veränderung

Kritik der Kriegsverklärung


I N H A L T

08  Beleuchtete Stelen
07 
Dekonstruktion des »Heldengedenkplatzes«
06 
»Geschichtsbild geradegerückt«
05 
Denkmal bei der St. Johanniskirche in Hamburg-Altona
04  Kirche contra Kriegserklärung
03  Kaltenkirchen: Das Nagelbild in der Michaeliskirche wird kommentiert
02  Den Aussagen der Kriegerdenkmäler etwas entgegensetzen
01  Flensburger Denkmalstreit

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08 Beleuchtete Stelen

Am Volkstrauertag 2018, 100 Jahre nach Ende des 1. Weltkriegs, wurde in Longuich / Rheinland-Pfalz die Erweiterung des »Kriegerehrenmals« eingeweiht.

Longuich web
Foto: Jelaine Schacht


An allen Tagen des Jahres sind nun die vier Wörter auf den Stelen vor dem Denkmal zu lesen:

ES
PASSIERT
JETZT
AUCH


Longuich Detail web


Durch eine besondere Lichttechnik leuchten die Stelen im Dunklen.


Die Inschriften zu den toten Soldaten beider Weltkriege auf dem steinernen Denkmal dahinter lauten:

»Wanderer der du vorüber gehst gedenke derer die starben für ihr Vaterland getreu ihrer Pflicht«

»1914 - 1918 / Sie opferten Zukunft und Jugendglück / Sie kehrten nie wieder zur Heimat zurück / Für uns!«

»1939 - 1945 / Sie gaben ihr alles, ihr Leben, ihr Blut / Sie gaben es hin mit heiligem Mut / Für uns!«


Seit 2011 hatte sich der Gemeinderat mit der Idee befasst, diese Botschaften zu kommentieren und das »Ehrenmal« zu erweitern. Beim Ideenwettbewerb an der Hochschule Trier für Kommunikationsdesign entstand der prämierte Entwurf, der dann umgesetzt wurde.

Die Zeitung »Volksfreund« schreibt über die Einweihungsrede von Bürgermeisterin Kathrin Schlöder: »Schlöder appellierte, nicht darin nachzulassen, ›das Recht auf Frieden und Freiheit für uns und für andere‹ einzufordern. Der Volkstrauertag sei nicht nur ein Tag des Gedenkens und ›des Engagements für ein gelingendes Miteinander in Europa und der Welt‹. Er sei auch ein Tag kritischer Reflektion – ›und damit der Immunisierung gegen billige Parolen, die Menschen anderer Herkunft, Religion oder Hautfarbe abwerten‹. Dauerhafter Friede brauche Offenheit und Beharrlichkeit. Denn ›das Mahnen für die Gegenwart und Zukunft‹ wachse aus der Erinnerung.«

Die Erweiterung des »Ehrenmals« hat etwa 15.000 Euro gekostet.

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07 Dekonstruktion des »Heldengedenkplatzes«

Die Installation auf der früheren Ehrenmalsanlagein Lübeck-Schlutup, in der Form wie wir sie heute sehen, wurde am 22. November 2009 mit einem ökumenischen Gottesdienst eingeweiht. Die seinerzeit dort tätige Pastorin Dr. Christina Kayales hatte damals ihre Idee mit dem Lübecker Bildhauer Claus Görtz umgesetzt.

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Die seit dem 2. Weltkrieg bestehende Form der Ehrenmalsanlage, der am Rand wie Gräber liegenden Namenssteine der im Krieg getöteten Schlutuper Soldaten und des »Heldengedenkplatzes« wurde weiterentwickelt, ohne die Namenstafeln verschwinden zu lassen.

SH Schlutup Denkmal web2

Dazu wurden die Namenstafeln der Toten, zumeist junge Männer zwischen 17-24 Jahre, das Chaos des Krieges symbolisierend kreuz und quer zu Füßen einer verzweifelten Frau / Mutter aufgetürmt.

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Ihr schmerzverzerrtes, verzweifeltes Gesicht verdeutlicht das Leid von Krieg. Pastorin Kayales beschreibt, wie wichtig es für die Schlutuper war, dass die Umgestaltung würdevoll ist und die toten Soldaten nicht entehrt werden. Den Schmerz einer Mutter, die Verzweiflung einer Witwe konnte jeder nachvollziehen. Ebenso die gewisse »Unordentlichkeit« der Namenstafeln, die das Chaos des Krieges symbolisieren. Die Schlutuper waren 2009 stolz auf ihre neue, zeitgemäße Interpretation des Kriegsgedenken.

Lesen Sie hier unsere komplette Dokumentation


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06 »Geschichtsbild geradegerückt«

An der Weggabelung Wulfsdorfer Weg / Am Scharberg steht in Wulfsdorf, einem Stadtteil von Ahrensburg, das Denkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkrieges. Je ein Seitenflügel für die getöteten Soldaten des 2. Weltkrieges wurde dem ursprünglichen Denkmal 1949 angefügt.

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Auf dem linken Flügel des Denkmals steht auf einer eingelassenen Bronzetafel:

Den Beschützern der Heimat von 1939 – 1945 aus Dankbarkeit

Immer wieder kam Wulf Hilbert auf seinen Spaziergängen bei dem Denkmal vorbei, bis er 2017 seine Verärgerung nicht mehr tatenlos aushalten wollte. Zusammen mit den Mitgliedern des »Runden Tisch Ahrensburg« erreichte er eine zeitgemäße Ergänzung: »Gern hätte ich mir vor Ort eine direktere und ausführlichere Stellungnahme zur Bronzetafel gewünscht, aber der Kompromiss, den offiziellen Stellen der Stadt Ahrensburg nach 2 Jahren (!) abgerungen, ist besser als nichts. Nun ist übrigens zu beobachten, dass Spaziergänger wirklich stehen bleiben und sich Gedanken zu beiden Aussagen machen. Erfreulich.«

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Am Fuß des Denkmals wurden 2019 diese beiden Tafeln aufgestellt.

SH Wulfsdorf 2019 Tafeln web

 

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Fotos: Wulf Hilbert


In einem Gastbeitrag im Heimat-Echo schrieb Wulf Hilbert:

»Den Beschützern der Heimat von 1939 – 1945 aus Dankbarkeit« steht auf einem in Bronze gegossenen Schild am Kriegerdenkmal Wulfsdorfer Weg / Am Scharberg, unweit der U-Bahnunterführung. 16 Wulfsdorfer Soldaten fielen in den Kriegsjahren; ihrer wird gedacht neben den Toten aus dem Ersten Weltkrieg. Dass jene 16, freiwillig oder verpflichtet, alles andere als die Heimat beschützten, als sie ihr Leben verloren, hätte man 1949 schon wissen können. In dem Jahr wurde die Tafel angebracht. Während der jährlichen Kranzniederlegungen zum Volkstrauertag blieb die geschichtsverdrehende Aussage öffentlich bis heute unkommentiert.

Doch nach einer Privatinitiative stellt seit wenigen Wochen eine Tafel mit weißer Schrift auf blauem Grund wenigstens eines richtig. Die Gedenkstätte ist nun allen Toten, nämlich den Opfern der Kriege, Diktaturen und Gewaltherrschaft gewidmet, und Bundespräsident a. D. Norbert Lammert wird zitiert: »Am 8. Mai war ein Weltkrieg [in Europa] zu Ende, der von Deutschland, einer deutschen Regierung begonnen und betrieben wurde und mehr als 50 Millionen Menschenleben gekostet hat, darunter auch etwa 8 Millionen Deutsche« (2015).

Heimat-Echo Nr. 37, Seite 2, 11.9.2019

Dokumentation des Denkmals in Wulfsdorf


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05 denkmal bei der St. Johanniskirche in Hamburg-Altona

Schon vor zwei Jahrzehnten entschied die St. Johannisgemeinde in Hamburg-Altona, »ihr« Kriegerdenkmal so umzugestalten, dass es nie wieder als Propaganda für Heldentum und Kriegsverherrlichung genutzt werden konnte. 

