohne Unterbrechung als leitender Geistlicher der Eutinischen Landeskirche. In aller Öffentlichkeit setzte er sich nach 1945 für ehemals führende Theologen der nationalsozialistischen »Deutschen Christen« ein. Anderswo galten sie als untragbar. Kieckbusch nahm unter anderem die »Deutschen Christen« Hugo Rönck und Joachim Hossenfelder als Pastoren in seine Landeskirche auf. Hossenfelders Einstellung wurde vom damaligen Ratsvorsitzenden der EKD Otto Dibelius befürwortet. Weder Rönck noch Hossenfelder ließen nach 1945 jemals Reue über ihre Rolle im Nationalsozialismus erkennen.

Hugo Rönck war einer der radikalsten Vertreter der aggressiv antijüdischen Nationalkirchlichen Thüringer »Deutschen Christen«, frühes NSDAP-Mitglied und ab 1943 Präsident beziehungsweise Landesbischof der Thüringer Evangelischen Kirche. Und als glühender Antisemit einer der Initiatoren des Eisenacher »Entjudungsinstituts«. Noch 1944 bezeichnete er in seinen Predigten Hitler als »Führer von Gottes Gnaden«. Nach dem Krieg sah Rönck keine Notwendigkeit, sich von seiner Vergangenheit zu distanzieren, auch dann nicht, als »Der Spiegel« 1963 Einzelheiten aus seiner Thüringer Zeit aufdeckte. Er schmückte sich auch weiterhin mit dem Bischofstitel, den er sich kurz vor Kriegsende selbst verliehen hatte. Der Berliner Pfarrer Hossenfelder war treibendes Gründungsmitglied und erster Reichsleiter der »Deutschen Christen«. Er bekannte sich nach 1945 ebenfalls stolz zu dem Bischofsamt, das er als »Deutscher Christ« 1933 kurzzeitig inne gehabt hatte. Ansonsten bewahrte er über seine frühere Karriere strengstes Stillschweigen.

Wanderausstellung der Nordkirche »Neue Anfänge nach 1945? Wie die Landeskirchen Nordelbiens mit ihrer NS-Vergangenheit umgingen«, Kapitel 4

Neue Anfänge nach 1945?


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Foto: Bitterling, Eutin

Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Eutin an Wilhelm Kieckbusch anlässlich seines 70. Geburtstags, Eutin, 28. Mai 1961

 

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Volkstrauertag 2019

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Foto: https://kameradschaft-aufklaerer-eutin.de

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Volkstrauertag 2015

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• Die Bundesministerin der Verteidigung, der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., die Marine Kameradschaft Eutin, die Stadt Eutin, die Freiwillige Feuerwehr, der Sozialverband Deutschland – alle sind mit ehrenden Kränzen dabei.

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Der neue, alte Brunnen

Nach den Plänen von Architekt Alfred Schulze aus Malente war der Brunnen 1928 oberhalb der Stufen direkt vor der Denkmalswand aufgebaut worden.

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1953 wurde an dieser Stelle der sarkophargartige Gedenkstein zum 2. Weltkrieg plaziert. Mit Einverständnis von Alfred Schulz, der auch den neuen Gedenkstein entworfen hatte, wurde der Sandsteinbrunnen in einer Ecke der Anlage abgestellt. 1992 wurde er als »verkehrslenkendes Möbel« zum Berliner Platz verfrachtet, wo er zunehmend vermüllte.

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2015 beschlossen dann die politischen Gremien, den Brunnen wieder in die Denkmalsanlage zu versetzen. Er ist für rund 7000 Euro restauriert und mit neuer Technik versehen worden und sprudelt nun täglich von 10 bis 17 Uhr, so die Ankündigung im August 2018.

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Der Gedenkstein des Bundes der Vetriebenen

Seit dem 9. März 1965, 20 Jahre nach Kriegsende, steht dieser Stein am Kreisverkehr beim Schlossgarten, der Kriegerdenkmalsanlage gegenüber.


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Die Inschrift lautet:

1945–1965

Wo unsere Toten ruhen
liegt unsere Heimat!
Wo unsere Heimat liegt
lebt unser Recht!

Durch die Intervention einer Touristin im Herbst 2020 und einem entsprechenden Bericht in den Lübecker Nachrichten wurden viele Leserbriefe zur Botschaft des Steins eingesendet. Die Touristin hatte ihren »Unglauben und Fassungslosigkeit« geäußert und die Stadt Eutin und die Fraktionsvorsitzenden der Parteien aufgefordert, die Geschichte dieser Inschrift aufzuarbeiten und eine Auseinandersetzung darüber zu befördern.

Der Vorstand der Bürgergemeinschaft Eutin begrüßt das: »Die beanstandeten Inschriften sind aus ihrer Zeit heraus zu betrachten. Sie spiegeln allerdings ein Weltbild, das schwer mit einer heutigen kritischen Auseinandersetzung mit Ursachen und Folgen des Zweiten Weltkrieges zu vereinbaren ist. [...] Vergangenheit lässt sich nicht ungeschehen machen oder leugnen. Aber wir Heutigen, obwohl frei von persönlicher Schuld, tragen eine Verantwortung, alles für ein ›Nie wieder‹ zu tun. Dazu kann auch eine Kommentierung alter Inschriften gehören, wie sie derzeit auch anderenorts stattfindet.« (LN 6.10.2020)

Die Verantwortlichen im Rathaus wollen die Eingabe der Touristin prüfen und einen Historiker mit der Bewertung beauftragen.

Zitate aus den Leserbriefen:

»Spätestens seit den Ostverträgen Anfang der 70er verbieten sich solche Inschriften wie auf dem Eutiner Gedenkstein – Beseitigung oder Kommentierung¡«

»Dieser Stein des Gedenkens ist in einer Zeit aufgestellt worden, in der noch viele schmerzliche Erinnerungen an die verlorene Heimat im Osten bestanden haben.«

»Der kritisierte Stein an der Oldenburger Landstraße stellt heute [...] einen durch die Einstellung der Bevölkerung und durch Verträge überholten Revisionismus dar.«

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Einweihung
Der Bildhauer Hermann Hosaeus
Das Gedicht »Dankesschuld«
Der Dichter Walter Flex

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Eutin, Kreis Ostholstein

An der Aussenmauer der Johann-Heinrich-Voß-Schule

In ca. 3 bis 4 Meter Höhe ist links neben dem Eingang zur Schule das Kriegerdenkmal vom Berliner Bildhauer Hermann Hosaeus (1875 – 1958) angebracht, das am 17. März 1928 eingeweiht wurde.

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Die Skulptur des detailreich gearbeiteten jungen Soldaten aus Bronze steht auf einem schmalen Podest vor zwei hellgrauen Sandsteinplatten, die in die rote Backsteinwand eingelassen sind. Eine Zackenlitze aus Metall schließt die Denkmalswand unten ab. Der Soldat hat sein Gewehr geschultert. Er trägt zwar eine Uniformjacke mit Koppel, kaiserlichem Koppelschloss, Patronentaschen, ein Kurzschwert im Halfter und Stiefel, die Hosen ebenso wie der Kopf und die elegante Haltung scheinen aber eher zu einem antikisierten nackten Helden zu gehören – ein seltsamer Gegensatz. In der Hand hält er einen Lorbeerzweig.

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Unter dem Soldaten stehen die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs und zwei Zeilen aus dem Gedicht »Dankesschuld« von Walter Flex (siehe auch weiter unten):

Wir sanken hin für Deutschlands Glanz
blüh Deutschland uns als Totenkranz

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Durch die unterschiedlich starke Oxidation der Bronze und wohl auch durch einige Farbbeutelwürfe sieht die Uniform fast wie ein moderner Camouflage-Kampfanzug aus.

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Rechts neben dem Podest sieht man die Signatur des Bildhauers Hermann Hosaeus (1875 – 1958).

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Wie verhält sich die Schule – Schüler und Lehrer – dazu, dass wir heute wissen, dass sich die Soldaten damals für falsche Ziele und Ideale eingesetzt haben?

In der Eingangshalle der Schule gibt es noch fünf weitere »Ehren«-Tafeln. Eine zum Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, zwei zum 1. Weltkrieg – es werden 101 Namen von toten Schülern der Johann-Heinrich-Voß-Schule aufgezählt, eine zum 2. Weltkrieg und eine für die Toten des Fürstin-Hedwig-Gymnasiums, Neustettin.

Nur weinge Kilometer entfernt, in Thürk, steht ein weiteres Kriegerdenkmal von Hermann Hosaeus:

Schleswig-Holstein Thürk


Ebenfalls dokumentiert sind auf dieser Website Denkmäler von Hosaeus in:

Hamburg Harburg
Hamburg Wilhelmsburg


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Die Einweihung

Im Jahrbuch des Heimatverbandes Eutin 1990 hat Horst Schinzel die Denkmalseinweihung am 17. März 1928 beschrieben. Wir danken Udo Harder für den Hinweis und zitieren im Folgenden aus der Weiherede des damaligen Landespropsten Geheimer Kirchenrat Paul Rahtgens, zehn Jahre nach dem Ende des 1. Weltkriegs und fünf Jahre vor der Machtergreifung Hitlers:

Nicht nur in vaterländischer Begeisterung, nein, erfüllt vom Pfingstwehen heiligen Geistes, zogen auch die Schüler dieser Anstalt in den Krieg, über dem das Wort geschrieben stand: »Gott will es«. Es war ein heiliger Krieg, nicht zur Rache und Eroberung, sondern zur Wahrung des deutschen Herdes und der deutschen Aufgabe in der Welt ... In heiliger Begeisterung sanken unsere gefallenen Jungen, »Deutschland, Deutschland über alles« singend, auf Flanderns Gefilden in den Tod ... Wir trauern um sie auch deswegen, weil gerade Gegenwart und Zukunft Deutschlands sie als tatkräftige Führer besonders nötig brauchte! ... Es ist ein feinsinniger Gedanke des Künstlers, ihm das Gewehr so über die Schulter zu legen, daß es mit der Gestalt des Jünglings ein Kreuz bildet. Wir sind jetzt ein Volk unter dem Kreuz ... Als deutsche Christen vertrauen wir, daß auch der Tod derer, um die wir trauern, nicht vergeblich gewesen ist, sondern eine Aussaat des Segens für künftige Geschlechter.

Einweihung 1928

 

Dr. Jan Ole Wiechmann, Studienrat an der Voß-Schule, schreibt 2018 im Projektbericht über die Auseinandersetzung einer 10. Jahrgangsstufe mit dem Denkmal am Schuleingang:

Auch der damalige Oberstudiendirektor der Voß-Schule, Wilhelm Lohse, brachte in seiner Rede nationalistische Ideen zum Ausdruck und stilisierte die im Krieg gestorbenen Soldaten zu Vorbildern. Bezeichnend ist darüber hinaus die negative Gegenwartsdiagnose: Lohse bedauert pathetisch die Gebietsverluste nach 1918, beschwört mahnend die »Volksgemeinschaft« und skizziert die »tiefsten Tiefen unseres nationalen Leidensweges«:

»Haben wir heute ein Vaterland? Sind wir ein Volk? Die Ehre des deutschen Namens ist geschändet, wir sind Sklaven unserer Feinde (...). Deutsche Zucht und deutsche Gesittung ist im Schwinden, Unsittlichkeit, und was schlimmer ist, eine Unreinheit des sittlichen Empfindens (...) macht sich in unserem Volke breit. (...) Alle unsere Handlungen und Unterlassungen müssen wir unter dem Gesichtswinkel der vaterländischen Notwendigkeit betrachten.« (Zitiert aus: Eutiner Blätter. Mitteilungsblatt für die Angehörigen des ehemaligen Gymnasiums, des Reformgymnasiums und der Oberrealschule Eutin 1, 1928)

Solche Denkmuster waren in den 1920er und frühen 1930er Jahren keine Seltenheit. Deutsche Nationalisten und Militaristen wie Rahtgens und Lohse wurden zur schweren Hypothek für die Weimarer Demokratie, da sie darauf hinarbeiteten, »dass die von ihnen als schwächlich verhöhnte Republik baldmöglich durch einen neuen nationalen Machtstaat mit einem Diktator an der Spitze abgelöst« würde (Wette, Wolfram: Abschied von der Kriegskultur. Friedenspolitische Lernprozesse in Deutschland nach 1945, in: Kössler, Till / Schwitanski, Alexander J.: Frieden lernen. Friedenspädagogik und Erziehung im 20. Jahrhundert, Essen 2014, S. 201-219, hier S. 201). Als die Nationalsozialisten schließlich 1933 die Herrschaft übernahmen, sollten sich diese Wünsche auf verhängnisvolle Weise erfüllen. In Eutin fanden diese Entwicklungen besonderen Anklang, wurde die ostholsteinische Kleinstadt doch zwischen 1930 und 1934 zu einer »Hochburg der Hitler-Bewegung« und zur »Probebühne des Dritten Reiches« (Stokes, Lawrence D.: Meine kleine Stadt steht für tausend andere ..., Studien zur Geschichte von Eutin in Holstein, 1918-1945, Eutin 2004, S. 229ff)

Projektbericht


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Foto: Schularchiv der Johann-Heinrich-Voß-Schule

• Einweihung des Denkmals am 17. März 1928


Das Jahr 1928 im »Anzeiger für das Fürstentum Lübeck«

28. Februar: Vorbildlich denken die Abiturienten unseres Gymnasiums. Sie haben nämlich beschlossen, nach bestandenem Abiturium, das am Ende der Woche stattfindet, keinen Kommers zu feiern. Sie wollen vielmehr das Geld, das ihre Eltern für den Kommers aufzuwenden hätten, als »Abiturientenspende« dem Fonds für das Schülerehrenmal zuwenden. Das Schöne an diesem Beschlusse ist, daß die jungen Leute ihn aus sich heraus und nicht etwa auf irgend einen gelinden Druck hin gefaßt haben. Ueberhaupt haben sich alle Kreise der Bevölkerung an den Spenden in zum Teil rührender Weise beteiligt. Manches Scherflein ist darunter von Witwen und verarmten Rentnern, von Hoch und Niedrig. Möchte doch immer und überall solche Großherzigkeit herrschen, dann wäre es sicherlich besser um uns und unser Vaterland bestellt! ...

    SH Eutin 1928 01 22 Anzeiger fuer das Fuerstentum Luebeck web


11. März:

               SH Eutin Voss 1928 03 11 Anzeiger fuer das Fuerstentum Luebeck web


20. März:
... nahm Herr Oberstudiendirektor Lohse das Wort ... gab dem Bedauern darüber Ausdruck, daß der Schöpfer des Ehrenmals, Prof. Hosäus, wegen schwerer Erkrankung in letzter Stunde sein Erscheinen zur Einweihung seines Werkes widerrufen mußte.

... Er wies sie hin auf den Zusammenhang ihrer feierlichen Entlassung mit der Weihe des Ehrenmals und stellte ihnen die Gefallenen als Vorbild hin. »Ans Vaterland, ans teure schließ dich an«, »Das halte fest mit ganzem Herzen« lauten die Sprüche über den Tafeln der Gefallenen. Die jungen Leute treten jetzt ins Leben hinaus und damit in den Dienst des Vaterlandes! Er erinnert sie an die herrlichen Worte auf dem Gefallenenmal der Berliner Universität: »invictis, victi, victuri«, d.h. Den Unbesiegten die Besiegten, die dennoch siegen werden. Der Redner gab diesen Worten eine tiefgründige Auslegung. ... Haben wir heute ein Vaterland? Nicht allein die ihm geschlagenen Wunden und entrissenen Glieder schmerzen, mehr noch die Zerrissenheit des Volkes, das undeutsche Gebahren, Unsittlichkeit und Unreinheit. ... Er schloß seine Rede mit Körners Worten:

Hinter uns im Grauen der Nächte
Liegt die Schande, liegt die Schmach,
Liegt der Frevel fremder Knechte,
Der die deutsche Eiche brach.
Unsere Sprache ward’ geschändet,
Unsere Ehre ist verpfändet,
Deutsche Brüder, löst sie ein!

Dann vollzog der Direktor mit der Aushändigung der Reifezeugnisse die letzte Amtshandlung des humanistischen Gymnasiums.

• Wir danken Regine Jepp von der Bürgergemeinschaft Eutin e.V. und Dr. Frank Baudach, dem Leiter der Eutiner Landesbibliothek für ihre Hilfe.

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Der Bildhauer Hermann Hosaeus

»Hermann Hosaeus wurde 1875 in Eisenach geboren. Aufgewachsen ist er in Buxtehude, und von hier aus lernte er Hamburg kennen. Er besuchte die Kunstgewerbeschulen in Dresden, Nürnberg, München und zuletzt die Berliner Akademie, wo er von 1898 bis 1900 Meisterschüler bei Reinhold Begas war. Sein Lebensmittelpunkt wurde Berlin, wo er 1922 Professor an der Technischen Universität Berlin-Charlottenburg wurde. Dass Hosaeus ein anerkannter Künstler war, unterstreicht auch seine Berufung an die Preußische Akademie der Künste. (...)
Sein eigentliches Betätigungsfeld wurde die Gestaltung von Kriegerdenkmälern. Im Kyffhäuserbund übernahm er den Vorstand und die Aufgabe des künstlerischen Beauftragten. Dieser Bund existierte seit 1900, er war der Dachverband der Deutschen Landeskriegerverbände. Ursprünglich oblag ihm die Pflege des Kyffhäuserdenkmals, das von 1891 bis 1897 zu Ehren des 1888 verstorbenen Kaisers Wilhelm I. errichtet wurde. Es gehört noch heute zu den imposantesten monumentalen Gedenkbauwerken Deutschlands. In diesem Bauwerk kam vor allem zum Ausdruck, sich vor inneren (gemeint ist die Sozialdemokratie) und äußeren Feinden zu schützen. Das war ganz im Sinne der Kriegervereine, die die Reichseinheit propagierten. 1922 wurde aus dem Kyffhäuserbund der Dachverband des Reichskriegerverbandes, der bald Wegbereiter der nationalsozialistischen Ideologie wurde. 1934 wurde er ›gleichgeschaltet‹ und 1943 auf Reichsebene aufgelöst.
Es verwundert nicht, dass Hosaeus sich in diesem Verein gut aufgehoben verstand, wo er während des Aufstiegs der Nationalsozialisten zahlreiche Aufträge erhielt, häufig wohl ohne Ausschreibung.«

Zitiert aus: Der »Harburger Soldat« und sein Erbauer Hermann Hosaeus, Ralf Busch im Harburger Jahrbuch 23, 2012

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      Foto: Helmsmuseum

● Hermann Hosaeus mit dem Kopf des »Soldaten« in seiner Werkstatt. Das Denkmal steht in Harburg vor der Johanniskirche.


Der »Soldat« in Harburg wurde am 26. Juni 1932 eingeweiht, »... einen trotz der Verwundung wuchtig ausschreitenden Infanteristen« nennt ihn Hosaeus selber. So hat sich also der junge Soldat der Johann-Heinrich-Voß-Schule – in der Haltung verblüffend gleich geblieben – zur »Kampfmaschine« weiterentwickelt. 

