NEUE SICHT AUF ALTE HELDEN?

Kriegerdenkmäler in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern sind nach dem 2. Weltkrieg viele Denkmäler, mit zum Teil kriegsverherrlichenden Symbolen und Inschriften, zerstört worden. Aber immer noch sind heute viele hundert Kriegerdenkmäler dokumentiert. Etliche von diesen sind durch die Entfernung besonders militaristischer Darstellungen verändert worden. Gleichzeitig wurden vielerorts Tafeln zur Erinnerung an den 2.Weltkrieg mit deutlichen Friedensaufrufen angebracht. Vereinzelt, mit zunehmender Tendenz, wurden nach dem Ende der DDR alte Kriegerdenkmäler wieder aufgestellt, siehe zum Beispiel den »Soldaten« in Stolpe auf Usedom oder sogar Denkmäler für tote Wehrmachtssoldaten des 2.Weltkriegs neu aufgestellt, siehe Mueß.

Noch bestehende Denkmäler zum 1.Weltkrieg sind oft mit den bekannten Widmungen versehen: Unseren gefallenen Helden… Heldentod… Vaterland… auf dem Feld der Ehre... habt Dank ihr Krieger.

Wenn nicht anders angegeben stammen die Fotos von Matthias Hübner (www.dorfkirchen-in-mv.de) oder Marlise Appel, Evangelische Akademie der Nordkirche.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

 

 


I N H A L T
Das Denkmal
Das Kreuz als Kriegerdenkmal
Die Widmung
Die »Siegerkrone«
Die Kirche St. Andreas
Die Steinmauer

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Lancken-Granitz

Landkreis Vorpommern-Rügen

Neben der Kirche St. Andreas mit Durchgang zum Friedhof wurde die Gedenkstätte für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs angelegt.

MP Lancken Granitz Kreuz web


Im Zentrum steht ein hölzernes Hochkreuz. Es wird von einem Metallschuh gehalten, oben sind verschieden lange weiße Zierlatten eingelegt. Das Kreuz steht auf einem würfelförmigen Betonpodest mit Abdeckplatte und und Fußsockel. Der Platz ist mit quadratischen Platten gepflastert.

 
MP Lancken Granitz rechts web


Links und rechts vom Plattenweg, der zum Kreuz führt sind paarweise die Namenssteine, sogenannte Kissensteine, der 33 toten Soldaten verlegt worden. Jeweils im Halbkreis.

MP Lancken Granitz links web


Die ungrade Anzahl der Namenssteine wird gelöst indem der Steinbogen links mit einem Dreierverbund am Kreuz endet.


MP Lancken Granitz Sockel web


Die Buchstaben für Widmung und Sinnspruch sind in das Podest des Kreuzes eingemeißelt und schwarz ausgemalt.

Auf der Frontseite steht, mittig gesetzt:

Dem Andenken
unserer Brüder, die im
Weltkriege 1914-1918
für das Vaterland ihr Leben hingaben!
Die dankbare Kirchengemeinde
Lancken-Granitz

 

MP Lancken Granitz Sockel2 web


Auf der Rückseite steht, ebenfalls mittig gesetzt und von einer feinen, tiefer gelegten Linie umgeben:

Lass mit der Siegerkrone
Bei Dir, o Herr, sie steh’n
Und lass uns alle, alle
Bei Dir einst wiederseh’n.

 

MP Lancken Granitz Signatur web


Das Signet auf der Abdeckplatte nennt die Zahl »1998«, vermutlich ist das Holzkreuz in diesem Jahr erneuert worden.

 

MP Lancken Granitz 2Namen web


Eins der Steinpaare zeigen wir als Beispiel: Vor- und Familennamen werden genannt, darunter der Heimatort, das Geburtsdatum und das Sterbedatum. Wie die Sockelseite mit dem Siegerkronen-Sinnspruch ist der Text von einer tiefer gelegten Linie umgeben.


MP Lancken Granitz Name web


Ein weiterer Stein für einen Soldaten aus Granitz. Insgesamt sind eine Reihe von umliegenden Dörfern als Heimatorte angegeben: 4x Moritzdorf, 5x Seedorf, 2x Neuensien, 1x Klein-Stresow, 2x Gobbin, 2x Altensien, 2x Neu Reddevitz,, 1x Burtevitz, 5x Blieschow, 1x Preetz, 1x Granitz und 7x Lancken.

Buchstaben, Ziffern und Linien waren 2019 noch nicht schwarz nachgezogen worden – so wie die Inschriften auf dem Sockel – deshalb sind sie teilweise schwer zu lesen.

 

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Das Kreuz als Kriegerdenkmal

Das Kreuz steht im Zentrum der Gedenkanlage in Lancken-Granitz, unweigerlich muss man an Golgatha denken, wo den neutestamentlichen Evangelien zufolge Jesus von Nazaret gekreuzigt wurde. In bewusster Kombination mit diesem Christussymbol nimmt die Inszenierung der Anlage Bezug auf den christlichen Glauben, dass Jesus den Opfertod gestorben ist, um die Menschheit zu erlösen. Besonders durch die Niederlage im 1. Weltkrieg und der in der Öffentlichkeit als riesige Last empfundenen Bedingungen des Versailler Friedens wurden vermehrt christliche Motive und Sprüche gesucht, um dem Soldatentod eine nachträgliche Deutung zu geben. Soldatisches Handeln und Sterben wurden schon im Verlauf des Krieges mit den schwindenden militärischen Erfolgsaussichten zunehmend heroisiert, wenn nicht sogar mystifiziert, wie mit der Analogie zum Opfertod Jesu.

»Kriege, in denen planvoll getötet und grausam gestorben wird, fordern die Sinnstiftungsleistung des Kollektivs der Überlebenden auf ganz besondere Weise heraus.« schreibt Alexandra Kaiser in »Von Helden und Opfern«. Christliche Analogien sollen dem Soldatentod eine religiöse Weihe geben und ihn als »Opfertod« verklären.

Wer die bewusste Hingabe Jesu auf den Kriegstod bezieht, »…nimmt ihn als gottgegeben an, zu dem es keine Alternative gibt«, schreibt Hartmut Häger in »Kriegstotengedenken in Hildesheim«.

Clemens Tangerding sagt in seinem Beitrag für den Deutschlandfunk »Für Deutschland gestorben« am 18.11.2012: »Die Gedenkstätten sind ausnahmslos Ausdruck des Bedürfnisses, das Gedenken an den Tod der Soldaten zu sakralisieren, also zu etwas Heiligem zu stilisieren. In Form von Kreuzen, Säulen, Räumen der Stille oder Plastiken wird nicht der Tod, sondern der vorgebliche Sinn dieses Todes dargestellt. [...] Die Sakralisierung schirmt die Gedenkorte auch gegen Widerspruch ab, denn wer würde in einem Raum der Stille oder vor einem Kreuz laut protestieren?«

 

SH Kuecknitz Sei Getreu Postkarte web


Die Aufforderung Jesu an den verletzten Soldaten, es ihm gleich zu tun, sich für die Menschheit / das Vaterland / die Heimat zu opfern? Postkarten wie diese wurden massenweise gedruckt: Kirchliche und religiöse Rechtfertigung des Kriegs.


MP Lancken Granitz PK5 Kreuze web


Auch auf dieser Postkarte wurde das christliche Symbol des Kreuzes missbraucht.


»Während der ganzen Kriegszeit sind die Millionen Bildpostkarten ein wichtiges Propaganda-Instrument zur Stärkung der Kriegsmoral an der Front und in der Heimat. Besonders beliebt sind die Karten(serien) mit biblischen und kirchlichen Zitaten, Symbolen und Texten.«

Wanderausstellung »Gott mit uns« der Ev. Akademie der Nordkirche


Zurück zur Gedenkanlage in Lancken-Granitz: Bei unserem Besuch 2019 trafen wir zwei ältere Frauen, die uns erzählten, dass auf dem ersten, 1998 ersetzten, Holzkreuz auf dem Querbalken noch gestanden hätte: »Es ist vollbracht!«. Das sind nach christlicher Überlieferung die letzten Worte von Jesus bevor er am Kreuz starb. Sie auf dieses kriegsverherrlichende Denkmal, das es nach den Inschriften auf dem Podest nun mal ist, zu schreiben ist Häresie.

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Die Widmung

Dem Andenken
unserer Brüder, die im
Weltkriege 1914-1918
für das Vaterland ihr Leben hingaben!
Die dankbare Kirchengemeinde
Lancken-Granitz

In diesen zwei Sätzen ist alles enthalten, was man nach dem 1. Weltkrieg von einem patriotischen Denkmal erwarten konnte: Vereinnahmung der Toten als »unsere Brüder«, die für das Vaterland ihr Leben hingaben, als hätten sie es freiwillig getan und als sei es die selbstverständliche Erfüllung eines Soldatenlebens; Geschichtsklitterung in Bezug auf ein Vaterland in vermeintlicher Not und Herorisierung der toten Soldaten, denen man dankbar sein muss.

