I N H A L T
• Das Denkmal
• Das Denkmal 2006
• Volkstrauertag 2016
• »Neige in Ehrfurcht Dein Haupt ...«
• Der Stahlhelm
• Das Eiserne Kreuz
• Eichenlaub und Lorbeerzweig
• Die deutsche Eiche
• Die Tafeln in der Kirche St. Gertrud
• Die Deutschen Einigungskriege
• Das Nationaldenkmal
• Der Bibelspruch
• Ein Dorf verschwindet
• Die Geschichte Altenwerders
...................................................................................................
Altenwerder
Altenwerder Querweg vor der Kirche St. Getrud
Das Monument gemauert aus Sandsteinblöcken und gestalteten Sandsteinelementen ist den toten Soldaten des 1. Weltkriegs aus Altenwerder gewidmet.

Bekrönt ist das Monument mit einem aufgesetzten überdimensionierten Stahlhelm auf einem Lorbeerkranz.
Mehr im Kapitel »Der Stahlhelm«
Unterhalb des Stahlhelms sind umlaufend eckige Steinplatten mit Reliefs von Eisernen Kreuzen, Eichenlaub und Lorbeer zu den Jahreszahlen des 1. Weltkriegs eingefügt.

Das Eiserne Kreuz mit einem dreiblättrigen Eichenzweig gibt es zweimal an gegenüber liegenden Seiten. In die Fläche drumherum ist jeweils ein Kammmuster eingekratzt.

Auf den verbleibenden Seiten finden wir die Reliefs der Jahreszahlen des 1. Weltkriegs:
1914 mit einem Eichenzweig

1918 mit einem Lorbeerzweig
Mehr im Kapitel »Eichenlaub und Lorbeerzweig«
Unter den Reliefplatten folgt ein Abschnitt mit durchbrochen gemauerten Sandsteinblöcken und ein geschlossener Abschnitt mit rundum im Grundriss gezackt gemauerten Blöcken. Am oberen Rand dieses Abschnitts waren früher an allen Seiten Kranzhalter angebracht, bei unserem Besuch 2016 war nur noch einer vorhanden, siehe das nächste Bild mit Kranz.

Am Sockel des Monuments sind auf allen vier Seiten vieleckige Steintafeln eingemauert worden.
Auf zwei Tafeln konnten wir eine Inschrift entziffern:
Neige in Ehrfurcht
dein Haupt vor dem Tode
und der Tapferkeit
Auf der zweiten folgt der Absender des Sinnspruchs:
Die dankbare Gemeinde
Altenwerder
Das Denkmal ist mit Moos und Flechten bewachsen, das verstärkt den traurigen Eindruck den die Reste vom Dorf Altenwerder auf den Besucher machen.
...................................................................................................
Das Denkmal 2006

Foto: GeorgHH/Wikimedia Commons
Zehn Jahre liegen zwischen diesem Foto von 2006 und den von uns dokumentierten. Damals stand das Denkmal einfach auf der Wiese vor der Kirche. 2016 ist der Platz zwar gepflastert und das Monument ist von einer Buchsbaumhecke umgeben, aber Moos und Flechten haben dem Sandstein zugesetzt. Der Verfall ist sichtbar.
...................................................................................................
Volkstrauertag 2016
Ein Kranz mit Schleife der Kirchengemeinde, des Sportvereins und der Feuerwehr:

Er hängt passenderweise über der zweiten Tafel:
Die dankbare Gemeinde
Altenwerder
Die Haltung, die sich hier zeigt, ist unangefochten von Zweifeln an Recht und Notwendigkeit von Krieg. Obwohl der 1. Weltkrieg so viele Soldatenleben forderte und der Krieg verloren wurde, wird der Kriegstod im Nachhinein als sinnvoll interpretiert, für den man dankbar sein muss.
...................................................................................................
»neige in Ehrfurcht dein Haupt...«
Wir lesen diesen Sinnspruch immer mal wieder in leicht unterschiedlicher Formulierung auf Kriegerdenkmälern zum 1. Weltkrieg. Kerstin Klingel erklärt ihn für einen Gedenkstein in Hamburg Wandsbek in ihrem Buch ›Eichenkranz und Dornenkrone‹, 2006:
»Dort, wo klassische Zitate verwendet werden, wird versucht, dem Kriegstod eine Überzeitlichkeit zu verleihen, ihn also zu einem Geschehen zu machen, das naturgemäß immer wiederkehren muss. Auf einem Findlingsdenkmal in Wandsbek findet sich die Inschrift ›Wanderer neige in Ehrfurcht dein Haupt vor dem Tod und der Tapferkeit.‹
Dieses Zitat ist angelehnt an eine Inschrift von Simonides von Keos auf einem Gedenkstein im antiken Sparta, die von Friedrich Schiller folgendermaßen aus dem Griechischen übersetzt wurde: ›Wanderer, kommst du nach Sparta, so verkündige dorten, du habest uns hier liegen gesehen, wie das Gesetz es befahl.‹ Der Gedenkstein wurde nach der Ersten Schlacht bei den Thermopylen 480 v. Chr. während der Perserkriege errichtet. Die Schlacht ging aus Sicht der Griechen verloren, viele Spartaner starben, aber die Kämpfer sollen sich bis zum Letzten gewehrt haben und damit rücksichtslos ihrem Befehl gefolgt sein. Diese militärische Leistung wurde als Beispiel für den heldenhaften Opfertod im Laufe der Geschichte immer wieder herangezogen. Die Wandsbeker Paraphrase des Zitats benennt den Kriegstod und die Tapferkeit als vorbildhafte Tugenden.«
...................................................................................................
Der Stahlhelm
Die neuen Methoden des Artilleriekampfes im 1. Weltkrieg erforderten einen verbesserten Kopfschutz für die Soldaten. Der neue Helm aus Stahl wurde entwickelt, der die bis dahin getragenen ledernen Pickelhauben ablöste. Die ersten 30.000 Helme wurden im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert.
Die Vorstellung von der stählernen Schutzwirkung wurde fortan auf Postkarten, Kriegsanleiheplakaten, Schmuckblättern usw. propagandistisch ausgeschlachtet und symbolisch überhöht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde dieser Symbolwert noch gesteigert.