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Foto: Kerstin Klingel

Lesen Sie mehr – auch über die Rezeption des Denkmals bis heute:

Hamburg Harburg

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Das Gedicht »dankesschuld«

Ich trat vor ein Soldatengrab

Und sprach zur Erde tief hinab

Mein stiller grauer Bruder du

Das Danken läßt uns keine Ruh'.

Ein Volk in toter Helden Schuld

Brennt tief in Dankes Ungeduld.

Daß ich die Hand noch rühren kann

Das dank' ich dir, du stiller Mann.

Wie rühr' ich sie dir recht zum Preis?

Gib Antwort, Bruder, daß ich's weiß!

Willst du ein Bild von Erz und Stein?

Willst einen grünen Heldenhain?



Und alsobald aus Grabes Grund

Ward mir des Bruders Antwort kund

Wir sanken hin für Deutschlands Glanz.

Blüh, Deutschland, uns als Totenkranz!

Der Bruder, der den Acker pflügt

Ist mir ein Denkmal, wohlgefügt.

Die Mutter, die ihr Kindlein hegt

Ein Blümlein überm Grab mir pflegt.

Die Büblein schlank, die Dirnlein rank

Blühn mir als Totengärtlein Dank.

Blüh, Deutschland, überm Grabe mein

Jung, stark und schön als Heldenhain!

Walter Flex

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Der Dichter Walter Flex

Er (geboren 1887 in Eisenach – 1917 im Krieg getötet auf Ösel) war ein Schriftsteller und Lyriker. Die Bekanntschaft mit der Familie des Reichsgründers Otto von Bismarck, bei der er als Hauslehrer tätig war, beeinflusste ihn. 1913 kam es zu einem Bruch mit seinen Arbeitgebern, da für Flex die international zusammengesetzte Adelsfamilie von Bismarck zu »undeutsch« war.

1914 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger in Posen. 1917 wurde er wegen seines literarischen Ruhms nach Berlin abkommandiert, um im Auftrag des Generalsstabs an der Publikation »Der Krieg in Einzeldarstellungen« mitzuwirken. Auf eigenen Wunsch wieder an die Ostfront versetzt wurde er kurz darauf tödlich verwundet.

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• Walter Flex 1915

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Foto: Wikswat/Wikimedia Commons

In zahlreichen deutschen Städten wurden Straßen, Plätze, Gebäude und Schulen nach ihm benannt, von denen einige nach dem Ende der NS-Diktatur umbenannt wurden, z.B. die Schule Bergedorf in Hamburg. In Flex’ Heimatstadt Eisenach gibt es ein symbolisches Grab mit der Inschrift:

Wer auf die preußische Fahne schwört hat nichts mehr was ihm selber gehört

Von der Errichtung dieser Gedenkstätte machte der ehemalige »Freundeskreis Walter Flex« die Schenkung des Nachlasses des Dichters an die Stadt Eisenach abhängig. Der Bestand wird im Stadtarchiv aufbewahrt.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 14. März 2017

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I N H A L T
Das Denkmal
Volkstrauertag 2019
»Ehre ihrem Andenken«
Die Geschichte
Das Eiserne Kreuz

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Fischbek, Ortsteil von Elmenhorst im Kreis Stormarn

Auf dem Dorfanger vor dem Feuerwehrhaus

Das trutzige Kriegerdenkmal wurde am 22. Mai 1921 für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs eingeweiht.

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Der Maurer J. Dohrendorf hatte die Arbeiten ausgeführt. Das hat 11.400 Mark gekostet.

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Die Erweiterung für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs wurde am Totensonntag, den 20. November 1955, eingeweiht. Die beiden Namenstafeln hat der Bildhauer Ernst Walter aus Sülfeld, Kreis Segeberg zum Preis von 2.000 DM gefertigt.

Vor dem Denkmal sind vor kurzem zwei Bäume gesetzt worden, das entspricht dem Anblick auf den historischen Fotos vor der Erweiterung zum 2. Weltkrieg weiter unten.

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Das große Denkmal hat eine sehr ungewöhnliche Form. Es ist aus bunten Granitsteinen gemauert, der vordere Teil besteht aus zweimal sechs Stufen, die von beiden Seiten zu einer Tribüne führen. Die Treppen haben massiv gemauerte Seitenwände, die an der Vorderseite des Denkmals mit einteiligen Granitpfosten enden.

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Von der Seite sieht man die Form des hinten abgerundeten Teils vom Denkmal am besten. Laut der Broschüre »Ehrenmale und Friedenseichen in Stormarn« ist es einem gespaltenen Findling nachempfunden.

 

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Gekrönt ist es von einem schlanken Eisernen Kreuz. Es besteht aus zwei übereinandergelegten Teilen, die von einer Schraube mit großem eckigen Kopf zusammen gehalten werden.

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Auf der senkrechten Vorderseite sind drei Marmortafeln angebracht. Auf der ältesten und größten Tafel in der Mitte werden die Namen und das Sterbedatum von 15 Soldaten im 1. Weltkrieg genannt. Die Liste ist alphabetisch nach dem Initial des Nachnamens geordnet. Der Vorname ist nachgestellt. Die Sterbetage sind mit einfachem Kreuz, nicht mit einem Eisernen Kreuz, gekennzeichnet.

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Über der Namensliste ist ganz oben mittig ein Eisernes Kreuz in Kontur graviert. Umgeben ist es von einem Eichenzweig (links) und einem Lorbeerzweig (rechts), die unten über Kreuz liegen. Darunter die Inschrift:

Die dankbare Gemeinde
Fischbeck
ihren im Weltkrieg 1914–18
gefallenen Söhnen

Unter der Namensliste steht die Zeile:

Ehre ihrem Andenken

Die Marmorplatte ist zum Teil in das Mauerwerk eingelassen, die Steine sind um sie herum vermauert. Der obere Kante der Platte ist gewölbt, die Seitenkanten sind regelmäßig und symmetrisch gezackt. Die Oberfläche der Platte ist poliert, die Seitenkanten sind grob behauen.

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Auch die beiden Marmorplatten zum 2. Weltkrieg, rechts und links von der großen Platte angebracht, sind poliert. Hier sind aber die Seitenkanten geglättet. Die Oberkanten sind wieder gewölbt.

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Die Platten tragen mittig ein Eisernes Kreuz, jeweils flankiert von den Jahreszahlen des 2. Weltkriegs:

1939  (Eisernes Kreuz)  1945

Die je 15 Namen der toten Soldaten sind alphabetisch nach dem Initial des Nachnamens geordnet, der Vorname ist vorangestellt. Es werden keine Sterbetage genannt. Die Buchstaben laufen im Schriftband mit herausragenden Unterlängen.

Auf den bisherigen Fotos der drei Tafeln wirkt alles Polierte der Oberfläche hell und alles was tiefer graviert wurde, ob Symbole und Schrift zum 1. Weltkrieg oder die Fläche des Eisernen Kreuzes und die Schrift- und Zahlenbänder zum 2. Weltkrieg dunkel. Auf einem Foto weiter unten werden wir sehen, dass sich dieser Effekt je nach Lichteinfall auch umkehren kann.

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Unter den Marmorplatten ist ein Vorsprung zur Ablage von Kränzen usw. gemauert worden. Die Tribüne ist nach vorne mit einer Kette zwischen den Granitpfosten notdürftig abgesichert.

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Hier sieht man gut die gegossenen Zementstufen und die Zementplatte der Tribüne, auf der die Pfosten stehen.

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Auf der anderen Seite genauso. Diese Denkmalsteile sind gerade renoviert worden. Auf den historischen Bildern weiter unten kann man sehen wie die Platte teilweise zerbröckelt. Bei der Renovierung sind wohl auch die kleinen Rhododendren rund um das Denkmal gesetzt worden.

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Der Blick von oben: ganz schön steil!

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Das Denkmal von hinten: massives Mauerwerk, fast wie ein mittelalterlicher Turm der Stadtmauer.

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Genau gegenüber: die Bushaltestelle von Fischbek.

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Hier kann man die gebogenen Eisenklammern sehen, die beide kleinen, nachträglich aufgesetzten Platten halten. Ausserdem den Unterschied zwischen der glatt polierten Oberfläche und den tieferen rauhen Flächen.

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Da die seitlichen kleineren Platten nicht bis zum Boden der Tribüne gehen, hat man sie unten mit kleinen angemauerten Podesten unterstützt. Man hat ähnliche bunte Bruchsteine verwendet, die man auch hier mit wulstigen Fugen verbunden hat. Eine aufwendige Arbeit. Diese Hervorhebungen des Fugennetzes nennt man »Krampfaderfugen«.

 

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Volkstrauertag 2019

»Unseren Toten der beiden Weltkriege in ehrendem Gedenken« schreibt die Gemeinde Elmenhorst, zu der Fischbek gehört, auf die schwarz-rot-goldene Schleife ihres Kranzes.

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Die Toten der beiden Weltkriege, derer hier ehrend gedacht wird, sind die toten Soldaten des Heeres des Deutschen Kaiserreiches und der Deutschen Wehrmacht im Nationalsozialismus. Die Opfer des Vernichtungskriegs der Deutschen Wehrmacht und des Naziterrors: Jüdinnen und Juden, die Menschen im Widerstand, sogenannte Behinderte ... werden nicht erwähnt.

 

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»Ehre ihrem Andenken«

So heißt die letzte Zeile auf der Marmorplatte zum 1. Weltkrieg. Grund für die posthum gewährte Ehre durch die Denkmalsstifter ist die durch den Soldatentod besiegelte Treue und Tapferkeit. Die Ehre wird kollektiv ausgesprochen, egal wie sich der Einzelne verhalten hat.

 

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»Das verehrungswürdige Sujet verträgt keine Beschädigung, keine Beschmutzung. Das hat es mit dem Idol gemein oder im geistigen Kontext mit dem Ideal. Der Krieger mutiert zum Held, das Kriegerdenkmal zum Heldenehrenmal – und ist damit jeder kritischen Betrachtung entzogen. Der deutsche Soldat hat sich sui generis heldenhaft verhalten, so wenig wie er dürfen die Reichswehr oder die Wehrmacht in Zweifel gezogen werden. Die von Hindenburg am 18. November 1919 im parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Reichstags als Erklärung für die Niederlage des Ersten Weltkriegs vorgetragene ›Dolchstoßlegende‹ oder die Proteste gegen die ›Wehrmachtsausstellung‹ über von ihr begangene Verbrechen im Zweiten Weltkrieg sind Ausdruck der Bemühungen, sowohl die militärischen Institutionen wie auch die ihnen angehörenden Personen der geschichtlichen Realität und damit auch der Verantwortung zu entziehen.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 33

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Die Geschichte

Die Einweihung des Denkmals erfolgte am 22. Mai 1921. Der Maurer J. Dohrendorf hat es ausgeführt, es hat 11.400 Mark gekostet.

 

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Das Denkmal und die Tafel sind mit Girlanden geschmückt, an den Seiten der Tafel hängen je drei Kränze mit langen hellen Schleifen. Viele Regimentsfahnen sind ringsherum aufgestellt, der Redner grüßt mit erhobenem Arm und die vielen Besucher, meist Männer, lüften ihren Hut!

 

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Undatiertes Foto, wohl aus den ersten Jahren des Denkmals, auf alle Fälle vor der Erweiterung zum 2. Weltkrieg. Um die Tafel zum 1. Weltkrieg hängen viele zarte Kränze, die Bäumchen sind gerade erst gepflanzt, ein Sandweg führt im großen Bogen am Denkmal vorbei.


Aus der Chronik von Fischbek, Seite 427 und 428

»Zum ersten Male nach dem Krieg [1952] wurde im ganzen Bundesgebiet der Volkstrauertag als Gedenktag für die Opfer des Krieges an den Fronten und in der Heimat begangen. Auch hier in Fischbek fand eine Gedenkfeier statt. Der Bürgermeister Offen legte einen Kranz nieder, der Lehrer hielt eine kurze Ansprache und die Schulkinder sangen die Lieder: ›Ich hab' mich ergeben‹ und ›Ich hatt' einen Kameraden‹. Die Schule hält diese Gedenkstätte als Ehrenpflicht traditionsgemäß in Ordnung.
• Lehrer Gerken, Schulchronik

Volkstrauertag 1955
Während der Feierstunde wurden zwei Gedenktafeln für die Gefallenen und Vermißten im Zweiten Weltkrieg eingeweiht. Dabei wurde eine Urkunde mit folgendem Text eingemauert:

›Fischbek, den 3.11.1955

Urkunde
der Gemeinde Fischbek zur Anbringung von 2 Ehrentafeln der Gefallenen und Vermißten des 2. Weltkrieges 1939–1945.

In der Gemeindevertretersitzung vom 1. Juli 1955 wurde beschlossen, zwei Ehrentafeln am Gedenkstein anzubringen. Die Lieferung der Ehrentafeln erfolgte durch den Bildhauer Ernst Walter in Sülfeld, Kr. Segeberg zum Preis von 2.000 D;. Hiervon wurden durch freiwillige Spenden der Dorfbewohner 928.- DM aufgebracht. Die restliche Summe zahlte die Gemeinde. Die Einweihung erfolgte am Totensonntag, den 20. November 1955.

Von den heutigen Verhältnissen können wir folgendes berichten:
Bürgermeister der Gemeinde ist Arthur Offen.

Gemeindevertreter sind: Henry Stoffers, Robert Stoffers, Erich Eberhardt, Gustav Vogt, Hugo Wagner, Hans Stapelfeld, Willi Kolbe und Georg Hein.

Lehrer der hiesigen Volksschule ist Hans Gerken (49 Schüler).

Feuerwehrhauptmann ist Robert Stoffers. Das Amt der Postverwaltung wird von Albert Faasch bekleidet.

Die Einwohnerzahl beträgt 352, davon entfallen auf Einheimische 236 und auf Flüchtlinge 116.

Seit dem Jahre 1948 setzte in der Landwirtschaft eine starke Motorisierung ein.

Preise: 1/2 kg Butter kostet 3,48 DM, ein Ei kostet 0,25 DM, 1 Ztn. Roggen kostet 20.- DM.

Alle Einwohner haben den sehnlichsten Wunsch, von einem weiteren Krieg verschont zu werden. (Schulchronik)‹


An der Gedenkfeier am 20. November 1955 nahmen teil:
Die Abordnung vom Bund ehemaliger Soldaten (Elmenhorst) und eine Abordnung vom Bund Deutscher Kriegsopfer (Elmenhorst), die Musikkapelle der FF Elmenhorst, die Einwohner der Gemeinde mit dem Gemeinderat und die Schulkinder der Volksschule zu Fischbek mit ihrem Lehrer Hans Gerken.

Das Programm gestaltete sich folgendermaßen: Die Weiherede hielt der Propst Schütt aus Bargteheide, die Enthüllung der Tafeln und die Namensverlesung unternahm der Bgm. Offen, die Ansprache hielt der Lehrer Hans Gerken. Mit den Musikstücken der Musikkapelle Elmenhorst, den durch die Schulkinder vorgetragenen Gedichten und Liedern und der Kranzniederlegung gedachte die Gemeinde Fischbek in stiller Trauer ihrer gefallenen und vermißten Söhne an den Fronten und in der Heimat währen des letzten Krieges.

Seitdem wird der Volkstrauertag alljährlich an diesem Ehrenmal begangen.«

• Wir danken sehr herzlich Waltraut Bielenberg für ihre spontane Hilfe und für das Einscannen der Chronikseiten.

 

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Der schneebedeckte Dorfplatz ist im Jahr 1963 mit einem Drahtzaun eingegrenzt. Ein Kranz von hohen Bäumen umgibt das Denkmal.

 

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Das Denkmal im Sommer 1965: ein Sandweg führt um das Denkmal. Zaun und Bäume sind geblieben.

 

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Das Denkmal 1988, im Hintergrund das Feuerwehrhaus. Der Zaun ist abgebaut, die Bäume sind gefällt.

 

SH Fischbek Hennigs1 StA web

SH Fischbek Hennigs2 StA web


Die beiden Fotos mit dem üppigen Stiefmütterchenschmuck sind im Jahr 1996 entstanden.

Die letzten fünf Fotos: Kreisarchiv Stormarn >internationale Lizenz 4.0

 

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden.

     Eisernes Kreuz 1WK Kaiser web

• »Fake News« anno 1914: Das Deutsche Reich hatte gerade das neutrale Belgien überfallen, damit die Truppen sich auf dem schnellsten Weg zum Erzfeind Frankreich begeben konnten.

Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


SH Wulfsdorf Hitler EK web

• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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I N H A L T
Das Denkmal
Volkstrauertag 2018
Historische Postkarte
Begriffsklärung

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Fissau, Kreis Ostholstein

Auf einem Dreiecksplatz vorm Dorfteich am Feuerwehrhaus

Das Kriegerdenkmalsanlage ist für die toten Soldaten beider Weltkriege errichtet worden, ein Extrastein nennt die toten Soldaten aus den Flüchtlingsfamilien, die nach dem 2. Weltkrieg in Fissau sesshaft wurden. Auf der Website von Fissau wird das Denkmal »Ehrenmal« genannt. Heinz Werner, Mitglied im vierköpfigen Dorfvorstand, pflegt die Anlage.

SH Fissau alles web


Der Platz ist umgeben von einer Buchenhecke. Von der Durchgangsstraße aus kann man die Denkmalsanlage durch eine schlichte Eisenpforte betreten. Rundherum ist die Rasenfläche mit großen und kleinen Bäumen bepflanzt. Anfang Dezember 2013 wurde eine 80 Jahre alte Linde vom Orkan Xaver umgelegt und zersplitterte auf den massiven Findlingen des Denkmals.

SH Fissau Seitlich web


Ein Sandweg führt von der Pforte um das Denkmal herum, denn beide Seiten des Denkmals sind gestaltet. Die Findlinge sind umgeben von immergrünen Gehölzen, dazwischen Beete, Planzschale und mit Pflastersteinen abgesetzte Flächen, teilweise mit Split ausgefüllt. Zur Dorfstraße hin werden die Kränze abgelegt. Das Findlingsensemble hat einen hohen Sockel aus gemauerten bunten Feldsteinen.

 

SH Fissau Mitte web


Auf dem mittleren Findling werden unter einem Eisernen Kreuz zwischen den Jahreszahlen des 1. Weltkriegs 29 Nachnamen mit abgekürzten Vornamen genannt. Ein Ordnungsprinzip ist nicht zu erkennen. Die Namen sind linksbündig in zwei Spalten mit Großbuchstaben aus Bronze aufgesetzt, der 29. Name steht am unteren Ende zur Mitte. Auf der historischen Postkarte ist zu sehen, dass er nachträglich hinzugekommen ist.