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Damals war er Pastor an der St. Johanniskirche: Ulrich Hentschel spricht bei einer der ersten Aktionen zur Umgestaltung

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Einweihung des Gegendenkmals von Rainer Tiedje am 5. Mai 1996. Beide Fotos sind von Günter Zint, www.panfoto.de

Eine kleine Broschüre informiert über die Gründe der Gemeinde, über die starke öffentliche Resonanz mit Pro- und Contra-Stimmen und die ersten Schritte zur Veränderung. Was nicht mehr dokumentiert ist: Der am Ende vorstellte Entwurf wurde bald danach realisiert und fand seitdem viel Zustimmung.

Broschüre


Ein Foto von Denkmal und Gegendenkmal können sie auf der ersten Seite dieser Website ansehen.

Lesen Sie hier unsere komplette Dokumentation


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04 Kirche contra Kriegsverklärung

Der schwierige Umgang mit Soldatendenkmälern von Kirsten Westhuis, eine Sendung des Deutschlandradio Kultur 2012.

Deutschnationale Heldenverehrung, Militarismus und Revanchismus: Tausende Kriegerdenkmäler erinnern hierzulande an tote Soldaten  aus heutiger Sicht häufig auf problematische Weise. Die Kirchen suchen nun nach einem zeitgemäßen Umgang mit den Gedenkstätten.

O-Ton Hentschel: Dieses Denkmal ist eine Säule, wo an drei Seiten Kriegerfiguren abgebildet sind, mächtige Männer mit gesenktem Schwert, mit einem Schild. Die Männer sind überlebensgroß, ich schätze fast an die drei Meter, also es sind typische Heroen, Heldengestalten.

Veraenderung HH Johannis web


Ulrich Hentschel tritt vorsichtig über die mit Hundekot übersäte Grünfläche neben der Kirche, auf der das Denkmal aus dem Oktober 1925 steht. Der 62jährige Theologe war lange Jahre Pastor der evangelischen Johanniskirche im Hamburger Bezirk Altona. Jetzt ist er Studienleiter für Erinnerungskultur an der Evangelischen Akademie der Nordkirche. In den 20er Jahren war die Fläche neben der Kirche ein öffentlicher Raum und so wurde das Denkmal direkt neben dem Gotteshaus errichtet. Die Inschriften auf dem Podest zu den Füßen der Kriegerfiguren sind mit Farbe besprüht, einzelne Keramikbuchstaben sind herausgebrochen:
 
O-Ton Hentschel: »Zur Erinnerung, kommenden Geschlechtern zur Ermahnung und zur Nacheiferung.« Also alles ist drin enthalten, nicht nur die Erinnerung und eben nicht die Mahnung zum Frieden, die man ja unter Umständen hätte erwarten können, sondern es wird die Mahnung  verstanden: »wir wollen wieder in den Krieg ziehen«, mit der Aufforderung zur Nacheiferung.
    
Die räumliche Nähe zur Kirche verleihe dem Tod der Soldaten eine höhere Weihe, sagt Hentschel. Dieses Denkmal aus den 20er Jahren mit seiner monumentalen und heroisierenden Ästhetik ist auch heute noch wichtig, sagt der Theologe. Denn es erinnere nicht nur an den ersten Weltkrieg, sondern auch an die Zwischenzeit, in der der Zweite Weltkrieg vorbereitet wurde. ...

D-Radio Kultur/2012

 

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G20-Gipfeltreffen in Hamburg 2017:
Die Wiese rund um das Kriegerdenkmal so schön wie nie zuvor. Eine Protestgruppe aus dem Wendland hat mit vielen Sympathisanten für einige Tage eine solidarische und gastfreundliche Gemeinde gefunden. Viele kleine Zelte  und große Zeltdächer in allen Regenbogenfarben geben Ruhe und Herberge. Und andere Gemeinden machen es ähnlich. Gelebte Solidarität und Liberalität.


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03 Kaltenkirchen: Das Nagelbild in der Michaeliskirche wird kommentiert

Nachdem der Kirchengemeinderat beschlossen hatte, die Bedeutung des Michaelsbildes als genageltes Kriegsdenkmal zu kommentieren, wurde im Rahmen des Gottesdienstes am Volkstrauertag 2017 eine Hinweistafel der Öffentlichkeit vorgestellt.


Kaltenkirchen Tafel Nagelbild web2


Der Text: Diese Darstellung des Erzengels Michael, des Namenspatrons unserer Kirche, ist eine Kriegsnagelung aus dem 1. Weltkrieg, begonnen im Jahre 1915. Die Menschen waren aufgefordert, einen Nagel für einen festgelegten Geldbetrag zu erwerben und ihn als Teil des Bildes in das Eichenholz zu schlagen. Alle Spender trugen sich darüber hinaus in ein »Eisernes Buch« ein, das heute im Kirchenkreisarchiv in Neumünster verwahrt wird. Hinter der Kriegsnagelung stand die Absicht, den gesammelten Erlös den Kriegsversehrten und Kriegshinterbliebenen zukommen zu lassen. Vor allem aber sollte der ideelle Rückhalt der kriegführenden Nation in der Bevölkerung gefestigt werden. Die Einnahmen sind in Wirklichkeit niemals ihrem Zweck zugeführt worden.

Der apokalyptische Drachenkämpfer Michael wird in der Bibel erwähnt in der Offenbarung des Johannes 12,7-9. In der Darstellung des Nagelbildes steht er für das Deutsche Kaiserreich im Kampf gegen seine Feinde. Damit hat sich die Kirchengemeinde Kaltenkirchen damals in den Dienst der Kriegspropaganda gestellt. Umso mehr mag das Bildnis heute daran gemahnen, wie sehr es darauf ankommt, die völkerverbindende Friedensbotschaft des Evangeliums freizulegen und sie vor ideologischer Überlagerung und Vereinnahmung zu bewahren.

Die Geschichte des Kaltenkirchener Nagelbildes wird ausführlich dargestellt von Gerhard Braas, in: Zeitschrift für Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte, Bd. 4 (2018).


Artikel in der Segeberger Zeitung vom 20.11.2017

»Mit Gott für Deutschlend«: Kriegsnagelungen des St. Michael


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02 Den Aussagen der Kriegerdenkmäler etwas entgegensetzen

Gegendenkmäler in Hamburg hat Kerstin Klingel in ihrem Buch:
»Eichenkranz und Dornenkrone« (Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, 2006) dokumentiert.

Gegendenkmäler


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01 Flensburger Denkmalstreit

Im Frühjahr 1967 forderten die Pastoren von St.Marien, der ehemaligen Garnisons- und ältesten Stadtkirche Flensburgs, die Entfernung des Kriegerdenkmals in der Kirche. Sie stellten damit das nationalprotestantische Verständnis der lutherischen Kirchen in Frage und die Landeskirche vor eine Zerreißprobe. Die knappe Mehrheit der Pastorenschaft und der Propst standen auf ihrer Seite. Traditionsverbände und Bundeswehr, vertreten durch den Prinzen zu Schleswig-Holstein und die Admiralität der Bundesmarine hielten dagegen.

Auch »Der Spiegel« verfolgte die Kontroverse um das Kriegerdenkmal in der St.Marienkirche. Hier können Sie den Artikel lesen:

www.spiegel.de/spiegel/print


Am 14. März 1967 gab dpa folgende Pressemitteilung heraus:

»Der Verstand der evangelischen St.-Johannis-Gemeinde in Flensburg hat beschlossen, aus grundsätzlichen und architektonischen Gründen das an der Außenwand der Kirche angebrachte Krieger-Denkmal entfernen zu lassen.
Das Denkmal besteht aus vier Steinen mit den Namen gefallener Soldaten aus dem ersten Weltkrieg. Nach Ansicht des Kirchenvorstandes gehört der Geist, aus dem heraus dieses Denkmal 1922 errichtet wurde, einer überholten Zeit an. Damals sei die evangelische Kirche eine eifrige Dienerin staatlicher Interessen gewesen. Von den Zeugnissen dieses Geistes habe sich die christliche Gemeinde heute entschlossen zu trennen.
Auch in anderen Kirchen Flensburgs wird mit ähnlichen Schritten gerechnet, nachdem die Pastoren der St.-Marien-Gemeinde die Entfernung eines in der Kirche befindlichen Kriegerdenkmales bereits vor 14 Tagen angekündigt hatten.«

Flensburg Denkmalstreit SternMack1967 web
© stern/Mack

Das letzte Bild mit dem Krieger: die drei Pastoren von St. Marien, von links nach rechts: Gerhard Jastram, Dr. Oswald Krause und Wolfgang Friedrichs

Der damalige Bundesjustizminister Gustav Heinemann freute sich drei Jahre vor seiner Wahl zum Bundespräsidenten über die drei Flensburger Pastorenen und schickte ihnen ein Glückwunschschreiben, in dem er sie ermunterte, fest zu bleiben. Er zeigte so erneut seine demonstrativ strikte Haltung gegen das Militär.


