I N H A L T
• Das Denkmal
• »Für Deutschland gestorben«
• Der Bibelspruch
• Das Eiserne Kreuz
• Das Schwert
• Schwertgeschichten
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Groß Kiesow
Landkreis Vorpommern-Greifswald
Eine seltene, farblich intensive Form für ein Kriegerdenkmal ist dieses Buntglasfenster in der Kirche von Groß Kiesow. Das Fenster wurde 1920 gestiftet. Die typischen Symbole eines Kriegerdenkmals sind vorhanden: Eisernes Kreuz und Schwert mit Palmwedeln. Dazu kommt die Darstellung des gekreuzigten Christus mit der Kommentierung:
Sei getreu bis an den Tod,
so will ich dir die Krone des Lebens geben
Im abschließenden Band unten steht:
Den gefallenen Kriegern zum Gedächtnis 1920
Beschreibung und Foto: Matthias Hübner, www.dorfkirchen-in-mv.de

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Zitate aus der Beitrag des Deutschlandfunks vom 18.11.2012
Für Deutschland gestorben
Von Clemens Tangerding
... Die Gedenkstätten sind ausnahmslos Ausdruck des Bedürfnisses, das Gedenken an den Tod der Soldaten zu sakralisieren, also zu etwas Heiligem zu stilisieren. In Form von Kreuzen, Säulen, Räumen der Stille oder Plastiken wird nicht der Tod, sondern der vorgebliche Sinn dieses Todes dargestellt ...
Die Sakralisierung schirmt die Gedenkorte auch gegen Widerspruch ab, denn wer würde in einem Raum der Stille oder vor einem Kreuz laut protestieren? Die Ent-Profanisierung beschützt den Tod der Soldaten besonders vor Ansprüchen der Überlebenden. Obwohl diese im Einsatz eine Gruppe bildeten, grenzen die Denkmäler die Toten von den Versehrten ab.
Nur wer starb, wird in Inschriften und auf Tafeln geehrt, wer überlebte nicht. ... Psychische Krankheiten, lebenslange körperliche Schäden, Schwierigkeiten bei der beruflichen Widereingliederung ließen sich mit der Sakralisierung des Gedenkens nicht in Einklang bringen.
Auffällig ist auch, dass die Soldaten zwar als Söhne oder als Opfer, manchmal auch als Krieger benannt und dargestellt werden, nie aber als Tötende. Der Gefallene existiert als Begriff, es gibt aber keine Bezeichnung für den, der ihn zu Fall gebracht hat. Reinhart Koselleck meint dazu:
»Gestorben wird alleine, zum Töten des Anderen gehören zwei. Die Fähigkeit des Menschen, seinesgleichen umzubringen, konstituiert vielleicht mehr noch menschliche Geschichte als seine Grundbestimmung, sterben zu müssen.«
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Der Bibelspruch
Die Aufforderung Jesu an den verletzten Soldaten, es ihm gleich zu tun, sich für die Menschheit / das Vaterland / die Heimat zu opfern? Postkarten wie diese wurden massenweise gedruckt: Kirchliche und religiöse Rechtfertigung des Kriegs.

»Während der ganzen Kriegszeit sind die Millionen Bildpostkarten ein wichtiges Propaganda-Instrument zur Stärkung der Kriegsmoral an der Front und in der Heimat. Besonders beliebt sind die Karten(serien) mit biblischen und kirchlichen Zitaten, Symbolen und Texten.«
• Wanderausstellung »Gott mit uns« der Ev. Akademie der Nordkirche
Bibelzitate findet man auch heute noch häufig auf Denkmälern zum 1. Weltkrieg, sie stehen für eine Glorifizierung bzw. Mystifizierung der toten Krieger. Nach der für viele überraschenden Niederlage und den nach Kriegsende als bittere Last erlebten Bedingungen des Versailler »Schandvertrags« wurden vermehrt christliche Sprüche verwendet, um dem Soldatentod einen höheren Sinn zu geben. In Kombination mit Jesus am Kreuz im Kirchenfenster der Kirche in Groß Kiesow nimmt diese Inszenierung Bezug auf den Opfertod Jesu, der nach christlichem Glauben am Kreuz gestorben ist, um die Menschheit zu erlösen.