Die Einführung eines Stahlhelms für die Bundeswehr im Juni 1956 war ein Politikum. Den Forderungen des Militärs nach einem wirksamen Kopfschutz für die Soldaten wurde nur sehr zögerlich entsprochen. Unter keinen Umständen sollte der Helm für die Bundeswehr auf Konstruktionen beruhen, die an die Zeit des Nationalsozialismus erinnerten.
Für den aktuellen »Gefechtshelm, allgemein«, der am 15. Januar 1992 eingeführt wurde, galten diese politischen Bedenken nicht mehr. Der Helm sollte unter Wahrung der modernsten militärischen Gesichtspunkte auch alle Vorteile des Stahlhelms M35 in sich vereinigen.
Die Stahlhelme der alten Form blieben weiterhin im Gebrauch beim Bundesgrenzschutz und der Polizei.
Im Internet bieten eine Menge Militaria-Händler »Original-Stahlhelme der Deutschen Wehrmacht« zum Kauf an. Auch ein »Kinderhelm wie Stahlhelm M35 Wehrmacht Luftwaffe« für 190 Euro ist im Angebot. Ein T-Shirt, das Amazon anpries mit dem Aufdruck »SS-Stiefel, die besten Wanderschuhe aller Zeiten« wurde erst nach scharfen Protesten aus dem Sortiment genommen.
»Früher musste der Wehrmachtsfan noch in schmuddelige Militaria-Läden schleichen oder dreimal nachdenken, ob er seine Adresse bei einschlägigen rechtsextremen Versandhäusern hinterlassen will. Dank Amazon genügt jetzt ein Klick und der Wehrmachtsstahlhelm liegt auf dem Gabentisch«, empört sich die Linken-Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke auf www.stimme.de. SPD-Vorstandsmitglied Kevin Kühnert sagt dazu: »Ein angemessener Schritt wäre, die bisherigen Gewinne aus diesen Produkten an Gedenkstätten der Opfer des Nationalsozialismus zu spenden.«
Mehr dazu auf www.stimme.de: Stahlhelm unterm Christbaum
...................................................................................................
Das Eiserne Kreuz
»Das Eiserne Kreuz wurde erstmalig 1813 vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. gestiftet. Es war der erste militärische Orden, der nicht nur an Offiziere, sondern auch an einfache Soldaten für ihre militärischen Verdienste verliehen werden konnte. Kurz darauf führte der König die allgemeine Wehrpflicht ein. Das bisherige Söldnerheer wandelte sich zum Bürgerheer und für die Bürger mussten Anreize geschaffen werden, das eigene Leben im Krieg aufs Spiel zu setzen. Damit begann eine neue Zeit beim preußischen Militär: Soldaten waren nicht mehr nur Befehlsempfänger ohne Stimme und ohne Namen, sondern seit dieser Zeit wurden sie zu Vorbildern gemacht, denen nachgeeifert werden sollte. Der König versprach in der Stiftungsurkunde jedem Soldaten für den eventuellen Kriegstod ein Denkmal, das heißt, die Erwähnung auf einem Denkmal. Zumeist wurde das damals als Tafel in einer Kirche realisiert: Zeugnis der engen Verbindung von Monarchie und Kirche.
Das Eiserne Kreuz wurde sehr häufig als Relief auf Kriegerdenkmälern verwendet. Es steht hierbei als solches symbolisch für die Anerkennung der besonderen ›Vaterlandstreue‹ der gefallenen Soldaten. Ihr Tod im Krieg wurde dafür als Beweis gedeutet. Durch die Verwendung des Eisernen Kreuzes auf einem Denkmal sollten die Soldaten posthum für ihr Verhalten ausgezeichnet werden und damit als Vorbilder für die Nachwelt gelten.
Nach 1813 wurde es 1870 von Kaiser Wilhelm I. und 1914 von Kaiser Wilhelm II. neu gestiftet. Auch Adolf Hitler führte 1939 das Eiserne Kreuz als militärische Auszeichnung wieder ein, mit einem Hakenkreuz im Zentrum.«
• Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone 2006, S. 44f