Stephan Linck dokumentiert in seinem Buch »Als im Kirchenamt ›die Hölle los‹ war: Wolfgang Grell – ein Pastorenleben zwischen Rotariern und RAF« die Vorgänge in Flensburg auf den Seiten 20-26.

Stephan Linck, S. 20-26


In Stephan Lincks 2. Band »Neue Anfänge? – Der Umgang der Evangelischen Kirche mit der NS-Vergangenheit und ihr Verhältnis zum Judentum 1965 - 1985« wird der Flensburger Denkmalstreit ausführlich dargestellt. Für 24,90 Euro zu bestellen bei:

www.glaubenssachen.de


Ausserdem erschien zum 50. Jahrestag des Flensburger Kirchenstreits 1967 das Buch »Bruchlinien« von Stephan Linck, herausgegeben von Broder Schwensen, Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte e.V., Band 83. Für 19,90 Euro zu bestellen bei:

www.stadtgeschichte-flensburg.de


Auch Stefan Brömel, Lehrbeauftragter der Universität Flensburg, hat in seiner Schrift »Die Apo in der Provinz« dem Theologieverständnis der Flensburger Pastoren und ihrem Einfluss auf die politische Stimmung in dieser spannenden Zeit einige Seiten gewidmet.

Stefan Brömel


Im 28. Januar 2017 – zum 50. Jahrestag des Flensburger Denkmalstreits – veranstaltete Dr. Stephan Linck, Studienleiter der Evangelischen Akademie der Nordkirche, einen Workshop in der Akademie Sankelmark: »Tradition und Häresie. Zum Umgang mit Heldenverehrung in und um Kirchen«. Er fand im Beiprogramm der Wanderausstellung »Neue Anfänge nach 1945?« in St. Marien, Flensburg statt.

Flyer »Tradition und Häresie«

Ausstellungstation St. Marien, Flensburg mit den Beiträgen des Workshops

Sehen Sie hier den Film zur Veranstaltung am 27. Januar 2017 mit Pastor em. Dr. Gerhard Jastram


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initiativen

Es tut sich was im Lande


I N H A L T

17  AKTUELL: Baustelle in Kalkar
16 
AKTUELL:
Zur Diskussion um die Bornplatzsynagoge
15
  Ratekau: Wahlpflichtkurs »Denk mal« der Cesar-Klein-Schule
14  Heide: »Gefallenendenkmäler – zeitgemäß oder veraltet?«
13  HH-Bramfeld:
Der Wettbewerb zur Umgestaltung ist entschieden
12  Eutin: Das Soldatendenkmal der Voß-Schule
11
  Pinneberg: Das Nazi-Denkmal am Bahnhof
10  HH-Wilhelmsburg: DENKmal-Prozess an der Emmauskirche
09  Verhöhnen der Opfer durch Gedenken der Täter?
08  2014: Weiße Wäsche – Kunstaktion ›Denk Mal!
07  AKTUELL:
München: DEUTSCHLANDS …. UN.. EHRE
06  Kriegerdenkmal-Appell der ›gefallenen‹ deutschen Soldaten
05  Tätige Kritik am Ohlsdorfer Gedenkritual
04  Materialsammlung der EKD, 2014
03  »Damals nicht, jetzt nicht, niemals!«
02  Mainz: Nein zur Instrumentalisierung des Gedenkens
01  Pax Christi: »Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens«

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17 Baustelle in Kalkar

Am 27. März 2021 erhielten wir die Nachricht, dass am Kriegerdenkmal in Kalkar der bevorstehende Abriss angekündigt wird. ;-)

Initiativen Kalkar 2021 web

Die Dokumentation


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Stephan Linck zur Diskussion um die Bornplatzsynagoge

16 Welchen Wert hat ein Denkmal, welches Recht hat ein Gedenkort und was ist die Antwort auf Antisemitismus?

In Hamburg ist ein Streit entbrannt um den Neubau einer Synagoge. Die Jüdische Gemeinde Hamburg, in der etwa die Hälfte der in Hamburg lebenden Jüdinnen und Juden Mitglied sind, hat eine Initiative gestartet und den Wiederaufbau der von den Nationalsozialisten zerstörten großen Synagoge am Bornplatz im Grindelviertel vorgeschlagen. Daraus wurde die Kampagne »Nein zu Antisemitismus – Ja zur Bornplatzsynagoge«, die inzwischen von ca. 107.000 Menschen unterstützt wird.

Die neue Bornplatzsynagoge soll nach dem Wunsch der jüdischen Gemeinde äußerlich eine Rekonstruktion der Synagoge genau an ihrem einstigen Standort werden. Dieser heißt inzwischen nach dem letzten Rabbiner der Synagoge Joseph-Carlebach-Platz. Seit 1988 befindet sich dort ein Kunstwerk – ein Relief, das auf dem Boden den Grundriss der einstigen Synagoge nachzeichnet. Es ist ein Gedenkort, der an den NS-Terror gegen die jüdische Minderheit in Hamburg erinnert.


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• Grundriss der Synagoge auf dem Joseph-Carlebach-Platz. Foto: Ajepbah/Wikipedia

Die Forderung nach Sichtbarmachen jüdischen Lebens in Deutschland ist sehr begrüßenswert. Dass hierfür eine klare Unterstützung von Staat, Gesellschaft und auch Kirche kommt, ist ein gutes Signal. Von Seiten der Erinnerungskultur, die das Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus ins Zentrum stellt, ist die Initiative wiederum kritisch zu sehen und es muss gefragt werden, ob die anvisierte Rekonstruktion am historischen Ort der einstigen Synagoge nicht kontraproduktiv ist.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war es üblich, die Zerstörungen des Krieges durch Überbauen unsichtbar zu machen. Vielfach wurden die Reste von Gebäuden abgerissen, um die Topographie von Innenstädten neu zu gestalten. Manchmal wurden Kirchenruinen stehen gelassen und als Mahnmale konzipiert, so die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin, die Frauenkirche in Dresden und die Hauptkirche St. Nikolai in Hamburg. Gemeinsam ist ihnen, dass hier die Erinnerung an die Bombenzerstörung des Krieges im Zentrum steht.

Nach 1990 wurde beschlossen, das Mahnmal der Frauenkirche in Dresden durch eine originalgetreue Rekonstruktion zu ersetzen. So wurde im Zentrum des weitgehend neu gebauten Dresden die alte Residenzstadt wiederhergestellt. Ähnliches fand auch in Potsdam statt: Mit der Rekonstruktion des Schlosses und inzwischen auch des Turms der Garnisonkirche wird Zerstörung unsichtbar gemacht (wobei der Wiederaufbau der Garnisonkirche hochgradig umstritten ist, da sie durch den »Tag von Potsdam« assoziativ mit dem Beginn der NS-Herrschaft verbunden ist). Das Anknüpfen an die alte Pracht der Residenzstädte scheint jedoch vorrangig touristischem Interesse geschuldet zu sein.

In Berlin wiederum wurde das Stadtschloss der Hohenzollern im Bombenkrieg zerstört, die Ruine 1950 gesprengt und am selben Ort der Palast der Republik errichtet – eine Überbauung mit hohem Symbolcharakter. Nach 1990 wurde wiederum der Palast der Republik als Symbol der SED-Herrschaft abgerissen und durch eine Replik des alten Hohenzollernschlosses ersetzt. Die Rekonstruktion wurde so originalgetreu realisiert, dass selbst ein Kreuz wieder den Bau krönt als Symbol der christlichen Herrschaft der Hohenzollern bzw. der Behauptung, diese sei gottgewollt.