Die Landeskirche Hannover ordnet auf ihrer Website www.evangelische-friedensarbeit.de Bibelsprüche auf Kriegerdenkmälern ein:
»Typisch war, Sprüche zu suchen, die sowohl eine christliche als auch eine profane Deutung zuließen. Fast jedes Kriegerdenkmal war dafür gebaut und verfolgte den Sinn, den Militarismus zumindest indirekt zu stützen und zu fördern. Schon deshalb ist es höchst problematisch, auf diese Gedenkorte Worte des ›Friedefürsten‹ Jesus zu setzen.
Am häufigsten wurden die Bibelverse verwandt:
Sei getreu bis in den Tod so will ich dir
die Krone des Lebens geben Offb.2, 10c
Dies Wort an die Gemeinde in Smyrna steht in einem der sieben Sendschreiben. Smyrna ist dabei eine Gemeinde in der Christen unter besonderer Bedrängnis litten. Es soll mit dem Sendschreiben ermutigt werden, trotz allem zu seinem Glauben zu stehen, dies rettet vor dem ewigen Tod.
Die Soldaten zogen in den Krieg für: ›Gott und Vaterland‹. Aus dem universalen Gott wurde ein ›deutscher Gott‹. Nun soll suggeriert werden, dass dieser Tod ein besonderer war, dem eine nachträgliche ›Überhöhung‹ gegeben wird.
Aus heutiger Sicht (meiner Sicht) ist es ein unzulässiger Gebrauch des Bibelwortes, da es in dem Zusammenhang der Bibel ganz anderes gemeint war, als der Spruch auf einem Kriegerdenkmal vermittelt. Es geht nicht um Treue an sich, sondern ausschließlich um die Treue zu Gott. Treue zu Gott zeigen, in dem ich bereit bin zu töten und den Kriegstod hinzunehmen, ist nach allem, was wir über Jesus und sein Gebot der Feindesliebe wissen, letztlich mit dem christlichen Glauben nicht zu vereinbaren und bedarf einer Korrektur oder Einordnung.«
Link zur Website
In vielen Predigten, meist zum Volkstrauertag, wird dieser Bibelspruch aufgegriffen:
»Mit seinen drastischen Schilderungen verleiht Johannes den Gefühlen der gefährdeten Menschen Ausdruck. Er gibt damit den Ohnmächtigen eine Sprache. Sei getreu bis an den Tod ...
Er tröstet, ausgerechnet mit Versen, die uns heute auf vielen Kriegsdenkmälern begegnen.
Treue bis in den Tod? Heute am Volkstrauertag stehen wir fast auf den Tag genau 70 Jahre nach dem Ende Stalingrads – dem Anfang vom Ende des Hitler-Krieges, der Europa in Schutt und Asche legte, dem Innbegriff des sinnlosen Mordens, Synonym dafür, was Menschen Menschen antun können. Welche Bilder des Entsetzens und Grauens sind nicht mit dieser Schlacht von Stalingrad verbunden?
Stalingrad – auch Sinnbild für blinde Treue bis in den Tod. Für wahnwitzigen Gehorsam.«
• Diakoniepfarrer Dietmar Kehlbreier, 2012, Lutherkirche Altena
»›Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben!‹ Perfide, dieses Wort an jener Stelle.Versüßen sollte es den jungen Männern, den Soldaten aus ganz Europa den Krieg. Man erklärte den Kampf als göttlich, verklärte ihn und machte somit ihren tausendfachen Tod zu einem Zeichen für die Treue zu Gott und zum Vaterland. Das sogenannte christliche Abendland, seine Nationen gingen vor 104 Jahren mit diesem Vers im Gepäck ganz unchristlich aufeinander los.«
• Pfarrerin Juliane Rumpel, 2018, KG Wilhelmshorst
»Und ich habe es inzwischen mehrfach gehört von ehemaligen Soldaten der Wehrmacht, dass ihnen dieser Spruch ins Feld mitgegeben worden war. Sozusagen als letzte Motivation, ›für den Führer‹ zu sterben. Ja, so wurde wohl dieser biblisch-christliche Spruch auf perfide Weise seinerzeit missbraucht:
›Der Führer‹, nicht Christus spricht: Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Es wurden beide Deutungen damals offenkundig geschickt ineinander gespiegelt.«
• Pfarrer Johannes Habdank, 2020, KG Berg am Starnberger See
Und noch ein Zitat aus der Weihepredigt des Kriegerdenkmals in Eckernförde am 7. September 1924 von Pastor Burmeister:
»›Sei getreu bis an den Tod!‹ Es ist leicht, namentlich im Rausche der Begeisterung, stolze nationale Töne anzuschlagen. Das heißt aber noch keineswegs seinem Volke auch wirklich treu sein. Die echte Treue kommt tief aus dem Herzen; sie setzt ein Gefühl innerer Gebundenheit voraus. Darum findet sie auch ihre höchste Bewährung in Not und Tod. [...] ›So will ich dir die Krone des Lebens geben.‹ Hört! Das ist die Stimme des lebendigen Gottes. Die Treue ist unser Werk, die Krone des Lebens können wir uns nicht selbst aufsetzen, die müssen wir in stiller Demut aus Gottes Hand nehmen. So ist es auch mit unseren gefallenen Helden.«
Die Predigt
Die Dokumentation des Denkmals
In Deutschland war die Trauer um die getöteten Soldaten gleichzeitig verbunden mit der Erinnerung an eine Niederlage. Das Kriegserlebnis wurde zu einem Mythos geformt, der das Sinnhafte des Kampfes und der Opfer hervorheben sollte:
»Die Erinnerung an den Krieg wurde zu einem heiligen Erlebnis umgedeutet, das der Nation eine neue Tiefe der religiösen Empfindung gab und überall präsente Heilige und Märtyrer, Stätten nationaler Andacht und ein zum Nacheifern aufforderndes Erbe lieferte.« (Mosse, 13) Der Gefallenenkult wurde zu einem zentralen Bestandteil nationaler Selbstdarstellung und entwickelte besonders in Deutschland eine gewaltige politische Wirkung.
• Christian Lopau, 2017, Vortrag im Ratzeburger Dom im Begleitprogramm der Wanderausstellung der Nordkirche »Neue Anfänge nach 1945?«
www.nordkirche-nach45.de
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Das Eiserne Kreuz
Auf Kriegerdenkmälern wird der militärische Orden den toten Soldaten posthum und kollektiv verliehen. Der Tod im Krieg wird von den Denkmalstiftern als Beweis für die »Vaterlandstreue« und die Tapferkeit der Soldaten gewertet.
Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt. Grundlage des Entwurfs sollte das Emblem des Deutschen Ordens sein, aus dem das Herzogtum Preußen hervorgegangen ist. Die Symbolik des Kreuzrittertums des Deutschen Ordens beinhaltete damit auch die Bezugnahme auf den Kreuzzugsgedanken, der auf die Befreiung von der napoleonischen Zwangsherrschaft übertragen wurde.
»Das Eiserne Kreuz wurde erstmalig 1813 vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. gestiftet. Es war der erste militärische Orden, der nicht nur an Offiziere, sondern auch an einfache Soldaten für ihre militärischen Verdienste verliehen werden konnte. Kurz darauf führte der König die allgemeine Wehrpflicht ein. Das bisherige Söldnerheer wandelte sich zum Bürgerheer und für die Bürger mussten Anreize geschaffen werden, das eigene Leben im Krieg aufs Spiel zu setzen. Damit begann eine neue Zeit beim preußischen Militär: Soldaten waren nicht mehr nur Befehlsempfänger ohne Stimme und ohne Namen, sondern seit dieser Zeit wurden sie zu Vorbildern gemacht, denen nachgeeifert werden sollte. Der König versprach in der Stiftungsurkunde jedem Soldaten für den eventuellen Kriegstod ein Denkmal, das heißt, die Erwähnung auf einem Denkmal. Zumeist wurde das damals als Tafel in einer Kirche realisiert: Zeugnis der engen Verbindung von Monarchie und Kirche.«
• Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone 2006, S. 44f

»Der Gott der Eisen wachsen ließ ...« ist ein Gedicht von Ernst Moritz Arndt. Der wortgewandte Patriot trieb im 19. Jahrhundert nicht nur die Einigung Deutschlands voran, sondern auch den Hass gegen Franzosen und Juden. Das vertonte Gedicht wurde in den Befreiungskriegen populär, ebenso wie später im 1. Weltkrieg und in der Zeit des Nationalsozialismus. Mehr dazu im Kapitel »E.M. Arndt: Der Gott der Eisen wachsen ließ ...«
Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden.