»Wenn in den Inschriften explizit erwähnt wird, für was die Soldaten gestorben sind, ist es in den häufigsten Fällen das ›Vaterland‹. Die Verwendung dieses Begriffes war nach dem Ersten Weltkrieg meist mit einer nationalistischen Haltung verbunden: das deutsche Vaterland, mit dem die eigene Identität untrennbar verknüpft ist, und nur das deutsche Vaterland stellt höchsten Wert dar. Dass dieses ›Vaterland‹ aus dem Streben nach europäischer Vormachtstellung mit im wahrsten Sinne Feuereifer in den Ersten Weltkrieg eingetreten ist, die Soldaten also in Wahrheit für einen Staat starben, der mittels ihrer Hilfe und ohne Rücksicht die eigenen Machtinteressen verfolgte, wird ausgeblendet.

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

»Krieg ist ein organisierter und unter Einsatz erheblicher Mittel mit Waffen und Gewalt ausgetragener Konflikt, an dem planmäßig vorgehende Kollektive beteiligt sind. Ziel der beteiligten Kollektive ist es, ihre Interessen durchzusetzen. Der Konflikt soll durch Kampf und Erreichen einer Überlegenheit gelöst werden. Die dazu stattfindenden Gewalthandlungen greifen gezielt die körperliche Unversehrtheit gegnerischer Individuen an und führen so zu Tod und Verletzung.«

• Wikipedia, abgerufen am 2. November 2019

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Die »Siegerkrone«

Lass mit der Siegerkrone
Bei Dir, o Herr, sie steh’n
Und lass uns alle, alle
Bei Dir einst wiederseh’n.

Der Krieg war verloren, wie kann hier die Siegerkrone für die toten Soldaten erbeten werden?

Der Historiker Gerhard Schneider, bis 2008 Professor für Geschichtsdidaktik an der Universität Hannover, schreibt dazu:

»Der Kriegsausgang hatte im Hinblick auf die Entwicklung der Kriegerdenkmäler und des Gefallenengedenkens einschneidende Konsequenzen. Der siegreiche Verlauf des Krieges von 1870/71, die Verwirklichung der langersehnten Reichseinigung und die Aufrichtung des Kaisertums ließen den Gefallenentod in diesem Krieg als sinnvoll erscheinen. Das mit jenem Krieg neugewonnene und durch entsprechende Gesinnungsakte immer wieder erneuerte nationale Prestige und das Gefühl, einer aufstrebenden Großmacht anzugehören, waren hinreichender Trost für die Hinterbliebenen.

Nach dem ersten Weltkrieg konnten sich dergleichen hohe und tröstliche Gefühle nicht einstellen. Die Erfahrung des Massensterbens an der Front, die noch lange nachwirkenden Eindrücke des Stellungskrieges im Westen und der neuen Kampfmittel, dann der für die meisten Menschen überraschende und niederschmetternde Kriegsausgang, die unbegreifliche Niederlage, das Bekanntwerden der immensen Zahl an Kriegsopfern und schließlich die trostlose Perspektive, die das ›Versailler Diktat‹ dem Deutschen Reich eröffnete, verlangten geradezu nach einer Sinngebung des Gefallenentodes. das ›Ihr-seid-nicht-umsonst-gefallen‹, das jede Denkmalseinweihung und jede Kriegergedächtnisfeier begleitete, war als Trotzreaktion der Überlebenden immer auch eine Drohung, daß mit diesem Kriegsausgang das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. Kriegerdenkmäler waren in ihrer Formensprache ein bildhafter Ausdruck der uneingestandenen Niederlage. Dem Künstler, der den Auftrag erhielt, ein Kriegerdenkmal zu entwerfen, stellte sich die schwierige Aufgabe, dem Gefühl Ausdruck zu verleihen, man habe zwar den Krieg verloren, fühle sich aber nicht und gelte auch nicht als besiegt.«

Gerhard Schneider in »erinnern, vergessen, verdrängen«, Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 1998, S.339

Zur geschichtlichen Einordnung der Situation nach dem 1. Weltkrieg und der damals vorherrschenden Meinung, das Deutsche Heer sei »im Felde unbesiegt«:

Die »Dolchstoßlegende« auf LeMO

Der Versailler Vertrag auf LeMO

 

Auch auf Rügen, in Glowe, steht ein Denkmal zum 1. Weltkrieg mit der Inschrift: Ehre den Unbesiegten

Hier unsere Dokumentation des Denkmals


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Die Kirche St. Andreas

Am höchsten Punkt des Dorfes Lancken-Granitz wurde die Backsteinkirche St. Andreas im 15. Jahrhundert errichtet.

MP Lancken Granitz Kirche StAndreas web


»Die gotische Backsteinkirche St. Andreas zählt zu den herausragendsten ländlichen Sakralbauten Pommerns. Der Chor und das Kirchenschiff von der Mitte des 15. Jh. sind von einem Kreuzrippengewölbe überspannt. Um 1500 folgte der Kirchturm. Aus der Entstehungszeit sind rare Wandmalereien vorhanden sowie das hölzerne Altarkreuz und eine dekorlose Bronzeglocke. Das Chorgestühl wurde 1522 geschaffen, die Kanzel 1598«, das schreibt die Stiftung KiBa, die auch die Kirche St. Andreas unterstützt, auf ihrer Website.

Die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KiBa) erteilt pro Jahr über einhundert Förderzusagen mit einem Gesamtvolumen von rund 1,5 Millionen Euro. Nicht selten ist es erst die Zusage der KiBa , die dringend nötige Baumaßnahmen ermöglicht.

Mehr dazu auf www.stiftung-kiba.de

Fotogalerie St. Andreas auf Wikipedia

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Die Steinmauer

Auf dem Fußweg vorm Kirchhof trauen wir unseren Augen nicht:

 

MP Lancken Granitz Steinwall 3 web


Die Steinmauer, die den höher gelegenen Kirchhof abstützt, ist mit allerlei interessanten Steinen aufgefüllt worden.

 

MP Lancken Granitz Steinwall2 web


Möge in diesem kreativen Durcheinander alles an Ort und Stelle bleiben!

 

MP Lancken Granitz Steinwall1 web

 

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Wallfahrtskapelle
Ein Foto aus dem Jahr 1995
Die Kirche St. Maria und Johannes

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Levenhagen

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Neben der Kirche befindet sich die Marienkapelle, eine ehemalige Wallfahrtskapelle. Sie gilt als die kleinste in Nordeuropa über die Reformation hinaus erhaltene freistehende Kapelle aus dem Mittelalter. In der Marienkapelle erinnern seit 1922 Gedenktafeln an die örtlichen Opfer des 1. Weltkriegs. In den Jahren nach 1922 war die Marienkapelle auch von aussen zu einem Kriegerdenkmal geworden:

MP Levenhagen 1.WK web

Im vermauerten Spitzbogenfenster war zur Straße hin das Relief eines halb knienden Soldaten in Uniform, Koppel und Stahlhelm eingesetzt. Über einem Bein hielt er ein Tuch, möglicherweise eine abgenommene Fahne. Darunter auf einer separaten Steinplatte ein Lorbeerkranz, darüber auf weißem Grund die Widmung, an beiden Seiten verziert mit einem zarten dreiblättrigen Kleeblatt:

Unseren Gefallenen

Bis heute ist die Wallfahrtskapelle als Denkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs eingerichtet.

              MP Levenhagen Ruckseite Assenmacher web

              Foto: Assenmacher / Wikimedia Commons


Innen im Spitzbogenfenster, also auf der Rückseite des früheren Soldatenreliefs, hängt ein Spruchbild mit dem Psalm 50:15:
Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen

Die schwarze Ablage mit der Aufschrift:
Ich will euch trösten

trägt einen Topf mit Stoffmargeriten und ein Bild von einem Weinenden. Auf beiden Seiten stehen auf dem Boden Holztafeln mit den Namen der toten Soldaten, geordnet nach ihren Heimatgemeinden. Die Fotos sind 2012 gemacht worden.