1914   (Eisernes Kreuz)   1918

Wie auch auf den drei anderen Findlingen der Anlage zeigt das Eiserne Kreuz als militärisches Ehrenzeichen über den Namen, dass hier ausschließlich der toten Soldaten gedacht wird und nicht auch der zivilen Opfer.

 

SH Fissau links web


Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurden dem Denkmal drei Findlinge hinzugefügt. Links werden 45 Namen von toten Soldaten aus Fissau genannt. Großbuchstaben aus Bronze, abgekürzte Vornamen etc. wie beim Vorbild zum 1. Weltkrieg. Die vielen Namen wurden platzsparend, die Breite des Steins ausnutzend, aufgesetzt.

Eisernes Kreuz
1939 – 1945
FISSAU

 

SH Fissau rechts web


Auf dem rechten Findling geht es weiter mit 33 Namen toter Soldaten aus Fissau, darunter folgen 9 Namen toter Soldaten aus Sibbersdorf.

Eisernes Kreuz
1939 – 1945
FISSAU
.......
SIBBERSDORF

 

SH Fissau Heimatvertriebene web

Der mittlere, eher breite Findling ist vor den Sockel des Findlings zum 1. Weltkrieg gesetzt worden. Hier werden 45 Namen toter Soldaten aufgeführt, die vermutlich zu Flüchtlingsfamilien in Fissau gehören.

1939   (Eisernes Kreuz)   1945
HEIMATVERTRIEBENE

 

SH Fissau Detail web


Vor dem Findling ist in einer Reihe von Felsquadern ein Metallrohr eingelassen. Vielleicht ein Fahnen- oder Fackelträger?

 

SH Fissau hinten web


Auf der Seite zum Dorfteich sieht man die massive Steinmauer, die die Findlinge insgesamt stützt. Die großen hellen Steine, seitliche Stützen des ursprünglich allein stehenden Denkmals zum 1. Weltkrieg, sind eingearbeitet. Auch die Treppe, siehe historische Karte, ist noch vorhanden und dient jetzt als Ablage für Blumenvasen o.ä.

Auf dem dreieckigen Splitplatz wurde eine runde Planzschale plaziert.

 

SH Fissau hinten Inschrift ganz web


Die Inschrift lautet:

UNSEREN
LIEBEN FÜR DAS
VATERLAND GEFAL-
LENEN TAPFEREN
SÖHNEN

GEWIDMET
VON DER DANK-
BAREN DORFSCHAFT
FISSAU
SIBBERSDORF

 

SH Fissau Inschrift hinten web

 

»Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.«

Ralph Giordano, Die zweite Schuld, S. 324


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Volkstrauertag 2018

Die Vertreter der Stadt Eutin legten »in ehrenvollen Gedenken« einen Kranz für Mitglieder des Reichsheeres und der Deutschen Wehrmacht nieder. Auch die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Eutin gedenkt der Soldaten.

SH Fissau Kraenze web

 
Wie verhalten wir uns dazu, dass wir heute wissen, dass sich die Soldaten damals für falsche Ziele und Ideale eingesetzt haben? Wie verhalten wir uns dazu, dass Soldaten nicht nur Opfer waren, sondern auch Täter?


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Historische Postkarte

Der Findling zum 1. Weltkrieg als Solitär auf dem Platz an der Dorfstraße.

Ehrenmal Fissau Karte web


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Begriffsklärung

Vaterland
Kriegerdenkmäler für den »gemeinen Mann« stehen in einer eigenen Tradition, die begann, als im 18. Jahrhundert das stehende Heer das Söldnerheer verdrängte und das stehende Heer sich durch die allgemeine Wehrpflicht – in Preußen 1814 eingeführt – zum Volksheer wandelte. Das Söldnerheer verrichtete ein riskantes aber Profit versprechendes Handwerk. Das Freiwilligen- oder Volksheer griff nicht des Geldes wegen zu den Waffen. Die Vorstellung, das Vaterland von feindlicher Besetzung zu befreien oder vor feindlichem Zugriff zu schützen, wurde auch in den Kriegen aufrechterhalten und propagiert, wo die Führung den Angriff befahl.

Denkmäler tradieren seit ihrem ersten Auftreten die Überzeugung, im Krieg für drei traditionsreiche Werte gekämpft zu haben: »für das Vaterland als höchstem Gut, dem der Einzelne unter Aufbietung aller Kräfte diente, zweitens der Monarchie, der er sich bereitwillig unterordnete und drittens seinem überzeugtem Christentum.« (zitiert nach Lurz, Kriegerdenkmäler in Deutschland, Band 1, S. 260) Ein solches Bewusstsein lässt nicht daran zweifeln, auf der richtigen Seite und für die gute Sache gekämpft zu haben.

zitiert aus Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 78. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006

Gefallene
»Gefallenendenkmal« verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort. Ralph Giordano rät deshalb, »gefallen« durch »umgebracht« zu ersetzen.

Neben diesem offenkundigen Euphemismus schränkt der Begriff »Gefallener« den Inhalt auf den Bedeutungsbereich ein, der im Englischen mit »killed in action« bezeichnet wird. Die deutsche Sprache bevorzugt auch dafür einen schönfärbenden Ausdruck: »im Felde gefallen« oder »auf dem Felde der Ehre gefallen«. Nicht auf ein »Gefallenendenkmal« gehörten demnach alle, die beim Beschuss der Unterkunft, im Lazarett, auf dem Transport oder in Gefangenschaft ums Leben kamen.

Ebd. S. 22

... dass das Grauen des Kriegstodes vom Denkmal verbannt werden sollte. An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort »Gefallener« (oder »gefallen«) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.

Ebd. S. 60/61

Tapfere Söhne
In ehrenvollem Gedenken

Ehren kann mehr bedeuten als nur jemanden in guter Erinnerung zu bewahren. Es kann die Absicht beinhalten, jemanden auszuzeichnen, also eine besondere Leistung, ein besonderes Verhalten, eine besondere Haltung hervorzuheben. Eine solche Form der Ehrung ist im zivilen Bereich mit der Verleihung von Ehrenbezeichnungen, Urkunden, Ehrenringen oder -plaketten oder auch Orden verbunden, im militärischen Bereich vor allem mit Orden [meist dem Eisernen Kreuz]. Das Kriegerdenkmal wird diesen Ordens- und Ehrenzeichen gleichsam zur Seite gestellt und posthum kollektiv verliehen. Grund der Auszeichnung ist die durch den Tod besiegelte besondere Treue oder Tapferkeit, Haltungen, die auch heute noch der Soldateneid einfordert. [...]

Das verehrungswürdige Sujet verträgt keine Beschädigung, keine Beschmutzung. Das hat es mit dem Idol gemein oder im geistigen Kontext mit dem Ideal. Der Krieger mutiert zum Held, das Kriegerdenkmal zum Heldenehrenmal – und ist damit jeder kritischen Betrachtung entzogen. Der deutsche Soldat hat sich sui generis heldenhaft verhalten, so wenig wie er dürfen die Reichswehr oder die Wehrmacht in Zweifel gezogen werden. Die von Hindenburg am 18. November 1919 im parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Reichstags als Erklärung für die Niederlage des Ersten Weltkriegs vorgetragene ›Dolchstoßlegende‹ oder die Proteste gegen die ›Wehrmachtsausstellung‹ über von ihr begangene Verbrechen im Zweiten Weltkrieg sind Ausdruck der Bemühungen, sowohl die militärischen Institutionen wie auch die ihnen angehörenden Personen der geschichtlichen Realität und damit auch der Verantwortung zu entziehen.

Ebd. S. 33

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I N H A L T
Das Denkmal
Ein Kursprojekt am Otto-Hahn-Gymnasium
Die Ergänzung
Die Informationstafel
Ein imposanter Aufgang
Das Denkmal im Internet

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Geesthacht, Kreis Herzogtum Lauenburg

Auf einer Grünfläche im Ortsteil Grünhof-Tesperhude

Das Kriegerdenkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs ist eine sehr ungewöhnliche Steinstele. Sie steht auf einem lose aufgeschichteten Hügel aus kleinen Findlingen mitten in einem von Kantsteinen eingefassten Beet. Der umführende Sandweg wird von einer halbhohen Eibenhecke begrenzt, die allerdings erst in späteren Jahren gepflanzt wurde. Auch die umgebenden Bäume sind erst später gewachsen, bei der Errichtung des Denkmals war dies ein unbewaldetes Gebiet.

SH Geesthacht Anlage web

Es gibt keine Akten in der Gemeindeverwaltung über die Entstehungsgeschichte des Denkmals, Heimatforschern zufolge ist 1922 mit der Errichtung am jetzigen Standort begonnen worden. Initiatoren sollen ehemalige Soldaten gewesen sein, die 1920 auf einem Heimkehrerball einen Ausschuss zur Aufstellung eines Denkmals gebildet hatten. Die Anlage ist für ihre dörfliche Lage ungewöhnlich gestaltet. Der kreisförmige Hügel, auf dem die Sandsteinstele steht wurde extra aufgeschüttet. Die Stele ist aufwändig verziert und enthält eine bemerkenswerte expressionistische Symbolik. Die ca. 3m hohe Stele hat die Form einer menschlichen Silhouette, sie ist an allen vier Seiten beschriftet.

              SH Geesthacht Symbole Vorne web

Auf der Vorderseite der Stele ist im runden Kopfteil eine nach unten geneigte Hand dargestellt, die fünf Blitze schleudert. Umlaufend kann man folgende Inschrift lesen:
Verrat – 1914 – Welt ist Hass – 1918 Gewalt  – Luege   

Wobei das Wort »Hass« genau über der Hand steht, die die Blitze schleudert. Die Wörter werden durch dürre Äste getrennt.

              SH Geesthacht Schrift Vorne web

Ein großer Blitz schlägt durch bis in den unteren Teil der Stele, dem »Schulterbereich«, und zeigt schließlich auf die zweite Inschrift:

Dem Andenken der Helden, die im Weltkriege ihr Leben fuer Deutschlands Freiheit einsetzten
Die dankbare Gemeinde Guenhof-Tesperhude

              SH Geesthacht Symbole hinten web

Auf der Rückseite befindet sich im »Kopf« die Darstellung einer Sonne. Sie ist von folgender Inschrift umgeben:
Gott ist Liebe – Recht – Wahrheit – Treue

Die Wörter werden durch Eichenlaub getrennt. Im »Schulterbereich« sind zehn Sterne und eine Mondsichel abgebildet.

             SH Geesthacht hinten web

Der Text darunter ist am Ende beschädigt, mühsam kann man ein Zitat von Marc Aurel lesen:
Blicke oft zu den Sternen empor als wanderst Du mit ihnen – solche Gedanken reinigen die Seele von dem Schmutz des Erdenlebens


         SH Geesthacht linke Seite web   SH Geesthacht rechteSeite web

An den Schmalseiten der Stele ließ die Gemeinde Grünhof-Tesperhude die Namen von 33 Soldaten meißeln, die im 1. Weltkrieg getötet worden bzw. bis 1922 an ihren Kriegsverletzungen gestorben waren. Auf der linken Seite befinden sich die Namen der Toten der Jahre 1914 und 1915. Auf der rechten Seite die der nächsten Kriegsjahre und der Nachkriegsjahre. Über und unter den Namen sind waagerechte Vertiefungen eingemeißelt, deren Anzahl Raum für Interpretationen geben.

Hier noch einmal die Vorder- und Rückseite des Denkmals insgesamt:

             SH Geesthacht vorne ganz web

             SH Geesthacht hinten ganz web

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Ein Kursprojekt

Über ein Jahr lang trugen Schülerinnen und Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums mit ihrer Lehrerin Andrea Lehmann Informationen über das Leben des im 1.Weltkrieg getöteten Geesthachter Soldaten Emil Haberland zusammen. Das Ergebnis wurde 2014 in einer Ausstellung im GeesthachtMuseum! präsentiert.

Kursprojekt Otto-Hahn-Gymnasium

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Die Ergänzung

1958 wurde eine schlichter flacher Granitplatte für die Opfer des 2. Weltkriegs vor die Stele gelegt. Die Inschrift lautet:
Den Opfern des II-Weltkrieges zum Gedenken


SH Geesthacht 2WK web

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Die Informationstafel

 

SH Geesthacht Tafel web

Eine hilfreiche Tafel steht an der Seite, auch mit einem Hinweis auf das Material der Stele:

»Die Stele besteht aus Weser-Sandstein. Dieses Material wurde in den 1920er Jahren vielfach verwendet, da es leicht zu beschaffen und kostengünstig war. Aber Sandstein ist ein sehr verwitterungsanfälliger Stein. Durch das Eindringen und Gefrieren von Feuchtigkeit platzen immer wieder Teile vom Stein ab. Eine Sanierung ist leider nicht möglich. Daher soll über diese Erläuterungstafel die Informationen, die der Stein sowohl über die Gefallenen als auch über die Symbolik enthält, erhalten bleiben.«

Eine Broschüre zu Denkmälern in Geesthacht erhalten Sie in der Touristinformation im GeesthachtMuseum!, Bergedorfer Straße 28.

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Ein imposanter Aufgang 

                   SH Geesthacht Aufgang web

Eine breite Treppe, daneben ein gepflastertem Fahrrad- und Rollstuhlweg führt zum Denkmal. 2008 wurde der Aufgang saniert.

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Das Denkmal im Internet

Wir zitieren aus der Website von Geesthacht:

»Die Stele hat eine ungewöhnliche, für die Region einmalige Ikonologie. Auf der Vorder- und Hinterseite der Stele ist ein hoher Gehalt an Symbolik vorhanden, welcher im Kontrast zueinander steht. Die Vorderseite symbolisiert das Böse und die Hinterseite das Gute. Die Symbolik der Front wirkt zunächst ein wenig paradox, da Blitze ausschließlich von der Natur erzeugt werden können und nicht von Menschen. Im Weiteren wird jedoch deutlich, dass die Blitze für Gewalt, Zerstörung und den Hass der Menschen stehen. Die Hinterseite der Stele steht für das Gute. Am Kopfteil befindet sich das Symbol der Sonne: »Am Anfang war das Licht«. Somit werden die Religion und die Theologie thematisiert. Die Sonne steht im Weltraum über allem, was auch hier verdeutlicht wird. Sie ist das Zentrum und oberhalb der Sterne und des Mondes positioniert, die für die Menschheit stehen. Durch die abgerundete Darstellung entsteht eine beruhigende und harmonische Wirkung. Die Symbole befinden sich im Gleichgewicht, da man eine Sonne vorfindet, einen Mond und zehn Sterne, deren Quersumme ebenfalls eins ergibt. Die Eins ist die Zahl Gottes und steht für einen neuen Anfang und jegliche Erneuerungen. Eine derart komplexe Symbolik sucht man vergeblich bei den ›üblichen‹ Denkmälern im Kreisgebiet.«

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschrift
Die Symbole
Die Pforte
Die Heldenallee
Die Geschichte
Der Kriegerverein von Gleschendorf
Pastor Erfurt über die NS-Zeit
Das Mutterkreuz
Das Eiserne Kreuz

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Gleschendorf, kreis Ostholstein

Im alten Ortskern auf dem Kirchhof

Das Denkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs im Kirchspiel Gleschendorf wurde am 30. Oktober 1921 eingeweiht. Es wurde fast ausschließlich über Spenden finanziert. Die Ansprache hielt Pastor Wilhelm Dittmer, dessen Sohn 1916 bei Verdun ums Leben gekommen war und der wohl wegen seiner Nähe zum Kriegerverein von Gleschendorf »Kanonenpastor« genannt wurde.

SH Gleschendorf Turm web


Auf einem Hügel über der Schwartau steht die über 800 Jahre alte Feldsteinkirche mit dem imposanten Turm. Wir gehen durch die Kirchhofpforte direkt auf ihn zu und sehen rechts das helle Kriegerdenkmal. Die schlanke Stele mit rechteckigem Grundriss wurde aus sächsischem Granit gefertigt.

 

SH Gleschendorf Turm Denkmal web


An drei Seiten umgeben von einer Buchenhecke, schließt sich die kleine Anlage direkt an die Turmwand an.


SH Gleschendorf Kummer web


Die Stele hat oben einen aufwendig gestalteten Abschluss mit Symbolen an allen vier Seiten und einem aufgesetzten Soldatenhelm aus gleichem Granitgestein.


     SH Gleschendorf Inschrift web


Auf der Frontseite im unteren Bereich steht in großzügigen Zeilen über eine tiefergelegte Fläche die eingemeißelte Widmung:

Den lieben
Gefallenen
und
Vermißten
der beiden
Weltkriege
1914 – 1918
und
1939 – 1945
zum ehrenden
Gedächtnis

Namen werden auf der Stele nicht genannt. Die 128 Namen der toten Soldaten des 1. Weltkriegs wurden auf fünf Eichenholztafeln veröffentlicht, die parallel zur Denkmalseinweihung 1921 an der Empore in der Kirche angebracht wurden. Den »Ausführungsentwurf für die Emporen-Brüstung mit Kriegerehrung« hatte das bekannte Lübecker Architektenbüro Lenschow & Runge zum 26. Juli 1920 erstellt. Die Kosten von 11.399,50 Mark waren von den Ortschaften des Kirchspiels und durch Spenden aufgebracht worden.


SH Gleschendorf Spitze vor Kirche web


An beiden Schmalseiten sehen wir das flächig eingemeißelte militärische Ehrenzeichen, ein Eisernes Kreuz. Auf Kriegerdenkmälern wird es den toten Soldaten für Tapferkeit und Treue posthum und kollektiv verliehen, egal wie sich der Einzelne tatsächlich verhalten hat.

 

SH Gleschendorf oben mit Aesten web2


Der Bildhauer hat den Abschluss der Stele in der Mitte mit einem kleinen Podest versehen, auf dem der realitätsnah gearbeitete »Stahlhelm« liegt. An beiden Längsseiten bildet ein gerundeter Wulst mit eingedrehten Enden die obere Kante der Symbolfläche. Die Symbole sind flächig eingemeißelt: zwei gekreuzte Bajonette und eine Flammenkugel.


SH Gleschendorf Detail Inschrift hinten web


Auf der Rückseite stehen zwei Zeilen in dünner, extrem schmaler Schrift – schwer zu entziffern. Der Küster Herr Greger und sein Mitarbeiter haben die Inschrift mit Hilfe von Graphitpulver für uns sichtbar gemacht. Vielen Dank dafür!

Dort steht also:

HELDENTOD
IST EWIGES LEBEN

Die erste Zeile ist eingerahmt von zwei flächig tiefergelegten achteckigen Sternen. Der Begriff »Ewiges Leben« auf einem evangelischen Kirchhof muss mit Aussagen aus der christlichen Theologie erklärt werden. Im ältesten Teil der Bibel wird ein ewiges Leben nur für Gott angenommen und dem Menschen abgesprochen. In später entstandenen alttestamentlichen Schriften wird den »Gerechten« ein von Gott gegebenes ewiges Leben in Aussicht gestellt. Das Neue Testament enthält Aussagen über ein ewiges Leben, das Gott ausschließlich den Gläubigen gewährt. Auf keinen Fall aber wird der »Heldentod« eines Soldaten sein ewiges Leben begründen.   