In Hamburg hat es eine derart symbolisch aufgeladene Rekonstruktion bisher nicht gegeben. Streit gab es die letzten Jahre um die Stadthausbrücke, den im Zweiten Weltkrieg teilzerstörten Gebäudekomplex der einstigen Polizeizentrale – in dem nach 1933 der Terror des NS-Staates in der Region organisiert wurde. Nach dem Verkauf an ein Immobilienunternehmen wurde bzw. wird der Glanz des einstigen Polizeipräsidiums wiederhergestellt. Der Terror, der an diesem Ort stattfand und der von diesem Ort ausging, ist kaum sichtbar in einer kleinen Ausstellung in einer Buchhandlung präsentiert. Auf dem Gehweg davor soll ein Kunstwerk jenes Grauen andeuten, das vom Gebäude entfernt wurde. Bei dem Gebäudekomplex an der Stadthausbrücke handelte es sich weitgehend aber nur um eine Restaurierung erhaltener Bausubstanz.

Anders steht es nun am Ort des Gedenkens an die Bornplatzsynagoge am Joseph-Carlebach-Platz. Dieser Gedenkort, dessen Idee eine Leerstelle ist, die durch ein Kunstwerk sichtbar gemacht wurde, ist auf die Lücke, das Fehlen von etwas, angewiesen. Eine Rekonstruktion der Synagoge macht ihre vorherige Zerstörung unsichtbar. Der Nationalsozialismus ist unwiederbringlich eine Zäsur im Jüdischen Leben Deutschlands. Die Erinnerung an die Barbarei verbot dort bisher einen Neubau – zumindest gab es keinerlei Initiativen in diese Richtung. Die nach 1945 neu gegründete Jüdische Gemeinde hat in Hamburg an anderem Ort eine – kleinere – Synagoge errichtet.

Nun will die Jüdische Gemeinde an dem Gedenkort eine neue Synagoge errichten, die der alten gleichen soll als Symbol des neuen jüdischen Selbstbewusstseins. Daniel Scheffer, der Initiator der Kampagne sagt: »Das, was die Nazis unsichtbar gemacht haben, wird hier wieder sichtbar.« Aleyda Assmann, Empfängerin des Friedenspreises des deutschen Buchhandels, nennt dieses Ziel der Initiative eine »Wiederherstellung der Vergangenheit unter Auslöschung der Auslöschung«. Mit dem Wiederaufbau der Synagoge wird der Gedenkort beseitigt, der mit der Lücke, dem Fehlen von etwas, an die Zerstörung erinnert.

An diesem Punkt setzt eine kritische Stellungnahme ein, initiiert von den Historikerinnen Miriam Rürup und Ursula Büttner, die sich für den Erhalt des Gedenkortes einsetzt und eine Diskussion einfordert. [1]

Der emeritierte Geschichtsprofessor an der Hebräischen Universität in Jerusalem Moshe Zimmermann weist ausdrücklich darauf hin, dass die Gestaltung des Gedenkortes und die Benennung zum Josef-Carlebach-Platz 1988 auf Initiative ehemaliger jüdischer Hamburger zustande kam. Er nennt das Vorhaben, diesen Gedenkort durch einen Neubau zu beseitigen, »pietätlos«.

Die Holocaust-Überlebenden Peggy Parnass und Esther Bejerano kritisieren ebenfalls das Vorhaben und wünschen den Erhalt des Joseph-Carlebach-Platzes, ergänzt durch »eine kuschelige kleine Synagoge« (Peggy Parnass) oder »ein Haus der Begegnung für alle Menschen! Ein Haus, in dem über die Ursachen von Antisemitismus, über Lebensbedingungen heute, über Solidarität und Gerechtigkeit, über Umwelt und Bildung diskutiert wird.« [2]

Die schärfste Kritik kommt von Erika Estis, geb. Freundlich, die als Kind die alte Synagoge besucht hat. Sie schreibt: »Die Zerstörung der gesamten Gedenkstätte, die an frühere Zeiten erinnert, ist für uns, deren Familien dort gelebt und gebetet haben, und dann ausgelöscht wurden, herzzerreißend. Schon der Gedanke, dass dieses Vorgehen angemessen sein könnte, ist vollkommen unmöglich, beschämend und schändlich.« [3]

Hier begegnen sich zwei gegensätzliche Interpretationen zum Umgang mit der Vergangenheit. Die Initiative für den Neubau startete ihre Unterschriftenkampagne symbolträchtig am Jahrestag des Pogroms von 1938, dem 9. November 2020, und beendete sie am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, dem 27. Januar 2021. Die Jüdische Gemeinde verlangt die Gestaltungs- und Deutungshoheit über den Platz, die ihr wiederum von den letzten Hamburger Überlebenden der Shoah abgesprochen wird.

Vielleicht ist denkbar, die Leerstelle der alten Synagoge zu belassen und daneben eine neue zu bauen. Vielleicht ergibt sich aus der Machbarkeitsstudie, die nun in Auftrag gegeben wird, ein für beide Seiten gangbarer Weg. [4]

Die Debatte hat aber jetzt schon erreicht, dass über die erinnerungskulturelle Sinnstiftung von Leerstellen diskutiert wird und darüber, wie Antisemitismus heute zu bekämpfen ist. Dabei stellt bisher niemand das Recht der Jüdischen Gemeinde in Frage, sichtbar in der Stadt präsent zu sein. Und das ist ein starkes Signal.

»Wem gehört die Jüdische Geschichte?« Interview mit Hanna Lehming

NEU: Protest aus Israel (englisch) mit Unterschriftenliste
NEU: Protest aus Israel (deutsche Übersetzung)


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15 Ratekau: Wahlpflichtkurs »Denk mal« der Cesar-Klein-Schule

Am 25. September 2020 erreichte uns die Nachricht, dass es mittlerweile einen Wahlpflichtkurs mit 10 Schüler*innen des 10. Jahrgangs der Cesar-Klein-Schule gibt, die mit ihrem Lehrer Günter Knebel an einer zeitgemäßen Kommentierung der Kriegerdenkmäler in der Gemeinde Ratekau arbeiten. Hier ein kleiner Einblick in die Situation vor Ort:

SH Ratekau Eingang web

Eine der drei Denkmalsinszenierungen in Ratekau beginnt an den Eingangspfeilern zur Kirche.

SH Ratekau 1WK Tafel Heilig web


Die Inschrift auf dem linken Pfeiler lautet:
So selig ist kein Los
So heilig kein Gebot
Als sich für vieler Leben
Zu geben in den Tod
1914 – 1918

Unsere Dokumentation der Kriegerdenkmäler in Ratekau

 

In der Ausgabe zum Volkstrauertag am 15. November 2020 der Lübecker Nachrichten erschien ein fast ganzseitiger Artikel über den Wahlpflichtkurs »Denk mal« der Cesar-Klein-Schule. Redakteurin Sabine Latzel schreibt: »Wie umgehen mit dem Gedenken an die beiden Weltkriege? Diese Frage beschäftigt engagierte Menschen in Ratekau. Dabei stehen das Ehrengrab auf dem Ratekauer Friedhof und die Gedenkstätte am Aufgang zur Feldsteinkirche im Zentrum – und in der Kritik. Veränderungen regen die Beteiligten eines Schulprojekts an, Pastorin und Bürgermeister zeigen sich dem gegenüber aufgeschlossen.

›Passt das noch in die heutige Zeit, zu einem friedlichen Miteinander in der Welt ohne Rachegedanken?‹, fragt Günter Knebel, Lehrer für Geschichte und Wirtschaftspolitik an der Cesar-Klein-Schule in Ratekau.«

Ausführlich werden in dem Artikel Denkmäler und Ehrengrab beschrieben. Auch Schülerinnen, Lehrer Knebel, Bürgermeister Keller und Pastorin Dittmann kommen zu Wort.

Bericht Weltkriegsgedenken, Lübecker Nachrichten

Projekt Denkmal auf der Website der Schule


Im oben genannten Artikel der Lübecker Nachrichten regt Lehrer Günter Knebel auch eine »›zivile Würdigung aller Toten am Volkstrauertag‹ an und stellt den sonst üblichen uniformierten Marsch der Soldatenvereinigung ›Kyffhäuserbund‹ infrage. ›Die Bundeswehr bewegt sich schon‹, sagt er: ›Sie verzichtet auf die Präsentation von Sturmgewehren bei der Ehrenwache vor der Kirche und auf dem Friedhof.‹«

Anfang des Jahres 2021 präsentierten die SchülerInnen des Wahlpflichtkurses vor über 20 Vertretern der Gemeinde, Bürgermeister, Bürgervorsteherin und Pastorin Dittmann die Ergebnisse ihrer Arbeit – und erhielten viel Anerkennung. Der Bürgermeister hat vorgeschlagen, eine Art Denkmalausschuss zu gründen. Dort soll dann über ein gemeinsames Vorgehen beraten werden.