• »Fake News« anno 1914: Das Deutsche Reich hatte gerade das neutrale Belgien überfallen, damit die Truppen sich auf dem schnellsten Weg zum Erzfeind Frankreich begeben konnten.
Soldaten der Wehrmacht kämpfen nicht nur pflichtschuldig und gehorsam. Ohne die Gefühlswelt aus Stolz, Ehre und Männlichkeit ist nicht zu erklären, warum so viele an die Front streben – und dem Krieg bis zum Untergang verhaftet bleiben. (Frank Werner in ZEITGeschichte 4/2018)
Geschickte Propaganda: Begehrenswerte Ordensbrust in »Die Woche« Januar 1940.
Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.
• Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017
Neben dem Stahlhelm ist das Eiserne Kreuz das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z. B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle.
...................................................................................................
Eichenlaub und Lorbeerzweig
Eichenlaub ist in der militärischen Symbolsprache ein Zeichen hoher Ehre.
»Die Eiche beziehungsweise das Eichenlaub setzen im Denkmal einen deutsch-nationalen Akzent. Die Eiche galt seit dem 18. Jahrhundert als heldisch-deutsches Symbol und assoziiert als ›deutsche Eiche‹ darüber hinaus urwüchsige Stärke und mythologische Vergangenheit.«
• Reinhard Alings, Monument und Nation, Berlin 1996, S. 525
Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1974-160-13A / CC-BY-SA 3.0
Eichenlaub als höchste Zier: SS-Obergruppenführer und General der Waffen SS Theodor Eicke im Jahr 1942.
»Eichenlaub« war ab 1999 ein rechtsextremes Liedermacher-Duo aus dem Umfeld des Thüringer Heimatschutzes.
Lorbeerzweige: Im alten Rom wurden siegreiche Waffen mit Lorbeerzweigen umwunden, später wurden den »Helden« von der Siegesgöttin Viktoria Lorbeerkränze gereicht oder auf’s Haupt gesetzt. Hartmut Häger schreibt in seinem Buch ›Kriegstotengedenken in Hildesheim‹ auf Seite 133: »Während des Ersten Weltkriegs sah sich der Lorbeer nationalistischer Verdächtigungen ausgesetzt. Er werde aus ›welschem Feindesland‹ eingeführt und sei deshalb ungeeignet für den Siegeskranz der Gefallenen. Eichen- und Tannenkränze seien dem italienischen Importartikel vorzuziehen. Verdrängen konnte das Eichenlaub den Lorbeer nicht, bedrängen offenbar schon.«
...................................................................................................
Die Deutsche Eiche
Wir beleuchten die Symbolkraft dieses so typisch deutschen Baumes:
Die Eiche zählt schon lange als »deutscher« Baum. Ihr hartes Holz und das charakteristische, spät fallende Laub machten sie seit der Zeit der Germanen zum Symbol für Unsterblichkeit und Standhaftigkeit. In jüngerer Zeit, besonders seit der Romantik, gilt die Eiche zudem als Symbol der Treue.
Das Eichenlaub ist ein politisches und militärisches Symbol sowie eine Figur in der Heraldik, das den gelappten Laubblättern von in Mittel- und Südeuropa heimischen Eichenarten nachempfunden ist. Die Blätter können getrennt oder an einem Zweig angeordnet dargestellt sein.
Mit der Nationalromantik des 19. Jahrhunderts, mit der Deutschen Revolution 1848/1849 und der Reichsgründung 1871, die das Gefühl nationaler Einheit bestärkten, zog das Eichenlaub in die deutsche Symbolsprache ein. Auf deutschen Ehrenmalen, Kränzen, Hoheitszeichen und dergleichen dient Eichenlaub in ähnlicher Form wie Zweige des Lorbeerstrauches bzw. der Lorbeerkranz.
• Nach Wikipedia, abgerufen am 12. November 2019
Doppeleichen: 1898 wurden sie als Symbol für die Unteilbarkeit Schleswig-Holsteins gepflanzt.
»An die Schleswig-Holsteinische Erhebung von 1848 erinnern die so genannten Doppeleichen, die in vielen Dörfern anlässlich des 50. Jahrestages am 24. März 1898 unter besonderen Feierlichkeiten gepflanzt wurden. Sie galten den schleswig-holsteinisch Gesinnten als Sinnbild für Freiheit und Unabhängigkeit von Dänemark sowie für die Einheit von Schleswig und Holstein. Deshalb findet man diese Art von Gedenkbäumen auch nur im nördlichsten Bundesland. Das Privileg von Ripen von 1460 und das Schlagwort ›Up ewig ungedeelt‹ diente dabei den Schleswig-Holsteinern als Grundlage ihres Anspruchs. Die Idee der Doppeleiche kam erstmalig auf dem schleswig-holsteinischen Sängerfest 1844 in Schleswig auf, als das Schleswig-Holstein-Lied erstmalig gesungen wurde; hier heißt es in der 7. Strophe: ›Teures Land, du Doppeleiche, unter einer Krone Dach, stehe fest und nimmer weiche, wie der Feind auch dräuen mag! Schleswig-Holstein, stammverwandt, wanke nicht, mein Vaterland!‹.

Anzeige des Gärtners Beck: »Zur Verherrlichung des Nationalgesanges«
Als Standort dieser Bäume wählte man besonders exponierte Plätze in der Dorfmitte oder in der Nähe von Schulen und Gaststätten. Es gab zwei Möglichkeiten, eine Doppeleiche zu schaffen: Entweder pflanzte man zwei Eichen in einem Pflanzloch so eng zusammen, dass aus einer Wurzel die Stämme wuchsen, oder man ordnete die beiden Eichen so an, dass diese aus zwei Pflanzstellen herauswuchsen und im Stammbereich zusammengeführt wurde.«
• Telse Stoy, Heimatgemeinschaft Eckernförde e. V., 2014. »Doppeleichen in Schleswig-Holstein«, in: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-261830, abgerufen: 18. Februar 2019.
Friedenseichen: Nach dem Sieg im Deutsch-Französischen Krieg forderte die Regierung im Deutschen Kaiserreich dazu auf, Friedenseichen zu pflanzen und zu pflegen, damit »dieses Sinnbild deutscher Kraft und deutscher Treue sich in aller Herrlichkeit entwickeln könne und künftigen Geschlechtern Gelegenheit geben würde, sich in seinem Schatten dankbar der Helden von 1870 und 1871 zu erinnern.«
In der Chronik von Meddewarde wird z.B. der Eintrag im Amtsblatt des Regierungs-Vizepräsidenten dazu dokumentiert: »Den Herren Landräten gebe ich zur gefälligen Erwägung anheim, ob es sich nicht empfehlen möchte, in geeigneter Weise darauf hin zu wirken, dass (sofern die Boden- und klimatischen Verhältnisse es gestatten) zur Erinnerung an die gewaltigen Ereignisse des letzten Jahres, ähnlich wie das an vielen Orten nach Beendigung der Freiheitskriege und vor einigen Tagen in Bremen geschehen ist, in den verschiedenen Guts- und Gemeindebezirken unter angemessenen Feierlichkeiten, insbesondere unter Zuziehung der Schuljugend möglichst hochstämmige Friedenseichen gepflanzt werden.«
Nicht nur an Ereignisse sollten Eichen erinnern, auch um Männer zu ehren wurden Eichen gepflanzt. So gibt es General-Moltke-Eichen, Kaiser-Wilhelm-I-Eichen, zum Beispiel in Ratekau:

Hindenburgeichen, Bismarckeichen und ....
Hitlereichen: »Mit der Reichsgründung 1871 und dem Gefühl nationaler Einheit zog das Eichenlaub in die deutsche Symbolsprache ein. Auf deutschen Ehrenmalen, Kränzen, Hoheitszeichen, Orden und dergleichen diente es in ähnlicher Form wie Zweige des Lorbeerstrauches. Das Parteiabzeichen bzw. Parteisymbol der NSDAP hatte von 1920 bis 1945 einen Adler als Zeichen, der einen Eichenkranz in seinen Fängen hielt. Unerschütterlich ›wie die deutsche Eiche‹ und ähnliche Sprüche ließ die NS-Propaganda ab 1933 in Zeitungen veröffentlichen und über Lautsprecher verkünden. Da griff dann auch der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler zum Spaten und pflanzte Eichen. [...] Im deutschen Volk wurde Hitler nach seiner Ernennung zum Reichskanzler fast schlagartig mit der deutschen Eiche gleichgesetzt. Denn für ihn pflanzten fast alle Städte und Dörfer, Stadt- und Ortsteile ihre ›Hitler-Eichen‹.«
• Wolf Stegemann, www.rothenburg-unterm-hakenkreuz.de
Diese Geschichte steht in der »Chronik der Landgemeinde Rethwisch« von Doris Moßner und Inga Rogga aus dem Jahr 2001:
»1933 wurde mit einer offiziellen Zeremonie eine Adolf-Hitler-Eiche auf dem Dorfplatz gepflanzt (s. Foto). Auf dem Foto sieht man Heinrich Behnke, [...] sowie Hartwig Gäde. Herbert Hansen, mit weißen Kniestrümpfen, musste damals ein Gedicht aufsagen. Lehrer Kühl hielt eine Rede.

Am 8. Mai 1945, am Tag der deutschen Kapitulation, wurde die Eiche von Ernst Meier mit den Worten umgehauen: ›Du Aas kümmst af!« Hartwig Gäde erzählt dazu: ›As ik ut de Gefangenschaft, ut den Krieg kam, da käm de ole Meier to mi hin un seggt: ›Soll ik di mal wiesen, wo diene Adolf Hitler Eiche is? Denn komm mal mit!‹. Da ist er dann mit mir in seinen Garten gegangen und zeigte auf einen Zaunpfahl. Die Eiche hatte er abgesägt und einen Zaunpfahl daraus zurechtgeschnitten. Der alte Meier war der SPD treu geblieben.«
NDR-Zeitreise: Die Geschichte der »Hitlereichen«
Schleswig-Holstein Magazin vom 14. April 2023
...................................................................................................
Die Tafeln in der Kirche St. Gertrud
Diese kunstvolle schwarzegoldene Steintafel ist den Veteranen des Deutschen Kriegs gegen Österreich 1866 und des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71 gewidmet. Diese Kriege sind die beiden letzten der drei Deutschen Einigungskriege.
Mehr dazu im Kapitel »Die Deutschen Einigungskriege«

Die Tafel steht ganz in preußischer Tradition. Die Königskrone über dem schwarze Adler ist das Symbol der preußischen Könige, hier ist es von allerlei Kriegsgerät und großzügig von ehrendem Eichenlaub mit goldenen Eicheln umgeben.
Darunter lesen wir drei Zeilen, die die Inschrift des Nationaldenkmals in Berlin-Kreuzberg wiederholen:
Den Gefallenen zum Gedächtnis,
Den Lebenden zur Anerkennung,
Den künftigen Geschlechtern zur Nacheiferung.
Mehr dazu im Kapitel »Das Nationaldenkmal«
Auf der Tafel in St. Gertrud werden die Namen der Veteranen aufgezählt, also die aller Männer der Gemeinde Altenwerder, die als Soldaten in die Kriege gezogen sind bzw. ziehen mussten.
Ihre Namen sind in zwei Spalten mittig gesetzt aufgeführt. Ein Ordnungsprinzip ist nicht zu erkennen. Wir sehen aber, dass hier nicht nur wie üblich die toten Soldaten geehrt werden, sondern bis auf einen (!) die lebend Zurückgekehrten.
Hier offenbart sich eine Auffassung, die in den folgenden Weltkriegen verloren gegangen ist, wie wir noch sehen werden. Der Kriegstod wird auf dieser Tafel nicht als besonders zu ehrender Heldentod gewürdigt.
Allerdings werden einige Namen hervorgehoben, sie stehen am Anfang der Aufzählung: H. Behrmann ist gefallen, Joh. Jac. Meyer und Nic. Meyer haben ein Eisernes Kreuz erhalten, Letzterer und Hinrich Rübcke sind verwundet (verw.) zurückgekehrt.
Die zwei Namensspalten werden von einem kunstvoll mit Lorbeerlaub umwickelten, gesenkten Schwert getrennt.
Zum 1. Weltkrieg gibt es zwei große, gleich gestaltete Steintafeln an den Wänden von St. Gertrud: Die jeweils zwei Namensspalten sind eingerahmt von nachempfundenen antiken Säulen mit einem Eisernen Kreuz in der Fassung des Kaiserreichs als oberen Abschluß.
Mehr dazu im Kapitel »Das Eiserne Kreuz«