SH Gleschendorf Sockel web


Ein exakt gearbeiteter Sockel trägt die Stele.


SH Gleschendorf Denkmal2 web


Im Hintergrund sehen wir das schöne Haus der Kirchengemeinde mit Pastorat, Gemeindebüro und Kindergarten.


SH Gleschendorf weit web


Die große Rasenfläche des Kirchangers umgibt die Kirche und das Denkmal.

 

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Die Inschriften

Den lieben Gefallenen ...

»Das sind natürlich Erinnerungen an Menschen, die man lieb hat. (...) Da fällt es schwer zuzugestehen, dass jemand, um den man trauert, einerseits Opfer war – auf jeden Fall Opfer – und auf der anderen Seite auch Teil eines verbrecherischen Regimes war, ob er nun wollte oder nicht. Aber es ist eine Frage der historischen Ehrlichkeit, dass wir uns solchen Fragen stellen.«

Wolfgang Froese, Stadtarchivar von Gernsbach, Badische Neueste Nachrichten 4.10.2019


»Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: ›der Gefallenen‹. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung ›Gefallene‹ eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.

Im Wort ›fallen‹ verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der ›fiel‹, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort ›fallen‹, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.«

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S.100


»An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort ›Gefallener‹ (oder ›gefallen‹) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 60/61


... zum ehrenden Gedächtnis

»Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. ›Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.‹ [Giordano, Die zweite Schuld, S. 324].«

• Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 29


Der Tod eines Soldaten muss erklärt und gerechtfertigt werden und er begründet eine spezifische Erinnerungspflicht. Wobei es nicht die Toten sind, die die Lebenden dazu verpflichten könnten, es sind immer die Überlebenden, die als Denkmalstifter die Getöteten für ihre Zwecke benutzen, sie als Helden, als Retter des Vaterlands, als Vorbild für Treue und Pflichterfüllung benennen, deren Tod nicht sinnlos gewesen sein darf. Bis 1945 benutzen die Nationalsozialisten die toten Soldaten für eine Verpflichtung an die nachfolgende Generation, ihnen an Kampfesmut und Opferbereitschaft nicht nachzustehen.

Heldentod

»Prinzipiell existieren keine Helden, sondern sie werden per Zuschreibung von außen dazu gemacht. Dies erkennt man bereits daran, dass heute andere Menschen als Helden gelten, als zur Zeit des 1. und  2. WK. Es handelt sich um eine Konstruktion, die einen bestimmten Zweck erfüllen soll, denn nicht jeder Soldat ist ein Held. Auch werden andere am Krieg direkt oder indirekt Beteiligte (Dichter, Ärzte, Hausfrauen, Invaliden usw.) deutlich seltener als Helden verehrt – von Kriegsgegnern ganz zu schweigen. Durch diese ›Opferhelden‹ werden bestimmte Werte, die dieser Held verkörperte erhöht und für die Gesellschaft als besonders erstrebenswert definiert, wie z.B. die Opferbereitschaft, ›Vaterlandsliebe‹, Mut, Furchtlosigkeit. Im Gegenzug lässt sich gleichfalls nicht heldisches Benehmen erkennen: Zögern, Zaudern, Furcht, Illoyalität usw. Durch den universellen Anspruch des Heldengedenkens wird die ›Leistung für das Gemeinwesen‹ anerkannt und wirkt fortan als Vorbild, was zur Militarisierung der Gesellschaft beiträgt (Opferheldenverehrung des 1. WK trug zu Militarisierung im Zuge des 2. W.K. bei). ›Jede Glorifizierung eines Menschen, der im Krieg getötet worden ist, bedeutet drei Tote im nächsten Krieg.‹ (Kurt Tucholsky)«

www.kirchliche-dienste.de/arbeitsfelder/frieden/Gedenkorte-fuer-Verstorbene-der-Weltkriege


»Mit der Bezeichnung ›Held‹ sollte die besondere militärische Leistung des Gefallenen, die letztendlich vor allem in seinem Tod bestand, verbal ausgezeichnet werden. Der Tod der Soldaten belegt nicht ihr militärisches Versagen, sondern zeugt von besonderem Mut und Einsatz. Das soll die Hinterbliebenen stolz machen. [...] Die Soldaten, die lebend aus dem Krieg wieder heimgekehrt sind, werden in den Inschriften nicht als Helden bezeichnet.«

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone 2006, S. 89

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Die Symbole

Der Stahlhelm:

Neben dem militärischen Ehrenzeichen Eisernes Kreuz ist die Darstellung des Stahlhelms das meist gezeigte Symbol auf Kriegerdenkmälern. Die neuen Methoden der Artilleriekampfes im 1. Weltkrieg erforderten einen verbesserten Kopfschutz für die Soldaten. Der Lazarettarzt Professor August Bier (nach ihm ist z.B. eine Klinik in Malente benannt) beobachtete höchst gefährliche Granatsplitterverletzungen des Gehirns in erschreckender Häufigkeit und entwickelte darum zusammen mit dem Ingenieur Dr. Friedrich Schwerd den neuen Helm aus Stahl, der die bis dahin getragenen ledernen Pickelhauben ablöste. Die ersten 30.000 Helme wurden im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert.

Die Vorstellung von der stählernen Schutzwirkung wurde fortan auf Postkarten, Kriegsanleiheplakaten, Schmuckblättern usw. propagandistisch ausgeschlachtet und symbolisch überhöht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde dieser Symbolwert noch gesteigert.

SH Gleschendorf oben Himmel web

 

Die Bajonette:

Wir hatten sie für gekreuzte Schwerter gehalten, aber Herr Lindhorst aus Gleschendorf weiß es besser: Es sind Bajonette, sogenannte Seitengewehre. Die hier dargestellte Version wurde im 1. Weltkrieg auf den Karabiner 98 gesteckt. Danke, Herr Lindhorst!

Als Bajonett wird eine am Lauf von Schusswaffen zu befestigende Stichwaffe in Form eines langen Dorns oder einer Stahlklinge bezeichnet. Unter der Bezeichnung Seitengewehr oder auch Seitenwehr versteht man die heute üblichen Bajonette, die auch als eigenständige Waffen geführt werden können und bei Bedarf auf ein Gewehr aufgepflanzt werden. Aufpflanzen bedeutet das Befestigen einer Stichwaffe an einer Schusswaffe mit langem Lauf, einem Gewehr. Damit hat man eine zweite Angriffs- beziehungsweise Verteidigungswaffe. Im Nahkampf ist es damit möglich, das Gewehr als Stich- oder Stoßwaffe zu verwenden.

Die Herkunft und Entstehung des Bajonetts ist nicht eindeutig geklärt. Es kann als Jagdwaffe entstanden sein, um angreifende Tiere nach einem Fehlschuss abzuwehren oder es, nachdem es weidwund angeschossen wurde, durch Abfangen zu töten [!].

Noch im Falklandkrieg von 1982 und im frühen 21. Jahrhundert beim Krieg in Afghanistan seit 2001 und bei der Besetzung des Irak 2003–2011 kamen vereinzelt Bajonette zum Einsatz.

Nach Wikipedia, abgerufen am 20. Juli 2020

 

Die Flammenkugel:

Dieses Symbol scheint im Moment total angesagt zu sein. Beim Googeln landet man auf einer schier endlosen Zahl von Websites für Computerspiele, Fantasyromane und Tatoostudios. Was soll es hier auf dem Kriegerdenkmal bedeuten? Herr Lindhorst aus Gleschendorf hat uns aufgeklärt. Er meint: »Das ist eindeutig eine Handgranate, die gerade gezündet worden ist. Runde Handgranaten waren in Gebrauch bevor, erstmals im 1. und dann im 2. Weltkrieg, die Stiel- oder Stabhandgranaten verwendet wurden.« Danke, Herr Lindhorst, das passt auch zu Pastor Dittmers Spitznamen: »Kanonenpastor«.


Handgranaten sind seit dem Mittelalter in der älteren Form der Granate mit Luntenzündung bekannt und wurden als Waffe der Grenadiere zum Ende des 17. Jahrhunderts von fast allen europäischen Armeen eingesetzt.

SH Gleschendorf Handgranate 1740 Red Baron 2 WikimediaCommons web
Red Baron 2 / Wikimedia Commons. >internationale Lizenz 3.0

Mit Schwarzpulver gefüllte französische Glashandgranaten von 1740.


Übrigens kann man bei Amazon für 34,15 Euro zu Dekozwecken eine nagelneue »Deutsche Stielhandgranate, I. u. II. WK« kaufen. Dazu gibt es den Warnhinweis: »Dieses Spielzeug bietet keinen Schutz«. Dem schlechten Geschmack sind eben keine Grenzen gesetzt!

 

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Die Pforte

Besonders kunstvoll sind die beiden Pforten zum Kirchhof gearbeitet. 

SH Gleschendorf Zaun web


In den einzelnen Elementen der schmiedeeisernen Streben kann man die Symbolik der Flammenkugel wieder erkennen.


SH Gleschendorf Tuergriff web


Die Klinken sind als Eichenblätter gestaltet. »Die Eiche ist knorrig. So kann man sich auch die alten Germanen vorstellen, weniger die feinsinnigen Römer. Die Eiche ist überdauernd. Das wollten auch die Deutschen im Heiligen Römischen Reich. Die Eiche ist standfest. Treue, unerschütterliche Souveränität schrieben die deutschen Fürsten und Könige auf ihr Panier – und nach ihnen Adolf Hitler. Mit der Reichsgründung 1871 und dem Gefühl nationaler Einheit zog das Eichenlaub in die deutsche Symbolsprache ein.«

• Wolf Stegemann, 20. Januar 2014 auf der Website >www.rothenburg-unterm-hakenkreuz.de


SH Gleschendorf Tuerschloss web


Der Riegel – wieder eine kleine Flammenkugel?

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Die Heldenallee

NS-Ortsgruppenleiter und Gemeindevorsteher von Gleschendorf Johannes Möller beantragte im Oktober 1934 für die 154 toten Soldaten des 1. Weltkriegs eine »Heldenallee« anzulegen. 154 Kastanienbäume sollten die neue Chaussee zwischen Gleschendorf und Ziegelhof säumen. Der Vorschlag von Pastor Erfurt, einen »Ehrenhain« im Pastorenholz anzulegen, wurde als »absolut ungeeignet« abgelehnt.


SH Gleschendorf Heldenallee web


Und – man kann es nur schwer glauben – so heißt bis heute die eine Hälfte der Hauptstraße durch Gleschendorf »Heldenallee«!

 

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Die Geschichte

Das Lübecker Architektenbüro von Wilhelm Lenschow und Alfred Runge hatte einen ersten Entwurf für das gewünschte »Ehrenmal« abgegeben.

Dazu fand am 6. Februar 1921 die 1. Versammlung von Bürgern mehrerer Ortschaften aus dem Kirchspiel Gleschendorf statt. Bauunternehmer H. Frank wurde zum Vorsitzenden gewählt. Der Entwurf wurde bei zwei Enthaltungen mit 13 Ja-Stimmen genehmigt.

Am 12. März 1921 lag dann schon der endgültige Entwurf vom Büro Lenschow & Runge vor.

Kostenanschlag vom 11. März 1921. Quelle: Kirchenkreisarchiv


Im September 1921 gab’s noch ein Problem: Die zuständige Behörde in Eutin teilt der Gemeinde mit, dass der von den Gleschendorfern für die Stele vorgesehene Felsblock schon der Dorfschaft Scharbeutz für ihr Kriegerdenkmal zugewiesen worden ist. Wo auch immer der neue Granitblock herkam, am 30. Oktober 1921 wurde die Denkmalsstele neben der Kirche eingeweiht. Die Festpredigt im Gottesdienst hielt Kirchenrat Rathgens, die Weiherede am Denkmal Pastor Dittmer aus Gleschendorf. Er schreibt in der Kirchenchronik, dass es der Kommission vor allen Dingen darauf ankam, »daß die den Kirchhof betretenden Personen sofort auf das Denkmal aufmerksam würden, und dadurch ihre Gedanken auf den furchtbaren Weltkrieg und seinen bitteren Folgeerscheinungen gelenkt würden. Nach der Ansicht des Unterzeichneten ist der Hintergrund zu gewaltig, und hebt sich das dem Hintergrund gegenüber zu winzig erscheinende Denkmal zu wenig ab.«


     SH Gleschendorf Hist oD web

Ein historisches Foto o. D.: Die Kirche und das neue Kriegerdenkmal


SH Gleschendorf Rosenrechnung 1922 web
Quelle: Kirchenkreisarchiv Ostholstein


Die Witwen führen die Firmen weiter: 1922 wurden 42 Rosen beim »Ehrendenkmal« eingepflanzt. Im Stempel heißt die Firma: »E. Hinz Wwe«. Die Witwe von E. Hinz quittiert dann aber doch mit ihrem eigenen Initial: »H. Hinz«.

 

Anfang der 50er Jahre wurde das »Gefallenen-Ehrenmal« in der Kirche nach Plänen von Baurat Dr. Ing Bruno Fendrich aus Lübeck umgestaltet. Die Namen der 162 toten Wehrmachtssoldaten wurden aufgenommen. Kurze Zeit später sollte auch eine weitere Gedenkstätte unter freiem Himmel entstehen. Liddy Maasz, die Witwe von Harry Maasz, dem bekannten Gartenarchitekten, hatte die Vision von einem »Ehrenhof«. Diesen Plan kommentierte Pastor Erfurt kurzerhand mit: »...stellt nichts dar!« und damit war die Sache vom Tisch.

Plan der Landschaftsarchitekten Maasz u. Fenne vom 25.6.1953

Wir danken an dieser Stelle Herrn Schmütz vom Kirchenkreisarchiv Ostholstein für seine große Hilfe, auch dieser Plan stammt aus dem Bestand.

 

SH Gleschendorf 50erJ Sammlung Kummer web

SH Gleschendorf Karte Detail Sammlung Kummer web


Auf der Postkarte aus den 50er Jahren, noch besser zu sehen im Ausschnitt darunter, ist die Denkmalsinschrift schon um die Jahreszahlen des 2. Weltkriegs ergänzt.


Wir danken sehr herzlich dem Ehepaar Kummer für die freundliche Hilfe, die vielen Informationen und die Überlassung der historischen Fotos. Ihre Chronik von Gleschendorf aus dem Jahr 2003 ist eine unerschöpfliche Quelle für an Heimatgeschichte Interessierte, sie hat uns sehr gefallen.

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Der Kriegerverein

Die Chronik von Gleschendorf gibt uns Einblicke in die Dorfschaftsprotokolle und die Artikel des »Anzeiger für das Fürstentum Lübeck«. Wir zitieren daraus:

• »Der Kriegerverein pflanzte auf dem Turnplatz Am Brink eine Eiche zum 100sten Geburtstag Kaiser Wilhelms I. (Dorfschaftsprotokoll 1897)

• Wenn Kriegsteilnehmer auf Heimaturlaub kamen, versammelte der Kriegerverein das Dorf auf dem Festplatz hinter Francks Gasthof. Aus dem Schuppen wurde die kleine Kanone geholt, aus der dann für jeden Heimaturlauber ein Böllerschuss abgegeben wurde (1914/18).


»Gefallenentafel« der Gemeinde Gleschendorf


• Der Bund der Frontsoldaten (›Stahlhelm‹) gründete 1925 – unabhängig vom Kriegerverein – in Dorf Gleschendorf eine Kameradschaft. [...]

• Weihnachtsfeier des Kriegervereins in Speetzens Gasthof. W. Dunker dankte Propst Kieckbusch für sein Erscheinen und allen ›für die reichliche Spendung von Gaben ... Mit dem Lied ›Stille Nacht‹ nahm die Feier ihren Anfang, worauf Landespropst Kieckbusch eine Ansprache hielt [...]. (1931)

• Volkstrauertagsgottesdienst, um ›einmal der in dem großen Weltkrieg 1914/18 gefallenen Krieger zu gedenken. Deswegen beteiligten sich in großer Stärke der Kriegerverein Gleschendorf, der Kriegerverein Schürsdorf sowie die Ortsgruppen der NSDAP von Dorf Gleschendorf und Bhf. Gleschendorf, der Gleschendorfer Posaunenchor und die Gleschendorfer Liedertafel an dem Gottesdienst.‹ Predigt von Pastor Wenn, Eutin. Dann ›versammelten sich die Vereine und Ortsgruppen der NSDAP am Ehrenmal.‹ (1932). [...]

• Fahrt des Kriegervereins mit dem Auto nach Lübeck zur Filmvorstellung ›Stosstrupp 1917‹. (1934)«


     SH Gleschendorf Filmcover web


1945 nahm der Alliierte Kontrollrat ihn in eine Liste von über 200 Filmen auf, deren öffentliche Aufführung aufgrund ihres nationalsozialistischen, rassistischen oder militaristischen Charakters verboten war. Foto: Cover der DVD-Edition von Polarfilm, 2007 

Lesen Sie hier weiter: »Im Focus 2/2014, S. 12/13


• »Der Kriegerverein heißt nun ›Militärische Kameradschaft Gleschendorf‹ (Kyffhäuserbund) [...]

• Beim Generalappell der Militärischen Kameradschaft ehrte Kameradschaftsführer Westphal die beiden verstorbenen Kameraden Muhs und Müller. ›Die Kameradschaft zählt zur Zeit 106 Mitglieder ... (1936) [...]

• ›Auf dem Monatsappell der Militärischen Kameradschaft Gleschendorf gab der ... neu beauftragte Kameradschaftsführer Hugo Speetzen die Zusammensetzung des Führerrates bekannt: Börgers, Plath, Pump, Hamdorf ...‹ (1938)

• ›Aus Anlaß des 60jährigen Bestehens veranstaltete die ›Kriegerkameradschaft Gleschendorf im NS-Reichskriegerbund‹ ein großes Sommerfest ... (1939) [...]