Postkarten (2): Archiv der Ev. Akademie der Nordkirche
• »Fake News« anno 1914: Das Deutsche Reich hatte gerade das neutrale Belgien überfallen, damit die Truppen sich auf dem schnellsten Weg zum Erzfeind Frankreich begeben konnten.
Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm König Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.
Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1974-160-13A / CC-BY-SA 3.0
SS-Obergruppenführer und General der Waffen SS Theodor Eicke im Jahr 1942.
Seine Biografie auf www.zukunft-braucht-erinnerung.de
»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«
Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl
DIE ZEIT, 5.6.2008
Soldaten der Wehrmacht kämpfen nicht nur pflichtschuldig und gehorsam. Ohne die Gefühlswelt aus Stolz, Ehre und Männlichkeit ist nicht zu erklären, warum so viele an die Front streben – und dem Krieg bis zum Untergang verhaftet bleiben. (Frank Werner in ZEITGeschichte 4/2018)
Archiv der Ev. Akademie der Nordkirche
Geschickte Propaganda: Begehrenswerte Ordensbrust, »Die Woche« im Januar 1940
Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.
• Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017
Das Eiserne Kreuz ist das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Manchmal wird es dort auch als Ersatz für das verbotene Hakenkreuz verwendet. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z.B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle ...

... manchmal auch als Dekor mit Totenkopf auf dem Auto!
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DAS SCHWERT
Das Schwert ist in der Menschheitsgeschichte die erste ausschließlich zum Töten anderer Menschen geschaffene Waffe. Ein Symbol der Macht: Wer auf dem Schlachtfeld unterlag, übergab dem Sieger seine Waffe. Das Schwert verleiht den Status eines Herrschers. Der englische König führt den Ritterschlag bis heute mit dem Schwert aus.
Nach dem Mittelalter verlor das Schwert seine Bedeutung als Waffe – und wurde in der Symbolsprache der Propaganda umso wichtiger. Im 1. Weltkrieg, dem ersten industriellen Krieg in der Geschichte, hatte das Schwert als Bild-Symbol auf Orden und Medaillen Hochkonjunktur. Auch im Nationalsozialismus galt das Schwert als Zeichen für heldenhaften Kampf, obwohl es natürlich nicht mehr benutzt wurde.
Für ihre Militärsymbolik bevorzugten Stifter und Bildhauer der Kriegerdenkmäler die antiken und damit weniger bedrohlichen Waffen. Der edle Zweikampf und der mutige Einsatz der Soldaten Mann gegen Mann scheint auf, der Blick auf die grausame Wirklichkeit der modernen Waffen im Stellungskrieg 1914-18 ist verstellt. Das Erinnern an die Schwerter der Ritter in zahlreichen Legenden suggeriert einen per se gerechten Kampf, den es nach dem 1. Weltkrieg wieder aufzunehmen galt – gegen den inneren und äußeren Feind.
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SCHWERTGESCHICHTEN
Die Legende vom Schwert Excalibur hat alles, was man nach dem 1. Weltkrieg für einen »Ehrenmal« brauchte: einen schwertschwingenden, kraftvollen Helden, der für die gerechte Sache kämpfte, einen edlen Ritter, »gefallen« durch eine böse List nach blutigem Gefecht – doch sein Schwert wartet darauf, wieder zum Einsatz zu kommen.
Vom mythischen Zauberer Merlin war das Schwert Caliburn durch einen Stein bzw. Amboss getrieben worden, wird in der Legende erzählt. Es hieß, nur der wahre künftige Herrscher könne es wieder herausziehen. Nachdem zahlreiche Ritter und Adelige an dieser Aufgabe gescheitert waren, gelang es Artus (Arthur), dem Sohn des englischen Königs, das Schwert mühelos zu befreien, was ihn zum rechtmäßigen König machte.

Eduardo Otubo/Wikimedia Commons
Als Artus das Schwert Caliburn in einer Schlacht zerschlagen hatte, schenkte die »Herrin vom See« dem jungen König als Ersatz Excalibur, damit er sein Königreich schützen könne.
Wikimedia Commons, Alfred Kappes, gemeinfrei
Der Legende nach gab Excalibur seinem Besitzer übermenschliche Kräfte, und seine Scheide machte jeden, der sie bei sich trug, unverwundbar. Artus’ Halbschwester Morgan LeFay raubte durch eine List die Scheide, sodass Artus bei Verletzungen wieder gefährdet war. Excalibur blieb ihm erhalten.