MP Levenhagen Innen Assenmacher web

Foto: Assenmacher / Wikimedia Commons

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Die Wallfahrtskapelle


MP Levenhagen 2012 C.Loser web

Foto: C. Löser / Wikimedia Commons


Die 3 m² große Marienkapelle im Eingangsbereich des Friedhofs stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Früher war die Kapelle im Inneren mit einem Marienbild geschmückt. Levenhagen zählte spätestens seit dem 14. Jahrhundert bis zur Reformation zu den pommerschen Wallfahrtsorten mit Marientradition. Besondere Heilkraft soll Blinden und Lahmen zuteilgeworden sein. Darüber sind Sagen in Erinnerung geblieben, deren früheste Aufzeichnungen ins 18. Jahrhundert reichen. Die Volksfrömmigkeit setzte die Tradition der Levenhäger Marienkapelle als eines Heilungsortes bis ins 17. Jahrhundert fort. Unter der kirchlichen Obrigkeit erregte das seit dem frühen 17. Jahrhundert Anstoß. 1633 wurde der evangelische Pastor angehalten, »das Götzenbild in der Capelle, dazu sich aus der frembde und nehe Leute finden und abergleubische opfer brengen sollen« in aller Stille wegzuräumen. Doch die Tradition der Kapellenwallfahrt blieb offenbar im Volk lebendig und lässt sich bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts in Form regelmäßiger Votiv- und Münzgaben nachweisen.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 24.9.2015

MP Levenhagen von der Strasse Assenmacher web

Foto: Assenmacher / Wikimedia Commons

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Ein Foto aus dem Jahr 1995

MP Levenhagen 1995 web


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Die Kirche St. Maria und Johannes

Sie ist ein aus dem 14. Jahrhundert stammendes spätgotisches Kirchengebäude. Im Innenraum findet sich ein Kreuzrippengewölbe und ornamentale Gewölbemalerei aus der Zeit um 1500. Spätgotische Gewölbemalereien wurden 1965 bei Renovierungsarbeiten freigelegt. Das nach der Reformation vermauerte riesige Westportal sowie die eigentümlichen Seitenkapellen am Hauptschiff deuten auf die Bedeutung als Wallfahrtskirche hin. Einige der protestantischen Holzeinbauten wurden in den 1960er Jahren beseitigt. Das betrifft die Kanzel aus dem 19. Jahrhundert, die Westempore einschließlich der 1874 vom Berliner Orgelbaumeister F. Dinse errichteten Orgel, und das barocke Kastengestühl. Seltenheitswert hat die zwölfeckige Tauffünte aus gotländischem Kalkstein, die mit Ritzzeichnungen der Zwölf Apostel aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts verziert ist. Das heutige Gestühl stammt aus der 1980 verkauften Kapelle in Alt Ungnade.

 

MP Levenhagen Kirche Schiwago web

Foto: Schiwago / Wikimedia Commons

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I N H A L T
Das Denkmal
Früher war der Vogel golden
»Unseren gefallenen Helden«
Deutschlands Auferstehung
Das Eiserne Kreuz

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Liepe

Gemeinde Rankwitz, auf Usedom, Landkreis Vorpommern-Greifswald

Das Kriegerdenkmal ist in einer Nische der Kirchenaußenmauer angebracht. Die St.-Johannes-Kirche in Liepe ist die älteste urkundlich bezeugte Kirche auf Usedom.

MP Liepe Kirche web


Das Denkmal besteht aus drei gußeisernen Tafeln. Oben in der Mitte sitzt ein kräftiger Adler mit ausgebreiteten Schwingen – sie haben eine Spanne von 80 cm – und grimmigem Blick. Er ist im Relief dargestellt. Die Leiste unter der Adlertafel ist das breiteste Element des Denkmals, sie wirkt wie eine Art Startrampe für den Adler.

 

MP Liepe Adler

 

Links und rechts stehen in erhabenen Ziffern die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs:

1914   1918

MP Liepe

Die Namenstafeln darunter bekunden jeweils einen Teil der Widmung. Die linke Tafel beginnt mit

UNSEREN GEFALLENEN HELDEN
ZUR EHRE


Auf der rechten Tafel geht es weiter mit:

DIE–FÜR–DEUTSCHLANDS
AUFERSTEHUNG–STARBEN


MP Liepe Namenstafel Links web2


Die beiden Namenslisten der toten Soldaten sind geordnet nach ihren Heimatorten. Jeweils der ersten Zeile ist der Ort vorangestellt. Auf der linken Tafel:

Aus – Liepe – 7 Namen
Aus – Grüssow – 7 Namen
Aus – Quilitz – 7 Namen
Aus – Rankwitz – 5 Namen (erste Kriegsjahre)
Aus – Warthe – 2 Namen (vermisst)

MP Liepe Namenstafel Links Detail oben web

 

Es werden jeweils der Familienname, nachgestellt der Vorname und der Todestag genannt. Nicht immer konsequent sind die Namen chronologisch nach Todesdatum geordnet. Vor dem Datum wird die Todesart präzisiert: »gef.« = im Kampf zu Tode gekommen; »+« und manchmal nachgestellt »in d. H« = gestorben in der Heimat, im Lazarett, zu Hause ...; »+« und nachgestellt »in Gefsch.« = gestorben in Gefangenschaft; »verm.« = vermisst.

Bei dem Wort »GEFALLENEN« hat sich ein spiegelverkehrtes »N« eingeschlichen.

 

MP Liepe Namenstafel Links Detail EK unten web


Als Abschluss ist ein Eisernes Kreuz abgebildet. Wir sehen es hier mit Krone, W und 1914; es ist die Ausformung von Wilhelm II., der als preußischer König den Orden 1914 erneut gestiftet hatte. Das militärische Ehrenzeichen wurde den toten Soldaten posthum und kollektiv verliehen für die durch den Kriegstod bewiesene »Tapferkeit und Treue«.

 

MP Liepe Namenstafeln rechts web

 

Auf der rechten Tafel:

Aus – Rankwitz – 7 Namen (letzte Kriegsjahre)
Aus – Restow – 10 Namen
Aus – Warthe – 9 Namen

Alle Fotos hat uns Matthias Hübner/www.dorfkirchen-in-mv.de zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank!

 

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Früher war der Vogel golden

... und auch die Rahmen der Tafeln und alle Buchstaben und Ziffern.

MP Liepe 1995 Schimanke web


Dies ist ein Bild aus dem Jahr 1995, als die damalige Kunstgeschichtsstudentin Margrit Schimanke durch Mecklenburg-Vorpommern fuhr und Denkmäler für ihre Promotion fotografierte. Herzlichen Dank dafür!

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»Unseren gefallenen Helden«

»Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: ›der Gefallenen‹. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung ›Gefallene‹ eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.

Im Wort ›fallen‹ verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der ›fiel‹, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort ›fallen‹, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.«

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 100

»›Gefallenendenkmal‹ verweist auf das Wort ›fallen‹, dem Wörter wie ›hinfallen‹ aber auch ›fällen‹ zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort ›fallen‹ seines Schreckens, im Wort ›fällen‹ verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S.22

»Die Entscheidung für Metaphern deutet darauf hin, dass das Grauen des Kriegstodes vom Denkmal verbannt werden sollte. An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort ›Gefallener‹ schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.«

Ebd. S. 60/61

»Mit der Bezeichnung ›Held‹ sollte die besondere militärische Leistung des Gefallenen, die letztendlich vor allem in seinem Tod bestand, verbal ausgezeichnet werden. Der Tod der Soldaten belegt nicht ihr militärisches Versagen, sondern zeugt von besonderem Mut und Einsatz. Das soll die Hinterbliebenen stolz machen. [...] Die Soldaten, die lebend aus dem Krieg wieder heimgekehrt sind, werden in den Inschriften nicht als Helden bezeichnet.«

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, S. 89


»Das erste idelogische Moment des politischen Totenkults wird in historischen Untersuchungen selten angesprochen, so selbstverständlich ist es offenbar: Der tote Feind gilt nichts. Totengedenken und nationale Feindschaft gehen Hand in Hand. Die Rechtfertigung des eigenen Tötens bleibt ausgeblendet, ist immer nur implizit anwesend, als unbefragte Voraussetzung. Explizit handelt der Totenkult allein vom Sinn des Sterbens, des Sich-Opferns.«

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 98


»Jede Glorifizierung eines Menschen, der im Kriege getötet worden ist, bedeutet drei Tote im nächsten Krieg.«

Kurt Tucholsky

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Deutschlands Auferstehung

»Die für Deutschlands Auferstehung starben« ist eine Nachricht an die nachfolgende Soldatengeneration. Sie sollte die Schande der Niederlage und des diktierten Friedensvertrages mit gleicher Tapferkeit und Treue, aber mehr Erfolg, wieder gut machen.

Die Friedensbedingungen nach dem 1. Weltkrieg waren in Deutschland als überraschend und als extrem hart empfunden worden. Das Schlagwort vom »Versailler Diktat« machte die Runde. In den folgenden Jahren war die Revision dieses Vertrages erklärtes Ziel der deutschen Außenpolitik: Weder die Legitimität des Friedens noch die Tatsache, dass Deutschland den Krieg militärisch verloren hatte, wurden akzeptiert. Auf unterschiedlichen Wegen versuchten alle Regierungen der Weimarer Republik, die »Fesseln von Versailles abzuschütteln«.