Günter Knebel und Pastorin Dittmann werden im Frühjahr zu einem Arbeitskreis mit Interessierten aus der Gemeinde einladen.


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14 Heide: »Gefallenendenkmale – zeitgemäß oder veraltet?«

Um sich dem zentralen Kriegerdenkmal Österweide in Heide inhaltlich zu nähern, begann das Schulprojekt des Werner-Heisenberg-Gymnasiums mit einer Umfrage in der Stadt. Es stellte sich heraus, dass nur einer von 55 Befragten (ein Lehrer) die mehrere 100 Quadratmeter große Denkmalanlage an der Österweide überhaupt kannte.

»Aus dem Unterricht in den öffentlichen Diskurs: Gedenkstätten stellen in der Regel eine Randerscheinung in unserer Gesellschaft dar, die lediglich an bestimmten Tagen aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt werden. Als Teil einer kollektiven Erinnerungskultur taugen sie jedoch nur, wenn sie in ihrer Bedeutung und Aussage den jungen Menschen heute noch etwas zu sagen haben und nicht – wie so oft – als Stätten des sogenannten dark tourism dienen sollen. [...] Auch in unserer Stadt sind im Umfeld eines Gefallenendenkmals leider erste Spuren rechtsradikalen Wirkens zu erkennen. SchülerInnen des 11. und 12. Jahrgangs am Werner-Heisenberg-Gymnasium in Heide störte das und sie wollten darüber diskutieren. [...]

Das spornte die SchülerInnen an, sich zu engagieren, und sie bewarben sich erfolgreich bei ›Denkmal aktiv‹ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, um mehr fachkundige Unterstützung zu erhalten.«

Texte und Fotos von den Lehrern und Projektleitern Dr. Volker Gaul und Claus-Peter Kock in diesem Kapitel haben wir der Website denkmal-aktiv.de und dem Bericht der Schule zum Wettbewerb entnommen.

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Das Projektteam des Werner-Heisenberg-Gymnasiums in Heide.

»Gefallenendenkmale – zeitgemäß oder veraltet?«, so heißt das Projekt bei denkmal-aktiv.de. »Die Schülerinnen und Schüler nehmen das in Schulnähe gelegene Kriegerdenkmal genauer unter die Lupe. Sie erforschen seine Entstehungsbedingungen und seine Gestaltung, recherchieren dazu im Kreis- und im Zeitungsarchiv und lernen die Arbeitsweise und den Auftrag des Denkmalamtes kennen. In kreativer Umsetzung des Gelernten erarbeitet das Team Ideen für das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in der Geschichte der eigenen Schule, die 1933 bis 1945 Adolf-Hitler-Schule war.«

Die geplante Umgestaltung des Fensters im Gedenkraum der Schule ist der zweite Teil des Projekts. Genaueres steht im Bericht der Schule (PDF zum Downloaden am Ende des Kapitels).

 

SH HeideProjektpraesentation web


»25.09.2019: Das »denkmal aktiv«-Team am Werner-Heisenberg-Gymnasium bringt erste Ergebnisse des Projekts in die Entscheidungsprozesse der Kommune ein: Vor dem Ausschuss für Kultur, Soziales und Senioren stellt es seine Ideen zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Heide vor – die einstimmig angenommen und zur Weiterverfolgung durch die Gremien der Stadt empfohlen werden.

Ideen zur Umgestaltung bzw. zur künstlerischen Kommentierung des Kriegerdenkmals: Der Zentrale Omnibusbahnhof neben der Gedenkanlage ist umgezogen, auf dem freigewordenen Platz soll ein Hotel gebaut werden. Werner Stelling, der Hamburger Investor, wird auch die Kosten für die geplante Umgestaltung der Gedenkanlage übernehmen.

Die Lehrer Dr. Volker Gaul und Claus-Peter Kock haben als Verteter der »Gedenkstättengruppe« des Werner-Heisenberg-Gymnasiums Mitte Dezember 2020 der Öffentlichkeit ihr Konzept vorgestellt: Die Erinnerung soll mehr umfassen als die Weltkriegsjahre 1914-18 und 1939-45. Besonders wichtig ist es, auf das Jahr 1933 hinzuweisen, den Beginn staatlicher Ausgrenzung, Verfolgung und der Ermordungen in der NS-Diktatur.

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Ihr Modell zeigt die Idee eines sich vertiefenden Runds. So soll die Zeit symbolisiert werden, »in der es bergab ging«. Ein gewollter Gegensatz zur bestehenden Denkmalsanlage, bei der »ein Aufstieg zu einer Art Opferaltar« dargestellt ist. Auf der dreieckigen Säule in der Mitte soll ein Zitat des Philosophen George Santayana zu lesen sein: »Wer die Vergangenheit nicht kennt, ist dazu verurteilt, sie zu wiederholen.«


Schulprojekt Werner-Heisenberg-Gymnasium auf denkmal-aktiv.de

Der Bericht zum Wettbewerb: Gegen Vergessen und für Demokratie

Unsere Dokumentation der Denkmalsanlage


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13 HH-Bramfeld: Der Wettbewerb zur Umgestaltung ist entschieden

Seit über 75 Jahren steht der Soldat am Bramfelder »Ehrenmal« und ruft zum Krieg auf. 1935, als Hitlerdeutschland zum Krieg rüstete, ist er dort hingestellt worden. Mit seiner militanten, beherrschenden Haltung steht er für Heldentum und Angriffskrieg ... und ist ein beliebter Platz für Nazi-Aktionen. Seit Jahren wirbt der Arbeitskreis »Denk Mal« mit vielen Aktivitäten für eine kritische Kommentierung der kriegsverherrlichenden Botschaft des Soldaten.

Unsere Dokumentation des Denkmals

 

HH Bramfeld 6 9 Ansprache web

Zum Friedensfest 2014 enthüllte Ursula Suhling eine Tafel zum Gedenken an zehn Opfer der NS-Justiz und der Strafeinheiten der Wehrmacht. Sie sprach über berührende Details aus dem Leben und von den Hinrichtungen der ihr bekannten Menschen, die auf dieser Tafel genannt werden. Einer von ihnen, der Kommunist Carl Suhling, war ihr Vater. Ende März 1945 ist er 40jährig im Strafbataillon 999 umgekommen. Direkt hinter dem Zaun neben dem Bramfelder »Krieger« liegt der Friedhof Ohlsdorf mit dem Ehrenfeld der Opfer des Nationalsozialismus, auf dem auch die Urne ihrer Mutter Lucy bestattet ist. Besonders im Herbst und Winter ist die Sicht von dort durch die kahlen Bäume auf das Kriegerdenkmal sehr schmerzhaft für Ursula Suhling. Den Platz hat sie heute für ihre Ansprache das erste Mal betreten. Die neue Gedenktafel wird jetzt wenigstens den Blick von vorne auf den »Krieger« zum Teil verstellen.

Am 3. November 2014 ist die Gedenktafel zerstört worden. Am Volkstrauertag zwei Wochen später gedenken die Mitglieder des Arbeitskreises »Denk mal« an der erneuerten Tafel wieder der getöteten Widerstandskämpfer und Kriegsgegner.

Am 13. März 2018 veröffentlichte die Bezirksversammlung Wandsbek den Aufruf zu einem Ideenwettbewerb.

»Mit dem Ideenwettbewerb zur Umgestaltung verfolgt die Bezirksversammlung Wandsbek das Ziel, die als heroisch wirkende Botschaft des Denkmals zu durchbrechen. Der neugestaltete Platz soll die in den Kriegen verübten grausamen Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht länger verschweigen. Er soll zudem künftig ein Ort des Gedenkens für alle Opfer von Kriegen sein.«

Ausschreibungstext


17 Vorschläge wurden abgegeben, über die die Jury befinden konnte. Anfang Mai 2019 stehen die Preisträger fest. Michael Hertel schreibt am 8. Mai im Bramfelder Wochenblatt über den ausgewählten Entwurf von Alke De Luise:

»Die Innenarchitektin stellt dem kreisförmigen Denkmal am nördlichen Ende der nassen Wiese am alten Teich einen zweiten Kreis gegenüber, in dem der Betrachter Platz nehmen kann und die Soldatenfigur wie durch den Filter einer aus geflammten Holzbalken bestehenden Stelengruppe betrachtet. Die Holzbalken wiederum stehen in einem Feld dunklen Schotters. Hier ist alles Symbol für Krieg, Gewalt und Zerstörung.