• Bericht über die Beisetzung von Johannes Andresen: ›Am Dienstag ... fand die feierliche Beisetzung des verstorbenen Gemeinderats und politischen Leiters der NSV (NS-Volkswohlfahrt), Ortsgruppe Gleschendorf, Pg. [Parteigenosse] Johannes Andresen statt. Nachdem SA-Männer den Sarg in die Gruft gesenkt hatten, feuerte die Kriegerkameradschaft drei Ehrensalven ... ab. Pg. Johannes Möller in seiner Eigenschaft als Ortsgruppenleiter der NSDAP und Bürgermeister der Gemeinde Gleschendorf legte zwei Kränze nieder und hielt eine kleine Gedenkrede, in der er besonders die Treue, den Kameradschaftsgeist und die aufopferungsvolle Hingabe des Entschlafenen an das Werk des Führers hervorhob ... (›Anzeiger für das Fürstentum Lübeck‹, 24.2.1940)

• ›Der Jahreshauptappell der Gleschendorfer Kriegerkameradschaft begann mit der Ehrung des verstorbenen G. Kahl und der Kriegsgefallenen. Kamerad Hörcher hielt einen erlebnisreichen Vortrag über die Flandernkämpfe ... Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf Führer und Reichskriegerbund klang der Appell aus.‹ (1940)

• 1945 erfolgte die Auflösung aller Soldatenverbände. Eine Ortsgruppe des Kyffhäuserbundes wurde später in Pönitz neu gegründet. In Gleschendorf entstand 1955 eine ›Militärische Kameradschaft‹.«


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Pastor erfurt über die NS-Zeit

»Kritisch verfolgt Erfurt, wie sich das Verhältnis seiner Kirche zum Nationalsozialismus entwickelte. Er lehnt die Bemühungen mancher Kreise ab – er meint die ›Deutschen Christen‹ – die Kirche den erfordernissen des NS-Staates entsprechend umzugestalten. [...] Möglichkeiten für kirchliche Veranstaltungen seien erheblich eingeschränkt worden und die Jugend bleibe ›je länger je mehr‹ der Kirche fern, da ihre Zeit mit anderen Dingen ausgefüllt sei. Erfurt beklagt, dass der Jungmädchenverein der Kirchengemeinde 1934 aufgelöst wurde. Die Jugendlichen wurden von der HJ [Hitlerjugend] und dem BDM [Bund Deutscher Mädel] erfasst. [...]

1936 schreibt Erfurt von den Schwierigkeiten, wenn die Kirche im sozialen Bereich aktiv sein wollte: Der nationalsozialistische Staat dringe mit seinem Totalitätsanspruch mehr und mehr auch in diejenigen Gebiete ein, die bisher dem Einfluss der Kirche unterstanden. [...] ›einerseits wird der Kirche vorgeworfen, dass sie in sozialer Hinsicht versagt habe, andererseits aber wird die Kirche sofort in die Schranken gewiesen, sobald sie nur den Versuch macht, irgendwie auf das Leben der Einzelnen des Volkes Einfluss zu gewinnen. Sofort heißt es, die Kirche wäre nur dazu da, die Menschen auf das Jenseits vorzubereiten.‹ [...] Erfurt ist sich darüber im Klaren, dass ›diejenigen, die für ein eigengesetzliches Leben unserer Kirche eintreten, leicht als Staatsfeinde angesehen werden‹.«

SH Gleschendorf Mutterkreuz 1938 web

Mutterkreuzehrung 1938 vor der Gleschendorfer Kirche mit Bürgermeister und NS-Ortsgruppenleiter Möller, aber ohne Pastor.


»Seit 1938 durfte Pastor Erfurt auf Anordnung des Bürgermeisters Möller keine Bibelstunden mehr in der Schule abhalten. [...] Kritisch beurteilte Erfurt das Verhalten vieler Lehrer (ohne Namen zu nennen): Sie benutzten ihren Einfluss dazu, ›den Schülern die Kirche zu verleiden‹. Man versuche, die Konfirmation allmählich auszuschalten, indem Schulentlassungsfeiern veranstaltet würden, die der Konfirmation in ihrem äußeren Aufbau in allen Einzelheiten nachgeahmt seien. [...]

Wie die Beamten und die Soldaten wurden die Pastoren 1938 aufgefordert, einen Treueeid auf Adolf Hitler abzulegen. Im Kreis Eutin erließ die Landeskirche eine entsprechende Verordnung. Pastor Erfurt schreibt, wie er und seine Amtsbrüder am 27. Juni 1938 im Amtsgericht Bad Schwartau den Treueeid auf den Führer leisteten: ›Jeder von uns hat diesen Eid ohne Zögern geleistet.‹«

• Die Zusammenfassung zur Chronik der Gleschendorfer Kirche und das Foto verdanken wir Regina und Wolfram Kummer.


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Das Mutterkreuz

»Das ›Ehrenkreuz der Deutschen Mutter‹ (Mutterkreuz) wurde 1938 als Auszeichnung in Form eines Ordens von der NSDAP gestiftet. Es sollte eine ähnliche Funktion für die Mütter erfüllen wie das Eiserne Kreuz für die Soldaten, indem es einen Ehrenplatz in der Volksgemeinschaft symbolisierte. Die kinderreiche Mutter wurde für ihren Einsatz von ›Leib und Leben‹ bei der Geburt und Kinderaufzucht ausgezeichnet. Adolf Hitler, in dessen Namen die Ehrung verliehen wurde, bezeichnete die Mutterschaft demgemäß als das ›Schlachtfeld‹ der Frau. Nur wenige Mütter lehnten die Verleihung ab.«

Michaela Kipp auf LeMO, Deutsches Historisches Museum, Berlin


Mehr dazu auf www.dhm.de


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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden.

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• »Fake News« anno 1914: Das Deutsche Reich hatte gerade das neutrale Belgien überfallen, damit die Truppen sich auf dem schnellsten Weg zum Erzfeind Frankreich begeben konnten.

Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

Neben dem Thorshammer ist das Eiserne Kreuz das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z. B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle.


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2018: ein Schaufenster auf der Reeperbahn in Hamburg

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I N H A L T
Das Denkmal
Der Denkmalspark
Das ursprüngliche Denkmal
Der Bildhauer Hans Dammann
Die Mehrfachverwertungen
Das Eiserne Kreuz

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Glücksburg, Kreis Schleswig- Flensburg

Anlage auf dem kirchlichen Friedhof

In einem großzügigen vom Friedhof abgeteilten Park steht die Skulptur eines jungen Soldaten vor einem Steinkreuz. Der Sockel wirkt wie eine Bergspitze. Das Kriegerdenkmal ist den toten Soldaten des 1. und 2. Weltkriegs gewidmet.

SH Gluecksburg 1 web


In dem hockenden Soldaten kann man einen trauernden sehen, man kann aber auch einen erschöpften Soldaten sehen, der – noch bewaffnet – bald in den nächsten »Einsatz« also zum nächsten Töten ziehen wird.


SH Gluecksburg Kopf web


Den gesenkten Kopf mit der linken Hand abgestützt, in der rechten einen Kranz aus Eichenlaub sitzt er dort in voller Montur: Uniformmantel, Stiefel, Kurzschwert und Stahlhelm.

SH Gluecksburg seitlich web

 

SH Gluecksburg Messer web


An der Seite die Namen des Bildhauers Hans Dammann Berlin-Grunewald und von Heinr. Fintzen Glücksburg. Diese Inschrift, sowie die auf den beiden Namenstafeln an den Seiten des Sockels sind etwas dilettantisch mit schwarzer Farbe ausgemalt worden.

SH Gluecksburg Signet web


Auf den Namenstafeln rechts und links sind die Namen der 69 toten Soldaten des 1. Weltkriegs aus Glücksburg mit Dienstgrad, Todesdatum und Todesort aufgeführt. Beim Nachmalen sind einige unklare Wörter entweder beherzt umgesetzt (Epnendoet?) oder gleich ganz weggelassen worden.

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Auf der Vorderseite ist nach dem 2. Weltkrieg eine neue Steinplatte angebracht worden: Die Jahreszahlen beider Weltkriege verteilt über die Achsen eines Tatzenkreuzes.

SH Gluecksburg Zahlen web

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Der Denkmalspark

Er hat einen eigenen Eingang von der Straße aus. Die Pforte stellt ein stilisiertes Eisernes Kreuz im Strahlenkranz dar. Lesen Sie weiter unten einen Text zur Bedeutung des Eisernen Kreuzes.

SH Gluecksburg Tor web


Links sieht man die Skulptur des trauernden Soldaten, rechts vor den Büschen liegen einzelne Gedenksteine in Kreuzform.

SH Gluecksburg Gesamt web


Auf diesen Jahressteinen wird die Anzahl der toten Soldaten im 1. und 2. Weltkrieg ohne Namen genannt.

SH Gluecksburg 1914 web

Ein aufrechter Gedenkstein, halb vom immergrünen Gebüsch verdeckt, trägt die Aufschrift:

Allen die auf der Flucht – durch Bomben – in Lagern – ums Leben kamen zum Gedenken, – uns zur Mahnung.
Richte unsere Füsse auf den Weg des Friedens (Luk. 1.79)

Vor das Zitat aus dem Lukas-Evangelium ist ein Kreuzanker gesetzt worden, dieses Symbol erinnert an die Passion Christi.

SH Gluecksburg Stein web

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Das ursprüngliche Denkmal

Vor der Umgestaltung nach dem 2. Weltkrieg hatte das Denkmal zwei Tafeln mit Inschriften. Oben im Querbalken des großen Kreuzes stand:

Für Euch
Joh. 15 30.

Auf der Vorderseite des Sockels:

Glücksburg’s Heldensöhnen zum Gedächtnis
1914 – 1918

Der Sockel hatte noch eine weitere Ebene aus vermauerten Feldsteinen mit weißen Fugen. Diese Fotos sind 1940 aufgenommen worden, die Kriegspropaganda und die Verherrlichung des Soldatentodes durch die Nationalsozialisten war in vollem Gang.

SH Gluecksburg alt web


SH Glucksburg 1940 web


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Der Bildhauer Hans Dammann

Hans Dammann, geboren am 16. Juni 1867 in Proskau, gestorben am 15. Juni 1942 in Berlin, war ein deutscher Bildhauer. Nach seiner Schulausbildung besuchte er die Technische Hochschule Hannover und bis 1895 die Königliche Akademie der Künste in Berlin.

             MP Friedland Hans Dammann web
             • Portraitfoto aus dem Jahr 1904

Da Hans Dammann Reserveoffizier war, wurde er gleich zu Beginn des 1. Weltkriegs eingezogen. Schon nach wenigen Wochen kehrte der Hauptmann der Reserve verwundet nach Hause zurück. Er erweiterte in der Folgezeit sein bisheriges Repertoire um das Sujet des Soldatengrabmals. Genau wie bei seinen zivilen Grabdenkmälern wurden viele seiner Entwürfe teilweise leicht modifiziert oder mehrfach verwendet.

Gerade die Modelle seiner Soldatengrabmäler, die er ab 1916 erstellte, fanden in der Weimarer Republik als Kriegerdenkmäler eine Wiederverwendung.

• Nach Wikipedia, 5.2.2017

Von Hans Dammann stammt auch das Denkmal von Friedland / Mecklenburg-Vorpommern in unserer Dokumentation.

Friedland

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Die Mehrfachverwertungen        

HH Ohlsdorf Familiengrab web


Das Grab der Familie Brinckman auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg, sie trauert um zwei Soldatensöhne. Der steinerne Soldat hat hier noch eine »Pickelhaube« auf dem Kopf, ansonsten stimmt jedes Detail mit dem Denkmal in Glücksburg überein. Ebenso ...

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Foto: Raenmaen/Wikimedia Commons


... die Skulptur für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs in Dortmund-Somborn und ...

SH Gluecksburg Brake an der Unterweser web

... die in Brake an der Unterweser ...

SH Gluecksburg Fuerstenberg Ruchhoeft Plau Wikimedia Commons web
Foto: Ruchhöft-Plau/Wikimedia Commons


... die in Fürstenberg / Havel. Die Sockelgestaltung und Kreuz oder nicht Kreuz haben die Gemeinden frei gewählt.

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


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• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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I N H A L T
Das Denkmal
Der Maler Max Kahlke
Entartete Kunst?
Für Deutschland gestorben
Der  Große Marienaltar im Schleswiger Dom

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Glückstadt, Kreis Steinburg

In der Mitte der Stadtkirche am Marktplatz

An einem altarähnlichen Tisch an der linken Innenwand des Hauptschiffs sind zwei Inschriften angebracht. Auf schwarzen Steintafeln steht oberhalb einer hellen Marmorplatte der plattdeutsche Spruch:

Mien Hart blött vör Gramm
Awers Du giffs mi Kraff

(Mein Herz blutet vor Gram
Aber Du gibst mir Kraft)

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Darunter:

Unseren Gefallenen
1914 – 1918
1939 – 1945 (nachträglich angebracht)

 

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Foto: Orf3us / Wikimedia Commons

• Am linken Bildrand ist das »Ehrenmal für die Gefallenen« zu sehen


Über dem »Altar« hängt ein Gemälde des Glückstädter Malers Max Kahlke (1892-1928) – es soll dem Soldatentod eine religiöse Weihe geben.

Max Kahlke hat als Soldat im 1. Weltkrieg gekämpft, er wurde verwundet und hat nach seiner Wiederkehr versucht, das erlebte Grauen in seinen Werken zu verarbeiten. Die Pietà in der Stadtkirche hat er für das Kriegerdenkmal als »Ehrung der Gefallenen« geschaffen.

Nach Aussage einer Kirchenhüterin am 9. Oktober 2016 hat Max Kahlke in dem Gemälde sich selbst als Johannes, seine Mutter als Maria (siehe ihre Portraits weiter unten) und seine Verlobte als Maria Magdalena dargestellt.

Im Jahr 1931 wurde das Kircheninnere renoviert und an der Nordwand die ›Kriegerehrung‹ gebaut. »Am 22.12.1931 wurde die renovierte Kirche in einem feierlichen Gottesdienst durch Bischof Mordhorst neu eingeweiht und das Kahlke-Bild enthüllt.« (Glückstadt im Wandel der Zeiten, Band 3, Seite 212).

»Während Bischof Mordhorst im Oktober 1933 beurlaubt und zum 1.1.1934 in den Ruhestand versetzt wurde, konnte die Pietà II bleiben. Dass die SA, die häufig geschlossen am Gottesdienst teilnahm, ihre Sturmfahnen und Standarten von Geistlichen weihen ließ, an dem Bild Anstoß nahm, ist nicht überliefert.« (Glückstadt im Wandel der Zeiten, Band 3, Seite 231 f.).

Auch durch die Schrifttafeln wird eine Analogie hergestellt zwischen dem Kreuzestod Christi, als Opfer für die Menschheit, und dem Kriegstod der Soldaten, die sich ebenso opfern und deren Tod dadurch gerechtfertigt werden soll. Es gibt keinen kritischen Kommentar in der Kirche zu dieser Sakrifizierung des Kriegtodes.

 

SH Glueckstadt Bild web


Max Kahlke gehört als Maler der 20er Jahre zur Kunstepoche zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit. In der Zeit des NS-Terrors galten seine Bilder als »entartet«. Auch die Pieta in der Stadtkirche sollte abgehängt werden. Die Entfernung konnte aber hinausgezögert werden, so dass sie ohne Unterbrechung seit 1928 in der Stadtkirche hängt. Das Gemälde war Max Kahlkes letztes Werk. Die Aussage, es sei unvollendet geblieben, bezieht sich wohl auf seinen Plan das Bild zu einem Triptychon zu ergänzen. Kurz nach Vollendung der Pieta starb Kahlke mit nur 36 Jahren.

 

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• Name und Sterbedatum wurden nach seinem Tod dazu gesetzt.

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Der Maler Max Kahlke

Max Kahlke, geboren am 13. Januar 1892 in Glückstadt, gestorben am 28. Februar 1928 in Kiel war ein deutscher Maler und Grafiker.

Kahlke wurde als ältester Sohn seiner Eltern Jacob und Minna, geb. Raave, in Glückstadt geboren. Seine künstlerische Ausbildung: Akademie für bildende Künste in Stuttgart (Robert Poetzelberger) und Großherzoglich-Sächsische Kunstschule Weimar (Fritz Mackensen).

Wichtig war für ihn die Begegnung mit dem Tiroler Maler Albin Egger-Lienz, ehemals sein Lehrer in Weimar. Ein Porträt des Großvaters qualifizierte ihn schon 1912 für die Aufnahme in die Schleswig-Holsteinische Kunstgenossenschaft. Er war zudem Mitglied im »Hamburger Künstlerverein von 1832«. 

Im Ersten Weltkrieg wurde Kahlke verwundet, er lag monatelang in verschiedenen Lazaretten. Vom Kriegsende bis zu seinem frühen Tod 1928 war er in Glückstadt ansässig. 1925 wurde er als Mitglied in den Altonaer Künstlerverein aufgenommen. 1926 schloss er sich der neu gegründeten Künstlergruppe »De Warft« an.

Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Glückstadt.

Kahlkes Werk umfasst Ölgemälde, Aquarelle und Holzschnitte. Themen sind religiöse Sujets, Marschlandschaften und Portraits. Mit Gebrauchsgrafik bessert er seinen Lebensunterhalt auf. Vor allem vier religiöse Werke sichern ihm einen Platz in der Kunstepoche der 20er Jahre, zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit, »Die Kreuzigung II« in Flensburg, der »Große Marienaltar« im Schleswiger Dom, die Pieta und »Die Kreuzigung« in der Stadtkirche Glückstadt.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 10. Oktober 2016

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• »Selbstbildnis mit Distel« von Max Kahlke 1924

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• »Portrait der Mutter« von Max Kahlke 1926

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Entartete Kunst

Unser ehrenamtlicher Mitarbeiter Ulf Evers ist in Glückstadt aufgewachsen und hat über die Stadtgeschichte geforscht. Er schreibt zu Max Kahlke und die Pietà in der Stadtkirche:

»Es wird eine Zeit kommen, in der man sagt: Glückstadt hat ein Kriegerdenkmal, so groß, so erschütternd wie keine der schleswig-holsteinischen Städte!«

Mit diesen Worten warb Franz Michaelsen 1931 für den Ankauf des Bildes »Pietà II« von Max Kahlke.

Am 22. Dezember 1931 war es dann soweit. Nachdem übers das Jahr das Innere der Stadtkirche renoviert worden war, wurde die Kirche mit einem feierlichen Gottesdienst neu geweiht und auch das Kahlke-Bild wurde enthüllt. Bischof Mordhorst, der den Gottesdienst abhielt, wurde im Oktober 1933 beurlaubt und zum 1.1.1934 in den Ruhestand versetzt, weil er den »Deutschen Christen«, die auch in Glückstadt sehr präsent waren, im Wege stand.

An der »Kriegerehrung« mit der Pietà nahm nahm in Glückstadt weder die SA noch die örtliche Parteiführung der NSDAP Anstoß. Im Gegenteil: der Glückstädter SA-Sturm nimmt uniformiert an Gottesdiensten teil, ein SA-Scharführer lässt sich in der Kirche trauen und die SA steht bis zum Altar Spalier.

1939 empfindet dann der Landeskulturverwalter des Gaues Schleswig-Holstein die Pietà als zu demutsvoll: »Die Heldenehrung soll bewusst an die heroische Haltung unserer Gefallenen erinnern und uns stets das große Opfer des Heldentodes vor Augen führen.« Das Gemälde sollte nicht weiter für die »Heldenehrung« verwendet werden.