Hitler konnte in den ersten Jahren seiner Regierungszeit durch die Beseitigung der letzten Zwänge des Versailler Vertrags, unter anderem durch die militärische Wiederaufrüstung und Wiederbesetzung des Rheinlandes, großes innenpolitisches Prestige ernten.

 
»In der nationalistischen Denkmalskultur [...] stieg der Soldat auf den Sockel. Anders als in Frankreich oder England wird der Soldat nicht als heimkehrender Bürger dargestellt, der seine militärische Pflicht erfüllt hat, sondern als Krieger, der das heroische Soldatentum verkörpert. Der Denkmalskult diente der inneren Mobilmachung, er zielte auf eine Sinngebung, in der die gebrachten Opfer als Auftrag an die Nachfahren verstanden wurden, die Schmach von Versailles auszulöschen. Eine beliebte Inschrift lautete: ›Unseren Gefallenen – Sie werden auferstehen‹, eine andere: ›Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen!‹«, schreibt Martin Sabrow am 5. Juli 2014 im Tagesspiegel.

Lesen Sie den kompletten Beitrag auf www.tagesspiegel.de


Die Zeile »Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen!« stammt aus dem Gedicht »Soldatenabschied« vom Dichter Heinrich Lersch. Unter dem Eindruck seiner Einberufung 1914 schrieb er es in das Gebetbuch seiner Mutter.

Deutschland soll in dieser Inschrift gesehen werden als etwas Höheres, ein auserwähltes Ganzes, das mehr wert ist als die Summe seiner Bürger. Deutschland beansprucht das Recht auf Leben und nach der vollständigen Niederlage das Recht auf Auferstehung, das von diesen Bürgern mit Einsatz ihres Lebens verteidigt werden muss.

Die Inschrift steht auf mehreren Kriegerdenkmälern, z.B. auch am Kriegerdenkmal am Hamburger Dammtorbahnhof, 1936 unter der Hakenkreuzfahne eingeweiht, den toten Soldaten des 1. Weltkriegs gewidmet. Noch verstärkt wird sie in der gleichen Denkmalsanlage durch den Spruch: »Grosstaten der Vergangenheit sind Brückenpfeiler der Zukunft«.

 

»Der Kriegsausgang hatte im Hinblick auf die Entwicklung der Kriegerdenkmäler und des Gefallenengedenkens einschneidende Konsequenzen. Der siegreiche Verlauf des Krieges von 1870/71, die Verwirklichung der langersehnten Reichseinigung und die Aufrichtung des Kaisertums ließen den Gefallenentod in diesem Krieg als sinnvoll erscheinen. Das mit jenem Krieg neugewonnene und durch entsprechende Gesinnungsakte immer wieder erneuerte nationale Prestige und das Gefühl, einer aufstrebenden Großmacht anzugehören, waren hinreichender Trost für die Hinterbliebenen.

Nach dem ersten Weltkrieg konnten sich dergleichen hohe und tröstliche Gefühle nicht einstellen. Die Erfahrung des Massensterbens an der Front, die noch lange nachwirkenden Eindrücke des Stellungskrieges im Westen und der neuen Kampfmittel, dann der für die meisten Menschen überraschende und niederschmetternde Kriegsausgang, die unbegreifliche Niederlage, das Bekanntwerden der immensen Zahl an Kriegsopfern und schließlich die trostlose Perspektive, die das ›Versailler Diktat‹ dem Deutschen Reich eröffnete, verlangten geradezu nach einer Sinngebung des Gefallenentodes. das ›Ihr-seid-nicht-umsonst-gefallen‹, das jede Denkmalseinweihung und jede Kriegergedächtnisfeier begleitete, war als Trotzreaktion der Überlebenden immer auch eine Drohung, daß mit diesem Kriegsausgang das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. [...]

Man gedachte des ›Opfers‹ der Gefallenen in der Absicht, die ›zukünftigen Geschlechter‹ auf bestimmte Werthaltungen und kämpferische Charaktereigenschaften, die den Gefallenen angeblich zu eigen gewesen seien, einzuschwören. In Kreisen des Militärs, der Veteranenorganisationen und der vaterländischen Verbände verband man damit die Absicht, dadurch die unerwünschte pazifizierende Kraft der Trauer neutralisieren zu können. Der Opfertod der Gefallenen behalte nur dann seinen Sinn, wenn das deutsche Volk den Gefallenen im Geiste der Opferbereitschaft und im Geiste der Frontkameradschaft nachzufolgen bereit sei.«

Gerhard Schneider, »... nicht umsonst gefallen«? Kriegerdenkmäler und Kriegstotenkult in Hannover, Hahnsche Buchhandlung 1991

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis dem deutschen Orden.

     Eisernes Kreuz 1WK Kaiser web

• »Fake News« anno 1914: Das Deutsche Reich hatte gerade das neutrale Belgien überfallen, damit die Truppen sich auf dem schnellsten Weg zum Erzfeind Frankreich begeben konnten.

Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


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• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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I N H A L T
Das Denkmal
Vor mehr als 20 Jahren
Postkarte aus dem Jahr 1930

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Liepgarten

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Ein Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs, das in Form und Farbe auffällt. 1925 wurde es errichtet, zeitlich zwar nach den Gründerzeithäusern, von denen es noch mehr als zwanzig im Dorf gibt, aber doch im Stil angepasst. Auf einem leicht erhöhten Platz, der von einer runden Natursteinmauer eingefasst wird, erhebt es sich in vielen Stufen. Die Zementblöcke sind geschmückt: der unterste mit vertieften weißen Schriftflächen für die Widmung auf der Frontseite:

Unseren Heimatsöhnen zum Gedächtnis

und für die Namen der toten Soldaten ringsherum. Der mittlere Block trägt die Reliefs von  Symbolen des Kriegs und des Kriegstods: das Schwert ist durch den Helm gestossen, die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs, Lorbeerkranz und Eichenlaub. Darüber liegen an den Ecken Kanonenkugeln, dazwischen schmückende Girlanden. Oben schließlich wird an vier Seiten das Eiserne Kreuz am Bande gezeigt, gekrönt von einem »drohenden« Adler.

 

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Seitlich kann man über vierstufige Treppen den Denkmalsplatz betreten.

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Fotos: Matthias Hübner, www.dorfkirchen-in-mv.de

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Vor mehr als 20 Jahren

1995 ist Margrit Schimanke kreuz und quer durch Mecklenburg gefahren, um Informationen und Fotos für ihr Promotionsvorhaben über Kriegerdenkmäler in Mecklenburg-Vorpommern zu sammeln. Sie sah das Denkmal noch ganz ohne seine kriegerischen Utensilien, die waren sicher nach 1945 entfernt worden.

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PostKarte aus dem Jahr 1930

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I N H A L T
Das Denkmal
Der Heldentod
Das Eiserne Kreuz
Historische Fotos
Frischer Wind in Lohmen

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Lohmen

Landkreis Rostock

Inmitten einer großen Wiese vor der Feldsteinmauer, die den Kirchhof umgibt, ist ein kleiner Denkmalsplatz für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs gestaltet worden.

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Konträr zur Botschaft des Denkmals bietet es in seiner Form und Farbe ein sehr harmonisches Bild vor der alten Dorfkirche von Lohmen.

 

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Das kleine Feld aus alten Pflastersteinen vor dem Denkmal, die hübsche Bank und die verschiedenen Gehölze, die angepflanzt wurden – alles schön gestaltet.

 

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Der Sockel des Denkmalsteins besteht aus überraschend unterschiedlich großen und geformten Steinen. Die Farbwelt Grau-Weiß-Terrakotta ergibt jedoch wieder ein harmonisches Ganzes. Geschickt vermauert halten sie die rötliche Granitplatte, die grob umrissen ein hohes Dreieck mit runden Spitzen formt.

 

MP Lohmen Tafel web


Auf der polierten Frontseite werden nun in zwei Spalten die Namen von 42 toten Soldaten aufgezählt. Es werden die Vornamen, oft abgekürzt, die Nachnamen und die Sterbetage genannt. Geordnet sind die Namen nach Herkunftsort: Alten- u. Nienhagen (5), Groß u. Kl. Breesen (3), Garden (2), Gerdshagen (8), Lohmen (13), Oldenstorf (4), Suckwitz (2) und Kl. Upahl (5). Innerhalb der Ortschaften werden die Männer nach Sterbetag aufgezählt.

 

MP Lohmen oben web


Unter einem schlichten Eisernen Kreuz, dem militärischen Ehrenzeichen seit den Befreiungskriegen, lesen wir die Inschrift:

Im Weltkriege 1914 – 18
starben den Heldentod:

 

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Die schnörkellose Schrifttype wurde vom Graveur mit einigen raffinierten Varianten ausgestattet.