Auffallend an dem Entwurf ist das Fehlen des häufig belehrenden Tons in Zusammenhang mit der Thematisierung der Nazizeit. Vielmehr steht der Entwurf eher für eine Atmosphäre stiller Trauer und Nachdenklichkeit. Die Künstlerin wünscht sich den Ort künftig als einen ›Platz der Völkerverständigung‹.«


Die drei Preisträger:

1. Alke De Luise

2. Matthias Ploy

3. Axel Richter


Nun warten wir gespannt auf die Realisierung! Bis Anfang 2021 soll die Planung abgeschlossen sein. Dann muss die Bezirksversammlung die Mittel für die ausgewählte Umgestaltung des Platzes freigegeben, um mit dem Bau beginnen zu können.

Seit März 2021 liegt der Bezirksversammlung ein Antrag über 320.000 Euro zur Realisierung des Gegendenkmals vor.


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12 Eutin: Das Soldatendenkmal der Voß-Schule

In ca. 3 bis 4 Meter Höhe ist links neben dem Eingang zur Schule das Kriegerdenkmal vom Berliner Bildhauer Hermann Hosaeus (1875 – 1958) angebracht, das am 17. März 1928 eingeweiht wurde.

SH Eutin Initiativen web


Dr. Jan Ole Wiechmann, Studienrat an der Voß-Schule, schreibt im Projektbericht über die Auseinandersetzung einer 10. Jahrgangsstufe mit dem Denkmal:

Wie verhält sich die Schule – Schüler und Lehrer – dazu, dass wir heute wissen, dass sich die Soldaten damals für falsche Ziele und Ideale eingesetzt haben? Diese appellative Frage bildete den Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit dem Soldatendenkmal, an die sich eine Klasse der zehnten Jahrgangsstufe an der Voß-Schule im Herbst 2018 – einhundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg und neunzig Jahre nach der Einweihung des Bauwerks – im Rahmen des Geschichtsunterrichts heranwagt. Es handelt sich um eine Leitfrage, der sich fast folgerichtig weitere Fragen anschließen: Warum wurde 1928 ein Denkmal vor der eigenen Schule gebaut? Wie ist es gestaltet und wer war in welcher Form an der Errichtung beteiligt? Wie ist es überhaupt zum Ersten Weltkrieg gekommen? Warum zogen die Soldaten in den Krieg und wie haben sie ihn erlebt? Worin bestanden ihre »falsche(n) Ziele und Ideale«? Wie wurde dem Krieg samt seiner Opfer und Täter in den letzten einhundert Jahren gedacht? Und nicht zuletzt: Repräsentiert das Denkmal unsere Sicht der Dinge? Wie wollen wir heute an den Ersten Weltkrieg denken?

Wie das hier vorgestellte Vorhaben paradigmatisch zeigt, wollen die Lehrerinnen und Lehrer sowie die Schülerinnen und Schüler der Voß-Schule dieses Anliegen gerne aktiv aufgreifen. Die in den letzten Jahrzehnten gängige Praxis, das in Bronze gegossene und zunehmend als unangebracht empfundene Denkmal an die im Krieg gestorbenen Schüler unter Efeu zu verstecken und damit zu verdrängen, kann und darf nicht bestehen bleiben. Stattdessen möge die schulinterne Diskussion, die vor zwei Jahren in einem Freischneiden der Statue Ausdruck fand und maßgeblich durch das Projekt »Denkmal!« katalysiert wurde, vorangetrieben werden. Die aktuelle Arbeit einer zehnten Klasse, die zur Erstellung einer Mahntafel führen soll, wird die intensive Auseinandersetzung mit dem Soldatendenkmal an der Schule in diesem Sinne befördern.

Der zentralen Frage nach dem Umgang mit dem vor 90 Jahren errichteten Bauwerk mit Schülerinnen und Schülern nachzugehen, erscheint vor dem skizzierten historischen Hintergrund sowie im Hinblick auf aktuell drohende oder tatsächliche Kriegsszenarien vielversprechend und nachhaltig. Dies zeigt auch der bisherige Unterrichtsverlauf: Die Schülerinnen und Schüler zeigen nicht nur ein großes Interesse für den Ersten Weltkrieg und die Geschichte des Soldatendenkmals, sondern auch ein bemerkenswertes Problembewusstsein für Fragen der Erinnerungskultur. So dürfte das Projekt die Jugendlichen insgesamt zu einem reflektierten und kritischen Umgang mit der Geschichte anregen und zugleich einen friedenspädagogischen Beitrag leisten. Gerade die Beschäftigung mit einem anschaulichen historischen Gegenstand »vor der eigenen Haustür« kann die alte Historikerweisheit, dass Geschichte immer auch Gegenwart ist, mit Leben füllen.

Projektbericht

Dokumentation des Denkmals


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11 Pinneberg: Das Nazidenkmal am Bahnhof

Verschiedene Institutionen und Privatleute aus Pinneberg haben eine Initiative gestartet, um das Kriegerdenkmal am Bahnhof in eine kritische Erinnerungsstätte umzuwandeln. Nach drei Jahren steht die Arbeit der Initiative kurz vor der Auswahl von künstlerischen Entwürfen für eine Ergänzung der »Nazi-Stele«.

Unsere Dokumentation des Denkmals


Historische Einordnung des Denkmals am Bahnhof durch die Präsentationen der Sachverständigen in einer öffentlichen Anhörung im Pinneberger Rathaus am 8. Mai 2018:

Wolfgang J. Domeyer, VHS-Geschichtswerkstatt Pinneberg

Prof. Dr. Loretana de Libero, Vortrag

Prof. Dr. Loretana de Libero, Powerpoint-Präsentation

Pastor i.R. Ulrich Hentschel

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Artikel im Pinneberger Tageblatt von René Erdbrügger vom 4. Mai 2018

Artikel im Pinneberger Tageblatt von Karl-Heinz Stolzenberg vom 11. Mai 2018

Artikel im Hamburger Abendblatt vom 11. Mai 2018


Am Dienstag, 20. Juni 2017 ab 19 Uhr fand eine erste Informations- und Diskussionsveranstaltung statt, zu der nicht nur alle Bürger eingeladen sind, sondern ausdrücklich und persönlich auch die Vertreter der Fraktionen der Ratsversammlung Pinneberg und die Mitglieder des Kulturausschusses und der zivilgesellschaftlichen Organisationen.

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Artikel im Pinneberger Tageblatt von René Erdbrügger vom 7. Juni 2017


November 2017: Das Kriegerdenkmal wird neuerdings angestrahlt. Die im Dunkeln sonst unsichtbare Schrift mit der Heldenverehrung, das Schwert, der Adler sind jetzt schon von weitem sichtbar. Wir dokumentieren hier die Reden, die bei der Protestaktion de Initiative gehalten wurden:

Propst Thomas Drope
Kai Vogel, SPD-Landtagsabgeordneter
Manfred Stache, Ratsherr für die Grünen in Pinneberg
Claudia Eisert-Hilbert, Initiative »Mahnmal statt Kriegerdenkmal«

 

In der Zeitschrift »Gegenwind« erschien in der Märzausgabe 2018 der Artikel »Kein Licht für Kriegsverherrlichung«.