Wird diese Episode verkürzt wiedergegeben, entsteht ein Eindruck, wie er sich z.B. in einer Predigt zum 3. Advent 2012 wiederfindet: Max Kahlke wird in die Nähe der »Entarteten Kunst« gerückt, Kahlke »hatte da ein Bekenntnis in seine Bilder eingemalt, das gefährlich war den Machthabern.«

Tatsächlich hatte der nationalsozialistische Landeskulturverwalter »nur« angeregt eine »Trennung zwischen der eigentlichen Gefallenenehrung und diesem Bildwerk vorzunehmen«. Die Kirchengemeinde erhob Einspruch, das Gemälde blieb hängen.

Wohl auch weil der 1928 verstorbene Max Kahlke wie seine Förderer die Weimarer Republik ablehnten und verachteten und Kahlkes Bruder Walter auch in seiner Eigenschaft als (wohl selbsternannter) Vorsitzender der Detlefsen-Gesellschaft dem Nationalsozialismus eng verbunden war.

Quellen: Vorträge der Detlefsen-Gesellschaft, Band 15, Hans-Peter Widderich »Max Kahlke« und Band 12, Elke Witt »Die Geschichte der ersten 50 Jahre der Detlefsen-Gesellschaft von 1921«.


Predigt von Gerhard Ulrich in Verbindung mit Max Kahlke


Wir danken herzlich Ulf Evers für die geschichtspolitische Einordnung Max Kahlkes, für Hinweise zur Geschichte und zur Predigt unseres ehemaligen Landesbischofs Gerhard Ulrich, siehe unten.


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Für Deutschland gestorben

... Die Gedenkstätten sind ausnahmslos Ausdruck des Bedürfnisses, das Gedenken an den Tod der Soldaten zu sakralisieren, also zu etwas Heiligem zu stilisieren. In Form von Kreuzen, Säulen, Räumen der Stille oder Plastiken wird nicht der Tod, sondern der vorgebliche Sinn dieses Todes dargestellt ...
Die Sakralisierung schirmt die Gedenkorte auch gegen Widerspruch ab, denn wer würde in einem Raum der Stille oder vor einem Kreuz laut protestieren? Die Ent-Profanisierung beschützt den Tod der Soldaten besonders vor Ansprüchen der Überlebenden. Obwohl diese im Einsatz eine Gruppe bildeten, grenzen die Denkmäler die Toten von den Versehrten ab.

Nur wer starb, wird in Inschriften und auf Tafeln geehrt, wer überlebte nicht. ... Psychische Krankheiten, lebenslange körperliche Schäden, Schwierigkeiten bei der beruflichen Widereingliederung ließen sich mit der Sakralisierung des Gedenkens nicht in Einklang bringen.

Auffällig ist auch, dass die Soldaten zwar als Söhne oder als Opfer, manchmal auch als Krieger benannt und dargestellt werden, nie aber als Tötende. Der Gefallene existiert als Begriff, es gibt aber keine Bezeichnung für den, der ihn zu Fall gebracht hat. Reinhart Koselleck meint dazu: »Gestorben wird alleine, zum Töten des Anderen gehören zwei. Die Fähigkeit des Menschen, seinesgleichen umzubringen, konstituiert vielleicht mehr noch menschliche Geschichte als seine Grundbestimmung, sterben zu müssen.«

• Zitate aus der Beitrag des Deutschlandfunks vom 18.11.2012 von Clemens Tangerding

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Der Große Marienaltar im schleswiger Dom

Aus der Predigt von Landesbischof Gerhard Ulrich am 16. Dezember 2012 im St. Petri-Dom zu Schleswig zu Jesaja 40, 1-11 in Verbindung mit Max Kahlke, Verkündigung an Maria, Großer Marienaltar (1927), Teil II bis IV:

»Sie haben in den Händen das Foto eines Gemäldes, das im Schleswiger Dom zu finden ist. Dort ist in einer der Seitenkapellen der ›Große Marienaltar‹ des Glückstädter Malers Max Kahlke zu sehen mit insgesamt fünf Bildtafeln aus dem Leben Jesu. Die linke Tafel des Marienaltars, den Kahlke im Jahr 1927 fertig gestellt hat – zeigt die wundersame Begegnung Marias – und Josephs! – mit dem Engel Gabriel.

Wenn ich das Bild betrachte, dann strahlt mir zunächst das warme Rot des Kleides der Maria entgegen – und ihr leuchtendes Gesicht, umgeben von dem hellen Lichtkranz, dem Nimbus. Die Energie des Lichts, das wie eine gleißende Flut vom Fenster rechts in die Szene hineinflutet, hat das Gesicht der Maria überhell zum Strahlen gebracht. Und diese Dynamik des Lichts ist es auch, die die Maria buchstäblich aus der Fassung gebracht hat – ›Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das?‹ So heißt es in der wundersamen Szene, wie sie der Evangelist Lukas im ersten Kapitel berichtet.

Der Schrecken scheint Maria ins Gesicht geschrieben: die Augen weit aufgerissen, die Arme hilflos geöffnet: wie geschieht mir? Und: Maria scheint den Halt verloren zu haben, ihre Füße sind weggerutscht, in’s Straucheln geraten die ganze Person, so dass anschaulich wird eine Geste stolzer Demut: Maria aber sprach: ›Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast.‹

Ja, so kann es gehen, wenn Gott in’s Leben einfällt, wenn er aufsprengt Fenster und Türen, mit denen wir uns in unserem Leben allzu oft wohl verbarrikadiert haben auch gegen das, was uns von außen entgegenkommen könnte. Verschlossen der Raum unseres Innersten, verdunkelt, abgedichtet.

›O Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf, reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für!‹ So ein adventlicher Schrei der Erwartung dringt nach außen, damit hereinfallen kann das göttliche Licht.

III
Liebe Schwestern und Brüder, das Licht, das da durch das offene Fenster flutet, es lässt ja nicht nur erstrahlen den offenen Schoß der Maria, deren Kleid Falten in Form eines Herzens wirft. Es flutet weiter hin zu uns, aus dem Bild heraus: das Dunkel wird hell; das Unsichtbare ahnbar. Die Figur der Maria – sie reflektiert nur den grellen Strahl, der aus der Höhe kommt, aus dem offenen Himmel einfällt und Strahlen sendet, die uns leiten und unseren Füßen eine Leuchte sein wollen. Wir Christen wissen: die Botschaft des Engels gilt eben nicht nur Maria, ist nicht nur ein Familienereignis, keine Geburtsankündigung wie die etwa, die wir dieser Tage aus England gehört haben. Die Mensch und Welt verwandelnde Botschaft des Engels erreicht auf den Wellen des Lichts auch mich und dich: Der da heranwächst, ›…wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.‹ Die Verheißung des Reiches Gottes, in dem Friede und Gerechtigkeit sich küssen, sie flutet auch mich und dich. Im göttlichen Licht sind sie wahr und wirklich und stark, die Ströme des lebendigen Wassers; ein Wolkenbruch des Glücks, eine Sintflut des Heils ist angekündigt und im Kommen: ›Ihr Wolken, brecht und regnet aus, den König über Jakobs Haus!‹

Für mich ist die Figur, die Max Kahlke da so im Grün der Hoffnung hinter Maria gemalt hat, Joseph. Auch er gehört zentral zu diesem Geschehen der Ankündigung, auch er ist in Hoffnung. Ich weiß wohl: Um das Geheimnis der Geburt Jesu aus der Jungfrau Maria abzusichern, hat die Bildtradition über Jahrhunderte den Joseph in der Regel ganz verschwinden lassen oder ihn aber irgendwo hin in’s Dunkle gestellt, in die Besenkammer des Hauses oder Stalles! Aber: Ich finde, es darf ruhig etwas mehr sein!

Denn eine Theologie, die meint, Gott eben damit größer machen zu sollen, dass sie den Menschen klein macht, Gott also auf Kosten der Menschen groß macht – eine solche Theologie ist eine Theologie der Angst und eine Theologie für Angsthasen! Also: Joseph ist hier voll im Bilde; er ist in Bewegung, die aus der Fassung geratene Maria aufzufangen – allerdings als einer, der ebenfalls von der Dynamik des Geschehens erfasst ist. Der Glanz im Gesicht der Maria spiegelt sich in seinem Gesicht – ja, das Rot seiner  Lippen korrespondiert mit den roten Lippen Marias und mit ihrem roten Kleid. Und seine übergroße Hand oben weist über die Begrenzung des Bildes hinaus – hin auf den, der da kommt.

 
SH Glueckstadt Kahlke Schleswig ganz web


Ausschnitte:

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Foto: Frank Vincentz / Wikimedia Commons

• Der Große Marienaltar im Schleswiger Dom St. Petri

IV
Liebe Schwestern und Brüder! Das Fenster der Hoffnung ist offen, das Licht flutet, Maria und Joseph erstrahlen darin, die Liebe lebt. Mit 36 Jahren ist Max Kahlke schwer gezeichnet von Verletzung und Krankheit, die er im Ersten Weltkrieg erlitten hatte, 1928 gestorben an Krebs. Der Erste Weltkrieg war für Kahlke ein Trauma, wie für so viele Menschen in Europa. Die ›Ur-Katastrophe des Jahrhunderts‹, sagen viele Historiker, in ihren schrecklichen Folgen eingegraben in das kulturelle Gedächtnis der Völker. Ein Selbstbildnis Kahlkes zeigt ihn  mit vor Entsetzen aufgerissenen Augen, die unter einem Stahlhelm hervor blicken. Und in dem erschrocken-entsetzten Blick der Maria spiegelt sich dieser entsetzte Blick. Das Entsetzen über die Gewalt: der Krieg ist mein großer Lehrmeister, schreibt Kahlke einmal. Ein Lehrmeister des Grauens! Und er weiß: das Entsetzen schreit nach einem anderen Licht, von ganz woanders her. Es ist der Schrei nach Erlösung, den der Blick ruft.

Es gibt von ihm nur sehr wenige erhaltene Bilder. Seine Familie hat diese wenigen Bilder nach seinem Tod im nördlichen Schleswig-Holstein verteilt: außer in Glückstadt finden sich Bilder in Flensburg, im Landesmuseum Schloss Gottorf in Schleswig und eben dieser Altar im Dom zu Schleswig.  – Ab 1939 wurde versucht, diese auf Betreiben des nationalsozialistischen Landeskulturverwalters im Gau Schleswig-Holstein aus dem öffentlichen Raum zu entfernen – meist mit Erfolg. Entartete Kunst. Der vom Krieg zerfressene junge Mann hatte da ein Bekenntnis in seine Bilder eingemalt, das gefährlich war den Machthabern. Die vom göttlichen Licht umflutete Maria und ihr Mann Joseph hielten und halten nämlich weiter lebendig die umstürzlerische Hoffnung auf das Kommen dessen, der so wunderbar irritierende und motivierende Namen hat: Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst. Es sei zu wenig ›Heroisches‹, zu wenig  ›Herrisches‹ in den Bildern Kahlkes, zu wenig die Kriegshelden Verehrendes, schreibt ein Nazi an die Gemeinde in Glückstadt und nach Flensburg.

Nur, wenn man den gewaltsamen Tod in seiner Grausamkeit wahrnehmen kann, seine zerstörerische Kraft mich ent–setzt: dann fängt man an, den Frieden zu entwickeln. Ein Nachhall des Propheten Jesaja wird laut: ›Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden; denn die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden!‹

Die Bilder Kahlkes stehen für dieses andere Heldentum, das Heldentum der phantasievollen Friedens-Macher, die Jesus in der Bergpredigt selig preist. Ein Held ist nicht, wer herrisch der Macht der Herren dient. Held ist, wer diese Macht überwindet: ›Ich will so nicht verteidigt werden, Herr Premierminister!‹ – so schrieb eine Israelitin auf Facebook, nachdem die ersten Raketen aus Gaza mit Raketen auf Gaza beantwortet worden waren vor ein paar Wochen. Wir wissen: es braucht einen, der anfängt aufzuhören mit der Gewalt, der Schloss und Riegel des Hasses durchbricht!

Das Bild Kahlkes zeigt ebenfalls: auch die plötzliche Begegnung mit Gott, mit der Macht des Heiligen, erschreckt uns. Das Licht bricht ein in geordnetes, absehbares Leben. Es haut uns von den Füßen. Der Unterschied: es bleibt finster nicht! Es wird Trost! Und allein halten wir der Kraft und Macht dieses Lichtes gar nicht stand – die Maria auf dem Bild schaut nicht hin zur Quelle des Lichtes, sie ist verwirrt. Es braucht den anderen, den liebenden, den lieben Menschen in unserer Nähe, der hilft, verweist, stützt. Schau hin. Nichts ist zu Ende. Alles fängt neu an – mit dem, der sagt: ich bin das Licht der Welt, das Licht des Lebens, nicht des Todes. Durch das Entsetzen hindurch wird Neues sichtbar. Ja: nur wenn wir die Schrecken der Kriege aushalten, sie anschauen, gibt es die Chance für den Frieden. Wenn wir hinschauen, die Realität benennen, ist Umkehr möglich. Ist Sehnsucht spürbar. Wird Platz für das Licht des Lebens und die Macht des Schalom.«

• Mit den Informationen zu Max Kahlke ist Gerhard Ulrich, so ist zu fürchten, den in Glückstadt gern weitergegebenen Erzählungen aufgesessen. Die Pieta sollte nie entfernt, sondern »nur« an anderer Stelle in der Kirche aufgehängt werden. Von der Zuordnung »entartete Kunst« kann also keine Rede sein. Das Bild erschien Kulturbeauftragten lediglich »zu demutsvoll«. Die ganze NS-Zeit über hielten führende Glückstädter Nationalsozialisten, zu denen auch sein durchaus gefürchteter Bruder gehörte, ihre Hand über das Werk Kahlkes und sorgten nach 1945 auch für das Entstehen der Legende von der »entarteten Kunst«. Kahlke selbst ist stramm nationalkonservativ gewesen und es ist zu befürchten, dass lediglich sein früher Tod ihn vor weiteren Verstrickungen schützte.

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I N H A L T
Das Denkmal
»Treue um Treue«
Treue in der NS-Zeit
Das Eiserne Kreuz
Antreten zum Volkstrauertag

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Grömitz, Kreis Ostholstein

Auf dem Friedhof Fischerkamp / Voßberg

Das Kriegerdenkmal ist heute der Mittelpunkt einer Anlage mit Gräbern von getöteten Soldaten aus dem 2. Weltkrieg. Der Friedhof gehört zur Kirchengemeinde St. Nicolai. Auf quadratischer Grundfläche ist es vierstufig angelegt, die größte Stufe trägt die Schriftsteine. Die aus bunten behauenden Felssteinen gemauerten Stufen schließen oben mit überkragenden Steinplatten ab. Ganz oben ist ein dreidimensionales Eisernes Kreuz aus Stein aufgesetzt, es trägt die Jahreszahlen:

1914 - 18
1939 - 45 (nachträglich in den Sockel graviert)


SH Groemitz vorne web


Vor dem Denkmal ist an jeder Seite ein Fahnenmast aufgestellt.

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Die Inschrift auf der Frontseite lautet:
Treue um Treue

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Die Inschrift auf der Rückseite lautet:

Unseren Helden gewidmet
Die Heimatgemeinde

Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Helden, als Brüder, als Söhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

Für die Mehrheit der Menschen kann davon ausgegangen werden, dass sie mit dieser Botschaft der Kriegerdenkmäler nicht einverstanden sind. Dennoch gibt es bei den allermeisten dieser Denkmäler keine kommentierende Veränderung.

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»Treue um Treue«

Erlass von Heeresinspekteur Bruno Kasdorf vom 6. Mai 2014, in Kraft gesetzt am 20. Mai:
»Im Verantwortungsbereich der DSK [Division Schnelle Kräfte] wird der Wahlspruch ›Treue um Treue‹ zur Ehrung für die gefallenen Bundeswehrsoldaten vom ›Karfreitagsgefecht‹ des 02. April 2010 innerhalb von Liegenschaften der Bundeswehr genutzt. Darüber hinaus findet der Wahlspruch u.a. in Dienstgebäuden oder auch auf diversen Trinkbechern in Form einer Gravur Verwendung.
In Anlehnung an die Weisung FüSK II 4 [Abteilung Führung Streitkräfte im Verteidigungsministerium] und als Ergebnis der durch den InspH [Inspekteur des Heeres] beauftragten Untersuchung des Wahlspruches durch bundeswehreigene und externe Institutionen wird festgestellt, dass der Ausdruck nicht geeignet ist, Traditionen der Bundeswehr zu pflegen und in diesem Zusammenhang Treuepflicht zu symbolisieren.
In heutiger Wahrnehmung und in der Geschichte deutscher Streitkräfte ist der Wahlspruch im Wesentlichen durch die Verwendung als Motto der Fallschirmjägertruppe der Wehrmacht geprägt worden und mit dieser verbunden.
Es ist davon auszugehen, dass seine Verwendung in der Bundeswehr und insbesondere bei den Fallschirmjägern in der öffentlichen Wahrnehmung auch als Bekenntnis zu einer Traditionslinie Wehrmacht – Bundeswehr aufgefasst wird.
Mit Entscheidung InspH vom 06. Mai 2014 wird die Nutzung des Wahlspruches ›Treue um Treue‹ für das Deutsche Heer im dienstlichen Umfeld in jeglicher Form verboten.«

Die im Erlass genannte Weisung aus dem Ministerium, datiert vom 26. Februar 2013, verbietet ausdrücklich diesen Spruch für die Gedenktafeln für gefallene Bundeswehrsoldaten:
»Im Einsatzgebiet AFG enthalten zwei Gedenktafeln für Gefallene der Bundeswehr die Inschrift ›Treue um Treue‹. (…) Hierzu ist festzustellen: Die Inschriften sind nicht geeignet, Traditionen der Bundeswehr zu pflegen oder die den Soldaten der Bundeswehr abverlangte Tapferkeit und Treuepflicht zu symbolisieren. Vielmehr ist absehbar, dass die Inschriften zu Missverständnissen führen können, die einem würdigen Gedenken an die Gefallenen der Bundeswehr in der Öffentlichkeit abträglich sind. Der Wahlspruch ›Treue um Treue‹ ist daher auf Gedenktafeln für die Gefallenen der Bundeswehr nicht zu verwenden.«

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Treue in der NS-Zeit

Traditionelle Tugendbegriffe wie »Ehre« und »Treue« oder auch »Kameradschaft«, »Gehorsam« usw. waren in der Sprache der SS-Ideologie reichlich enthalten. Jedoch hat die SS durch einen spezifisch nationalsozialistischen Gebrauch diesen Wörtern ihren eigenen Sinn verliehen. So war der Begriff »Treue« allein auf die Person Adolf Hitlers ausgerichtet. Dies drückte sich unter anderem im Eid der SS-Männer aus:

»Wir schwören Dir, Adolf Hitler (…) Treue und Tapferkeit. Wir geloben Dir und den von Dir bestimmten Vorgesetzten Gehorsam bis in den Tod« […]

»Treue« war innerhalb der SS-Ideologie ein widerspruchsloser Gehorsam. Durch die Gleichsetzung der Begriffe »Treue« und »Ehre« wurde ein Treuebruch zu einem Ehrverlust. Der Begriff »Ehre« verlor dadurch seinen traditionellen moralischen Inhalt. Denn die Ehre eines Soldaten etwa, der sich aus Ehrgefühl weigern könnte, an einem Kriegsverbrechen teilzunehmen, spielte im Ehrbegriff der SS keine Rolle mehr. Es zählte allein der blinde Gehorsam.
Die Projektion der Tugendbegriffe auf den Führer hin war notwendig, um den bedingungslosen Gehorsam auch bei verbrecherischen Befehlen zu erreichen. Dies konnte man nicht durch ein Gesetz erzwingen. Es bedurfte der Freiwilligkeit des Soldaten, die durch Umdeutung traditioneller Tugendideale erreicht wurde.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 12. Oktober 2016

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


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• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5. Juni 2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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Antreten zum Volkstrauertag

Seit vielen Jahren lädt der Bürgermeister der Gemeinde Grömitz mit dieser Formulierung die Bürger zur Gedenkveranstaltung ein:

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Kurzfilme zu den Denkmälern

Seit ein paar Jahren existiert die Website www.denk-mal-gegen-krieg.de, auf der die Evangelische Akademie sich kritisch mit der bestehenden Erinnerungskultur auseinandersetzt. Die häufigsten Erinnerungsmale an die vergangenen Kriege sind Kriegerdenkmäler, auf denen der Soldatentod verklärt und die zivilen Opfer verschwiegen werden.