 

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Die schlichte Rückseite des Denkmals.

 

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Der Heldentod

Vier Jahre waren die Soldaten bei zunehmender Technisierung des Krieges vor allem für das maschinelle Töten zuständig. Soldaten beider Seiten harrten im Schlamm in den Schützengräben aus und mussten den Tod als etwas jederzeit Mögliches, Alltägliches hinnehmen. Diese Abstumpfung des Einzelnen thematisiert die Inschrift nicht – im Gegenteil: sie glorifiziert den heldenhaften Kampf. »Sie starben den Heldentod« steht dann auf den Denkmälern. So, als ob das Sterben die Erfüllung ihres Lebens, die Bestimmung des soldatischen Auftrags ist. Der Tod eines Soldaten muss erklärt und gerechtfertigt werden und er begründet eine spezifische Erinnerungspflicht. Wobei es nicht die Toten sind, die die Lebenden dazu verpflichten könnten, es sind immer die Überlebenden, die als Denkmalstifter die Getöteten für ihre Zwecke benutzen, sie als Helden, als Retter des Vaterlands, als Vorbild für Treue und Pflichterfüllung benennen, deren Tod nicht sinnlos gewesen sein darf. Bis 1945 benutzen die Nationalsozialisten die toten Soldaten des 1. Weltkriegs für eine Verpflichtung an die nachfolgende Generation, ihnen an Kampfesmut und Opferbereitschaft nicht nachzustehen.


Prinzipiell existieren keine Helden, sondern sie werden per Zuschreibung von außen dazu gemacht. Dies erkennt man bereits daran, dass heute andere Menschen als Helden gelten, als zur Zeit des 1. und  2. WK. Es handelt sich um eine Konstruktion, die einen bestimmten Zweck erfüllen soll, denn nicht jeder Soldat ist ein Held. Auch werden andere am Krieg direkt oder indirekt Beteiligte (Dichter, Ärzte, Hausfrauen, Invaliden usw.) deutlich seltener als Helden verehrt – von Kriegsgegnern ganz zu schweigen. Durch diese »Opferhelden« werden bestimmte Werte, die dieser Held verkörperte erhöht und für die Gesellschaft als besonders erstrebenswert definiert, wie z.B. die Opferbereitschaft, »Vaterlandsliebe«, Mut, Furchtlosigkeit. Im Gegenzug lässt sich gleichfalls nicht heldisches Benehmen erkennen: Zögern, Zaudern, Furcht, Illoyalität usw. Durch den universellen Anspruch des Heldengedenkens wird die »Leistung für das Gemeinwesen« anerkannt und wirkt fortan als Vorbild, was zur Militarisierung der Gesellschaft beiträgt (Opferheldenverehrung des 1. WK trug zu Militarisierung im Zuge des 2. W.K. bei). »Jede Glorifizierung eines Menschen, der im Krieg getötet worden ist, bedeutet drei Tote im nächsten Krieg.« (Kurt Tucholsky)

www.kirchliche-dienste.de/arbeitsfelder/frieden/Gedenkorte-fuer-Verstorbene-der-Weltkriege


Als wir etwas sehen konnten und Zeit zum Nachdenken hatten, wurde mir langsam klar, was für ein schreckliches Szenario sich hier abgespielt hatte. Wir dachten an Begriffe wie »Ehre« und »Ruhm«, die so viele Menschen in ihrer Unwissenheit mit dem Krieg in Verbindung bringen. Sie hätten die Decks der SMS »Broke« am 1. Juni 1916 um 4 Uhr morgens sehen sollen. Da hätten sie gesehen, wie der »Ruhm« und die »Ehre« tatsächlich aussahen. Achtundvierzig unserer Männer waren gefallen und die meisten waren so zugerichtet, dass sie nicht mehr wiederzuerkennen waren. Weitere vierzig waren sehr schwer verwundet. Ungefähr fünf Stunden lang versuchten wir, alle unsere toten Kameraden zu finden, sie von dem halbzerstörten Mannschaftsdeck zu schleifen und ihre Leichen über Bord zu werfen, damit sie in der tiefen See ihre letzte Ruhe finden konnten. Das waren die »Ehre« und der »Ruhm«, die uns zuteil wurden. Es kommt einem vor wie ein Massenmord. Man fragt sich, wie die Menschen diese Kühnheit aufbringen konnten. Hätten wir nur einmal kurz überlegt, auf was wir uns da einlassen, wären wir niemals in den Krieg gezogen.

• Telegraphist J. Croad, SMS »Broke« in Seeschlacht ohne Sieger, Skagerrak – Jutland 1916. Deutsches Marinemuseum Wilhelmshaven, HG. Stephan Huck


Auf welchem dieser steinernen oder metallenen »Ehrenmale« wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.

Ralph Giordano, Die zweite Schuld, S. 324

 

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


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• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008


Soldaten der Wehrmacht kämpfen nicht nur pflichtschuldig  und gehorsam. Ohne die Gefühlswelt aus Stolz, Ehre und Männlichkeit ist nicht zu erklären, warum so viele an die Front streben – und dem Krieg bis zum Untergang verhaftet bleiben. (Frank Werner in ZEITGeschichte 4/2018)

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Geschickte Propaganda: Begehrenswerte Ordensbrust in »Die Woche« Januar 1940.

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

Neben dem Thorshammer ist das Eiserne Kreuz das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z. B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle.

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Historische Fotos

Auf dem Foto, das etwa 1940 aufgenommen wurde, sehen wir die kleine Denkmalanlage eingefriedet mit einem weißen Holzlattenzaun.

 

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Im Jahr 2011 entstand das nächste Foto: Das Denkmal ohne Zaun, aber die Reste der Wegbegrenzung von Zaun zum Stein sind noch zu sehen und sehr gelbe Forsythienbüsche blühen an den Seiten.

 

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Foto: Wikimedia Commons / Niteshift

 

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Frischer Wind in Lohmen

Heldentod und Eisernes Kreuz? Das will so gar nicht passen zu den heutigen aktiven und friedensbewegten Menschen in Lohmen!

Lesen Sie dazu die ersten vier Seiten des Gemeindeboten, den Pastor Jonas Görlich verantwortet.


Gemeindebote Herbst & Winter 2019, Seite 1-4


Antrittsartikel im Güstrower Anzeiger


Auch die politische Gemeinde mit Bürgermeister Bernd Dikau möchte einer lebenswerten Zukunft den Weg bereiten. Lesen Sie über die Aktivitäten in Lohmen auf der Website von »Zukunftskommunen«


Lohmen bei »Zukunftskommunen«

 

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I N H A L T
Das Denkmal
Bericht eines Besuchers
Die Einweihung
Aus der Chronik von Lubmin
Das Eiserne Kreuz

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Lubmin

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Ein großer kantiger Stein steht auf einem Berg aus Feldsteinen auf der Wiese neben der Dorfkirche an der Freester Straße. Oben ein Eisernes Kreuz, in der Mitte ein Helm mit Eichenlaub, Lorbeerzweig und Dolch. Das Denkmal ist 240 cm hoch und an der Basis 117 cm breit. An den vier Ecken des Feldsteinberges stehen zusätzliche Steine, zwei davon mit Inschrift. Für den 2. Weltkrieg wurde eine Zusatztafel, ohne Namen, davor gelegt.

Inschrift:
Die dankbare Gemeinde Lubmin ihren im Weltkrieg 1914 - 1918 gefallenden Helden

Linker Eckstein:
Für uns
Habt Ihr gestritten

Rechter Eckstein:
Schmerz,
Leiden, Wunden, Tod erlitten

2. Weltkrieg:
Zum Gedenken der Toten des 2. Weltkrieges 1939 – 1945 und seiner Folgen als Mahnung für Frieden und gegen Gewalt

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Bericht eines Besuchers

Direkt neben der kleinen Petri-Kirche steht ein Denkmal, dass an die Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg erinnert. Auf eine Steintafel sind diejenigen aufgelistet, die im Krieg gestorben sind. Darunter hat man in Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkrieges eine weitere Tafel angefertigt.

Doch wie soll man einen solchen Ort bewerten? Das Denkmal ist ein wenig ungepflegt und Blumen hat hier offenbar auch schon lange niemand mehr abgelegt. Selbst ein Hinweisschild sucht man vergebens und wenn man nicht durch den kleinen Kiefernwald geht, findet man es vermutlich gar nicht.