Im oberen Halbrund dominiert ein fester Lorbeerkranz mit üppig flatterndem Band.

Darüber lesen wir zwischen Bogenlinien den Bibelvers Johannes 15.13 in der Fassung der Lutherbibel von 1912:
Niemand hat größere Liebe, denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde. Joh 15.13.
Mehr dazu im Kapitel »Der Bibelspruch«
Zwischen den Eisernen Kreuzen steht:
Im Weltkrieg 1914-1919 starben den Heldentod
für’s Vaterland. Altenwerder=Neuhof
Hier soll eine militärische Leistung der toten Soldaten, die letztlich in ihrem Tod bestand, ausgezeichnet werden. Der Tod der Soldaten belegt nicht ihr militärisches Versagen, sondern zeigt ihre besondere Tapferkeit. Die Soldaten, die lebend aus dem Krieg zurückgekehrt sind, werden auf den Tafeln nicht erwähnt.
»Prinzipiell existieren keine Helden, sondern sie werden per Zuschreibung von außen dazu gemacht. Dies erkennt man bereits daran, dass heute andere Menschen als Helden gelten, als zur Zeit des 1. und 2. WK. Es handelt sich um eine Konstruktion, die einen bestimmten Zweck erfüllen soll, denn nicht jeder Soldat ist ein Held. Auch werden andere am Krieg direkt oder indirekt Beteiligte (Dichter, Ärzte, Hausfrauen, Invaliden usw.) deutlich seltener als Helden verehrt – von Kriegsgegnern ganz zu schweigen.«
• www.kirchliche-dienste.de/arbeitsfelder/frieden/Gedenkorte-fuer-Verstorbene-der-Weltkriege
Auf dieser Tafel werden 67 Namen toter Soldaten als gef. (gefallen) mit ihrem Sterbetag aufgeführt, im Großen und Ganzen sind sie nach Sterbedatum geordnet.

Die zweite Tafel ist genauso aufgebaut. Merkwürdigerweise wurde nur die Ortsbezeichnung zur Herkunft der Soldaten umgetauscht. Hier heißt es nun:
Im Weltkrieg 1914-1919 starben den Heldentod
für’s Vaterland. Neuhof=Altenwerder
Allerdings beginnt hier die Liste der diesmal 72 toten Soldaten wieder mit dem ersten Kriegsjahr 1914, es muss sich doch um unterschiedliche Heimatgebiete handeln.
Geprüft haben wir die Sterbejahre, denn auf den Tafeln heißt es:
Im Weltkrieg 1914-1919 ...
Der 1. Weltkrieg endete am 11. November 1918. Wir fanden einen Soldaten, dessen Sterbetag mit 9.12.1918 angegeben wird, knapp einen Monat nach Kriegsende mag er seinen Verwundungen erlegen sein. Das Sterbejahr 1919 taucht auf keiner Tafel auf.
Auch zum 2. Weltkrieg gibt es zwei gleich gestaltete Wände diesmal mit je drei eingelassenen schlichten Namenstafeln.

Ohne Sinnspruch oder Widmung werden die Namen im Blocksatz aneinander gereiht. Lediglich ein kleines Eisernes Kreuz in Kontur ist dem Todestag jeweils voran gestellt.

Die Namen sind chronologisch nach Todestag geordnet, der erste Soldat ist am 1.9.1939 gestorben – an dem Tag, an dem der 2. Weltkrieg mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen begann.
Wir können genau verfolgen, wie die Todeszahlen im Lauf des Krieges immer weiter steigen: 1939 = 2, 1940 = 4, 1941 = 3, 1942 = 10 ...

1943 = 27 ...

1944 = 29 ...

Mit der ersten Tafel auf der nächsten Dreierreihe endet die Aufzählung der toten Soldaten mit dem Sterbejahr 1945 = 25.

Die Kapitulationserklärung der Deutschen Wehrmacht wurde am 8. Mai 1945 in Berlin-Karlshorst unterzeichnet. Die letzten einsatzfähigen und frei operierenden Einheiten der Wehrmacht beendeten die Kampfhandlungen in Europa im September 1945.
Mehr zur Kapitulation der Wehrmacht auf Wikipedia
Wie es zu den 11 Todesfällen ab Oktober 1945 gekommen ist, erfahren wir nicht. Diese Soldaten könnten in Kriegsgefangenenlagern oder verwundet im Lazarett gestorben sein. Auch wie es zu Sterbedaten wie zum Beispiel: 16.-17.12.45 gekommen ist, wird nicht aufgeklärt.
Am Ende der Liste erfahren wir noch von sechs nachgemeldeten Toten bzw. Vermissten.