Gegenwind, März 2018


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10 HH-wilhelmsburg: DENKmal-Prozess an der Emmauskirche

AKTUELL: Am 21. Februar 2019 fasste der Kirchengemeinderat Reiherstieg und die DENKmal-Gruppe folgenden einstimmigen Beschluss:

»Im Zuge der Umbauarbeiten des Gemeinde-und Kirchenensembles Emmauskirche wurde das Kriegerdenkmal verrückt und hat kontroverse Diskussionen hervorgerufen. Die DENKmal-AG hat den historischen Hintergrund des Kriegerdenkmals aufgearbeitet. Der KGR stellt sich seiner Verantwortung für Kirche und Gesellschaft. Eine künstlerische Intervention soll das Kriegerdenkmal in seinen lokalen und historischen Bezügen kommentieren und insbesondere seine militaristische Botschaft brechen. Die DENKmal-AG wird beauftragt, diesen Prozess inhaltlich und organisatorisch voranzubringen. Gewünscht wird, dass mindestens ein*e Vertreter*in des KGR den Prozess aktiv begleitet.«

Das Kriegerdenkmal stand bisher ein wenig verdeckt hinter Hecken direkt an der Emmauskirche. Im Rahmen des Neubaus ist es 2017 an die Mannesallee versetzt worden. Das Denkmal steht nun sehr exponiert, es gehen viele Menschen vorbei. Direkt nach der Umsetzung ist es über Nacht mit Graffiti beschmiert worden.


HH Wilhelmsburg Graffiti neu web2


Wenn man das Jahr der Einweihung des Kriegerdenkmals an der Emmauskirche und die Botschaft der Inschrift: »Den für Volk und Vaterland Gefallenen zur Ehre und im Glauben an die deutsche Zukunft errichtet« bedenkt, trifft diese Aussage einen historischen Kern.

Am 26. Januar 2018 startet der DENKmal-Prozess rund um das Kriegerdenkmal. Die ev.-luth. Reiherstiegkirchengemeinde und die Geschichtswerkstatt laden um 19.30 Uhr in den Kleinen EmmausSaal ein. Ziel ist es eine Position/Haltung hinsichtlich des Emmaus-Kriegerdenkmals zu erarbeiten und eine Empfehlung auszusprechen, wie mit dem Kriegerdenkmal an der jetzigen Stelle umzugehen sei.


Artikel des Wilhelmsburger InselRundblick 2/2018

Dokumentation Denkmal Wilhelmsburg


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09 Verhöhnen der Opfer durch
Gedenken der Täter?

Die Erinnerung an den Nationalsozialismus hat in den letzten 70 Jahren einen starken Wandel durchlaufen – vom Kriegergedenken bis zur heutigen ausdifferenzierten Gedenkkultur. Trotzdem fällt es nach wie vor schwer, einen kritischen Umgang mit der eigenen Geschichte zu finden, gerade wenn es um lange bestehende Denk- und Mahnmale im öffentlichen Raum geht. Am 21. Februar 2019 hielt Dr. Stephan Linck, Studienleiter für Erinnerungskultur und Gedenkstättenarbeit an der Evangelischen Akademie der Nordkirche einen Vortrag zum Thema.

Stephan Linck im Kieler Landeshaus


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08 Weiße Wäsche – Kunstaktion ›DENK MAL!‹

Im Sommer 2014 lud Ulrich Hentschel, der Studienleiter für Erinnerungskultur der Ev. Akademie der Nordkirche zu einer temporären Kunstaktion in Hamburg und Schleswig-Holstein ein:

»Kriegerdenkmäler – Stumme Zeugen ins Gespräch bringen

Kriegerdenkmäler befinden sich in vielen Dörfern und Städten, in und an Kirchen, in Parkanlagen und Friedhöfen. Oft werden sie über-sehen, bisweilen durch neonazistische Gruppen instrumentalisiert und regelmäßig am Volkstrauertag für kommunale Gedenkfeiern, oft mit kirchlicher Begleitung, genutzt. 

Die meisten dieser Denkmäler wurden in den 1920er Jahren errichtet. Sie dienten der nationalistisch aufgeladenen Sinngebung für den 1. Weltkrieg und wurden zu Propaganda-Stätten für die ideologische Vorbereitung des Zweiten Weltkriegs.

In einer landesweiten Aktion zum 75. Jahrestag des deutschen Angriffs gegen Polen am 1. September 1939 sollen einige dieser Denkmäler durch eine zeitlich auf ein bis zwei Wochen begrenzte Kunstaktion ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht werden.

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Die Künstler Axel Richter vom KunstHaus Schüberg und Uwe Schloen aus Bremen erklären ihre Kunstaktion so
:

›Blickwechsel – Regionale Betroffenheit und landesweite Verbundenheit generations-übergreifend anzuregen und zu verknüpfen ist die Aufgabe. Dazu braucht es ein leichtes, spielerisch mehrdeutiges und vielfach einsetzbares Objekt. Es braucht ein bildnerisches Mittel, das Bezugs- und Verfremdungsaspekte zu Stein und Bronze, Inschrift und ortsspezifischer Grünanlage entstehen lassen.

Das Bild der Wäscheleine  mit weißer Wäsche erfüllt in seiner Einfachheit, in seinem Kontrast der häuslichen Intimität zum öffentlichen Denkmal alle erforderlichen Kriterien. … weiße Wäsche, Unschuld, Kindheit, dreckige Wäsche waschen, Friedensfahne, Wäsche im Wind, der Fahne nach, Heim und Herd …  

Durch die Auswahl der Kleidungsstücke werden zusätzliche Aspekte gesetzt. Nicht nur Väter und Söhne, sondern auch Mütter und Töchter, die ganze Familie ist angesprochen. Es ist der alte Konflikt zwischen der Freiheit menschlich Individuellem und dessen Missbrauch — Leidtragende sind vor allem die Kinder.«


Lesen Sie mehr über den Verlauf der einzelnen Kunstaktionen bei Kriegerdenkmäler Hamburg: Bramfeld>, Dammtor>, Harburg>, Ottensen> und Schleswig-Holstein: Ahrensburg>, Bünningstedt>, Hoisbüttel>.

»DENK MAL! Kunstaktionen provozieren Aufmerksamkeit und Debatte« – so wird ein Artikel von Ulrich Hentschel auf der Titelseite des »Gegenwind« 312, September 2014, angekündigt. Der »Gegenwind«, Magazin für Politik und Kultur in Schleswig-Holstein, erscheint zwölfmal jährlich, er wird herausgegeben von der Gesellschaft für politische Bildung e.V., Kiel. Sie finden den Artikel online auf

www.gegenwind.info

Unter Themen: >Geschichte >Denk mal – gegen Krieg


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07 München: DEUTSCHLANDS …. UN.. EHRE

AKTUELL: Gefilmter Stadtrundgang zum Giesinger Kriegerdenkmal in München:

Initiativen Kastner 2021 web

Aufklärung und Aktion am 17. März 2021 mit Wolfram P. Kastner und Hans-Peter Berndl.

www.muenchen.tv



Medieninformation des Instituts für Kunst und Forschung
vom 4. Februar 2015:

Mit einer ästhetischen Intervention wurde heute das Kriegerdenkmal an der Dachauer Straße in München verändert. Dort stand der Text:

SIE STARBEN FÜR DEUTSCHLANDS RUHM UND EHRE
DEN TOTEN DER BAYERISCHEN EISENBAHNTRUPPE
IM WELTKRIEG 1914-18

Mit der Entfernung von fünf Buchstaben wurde der geschichtlichen Wirklichkeit und der heutigen historischen Kenntnis Rechnung entsprochen.
Das Denkmal wurde 1922 errichtet, 1945 zerstört und 1962 mit dem unsäglichen militaristischen Text neu errichtet. Alljährlich werden dort Kränze der Bundeswehr angebracht, so als wäre die Bundeswehr immer noch der Auffassung, das entsetzliche Morden habe Deutschlands Ruhm und Ehre befördert.
Wir hatten die Bundesministerin für Verteidigung gebeten, das Denkmal zu verändern oder mit einem Text zu ergänzen, der etwas so lauten könnte:
»Wir trauern um die Soldaten der Bayerischen Eisenbahntruppe, die in dem sinnlosen und furchtbaren Krieg 1914-18 ihr Leben verloren. Wir wollen für Frieden sorgen und Kriege verhindern.«
Die wurde in einem Schreiben des Oberst im Generalstab abgelehnt, weil sich um ein »Sachzeugnis« handle, das »dauerhaft und unverfälscht erhalten werden soll«.

Wir sind der Auffassung und sehen uns in Übereinstimmung mit dem Grundgesetz, dass der militaristische Geist dieses Kriegerdenkmals nicht unverändert bleiben darf und dass nie mehr junge Menschen mit der Illusion in Kriege geschickt werden dürfen, sie würden für »Deutschlands Ruhm und Ehre« töten und sterben.
Die demontierten Buchstaben haben wir nach Berlin an Frau von der Leyen geschickt, als Denkanstoß für einen neuen Text, der von Trauer und Friedenswille geprägt ist, statt von mörderischem Ruhm und falscher Ehre.