Aktuell produzieren wir kurze Videos und stellen diese in der kommenden Zeit jeweils donnerstags online. Den Film über die Denkmalsanlage in Bünningstedt können Sie hier sehen: YouTube>Einführung zur Filmreihe bei YouTube> und Grönwohld bei Facebook>


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I N H A L T

Die Anlage
Stein zum 1. Weltkrieg
Die Ergänzung
Volkstrauertag 2019
Die Geschichte
Die Inschriften
Der Kaiser-Wilhelm-Gedenkstein
Der Eiskeller

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Grönwohld, Kreis Stormarn

Am Dorfrand am und auf dem ehemaligen Eiskeller

Am Ende der Straße »Eiskeller« beginnt der Fußweg zum Denkmalsensemble. Links sieht man schon den Hügel über dem ehemaligen Eiskeller mit dem typischen Baumkranz aus schattenspendenen Linden. Früher sollten die Bäume den Eiskeller vor direkter Sonneneinstrahlung schützen und die Feuchtigkeit im Erdreich halten. Heute bilden sie einen »Naturdom« über dem neueren Kriegerdenkmal, so ist es in der Grönwohlder Chronik formuliert.

 

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Weiter geht’s, nach der nächsten Biegung stehen wir am ...

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Stein zum 1. Weltkrieg

Ein neuer Weg beginnt, gepflastert mit roten Backsteinen, an dessen Rand der rundliche, aber flache Findling aufgestellt wurde.

 

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Es ist der Hauptstein des früheren Kriegerdenkmals an der Dorfstraße, das 1972 abgebaut wurde.

 

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Oben ist die Kontur eines Eisernen Kreuzes in den Stein geritzt. Das militärische Ehrenzeichen signalisiert: hier geht es um Soldaten.

 

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Weiter geht es mit der Inschrift:

1914 – 1918.
Heimatdank
für
Heldentreue!

1939 – 1945
ist im Jahr 1953 etwas unbeholfen eingefügt worden, als noch der Plan bestand das Denkmal an der Dorfstraße mit den Angaben zum 2. Weltkrieg zu ergänzen.

 

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Nach Nennung der Stifterin des Denkmals

Gem. Grönwohld

steht ganz unten in kleinerer Schrift:

Ihre Herzen ruhen in Frieden
doch ihr Glauben und Hoffen lebt.


Der Stein ist nach dem 2. Weltkrieg mit den ergänzten Jahreszahlen 1939 - 1945 an diesem Ort neu aufgestellt worden. Der Geist, der aus diesen Inschriften spricht, lebte also in Grönwohld auch nach nationalsozialistischem Terror, Weltherrschaftsphantasien und verlorenem Krieg unwidersprochen weiter.

 

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Der Stein von der Seite ...

 

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... und schon können wir den Anfang des Baumrunds vor uns sehen und das zweite Kriegerdenkmal ahnen.

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Die Ergänzung

Eine fünfstufige Bruchsteintreppe führt auf die Höhe des Denkmalsplatzes.

 

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Dort liegen flache Steine am Boden, die Kränze vom Volkstrauertag 2019 überragen sie.

 

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In der Mitte des Platzes wurde aus Bruchsteinen ein gleichschenkliges Kreuz zusammengefügt.

 

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Auf der waagerechten Achse lesen wir die Jahreszahlen des 2. Weltkriegs, auf der senkrechten die des 1. Weltkriegs. Genau in der Mitte wird die Kreuzform in klein wiederholt. Wie ein Pluszeichen schafft es die Verbindung beider Kriege, sie gehören zusammen. Der zweite folgte zwangsläufig auf den ersten, so wie es die Inschrift auf dem Findling am Fuß des Hügels gefordert hatte.

Es folgen Fotos der Zahlen-Puzzles:

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SH Groenwohld 1918 web

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Die beiden Namenstafeln, die zum ursprünglichen Denkmal an der Dorfstraße gehörten, nennen die toten Soldaten des 1. Weltkriegs. Sie sind lose vor zwei Stämmen der kräftigen Linden hinter dem Denkmalskreuz aufgestellt worden.

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Ohne Dienstgrad oder Truppengattung, ohne Geburts- oder Sterbedatum werden die Soldaten in zwei Spalten aufgelistet: mittig gesetzt, alphabetisch nach Anfangsbuchstaben des Nachnamens geordnet. Auf der ersten Tafel von B bis L.

 

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Auf der zweiten von L bis W. Ausser der Reihe ist noch ein weiterer Name angefügt: Friedrich Tossarzyk. Die Geschichte dazu kennen wir nicht.

Oben in der Mitte ist auf beiden Tafeln ein schwarz gefärbtes Eisernes Kreuz auf quadratischer Fläche herausgearbeitet worden.

 

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Volkstrauertag 2019

Mit zwei Kränzen, deren Schleifen in den Farben von Schleswig-Holstein gehalten sind, wurde der toten Soldaten gedacht.


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Links: »Zum Gedenken« von der Freiwilligen Feuerwehr Grönwohld.


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Rechts: »Zum Gedenken« von der Gemeinde Grönwohld.

 

»Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. ›Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben‹ (Ralph Giordano, Die zweite Schuld).«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 29
 

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Die Geschichte

1920 wurde das Denkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs unter großer Anteilnahme der Bevölkerung eingeweiht. Der Findlingsstein und die beiden Namenstafeln, die wir kennen, waren damals in eine größere, aus bunten Bruchsteinen gemauerte Denkmalsanlage eingefügt, das an der Dorfstraße vor dem Hof Christier stand.

Am 2. August 1953 ist in den Lübecker Nachrichten zu lesen: »Grönwohld (rm). Die Gemeinde hat jetzt einen Denkmalsfonds gebildet, um das Ehrenmal für die Gefallenen würdig herzurichten. Vor allem soll die Inschrift mit den Namen der Toten des zweiten Weltkrieges erweitert werden.« Am 27. November 1953 dann: »Von der Gemeinde werden gegenwärtig Namen der Gefallenen und Vermißten des zweiten Weltkrieges zusammengestellt. Die vorhandene Heldengedenkstätte [... acht Jahre nach Kriegsende noch ganz im Nazijargon formuliert!] wurde bereits durch Einmeißeln der Jahreszahlen 1939 bis 1945 ergänzt. Vorgesehen ist jedoch, auch noch eine Tafel mit den Namen der Gefallenen und Vermißten anzubringen. Ein entsprechender ›Denkmalsfonds‹ wurde bereits gegründet.«

 

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Aber es kam anders. 1972 bekam das Gedenken an die toten Soldaten beider Weltkriege einen neuen Standort über dem ehemaligen Eiskeller. Das ursprüngliche Denkmal wurde abgebaut, der Findling wurde an den Aufgang zum Hügel transportiert, die beiden Namenstafeln vor Baumstämmen hinter dem neuen Denkmalskreuz aufgestellt.

 

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Ein Foto aus dem Jahr 1988, 16 Jahre nach der Einweihung der neuen Gedenkstätte.

Foto: Kreisarchiv Stormarn >internationale Lizenz 4.0


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Die Inschriften

Heimatdank
für
Heldentreue!

Ein starker Spruch nach einem verlorenen 1. Weltkrieg, der mit dem Überfall der deutschen Soldaten auf das neutrale Belgien und Massakern an der Zivilbevölkerung begonnen hatte. Diese Botschaft klammert Gräueltaten, Verstümmelungen, Seuchen und Elend als Folgen des Krieges aus und verherrlicht den Soldatentod. Von Trauer über einen verlorenen Menschen kann keine Rede sein.

Ihre Herzen ruhen in Frieden
doch ihr Glauben und Hoffen lebt.

Eine kaum verhohlene Aufforderung, die nach dem 1. Weltkrieg allerorts erhoben wurde, die »im Felde unbesiegten« deutschen Soldaten zu rächen, sich für die Schmach des »Versailler Schandvertrags« zu revanchieren und erneut in einen neuen, dann siegreichen Krieg zu ziehen. Bis 1945 benutzen die Nationalsozialisten die toten Soldaten für eine Verpflichtung an die nachfolgende Generation, ihnen an Kampfesmut und Opferbereitschaft nicht nachzustehen.

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Der Kaiser-Wilhelm-Gedenkstein

In der Mauer am ersten Standort des Denkmals zum 1. Weltkrieg in der Dorfstraße befand sich ein Gedenkstein für Kaiser Wilhelm I. Die Inschrift lautete:

W I.
22.3.
1897

Am 22. März 1897 feiert man überall im Deutschen Reich den 100. Geburtstag des Kaisers, der wegen seiner Verdienste zur Reichseinigung von Kaiser Wilhelm II. nun zum »Kaiser Wilhelm der Große« erklärt wurde.

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     Foto aus: Grönwohld, Chronik und Bildband. Kreisarchiv Stormarn

 

Überall im Land wurden wie in Gröhnwohld ihm zu Ehren Denkmäler enthüllt und Gedenksteine erstellt. Auch im Nachbarort Trittau. Dort hat die Stiftung Geschichtskultur ein erläuterndes Schild aufgestellt:

»Wilhelm I.
• Geboren am 22.3.1797 als Sohn von König Friedrich-Wilhelm III. von Preußen und Königin Luise
• Niederschlagung der Revolution 1848 (›Kartätschenprinz‹)
• König von Preußen 1861 - 1888
• Deutscher Kaiser 1871 - 1888
• Gestorben 1888. Ihm folgt Friedrich III. (99-Tage-Kaiser) und im gleichen Jahr Wilhelm II. (1888 - 1918)

Kaiser Wilhelm I. und sein Kanzler Bismarck haben ihr Jahrhundert geprägt. Um beide entstand nach ihrem Tod eine kultische Verehrung. Kaiser Wilhelm II. förderte den Kult um seinen Großvater, für den zu dessen 100. Geburtstag das riesige Nationaldenkmal in Berlin, etwa 350 Denkmäler in deutschen Städten und zahlreiche Gedenksteine, wie hier in Trittau, eingeweiht wurden.«

 

Das Nationaldenkmal für die Befreiungskriege
Auf der höchsten Stelle der Erhebung legte König Friedrich Wilhelm III. am 19. September 1818 den Grundstein des deutschen Nationaldenkmals für die Siege in den Befreiungskriegen. Die Einweihung des Denkmals erfolgte am 30. März 1821, dem Jahrestag der Erstürmung des Montmartre. Bei gleicher Gelegenheit erhielt der Hügel seinen heutigen Namen Kreuzberg.

Die Widmungsinschrift verfasste im Auftrag des Königs der Altphilologe August Boeckh:
»Der König dem Volke,
das auf seinen Ruf hochherzig
Gut und Blut dem Vaterlande darbrachte.
Den Gefallenen zum Gedächtniß,
den Lebenden zur Anerkennung,
den künftigen Geschlechtern zur Nacheiferung.«

Die zweite Hälfte dieses Textes war die gängige Vorlage für Kriegerdenkmäler beider Weltkriege, teilweise nur geringfügig verändert.

 

»Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen wurde am 22. März 1797 in Berlin geboren. 1814 Hauptmann geworden, begleitete er seinen Vater auf dem Feldzug nach Frankreich gegen Napoleon I., erwarb sich das Eiserne Kreuz und zog am 31. März mit in Paris ein. Seit 1. Januar 1816 führte er das Stettiner Gardelandwehrbataillon, erhielt 1818 als Generalmajor eine Gardeinfanteriebrigade, am 1. Mai 1820 die 1. Gardedivision und 1825 als Generalleutnant das Gardekorps. In der langen Friedenszeit, half er den militärischen Geist in der Truppe zu erhalten. Nach dem Tod seines Bruders bestieg Wilhelm den preußischen Thron. 1862 berief Wilhelm Bismarck zum Ministerpräsidenten von Preußen und ließ sich im Wesentlichen von ihm lenken. Nach dem Sieg im Deutsch-Französischen Krieg wurde König Wilhelm I. im Spiegelsaal von Versailles zum Deutschen Kaiser ausgerufen.«

• nach www.deutsche-Schutzgebiete.de, aufgerufen am 28.11.2017
 

Zum Vertiefen: Dorlis Blume für das Deutsche Historische Museum


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Der Eiskeller

Zitiert aus Grönwohld, Chronik und Bildband: »Zusammen mit dem früheren Jägerhaus erwarb die Gemeinde 1962 auch den ehemaligen Eiskeller des Grönwohldhofes. Der Eiskeller war die Tiefkühltruhe wohlhabender Leute, bevor es elektrischen Strom gab. Darin war ein mehrere Meter tiefer, mit Feldsteinen ausgemauerter Raum, in dem Fleisch und Wild auf Eisblöcken gelagert wurde, die im Winter aus den zugefrorenen Teichen gesägt und im Sommer von der Eisfabrik geliefert wurden. Der Deckel hatte Lüftungsschlitze, über Leitern konnte man hineinsteigen. Die Bäume rund um die abgedeckte Öffnung wurden angepflanzt, zum Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung und um im Erdreich die Feuchtigkeit zu halten. Heute ist die Höhle verfüllt.«

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• Im baumbestandenen Hügel befand sich der Grönwohlder Eiskeller

 

Eiskeller sind ganz oder teilweise unterirdische Bauwerke, die früher zur Lagerung und Aufbewahrung von Natureis dienten, welches übers Jahr zur Kühlung von Produkten oder für Herstellungsprozesse benutzt wurde. Mit der Einführung von Kältemaschinen Ende des 19. Jahrhunderts begann die Umstellung der Kühlung bei Großbetrieben und Brauereien; kleinere Eiskeller wurden aber weiterhin bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet und vereinzelt noch bis in die 1950er Jahre genutzt. Die meisten Eiskeller sind heute abgerissen, zugeschüttet oder verfallen. Nur wenige Eiskeller wurden restauriert bzw. werden noch genutzt.


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• Eiskeller in Potsdam. Abbildung aus: Ernst Brückner, Emil Spillner: Eisbehälter und Kühlanlagen mit künstlicher Kälteerzeugung. In: Handbuch der Architektur. Dritter Teil: Die Hochbaukonstruktionen. 6. Band, Stuttgart, 1904, Seite Seite 254 Abb. 356.


Bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts beschränkte sich die Nutzung der Eiskeller auf die wohlhabende Bevölkerung. Eiskeller aus dieser Zeit standen daher überwiegend in der Nähe von Gutshäusern oder Schlössern. Der Bedarf an Kühlräumen wuchs erst mit dem Beginn der Industrialisierung.

Nach Wikipedia, abgerufen am 18. April 2020

Weiter dazu auf Wikipedia

 

»Der Eiskeller oder Eishöhle ist ein in der Regel außerhalb des Hauses gelegener Vorratsraum. Er ist fast immer unterirdisch angelegt, in Felsenkammern, Höhlen, Stollen, tiefen Erdgruben oder tief im Gebäude und dient der Lagerung von Lebensmitteln, Getränken und Chemikalien in den Sommermonaten. Der Eiskeller funktioniert stromlos.

Vor der Erfindung der Kältemaschine im 19. Jahrhundert brach man im Winter auf Weihern Natureis, um es für den Bedarf im Sommer aufzubewahren. Dies tat man oft auf eigens hierfür, oder für die Trift, angelegten kleinen Stauseen (Woog) und bewahrte dann das Eis in solchen Eishöhlen auf. Zum Betrieb im Sommer wurde auch Gletschereis über weite Strecken transportiert und eingelagert. In deren Kühle hielten die Eismassen bis weit in den Sommer, ohne zu schmelzen.

Das in den naturkühlen Eishöhlen aufgeschichtete Eis wurde oben mit Sägemehl zur Isolation bestreut. Auch Stroh über das Eis und Kühlgut fand Verwendung.

Unter dem Eis sorgen Ablaufrinnen und der geneigte Boden des Eiskellers dafür, dass das Schmelzwasser ablaufen kann. Die Kühlung selbst entsteht durch die Abgabe der Eigenwärme des Kühlguts an das Eis bis zum Temperaturausgleich.

Außerdem gab es im Haus des Eiskellerbesitzers dickwandige, gut isolierte Eisschränke. Solche zum Kühlen von allerlei Speisen bestimmten Schränke besaßen ein mit Zink oder Zinn ausgekleidetes Fach, welches mit dem Eis aus dem Eiskeller gefüllt wurde. Unter diesem Eisfach befanden sich Roste, auf denen das das Kühlgut lag – die alten Eisschränke sind Vorläufer unserer elektrisch betriebenen, auch heute noch gelegentlich als Eisschrank bezeichneten Kühlschränke.«

Dies und mehr auf www.chemie.de


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I N H A L T
Das Denkmal
Die Geschichte
Historische Fotos
Der Waldreiter
Der Bildhauer Richard Kuöhl
Für Deutschland gestorben

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Großhansdorf,
Kreis Stormarn

Auf einer Anhöhe im Waldreiterweg

Das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. und 2. Weltkriegs (später ergänzt) ist am 23. August 1928 eingeweiht worden. Es ist eine etwa 15 Meter hohe eckige Säule aus Thüringer Tuffsteinblöcken, die sich nach oben verbreitert. Auf der gekehlten Abschlussplatte und einem angeschrägten Sockel ist eine »goldene« Kugel angebracht, die ein Kreuz aus Metall trägt. Der Denkmalplatz auf der Anhöhe wird von unten durch eine Natursteinmauer abgestützt.

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Der Entwurf stammt vom Hamburger Bildhauer Richard Kuöhl (1880 Meissen - 1961 Bad Oldeslohe), mehr Informationen finden Sie weiter unten. Ausgeführt hat ihn der Hamburger Steinmetz Tscherne. Die Maurerarbeiten hat Rudolf Offen aus Großhansdorf erledigt.
 