Nachdem Artus in einer Schlacht schwer verletzt wurde, brachte man ihn nach Avalon. Ein bis heute sagenumwobener Ort des Interesses, siehe beispielsweise den Fantasy-Roman »Die Nebel von Avalon«. Stirbt er dort oder ruht er nur? In Anspielung auf den christlichen Glauben an Auferstehung wird seine Rückkehr in Aussicht gestellt. Sir Bedivere, einer der zwölf Ritter der Tafelrunde von König Artus, warf Excalibur zurück in den See, wo es die »Herrin vom See« wieder annahm. Dort soll es der Sage nach noch immer ruhen.
Im 12. Jahrhundert machte Richard Löwenherz die Artus-Sage zum Werkzeug seiner Propaganda und behauptete, sein Schwert sei Excalibur.
• Nach Wikipedia, abgerufen am 24.5.2020
»Die fantasievolle Erzählung indes macht den Helden zur Projektionsfläche des jeweiligen Zeitgeistes späterer Jahrhunderte. Die vermeintliche Aktualität schuf eine Glaubwürdigkeit, die historische Wahrheit ersetzte.«
Lesen Sie weiter auf www.spiegel.de
Weitere Schwertgeschichten mit der Option der bewaffneten Rückkehr um das Reich mit dem Schwert zu retten:
Holger Danske
Barbarossa
Ab 1914 wurden in Deutschland zunehmend national gestimmte Gedichte verfasst. Einzelne Verse wurden von der Kriegspropaganda aufgegriffen und erreichten eine enorme Popularität. Eine Zeile aus dem »Haßgesang gegen England« wurde während des Krieges ein Schlachtruf des deutschen Heeres – »Gott strafe England«. Eine eigene Grußformel entstand: »Gott strafe England«, Erwiderung des Grußes: »Er strafe es«.

Hier eine Postkarte aus dem Jahr 1915 mit der bekannten Zeile aus dem »Haßgesang«. In dem Bild ist das Schwert in eine Ansicht von England gerammt, während ein christliches Kreuz es von hinten überstrahlt – ein Kreuz, das in diesem Fall natürlich die Unterstützung einzig des Deutschen Reichs durch Gott symbolisiert, entsprechend der Behauptung des deutschen Kaisers und seiner Soldaten: »Gott mit uns«.

Hier sehen wir ein Schwert, das im Boden steckt. Es soll der Eindruck erweckt werden, als sei der Hügel Golgatha gemeint, auf dem den neutestamentlichen Evangelien zufolge Jesus von Nazaret gekreuzigt wurde. Das Kreuz steht für den christlichen Glauben, dass im Opfertod Jesu Gott den Menschen heilend nahegekommen ist. Hier wird nun ein Soldat an einem Schwert hängend abgebildet, umgeben von einem göttlichen Strahlenkranz. »Ihr habt für uns euch hingegeben / Ihr seid gestorben, damit wir leben«: Der Opfertod Jesu wird dem Kriegstod der Soldaten gleichgestellt. Diese Analogie findet sich oft auf Kriegerdenkmälern. Die kleinen Bilder mit verschiedenen Motiven wurden vom Verlag der Wochenzeitung »Hamburger Warte« verkauft. Siehe auch das Kapitel »Die Widmung« weiter oben.
Von Siegfrieds Schwert »Balmung« erzählt das Nibelungenlied aus dem 13. Jahrhundert. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde es wiederentdeckt und galt im 19. und 20. Jahrhundert als Nationalepos der Deutschen, wobei Siegfried der Drachentöter zu einem deutschen Nationalhelden umgedeutet wurde.
Im Nationalsozialismus feierte man die Wiederkehr der germanischen Größe und des Heldentums, der germanischen Gefolgstreue und des männlichen Rittertums und unterlegte die Idee des deutschen Volkstums mit diesen »germanischen Tugenden«. Man berief sich auf die schöpferischen Kräfte der Germanen, denen das Dritte Reich wieder Lebensmöglichkeiten gebe. Das Nibelungenlied wurde so als Vehikel nationaler Ideen instrumentalisiert und missbraucht, wie zum Beispiel von Hermann Göring, der die Lage der deutschen Soldaten im Kessel von Stalingrad mit der Lage der Nibelungen im brennenden Saal verglich (»Wir kennen ein gewaltiges heroisches Lied …«).
• nach Wikipedia, abgerufen am 30. November 2020
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