Die letzen beiden Tafeln sind Menschen gewidmet, die »In der Heimat gefallen« sind. Das ist eine Formulierung für zivile Opfer, die uns fremd ist.
Hartmut Häger schreibt zum Begriff »gefallen« in seinem Buch »Kriegstotengedenken in Hildesheim«, Gerstenberg 2006, auf Seite 22 und 61: »... verweist auf das Wort ›fallen‹, dem Wörter wie ›hinfallen‹ aber auch ›fällen‹ zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort ›fallen‹ seines Schreckens, im Wort ›fällen‹ verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...]
An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort ›Gefallener‹ (oder ›gefallen‹) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.«
Auf den Tafeln in St. Gertrud handelt es sich um 47 Männer und Frauen, die in den Jahren 1941 bis 1945 ums Leben gekommen sind. Sie haben kein Eisernes Kreuz vor ihrem Sterbetag, sondern ein ziviles Totenkreuz.
Zwischen dem 24. Juli und dem 3. August 1943 war Hamburg Ziel schwerer Bombenangriffe der Alliierten. Die britische Royal Air Force bombardierte in fünf Nächten vor allem Wohngebiete und die US-Luftstreitkräfte bombardierten in zwei Tagesoperationen den Hafen und die dort ansässige Rüstungsindustrie. Das könnte drei Todesfälle betreffen.
Aber was ist am 30. Oktober 1944 in Altenwerder passiert? An dem Tag sind neun Menschen gestorben. Am 6. November 1944 und am 24. Februar 1945 jeweils vier.

Am 22. März 1945 schließlich sogar 12 Menschen. Hatte es erneut Bombenangriffe gegeben?
Wir danken herzlich Katrin Ehlberg von der Geschichtswerkstatt Süderelbe für die Fotos der Kirchentafeln und die wie immer zuverlässige, aufmerksame Zusammenarbeit.
...................................................................................................
Die deutschen Einigungskriege
Der Deutsch-Dänische Krieg 1864: Mit den Deutschen Einigungskriegen setzte Preußen die Idee des deutschen Nationalstaates im Sinn der kleindeutschen Lösung durch. Nach den Siegen im Deutsch-Dänischen Krieg, 1864, dem Deutschen Krieg gegen Österreich, 1866 und dem Deutsch-Französischen Krieg, 1870/71 entstand das preußisch dominierte Deutsche Kaiserreich. Heute gedenken vor allem die Dänen des ersten der drei Kriege, durch die Otto von Bismarck gewaltsam seinen deutschen Nationalstaat schuf.
Der Deutsch-Dänische Krieg war ein neun Monate andauernder militärischer Konflikt um die Herzogtümer Schleswig und Holstein, insbesondere um die Zugehörigkeit des Herzogtums Schleswig. Mit der Novemberverfassung von 1863, die eine gemeinsame Verfassung für das Königreich Dänemark und das Herzogtum Schleswig war, sollte Schleswig näher an den dänischen Gesamtstaat angebunden werden, während sich zugleich die deutschgesinnte Bewegung Schleswig in Verbindung mit Holstein einem zu schaffenden deutschen Nationalstaat anschließen wollte. Die Kriegsgegner waren einerseits Preußen und das Kaisertum Österreich, andererseits der Dänische Gesamtstaat. Die zahlen- und waffentechnisch weit überlegenen österreichisch-preußischen Truppen besiegten die dänische Armee in dem kurzen Feldzug.
Foto: Wikimedia Commons, gemeinfrei
• Gemälde von Wilhelm Kamphausen: Die kriegsentscheidende Erstürmung der Düppeler Schanzen am 18. April 1864
Weitere Informationen:
»Am 30. Oktober 1864 unterzeichnen Preußen, Österreich und Dänemark in Wien einen Friedensvertrag. Dänemark muss Schleswig, Holstein und Lauenburg an Preußen und Österreich abtreten. Damit verliert Dänemark fast eine Million Einwohner und ein Drittel seiner Fläche. Im Vertrag von Gastein vom 14. August 1865 erhält Preußen die Herzogtümer Sachsen-Lauenburg und Schleswig. Holstein fällt an Österreich. Doch Preußen provoziert seinen einstigen Partner Österreich mehrfach und löst damit 1866 den ›Deutschen Krieg‹ aus.«
NDR.de. Deutsch-Dänischer Krieg 1864: »In Gottes Namen drauf«
..........................................................
Der Deutsche Krieg gegen Österreich 1866 ist der zweite der Deutschen Einigungskriege. Vom 14. Juni 1866 bis zum 23. August 1866 kam es zum sogenannten Deutschen Krieg, bei dem sich Preußen und Österreich bekriegten. Eine entscheidende Rolle spielten hierbei die Auseinandersetzungen rund um Gebiete in Norddeutschland, die damals noch zu Österreich gehörten. Losgetreten wurde der Krieg von Otto von Bismarck, der aufgrund preußisch-österreichischer Rivalitäten seine Truppen ins österreichische Holstein einmarschieren ließ.
Foto: Wikimedia Commons, Deutsches Historisches Museum, gemeinfrei
• Gemälde von Georg Bleibtreu: »Die Schlacht von Königgrätz«. Der preußische König Wilhelm I., Bismarck und General Moltke beobachten die größte Umfassungsschlacht der Kriegsgeschichte: Am 3. Juli 1866 standen sich etwa 180.000 Österreicher und 200.000 Preußen gegenüber. 1.500 Geschütze kamen zum Einsatz. Mit dem Sieg der preußischen Armee eröffnete sich der Weg für eine Reichseinigung unter preußischer Führung – ohne Österreich
Preußen gewann den Krieg und es wurde der Friedensvertrag von Prag, der Prager Frieden, geschlossen.
Mehr Informationen:
»Entschieden wurde der Krieg nach nur wenigen Wochen in der Schlacht von Königgrätz am 3. Juli 1866. Im europäischen Ausland wurde der überraschend schnell errungene Sieg Preußens mit Misstrauen betrachtet.«
LeMO. Lebendiges Museum Online
..........................................................
Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 ist der dritte der Deutschen Einigungskriege. Er war eine militärische Auseinandersetzung zwischen Frankreich einerseits und dem Norddeutschen Bund unter der Führung Preußens sowie den mit ihm verbündeten süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden und Hessen-Darmstadt andererseits.
Auslöser war der Streit zwischen Frankreich und Preußen um die Frage der spanischen Thronkandidatur eines Hohenzollernprinzen. Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck ließ die Emser Depesche, mit der er darüber informiert worden war, dass König Wilhelm I. die französischen Forderungen abgelehnt hatte, in provokant verkürzter Form veröffentlichen. Dies erregte auf beiden Seiten nationalistische Empörung und veranlasste den französischen Kaiser Napoléon III. am 19. Juli 1870 zur Kriegserklärung an Preußen.
Von den großen Schlachten gingen im gesamten Kriegsverlauf alle für Frankreich verloren oder endeten im Patt. Im Februar 1871 fand sich die französische Regierung, nach dem Fall von Paris, zum Vorfrieden von Versailles bereit.
Noch während Paris von deutschen Truppen belagert wurde, proklamierten die deutschen Fürsten und Vertreter der Freien Städte am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal des Versailler Schlosses den preußischen König Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser, eine Demütigung für die Franzosen. Hohe Reparationszahlungen und vor allem der Verlust Elsaß-Lothringens erzeugte einen dauerhaften, gegen Deutschland gerichteten Revanchismus. In Deutschland wiederum verfestigte sich die Vorstellung von der so genannten Erbfeindschaft gegenüber Frankreich.