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Die Frontseite trägt die Jahreszahlen der beiden Weltkriege.
1939
1945
wurde später hinzugesetzt. Darüber ein übergroßes ausgearbeitetes Schwert mit aufgerichteter Klinge.

Auf diesem Foto sieht man gut das äußere Stützkorsett aus Winkelstahl an den Kanten. 2007 wurden schwerwiegende Schäden am Denkmal festgestellt. Der Plan, das Denkmal Schicht für Schicht abzutragen und wieder neu aufzusetzen erwies sich als undurchführbar. Stattdessen wurde im Herbst 2008 diese Stahlkonstruktion bis zu 2/3 der Säulenhöhe angebracht. Kosten: rund 20 000 Euro.

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Die Widmungsinschrift auf der gegenüberliegenden Seite lautet:

Zur Ehre der Opfer des Zweiten Weltkrieges

(später hinzugesetzt)

Darunter das Halbrelief eines Eichenzweiges. Die ältere Widmung lautet:

Ihren im Weltkriege gefallenen Söhnen die dankbare Gemeinde Gr. Hansdorf u. Schmalenbeck

Das aufgerichtete Schwert und die Widmung zum 1. Weltkrieg ist deutlich kriegerischer als die später hinzugesetzte, obwohl auch dort die Opfer »geehrt« und nicht betrauert werden.

Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Helden, als Brüder, als Söhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk, Heimat und Vaterland, in der Steigerung für die dankbare Heimat. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

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Im Frühling 2015 wurde bei einem schweren Sturm das Denkmal schwer beschädigt und die gärtnerischen Anlagen zerstört. Unter anderem mußte die Steinkugel erneuert werden. Die neue Kugel ist aus Kostengründen aus Metall mit mattgoldenem Anstrich gefertigt. Archivar Eduard Phillip hatte seinerzeit notiert, dass eine Urkunde in die Kugel eingemauert worden sei. Das hat sich nicht bestätigt.

Die Kugel trägt ein Tatzenkreuz aus Metall. Kugel und Kreuz sind eindeutig christliche Symbole. Sie sollen dem Soldatentod eine religiöse Weihe geben. Lesen Sie dazu den Beitrag von Clemens Tangerding im Deutschlandfunk weiter unten.

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An beiden Seiten der Säule sind in gleicher Schrift, dunkelrot ausgemalt, die 24 Namen, Geburts- und Sterbedaten der toten Soldaten des 1. Weltkriegs graviert, alphabetisch geordnet. Darüber jeweils ein Eisernes Kreuz im Halbrelief mit innerer Kontur.

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Der versetzt gepflasterte Weg zum Denkmal wird gesäumt von drei Granitplatten, die 88 Namen von Toten des 2. Weltkriegs tragen. Hartmut Bandholt hat sie zusammengetragen. Zum Volkstrauertag 2001 sind die Platten verlegt worden.

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Wenn man die Namen liest, stellt man fest, dass es ausschließlich Männernamen sind. Es liegt nahe, dass es sich um tote Soldaten handelt. Die Inschrift nach dem 2. Weltkrieg formuliert:

Zur Ehre der Opfer des Zweiten Weltkrieges

Sie bezieht sich also wohl nicht, wie man denken könnte, auch auf zivile Opfer.

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Das aufgerichtete Schwert signalisiert Kampfbereitschaft. In der Ikonographie des Militärs gilt das aufrecht stehende Schwert – die maximal kriegerische Darstellung – als Zeichen des Wehrwillens. Zitat aus der Urkunde, die im Grundstein des Kriegerdenkmals am Pinneberger Bahnhof eingelassen worden ist: »Das Ehrenmal wird an der Vorderseite ein aufrechtes Schwert tragen. Hiermit soll die Mannhaftigkeit und der Wehrwille des deutschen Mannes vor aller Welt bekundet werden.« Es gibt auch Kriegerdenkmäler mit gesenktem Schwert als Zeichen der Aufgabe z.B. in Lübstorf/Mecklenburg-Vorpommern oder mit abgebrochenem Schwert als Zeichen der Niederlage z.B. in Thürk/Schleswig-Holstein.

Pinneberg
Buchholz
Lübsdorf
Thürk

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Die Geschichte

Der Beschluss über die Errichtung eines Kriegerdenkmals in der Gemeinde Großhansdorf wurde in der Sitzung vom 5. April 1921 gefasst. Am 30. Juni 1925 wurden 7 000 Reichsmark für die Herrichtung des Platzes am Waldreiterweg bereitgestellt. Baubeginn war dann am 10. Oktober 1926. Die Baukosten sollen 14 000 Reichsmark betragen haben.

Das Denkmal ist laut Protokoll der Gemeinderatssitzung am 23. August 1928 um 9 Uhr morgens »sang- und klanglos« enthüllt worden. Auf Anregung des Vorsitzenden wurde am nächsten Tag ein Lorbeerkranz niedergelegt, auf dessen Schleife »Den Gefallenen Söhnen die dankbare Gemeinde« stand.

Joachim Wergin vom Heimatverein schreibt dazu:
»Es hatte einen tiefgehenden Zwist über die Frage gegeben, welche Fahnen bei der Einweihung gehisst werden dürfen, der in langen mühevollen Verhandlungen nicht beseitigt werden konnte. Der Senat Hamburg hatte gefordert, nur die ›verfassungsmäßigen‹ Fahnen zu hissen. Die Gemeindevertretung bedauerte, dass sich so keine ›weihevolle Stimmung einstellen werde‹ und es zu beklagen ist, ›dass den Toten die öffentliche, schuldige Ehrbezeugung versagt bliebe‹.«

• Lesen Sie mehr im »Der Waldreiter« 12/2008 im PDF-Download weiter unten.

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Historische Fotos

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Gedenken am »Ehrenmal«. Die Kleidung der Personen im Hintergrund lässt vermuten, dass es sich um eine Veranstaltung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold handelt. Das Jahr der Zusammenkunft ist nicht bekannt. Der Verband Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold hatte 1928 einen Antrag für die Errichtung zweier Flaggenmasten gestellt. Beschluss des Gemeinderats: »Das Aufstellen von Flaggenmasten von privater Seite wird grundsätzlich abgelehnt.«

Das Reichsbanner war ein Veteranenverband, in dem Kriegsteilnehmer des 1. Weltkrieges ihre Kriegserfahrungen mit ihrem Eintreten für die Republik verbanden. Seine Hauptaufgabe sah das Reichsbanner in der Verteidigung der Weimarer Republik gegen Feinde aus den nationalsozialistischen, monarchistischen und kommunistischen Lagern.

• nach Wikipedia, abgerufen am 10. Juni 2017

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Die gärtnerische Anlage mit Hecke auf der Stützmauer und Sandplatz.

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Volkstrauertag 16. November 2008: Die Standfestigkeit der Säule ist durch das Stahlkorsett wieder hergestellt.

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Der Waldreiter

Ausführlichere Informationen zum Kriegerdenkmal können Sie folgenden PDFs entnehmen.

Waldreiter 12/2008, S. 30 + 34

Waldreiter 12/2015, S. 25


Wir danken herzlich dem Heimatverein Großhansdorf-Schmalenbeck e.V. und dem Autor Joachim Wergin, dass wir Informationen und Fotos aus Artikeln der Publikation »Der Waldreiter« verwenden und sie hier auch als Download zur Verfügung stellen dürfen. »Der Waldreiter« wird seit 1949 (!) vom Verein herausgegeben. Besonders nett finden wir auf der Titelseite die Anmerkung: »Botenlohn 10 Cent«.

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Der Bildhauer Richard Kuöhl

Richard Emil Kuöhl wurde am 31. Mai 1880 in Meißen geboren. Seine handwerkliche Ausbildung als Kunsttöpfer erhielt er in einer der Modellfabriken dieses Zentrums keramischer Kunst. Nach dreijährigem Studium an der Dresdner Kunstgewerbeschule, wurde er als leitender Modelleur einer bauchemischen Versuchsanstalt mit den modernsten Techniken der Tonbearbeitung vertraut. 1912 folgte er seinem Dresdener Architekturprofessor Fritz Schumacher nach Hamburg. Dort arbeitete er in den 1920er und 1930er Jahren mit fast industriellem Ausstoß. Es entstanden Skulpturen in Stein, Keramik und Reliefs in Terrakotta. Er starb am 19. Mai 1961 in Rohlfshagen bei Bad Oldesloe.

Kriegerdenkmäler gehörten während der Weimarer Republik zu den häufigsten und begehrtesten Auftragswerken deutscher Bildhauer. Auch Kuöhl hatte bereits zahlreiche Kriegerdenkmäler ausgeführt, dabei war es ihm stets gelungen, die von nationalistisch und militärisch gesinnten Kreisen mit einem »Ehrenmal« beabsichtigte politische Aussage künstlerisch zu formulieren. Nicht Jammer und Not, sondern Mannestat und Einsatzbereitschaft, das Heldische, Kraftvolle, das ein Mahnmal verkörpern muß, zeigen die »Ehrenmäler«, die er geschaffen hat ... immer wieder spricht ein trotziges »Dennoch!« aus diesen Denkmälern.

Zitat aus Volker Plagemanns Buch »Vaterstadt, Vaterland, schütz Dich Gott mit starker Hand«, Hans Christians Verlag, 1986

Eine Autorengruppe um Roland Jäger veröffentlichte 1979 ein Buch über den »Kriegsklotz« hinterm Dammtorbahnhof in Hamburg, das wohl umstrittenste Denkmal Kuöhls.

Jäger u.a., 1979


Ebenfalls dokumentiert sind auf dieser Website Kuöhls Denkmäler in:

Hamburg Dammtor
Hamburg Langenhorn
Schleswig-Holstein Lübeck
Schleswig-Holstein Rendsburg
Schleswig-Holstein Wilster
Hamburg Neuenfelde
Hamburg Finkenwerder
Schleswig-Holstein Neumünster
und besonders kurios Hamburg Moorburg

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Für Deutschland gestorben

... Die Gedenkstätten sind ausnahmslos Ausdruck des Bedürfnisses, das Gedenken an den Tod der Soldaten zu sakralisieren, also zu etwas Heiligem zu stilisieren. In Form von Kreuzen, Säulen, Räumen der Stille oder Plastiken wird nicht der Tod, sondern der vorgebliche Sinn dieses Todes dargestellt ...

Die Sakralisierung schirmt die Gedenkorte auch gegen Widerspruch ab, denn wer würde in einem Raum der Stille oder vor einem Kreuz laut protestieren? Die Ent-Profanisierung beschützt den Tod der Soldaten besonders vor Ansprüchen der Überlebenden. Obwohl diese im Einsatz eine Gruppe bildeten, grenzen die Denkmäler die Toten von den Versehrten ab.
Nur wer starb, wird in Inschriften und auf Tafeln geehrt, wer überlebte nicht. ... Psychische Krankheiten, lebenslange körperliche Schäden, Schwierigkeiten bei der beruflichen Widereingliederung ließen sich mit der Sakralisierung des Gedenkens nicht in Einklang bringen.

Auffällig ist auch, dass die Soldaten zwar als Söhne oder als Opfer, manchmal auch als Krieger benannt und dargestellt werden, nie aber als Tötende. Der Gefallene existiert als Begriff, es gibt aber keine Bezeichnung für den, der ihn zu Fall gebracht hat. Reinhart Koselleck meint dazu: »Gestorben wird alleine, zum Töten des Anderen gehören zwei. Die Fähigkeit des Menschen, seinesgleichen umzubringen, konstituiert vielleicht mehr noch menschliche Geschichte als seine Grundbestimmung, sterben zu müssen.«

• Zitiert aus einem Beitrag des Deutschlandfunks vom 18.11.2012 von Clemens Tangerding

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Geschichte
Aus der Kirchenchronik
Der Holzbildhauer Anton Huber

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Grundhof, Kreis Schleswig-flensburg

Auf dem Friedhof der Marienkirche

In der Hauptsichtachse zur Kirche steht am Ende des Friedhofs der ca. fünf Meter hohe Obelisk, das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. und 2. Weltkrieges. Er wurde mit bunten behauenen Feldsteinen auf einen zweistufigen quadratischen Sockel gemauert.

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Foto: Ulrike Lehmann/Wikimedia Commons

Die folgenden beiden Zitate stammen aus dem Buch »Das Kirchspiel Grundhof« von O. C. Nerong, neu bearbeitet von Nik. Nielsen, Flensburg 1957.

»In den Jahren 1920-1921 wurde auf dem zuletzt hinzugekommenen Teil unseres Friedhofes zu Ehren der im 1. Weltkrieg gestorbenen und vermißten Gemeindemitglieder ein größeres Kriegerehrenmal errichtet. Es ist nach dem Entwurf von Direktor Huber, Dortmund, früher Flensburg, hergestellt von der Firma Jürgensen u. Cordsen, Grundhof. Die Anlagen am Denkmal und am neuen Teil des Friedhofs schuf Gärtner Desler, Grundhof. Das Denkmal ist ein gedrungener Obelisk, mit Kugel und Kreuz gekrönt.«

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Die Anlage ist umgeben von einer Buchenhecke und direkt am Sockel von kunstvoll beschnittenem Buchsbaum.

Die Widmungstafel aus Bronzestreifen ist mit runden Zierschrauben angebracht. Sie trägt über und unter einem christlichen Kreuz die Inschrift in erhabenen Buchstaben:

Unseren Gefallenen und Vermissten
1914 – 1918   1939 – 1945

All, die gefallen in Meer und Land
sind gefallen in Deine Hand

alledie kämpften auf weitem Feld
sind auf Deine Gnade gestellt

alledie weinen in dunkler Nacht
sind von Deiner Güte bewacht.

Gib uns Augendass wir es sehn
wie Deine Hände mit uns gehn

Gib uns Herzendie Deine Gnad
gläubig ergreifen früh und spat

Gib uns das Leben durch Deinen Sohn
uns und den Toten vor Deinem Thron.

Siegfried Goes, der diese Anrufung Gottes erdacht hat, war ebenfalls Soldat im 2. Weltkrieg und ist getötet worden.

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Auf der drei anderen Seiten des Obelisken sind jeweils auf 12 einzelnen Bronzetafeln, kompakt in der Steinmauer versenkt und mit runden Zierschrauben angebracht, die Namen der toten und vermissten Soldaten des 1. Weltkriegs (eine Seite) und des 2. Weltkriegs (zwei Seiten) aufgeführt. Oben, über zwei Tafeln, die Jahreszahlen: 1914 – 1918 bzw. 1939 – 1945, dann die Namen mit Geburts- (nur der Soldaten des 2. Weltkriegs) und Sterbedatum, aufgeteilt nach den Ortschaften des Kirchspiels.

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1995 wurden auf zwei zusätzlichen Tafeln die Namen der beiden Zwangsarbeiter aus Polen und Russland angebracht, die während des 2. Weltkrieges hier ums Leben kamen.

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Die Geschichte

Am 1. Juni 1922 wurde das Denkmal unter großer Beteiligung der Bevölkerung eingeweiht. Der Pastor, der auf dem Foto die Weihepredigt hält, wird wohl Pastor Heinrich Friedrich Meyer gewesen sein.

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»Er [der Obelisk] trug bis 1955 vier Granittafeln, auf denen mittels Sandgebläse Widmung und Namen verzeichnet waren. Auf der Südtafel stand folgende Widmung:

Den treuen Helden, die im Weltkriege 1914-1918 ihr Leben für uns gelassen haben, zu ehrendem Gedächtnis.

Daran haben wir erkannt die Liebe, daß er sein Leben für uns gelassen, und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen.
1. Johannis 3.16

Auf den drei anderen Tafeln standen die Namen der Gefallenen, In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg wurden viele Entwürfe für ein Denkmal der Gefallenen geprüft. Man einigte sich dahin, die Granittafeln zu entfernen und durch größere Bronzetafeln zu ersetzen und alle Namen der Gefallenen beider Kriege auf ihnen anzubringen. In sorgfältiger Weise wurden die alten Tafeln entfernt, die Tafelnischen vergrößert und die neuen Tafeln angebracht. Die Granittafeln hatten die Eigenschaft, daß sie den Leser immer blendeten. Das Denkmal war am 1. Juni 1922 gleichzeitig mit den neuen Glocken eingeweiht worden; am 21. August 1955 fand eine Feierstunde an ihm statt, in der die neuen Tafeln enthüllt und geweiht wurden.«

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Ein weiteres historisches Foto aus dem Archiv von Pastor Arne Gerundt:

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Aus der Kirchenchronik

1922    
Das Ehrenmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges wird fertig gestellt. Am selben Tag werden auch drei neue Eisenglocken geweiht, die mitten in der Inflationszeit angeschafft wurden.

1924    
Der Kirchenvorstand beschließt, dass zukünftig auch Selbstmörder kirchlich beerdigt werden sollen. Es gibt Auseinandersetzungen mit einer Gruppe »ernsten Bibelforschern«, die sich regelmäßig im Grundhof-Krug versammeln.

1952    
Auf dem Friedhofsvorplatz wird an der Friedhofsmauer ein Mahnmal errichtet. Es trägt die Inschrift: »Deutsche Kriegsgefangene rufen das Gewissen der Welt« [Dieses »Mahnmal« ist damals von Privatleuten errichtet worden. Erst 2008 wurde es wieder abgebaut! Die Reste stehen noch auf dem Grundhofer Kirchboden. Dank an Pastor Arne Gerundt für das Foto und den Hinweis].

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1995
    
Am Ehrenmal auf dem Friedhof werden auf zwei zusätzlichen Tafeln die Namen der verstorbenen Zwangsarbeiter aus Polen und Russland angebracht, die während des zweiten Weltkrieges hier ums Leben kamen. In den Jahren davor wurden ihre Gräber am Volkstrauertag mit einer gesonderten Kranzniederlegung bedacht.

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Foto: Kirchengemeinde Grundhof

• Blick vom Kriegerdenkmal zurück zur Marienkirche

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Der HolzBildhauer Anton Huber

Anton Huber, geboren am 20.4.1873 in Stuttgart, entstammte einer Familie von Kunstgewerblern; bereits sein gleichnamiger Vater (1845-1923) war Lehrer an der Kunstgewerbeschule in Mainz. Auf den Weltausstellungen 1902 in Turin und 1904 in St. Louis bekam A.H. goldene Medaillen für Entwürfe von Wohnungseinrichtungen. 1905 wurde er Direktor in Flensburg, 1919 an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Dortmund.
Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, hrsg. v. Hans Vollmer, 18. Bd., Leipzig 1925, S. 4

Anton Huber war bis 1919 Direktor der kunstgewerblichen Fachschule in Flensburg, einer Berufsfachschule für Holzbildhauerei. Er hat sich wohl nur ausnahmsweise mit dem Entwurf von einem steinernen Kriegerdenkmal beschäftigt. Hier sein Beitrag für einen Kunstkalender im Jahr 1913.

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Quelle: Universitätsbibliothek Heidelberg

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