Wolfram P. Kastner (Künstler)
Hans-Peter Berndl (Künstler)

KD DachauerStr Muenchen web

UN EHRE Muenchen web

Brief an Frau von der Leyen vom 14. Januar 2015:

Brief Januar 2015

Montag, den 2.3.2015 erscheint im Münchner Merkur ein Artikel über die Aktion:

MM, 2.3.2015


Die Bundeswehr hat die veränderte Inschrift mit einer schwarzen Platte verdeckt. Wolfram P. Kastner und seine Kollegen vom Institut für Kunst und Forschung schrieben »Trauer« darauf. Die Schrift wurde entfernt und die Platte mit Wagenschmiere unbeschreibbar gemacht. Daraufhin klebten die unermüdlichen Kriegsgegner die Buchstaben »FRIEDEN!« auf die Platte. Nach drei Tagen war auch dieses Wort verschwunden.


13. Juli 2015: Neue Tafel und Brief an Frau von der Leyen

Sehr geehrte Frau von der Leyen,
wir haben heute am Kriegerdenkmal in München an der Dachauer Straße eine Tafel angebracht mit dem Text:

Wir trauern um alle,
die im Weltkrieg 1914 – 18
grausam und sinnlos
ihr Leben verloren.

Die Toten mahnen uns,
mit allen Kräften
für Frieden zu sorgen
und Kriege zu verhindern.

Wir dürfen sicher davon ausgehen, dass Sie nichts gegen die Bekundung von Trauer und die Sorge für Frieden und gegen Krieg einzuwenden haben und diese Tafel  dankbar entgegen nehmen als sinnvolle und notwendige Ergänzung des Kriegerdenkmals.

Der militaristische Text aus dem Jahre 1926 "SIE STARBEN FÜR DEUTSCHLANDS RUHM UND EHRE" wurde vermutlich - entsprechend der Kontrollratsdirektive 30 - nach dem verbrecherischen II. Weltkrieg zerstört und erst 1965 im "Kalten Krieg" wieder erneuert.

Er erregt heute vielfach Ärgernis und widerspricht  dem heutigen allgemeinen und sicher auch Ihrem Friedenswillen. Deshalb gehen wir davon aus, dass der Text zu Trauer und Friede auch in Ihrem Sinne ist und dort auf Dauer erhalten bleiben kann.

Wir bitten Sie, uns das zu bestätigen.

Mit freundlichen Grüßen
Hans-Peter Berndl                                    Wolfram P. Kastner


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06 Kriegerdenkmal-Appell der ›gefallenen‹ deutschen Soldaten

»Baut die Kriegerdenkmäler ab, haltet nicht an uns fest!« fordert Klaus-Peter Klauner aus Köln in seinem »Appell der ›gefallenen‹ deutschen Soldaten«. Der Begleittext enthält bisweilen provozierende Überlegungen, die bei der Debatte über Kriegerdenkmäler und die entsprechenden Rituale Aufmerksamkeit verdienen.

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05 Tätige Kritik am Ohlsdorfer Gedenkritual

In der Nacht vom 19. zum 20. November 2019 haben Unbekannte den beim Kriegerdenkmal auf dem Ohlsdorfer Friedhof am Volkstrauertag abgesetzten Kranz der »Freien und Hansestadt Hamburg« zum Hamburger Rathaus zurückgebracht. Dort wurde der Kranz mit einem plakatgroßen Brief an Bürgermeister Tschentscher am Heinrich-Heine-Denkmal – für alle sichtbar – aufgestellt. Hintergrund der Aktion war, dass mit den Kränzen einseitig der toten Soldaten des 2. Weltkrieges gedacht wird, während die vielen anderen Opfergruppen durch die Kranzpräsentation unter den eisernen Lettern »Zum Gedenken an die im Weltkrieg 1939-1945 gefallenen Soldaten« missachtet bleiben. Seit Jahren ist bekannt, dass auf dem Gräberfeld für die »Gefallenen« auch KZ-Häftlinge und Widerstandskämpfer*innen, 8 Kleinkinder von Zwangsarbeiterinnen, 46 jüdische Soldaten der Roten Armee, mehr als 60 hingerichtete Wehrmachtsdeserteure und andere Opfer der Naziherrschaft liegen.

Der Brief an den Bürgermeister wurde im Namen von Heinrich Heine verfasst. Er endet mit dem Vorschlag, dieses einseitige Gedenken so lange einzustellen, bis die Lettern am Kriegerdenkmal entfernt sind oder es durch Tafeln kommentiert wird.


Lesen Sie dazu unsere Dokumentation des Ohlsdorfer Kriegerdenkmals

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04 Materialsammlung der EKD, 2014

Im Jahr 2014 erinnerte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) mit der umfangreichen Materialsammlung »Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens« an den Beginn des 1. Weltkriegs.

Materialsammlung

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03 »Damals nicht, jetzt nicht, niemals!«

Das jüngste Projekt des Künstlers Volker-Johannes Trieb zum Thema Krieg und Frieden wird bis 2018 an exponierten Plätzen gezeigt. Er hat es mit Schülern und Schülerinnen der Gymnasien des Landkreises Osnabrück verwirklicht. Die hölzernen Stelen sind aus Baumstämmen des Frontgebiets im 1. Weltkriegs entstanden, sie enthalten Granatsplitter und Patronenkugeln – Zeitzeugen der verheerenden Kampfhandlungen. Die Schüler und Schülerinnen gestalteten sie zu »Friedenszeichen«. Volker-Johannes Trieb: »Es geht darum, dass so etwas nie wieder passiert. Ist es schon Krieg, wenn an den Außengrenzen der EU Menschen sterben?«

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• Die Stelen auf dem Gelände der Varusschlacht im Osnabrücker Land – Museum und Park Kalkriese

Helmut Kemper, Kulturbüro Landkreis Osnabrück in »Der Landkreis« 5/2015


In einem Flyer wird das Projekt vorgestellt:

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Flyer

Wir bedanken uns bei Helmut Kemper für die Informationen und Bilder


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02 Mainz: Nein zur Instrumentalisierung des Gedenkens

In Mainz wurde der Opfer der Bombardierung der Stadt am 27. Februar 1945 gedacht. Im Vorwort zur Broschüre mit dem Veranstaltungsprogramm der Stadt Mainz zum 70. Jahrestag der Zerstörung von Mainz schreibt Oberbürgermeister Ebling:

»Wir brauchen diesen Tag des Gedenkens, weil unsere Zukunft auch auf Erinnerung und Erfahrung gründet. Gerade heute, da eine Generation in der Verantwortung steht, die die Schrecken dieses Weltkriegs nicht erlebt hat, müssen wir die Erinnerung bewahren. Nur dann können wir uns auch verantwortungsvoll an internationalen Einsätzen beteiligen.«

Es ist kaum zu glauben, aber offensichtlich wahr: Oberbürgermeister Ebling will das Gedenken an die Schrecken des Krieges nutzen, um für deutsche Militäreinsätze zu werben. Dazu passt, dass OB Ebling am Volkstrauertag einen Kranz am Kriegsmarinedenkmal niederlegen ließ. Auf dem Denkmal ist zu lesen:

Den Gefallenen zum Gedächtnis
Den Lebenden zur Anerkennung
Künftigen Geschlechtern zur Nacheiferung

Text nach einer Veröffentlichung des DFG-VK Mainz


Am 18. November 2014 brachte der Mainzer Friedensaktivist Hans Ripper den Kranz zurück ins Rathaus. »Wer am Kriegsmarinedenkmal ohne weiteren Kommentar einen Kranz aufhängt, macht sich die Botschaft zu eigen. Das ist unmissverständlich Aufhetzung zum Krieg oder gar zum nächsten Krieg!«

1 mainz kranz zuruck an burgermeister web

2 mainz kranz zuruck an burgermeister web


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01 Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens

Heausgegeben von Pax Christi  Internationale Katholische Friedensbewegung, Regionalverband Osnabrück/Hamburg

Arbeitshilfe: Gedenken an den Beginn des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren


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