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Die Einweihung

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• Die Weihefeier fand am 28. September 1924 statt

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Aus der Chronik von Lubmin

Aufgeschrieben 1995: »Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde in Lubmin der »Vaterländische Kriegerverein« gegründet. Mitglied durfte nur werden, wer persönlich an diesem unseligen Krieg teilgenommen hatte. Der Vorsitzende war Paul Radike. Seine vorrangige Aufgabe war es, sich für die Kriegsopferversorgung einzusetzen, das heißt, dafür Sorge zu tragen, daß die Kriegerwitwen ihre Hinterbliebenenrente und die Kriegsversehrten ihre Invalidenrente erhielten. Die Renten sollen sehr gering gewesen sein.

Die Ehrung der Gefallenen wurde durch die Errichtung des Kriegerdenkmals, an der heutigen Kirche, vorgenommen. Die Weihefeier fand am 28. September 1924 statt.

1. Redner war Dr. von Hansen aus Lubmin
2. Redner war der Gemeindevorsteher Lubmins, August Bendt
3. Redner war Pastor Obenaus aus Wusterhusen.

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Die Inschriften sind schon sehr verwittert und nur noch schwer lesbar.

Am 5. November 1933 fand die »Weihe der Gedächtnistafeln für die im Weltkrieg gefallenen der Kirchengemeinde Wusterhusen« statt. Mitwirkende des feierlichen Programms waren:
Sopran: E. Badekow aus Lubmin, Alt: Frau Lindow aus Lubmin, Violine u. Orgel: Pastor Häußler u. Frau, Orgel u. Chorleitung: Kantor Kölzow, der Kirchenchor der Kirchengemeinde Wusterhusen.

Eine Ehrung für die deutschen Gefallenen des Zweiten Weltkrieges (1939 bis 1945) hat es in Ostdeutschlan niemals gegeben. Es gibt auch keine namentliche Auflistung der Gefallenen. In der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik wurden nur die gefallenen sowjetischen Soldaten geehrt, die noch in den letzten Kriegstagen in unserer Umgebung sinnlos ihr Leben lassen mußten. Jedes Jahr am 8. Mai, dem Tag der Befreiung vom Faschismus, legte eine Abordnung von deutschen Parteigenossen der Sozialistischen Einheitspartei (SED) auf dem Ehrenfriedhof in Greifswald auf dem die sowjetischen Soldaten ruhen, Kränze und Blumen nieder. Dies geschah in allen anderen Städten Ostdeutschlands am 8. Mai ebenfalls.

Die gefallenen deutschen Soldaten galten in Ostdeutschlan fast als Kriegsverbrecher, weil Deutschland diesen schrecklichen Krieg, der soviel Leid über Millionen von Menschen in Europa gebracht hatte, entfachte.

Aber die deutschen Frauen und Mütter, die ihre Männer, Söhne und Brüder in diesem Krieg verloren hatten, sagten vergrämt, daß auch ihre Männer nur auf Befehl gehandelt hatten.

Eine Rente hatten die ostdeutschen Frauen niemals erhalten. Mit einer Halbwaisenrente von anfangs fünf Mark, in späteren Jahren bis etwa zwanzig Mark je Kind, mußten sie ihre Kinder ernähren und kleiden.«

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Das Eiserne Kreuz

Auf dem Lubminer Denkmal ist es mit Krone, großem »W« für Kaiser Wilhelm II und der Jahreszahl 1914 gearbeitet worden. Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer entsprechenden Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


SH Wulfsdorf Hitler EK web

• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5. Juni 2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Widmung auf den Tafeln
Das Schwert
Das Denkmal vor 2018
IG Schlossensemble Wiligrad
Antifaschismus – der Gründungsmythos der DDR
Nie wieder Krieg!
Schwertgeschichten

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Lübstorf

Landkreis Nordwestmecklenburg

Das Denkmal in einer Anlage in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs ist ausschließlich den toten Soldaten beider Weltkriege gewidmet. Die Fotos entstanden im April 2019.

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Die große Rasenfläche ist von einer stufig gestutzten Eibenhecke umgeben. Sie ist zur Straße hin geöffnet. Vor kurzem sind vor dem Denkmal zwei kleine Rhododendren eingesetzt worden.

 

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An den äußeren Seiten stehen schräg zum Denkmal einfache Bänke. Lackierte Bretter liegen auf geformten Betonstützen.

 

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Der Hauptstein des Denkmals hat eine außergewöhnlich martialische Form: ein in die Erde gestoßenes überdimensional großes Schwert. Rechts und links daneben liegen tiefe Quader, an der Frontseite sind Metalltafeln mit den Widmungen eingelassen. Das Schwert trägt keine Inschrift. Bankstützen, Quader und Schwert sind aus dem gleichen Beton gearbeitet. Das spricht dafür, dass dies Ensemble von Anfang an so bestand und auch so erhalten wurde.

 

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Das Schwert, so wie es zu sehen ist, misst 5 Meter in der Höhe. Die Klinge besteht aus zwei Teilen. Knauf, Heft, Parierstange und Klinge des Schwertes sind detailreich und aufwändig gearbeitet.

 

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Selbst die Unterseite der Parierstange ist streng im expressionistischen Stil gestaltet.

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Auf der eingelassenen Tafel des linken Quaders steht in herausgearbeiteten, polierten Lettern, mittig gesetzt:

Zum Gedenken an die Gefallenen
des Ersten Weltkrieges
1914-1918

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Auf der zweiten Tafel des rechten Quaders steht in identischer Schrift, im gleichen Duktus:

Zum Gedenken an die Gefallenen
des Zweiten Weltkrieges
1939-1945

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Die Widmung auf den Tafeln

Gefallene: »... verweist auf das Wort ›fallen‹, dem Wörter wie ›hinfallen‹ aber auch ›fällen‹ zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort ›fallen‹ seines Schreckens, im Wort ›fällen‹ verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort.

Die Entscheidung für Metaphern deutet darauf hin, dass das Grauen des Kriegstodes vom Denkmal verbannt werden sollte. An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort ›Gefallene‹ schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S.22 + 60f

»Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: ›der Gefallenen‹. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung ›Gefallene‹ eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.

Im Wort ›fallen‹ verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der ›fiel‹, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort ›fallen‹, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.«

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S.100

Gedenken: »Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.«

Ralph Giordano, Die zweite Schuld


»Ende der 60er, Anfang der 70er gibt es in Deutschland einen grundlegenden Paradigmenwechsel. Es kommen jüngere Historiker und jüngere Offiziere in verantwortliche Positionen, die vieles von dem was vor 1914 bis 1918 war hinterfragen, die auch ganz andere Fragen an die Vergangenheit stellen und an die entsprechenden Repräsentationen der Vergangenheit. Die sich fragen: Ist es noch zeitgemäß Erinnerungen zu pflegen, die Ausdruck von Aggression, Imperialismus und Hybris ist?«

Michael Epkenhans, Historiker, Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Potsdam

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Das Schwert

Das Schwert verweist auf die Helden der Antike und damit auf  eine »edle Gesinnung der Kämpfenden«. Artus, Parzival, Roland, Siegfried & Co. – tragen ihre Schwerter als Recken der Tapferkeit und Treue. Auf den Kriegerdenkmälern fordern Schwerter, selbst wenn sie als Zeichen der Niederlage gesenkt oder abgebrochen dargestellt werden, die nachfolgenden Generationen zu »Wehrwillen und Mannhaftigkeit« auf.

Das Schwert ist in der Menschheitsgeschichte die erste ausschließlich zum Töten anderer Menschen geschaffene Waffe. Ein Symbol der Macht: Wer auf dem Schlachtfeld unterlag, übergab dem Sieger seine Waffe. Das Schwert verleiht den Status eines Herrschers. Die englische Königin führt den Ritterschlag bis heute mit dem Schwert aus.


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Nach dem Mittelalter verlor das Schwert seine Bedeutung als Waffe – und wurde in der Symbolsprache der Propaganda umso wichtiger. Im 1. Weltkrieg, dem ersten industriellen Krieg in der Geschichte, hatte das Schwert als Bild-Symbol auf Orden und Medaillen Hochkonjunktur. Auch im Nationalsozialismus galt das Schwert als Zeichen für heldenhaften Kampf. 

Ab 1980 wurde die Symbolkraft des Schwertes umgekehrt: Wer »Schwerter zu Pflugscharen« macht, schafft Frieden. »Schwerter zu Pflugscharen« ist ein Teilzitat aus der Bibel beim Propheten Micha, das zur Redewendung geworden ist. Es drückt das Ziel des Völkerfriedens durch weltweite Abrüstung und Rüstungskonversion aus. Es wurde der Slogan staatsunabhängiger Abrüstungsinitiativen in der DDR, den auch Teile der westdeutschen Friedensbewegung übernahmen.


Schwerter zu Pflugscharen bei Wikipedia


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Das Denkmal vor 2018

Die beiden Quader waren bis 2018 an den Vorderseiten mit einzeiligen Aufschriften versehen:

Rechts: Nie wieder Krieg!