Die Kaiserproklamation in Versailles, Wandgemälde von Anton von Werner für die Ruhmeshalle Berlin. 1944 wurde es nach einem Bombentreffer zerstört.
»Die Deutung der Kaiserproklamation vom 18. Januar 1871 im Versailler Spiegelsaal als Demütigung Frankreichs gehörte ebenso zum erinnerungspolitischen Konzept des im Kaiserreich vereinten Deutschland wie die alljährliche Zeremonie des Sedantages, an dem der entscheidende Sieg vom 2. September 1870 gefeiert wurde. Doch jede Demütigung zieht die nächste nach sich, und so muss es kaum verwundern, dass Frankreich im Sommer 1919 nach Beendigung des Ersten Weltkrieges seinen Sieg über Deutschland ausgerechnet im Spiegelsaal von Versailles auskostete. Es gehört sicherlich zu den grössten Verdiensten Charles de Gaulles, dass er nach 1945 kein «drittes Versailles» folgen liess, sondern mit dem Elysée-Vertrag vom 22. Januar 1963 die Kette gegenseitiger Demütigungen durchbrach.«
• Der Historiker Clemens Klünemann in Neue Zürcher Zeitung, 9.1.21
Mehr auf www.bpb.de, Bundeszentrale für politische Bildung
...................................................................................................
Das Nationaldenkmal
Die Altenwerder Widmung:
Den Gefallenen zum Gedächtnis,
Den Lebenden zur Anerkennung,
Den künftigen Geschlechtern zur Nacheiferung.
kopiert die Inschrift am Nationaldenkmal für die Befreiungskriege 1813-1815 auf dem Kreuzberg in Berlin.
Auf der höchsten Stelle der Erhebung legte König Friedrich Wilhelm III. am 19. September 1818 den Grundstein des deutschen Nationaldenkmals für die Siege in den Befreiungskriegen. Das Denkmal war 1818-1821 von Karl Friedrich Schinkel geschaffen worden.
Foto: Wikimedia Commons / Jörg Zägel, Lizenz 3.0
Die Einweihung des Denkmals erfolgte am 30. März 1821, dem Jahrestag der Erstürmung des Montmartre. Die Widmungsinschrift verfasste im Auftrag des Königs der Altphilologe August Boeckh:
»Der König dem Volke,
das auf seinen Ruf hochherzig
Gut und Blut dem Vaterlande darbrachte.
Den Gefallenen zum Gedächtniß,
den Lebenden zur Anerkennung,
den künftigen Geschlechtern zur Nacheiferung.«
Die Befreiungskriege bei Wikipedia
...................................................................................................
DER BIBELSPRUCH
Er wurde häufig verwendet, wobei die »Freunde« synonym zum »deutschen Volk« beziehungsweise zu den Kameraden gemeint waren. Der Glaube und die Liebe zu Gott verschmolzen mit dem Glauben an das deutsche »Vaterland«.
Die Sinnsprüche auf Kriegerdenkmälern sind selten Mahnungen zum Frieden. Mit diesem Bibelspruch jedoch »Niemand hat größere Liebe, denn die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde« soldatisches Tun zu loben und als guten Grund für den gewaltsamen Kriegstod zu nennen, ist perfide.
Nach Hartmut Häger erfährt der Kriegstod mit diesem Zitat eine verfehlte Sinngebung, »die ihn in den Rang eines Erlösungsopfers erhebt, die ihn als größtmöglichen Liebesbeweis wertet und als bewusste Entscheidung, als bereitwillige Hingabe für seine Freunde« darstellt. (Häger Kriegstotengedenken in Hildesheim, 2006, S.148)
Einordnung der Ev.-luth. Landeskirche Hannover von Bibelsprüchen auf Kriegsdenkmälern
»Besonders durch die Niederlage im 1. Weltkrieg wurden vermehrt christliche Motive und Sprüche gesucht, um dem Soldatentod eine nachträgliche Deutung zu geben. Typisch war, Sprüche zu suchen, die sowohl eine christliche als auch eine profane Deutung zuließen.
Fast jedes Kriegerdenkmal war dafür gebaut und verfolgte den Sinn, den Militarismus zumindest indirekt zu stützen und zu fördern. Schon deshalb ist es höchst problematisch, auf diese Gedenkorte Worte des ›Friedefürsten‹ Jesus zu setzen. [...]
›Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde‹ (Joh 15,13). Dieser Satz folgt unmittelbar auf das Liebesgebot und steht in dem großen Zusammenhang der Abschiedsreden Jesu. Damit ist zunächst deutlich, dass es um die Lebenshingabe Jesu geht. [...]
Das Liebesgebot, das immer die Feindesliebe einschließt, in einen unmittelbaren Zusammenhang mit dem Tod eines Soldaten zu setzen, der immer Täter und Opfer zugleich ist, halte ich für unangemessen. Auch ein zumindest indirektes in Beziehung setzen von Soldatentod zum Kreuzestod Christi, ist nicht akzeptabel.«
Mehr auf der Website »Evangelische Friedensarbeit«
....................................................................................................
Ein Dorf verschwindet
1978 wurden 180 Gebäude aberissen – die Hälfte der Altenwerder Häuser – für ein neues Containerterminal, das 1985 eröffnet werden sollte. 1989 gab es noch 11 genutzte Gebäude. 1997 beginnen die Elbschlickaufspülungen und Altenwerder wird endgültig zerstört. 1998 verlassen die letzten Bewohner das Dorf. Nur die Kirche und der Friedhof bleiben unversehrt, aber der Hafen und hafenbezogene Lagerhallen und andere Gebäude sind immer näher gerückt. Man kommt nur über sehr verschlungene Wege zur Kirche. Die verstreute Gemeinde versucht mit Konzerten, einer Obstwiese, auf der Hochzeitspaare, die in der Altenwerder Kirche getraut werden, einen Baum pflanzen können (siehe Foto unten) und anderen Aktionen das Leben um die St. Gertrud-Kirche herum aufrecht zu erhalten.