Links: Gedenket der Toten

Diese Aussagen schließen alle Todesopfer der beiden Weltkriege ein: militärische genauso wie zivile, dem Hungertod preigegebene Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, hingerichtete Deserteure, »Euthanasie«-Mordopfer, die in den Krankenhäusern Platz für verwundete Soldaten machen mussten und viele Ungenannte mehr.

MP Lubstorf

Man kann vermuten, dass die nach dem 1. Weltkrieg dort eingelassenen Tafeln nach 1945 entfernt worden sind, wir kennen sie nicht. Die neu gewählten Texte decken sich mit dem Sprachgebrauch in der DDR.

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Die Vertiefungen sind dann geweißt und mit den schwarzen Aufschriften versehen worden.

 

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November 2013: ein Foto von Ulrike Waldraff/Amt Lützow-Lübstorf

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In früheren Jahren wechselte das Erscheinungsbild: ein Plattenweg führte zum Denkmal ...

 

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... oder ein Sandweg führte zum Denkmal und ein Jägerzaun begrenzte die Anlage zur Strasse. Was immer gleich blieb: Das Schwert mit den Betonquadern an der Seite und die einfachen Bänke rechts und links.

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Dieses Foto wurde am 22. September 2017 aufgenommen.

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IG Schlossensemble Wiligrad

2014 gab die Interessengemeinschaft, die sich ehrenamtlich den Geschichten um das Schloss Wiligrad widmet und sie publiziert, einen Flyer zur 100sten Wiederkehr des 1.Weltkriegsbeginns heraus.

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Auch das Lübsdorfer Schwertdenkmal wird erwähnt. Im Schloss hängt wohl eine »Ehrentafel« mit den 28 Namen von Soldaten, die im 1. Weltkrieg »für ihren Kaiser und den Großherzog ihr Leben gaben« und diesen 28 Männern ist auch das Schwertdenkmal gewidmet. Weiter schreibt Günter Lenz von der Interessengemeinschaft: »Nach dem 2. Weltkrieg wurde die antiimperialistische Losung ›Nie wieder Krieg!‹ und ›Gedenket der Toten‹ angebracht. Heute noch wird diese Gedenkstätte in Ehren gehalten. Danke für die Pflege und Erhaltung!«


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Antifaschismus – der Gründungsmythos der DDR

»Die DDR bezog ihre Berechtigung stark aus dem Antifaschismus. Und der Satz: ›Nie wieder soll von deutschem Boden ein Krieg ausgehen‹, ist bei den Ostdeutschen stärker verinnerlicht. Das hat sicher etwas mit Beeinflussung zu tun, aber auch etwas damit, dass der 2. Weltkrieg im Osten Deutschlands tiefere und längere Spuren hinterlassen hat«, sagt der Soziologe Dietmar Wittich.

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Am 14. September 1958 wurde die Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald eingeweiht. Die Hauptrede hielt der Ministerpräsident der DDR Otto Grotewohl als »Vorsitzender eines 1955 begründeten und scheinbar überparteilichen Kuratoriums für den Aufbau nationaler Gedenkstätten, dem rund hundert Vertreter von Widerstandsverbänden angehörten. ›Zum ersten Mal schwingen heute die Glockentöne vom Turm der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte weit hinaus ins Land und künden vom Heldentum der europäischen Widerstandskämpfer. Sie trotzten der finsteren, grauenvollen Nacht des Hitler-Faschismus, sie gaben ihr Blut und Leben, ihre Freude und ihr Glück, um die grausame faschistische Sklaverei zu beenden. Die Stimmen der Toten und der Lebendigen vereinigten sich in den Glockentönen zu dem mahnenden Ruf: Nie wieder Faschismus und Krieg.‹«

Der Bau der Gedenkstätte ist zum größten Teil aus Spenden finanziert worden, das spricht nicht für einen verordneten Antifaschismus, wie es manches Mal nach der »Wende« zu hören war.

Der Beitrag im Deutschlandfunk über »50 Jahre Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald« schließt mit den Sätzen: »Im November 1993, rund 25 Jahre nach der Einweihung der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald, wurde endlich auch an die hier ermordeten Juden erinnert. Eingemeißelt steht auf einem Stein der Psalmenvers: ›Auf dass erkenne das künftige Geschlecht, die Kinder, die geboren werden, dass sie aufstehen und erzählen ihren Kindern.‹«


Mehr auf dlf: »Nie wieder Faschismus und Krieg«

 

Am 14. Dezember 2020 wurde vom Mitteldeutschen Rundfunk eine »Zeitreise« zu Nazikarrieren in der DDR gesendet. Wir zitieren hier daraus das Kapitel »Staatsdoktrin Antifaschismus«:

»Seit im Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik gegründet wurde, galt der Antifaschismus als eine der Hauptsäulen der Staatsideologie. Bei jeder Gelegenheiten wurde er nach außen wie nach innen propagiert: fand sich als Parole auf Bannern bei großen Paraden wieder, war Thema in Filmen und Literatur der DDR, wurde von Kindesbeinen an als höchstes Gut des Staates vermittelt. In Schulen und Betrieben erinnerten antifaschistische Traditionskabinette mit Urkunden, Fotos und Medaillen an die ›verdienten antifaschistischen Kämpfer‹. Der Antifaschismus war für viele Bürger der DDR eine Selbstverständlichkeit, eine Haltung, keine Pflicht. Das galt im Besonderen für die Kriegsgeneration, die mit Überzeugung sagte: ›Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus.‹

Dennoch: In der DDR herrschte ein großer Unterschied zwischen politischem Anspruch und Wirklichkeit. Der Antifaschismus war auch Kalkül – diente der SED zur Machtsicherung und für die Rechtfertigung zahlreicher staatlicher Entscheidungen, so z.B. 1961 für den Bau der Mauer, dem ›antifaschistischem Schutzwall‹. Zudem wollte sich die DDR von der  Bundesrepublik als ›imperialistisch-kapitalistischem‹ Nachfolger des III. Reiches abgrenzen, mehr noch: diesem Teil Deutschlands die Hauptschuld am Nationalsozialismus zuweisen. Auch wenn in vielen Fällen berechtigterweise die NS-Vergangenheit westdeutscher Funktionäre durch DDR-Aufdeckungsmanöver ans Licht kam, so vergaß, oder besser verdrängte es die DDR-Staatsführung, vor der eigenen Tür zu kehren. Den DDR-Bürgern wurde pauschal Absolution erteilt, die Schuldfrage nicht gestellt, wenn sie sich im Gegenzug dem Sozialismus zuwendeten und den Aufbau der ›frohen, friedlichen Zukunft‹ tatkräftig unterstützten. Und das, obwohl auch die DDR Gesellschaft zu einem erheblichen Teil aus NS-Mitläufern und Tätern bestand – auch in führenden Positionen in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur.«

www.mdr.de / zeitreise 14.12.2020


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Nie wieder Krieg!

Während der Weimarer Republik, 1914-33, riefen die pazifistischen Organisationen jedes Jahr im August zu Kundgebungen auf, um an die Leiden im Krieg zu erinnern und Abrüstung und ein friedliches Zusammenleben der Völker zu fordern. 1924, zum 10. Jahrestag des Kriegsbeginns, gestaltete die sozial und politisch engagierte Künstlerin Käthe Kollwitz das wohl bis heute bekannteste Anti-Kriegsplakat für den Mitteldeutschen Jugendtag der sozialistischen Arbeiterbewegung in Leipzig. Auch bei den Demonstrationen der Friedensbewegung der 1970er und 1980er Jahre wurde es oft mitgeführt.

 

MP Luebsdorf Plakat nie wieder Krieg web


»Eindringlich hat dieser beschwörende Appell, durch den Käthe Kollwitz den Betrachter zur Identifikation auffordert, in dem Jungen Gestalt angenommen. Dieser steht gegen einen scharfen Wind gewandt, die Haare wehen, sein Gesichtsausdruck verrät äußerste Anspannung. Die Darstellung wird – graphisch ideal gelöst – durch die schwungvolle Handschrift der Kollwitz ergänzt. Der das Bild beherrschende, hochgereckte Arm überschneidet teilweise das von der Kollwitz zweimal kräftig unterstrichene Wort ›Krieg‹ und dient so gleichzeitig als Ausrufezeichen.« so steht es auf der Website www.kollwitz.de

Plakat »Nie wieder Krieg!« auf kollwitz.de

 

Interessanterweise ist die Geschlechtszuweisung für die Plakatfigur nicht eindeutig. Kollwitz.de bezeichnet z.B. die Gestalt als Jungen, während LeMO von einer jungen Frau schreibt. Da hat Käthe Kollwitz den Zeitgeist der 20er Jahre aufgegriffen und wäre mit der androgynen Darstellung auch heute wieder up to date.

Das Deutsche Historische Museum in Berlin schreibt auf LeMO:

»Nur eine Minderheit der Deutschen engagierte sich aktiv für Pazifismus, und eine durch Kriegserlebnisse erlangte pazifistische Haltung nahmen nur wenige der ehemaligen Frontsoldaten ein. Vielmehr befriedigten zahlreiche Kriegsteilnehmer ihr Bedürfnis nach soldatischer Traditionspflege in kriegsverherrlichenden, paramilitärischen Wehrverbänden wie dem ›Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten‹ oder im Deutschen Reichskriegerbund Kyffhäuser mit etwa zwei Millionen Mitgliedern in 29.000 Kriegervereinen.«


LeMO, Nie wieder Krieg! in der Weimarer Republik


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Schwertgeschichten

Die Legende vom Schwert Excalibur hat alles, was man nach dem 1. Weltkrieg für einen »Ehrenmal« brauchte: einen schwertschwingenden, kraftvollen Helden, der für die gerechte Sache kämpfte, einen edlen Ritter, »gefallen« durch eine böse List nach blutigem Gefecht – doch sein Schwert wartet darauf, wieder zum Einsatz zu kommen.

Vom mythischen Zauberer Merlin war das Schwert Caliburn durch einen Stein bzw. Amboss getrieben worden, wird in der Legende erzählt. Es hieß, nur der wahre künftige Herrscher könne es wieder herausziehen. Nachdem zahlreiche Ritter und Adelige an dieser Aufgabe gescheitert waren, gelang es Artus (Arthur), dem Sohn des englischen Königs, das Schwert mühelos zu befreien, was ihn zum rechtmäßigen König machte.

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Foto: Eduardo Otubo/Wikimedia Commons

Als Artus das Schwert Caliburn in einer Schlacht zerschlagen hatte, schenkte die »Herrin vom See« dem jungen König als Ersatz Excalibur, damit er sein Königreich schützen könne.

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Der Legende nach gab Excalibur seinem Besitzer übermenschliche Kräfte, und seine Scheide machte jeden, der sie bei sich trug, unverwundbar. Artus’ Halbschwester Morgan LeFay raubte durch eine List die Scheide, sodass Artus bei Verletzungen wieder gefährdet war. Excalibur blieb ihm erhalten.

Nachdem Artus in einer Schlacht schwer verletzt wurde, brachte man ihn nach Avalon. Ein bis heute sagenumwobener Ort des Interesses, siehe beispielsweise den Fantasy-Roman »Die Nebel von Avalon«. Stirbt er dort oder ruht er nur? In Anspielung auf den christlichen Glauben an Auferstehung wird seine Rückkehr in Aussicht gestellt. Sir Bedivere, einer der zwölf Ritter der Tafelrunde von König Artus, warf Excalibur zurück in den See, wo es die »Herrin vom See« wieder annahm. Dort soll es der Sage nach noch immer ruhen.

Im 12. Jahrhundert machte Richard Löwenherz die Artus-Sage zum Werkzeug seiner Propaganda und behauptete, sein Schwert sei Excalibur.

Nach Wikipedia, abgerufen am 24.5.2020

»Die fantasievolle Erzählung indes macht den Helden zur Projektionsfläche des jeweiligen Zeitgeistes späterer Jahrhunderte. Die vermeintliche Aktualität schuf eine Glaubwürdigkeit, die historische Wahrheit ersetzte.«

Lesen Sie weiter auf www.spiegel.de

 

Ab 1914 wurden in Deutschland zunehmend national gestimmte Gedichte verfasst. Einzelne Verse wurden von der Kriegspropaganda aufgegriffen und erreichten eine enorme Popularität. Eine Zeile aus dem »Haßgesang gegen England« wurde während des Krieges ein Schlachtruf des deutschen Heeres – »Gott strafe England«. Eine eigene Grußformel entstand: »Gott strafe England«, Erwiderung des Grußes: »Er strafe es«.

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Hier eine Postkarte aus dem Jahr 1915 mit der bekannten Zeile aus dem »Haßgesang«. In dem Bild ist das Schwert in eine Ansicht von England gerammt, während ein christliches Kreuz es von hinten überstrahlt – ein Kreuz, das in diesem Fall natürlich die Unterstützung einzig des Deutschen Reichs durch Gott symbolisiert, entsprechend der Behauptung des deutschen Kaisers und seiner Soldaten: »Gott mit uns«.

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Hier sehen wir ein Schwert, das im Boden steckt. Es soll der Eindruck erweckt werden, als sei der Hügel Golgatha gemeint, auf dem den neutestamentlichen Evangelien zufolge Jesus von Nazaret gekreuzigt wurde. Das Kreuz steht für den christlichen Glauben, dass im Opfertod Jesu Gott den Menschen heilend nahegekommen ist. Hier wird nun ein Soldat an einem Schwert hängend abgebildet, umgeben von einem göttlichen Strahlenkranz. »Ihr habt für uns euch hingegeben / Ihr seid gestorben, damit wir leben«: Der Opfertod Jesu wird dem Kriegstod der Soldaten gleichgestellt. Diese Analogie findet sich oft auf Kriegerdenkmälern. Die kleinen Bilder mit verschiedenen Motiven wurden vom Verlag der Wochenzeitung »Hamburger Warte« verkauft. Siehe auch das Kapitel »Die Widmung« weiter oben.

Von Siegfrieds Schwert »Balmung« erzählt das Nibelungenlied aus dem 13. Jahrhundert. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde es wiederentdeckt und galt im 19. und 20. Jahrhundert als Nationalepos der Deutschen, wobei Siegfried der Drachentöter zu einem deutschen Nationalhelden umgedeutet wurde.

Im Nationalsozialismus feierte man die Wiederkehr der germanischen Größe und des Heldentums, der germanischen Gefolgstreue und des männlichen Rittertums und unterlegte die Idee des deutschen Volkstums mit diesen »germanischen Tugenden«. Man berief sich auf die schöpferischen Kräfte der Germanen, denen das Dritte Reich wieder Lebensmöglichkeiten gebe. Das Nibelungenlied wurde so als Vehikel nationaler Ideen instrumentalisiert und missbraucht, wie zum Beispiel von Hermann Göring, der die Lage der deutschen Soldaten im Kessel von Stalingrad mit der Lage der Nibelungen im brennenden Saal verglich (»Wir kennen ein gewaltiges heroisches Lied …«).

nach Wikipedia, abgerufen am 30. November 2020

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I N H A L T
Das Denkmal
Einweihung des »Heldenhains«
Postkarte zur Einweihung

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Lübz

Landkreis Ludwigslust-Parchim

Der große Findling auf einem Steinhügel im Buchenwald trägt die Aufschrift:

Den Gefallenen im Weltkriege 1914–18

Ein großer aufsteigender Adler, der gerade noch eine Weltkugel in den Krallen hat und mit ihr davon fliegen will, krönte bis 1945 den Stein, dann wurde er entfernt.

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Der Kriegerdenkmal wurde als Mittelpunkt eines »Heldenhains« am 19. Oktober 1924 eingeweiht. 143 Lübzer Soldaten sind im 1. Weltkrieg getötet worden, vielleicht liegt der große Findling auf 143 kleinen Feldsteinen? Aus dem Gedenkblatt zur Einweihung geht hervor, dass für jeden getöteten Soldaten ein Gedenkstein vorgesehen war, dort sind die Soldaten mit der Nummer ihres Steins aufgeführt.

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Einweihung des »Heldenhains«

Im Gedenkblatt mit dem Motto: »Vergiss mein Volk, die treuen Toten nicht«, einer Zeile aus Theodor Körners Gedicht »Aufruf«, wird zur Einweihung des »Heldenhains« geschrieben:

143 unserer Söhne und Brüder sind ein Opfer des Weltkrieges geworden und liegen in fremden Landen gebettet. Da die liebende Hand ihre letzte Ruhestätte nicht zu erreichen vermag um sie zu behüten und zu bewahren und die Hügel zu pflegen, und um der Vielen, die an unbekannten Orten starben zu gedenken, wollen wir diesen Platz der Erinnerung unseren lieben Angehörigen weihen. ...

»Ein Volk, das seine Toten ehrt«, überwindet die herben Vorurteile von Gefühllosigkeit und Barbarentum, die eine ganze Welt gegen uns geschleudert und wird daraus die Kraft schöpfen, in schwerer Zeit voll niederdrückender Sorgen den Weg zum neuen Leben, zum hellen Tage zu suchen ...

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Hier können Sie das vollständige Gedenkblatt vom 19. Oktober 1924 ansehen:

Gedenkblatt


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Postkarte zur Einweihung

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Wir danken sehr herzlich Margrit Schimanke, die uns all diese Dokumente zur Verfügung gestellt hat.

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