Einige Jahre konnten die Autofahrer auf der Autobahn A7 noch den Kirchturm als Mahnmal inmitten des Spülfelds erkennen.

Ab 2015 dominieren die Hafengebäude die Szene, riesige Asphaltflächen haben die Landschaft Altenwerders zerstört.

Eine romantische Adresse erinnert an vergangene Zeiten.
...................................................................................................
Die Geschichte Altenwerders
Das Dorf Altenwerder, an der Süderelbe gelegen, wurde bereits Ende des 14. Jahrhunderts erwähnt. Die meisten Bewohner lebten über die Jahrhunderte vom Fischfang und der Landwirtschaft. Später kamen Gewerke dazu, die mit Schiffbau und Hafenwirtschaft zu tun hatten.
Zu Beginn des letzten Jahrhunderts hatte der Hamburger Senat Pläne, den Hafen im Süderelberaum zu erweitern. Allerdings war dieses Gebiet um die alte Hamburger Exklave Moorburg herum preußisch.
Nach dem 1. Weltkrieg erfolgte der Hafenausbau zunächst nur auf Waltershof, nördlich von Altenwerder. 1929 wurden das Marschland und Neuenfelde zum Hafenerweiterungsgebiet erklärt. Die Nationalsozialisten sorgten dann mit dem Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 für die Einverleibung der Nachbarstädte Altona, Harburg-Wilhelmsburg und zahlreicher umliegender Dörfer, darunter auch Altenwerder.
In den 50er-Jahren hatte Altenwerder ca. 2500 Einwohner. Als 1961 das Hafenerweiterungsgesetz beschlossen wurde, nahm in Altenwerder kaum jemand die Bedrohung, Haus und Hof zu verlieren, ernst.
Die Stadt Hamburg hat sich jedoch bereits im Vorwege den Zugriff auf die privaten Grundstücke gesichert. Grundstücke durften jetzt nicht wesentlich verändert und nicht mehr bebaut werden. Häuser durften nur an die Stadt Hamburg verkauft werden.
1973 beschlossen der Hamburger Senat und die Bürgerschaft einstimmig die Räumung des Dorfes, um 1985 ein neues Containerterminal zu eröffnen. Bis zum Ende der 70er-Jahre hatten schon mehr als 200 Bewohner das Dorf verlassen. Die Häuser wurde von der Stadt nach ihrem Auszug sofort abgerissen. Bis 1989 waren nur noch 11 genutzte Gebäude übriggeblieben. 1982 wurde das Ende von Altenwerder durch das 2. Hafenerweiterungsgesetz endgültig beschlossen. 1998 verliessen die letzten Bewohner Altenwerder.

Altenwerder von der alten Süderelbe gesehen, ca. 1960.

Nach den Plänen der Wirtschaftsbehörde soll auch das Nachbardorf Moorburg verschwinden.
Das Foto, die Grafik und Teile des Textes haben wir der Seite »Rettet die Elbe« entnommen. Vielen Dank dafür.
Lesen Sie mehr auf:
www.rettet-die-elbe.de
...................................................................................................
<<< schließen